Kalteis

Roman

Andrea Maria Schenkel

(7)
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
7,00
7,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Taschenbuch

ab 7,00 €

Accordion öffnen
  • Kalteis

    btb

    Sofort lieferbar

    7,00 €

    btb
  • Kalteis

    Atlantik Verlag

    Sofort lieferbar

    10,00 €

    Atlantik Verlag

eBook (ePUB)

7,99 €

Accordion öffnen

Beschreibung


Der neue Kriminalroman von Bestsellerautorin Andrea Maria Schenkel

München, Ende der 1930er Jahre: Süß und sehnsüchtig ist der Traum vom Glück in der großen Stadt – auch Kathie träumt ihn und entflieht der Enge des dörflichen Lebens. Manch eine ist hier schon unter die Räder gekommen, aber sie wird es schon schaffen. Oder? Dunkelhaarig, kräftig und hübsch ist sie, wie die Frauen, die seit einiger Zeit in München und Umgebung spurlos verschwinden …

„Überaus fesselnd erzählt, klug kombiniert, mit Mut zur Pause, zum Schweigen und zum Widerspruch.“

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 186
Erscheinungsdatum 04.05.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-73800-7
Verlag btb
Maße (L/B/H) 18,9/11,8/2 cm
Gewicht 202 g
Verkaufsrang 145138

Kundenbewertungen

Durchschnitt
7 Bewertungen
Übersicht
0
5
1
1
0

Das ist der Trieb, ich bin wieder los … immer wieder.
von Igelmanu66 aus Mülheim am 24.08.2014

