Gedichte

Ossip Mandelstam

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Beschreibung

Dieser Sammelband erschien im Original 1928 als letzte Publikation des Dichters, der 1934 den Stalinistischen »Säuberungen« zum Opfer fiel. Er vereint die Bände ›Der Stein‹ (1913), ›Tristia‹ (1922) sowie alle nach der Oktoberrevolution entstandenen Gedichte. In seiner ›Notiz‹ zur deutschen Erstausgabe schrieb Paul Celan über diese Verse:
»Wie bei kaum einem seiner dichtenden Zeit- und Schicksalsgenossen in Rußland ... ist bei Ossip Mandelstam das Gedicht der Ort, wo das über die Sprache Wahrnehmbare und Erreichbare um jene Mitte versammelt wird, von der her es Gestalt und Wahrheit gewinnt: um das die Stunde, die eigene und die der Welt, den Herzschlag und den Äon befragende Dasein des Einzelnen. Damit ist gesagt, in welchem Maße das Mandelstamsche Gedicht, das aus seinem Untergang wieder zutage tretende Gedicht eines Untergegangenen, uns Heutige angeht.«

Ossip Mandelstam, am 15. Januar 1891 in Warschau in einer jüdischen Familie geboren, studierte in Petersburg, Paris und Heidelberg. Seine Gedichtbände ›Der Stein‹ (1913) und ›Tristia‹ (1922), autobiographische Prosa ›Das Rauschen der Zeit‹ (1925) und ›Die ägyptische Briefmarke‹ (1928), sowie seine Essays ›Über Poesie‹ (1928), sind Meilensteine der russischen Dichtung des 20. Jahrhunderts. Ab 1929 politischer Verfolgung ausgesetzt, konnte sein Werk erst Jahrzehnte nach seinem Tod erscheinen. Mandelstam ist eines der prominenten Opfer von Stalins Regime der Terrorjahre. Aufgrund eines satirischen Epigramms auf Stalin im Mai 1934 verhaftet und verbannt, wurde er 1938 erneut verhaftet und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Er starb am 27. Dezember 1938 in einem Lager bei Wladiwostok. Seine Gedichte wurden von seiner Frau, Nadeschda Mandelstam, auswendig gelernt, versteckt und von Helfern in die USA geschmuggelt. Das Gesamtwerk, auf Deutsch 1985 bis 2000 im Ammann Verlag erschienen, ist im S. Fischer Verlag erhältlich..
Paul Celan, eigentlich Paul Antschel oder Anczel, wurde 1920 als einziges Kind deutschsprachiger Juden in Czernowitz geboren. Er besuchte das Oberrealgymnasium, das er 1934 verlassen mußte und absolvierte 1938 das rumänische Staatsgymnasium. Sein Medizinstudium in Tours/Frankreich brach er mit Beginn des Krieges ab, studierte aber noch im selben Jahr Romanistik an der Universität von Czernowitz. Seit 1948 lebte er in Paris, 1960 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. 1970 nahm er sich das Leben.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 80
Erscheinungsdatum 26.10.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-52158-6
Reihe Fischer Taschenbibliothek
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 14,8/9,5/0,9 cm
Gewicht 78 g
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Paul Celan

