Auf der Flucht

Erinnerungen

Hellmuth Karasek

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Buch (Taschenbuch)
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Beschreibung

Für den elfjährigen Hellmuth endet die Kindheit abrupt: Nach Weihnachten 1944 flieht er mit seiner Familie aus Schlesien, wird 1946 nach Ostdeutschland ausgesiedelt, wo er unter dem Kommunismus eine neue Zeit der Lügen und Ängste erlebt. Mit dem DDR-Abitur in der Tasche flüchtet er Anfang der fünfziger Jahre erneut - als Student in Tübingen will er den Neuanfang im Westen wagen ? Auf der Flucht erzählt von einer wechselvollen Kindheit und Jugend, einer beeindruckenden Karriere in der Kulturbranche und einem Leben voller Gegensätze.

Hellmuth Karasek, Journalist und Schriftsteller, leitete über zwanzig Jahre lang das Kulturressort des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, war Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel und Autor bei Welt und Welt am Sonntag. Er war Mitglied des »Literarischen Quartetts« und veröffentlichte zahlreiche Bücher, u. a. über Billy Wilder sowie die Romane Das Magazin (2000) und Betrug (2001). Hellmuth Karasek verstarb am 29. September 2015.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 544
Erscheinungsdatum 13.02.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-548-36817-7
Verlag Ullstein Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 18,2/11,6/3,4 cm
Gewicht 344 g
Auflage 4. Auflage

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Karasek als Klempner
von Peter Waldbauer (Autor) aus Heidelberg am 28.08.2017

In seinen Memoiren plaudert Karasek über sich selbst und kann sich nicht so recht entscheiden, in welcher Richtung sein Pferd steht. Einerseits sei er ein „Trittbrettfahrer“ gewesen, den andere immer mitschleppten: Rudolf Augstein, Billy Wilder und natürlich Marcel Reich-Ranicki. Er sei der „Harry Klein“ des Kulturbetriebs gewes... In seinen Memoiren plaudert Karasek über sich selbst und kann sich nicht so recht entscheiden, in welcher Richtung sein Pferd steht. Einerseits sei er ein „Trittbrettfahrer“ gewesen, den andere immer mitschleppten: Rudolf Augstein, Billy Wilder und natürlich Marcel Reich-Ranicki. Er sei der „Harry Klein“ des Kulturbetriebs gewesen; jener Harry, der bei Derrick den Wagen vorfährt. Andererseits will er im Literarischen Quartett hinter den Kulissen entscheidend mitbestimmt haben, welche Bücher in der Sendung besprochen wurden. Den Rausschmiss der Kollegin Sigrid Löffler habe eigentlich er, der zahme Karasek, vorangetrieben. Grund sei Löfflers vernichtendes Urteil gewesen über den Spielberg-Film Schindlers Liste. Karaseks Leidenschaft fürs Kino ist bekannt. Auch dass Reich-Ranicki seine Autobiografie Mein Leben schrieb, die ein fulminanter Bestseller wurde, habe Karasek maßgeblich angeregt („Das musst du aufschreiben“). „Reich“, wie Karasek seinen Mentor nennt, hatte ihm übrigens einmal finanzielle Hilfe angeboten, als er Probleme mit dem Finanzamt hatte. Karasek kommt auch auf seinen ehemaligen Freund Martin Walser zu sprechen. Walser verfüge über eine „erotische Lebensstrategie“ und habe sich „seine libidinöse Welt an den Bodensee geholt“, sogenannte „Literatur-Groupies“. In seiner Biographie erfahren wir auch, dass Karasek im Vahinger Schwimmbad „über die vielen Fettbäuche der Männer erschrak“; und, dass er seine Frau betrog und sie ihn. Erotik ist und bleibt das Lieblingsthema des Kulturprofessors, im Quartett noch relativ bescheiden: „Ein hocherotisches Buch“, jubelte Karasek, als der Roman "Mann und Frau" der Israelin Zeruya Shalev besprochen wurde. In seiner Autobiographie dann wieder so: „Ich hatte die Tochter des Hausbesitzers gewonnen und weiß noch, dass ich das erste Mal mit einem Interruptus beendete, wie Onan im Alten Testament, nur ohne Wüstensand.“ Und für alle, die jetzt Mitleid mit dem armen Karasek haben:“... und mir das Mädchen als zweites Mal eine Fellatio anbot, absolut verhütungssicher.“ Karasek schildert uns die Begegnung mit einer amerikanischen Studentin in den fünfziger Jahren in Tübingen. Er wurde von ihr zum Tee eingeladen, musste dort auf die Toilette und lässt seine Leser wissen, dass er „im Stehen pinkelte“. (Wie interessant, Herr Karasek. Das richtige Thema für seine Memoiren.) Alsbald trat der Supergau ein, denn „die Toilette war verstopft“, Karsek spülte noch einmal und es „kamen Exkremente“, die die Kloschüssel „bis zum Rand füllten.“ Und Karasek? Was machte er, während die Studentin mit dem Tee auf ihn wartete? Sie ahnen es schon. Karasek „starrte auf die Kloake“, zog Jacke und Hemd aus und „beseitigte mit dem nackten Arm die Verstopfung.“ Also, wenn wir das nächste Mal einen Klempner brauchen - wen laden wir dann wohl zum Tee ein?

Eine etwas andere Biographie
von einer Kundin/einem Kunden aus Göttingen am 12.02.2012

Diese Biografie ist, wie er selbst behauptet hat, ein "Geschichtenbuch über die Geschichte". Karasek hat in dem vorliegenden Werk eine selbstkritische Erzählung geschrieben, die die Geschichte Deutschlands in den beiden letzten Dritteln des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Aufgewachsen in einem Nazi-Haushalt, die Jugend in ei... Diese Biografie ist, wie er selbst behauptet hat, ein "Geschichtenbuch über die Geschichte". Karasek hat in dem vorliegenden Werk eine selbstkritische Erzählung geschrieben, die die Geschichte Deutschlands in den beiden letzten Dritteln des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Aufgewachsen in einem Nazi-Haushalt, die Jugend in einer Napola verbracht; danach die erste Flucht in den damals sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, eine weitere Flucht in den Westen.Dort studierte er in Tübingen. Ich habe ihn in diesem Buch anders wahrgenommen als in den diversen Fernsehsendungen, in denen er aufgetreten ist.


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