1000 Serpentinen Angst

Roman

Olivia Wenzel

(9)
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Beschreibung

Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit 17 ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die einem von der Gesellschaft zugewiesen werden.

Olivia Wenzel ist ein starkes Debüt gelungen, eine rührende Familiengeschichte und ein lakonisches, rasantes Buch über Herkunft, Verlust und Rassismus.

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Uni Hildesheim, lebt in Berlin. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, machte zuletzt Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstrasse aufgeführt.  Neben dem Schreiben arbeitet sie in Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit Kollektiven wie vorschlag:hammer. »1000 Serpentinen Angst« ist ihr erster Roman. Literaturpreise:Literaturpreis der Stadt Fulda 2020

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 352
Erscheinungsdatum 04.03.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-10-397406-5
Verlag S. Fischer Verlag
Maße (L/B/H) 20,6/13,3/3,4 cm
Gewicht 456 g
Auflage 4. Auflage
Verkaufsrang 19900

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
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Wichtige Thematik, gewöhnungsbedürftiger Schreibstil
von einer Kundin/einem Kunden aus Neukieritzsch am 27.09.2020

Ich habe dieses Buch aufgrund einer Lesevorstellung im Radio erstanden. Das Thema Interessiert mich sehr. Leider konnte ich das Buch nicht lesen. Mich störten diese großgeschrieben Selbstfragen und die Antworten so sehr, dass ich nicht in harmonischen Lesefluss verfiel. Das war mir einfach zu anstrengend zu lesen. Leider.

Höchst originell und unbedingt lesenswert!
von Susanne Probst aus Ulm am 18.09.2020

Die namenlose und schwangere Protagonistin und Ich-Erzählerin ist in den 80-ern in der ehemaligen DDR geboren. Trotz oder gerade wegen ihrer Angsterkrankung ist sie eine Kämpferin. Sie, die familiären Rückhalt vermisst und es in ihrer DDR - Kindheit nicht leicht hatte, kämpft um sich selbst. Sie hatte einen Zwillingsbr... Die namenlose und schwangere Protagonistin und Ich-Erzählerin ist in den 80-ern in der ehemaligen DDR geboren. Trotz oder gerade wegen ihrer Angsterkrankung ist sie eine Kämpferin. Sie, die familiären Rückhalt vermisst und es in ihrer DDR - Kindheit nicht leicht hatte, kämpft um sich selbst. Sie hatte einen Zwillingsbruder, den sie schmerzlich vermisst, denn... er nahm sich mit 17 Jahren das Leben. Ihr Vater ist schwarz und stammt aus Angola. Kurz nach der Geburt der Kinder ging er in sein Herkunftsland zurück und baute sich da ein neues Leben auf. Ihre Mutter, systemrebellische Altpunkerin, war somit alleinerziehend, ist weiß und stammt aus der ehemaligen DDR. Ihre latent rassistische Großmutter mütterlicherseits konnte durch ihre systemkonforme Gesinnung in Wohlstand und Sicherheit leben. Die Mutter der Erzählerin wollte schon als Jugendliche die DDR-Diktatur hinter sich lassen und sich aus den Fängen der Stasi befreien. Sie sehnte sich nach Freiheit und mit ihrer Schwangerschaft mit 19 Jahren platzte dieser Traum wie eine Seifenblase. Selbst jetzt, nach 30 Jahren kann sie mit ihrer Tochter nicht gelassen und unbefangen über die Vergangenheit sprechen. Darüber, warum sie einst verhaftet und eingesperrt wurde, warum sie nach der Maueröffnung so oft allein vereiste und die Kinder in der Obhut der Großeltern oder von Freunden betreuen ließ, warum sie schließlich den Kontakt zu Mutter und Tochter abbrach und verschwand. Olivia Wenzel hat ein intensives, geistreiches und berührendes, gleichermaßen witziges wie ernsthaftes und wuchtiges, schonungsloses wie zartes Buch über Heimat, Herkunft und Verlust, Rassismus und Sexismus, Ost und West sowie Angst und Zuversicht geschrieben. Aber das sind bei weitem nicht alle Themen, die eine Rolle spielen. Es geht auch um psychische Störungen, sexuelle Gewalt, Homosexualität, innere Zerrissenheit und Selbstfindung. Trotz dieser Vielfalt wirkt die Geschichte nicht überladen. Alles wird gut dosiert und gekonnt eingeflochten. Olivia Wenzel regt mit ihrem 352-seitigen Werk zum Nachdenken an, gibt Denkanstöße und bietet eine Steilvorlage zum Perspektivenwechsel. Es ist, meines Erachtens, kein Roman im typischen oder eigentlichen Sinn. Man wird zu Beginn etwas ins kalte Wasser geschmissen, aber wenn man sich auf den unkonventionellen Erzählstil einlässt, dann wird man mit einer anspruchsvollen und gleichzeitig lesenswerten und mitreißenden Lektüre belohnt. Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert und wirkt manchmal, aufgrund seiner nicht chronologischen Erzählweise, recht sprunghaft. Die z. T. rein aus Dialogen bestehenden Kapitel wirken zunächst ungewöhnlich oder sogar befremdlich. Man hat dann den Eindruck, einem, zugegebenermaßen, höchst interessanten Frage - Antwort - Spiel beizuwohnen, in dem die Rollen wechseln. Originell! Ich möchte diesen Roman sehr gerne weiter empfehlen. Für mich gehört er sicherlich zu meinen Jahreshighlights.

Wie eine Woge
von einer Kundin/einem Kunden am 26.08.2020
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Wie eine Woge kommt dieser ungewöhnliche Debütroman über den Leser. Olivia Wenzels Protagonistin teilt einige Daten der Autorin. Der Beginn besteht aus einer langen Selbstbefragung (so jedenfalls verstehe ich diese Form), die teilweise sehr hart ist, wie ein strenges Verhör. Das ist so intensiv wie quälerisch zu lesen, bis s... Wie eine Woge kommt dieser ungewöhnliche Debütroman über den Leser. Olivia Wenzels Protagonistin teilt einige Daten der Autorin. Der Beginn besteht aus einer langen Selbstbefragung (so jedenfalls verstehe ich diese Form), die teilweise sehr hart ist, wie ein strenges Verhör. Das ist so intensiv wie quälerisch zu lesen, bis sich der Stil nach einer Weile ändert. Es gibt einige Erinnerungen an ihre Kindheit im Osten, an ihren verstorbenen Bruder und ihre Großmutter sowie dem alltäglichen Rassismus, der ihre Jugend prägt so dass sie inzwischen an einer Angststörung leidet. Viele Passagen beschreiben ihre Gefühlslage dazu. In dieser manchmal verstörenden Form habe ich das kaum einmal gelesen. Das macht den Roman zu einem einzigartigen Leseerlebnis.


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