„Immer wieder wollte ich es haben, in einem Rausch war ich, nicht mehr ich selbst war ich, danach habe ich mich immer geschämt, aber nach einiger Zeit war das vergessen und ich bin wieder los. Wie ein wildes Tier, das ist der Trieb, ich bin wieder los … immer wieder.“ München, Ende der 30er Jahre. Ein Serienmörder hat dafür g... „Immer wieder wollte ich es haben, in einem Rausch war ich, nicht mehr ich selbst war ich, danach habe ich mich immer geschämt, aber nach einiger Zeit war das vergessen und ich bin wieder los. Wie ein wildes Tier, das ist der Trieb, ich bin wieder los … immer wieder.“ München, Ende der 30er Jahre. Ein Serienmörder hat dafür gesorgt, dass immer wieder junge, hübsche Frauen spurlos verschwunden sind. Frauen wie Kathie, die mit großen Träumen von einem besseren Leben vom Land in die große Stadt gezogen ist. Zu Beginn des Buches ist der Täter bereits inhaftiert, verurteilt und seine Hinrichtung steht bevor. Eine öffentliche Bekanntmachung ist unerwünscht, denn der Täter ist ein guter Deutscher, ein Arier, Mitglied der NSDAP und „jeder Schaden, der dem Ansehen der Partei und der nationalsozialistischen Bewegung entstehen könnte, (ist) zu vermeiden.“ In zahlreichen Rückblenden erleben wir die Verhöre des Täters Josef Kalteis und die Geschichte der Opfer. Die Verhöre zeichnen sich dadurch aus, dass nur die Antworten von Kalteis aufgeführt sind, die dazugehörenden Fragen aber fehlen. Diese fehlen aber überhaupt nicht, man kann aus den Antworten leicht schließen, wonach gefragt wurde. Aber durch die konsequente Aneinanderreihung seiner Aussagen werden die Widersprüche, in die er sich verwickelt, nur umso deutlicher. Eine besondere Brisanz haben die Verhörprotokolle, da man als Leser ja schon weiß, dass er schuldig ist. Da man bereits weiß, worauf alles hinausläuft. Wenn ich unter diesen Voraussetzungen lese, wie er begeistert schildert, wie gerne er beim Schweineschlachten hilft und die einzelnen Abläufe detailliert beschreibt, dabei auch noch zugibt, wie toll er es findet, wenn er die Angst bei dem Tier wahrnimmt, dann läuft mir ein Schauer den Rücken hinunter. Zumal er einige dieser Abläufe präzise wiederholen wird, aber dann nicht an einem Schwein. Und dann die Geschichten der diversen Mädchen… Man lernt ein Mädchen kennen, erfährt, wie es dazu kam, dass sie an dem Abend, der ihr letzter werden soll, alleine nach Hause fährt und nicht in Begleitung – und die ganze Zeit weiß man, dass dies alles auf ihre Ermordung hinausläuft. Diese vorweggenommene Spannung finde ich toll! Besagtes Ende gestaltet sich unterschiedlich. Bei dem einen Mädchen erfährt man nur, dass sie verschwunden ist, vermisst gemeldet wurde. Bei einem anderen wird die Tat einschließlich einer fiesen Verstümmelung detailliert geschildert. So weiß man auch, was mit den anderen geschah. Schlimm, dann eine Mutter bei der Suche nach ihrer vermissten Tochter zu erleben! Ganz besonders intensiv lernen wie Kathie kennen. In Rückblenden begleiten wir sie bis zu ihrer Kindheit. Mit großen Träumen und Wünschen kam sie vom Land nach München, hoffte, dass hier ihr Leben eine entscheidende Wendung zum Besseren erfährt. Und natürlich träumt sie von einem Mann, einem Traumprinzen. Ein gutgläubiges, unerfahrenes, einfaches Opfer! Unterstützt wird alles durch eine konsequent einfach gehaltene Sprache. Kurze, abgehackte Sätze. Dialekt und falsche Grammatik. Nicht immer einfach zu lesen, aber dadurch traten mir die einzelnen Personen nur umso deutlicher vor Augen. Einfache Menschen, ohne große Bildung. Auch bei Josef Kalteis muss ich ein gehöriges Maß an geistiger Armut einräumen. Heute würde man so einem Menschen mindestens verminderte Schuldfähigkeit wenn nicht gar Unzurechnungsfähigkeit attestieren und ihn in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Aber dies hätte ja dem Ansehen der Partei Schaden zufügen können… Der Roman basiert auf einem historischen Kriminalfall. Der Quellennachweis verweist unter anderem auf Vernehmungsprotokolle der Polizeidirektion München aus den Jahren 1930-1939. Das Buch ist sehr kurz (nur 187 Seiten), was ich an sich bedauerlich finde. Aber so kann man es „mal eben“ schnell zwischendurch lesen – mir hat es heute netterweise eine lange Wartezeit beim Orthopäden vertrieben.

Ein skrupelloser Serientäter
von Brigitte Bouman-Mengering aus Lingen (Ems) am 14.11.2013

Wie bereits in "Tannöd" wagt sich die Autorin auch hier an vergangene Kriminalfälle und zeichnet ein Bild er damaligen Gesellschaft in den 30er Jahren.Junge,unerfahrene Mädchen zieht es vom Dorf in die Stadt,winkt dort doch angeblich das Leben und der Luxus.Schnell wird klar,daß sie hier untergehen können.Ein Sittengemälde der S... Wie bereits in "Tannöd" wagt sich die Autorin auch hier an vergangene Kriminalfälle und zeichnet ein Bild er damaligen Gesellschaft in den 30er Jahren.Junge,unerfahrene Mädchen zieht es vom Dorf in die Stadt,winkt dort doch angeblich das Leben und der Luxus.Schnell wird klar,daß sie hier untergehen können.Ein Sittengemälde der Stadt und des Lebens in dieser Zeit,die solche Verbrechen erst möglich gemacht haben.

Spannender Roman, angelehnt an ein reales Ereignis in den 1930-er Jahren!
von Walter M. aus Linz am 29.05.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Der Nachfolger von "Tannöd" kommt ebenso unterhaltend daher und zeichnet ein zeitgeschichtliches Geschehen rund um einen psychisch-kranken Mann. Gespannt bin ich auf das Hörbuch zu diesem Roman mit der unvergleichbaren Fr. Bleibtreu als Erzählerin!


