Flamme sein!

Hans Scholl und die Weiße Rose

Robert M. Zoske

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Beschreibung


Erstveröffentlichung sämtlicher Gedichte von Hans Scholl und mit dem Text sämtlicher Flugblätter.

Ohne Hans Scholl hätte es die Weiße Rose nicht gegeben. Aber wie kam der 23-Jährige dazu, sein Leben im Kampf gegen Hitler zu riskieren? Robert Zoske zeichnet auf der Grundlage von bisher unbekannten Dokumenten ein neues, faszinierendes Bild von einem jungen Mann, den der Heroismus des Nationalsozialismus ebenso anzog wie eine naturmystische Frömmigkeit, dessen Freiheitsdrang aber seine größte, kompromisslose Leidenschaft war. „Ganz leben oder gar nicht!“, notierte Hans Scholl, und es ist erstaunlich, welche Erfahrungen sich in seinem kurzen Leben verdichten. Während er zum Fähnleinführer in der Hitlerjugend aufstieg, leitete er eine verbotene Jugendgruppe, die abenteuerliche Fahrten unternahm und verpönte Schriftstellerlas. Er liebte Jungen und Mädchen, schrieb Gedichte und Erzählungen. Als Medizinstudent interessierte er sich vor allem für Philosophie und erlebte als Sanitätssoldat das Grauen an der Front. Er war mit Künstlern und Schriftstellern befreundet, verehrte Stefan George und zunehmend Thomas Mann. Robert Zoske zeigt, wie sehr dessen Rundfunkansprachen die Flugblätter der Weißen Rose beeinflussten, die Hans Scholl verfasste und zusammen mit seinen Mitstreitern verbreitete. „Es lebe die Freiheit“, waren seine letzten Worte. Das fesselnd geschriebene Buch lässt dieses Vermächtnis eindrucksvoll lebendig werden.


Robert M. Zoske, Dr. phil., evangelischer Theologe, war bis 2017 Pastor in Hamburg. Von ihm erschien zuletzt Sehnsucht nach dem Lichte. Zur religiösen Entwicklung von Hans Scholl (2014). Einem größeren Publikum ist er durch Radiosendungen zu Kunst und Religion und zahlreiche Vorträge über den Widerstand der Weißen Rose bekannt.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 368
Erscheinungsdatum 12.03.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-406-70025-5
Verlag C.H.Beck
Maße (L/B/H) 22,1/14,8/3,2 cm
Gewicht 617 g
Abbildungen mit 44 Abbildungen
Auflage 2. Auflage

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Es lebe die Freiheit!
von Sikal am 28.01.2018

Hans Scholl, Gründungsmitglied der Weißen Rose, bezahlte seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus – wie bekannt - mit dem Tod. Was bewegt einen 23-jährigen, sein Leben in den Dienst der Freiheit zu stellen? Robert M. Zoske, Dr. phil., evangelischer Theologe, beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der Weißen Rose – von ih... Hans Scholl, Gründungsmitglied der Weißen Rose, bezahlte seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus – wie bekannt - mit dem Tod. Was bewegt einen 23-jährigen, sein Leben in den Dienst der Freiheit zu stellen? Robert M. Zoske, Dr. phil., evangelischer Theologe, beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der Weißen Rose – von ihm erschien bereits „Sehnsucht nach dem Lichte. Zur religiösen Entwicklung von Hans Scholl.“ Zoske zeichnet ein Bild eines jungen Mannes, der einerseits von der Hitlerjugend ebenso fasziniert ist und bis zum Fähnleinführer aufsteigt, während er sich andererseits der Autokratie Hitlers widersetzt, indem er z.B. verbotene Bücher liest und letztendlich diese bekannten Flugblätter verteilt. Hans Scholl wurde am 22. September 1918 geboren und verlebte seine Kindheit und Jugend in einem religiös orientierten Umfeld. Seine Eltern unterstützten seine Ambitionen der Hitlerjugend beizutreten. Als von den Nationalsozialisten das Verbot sämtlicher „staatsfeindlicher“ Jugendverbände publik wurde, wollte Scholl erst dem politischen Druck nachgeben, entschied sich jedoch um und organisierte im Geheimen diverse Zusammenkünfte und Ausflüge. Sein Enthusiasmus war unbeschreiblich. Er dachte lange Zeit, seine nationalrevolutionäre Anschauung in bündischen und nationalsozialistischen Organisationen verwirklichen zu können – er wollte ein normales Leben führen können und doch war genau dies zu der Zeit zum Scheitern verurteilt. „Ganz leben oder gar nicht!“, wurde zu Scholls Devise. Sein Freiheitsdrang war unumstößlich, was sich natürlich mit der nationalsozialistischen „Gestaltung“ des Landes nicht vereinbaren ließ. Musste diese Zerrissenheit zum Widerstand führen? Scholl kämpfte nicht nur gegen den Nationalsozialismus, sondern auch gegen sich selbst. Einerseits war er zielstrebig und überzeugend, andererseits konnte er sich ganz zurückziehen, wusste nicht wohin sein Weg ihn führen soll, verlor sich in selbstverfassten Gedichten und Erzählungen und spürte auch eine gewisse Unsicherheit aufgrund seiner sexuellen Neigungen. „Hans Scholl sollte bis an sein Ende der werdende Wanderer bleiben, doch nur auf den Wandel wollte er sich trotzdem nicht festlegen. Sprunghaft-widersprüchlich versuchte er, die Gegensätze von Ruhe und Ruhelosigkeit miteinander zu vereinen.“ Seine Beziehungen zu jungen Männern konnte er nicht verheimlichen und geriet – teilweise durch Denunziation sowie unglückliche Zufälle – ins Visier der Gestapo, woraufhin er etliche Tag in Haft verbrachte. Hier merkt man sehr schön die tiefe Verbundenheit innerhalb der Familie, seine Briefe an die Eltern sind sehr berührend und auch die Bemühungen des Vaters, um den Sohn aus den Fängen der Justiz zu befreien, zeigen den Zusammenhalt. Als Medizinstudent war Scholl besonders der Philosophie zugeneigt, beschäftigte sich u.a. mit Nietzsche. Auf seinen Fronteinsätzen wurde er mit den Schrecklichkeiten des Krieges konfrontiert, was seine Haltung noch verstärkte. Ebenso beeinflussten die Radioansprachen Thomas Manns die Flugblätter der Weißen Rose – dies wird durch Zoske hier sehr beeindruckend dargestellt. Ebenso erfährt man in kurzen Kapiteln seine Beziehung zu seiner jüngeren Schwester Sophie, seinen Freund Alexander Schmorell, Traute Lafrenz, Christoph Probst u.a. Im Anschluss an die Biographie findet man noch die Originaltexte der Flugblätter sowie sämtliche Gedichte Hans Scholls. Was mich sehr beeindruckte, war seine tiefe Gelassenheit und Ruhe als er seinem Schicksal entgegensah. Er wusste was ihn erwartet und stand auch in diesen Momenten hinter seinen Überzeugungen. Hier half ihm vermutlich seine Beziehung zur Religion, was man auch in diversen Briefausschnitten herausliest. Zoske ist eine detaillierte und faszinierende Biographie Hans Scholls gelungen. Man merkt seine Kenntnisse über die Weiße Rose und erkennt seine akribischen Recherchearbeiten. Viele Zitate, Briefauszüge und Bilder geben dem Menschen Hans Scholl – fernab der Bewegung – eine Stimme. Dieses Bild gefiel mir ausgesprochen gut, viel Neues durfte ich erfahren. Gerne vergebe ich fünf wohlverdiente Sterne. „Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.“ (Christian Morgenstern)


