Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Gekürzte Ausgabe, Lesung

Jakob Hein

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Beschreibung

Wie ein jüdischer Leutnant in den Heiligen Krieg zog
Sommer 1914. Die deutsche Militärführung hat sich einen raffinierten Schachzug überlegt: Wenn sich der türkische Sultan davon überzeugen ließe, den Dschihad auszurufen, stünden Briten und Franzosen vor großen Problemen. Die Muslime würden in den Kolonien revoltieren und der Krieg mit Deutschland so zur Nebensache werden. Um die Gunst des Sultans zu gewinnen, plant man, 14 muslimische Kriegsgefangene feierlich in Konstantinopel freizulassen. Doch dazu müssten diese durch halb Europa geschleust werden. Für solch eine Mission braucht es jemanden mit Chuzpe und unkonventionellen Ideen. Einen wie den jüdischen Leutnant Edgar Stern. Dieser verkleidet die Gefangenen kurzerhand als Zirkustruppe und macht sich mit ihnen auf in Richtung Osten und Dschihad.

Hein, Jakob
Jakob Hein, geboren 1971 in Leipzig, lebt seit 1972 in Berlin. Er arbeitet als Psychiater. Seit 1998 ist er Mitglied der Reformbühne Heim und Welt. Er hat inzwischen 14 Bücher veröffentlicht, darunter "Mein erstes T-Shirt", "Herr Jensen steigt aus" und "Wurst und Wahn".

Koch, Wolfram
Wolfram Koch spielte an fast allen großen deutschen Theatern. Er ist neben seiner Filmarbeit ein gefragter Hörbuchsprecher, der durch seine interpretatorische Bandbreite beeindruckt - er liest Werke von Jussi Adler-Olsen bis Stefan Zweig gleichermaßen überzeugend.

Produktdetails

Medium CD
Sprecher Wolfram Koch
Spieldauer 280 Minuten
Erscheinungsdatum 22.02.2018
Verlag Argon
Fassung gekürzt
Hörtyp Lesung
Sprache Deutsch
EAN 9783839816349