  • Artikelbild-0
  • Aktennotiz zum Abschluss des Verfahrens Josef Kalteis
    Geheime Reichssache

    Eine Begnadigung des Verurteilten ist abzulehnen. Die Vollstreckung des Urteils ohne Verzug ist im Gefängnis Stadelheim durchzuführen. Eine öffentliche Bekanntmachung ist unerwünscht.
    Erläuterung: Zahlreiche Verbrechen dieser Art wurden seit Beginn der 30er Jahre aktenkundig. Solche Taten konnten nur auf dem maroden Nährboden der Weimarer Republik gedeihen. Die Demokratie, ein Krebsgeschwür, eine Brutstätte asozialer Elemente. Aber dass diese Taten selbst nach der Machtergreifung nicht abnahmen und unsere treuen Volksgenossen weiter beunruhigen und verunsichern, können wir nicht hinnehmen. Die deutsche Volksgemeinschaft ist gesund und soll auch weiterhin gesund bleiben. Volksschädlinge wie dieser sind deshalb aus ihr zu entfernen. Es kann nicht geduldet werden, dass jenes asoziale Element jahrelang den Münchner Westen heimsuchen konnte und München, die Wiege der Bewegung, die Stadt, die unserem geliebten Führer so sehr am Herzen liegt, besudelt.
    Da es sich bei dem Täter um einen Volksdeutschen, einen Arier, zudem noch Mitglied der NSDAP, handelt, sind eine umgehende Vollstreckung des Urteils und absolutes Stillschweigen erforderlich. Von Mitteilungen in Volksdeutschen Presseorganen sowie dem Völkischen Beobachter ist abzusehen. Alle Berichte sowohl mündlicher als auch schriftlicher Art unterliegen aus diesem Grunde der Geheimhaltung. Es ist jeder Schaden, der dem Ansehen der Partei und der nationalsozialistischen Bewegung entstehen könnte, zu vermeiden. Das eingereichte Gnadengesuch wird abgewiesen. Eine Sicherheitsverwahrung und Umerziehung im KL Dachau ist abzulehnen.

    Heil Hitler!
    München, den 29. Oktober 1939 gez. ...

