Die 5. Plage / Der Club der Ermittlerinnen Bd.5

Thriller

Der Club der Ermittlerinnen Band 5

James Patterson

(8)
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
10,99
10,99
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Taschenbuch

10,99 €

Accordion öffnen
  • Die 5. Plage / Der Club der Ermittlerinnen Bd.5

    Blanvalet

    Sofort lieferbar

    10,99 €

    Blanvalet

eBook (ePUB)

8,99 €

Accordion öffnen

Beschreibung


Wer spielt Gott mit dem Leben anderer Menschen?

Der »Women’s Murder Club« hat ein neues Mitglied: Yuki Castellano hat noch vor kurzem Lieutenant Lindsay Boxer brillant vor Gericht verteidigt. Jetzt ist die Rechtsanwältin selbst auf Lindsays Hilfe angewiesen. Ihre Mutter ist das jüngste Opfer in einer Reihe mysteriöser Todesfälle im San Francisco Hospital. Versucht der eiskalte Dr. Garza eigene Fehldiagnosen zu kaschieren? Oder hinterlässt ein perfider Serienmörder seine blutige Spur im Krankenhaus? Gier oder Wahnsinn – wer verbreitet das tödliche Chaos?

Eiskalt, rasant, auf jeder Seite überraschend!

"Seine Leser könnten ihn verklagen - weil sie süchtig geworden sind. Patterson ist eines der stärksten Suchtmittel, die der literarische Kosmos zu bieten hat." Alex Dengler in "Bild am Sonntag"

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 382
Erscheinungsdatum 09.06.2008
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-37037-5
Reihe Women's Murder Club 5
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18,5/12,6/3,8 cm
Gewicht 320 g
Originaltitel 5th Horseman (05 Women's Murder Club)
Übersetzer Andreas Jäger
Verkaufsrang 44368

Weitere Bände von Der Club der Ermittlerinnen

mehr

Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
5
3
0
0
0

von einer Kundin/einem Kunden aus Oberhausen am 20.07.2018
Bewertet: anderes Format

Seine Leser könnten ihn verklagen - weil sie süchtig geworden sind. Patterson ist eines der stärksten Suchtmittel, die der literarische Kosmos zu bieten hat.

Vier Frauen und noch mehr Todesfälle
von Sandra Matteotti aus Zürich am 26.01.2017

In einem Krankenhaus sterben immer wieder Menschen, die zwar über die Notaufnahme reinkamen, sich dann aber eigentlich erholt hatten. Die Staranwältin Maureen O’Mara nimmt sich dem Fall an und verklagt das Krankenhaus für die Hinterbliebenen der Opfer in Millionenhöhe. Ausgerechnet in dieses Krankenhaus wird Yuki Castellanos Mut... In einem Krankenhaus sterben immer wieder Menschen, die zwar über die Notaufnahme reinkamen, sich dann aber eigentlich erholt hatten. Die Staranwältin Maureen O’Mara nimmt sich dem Fall an und verklagt das Krankenhaus für die Hinterbliebenen der Opfer in Millionenhöhe. Ausgerechnet in dieses Krankenhaus wird Yuki Castellanos Mutter nach einem Schwächeanfall eingeliefert. Als auch sie eines Morgens plötzlich tot ist, nimmt sich Lindsay Boxer dem Fall an – anfänglich noch auf eigene Faust, da sie offiziell an einem Fall ermittelt, bei dem junge Frauen ermordet, vergewaltigt und puppenhaft drapiert werden. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt: Wann schlägt der Frauenmörder wieder zu und wann der Todesengel im Krankenhaus? Patterson ist im fünften Fall seiner Reihe um den Women’s Murder Club wieder voll auf seiner Höhe, nachdem er im vierten Fall etwas schwächelte. Gleich zwei Fälle müssen gelöst werden, in beiden eilt die Zeit, weil neue Tote zu befürchten sind – und in beiden findet sich kein Anhaltspunkt, der weiterhelfen könnte. Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis Lindsay Boxer die Täter findet? Ein Pageturner von der ersten bis zur letzten Seite, einmal angefangen, will man ihn nicht mehr aus der Hand legen. Es empfiehlt sich – wie immer bei Patterson – den nächsten Band schon zur Hand zu haben, um gleich neu eintauchen zu können. Dies umso mehr, als auch zwischen Lindsay Boxer und Joe Molinari offene Fragen sind, auf die man gerne eine Antwort hätte. Fazit: Der fünfte Fall des Women’s Murder Club ist ein Pageturner auf höchstem Niveau. Zwei spannende Fälle, in beiden ein Wettlauf mit der Zeit, eine noch nebenherlaufende Liebesgeschichte – absolute Leseempfehlung.

