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Fragiler Konsens

Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft

Antisemitismus ist in Deutschland ein beständiges Problem. Von der Öffentlichkeit verpönt, bestehen Ressentiments gegen Juden etwa in verkürzter Kapitalismuskritik oder in der radikalen Ablehnung des Staates Israel. Mit der zunehmenden Einwanderung nach Deutschland verschärft sich diese Konstellation: In der migrationsfeindlichen Abwehr gegen fremd gemachte Andere wird der Antisemitismus derer, die sich zu einer national definierten Mehrheitsgesellschaft zählen, oft den angeblich Fremden zugeschrieben. Der Band fragt, wie Bildungsarbeit auf diese Entwicklung reagieren kann.
Rezension
"Mit dem Buch 'Fragiler Konsens' liegt eine facettenreiche Auseinandersetzung mit Anforderungen an eine antisemitismuskritische Pädagogik vor. Gerade nach dem Einzug einer Partei, die in weiten Teilen völkisch-nationalistisch ausgerichtet ist, gewinnt die Lektüre zusätzlich an tagesaktuellem Gewicht." Ingolf Seidel (Lernen aus der Geschichte, 02.10.2017)

"Die Tour d'Horizon durch die antisemitismuskritische Bildungslandschaft in der Migrationsgesellschaft, die mit dieser Veröffentlichung vorliegt, vermag nicht nur zu einem sensiblen Umgang mit der Thematik beizutragen, sondern auch einen Paradigmenwechsel in der interdisziplinär und intersektional aufgestellten Bildungsarbeit zu bewirken, der den fragilen Konsens zu stützen vermag." Doron Kiesel (Einsicht, 02.10.2017)
Portrait
Dr. Meron Mendel ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Dr. Astrid Messerschmidt ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Wuppertal.
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  • Artikelbild-0
  • Grußwort
    Andreas Eberhardt
    Wir leben in herausfordernden Zeiten. In gesellschaftlichen Debatten, in Talkshows, auf Schulhöfen, selbst in politischen Diskursen sind wieder Töne zu hören, die wir längst überwunden glaubten. Antisemitismus, in der Bundesrepublik lange Zeit nur verdeckt zutage getreten, äußert sich in alten und neuen Formen. Die Tagungsreihe Blickwinkel und der daraus hervorgegangene vorliegende Sammelband "Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft" zeigt Beispiele zum Aufbau kluger Gegenstrategien auf: Durch die Tagungsreihe werden Räume für Austausch und Vernetzung geboten, hier können Bildungsansätze diskutiert und Ideen weiterentwickelt werden. Die Tagungsreihe stellte von 2011 bis 2017, bei den bisherigen acht Tagungen in Berlin, Frankfurt/Main, Jena, Kassel, Köln und Nürnberg, sowohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Bildungsexpertinnen und -experten als auch Pädagoginnen und Pädagogen, Akteurinnen und Akteuren aus Stadtteilarbeit, Mediation und Beratung einen kontinuierlichen Rahmen für fachlichen und kollegialen Austausch bereit. Die praxisgesättigte Multiperspektivität wurde stetig erweitert durch einen Blick über die deutschen Debatten hinaus auf internationale Diskurse und Entwicklungen. Die Blickwinkel von Wissenschaft und Praxis trafen aufeinander: Einsichten aus der Wissenschaft wurden in ihrer Bedeutung für die Praxis diskutiert und umgekehrt der Beitrag der bildungspraktischen Arbeit für die akademische Forschung erörtert. Alle Tagungsberichte und mehr stehen auf der Webseite der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) zur Verfügung.
    Der vorliegende Band vereint ausgewählte Beiträge der Blickwinkeltagungen 2014 bis 2016. Diverse Themenfelder aus den Tagungen "Antisemitismus und Rassismus: Verflechtungen?" (2014), "Religion: Diskurse - Reflexionen - Bildungsansätze" (2015) und "Kommunikation: Latenzen - Projektionen - Handlungsfelder" (2016) werden hier miteinander in Beziehung gesetzt. So wird ein adäquates Problemverständnis von Antisemitismus als eigenständiges Phänomen in Bildung und Intervention darzustellen versucht, dessen Entwicklung gleichwohl in verschiedenen diskriminierenden und exkludierenden Kontexten geschieht. Das Buch reagiert auf eine tagespolitisch aktuelle Problemkonstellation: die Vermittlung antisemitismuskritischer Werte in der Migrationsgesellschaft. Es werden Fragen nach der Dynamik zwischen dem öffentlichen antisemitismuskritischen Konsens im postnationalistischen Deutschland und dem Weiterbestehen von privaten oder strukturellen antisemitischen Ressentiments erörtert. Ebenso wird den Wechselwirkungen, die heute zwischen Antisemitismus und Rassismus in Deutschland bestehen, und der Gefahr der Projektion des fortwährenden Antisemitismus in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft auf die Minderheit der nach Deutschland Migrierten nachgegangen.