    Er sitzt da. Auf der Pritsche, den Kopf in die Hände gestützt. Die Augen geschlossen, offen? Er weiß es nicht. Der Raum in fahles Licht getaucht, das vom Hof her durch das kleine, vergitterte Fenster hereinfällt.
    Er sitzt da, stundenlang sitzt er schon da. In immer der gleichen Haltung, die Hände gefaltet wie zum Gebet, das Gesicht zur Hälfte darin verborgen, die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt, bewegungslos. Die Zeit schwindet dahin. Es kommt ihm vor, als rinne sie durch seine Finger, an seinen Armen entlang, über die Beine hinab zum Boden. Ständig. Unaufhörlich. Und doch kann er sich trotz dieser Langsamkeit an nichts erinnern. Nicht an den Tag, die Nacht, die Stunde, die Minute ... Alles verschwimmt in diesem fahlen Licht, diesem endlosen Grau, als hätte auch er sich aufgelöst, als wäre sein Leben bereits verronnen.
    Nichts, nichts ist geblieben, ein endloser Raum aus Nichts, nur Leere.
    Selbst die Angst ist aus seinem Kopf, aus seinem Körper entwichen. Die Angst, die gestern noch greifbar war. Die langsam seinen Rücken entlang hoch bis in seinen Kopf kroch, Zentimeter für Zentimeter. Die seinen Körper, ihn ganz gefangen hielt. Tief in ihm lauernd, lähmte sie seine Gedanken und ergriff von jeder einzelnen Zelle seines Körpers, von seinem ganzen Ich Besitz. Selbst sie war im Laufe der Nacht dieser Leere gewichen. Hatte nicht standhalten können, sich nicht durchsetzen können gegen das Nichts, das ihn nun erfüllt, ausfüllt.
    Irgendwann in dieser Nacht öffnet jemand die Klappe der Zellentür. Er, das Geräusch hörend, wendet den Kopf nicht. Warum auch? Es bedeutet nichts mehr. Nichts bedeutet mehr etwas. Nichts.
    Als um sechs Uhr das Licht in der Zelle wieder angeschaltet wird, bemerkt er es nicht, um ihn herum ist das fahle, graue Licht der Nacht geblieben. Den Kopf weiter in die Hände gestützt, bleibt er auf seiner Pritsche sitzen. Mit dem Nichts, mit der Leere, die schlimmer ist als die Angst.
    So sitzt er auch noch da, als gegen zehn vor sieben die beiden Männer die Zelle betreten.
    Sie sprechen mit ihm, als sie hereinkommen, aber was sie auch sagen, er versteht es nicht. Worte dringen nicht mehr durch diese Leere, durch dieses Nichts hindurch, das ihn umgibt. Ihn einhüllt, ihn fest im Griff hat.
    Er reagiert erst, als er die Berührung spürt, die Hand auf seiner Schulter. Weiß, dass es nun Zeit ist aufzustehen. Langsam, mechanisch erhebt er sich. Die Männer legen seine Hände auf den Rücken und er spürt die metallene Fesselung an seinen Handgelenken.
    Vier Schritte braucht er, um den Raum zu verlassen. Vier Schritte. Er zählt sie mit.
    Vor der Zellentür wartet bereits der Gefängnisgeistliche auf ihn.
    Ob er ihnen voranschreitet oder hinterherläuft, er kann es nicht sagen. Genauso wenig kann er sich an die Worte des Geistlichen erinnern. Gesehen hat er, wie dieser den Mund zum Sprechen öffnete. Auch an Laute, die sich ihren Weg zu seinem Ohr gesucht haben, erinnert er sich. Aber sie waren ohne Zusammenhang, ohne Sinn. Drangen nicht zu ihm durch. Konnten die Mauer des Nichts nicht überwinden.
    Wieder zählt er die Schritte. Jeden einzelnen, eins, zwei, drei, vier . .. und dann nimmt er das Geräusch wahr. Das andere Geräusch, das neben den Schritten noch hörbar ist und sich jetzt immer mehr in sein Bewusstsein drängt.
    Leise und dann immer lauter, bis es seinen Kopf völlig ausfüllt. Es ist der Klang der Gefängnisglocke, die seinen letzten Gang anzeigt. Die Totenglocke. Ihr Klang erfüllt ihn jetzt, erfüllt seinen ganzen Körper.
    Erfüllt ihn nun ebenso sehr wie vorher das Nichts. Er weiß, sie wird erst verstummen, wenn er nicht mehr am Leben ist. Sie wird das Letzte sein, das er hören wird, zeigt sie doch seinen Tod an, für jedermann hörbar.
    Sie führen ihn hinunter in den Gefängnishof. Dort erwarten sie ihn bereits. Der Staatsanwalt, der Gerichtsarzt und der Nachrichter mit seinen Helfershelfern.
    Die in schwarze Anzüge gekleideten Gehilfen nehmen ihn in Empfang. Sie packen ihn links und rechts an beiden Armen. Legen ihn bäuchlings auf das Kippbrett. Er spürt noch den festen Griff der Hände, da schieben sie das Brett unter die Fallschwertmaschine.
    Der Nachrichter zieht den Sperrhebel. Das Messer fällt herunter, trennt den Kopf vom Rumpf.

    Der Leichnam, nun Eigentum des bayerischen Staates, wird dem gerichtsmedizinischen Institut der Stadt München übergeben. Die Verwandten des Hingerichteten haben auf den Leichnam und somit auf die Übernahme der entstandenen Kosten verzichtet. 247 Reichsmark werden aus der bayerischen Staatskasse als Entlohnung an den Nachrichter Johann Reichard überwiesen.
    Dauer der Hinrichtung vom Betreten des Gefängnishofes bis zur Exekution durch die Fallschwertmaschine: 17 Sekunden.