Fluchtpunkt Fremdenlegion

Schweizer im Indochina- und im Algerienkrieg, 1945-1962

Rund 2200 junge Schweizer Männer traten nach dem Zweiten Weltkrieg trotz Verbot in die Fremdenlegion ein, um für die damalige Kolonialmacht Frankreich fern von Europa in den Krieg zu ziehen. Was hat sie dazu bewogen? Und wie sah ihr Legionsalltag und das Leben danach aus?
Wer in die Welt der Legionäre eintaucht, stösst unweigerlich auf Armut und Unrecht in der Schweizer Nachkriegsgesellschaft: auf Männer aus grösstenteils niedrigen sozialen Schichten, aus zerrütteten Familien, auf Männer mit geringer Ausbildung, mit viel Erfahrung in Anstalten oder als Verdingkind, mit einem aus «Armutsdelikten» bestehenden Vorstrafenregister, oder auch mit Beziehungsproblemen. All dies erschwerte ein Vorwärtskommen in der Schweiz und bewog diese Männer zur Flucht in die Legion, wie dieses Buch eindrücklich belegt.
Frankreich mit seiner Fremdenlegion vermochte die Ausweglosigkeit dieser männlichen Rand- und Unterschichten skrupellos für die eigenen Ziele, die Kolonialpolitik in Indochina und Nordafrika, zu instrumentalisieren. Im rigiden militärischen Verband zu folgsamen Legionären geformt, sehen nicht wenige diesen Einsatz in Fremden Diensten als neue Lebenschance. Ihre Bewältigung des Legionsalltags in all seinen Facetten, ihre Sicht auf das Fremde, die «Eingeborenen», sowie die Kriegserfahrungen und deren Bewältigung, auch die Mitwisserschaft und Verdrängung von Folter und Kriegsverbrechen, werden eingehend thematisiert. Ebenso die Strafverfahren der schweizerischen Militärjustiz sowie der erfolgte beziehungsweise misslungene Aufstieg in der Legion und die erfolgreiche oder auch missglückte Integration in der Schweiz.
Aus einem reichen Quellenfundus schöpfend – insbesondere Militär- und Konsulatsakten, Memoirenliteratur und mündlichen Quellen –, legt der Autor eine Kollektivbiografie vor, die ergänzt durch zahlreiche Fallbeispiele ein anschauliches und differenziertes Bild der untersuchten Schweizer Fremdenlegionäre vermittelt.
Portrait
Peter Huber, Dr. phil., geb. 1954, ist Privatdozent am Departement Geschichte der Universität Basel. Er forscht, unterrichtet und publiziert unter anderem zur Sowjetunion, zum Spanischen Bürgerkrieg und zur Kriegsfreiwilligkeit im Allgemeinen.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 320
Erscheinungsdatum 30.11.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-0340-1352-9
Verlag Chronos Verlag
Maße (L/B/H) 236/162/27 mm
Gewicht 622
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