Spannung pur
von Blacky am 07.05.2009
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Kurzbeschreibung zu: "Die 5. Plage" Wer spielt Gott mit dem Leben anderer Menschen? Der "Womens Murder Club" hat ein neues Mitglied: Yuki Castellano hat noch vor kurzem Lieutenant Lindsay Boxer brillant vor Gericht verteidigt. Jetzt ist die Rechtsanwältin selbst auf Lindsays Hilfe angewiesen. Ihre Mutter ist das jüngste Opfer ... Kurzbeschreibung zu: "Die 5. Plage" Wer spielt Gott mit dem Leben anderer Menschen? Der "Womens Murder Club" hat ein neues Mitglied: Yuki Castellano hat noch vor kurzem Lieutenant Lindsay Boxer brillant vor Gericht verteidigt. Jetzt ist die Rechtsanwältin selbst auf Lindsays Hilfe angewiesen. Ihre Mutter ist das jüngste Opfer in einer Reihe mysteriöser Todesfälle im San Francisco Hospital. Versucht der eiskalte Dr. Garza eigene Fehldiagnosen zu kaschieren? Oder hinterlässt ein perfider Serienmörder seine blutige Spur im Krankenhaus? Gier oder Wahnsinn - wer verbreitet das tödliche Chaos? Eine ganz spannende Serie um den "Club der Ermittlerinnen". Dieses Buch ist besonders dramatisch , da es eine vom Club trifft. Mehr will ich nicht verraten Reihenfolge der Serie um den "Club der Ermittlerinen": Band 1 Der 1. Mord Band 2 Die 2. Chance Band 3 Der 3. Grad Band 4 Die 4. Frau Band 5 Die 5. Plage Band 6 Die 6. Geisel


