Palimpseste

Die Literatur auf zweiter Stufe

edition suhrkamp Band 1683

Gérard Genette

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Beschreibung


Gérard Genette ist einer der wichtigsten französischen Literaturtheoretiker, seine Bücher gehören zum Kanon der Literaturtheorie. So auch Palimpseste, das sich dem komplexen Spiel der Resonanz der Texte untereinander widmet.

Gérard Genette, geboren 1930 in Paris, war ein bedeutender Literaturwissenschaftler. Seine Bücher zählen zum Kanon der Erzähltheorie. Genette starb am 11. Mai 2018..
Karl Heinz Bohrer, geboren 1932 in Köln, Literaturkritiker, Herausgeber, Wissenschaftler, Verfasser vieler Werke um die zentrale Idee des Momentanismus, der »Plötzlichkeit«. Langjährige Aufenthalte in Frankreich und England, wo er lebt, als bewusste Erfahrung der »Fremde«. Hochschullehrer in Deutschland, Frankreich und den USA. Als scharfzüngiger, auch polemischer Zeitkritiker stand er immer wieder im Zentrum heftiger Diskussionen.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Karl Heinz Bohrer
Seitenzahl 534
Erscheinungsdatum 21.06.1993
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-11683-8
Verlag Suhrkamp
Maße (L/B/H) 17,7/11/2,6 cm
Gewicht 326 g
Originaltitel Palimpsestes. La littérature au second degré
Auflage 8. Auflage
Übersetzer Dieter Hornig, Wolfram Bayer

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Genette und die Transtextualität
von Zitronenblau am 18.06.2012

Das vorliegende Buch ist ein außerordentlich wichtiges für die Literaturwissenschaften eingedenk der bis dato kaum erfolgten Klassifizierung transtextueller Gattungen, die oftmals bloß als intertextuelle bezeichnet wurden. Genette arbeitet hingegen mit fünf transtextuellen Gattungen: die Inter-, die Para-, die Meta-, die Archi-... Das vorliegende Buch ist ein außerordentlich wichtiges für die Literaturwissenschaften eingedenk der bis dato kaum erfolgten Klassifizierung transtextueller Gattungen, die oftmals bloß als intertextuelle bezeichnet wurden. Genette arbeitet hingegen mit fünf transtextuellen Gattungen: die Inter-, die Para-, die Meta-, die Archi- und die Hypertextualität. Ich spare mir an dieser Stelle die Definition der einzelnen Gattungsarten. Wichtig erscheint mit jedoch noch zu sagen, dass insbes. der Hypertext auf einen Hypotext abhebt im Sinne einer Transformation oder aber Nachahmung (Parodie, Pastiche, Travestie, Persiflage, Transposition und Nachbildung). Was das Buch ausmacht ist weniger seine Theorie, auch wenn diese ganz besonders wichtig ist für alle künftigen Klassifizierungen von (spez. Hyper-)Texten. Genettes Theorie ist vor allem sehr "praktisch", d.h. anschaulich. Mit einer überragenden Fülle an Beispielen konfrontiert uns der Franzose zur Untermauerung seiner anfangs inaugurierten Klassifizierungsbegriffe. Dabei arbeitet er alles Bekannte und für Nichtgermanisten weniger bekannte "literarische Werk der Geschichte" ab. Im Weiteren führt er fort zu möglichen hypertextuellen Methoden wie die Aussparung, Amputation, Säuberung, Verknappung, Kontraktion, Verdichtung. Freilich stellt er dagegen die Möglichkeit textueller Erweiterung oder Dehnung. Ferner geht auch auch die Überführung von Genres ein: Szenisierung, Narratisierung, Dramatisierung, Poetisierung etc. Gerade auch in Dichtungen verweist Genette auf Techniken wie die Transfiguration, Transstilisierung oder Transmetrisierung. Die Theorie geht hierbei so tief, dass sie sogar auf die den Hypotext bestimmenden Elemente eingeht, die hypertextualisiert werden, z.B. die Auf- und Abwertung von Helden oder die Umwertung von axiologischen Strukturen innerhalb der Texte. Man sieht, im Grunde ist das Spektrum der hypertextuellen Kontingenz zwar nicht "unendlich groß", doch aber sehr breit und umso mehr macht es Spaß, jenen Möglichkeiten zu folgen. Etwas kritisch anzumerken sei, dass die Inauguration vieler termini technici dennoch recht lose im Textlichen verortet wird. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch an Genettes Aufbau seines Buches. Es besteht aus sage und schreibe 80 Kapiteln!!! Das zeugt nicht gerade von Ordnung, Kategorisierung oder gar Systematisierung. Negativ ist freilich auch, dass Wissenschaftlichkeit partiell regelrecht negiert wird, z.B. bei Zitationen (Genette schreibt, er würde so manche Stelle aus dem Kopfe zitieren...). Letztlich aber ist dieses Buch eine enorme Erweiterung für den literarischen Horizont. Die zahlreichen Beispiele und Eindrücke führen in den Kosmos der Weltliteratur von der Antike (Homer) bis zur Moderne (Joyce). Ich habe persönlich viele neue Literaten und Literaturen kennen lernen dürfen und freue mich, diese nun selbst nachzulesen (bspw. die "Posthomerica" von Quintus von Smyrna). Für Literaturtheorieinteressierte folgerecht sehr empfehlenswert!

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