Kundenbewertungen

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Eine zirkusreife Mission
von Gertie G. aus Wien am 14.07.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines Besseren belehrt. Auch die preußischen Generalstäbler greifen manchmal zu unkonventionellen Mitteln. Doch nun zum Inhalt: Der junge Leutnant Edgar Stern be... Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines Besseren belehrt. Auch die preußischen Generalstäbler greifen manchmal zu unkonventionellen Mitteln. Doch nun zum Inhalt: Der junge Leutnant Edgar Stern befindet sich gerade in einem belgischen Seebad und muss die schwierige Entscheidung treffen, ob er einheimisches Bier oder französischen Rotwein zum Diner nehmen soll, das platzt ein Telegramm in die Idylle: „Der große Krieg begann für Stern als griechische Vokabel, serviert auf einem Silbertablett in die beschauliche Stille eines Nachmittags in einem abgelegenen belgischen Badeort hinein.“ Nachdem seine Idee, den Suezkanal zu sprengen und damit den Nachschubweg der Briten zu kappen, zwar mit Wohlwollen des Generalstabes aufgenommen, aber wegen der geänderten politischen Rahmenbedingungen nicht mehr durchgeführt werden kann, betraut man ihn mit einer anderen schier unglaublichen Mission: Stern soll eine Gruppe Muslime nach Konstantinopel bringen und dort mit Hilfe des deutschfreundlichen Sultans einen Dschihad ausrufen. Ziel soll die Erhebung aller Muslime der Welt sein und sowohl die französischen als auch die britischen Kolonien erschüttern. Doch wie bringt man eine Gruppe arabisch aussehender Männer unauffällig nach Konstantinopel? Die 14 ausgesuchten Muslime, sechs Marokkaner, drei Tunesier und fünf Algerier, die sich untereinander nur über einen Dolmetscher verständigen können, werden als Mitglieder eines Zirkus ausgegeben und reisen mit „Zirkusdirektor“ Edgar Stern per Bahn über den Balkan in das Osmanische Reich. Mit an Bord sind noch die neuesten Funkgeräte von AEG und zwei Funker sowie Sterns Vorgesetzter Schabinger Freiherr von Schowingen, der inkognito im feudalen Schlafwagen mitreist, während der Rest der Truppe „Holzklasse“ fährt. Detailliert wird diese abenteuerliche Fahrt geschildert. In jedem Bahnhof beginnt das Zittern vor der Entdeckung, zumal die Bahnhofsvorstände und Zollbeamten argwöhnisch die sonderbare Truppe beäugen. Meine Meinung: Diese Geschichte ist so unglaublich, dass sie wahr sein muss. Schon allein die Rekrutierung und Ausrüstung der 14 Männer grenzt an Slapstick: Die Muslime sind nämlich allesamt zwangsverpflichtete Untertanten Frankreichs, die als Kriegsgefangene in Deutschland interniert sind. Sie werden als Freiwillige herausgepickt und als Zirkusleute verkleidet. Köstlich ist der Kampf Leutnant Sterns mit der Preußischen Bürokratie geschildert. Statt bunter verschiedener Kleidung erhalten sie identen Pluderhosen und Kopfbedeckungen, sodass sie wieder wie Soldaten aussehen. Doch da weiß der findige Stern Abhilfe zu schaffen und engagiert ausgerechnet einen jüdischen Schneider, um die Kostümierung ein wenig unauffälliger zu gestalten. Dieser historische Roman ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Der Leser kann sich unter die Muslime mischen und deren Verwunderung über die Mission teilen oder an der Seite Sterns die Vorbereitungen beobachten. Auch darf man den Vorgesetzten über die Schulter schauen. Diese multiple Sicht ist sehr reizvoll, da die unterschiedlichen Protagonisten zu Wort kommen. Diese kuriose Geschichte ist sehr amüsant geschrieben, dennoch streift sie ein Kapitel des Ersten Weltkriegs, in dem sich Deutschland wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat: Den Völkermord an den Armeniern. Mit seiner deutsch-türkischen Freundschaft und seinem Vorhaben „Weltaufstand der Muslime“ lässt er die Ermordung tausender Armenier zu, die im osmanischen Reich eine ähnliche Sündenbock-Rolle innehaben wie die Juden. Interessant finde ich, dass die Generalstäbler ihre Hausaufgaben nicht so ganz perfekt gemacht haben. Sie hätten vorher wissen müssen, dass es zwischen den verschiedenen muslimischen Völkern auch unterschiedliche Interpretationen des Glaubens gibt. Edgar Stern übersteht das Abenteuer, wenn man von der Erkrankung an Malaria absieht, ebenso unbeschadet wie Schabinger. Stern wird bis 1933 Chefredakteur der Nachrichtenagentur „Wolfs Telegrafisches Büro“. Danach der nationalliberale Mann mit jüdischen Verwandten für den Job nicht mehr tragfähig war. Stern kann mit seiner Familie 1936 nach London emigrieren. Der Autor Jakob Hein bedient sich der Lebenserinnerungen von Edgar Stern und der Memoiren von Karl Emil Schabinger um diesen mit teils wahren teils fiktional historischen Roman zu schreiben. Jakob Hein sagt zu seinem Roman: „Mir kommt es so vor, als hätte die Geschichte 100 Jahre auf mich gewartet. Und als ich gehört habe, dass das Deutsche Reich den Dschihad auslösen wollte, dachte ich, das ist bestimmt eine Übertreibung. Aber es ist natürlich genau das, das Deutsche Reich wollte den Dschihad auslösen, den heiligen Krieg aller Muslime.“ Fazit: Ein gelungener Roman, der wortgewaltig einen Aspekt des Preußischen Militärs aufdeckt, den man so nicht vermutet hätte. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Sehr gut geschrieben
von einer Kundin/einem Kunden am 29.04.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Eines der besten Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe.Manche Passagen sind so aberwitzig und bizarr das es mir unglaublich scheint.Ich kann das Buch wärmstens empfehlen.

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  • Die Orient-Mission des Leutnant Stern

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