  • Artikelbild-0
  • Artikelbild-1
  • Prolog
    Die Mitternacht zog heran
    Der Regen prasselte an die Fenster, als im San Francisco Municipal Hospital die Nachtschicht begann. Von Beruhigungsmitteln eingelullt, schlief die dreißigjährige Jessie Falk friedlich in ihrem Bett auf der Intensivstation und ließ sich in einem See aus kühlem Licht treiben.
    Jessie träumte den schönsten Traum seit Jahren.
    Mit ihrem kleinen Engel, der dreijährigen Claudia, spielte sie im Swimmingpool in Omas Garten. Claudie, splitternackt bis auf die knallrosa Schwimmflügel, planschte im Wasser, und ihre blonden Locken glitzerten im Sonnenlicht.
    »Alle Entchen fliegen hoch, Claudie!«
    »So, Mami?«
    Sie flatterte mit den Ärmchen, und Mutter und Tochter fassten sich juchzend und lachend an den Händen, wirbelten im Kreis und fielen mit lautem Gekreische ins Wasser, als plötzlich und ohne Vorwarnung ein stechender Schmerz Jessies Brust durchzuckte.
    Mit einem Schrei erwachte sie, richtete sich kerzengerade im Bett auf und hielt sich mit beiden Händen die Brust.
    Was passierte da? Was war das für ein Schmerz?
    Dann merkte Jessie, dass sie im Krankenhaus lag - und dass ihr wieder übel war. Sie erinnerte sich, wie sie hierhergekommen war - die Fahrt im Krankenwagen, der Arzt, der ihr versichert hatte, dass es nichts Ernstes sei, dass sie sich keine Sorgen machen müsse.
    Der Ohnmacht nahe, sank Jessie auf die Matratze zurück und tastete mit fahrigen Bewegungen nach der Klingel auf ihrem Nachttisch. Doch das Gerät glitt ihr aus der Hand und fiel herunter, schlug mit einem dumpfen Scheppern gegen das Bettgestell.
    O Gott, ich kriege keine Luft! Was passiert mit mir? Ich kann nicht mehr atmen. Es ist entsetzlich. Oh, mir geht es gar nicht gut.
    Jessie warf den Kopf hin und her und blickte voller Panik in dem dunklen Krankenzimmer umher. Da sah sie aus dem Augenwinkel heraus eine Gestalt in der Ecke stehen. Das Gesicht kannte sie.
    »Oh, G-Gott sei Dank!«, keuchte sie. »Helfen Sie mir bitte. Es ist mein Herz.«
    Sie streckte die Hände aus, fuchtelte schwach in der Luft herum, doch die Gestalt blieb in der dunklen Ecke stehen. »Bitte!«, flehte Jessie.
    Die Gestalt kam nicht näher, machte keine Anstalten, ihr zu helfen. Was ging da vor? Das hier war doch ein Krankenhaus. Die Person dort in der Ecke arbeitete hier.
    Winzige schwarze Pünktchen tauchten vor Jessies Augen auf, während ein brutaler Schmerz ihr die Luft aus der Lunge quetschte. Plötzlich verengte sich ihr Gesichtsfeld zu einem Tunnel aus weißem Licht.
    »Bitte, helfen Sie mir. Ich glaube, ich ...« »Ja«, sagte die Gestalt in der dunklen Ecke, »du stirbst, Jessie. Es ist eine Wonne, dir zuzusehen, wie du hinübergehst...«
    Jessies Hände schlugen auf die Bettdecke wie die Flügel eines kleinen Vogels. Und dann lagen sie plötzlich ganz still. Jessie war tot.
    Der Engel der Nacht trat vor und beugte sich tief über das Krankenbett. Die Haut der jungen Frau war bläulich gefleckt und fühlte sich feucht und kalt an; ihre Pupillen waren starr. Sie hatte keinen Puls. Keinerlei Vitalzeichen. Wo war sie jetzt? Im Himmel, in der Hölle - oder nirgendwo?
    Die schattenhafte Gestalt hob die heruntergefallene Klingel auf und zupfte dann die Bettdecke zurecht. Sie strich das Haar der jungen Frau glatt, richtete den Kragen ihres Krankenhauskittels und tupfte ihr mit einem Papiertaschentuch den Speichel von den Mundwinkeln.
    Flinke Finger griffen nach dem gerahmten Foto, das neben dem Telefon auf dem Nachttisch stand. Sie war so hübsch gewesen, diese junge Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm. Claudia - so hieß doch ihre Tochter, nicht wahr?
    Der Engel der Nacht stellte das Bild zurück, schloss die Augen der Patientin und legte zwei kleine Plättchen, die wie Messingmünzen aussahen - nicht ganz so groß wie ein Zehncentstück -, auf Jessie Falks Lider.
