Daheim

Roman

Judith Hermann

(24)
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Beschreibung

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.
Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Nein i
Seitenzahl 192 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 28.04.2021
Sprache Deutsch
EAN 9783104912707
Verlag Fischer E-Books
Dateigröße 957 KB
Verkaufsrang 96

Kundenbewertungen

Durchschnitt
24 Bewertungen
Übersicht
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Daheim???
von einer Kundin/einem Kunden aus Vaihingen am 03.06.2021
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Noch kein Buch hat in mir so widerstrebende Gefühle ausgelöst. Eine Abneigung, die beinahe mehrfach dazu geführt hat, dass ich es weggelegt hätte. Weil die Autorin in dieser rauen Welt am Meer Einzelgänger geschaffen hat, die ihre Gefühle und ihre Sprache darüber in einer monotonen Schicksalsergebenheit vermeiden. Spontanität, H... Noch kein Buch hat in mir so widerstrebende Gefühle ausgelöst. Eine Abneigung, die beinahe mehrfach dazu geführt hat, dass ich es weggelegt hätte. Weil die Autorin in dieser rauen Welt am Meer Einzelgänger geschaffen hat, die ihre Gefühle und ihre Sprache darüber in einer monotonen Schicksalsergebenheit vermeiden. Spontanität, Herzlichkeit, Emotionen - kein Platz. Und dazu ein Milieu, das einer bürgerlichen Norm nicht standhält. Nike - geradezu abstoßend. Die Faszination von Hermanns Sprache, ihrem kargen und doch feinem Ausdruck über Beobachtungen war aber dann doch wie ein Sog, der mich zu Ende lesen ließ. Dennoch: ein Buch, das einen fast trostlos zurücklässt. Der Buch-Titel soll wohl bedeuten, dass die namenlose Hauptperson in dieser Umgebung ihre Heimat gefunden hat. Das ist schwer nachvollziehbar.