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  • Prolog: Es lebe die Freiheit! 



    Erstes Kapitel: Anfangszeit, 1918–1933 

    Wie froh bin ich, Dich zu haben: Robert und Magdalene Scholl 

    Die Eltern nannten ihn Heiland: Kindheit und Hitlerjugend 

    Zweites Kapitel: Jugendbundzeit, 1933–1937 

    Fanatisch das Neue bauen: In der dj.1.11 

    Etwas vom schönsten der Weltliteratur: Abitur und Lektüre 

    Wir wollen doch Flamme sein! Heroisches Leben 

    In alter Kameradschaft: Der heimliche Freund 

    Ihr seht den Weg: Bewunderung für Stefan George 

    Ein gewisser Einfluss: Jungenführer und Dichter 

    Ganz leben oder gar nicht: Faszination Nationalsozialismus 

    Drittes Kapitel: Wendezeit, 1937–1939 

    Große Liebe: Siebzehn Tage Haft 

    Ich sah sein schemenhaftes Gesicht: Begegnung mit Hitler 

    Ich kann mich nicht einschränken: Verzweifelte Leidenschaft 

    Lust – Leid – und Liebe: Jungfrau Maria 

    Schon lange bereut: Sondergericht und Demütigung 

    Viertes Kapitel: Reifezeit, 1939–1941 

    Der eigentliche Sinn der Dinge: Medizin und Nietzsche 

    Von früh bis spät beisammen: Die engste Freundschaft 

    Ihre Liebe ist so ungemein echt und wahr: Verliebtheiten 

    Ich suche mich, nur mich: Kriegsbeginn und Westfront 

    Persönlichkeit heißt Widerstand: Nikolai Berdjajew 

    Geschlossenes Weltbild: Carl Muth und Theodor Haecker 

    Ich lese die Buddenbrooks und bin begeistert: Thomas Mann 

    Nicht Mann und Frau: Platonische Liebe 

    Abenteuer hin zum Licht: Paul Claudel 

    Sie ist mir völlig gleichgültig: Traute Lafrenz 

    Ich bin ein «homo viator»: Wandererfantasien 

    Fünftes Kapitel: Kampfeszeit, 1941–1943 

    Ich bin klein und schwach: Glaube und Kampf 

    Schönheit und Klarheit: Die jüngere Schwester 

    Eigentlich mein einziger Freund: Der Russe 

    Etwas tun, heute noch: Die Formierung des Widerstands 

    Es ist noch nicht zu spät: Die Flugblätter I bis IV 

    Weiße Rose: Revolutionär, propagandistisch, emotional 

    Wenn Christus nicht gelebt hätte: An der Ostfront 

    Beweist, dass Ihr anders denkt! Flugblatt 5 und die Mitstreiter 

    Ihre Muschel haben Sie auch vergessen: Die letzte Geliebte 

    Freiheit und Ehre: Flugblatt 6 

    Sag Alex, er solle nicht auf mich warten: Verhaftungen 

    Verpflichtung zur Tat: Alexander Schmorell vor der Gestapo 

    So ein gleichgültiges Gefühl: Freiwillige Aussage 

    Erwartet, mein Leben zu verlieren: Geständnis und Bekenntnis 

    Aus ideellen Gründen gehandelt: Sophie Scholl 

    Nicht Böses mit Bösem vergelten: Abendmahl und Abschied 

    Brave, herrliche junge Leute! Nachgeschichte 1943 

    Epilog: Letzte Worte der Mitstreiter 



    Anhang

    Die Gedichte von Hans Scholl 

    Die Flugblätter 

    Dank 

    Anmerkungen 

    Quellen und Literatur 

    Bildnachweis 

    Personenregister