    Auf jedes der kleinen Plättchen war ein Äskulapstab geprägt - eine Schlange, die sich um einen Stab windet. Das Symbol der Heilberufe.
    Ein geflüsterter Abschiedsgruß mischte sich mit dem Zischen der Autoreifen auf dem nassen Asphalt der Pine Street fünf Stockwerke tiefer.
    »Gute Nacht, Prinzessin.«
    Erster Teil
    Vorsätzlich
    Ich saß an meinem Schreibtisch und wühlte mich durch einen Stapel Akten - achtzehn ungeklärte Tötungsdelikte, um genau zu sein -, als Yuki Castellano, ihres Zeichens Rechtsanwältin und Strafverteidigerin, auf meinem Privatanschluss anrief.
    »Meine Mom will uns zum Lunch ins Armani Cafe einladen«, verkündete das neueste Mitglied unseres Clubs der Ermittlerinnen. »Du musst sie unbedingt kennenlernen, Lindsay. Sie ist ein solcher Charmebolzen, dass sie jeden um den Finger wickeln kann, und das meine ich wirklich ganz positiv.«
    Mal sehen - wofür sollte ich mich entscheiden? Für kalten Kaffee und Thunfischsalat in meinem Büro? Oder für ein leckeres italienisches Essen - vielleicht Carpaccio mit Rucola und frisch gehobeltem Parmesan und einem Glas Merlot dazu - mit Yuki und ihrer charmesprühenden Mama?
    Ich richtete den Aktenstapel fein säuberlich aus, sagte unserer Teamassistentin Brenda, dass ich in etwa zwei Stunden wieder da wäre, und verließ das Präsidium. Es würde völlig ausreichen, wenn ich zu unserer Teambesprechung um drei zurück wäre.
    Nach einer Reihe von Regentagen schien heute endlich wieder die Sonne, und dieser herrliche Septembertag war einer der letzten Lichtblicke, bevor das kühle, feuchte Herbstwetter über San Francisco hereinbrechen würde.
    Es war ein Genuss, an der frischen Luft zu sein.
    Ich traf mich mit Yuki und Keiko, ihrer Mutter, vor dem Saks im noblen Shoppingviertel am Union Square. Kurz darauf marschierten wir drei schon munter schwatzend die Maiden Lane hinauf Richtung Grant Avenue.
    »Ihr Mädchen, einfach zu modern«, sagte Keiko. Sie war richtig süß, zierlich wie ein Vögelchen, perfekt gekleidet und frisiert und beladen mit Einkaufstüten, die an ihren Armbeugen baumelten. »Kein Mann wollen Frau, die zu selbstständig«, erklärte sie uns.
    »Mom, bitte!«, rief Yuki genervt. »Jetzt mach aber mal einen Punkt, ja? Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Das hier ist Amerika!«
    »Sie auch nicht besser, Lindsay«, sagte Keiko, ohne auf Yukis Proteste zu reagieren, und stupste mich in die Seite. »Sie haben Knarre unter Arm!«
    Yuki und ich prusteten los, und unser schallendes Gelächter übertönte fast Keikos ernsthafte Beteuerung, dass »kein Mann wollen Frau mit Waffe«.
    Ich wischte mir mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht, während wir an einer roten Fußgängerampel warteten.
    »Ich habe aber einen Freund«, sagte ich.
    »Aber hallo«, rief Yuki und erging sich gleich in Lobeshymnen über meinen Verehrer. »Joe ist ein sehr gut aussehender italienischer Typ. Genau wie Dad. Und er hat einen superwichtigen Job bei der Regierung. Heimatschutzministerium.«
    »Er bringen dich zum Lachen?«, fragte Keiko, die Yukis Auflistung von Joes Qualitäten demonstrativ ignorierte.
    »Mhm. Manchmal lachen wir uns regelrecht scheckig.«
    »Er dich gut behandeln?«
    »Oh, er behandelt mich ja soooo gut«, erwiderte ich grinsend.
    Keiko nickte anerkennend. »Ich kennen diese Lächeln«, sagte sie. »Du haben Mann mit langsame Hände gefunden.«
    Wieder brachen Yuki und ich in johlendes Gelächter aus, und an dem schelmischen Blitzen in Keikos Augen konnte ich ablesen, wie sehr sie dieses »Verhör« genoss.
    »Wann du kriegen Ring von diese Joe?«
    Jetzt wurde ich doch tatsächlich rot. Keiko hatte ihren perfekt manikürten Finger genau auf den wunden Punkt gelegt. Joe wohnte in Washington, D.C. Ich nicht. Das ging einfach nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie unsere Beziehung sich entwickeln würde.
