Die große Verschwendung

Roman

Wolfgang Schömel

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Beschreibung

»Die große Verschwendung« ist der entschlossene Blick hinter die Kulissen eines Politskandals, der uns merkwürdig bekannt vorkommt! Und ein so komischer wie berührender Roman über heftig kriselnde Männlichkeit und die hinterhältigen Verheißungen eines zweiten Frühlings. Dr. Georg Glabrecht ist fünfzig und schwermütig, seine Ehe liegt seit Jahren in Agonie. Als grüner Wirtschaftssenator ist er ein virtuos sarkastischer Machtpragmatiker, der seine Untergebenen nur mit Kürzeln anspricht. Im Zusammenhang mit einem größenwahnsinnigen eventkulturellen Renommierprojekt - der Maritimen Erlebniswelt mit der Maritimen Oper - verliebt Glabrecht sich in die junge Mitarbeiterin eines zwielichtigen Investors, mit dem er als Politiker paktieren muss. Und auch privat spürt er mehr als deutlich die Verlockungen der internationalen Geldströme und der Angebote, die ihm von dort unterbreitet werden. Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis er gewaltig ins Straucheln gerät.

Wolfgang Schömel, geboren 1952 in Bad Kreuznach, studierte Literatur und Philosophie in Mainz und Bremen. Er veröffentlichte Arbeiten u. a. über den heroischen Pessimismus, über Nietzsche und Ingeborg Bachmann. Literarische Arbeiten im »Merkur«, in der »Krachkultur« und der Frankfurter Rundschau.
Schömel ist seit 1989 Hamburger Literaturreferent, seit 1992 Mitherausgeber des literarischen Jahrbuchs »Hamburger Ziegel«.
Für die Titelgeschichte von Die Reinheit des Augenblicks erhielt Schömel den Georg-K.-Glaser-Preis 2003.
2005 hat er den Preis »Buch des Jahres« erhalten, der vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz vergeben wird.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Nein i
Text-to-Speech Nein i
Seitenzahl 239 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 01.06.2011
Sprache Deutsch
EAN 9783608101690
Verlag Klett Cotta
Dateigröße 1069 KB

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Privat vor Staat mal ganz anders
von Michael Lehmann-Pape am 18.03.2011
Bewertet: Buch (gebunden)

„Wie viel musst Du eigentlich trinken, damit du das nicht mehr bringst?“, ist die Frage Mariannes, seiner Ehefrau, als Dr. Georg Glabrecht auf dem Teppich des Wohnzimmers einmal wieder zum Vollzug geschritten war. Und so neckisch, wie es klingt, meint es Marianne gar nicht, den sie hat fortwährend das Gefühl, dass ihr Gatte,... „Wie viel musst Du eigentlich trinken, damit du das nicht mehr bringst?“, ist die Frage Mariannes, seiner Ehefrau, als Dr. Georg Glabrecht auf dem Teppich des Wohnzimmers einmal wieder zum Vollzug geschritten war. Und so neckisch, wie es klingt, meint es Marianne gar nicht, den sie hat fortwährend das Gefühl, dass ihr Gatte, Wirtschaftssenator in Bremen und rührig auf allen Ebenen, nichtunbedingt sie persönlich meinte mit diesem überbordenden Akt der sexuellen Entlastung. Was sein könnte, bedenkt man Adriana mit, eine Frau, die er letztlich in Ausübung seiner politischen Pflicht kennenlernte. In diesem Satz steckt aber auch viel von der Gesamtpersönlichkeit des Glabrecht, denn die sexuelle Seite des Lebens hat durchaus hohe Bedeutung. Mehr zumindest, als seine eigentliche Hauptaufgabe. Georg Glabrecht hat eben noch „Pfiff“, wie er es nennt. Da kommt es ihm gerade recht, dass ein städtebauliches Großprojekt in Bremen verwirklicht werden soll. Eine Oper soll es sein (ein Schelm, wer dabei nach Hamburg schielt und dort die Philharmonie in den Blick bekommt, die ihm auch in der Zeitung des Buchcovers in den Blick springt). Und schon rollt der Laden des Wirtschaftssenators, der allzu lange bereits nur dem langweiligen Alltag gefrönt hatte. Eifrig wird gewuselt auf der Suche nach Investoren und, hier wird das Buch durchaus böse, auf der Suche nach den eigenen Vorteilen in Form von Geld, Beziehungen, oder eben anregenden Begegnungen der sexuellen Art. Die eigentliche Aufgabe, ein Großprojekt solide und seriös zu gestalten, interessiert dabei erheblich weniger, als das eigene Leben möglichst noch ein wenig angenehmer und schöner zu gestalten. Erschreckend deutlich gelingt es Schömel, aufzuzeigen, wie wenig Substanz doch hinter manch glatter Politikerfassade zu finden ist. Wie sehr ein nach außen stringent und souverän wirkender Politiker letztlich nur mit sich und seinen, mit Verlaub, kleinen bis kleinsten Lebensthemen bereits ausgefüllt und ausgelastet ist. Was das eigene Amt angeht, da werden die Rahmenbedingungen nur auf die eigenen Vorteile hin abgeklopft. Wolfgang Schömel selbst kann noch so oft betonen, dass es ihm immer nur um das Psychogramm eines Menschen geht, ganz glaubt man es dennoch nicht. Zu offensichtlich sind die Parallelen nicht nur zur Elbphilharmonie. Der gesamte politische Ablauf, das Denken der Handlenden, die Egozentrik der Macht, die Kleinmütigkeit des eigenen Vorteils im ganz direkten Sinne, Geld und Sex, all das wirkt durchaus real und bei weitem nicht an den Haaren herbeigezogen. Der Verdacht stellt sich ein, dass hier durchaus eine Person im Mittelpunkt des Geschehens steht, die in dieser innern Form an so manchen Orten der politischen Entscheidungen anzutreffen sein würde. So können durchaus bei den nächsten, glatten, nichtssagenden politischen Statements Parallelen zu einem Dr. Georg Glabrecht aus Bremen gezogen werden. Aufschlussreich zu lesen, mit Humor geschrieben, fast bekommt man Mitleid mit Glabrecht, zum Glück aber nur fast, in seiner innern Haltung, ohne jedes Innehalten seine persönlichen Befindlichkeiten auf Kosten der Allgemeinheit zum wichtigsten Thema seiner Tätigkeit zu machen. Ein durchaus empfehlenswertes Buch.

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