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Die Wehrmacht im NS-Staat

Eine strukturgeschichtliche Analyse

Beiträge zur Militärgeschichte – Militärgeschichte kompakt Band 2


Die Wehrmacht ist weitgehend erforscht, und doch ist ihr Bild bis heute umstritten. Jürgen Förster bietet eine kurzgefasste, auf profunder Akten- und Literaturkenntnis beruhende Darstellung dieser militärischen Organisation. Beginnend bei der Reichswehr untersucht er ihre strukturelle Entwicklung bis hin zur Wehrmacht als tragender Säule des Dritten Reiches. Der Einfluss der NS-Politik, das Verhältnis zur SS, die personelle Elite in der zweiten Kriegshälfte, der 20. Juli 1944 als strukturelle Zäsur und Hitler als militärischer Führer sind weitere Themen. Försters Studie ist eine Pflichtlektüre für die zeitgeschichtlich interessierte Öffentlichkeit, Studenten und Schüler.
Portrait
Jürgen Förster, geboren 1940, ist Lehrbeauftragter für Militärgeschichte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
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  • IV. Manipulation oder Evolution? (S. 93-94)

    Die Wehrmacht-Elite in der zweiten Kriegshälfte Die alternative Fragestellung nach Manipulation oder Evolution suggeriert zum einen, dass unter dem Nationalsozialismus eine "gezielte soziostrukturelle Veränderung" des deutschen Offizierkorps, also eine Elitenmanipulation stattfand1. Zum anderen kann gefragt werden, ob sich die Wehrmachtelite von selbst den Auswirkungen der Aufrüstung und den harten Bedingungen des Krieges anpasste und damit wandelte2.

    Die personalpolitische Entwicklung des deutschen Offizierkorps in der zweiten Kriegshälfte lässt sich jedenfalls mit der Ernennung von Hitlers Chefadjutanten der Wehrmacht, Generalmajor Rudolf Schmundt, zum Chef des Heerespersonalamtes (in Personalunion) am 1. Oktober 1942 allein nicht erklären. Wie in vielen anderen historischen Fällen gab es auch in diesem Fall keine klare Dichotomie, sondern eine spezielle Mischung aus beidem: intentionale Eingriffe Hitlers und Kriegsnotwendigkeiten sowie Entgegenkommen oder Verschleppung durch die militärische Bürokratie. Deshalb erscheint es notwendig, die von Hitler angestrebte "grundlegende Änderung in der Handhabung der Personalpolitik"3 in den Zusammenhang von Führerstaat, Wehrmacht und Krieg einzuordnen und unter den heuristischen Prämissen von Intention und Struktur, Kontinuität und Diskontinuität zu untersuchen4.

    Diese Perspektive, die die Geschichte des Dritten Reiches und seiner Wehrmacht als eine Geschichte begreift, den Zweiten Weltkrieg nicht als "wenig ergiebigen Ausnahmezustand" für die Deutung des Führerstaates ansieht und sie auch nicht am 8. Mai 1945 enden lässt, hat die Gesamtinterpretationen der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 bislang allerdings wenig beeinflusst5. Noch bei der Präsentation seiner neuen Hitler-Biografie im Jahre 2000 wurde Ian Kershaw vorgeworfen, auf militärische Dinge zu ausführlich eingegangen zu sein. Angloamerikanische Forscher tun sich da leichter, auch weitergehende Fragen ("Wie modern war Hitlers soziale Revolution?

    Wäre die deutsche Leistungsgesellschaft auch ohne dessen egalitäres Programm entstanden? ") zu beantworten6. In einer älteren deutschen Studie über Hitlers Selbstverständnis als Revolutionär wurden zwar dessen Vorstellungen auf innen-, sozial- und wirtschaftpolitischem Gebiet ernst genommen, er als vehementer Befürworter der Chancengleichheit aller Volksgenossen im Rahmen einer neuen, rassisch bestimmten Volksgemeinschaft beschrieben.

    Aber auffällig an Rainer Zitelmanns Zugriff ist, dass das militärische Führerkorps als wesentlicher Teil der neuen Elite des nationalsozialistischen Deutschland links liegengelassen wird. Dabei hätte doch Hitlers Kriegerstaatsmodell, dessen sozialdarwinistische Auffassung vom permanenten Lebenskampf des deutschen Volkes, es eigentlich nahegelegt, auch die Auswirkungen auf die Streitkräfte zu untersuchen. Denn die politischen Grundzüge des Nationalsozialismus für den Aufbau einer neuen Gesellschaft Volkstum, Egalitarismus und Führerprinzip8 galten natürlich auch für die Wehrmacht, die "sozialistischste Einrichtung" (Adolf Hitler) des Dritten Reiches. Grundsätzlich sollte der Weg nach oben jedem Deutschen offen stehen und das für das neue Deutschland benötigte Führerkorps, die "politischen Soldaten", auf eigens eingerichteten "Ordensburgen" ausgebildet werden.

    Die "beste [personelle] Auslese" des deutschen Volkes für dessen "Kampf ums Dasein" sollte nach einem "einheitlichen Grundplan" erfolgen. Dabei waren der Persönlichkeits- und Rassewert sowie der Selbsterhaltungstrieb wichtiger als Herkunft, Vermögen oder Bildung10. Dem nationalsozialistischen Ideal einer "wahrhaft deutschen" Volksgemeinschaft, d.h. ohne "jüdische Blutsbeimischungen", entsprach auf militärischem Gebiet ein Volksheer. Folgerichtig verkündete Hitler nach erfolgreicher Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in seinem Schlussappell auf dem Parteita
  • I. Die Ausgangslage: Reichswehr und Landesverteidigung
    II. Die Wehrmacht als zweite Säule des Dritten Reiches
    III. Die Wehrmacht als Instrument der NS-Politik
    IV. Das Verhältnis von Wehrmacht und SV. Manipulation oder Evolution? Die Wehrmacht-Elite in der zweiten Kriegshälfte
    VI. Der 20. Juli 1944 als strukturelle Zäsur
    VII. Hitler als militärischer Führer
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 221
Erscheinungsdatum 07.10.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-486-59171-2
Verlag De Gruyter Mouton
Maße (L/B/H) 22,5/14,4/2 cm
Gewicht 315 g
Auflage 2. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
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