    »Wir sind noch nicht im Ringe-Stadium angelangt«, erklärte ich ihr.
    »Du lieben diese Joe?«
    »Total«, gestand ich.
    »Er lieben dich?«
    Yukis Mom blickte amüsiert zu mir auf, da sah ich, wie ihre Gesichtszüge plötzlich erstarrten, als hätten sie sich in Stein verwandelt. Ihre lebhaften Augen wurden glasig, und ihre Knie knickten ein.
    Ich streckte die Hand aus, um sie aufzufangen, aber es war zu spät.
    Mit einem Stöhnen, bei dem mir fast das Herz stehen blieb, klappte Keiko auf dem Gehsteig zusammen. Ich konnte nicht glauben, was gerade passiert war, und ich verstand die Welt nicht mehr. Hatte Keiko einen Schlaganfall erlitten?
    Yuki schrie auf, sank neben ihrer Mutter in die Hocke und schlug ihr mit der flachen Hand auf die Wangen. »Mommy, Mommy, wach auf!«, rief sie.
    »Lass mich mal hin, Yuki. Keiko! Keiko, können Sie mich hören?«
    Mein Herz schlug wie ein Dampfhammer, als ich zwei Finger an Keikos Halsschlagader legte, ihren Puls fühlte und dabei den Sekundenzeiger meiner Armbanduhr beobachtete.
    Sie atmete, aber ihr Puls war so schwach, dass ich ihn kaum tasten konnte.
    Ich riss mein Handy aus der Gürteltasche und rief die Leitstelle an.
    »Lieutenant Boxer, Dienstnummer 27-21«, bellte ich ins Telefon. »Einen Rettungswagen in die Maiden Lane, Ecke Grant. Sofort!«
    Das San Francisco Municipal Hospital ist riesig - wie eine Stadt in der Stadt. Früher ein städtisches Krankenhaus, ist es vor einigen Jahren privatisiert worden, nimmt
    aber immer noch mehr als seinen vorgeschriebenen Anteil an bedürftigen Patienten und dem Überschuss aus anderen Kliniken auf. Über hunderttausend Patienten werden hier jedes Jahr behandelt.
    Und in diesem Moment lag Keiko Castellano in einem der mit Vorhängen abgeteilten Betten, die an den Wänden der riesigen, von hektischer Betriebsamkeit gekennzeichneten Notaufnahmestation aufgereiht standen.
    Als ich neben Yuki im Wartezimmer saß, konnte ich ihre Panik spüren, ihre Angst um das Leben ihrer Mutter.
    Und vor meinem inneren Auge blitzte eine Erinnerung an meinen letzten Aufenthalt in einer Notaufnahme auf. Ich sah noch die geisterhaften Hände der Ärzte, die sich an mir zu schaffen machten, hörte das laute Wummern meines Herzens - und erinnerte mich daran, wie ich mich gefragt hatte, ob ich hier jemals lebend rauskommen würde.
    Ich war nicht im Dienst gewesen an jenem Abend, war aber trotzdem einen Einsatz mitgefahren, ohne zu ahnen, dass die Routineüberprüfung von einer Minute auf die andere in eine Katastrophe umschlagen und ich angeschossen am Boden liegen würde. Das Gleiche galt für meinen Freund und ehemaligen Partner, Inspector Warren Jacobi. Wir hatten jeder zwei Kugeln abbekommen, dort in der menschenleeren Seitenstraße. Er war bewusstlos, und ich lag blutend auf der Straße, als es mir irgendwie gelang, meine letzten Kräfte zu mobilisieren und das Feuer zu erwidern.
    Ich zielte gut - vielleicht zu gut.
    Es gehört zu den unerfreulichen Zeichen der Zeit, dass Zivilisten, die von der Polizei angeschossen werden, in der Öffentlichkeit mehr Sympathien genießen als Polizisten, auf die ein Zivilist das Feuer eröffnet. Ich wurde von den Familien der so genannten Opfer verklagt und hätte alles verlieren können, was mir lieb und teuer war.
    Damals hatte ich Yuki noch kaum gekannt.
    Aber Yuki Castellano war die kluge, leidenschaftliche und enorm talentierte junge Anwältin, die mich nicht im Stich gelassen hatte, als ich sie wirklich brauchte, und dafür würde ich ihr immer dankbar sein.
    Ich drehte mich zu Yuki um, als sie auf mich einredete. Ihre Stimme war brüchig vor Aufregung, ihre Stirn voller Sorgenfalten.
