Der Halbbart

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Longlist)

Charles Lewinsky

(18)
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Beschreibung

Der Sebi ist nicht gemacht für die Feldarbeit oder das Soldatenleben. Viel lieber hört und erfindet er Geschichten. Im Jahr 1313 hat so einer es  nicht leicht in einem Dorf in der Talschaft Schwyz, wo die Hacke des Totengräbers täglich zu hören ist und Engel kaum von Teufeln zu unterscheiden sind. Doch vom Halbbart, einem Fremden von weit her, erfährt der Junge, was die Menschen im Guten wie im Bösen auszeichnet – und wie man auch in rauhen Zeiten das Beste aus sich macht.
Ein Roman voller Schalk und Menschlichkeit, der zeigt, wie aus Geschichten Geschichte wird.

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, ist seit 1980 freier Schriftsteller. International berühmt wurde er mit seinem Roman ›Melnitz‹. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den französischen Prix du meilleur livre étranger sowie den Preis der Schillerstiftung. Sein jüngster Roman ›Der Halbbart‹ steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Sein Werk erscheint in 14 Sprachen. Charles Lewinsky lebt im Sommer in Vereux (Frankreich) und im Winter in Zürich.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 688
Erscheinungsdatum 26.08.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-07136-8
Verlag Diogenes
Maße (L/B/H) 18,8/12,1/4,3 cm
Gewicht 507 g
Auflage 1. Auflage
Verkaufsrang 12665

Kundenbewertungen

Durchschnitt
18 Bewertungen
Übersicht
11
4
3
0
0

optimal
von einer Kundin/einem Kunden aus Balgach am 27.09.2020

hervorragend flüssig geschrieben, man kann nicht mehr aufhören zu lesen. wirklich ein Genuss

Kluger Roman über eine erbarmungslose Zeit
von Webervogel am 26.09.2020

„Der Halbbart“ von Charles Lewinsky beginnt im Jahr 1313, also im tiefsten Mittelalter. Hauptfigur ist der ca. 12- oder 13-jährige Eusebius, der von allen Sebi genannt wird (oder Stündelerzwerg – einer von vielen schwyzerdütschen Begriffen im Buch, zum Glück gibt es auf der Website von Diogenes ein Glossar der Helvetismen). Der ... „Der Halbbart“ von Charles Lewinsky beginnt im Jahr 1313, also im tiefsten Mittelalter. Hauptfigur ist der ca. 12- oder 13-jährige Eusebius, der von allen Sebi genannt wird (oder Stündelerzwerg – einer von vielen schwyzerdütschen Begriffen im Buch, zum Glück gibt es auf der Website von Diogenes ein Glossar der Helvetismen). Der junge Ich-Erzähler lebt mit seiner Mutter und den beiden älteren Brüdern in einem kleinen Dorf. Es gibt ein Stückchen Land, das die Brüder bestellen; Sebi verdient außerdem Geld, indem er dem betagten Totengräber des Ortes hilft, Gräber auszuheben. Außerdem schaut er gerne bei dem Fremden vorbei, der sich in Nähe des Dorfes angesiedelt hat. Dieser wird von allen „Halbbart“ genannt, da sein Bart nur noch auf einer Gesichtshälfte sprießt – die andere ist durch Brandnarben komplett entstellt. Der Halbbart ist ein intelligenter Mann und kennt sich außerdem mit Medizin aus. Als Sebis ältester Bruder Geni einen schrecklichen Unfall hat und die Rosskur der örtlichen Heiler den Sterbeprozess nur zu beschleunigen scheint, wird er schließlich gerufen. Das könnte jetzt schon die Zusammenfassung eines Romans gewesen sein, in diesem Fall ist es allerdings nur ein kurzer Ausblick auf die ersten 50 Seiten – von 677. Die Handlung des „Halbbarts“ erstreckt sich über vielleicht zwei, drei Jahre. Sie ist Sebis Coming-of-Age-Geschichte und beschreibt seine Suche nach dem eigenen Weg. Sie handelt aber auch vom historisch verbürgten Marchenstreit zwischen dem Kloster Einsiedeln und Schwyz, von der Macht der Kirche, der Macht des Aberglaubens und der Verführung der Massen. Dabei gibt es immer wieder Passagen, die verdeutlichen, dass das Mittelalter in mancher Beziehung nur einen Wimpernschlag von uns entfernt ist: Wenn z.B. jemand im Dorf erscheint, der von einem schrecklichen Überfall erzählt mit vielen, vielen Toten und die Geschichte zwar seltsame Lücken aufweist, sich aber trotzdem wie selbstständig verbreitet. Fake News im 14. Jahrhundert – und ihre Auswirkungen waren genauso bedrohlich wie heute. Um den titelgebenden Halbbart geht es dagegen nur in Teilen des Buches; in der zweiten Romanhälfte verkommt er zur Randfigur, deren Denken, Handeln, Streben mehr und mehr im Dunkeln bleiben. Und so hätte Lewinsky sein Buch vielleicht doch besser „Eusebius“ genannt. Sebi bewahrt sich bei aller Gräuel ein reines Herz und war so immer wieder mein Rettungsanker während der Lektüre – aus seiner Perspektive ließen sich auch die düstersten Kapitel irgendwie bewältigen, ob es nun um Amputationen, Bestrafungen oder Schlachten ging. Mit seinem etwas naiven, aber freundlichen Blick beobachtet Sebi Menschen, durchdenkt Ereignisse und teilt seine Gedanken dann mit dem Leser. Dabei ist er ein begnadeter Geschichtenerzähler. Und so hat Lewinsky einen einerseits anrührenden und weisen Roman geschaffen, der andererseits brutal ist und mit den Menschen an sich hart ins Gericht geht. Etwas desillusioniert hat er mich schon zurückgelassen, war die lange Lektüre aber allemal wert.