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Ossip Mandelstam – ein moderner Dichter mit klassischer Form
von Zitronenblau am 11.12.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Mandelstam, russischer Dichter und Vertreter des Akmeismus, d.h. einer Strömung „lyrischer Klarheit“, gehörte somit genau nicht zu den avantgardistischen, futuristischen Poeten wie Chlebnikov an, besorgte mir ein „besseres“ lyrisches Leseerlebnis. In großer Dankbarkeit für den Übersetzer, Paul Celan, den ich ohnehin sehr bewunde... Mandelstam, russischer Dichter und Vertreter des Akmeismus, d.h. einer Strömung „lyrischer Klarheit“, gehörte somit genau nicht zu den avantgardistischen, futuristischen Poeten wie Chlebnikov an, besorgte mir ein „besseres“ lyrisches Leseerlebnis. In großer Dankbarkeit für den Übersetzer, Paul Celan, den ich ohnehin sehr bewundere, öffnet sich in diesem kleinen Büchlein ein sehr prägnantes, aber keinesfalls lakonischen, jedoch aber sehr traditionelles und das Metrum wieder rehabilitierendes dichterisches Werk. Mandelstam ist ein Poet lyrischer Miniaturen, so sind gerade die ersten Gedichte dieses Bandes weniger balladenhaft, episch und vielstrophig, das Metrum überwiegend jambisch, oft auch trochäisch, mit Tendenz zum klassischen Fünfheber. Die Reimstruktur ist sehr einfach (abab, aa bb cc, etc.), die Reime selbst bis auf einige Assonanzen ex aequo recht simpel (Sterne – gerne, viel – Ziel etc.) und kaum ein Auftreten von Enjambements oder ungewöhnlicher Versformationen. Die meisten Gedichte tragen keinen Titel. Diese erste, wahrgenommene formale Schlichtheit soll aber nicht über den Inhalt hinwegtäuschen. Dieser ist allegorisch und symbolträchtig. Mandelstam transferiert Begriffe der Naturwelt in die Seelenlandschaft und beschwört seine Poesie zum Akt innerer Musik, sodann das Wort überführt werden soll in den bloßen Klang, fern semantischer, kognitiver Restriktion: Keine Worte, keinerlei. Nichts, das es zu lehren gilt. Sie ist Tier und Dunkelheit, sie, die Seele, gramgestillt. Nicht nach lehre steht ihr Sinn, nicht das Wort ists, was sie sucht. Jung durchschwimmt sie, ein Delphin, Weltenschlucht um Weltenschlucht. Stark aber auch ist die christliche Symbolik: das Kreuz, der Himmel und die Weltschmerzlitaneien: Weltenweh, das nebelhafte, trübe – O erlaub, daß ich ihm gleich sei: nebelhaft, und erlaub mir, daß ich dich nicht liebe. Oder: O Himmel, Himmel, du kommst wieder, wieder Im Traum! Dies kann nicht sein: daß du erblindet bist, daß hier der Tag, ein weißes Blatt, ganz niederbrannte, nieder zu diesem bißchen Rauch, zu diesem Aschenrest! Groß angelegt ist die Reflexion über die Menschheit und ihrer Unvernunft: Die Städte, die da blühn, sie mögen weiter bedeutsam tun mit Namen und mit Schall. Nicht Rom, die Stadt, lebt fort durch zeit und Zeiten, es lebt des Menschen Ort – ein Ort im All. Ihn zu erobern, ziehn der Fürsten Heere, heißen die Priester all die Kriege gut. Und ohne ihn – die Häuser, die Altäre: Verachtungswürdig, elend, Schutt. In den späteren Dichtungen greift er auf mythische Gleichnisse zurück, sodass man ihm einen neoklassizistischen Stil zuordnen kann. Die späten und auch komplexeren Dichtungen wie „Bahnhofskonzert“ oder „Griffel-Ode“ sind durchwoben von dunklen Metaphern und Symbolen: Der Stern zum Stern, machtvoll gefügt – Der Kiesweg aus dem alten Liede – Kies spricht und Luft, Hufeisen spricht zum Ring, das Wasser spricht zum Kiesel – Die Griffel-Zeichnung, milchig an der Wolken weicher Schiefertafel – Nicht Welten-Schule – nein, ein Wahn, ein Halbschlaf-Traum, geträumt von Schafen. Mandelstam kam tragisch ums Leben. Wurde Opfer stalinistischer Säuberungen. Der Gedichtband eröffnet den Interessierten einen ersten Blick in die Welt des russischen Poeten und bereitet vor auf ein Werk, das viel zutage gefördert hat, nicht zuletzt auch die Essays über die Poesie und vor allem Dante – Mandelstams wichtigstes Vorbild.

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