    »Das ist einfach nicht zu begreifen, Lindsay. Du hast sie doch gesehen. Du meine Güte, sie ist erst fünfundfünfzig! Das reinste Energiebündel. Was ist denn da los? Warum sagen sie mir nichts? Oder lassen mich wenigstens zu ihr?«
    Ich wusste keine Antwort, aber wie Yuki war ich mit meiner Geduld am Ende.
    Wo zum Teufel blieb der Arzt?
    Das war eine Unverschämtheit. Absolut inakzeptabel.
    Was dauerte denn da so lange?
    Ich war drauf und dran, in die Notaufnahme zu stürmen und Antworten auf meine Fragen zu verlangen, als endlich ein Arzt in den Warteraum trat. Er blickte sich um und rief dann Yukis Namen.
    Auf dem Namensschild über der Brusttasche seines weißen Kittels stand: »Dr. Dennis Garza, Leiter Notaufnahme.«
    Ich konnte nicht umhin, zu bemerken, dass Garza ein attraktiver Mann war - Mitte vierzig, circa eins fünfundachtzig, um die achtzig Kilo schwer, breitschultrig und durchtrainiert. Seine spanische Herkunft zeigte sich in seinen schwarzen Augen und dem dichten, ebenfalls schwarzen Haar, das ihm in die Stirn fiel.
    Aber was mir am meisten auffiel, war die körperliche Anspannung, die der Arzt ausstrahlte, durch seine verkrampfte Haltung wie auch durch die Art, wie er permanent am Armband seiner Rolex zupfte, als wollte er sagen: Ich bin ein viel beschäftigter Mann. Ein wichtiger, viel beschäftigter Mann. Machen wir es kurz. Ich weiß nicht, warum, aber ich mochte ihn nicht.
    »Ich bin Dr. Garza«, wandte er sich an Yuki. »Ihre Mutter hatte wahrscheinlich einen neurologischen Insult, entweder eine TIA, wie wir es nennen, eine transitorische ischämische Attacke, oder einen Mini-Schlaganfall. Im Klartext: eine Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns, möglicherweise in Verbindung mit einem leichten Anfall von Angina pectoris - das sind Schmerzen, die von einer Verengung der Herzkranzgefäße herrühren.«
    »Ist das etwas Ernstes? Hat sie noch Schmerzen? Wann kann ich sie sehen?«
    Yuki bombardierte Dr. Garza mit Fragen, bis er schließlich abwehrend eine Hand hob.
    »Sie redet noch wirr. Die meisten Patienten erholen sich binnen einer halben Stunde. Bei anderen, zu denen ihre Mutter vielleicht gehört, dauert es bis zu vierundzwanzig Stunden. Wir müssen sie weiter beobachten. Und Besuch kommt derzeit noch nicht in Frage. Warten wir einfach ab, wie es ihr heute Abend geht, ja?«
    »Aber sie wird doch wieder gesund, nicht wahr? Nicht wahr?«, bedrängte Yuki den Arzt.
    »Miss Castellano. Jetzt atmen Sie erst mal tief durch«, entgegnete Garza. »Ich sage Ihnen Bescheid, sobald wir mehr wissen.«
    Die Tür zur Notaufnahme schloss sich hinter dem unsympathischen Arzt. Yuki sank kraftlos auf einen der Plastikstühle, ließ den Kopf in die Hände sinken und begann zu schluchzen. Ich hatte Yuki noch nie weinen sehen, und es machte mich fertig, sie so leiden zu sehen und ihr nicht helfen zu können.
    So tat ich das Einzige, was ich tun konnte.
    Ich legte Yuki den Arm um die Schultern und sagte: »Ist ja schon gut, Süße. Sie ist hier in guten Händen. Deiner Mom wird es schon ganz bald besser gehen, das weiß ich.«
    Und dann streichelte ich Yukis Hände, während sie sich die Augen aus dem Kopf heulte. Sie wirkte so zerbrechlich und so verängstigt, fast wie ein kleines Mädchen.
    Das Wartezimmer hatte keine Fenster. Die Zeiger der Uhr über dem Kaffeeautomaten rückten quälend langsam vor, während der Nachmittag in den Abend und die
    Nacht in den Morgen überging. Dr. Garza tauchte nicht wieder auf, und er ließ uns auch keine Nachricht zukommen.
    In diesen achtzehn langen Stunden standen Yuki und ich abwechselnd auf, um uns die Beine zu vertreten, Kaffee zu holen oder zur Toilette zu gehen. Wir aßen Sandwiches aus dem Automaten zum Abendbrot, tauschten Zeitschriften aus und lauschten in der unheimlichen fluoreszierenden Stille unseren flachen Atemzügen.
