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Rabengott

Roman

Dies ist die Geschichte eines Kriegers, der in der Stadt des Rabengottes auf ein dunkles Geheimnis stößt: Eines Nachts erblickt Tikian das Gesicht einer Frau am Fenster, das er nicht mehr vergessen kann. Als er zurückkehrt, findet er aber nur eine Ruine vor. Tikians Suche nach der mysteriösen Schönen beschwört bald mehr als nur Geister herauf ...

Das zweite große Fantasy-Abenteuer von Bernhard Hennen aus der Welt Aventuriens.

Portrait
Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Mit seiner »Elfen«-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Bernhard Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.
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  • Hastig fuhr sich Tikian mit der Hand durch das schweißnasse Gesicht und blickte dann wieder auf das Dickicht am Rande des kaum sichtbaren Pfades, dem sie durch den Dschungel folgten. Sein Kopf schmerzte vom unentwegten Starren, und seine Augen brannten. Leise fluchte er vor sich hin. Er hätte sich jetzt auf dem Landgut seines Vaters mit irgendeiner willigen Dienstmagd vergnügen können, wenn er nur ein wenig klüger gewesen wäre. Aber er war ein Narr! Stets musste er nach dem Unmöglichen gieren, und nun war ihm das zum Verhängnis geworden.
    Der Gedanke an die hübsche Gräfin ließ ihn lächeln. Die Nacht mit ihr würde er niemals vergessen. Sie war eine Offenbarung gewesen! Es hatte vor ihr schon viele Frauen in seinem Leben gegeben, doch sie ... Zunächst hatte er sie für schüchtern und kalt gehalten - eine klassische Schönheit, hochgewachsen und schlank, mit tiefblauen Augen, das lange Haar streng zurückgekämmt. Morena hatte ihm ungewöhnlich lange widerstanden. Fast drei Wochen hatte sein Werben gedauert. Sie war nämlich eine Frau mit Grundsätzen. Doch zuletzt hatte auch sie sich ihm hingegeben.
    Es war alles bereit gewesen für jene eine Nacht, die er mit ihr teilen wollte. Ihr Mann, der kaiserliche Gesandte, war in einem Bordell gewesen, und Tikian hatte die Huren bestochen, den Grafen nicht vor Morgengrauen gehen zu lassen. Und sie, sie hatte ihn mit klopfendem Herzen erwartet ... Tikian hatte vorgegeben, nur zu kommen, um ihr von der Liebe zu singen, jene Verse, zu denen sie ihn angeregt hatte.
    Doch er hatte genau gewusst, dass sie sich längst nach mehr als schönen Worten sehnte. Drei Wochen lang hatte er mit angesehen, wie ihr Mann sie vernachlässigt hatte. Der Graf war ganz in seinem politischen Ränkespiel gefangen und hatte keinen Blick mehr für die Schönheit seiner Frau. Genau genommen hatte der Graf sie ihm geradezu in die Arme getrieben, dachte Tikian.
    In einem Kirschhain, unter weißen Blütenblättern, hatten sie ihr Stelldichein gehabt, als die Sehnsucht Morenas Stolz besiegte. Sie war es gewesen, die ihn schließlich geküsst hatte. Die Gräfin war eine Frau, die sehr wohl wusste, was sie wollte, und nachdem sie ihn in ihr Gemach eingeladen hatte, hatte sie ihn mit einer Wildheit und Leidenschaft genommen, die er ihr nicht zugetraut hätte. Die Liebesnacht mit ihr war ein wunderbarer Rausch gewesen, nach dem er erschöpft in ihren Armen eingeschlafen war. Das war sein erster Fehler gewesen!
    Als er erwacht war, hatte der Graf schreiend und mit seinem Schwert fuchtelnd in der Tür des Schlafgemachs gestanden. Ohne nachzudenken, war Tikian aus dem Bett gesprungen und hatte sein Rapier gezogen. Sein zweiter Fehler!
    Er hätte wissen müssen, dass ein zweitklassiger Diplomat kein Gegner in Ehrenhändeln war. Noch bevor ihr Kampf richtig begonnen hatte, war er bereits wieder zu Ende gewesen. Er hatte dem Grafen einen Stich in die rechte Schulter verpasst, seine Kleider an sich gerissen und war mit einem Satz über den Balkon in den Garten verschwunden. Leider hatte er in der Eile seinen Umhang vergessen. Und das war der schlimmste Fehler von allen, denn in den Kragen waren mit goldenem Faden seine Initialen gestickt. Nicht die Gräfin, sondern sein Umhang hatte ihn verraten und hierher in den Dschungel gebracht.