    Ein wichtiges Element von gesamtgesellschaftlichem Zusammenhalt ist ein verbindendes historisches Narrativ als einer gemeinsamen Erzählung, die Raum für individuelle Geschichten und Erfahrungen lässt. Eine Erzählung, die integrativ ist, die die Möglichkeit des Einwebens individueller Erfahrungen und ethnischer, religiöser, geschlechtsbasierter und weiterer Identitäten ermöglicht. Daher fragt dieser Sammelband auch, wie sich die erinnerungspolitische Debatte und das Gedenken an den Holocaust in der Migrationsgesellschaft weiter stärken lässt. Eine zeitgemäße Erinnerungskultur in einer immer diverser werdenden Gesellschaft bedeutet die Befassung mit einem Hauptnarrativ, das für die bundesdeutsche Gesellschaft nicht nur wesentlicher Teil ihrer kollektiven Identität ist, sondern vielfach ihre heutige Ausformung sehr direkt bestimmt hat und auch weiter bestimmen wird. Es braucht zudem den Austausch vielfältiger kollektiver Erzählungen und Erinnerungen ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Diese Erzählungen und Erinn
  • Inhalt
    Grußwort 9
    Andreas Eberhardt
    Einleitung 11
    Meron Mendel und Astrid Messerschmidt
    I. Kommunikationsbezogene Antisemitismuskritik
    (Un-)Ausgesprochen: Antisemitische Artikulationen
    in der Alltagskommunikation 27
    Sebastian Winter
    Die Bedeutung von Kommunikation im Umgang
    mit Antisemitismus am Beispiel der offenen Jugendarbeit 43
    Heike Radvan
    II. Antisemitismuskritik im Kontext von Rassismus
    Gleichzeitigkeiten: Antimuslimischer Rassismus
    und islamisierter Antisemitismus - Anforderungen
    an die Bildungsarbeit 61
    Saba-Nur Cheema
    Inter-generationelle Narrative muslimischer Jugendlicher 77
    Anke Schu
    Verzwickte Verbindungen: Eine postkoloniale Perspektive
    auf Bündnispolitik nach 1989 und heute 101
    Jihan Jasmin Dean
    III. Antisemitismuskritik im Kontext von Erinnern,
    Gedenken und Religion
    Die nationalsozialistischen Massenverbrechen sind bei den
    Deutschen gut aufgehoben - Selbstbilder erfolgreich geleisteter Aufarbeitung in der Bundesrepublik nach 1990 und das
    Unbehagen an der Erinnerungskultur 133
    Matthias Heyl
    Antisemitismuskritische Bildungsarbeit in Gedenkstätten? 155
    Verena Haug
    Antisemitismuskritik in Kirche und Theologie heute 171
    Christian Staffa
    Erinnerung und Geschichtsbewusstsein in der Migrations-
    gesellschaft: Eine Momentaufnahme 187
    Elke Gryglewski
    IV. Psychosoziale und gesellschaftstheoretische
    Antisemitismuskritik
    Schuldabwehr-Antisemitismus als Herausforderung
    für die Pädagogik gegen Judenfeindschaft 203
    Olaf Kistenmacher
    Natürliche Feind*innen: Über die Verschränkungen
    von Sexismus und Antisemitismus 223
    Eva Berendsen, János Erkens und Tom David Uhlig
    Challenging Postcolonial: Antisemitismuskritische Perspektiven
    auf postkoloniale Theorie 249
    Meron Mendel und Tom David Uhlig
    Biografisch geprägte Perspektiven auf Antisemitismus 269
    Marina Chernivsky
    "Ein total besiegtes Volk": Tiefenhermeneutische Überlegungen
    zum Komplex "Geschichte, völkischer Nationalismus
    und Antisemitismus" im Rechtspopulismus 281
    Jan Lohl
    Autorinnen und Autoren 305
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Paperback
Herausgeber Meron Mendel, Astrid Messerschmidt
Seitenzahl 309
Erscheinungsdatum 07.09.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-593-50781-1
Verlag Campus
Maße (L/B/H) 21,3/14,1/2,2 cm
Gewicht 395 g
Verkaufsrang 128695
Buch (Paperback)
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19,95
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