    Kurz nach drei Uhr früh schlief Yuki an meiner Schulter fest ein - nur, um zwanzig Minuten später mit einem Ruck aufzufahren.
    »Ist irgendetwas passiert?«
    »Nein, Schätzchen. Schlaf nur ruhig weiter.«
    Aber das konnte sie nicht.
    Schulter an Schulter saßen wir in diesem von künstlicher Helligkeit erfüllten, unwirtlichen Raum, während die Gesichter um uns herum wechselten: das Pärchen, das die ganze Zeit Händchen hielt und ins Leere starrte; die Familien mit kleinen Kindern im Arm; ein älterer Mann, der ganz allein dasaß.
    Jedes Mal, wenn die Schwingtür zur Notaufnahme aufgestoßen wurde, schossen alle Blicke dorthin.
    Manchmal kam ein Arzt heraus.
    Manchmal waren danach Schreie und Schluchzen zu hören.
    Es war fast sechs Uhr morgens, als eine junge Assistenzärztin mit müden Augen und blutverschmiertem OP-Kittel aus der Notaufnahme kam und Yukis Namen vollkommen falsch aussprach.
    »Wie geht es ihr?«, fragte Yuki, die sofort aufgesprungen war.
    »Sie ist jetzt klarer im Kopf - das heißt wohl, dass es ihr besser geht«, antwortete die Assistenzärztin. »Wir werden sie noch ein paar Tage hierbehalten und einige Tests machen, aber Sie dürfen sie besuchen, sobald wir sie in ihr Zimmer gebracht haben.«
    Yuki dankte der jungen Ärztin, und das Lächeln, mit dem sie sich zu mir umwandte, war viel strahlender, als die Aussage der Ärztin es gerechtfertigt hätte.
    »O Gott, Linds, meine Mom wird es schaffen! Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, dass du die ganze Nacht bei mir geblieben bist«, sagte Yuki.
    Sie fasste mich an beiden Händen, und in ihren Augen standen Tränen. »Ich weiß nicht, wie ich das überstanden hätte, wenn du nicht hier gewesen wärst. Du hast mich gerettet, Lindsay.«
    »Yuki, du bist meine Freundin. Wenn du irgendetwas brauchst, musst du gar nicht erst fragen. Das weißt du doch, oder? Egal, was es ist. Und vergiss nicht, mich anzurufen«, schärfte ich ihr ein.
    »Das Schlimmste ist überstanden«, sagte Yuki. »Mach dir keine Sorgen mehr um uns, Lindsay. Und danke. Vielen, vielen Dank!«
    Als ich das Krankenhaus durch die automatische Schiebetür verließ, drehte ich mich noch einmal um.
    Yuki stand immer noch da und sah mir nach. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen, als sie mir zum Abschied zuwinkte.
    Ein Taxi stand mit laufendem Motor vor dem Eingang des Krankenhauses. Glück gehabt. Ich stieg ein und sackte erschöpft auf dem Rücksitz zusammen. So kaputt,
    wie ich mich fühlte, konnte ich gar nicht aussehen. Sich die Nächte um die Ohren schlagen ist was für College-Studentinnen, aber nicht für große Mädels wie mich.
    Der Fahrer hielt dankenswerterweise den Mund, während er mich in der Morgendämmerung nach Potrero Hill kutschierte.
    Wenige Minuten später steckte ich den Schlüssel ins Haustürschloss des dreigeschossigen blauen Reihenhauses, das ich mit zwei anderen Parteien teile, und nahm immer zwei Stufen auf einmal, als ich die Treppe zum ersten Stock hinaufging.
    Sweet Martha, meine Border-Collie-Hündin, begrüßte mich an der Wohnungstür, als wäre ich ein ganzes Jahr weg gewesen. Ich wusste, dass ihre Hundesitterin sie gefüttert und ausgeführt hatte - Karens Rechnung lag auf dem Küchentisch -, aber Martha hatte mich vermisst, und ich sie auch.
    »Yukis Mama liegt im Krankenhaus«, erklärte ich meinem Hundchen. Albernes Frauchen. Ich schlang die Arme um ihren Hals, und sie bedeckte mein Gesicht mit ihren feuchten Küssen, um mir dann ins Schlafzimmer zu folgen.
    Am liebsten hätte ich mich gleich in mein gemütliches Bett fallen lassen und wäre sieben oder acht Stunden lang nicht mehr aufgestanden, aber stattdessen schlüpfte ich in einen zerknitterten Jogginganzug und ging mit meiner vierbeinigen Freundin laufen, während der schimmernde Morgennebel noch über der Bucht hing.