200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan
von Elchi130 am 24.09.2020

Sebi ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und den beiden älteren Brüdern in einem Dorf in Schwyz. Er zeichnet sich durch sein gutes Gedächtnis und seine Vorliebe für erzählte Geschichten aus. Eines Tages erreicht ein Fremder, der Halbbart, das Dorf. Sebi freundet sich mit ihm an und profitiert von der Weisheit des Fr... Sebi ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und den beiden älteren Brüdern in einem Dorf in Schwyz. Er zeichnet sich durch sein gutes Gedächtnis und seine Vorliebe für erzählte Geschichten aus. Eines Tages erreicht ein Fremder, der Halbbart, das Dorf. Sebi freundet sich mit ihm an und profitiert von der Weisheit des Fremden… Der Roman „Der Halbbart“ besticht durch seine schöne Sprache und den Erzählstil. Wir verfolgen die Ereignisse durch die Augen des Jungen Sebi. Sebi ist schlau, aufgeweckt, etwas naiv, hat aber das Herz am rechten Fleck. Und genauso ist auch die Erzählweise. Sebi hinterfragt grundsätzlich das Verhalten seiner Mitmenschen und kommentiert dies. Das ist zum Teil witzig, manchmal unfreiwillig komisch, weil Sebi noch zu jung ist, um die Zusammenhänge zu begreifen. Der Text wirkt trotz der zum Teil schrecklichen und blutrünstigen Ereignisse meistens sehr positiv von der Grundstimmung her, was das sonnige Gemüt von Sebi widerspiegelt. Im Laufe des Buches macht Sebi eine Entwicklung durch und wird erwachsen. Der Höhepunkt des Buches ist für mich die Gerichtsverhandlung, die jedoch schon während der ersten Hälfte des Buches stattfindet. Der Autor Charles Lewinsky erzählt in „Der Halbbart“ viele Geschichten in einer. Oft enden die Erzählungen allerdings noch nicht auserzählt an einer Stelle und werden auch nicht wieder aufgegriffen. Wir begleiten das Leben von Sebi und wenn er an einem Punkt dem Geschehen den Rücken zudreht, wenden auch wir uns neuen Ereignissen zu. Das ist auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Viele Handlungsstränge enden im Nirgendwo, obwohl ich als Leserin noch viele Fragen dazu hätte oder obwohl dieser Strang richtig spannend war. Dann geht es mit einer neuen Geschichte weiter, die mich jedoch oft gar nicht neugierig auf das weitere Geschehen macht. Zum Schluss wollte ich einfach nur noch, dass es endlich vorbei ist und ich das Buch beenden kann. Der Inhalt des Buches dümpelte für mich irgendwann nur noch vor sich hin und oft empfand ich das Erzählte als sehr langatmige Plauderei. Da konnte auch der schöne Erzählstil nichts mehr retten. Das letzte Kapitel ist noch einmal super, aber für ein umwerfendes Buch reicht es dann doch nicht, ein gutes letztes Kapitel zu schreiben. Nach meiner Ansicht wäre hier weniger mehr gewesen. Weniger Ereignisse und dafür auf das Interessante konzentriert. Mehr Erlebnisse vor die Gerichtsverhandlung gepackt und die Verhandlung als Höhepunkt am Ende des Buches – dann wäre dies ein spannendes, lehrreiches Buch geworden.


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