Ein neuer Weg im Leben
von Kristall86 aus an der Nordseeküste am 12.05.2021

Klappentext: „Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem n... Klappentext: „Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.“ Der Ton in dieser „Geschichte“ ist recht kühl, trübe und nebelig und die namenlose Portagonistin bleibt einem bis zum Schluss fremd. Ich muss gestehen, ich hatte damit keinerlei Probleme, denn der Zugang zu ihren Emotionen und ihrer Gefühlswelt war dennoch da und hat mich sehr stark beeindruckt. Autorin Judith Hermann hat eine ganz besondere Art, dem Leser ihre Protagonistin näher zu bringen. Wir erleben eine gewisse Distanz, sehen sie ihr „Ding machen“, erleben sie in ihrer Entwicklung und sind dabei einfach nur stille Beobachter. Wie gesagt, ich fand es treffend, denn nach ihrer Entscheidung muss sie erstmal ihre Gedanken und ihre Welt in die ihren richtigen Bahnen bringen, wieder auf eigenen Füßen stehen, es zumindest versuchen. Deshalb ist Hermanns Ton hier auch wahrlich perfekt getroffen. Laute und schrille Töne oder zu viel Selbstbewusstsein wären hier völlig fehl am Platze. Als Leser ist man hier nur Beobachter und Aufnehmer der Situation, denken muss man hier nicht, außer vielleicht das eigene Gedankengut selbst mal neu zu sortieren. Die raue Küstenlandschaft mit ihren Beschreibungen tut natürlich ihr Übriges dazu und auch das war sehr treffend formuliert. Der Weg eines Neuanfangs, eines Neustarts ist immer ein besonderer Schritt im Leben. Man muss für ihn kämpfen aber auch für das eigene „Ich“. Judith Hermann hat hier einen ganz starken und nachhallenden, aber auch grauen und trübsinnigen Roman geschaffen, der meine Erwartungen getoppt hat und deshalb gibt es auch sehr gut 4 von 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Aufbruch einer Frau in mittleren Jahren
von einer Kundin/einem Kunden aus Baden-Württemberg am 07.05.2021
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Als Einstieg erinnert sich die namenlose Ich-Erzählerin an ein Erlebnis vor rund 30 Jahren, als sie eine Einraumwohnung in einer namenlosen Stadt mit Blick auf eine Tankstelle bewohnte. Sie arbeitete damals in einer Zigarettenfabrik. Offensichtlich lebte sie sehr zurückgezogen ohne Kontakte zu Verwandten und Freunden. Da wird si... Als Einstieg erinnert sich die namenlose Ich-Erzählerin an ein Erlebnis vor rund 30 Jahren, als sie eine Einraumwohnung in einer namenlosen Stadt mit Blick auf eine Tankstelle bewohnte. Sie arbeitete damals in einer Zigarettenfabrik. Offensichtlich lebte sie sehr zurückgezogen ohne Kontakte zu Verwandten und Freunden. Da wird sie eines Tages von einem älteren Mann angesprochen: Er unterbreitet ihr das Angebot, seine Assistentin zu werden. Dieser hat ein Engagement als Zauberer auf einem Kreuzfahrtschiff angenommen, mit dem man drei Monate unterwegs sein wird. Die Erzählerin verabredet sich zunächst mit dem Zauberer und seiner Frau zu einem Probetermin, bei dem sie in die magische Kiste steigt und sich „durchsägen“ lässt. Obwohl bei diesem Termin objektiv nichts weiter passierte, bleibt er ihr über Jahrzehnte im Gedächtnis hängen… In der Gegenwart lebt die Erzählerin seit einem Jahr in einem abgeschiedenen Haus hinter dem Deich an der Nordsee. Sie arbeitet als Kellnerin in der Kneipe ihres älteren Bruders, der eine eigenartige Beziehung mit der 20-jährigen stark heruntergekommenen Nike unterhält, die ihn aus dem Tritt bringt. Die Erzählerin hat Freundschaft mit ihrer Nachbarin, der Künstlerin Mimi, geschlossen, die eine deutlich lebhaftere Persönlichkeit besitzt und von einem großen Bauernhof in der Nähe abstammt. Mimi fühlt sich mit ihrer Heimat verbunden, sie hat Wurzeln geschlagen, fühlt sich zuhause, während die Erzählerin sich in einem Schwebezustand befindet. Ursächlich dafür dürfte die Trennung von ihrem Mann Otis sein sowie der Auszug der 20-jährigen gemeinsamen Tochter Ann, die sich aufgemacht hat, die Welt zu erkunden. „Sie war Bildhauerin und Malerin. Sie sagte, sie hätte seit Ewigkeiten keinen Ton und keine Leinwand mehr in der Hand gehabt, aber nun sei sie wieder bei ihren Wurzeln und sie sei in Wallung. Es war das, was sie sagte. Ich bin in Wallung. Sie betonte das mehrmals, sie fügte hinzu, sie sei gut zufrieden. (…) Sie sagte, wo sind deine Wurzeln. Ich sagte, oh, ich fürchte, ich hab keine. Ich sagte, Gott. Sieh mich nicht so an. Das ist ganz normal. Manche Leute haben Wurzeln und andere eher nicht.“ Die Erzählerin führt uns in ihre Vergangenheit. Sie ist Otis, einem eigenwilligen, zu Endzeitstimmungen und zur Sammelleidenschaft neigenden Mann, noch immer freundschaftlich verbunden. Sie schreibt ihm Briefe über das gegenwärtige Leben, Erinnerungen und ihre Gedanken. Nach und nach lernt man die Ich-Erzählerin besser kennen. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie sie sich zu der unsicheren, zuweilen ängstlichen Frau entwickelt hat. Sie reflektiert wesentliche Ereignisse und Begegnungen ihres Lebens. Sie analysiert ihren Bruder, ihren Ex-Mann, Mimi und deren Bruder sowie ihre Tochter Ann. „Das Leben verlangsamt sich, findest du nicht, sagt Mimi. Ich finde, es wird langsamer und langsamer. Unangenehm, in gewisser Weise. Aber es gibt dir Zeit, zu verstehen, was du hast – stell es vor dich hin. Dann weißt du, wovon du was brauchst. Und worauf du verzichten kannst. Sie sagt, weißt du, was ich meine. Ich sage, ja. Vielleicht. Ich muss drüber nachdenken.“ Alles in einem sehr ruhigen Ton gehalten erlangt der Leser Erkenntnis um Erkenntnis. In kurzen, klaren und zuweilen lakonischen Sätzen wird die Geschichte erzählt. Trotz vieler Dialoge gibt es keine Redezeichen. „Daheim“ ist ein ruhiges Buch ohne nennenswerte Spannungskurven. Es geht um eine Frau in mittleren Jahren, die sich neu austarieren, ihre Zugehörigkeit definieren und sich klar werden will, wie sie den neuen Lebensabschnitt gestalten wird. Dabei werden unterschiedliche Lebensentwürfe im Umfeld der Protagonistin vorgestellt. Es geht um Selbstfindung und -bestimmung, um Wehrhaftigkeit, um Zugehörigkeit, Wurzeln, Spuren, auch um Rollenbilder, Gewalt, um Gefängnisse im übertragenden Sinn, um Vertrauen, Familie, Freundschaft und Liebe. Es geht aber auch um die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Wunderbar eingebettet wird das alles in die norddeutsche Landschaft, und das dörfliche Leben in Abhängigkeit von Natur und Gezeiten. Dieser Roman hat auf mich einen intensiven Sog ausgeübt, ich habe ihn innerhalb zweier Tage ausgelesen. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und wirken sehr glaubwürdig, jeder hat seinen individuellen Hintergrund, die Protagonistin entwickelt sich anschaulich und nachvollziehbar. Die nüchterne sprachliche Gestaltung hat mich fasziniert, gerade weil so viel Intensität und Bedeutsamkeit in den Sätzen mitschwingen. Man sollte das Buch unbedingt aufmerksam lesen. Denn viele Themen werden behandelt, starke Symbole und Motive säumen den Roman, der durchaus literarische Ansprüche befriedigt, sich ideal für Lesekreise eignet und völlig zurecht für den Leipziger Buchpreis 2021 nominiert wurde. Für mich war es die erste Begegnung mit der Schriftstellerin Judith Herrmann, aber es wird nicht die letzte gewesen sein. Große Leseempfehlung!

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