    Zunächst hatte Tikian noch geglaubt, es würde reichen, sich auf ein entlegenes Landgut in den Goldfelsen nahe der Wüstengrenze zurückzuziehen, doch dann kam ihm zu Ohren, dass Königin Amene ihn für diese lächerliche Kleinigkeit zu zwanzig Jahren Festungshaft verurteilt und ihre Garden angewiesen hatte, im ganzen Königreich nach ihm zu suchen. Amene hatte ihn geopfert, um der Eitelkeit des kaiserlichen Gesandten zu schmeicheln! Und ihre Gardisten meinten es ernst. Zweimal war Tikian nur um eine Degenbreite dem Kerker entgangen, und so war er schließlich gezwungen gewesen, das Liebliche Feld zu verlassen. In Chorhop hatte er sein Rapier in den Dienst des Söldnerhauptmanns Galahan gestellt, und dieser wiederum war dem Ruf des Königs von Brabak gefolgt, als der schmutzige Krieg um das kleine Königreich Trahelien ausgebrochen war.
    Dumpf dröhnte der Trommelschlag der Wilden durch den Dschungel, die der Herrscherin des Waldkönigreichs in den Krieg gefolgt waren. Kahl rasierte und bunt bemalte Barbaren, die ihren Feinden die Köpfe abschlugen, um diese als Schmuck an ihren Gürteln zu tragen. Hurensöhne waren sie allesamt, diese Mohas, die sich an keine der Regeln der Kriegskunst hielten. Nie stellten sie sich zu einem offenen Gefecht. Sie lauerten im Dschungel und schossen mit vergifteten Pfeilen aus dem Hinterhalt.
    Wieder wischte sich Tikian mit der Hand über die Stirn. Er hatte keine Angst vor einem ehrlichen Kampf. Mit Rapier und Dolch war er ein Meister, aber hier zählte das wenig. Dieser Krieg kannte keine Schlachten, von denen einst die Barden singen würden. Es gab keine strahlenden Helden in schimmernder Rüstung, keine ruhmreichen Duelle inmitten des Kampfgetümmels, wenn zwei mächtige Recken aufeinandertrafen. Ihr Söldnertrupp plünderte hier und da ein Dorf und überließ die Bewohner den Sklavenhändlern, die ihnen wie ein Schwarm Aasgeier folgten. Die Trahelier hingegen hatten schon zweimal bei Nacht das Söldnerlager überfallen und wagten hin und wieder ein Scharmützel mit der Nachhut.
    Tikian schreckte aus seinen Gedanken auf. Vorn war kreischend ein Schwarm bunter Vögel aufgeflogen. Moron, der Anführer des Trupps, gab seinen Leuten ein Zeichen, niederzuknien und Deckung zu suchen. Dann schickte er mit einem Wink die beiden Fährtensucher vor, die ihre kleine Truppe begleiteten. Dieses Unternehmen war einfach töricht! Sie waren viel zu wenige. Zu zwölft hatten sie am Morgen das Lager verlassen. Hauptmann Galahan hatte wahrscheinlich vor, sich auf ihre Kosten zu bereichern. In zwei Tagen war Zahltag. Wenn sie auf diesem sinnlosen Wachgang ihr Leben ließen, dann würde der Schurke in der Soldabrechnung für die Brabaker Offiziere bestimmt angeben, dass er sie noch vor dem Abmarsch ausgezahlt hatte, ihren Sold in Wahrheit aber selbst einstreichen. Tikians Blick wanderte über die kleine Truppe. Der Hauptmann würde ein lohnendes Geschäft machen. Er hatte die teuersten aus seiner Truppe ausgesucht. Ausgenommen von ihrem Weibel, Moron, gehörte keiner zu der Stammtruppe der Söldnereinheit. Galahan würde keinen von ihnen vermissen! Vielleicht plante der Bastard, das Geld an sich zu nehmen und sich aus dem Dschungel zurückzuziehen.
    Alles in allem sah es nicht gut aus für sie. Sie hatten sich in den letzten Tagen zu weit in den Wald vorgewagt und waren vom Rest der Brabaker Armee abgeschnitten.
    Die beiden mohischen Fährtensucher kehrten zurück und tuschelten leise mit Moron. Was die drei wohl zu bereden hatten? Der Weibel erhob sich und gab mit der rechten Hand ein Zeichen, weiterzumarschieren.
    Noch immer dröhnte von allen Seiten das dumpfe Trommeln der Mohas. Wurden diese verfluchten Wilden denn niemals müde? Seit Tagen ging das jetzt schon so.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 494
Erscheinungsdatum 02.03.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-52549-8
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18,9/11,8/4 cm
Gewicht 400 g
Buch (Taschenbuch)
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