Warenkorb

Das Teufelsspiel / Lincoln Rhyme Bd.6

Roman

Lincoln Rhyme Band 6

Weitere Formate

Frühmorgens in einer New Yorker Bibliothek: Beinahe zu spät bemerkt die sechzehnjährige Geneva Settle den unheimlichen Fremden – in den Augen des Mannes steht die nackte Mordlust! Nur mit einem Trick kann die Schülerin aus Harlem ihrem Angreifer entkommen … Die Spuren, die Lincoln Rhyme und Amelia Sachs am Tatort entdecken, deuten zunächst auf eine versuchte Vergewaltigung hin. Doch Ryhme ist überzeugt: Das junge Mädchen ist in das Visier eines gerissenen Profikillers geraten – dessen Motive möglicherweise 140 Jahre alt sind. Und tat sächlich geht das Teufelsspiel schon bald in seine zweite, tödliche Runde …

Der neue, atemberaubend spannende Fall für Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs.
Portrait
Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans "Die Assistentin" unter dem Titel "Der Knochenjäger" (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
  • enstag, 9. Oktober
    Sein Gesicht ist nass von Schwei¿und Tr¿n. Der Mann befindet sich auf der Flucht, er rennt um sein Leben.
    ¿Da! Da ist er!¿
    Der einstige Sklave kann nicht genau ausmachen, woher die Stimme kommt. Von irgendwo hinter ihm? Von rechts oder links? Vom Dach eines der bauf¿igen Wohnh¿er, die beidseits der schmutzigen Kopfsteinpflastergassen aufragen?
    Die Juliluft ist hei¿und z¿wie fl¿ssiges Paraffin. Der schlanke Mann springt ¿ber einen Haufen Pferdemist. Kein Stra¿nkehrer kommt jemals in diesen Teil der Stadt. Neben einer Palette, auf der sich zahlreiche F¿er t¿rmen, h¿ Charles Singleton inne und ringt nach Atem.
    Ein Pistolenschuss peitscht auf. Die Kugel geht fehl. Der laute Knall der Waffe l¿t ihn unwillk¿rlich an den Krieg denken, an jene unfassbare, wahnwitzige Zeit, w¿end der er in staubiger blauer Uniform mit einer schweren Muskete auf M¿er in staubigem Grau gezielt hatte, deren Waffen wiederum auf ihn gerichtet gewesen waren.
    Er l¿t nun schneller. Die H¿her feuern erneut. Auch diese Sch¿sse verfehlen ihn.
    ¿Haltet ihn! F¿nf Dollar in Gold f¿r seine Ergreifung!¿
    Aber die wenigen Leute, die sich so fr¿h am Morgen auf der Stra¿ befinden ¿ zumeist irische Lumpensammler und Tagel¿hner, die mit ihren geschulterten Tragek¿rben oder Spitzhacken zur Arbeit stapfen ¿, versp¿ren kaum Lust, sich dem Neger in den Weg zu stellen, denn er ist von muskul¿ser Statur, und sein grimmiger Blick verr¿wilde Entschlossenheit. Da die Belohnung zudem von einem Stadtpolizisten ausgelobt wurde, wird sie ohnehin nur ein leeres Versprechen sein.
    An der Farbenfabrik Ecke Dreiundzwanzigste Stra¿ biegt Charles nach Westen ab, rutscht jedoch auf den glatten Pflastersteinen aus und st¿rzt schwer. Ein berittener Polizist trabt herbei, hebt den Schlagstock und n¿rt sich dem Gestrauchelten. Und dann¿
    Und?, dachte das M¿hen.
    Und?
    Was ist dann mit ihm geschehen?
    Die sechzehnj¿ige Geneva Settle drehte noch einmal den Knauf des Leseger¿, doch der Mikrofiche bewegte sich nicht weiter; sie hatte das Ende dieser Karte erreicht. Sie nahm den Metallrahmen heraus. Er enthielt die Titelseite einer Ausgabe der Coloreds¿ Weekly Illustrated mit dem Datum 23. Juli 1868. Geneva bl¿erte die anderen Rahmen in dem verstaubten Kasten durch. Ihre Bef¿rchtung wuchs, dass die ¿brigen Seiten des Artikels fehlten und sie daher niemals herausfinden w¿rde, was aus ihrem Vorfahren Charles Singleton geworden war. Sie hatte geh¿rt, dass die Geschichte der Schwarzen in den Archiven oft nur unvollst¿ig dokumentiert war, sofern ¿berhaupt noch Unterlagen existierten.
    Wo steckte blo¿der Rest des Artikels?
    Ah¿ Sie wurde schlie¿ich doch noch f¿ndig und setzte den Rahmen behutsam in das abgenutzte graue Leseger¿ein. Dann drehte sie ungeduldig den Knauf, um die Fortsetzung der Geschichte von Charles¿ Flucht auf den Bildschirm zu bekommen.
    Dank ihrer ausgepr¿en Fantasie ¿ geschult durch die unz¿igen B¿cher, die sie im Laufe der Jahre verschlungen hatte ¿ war Geneva in der Lage gewesen, dem n¿chternen Zeitungsbericht eine F¿lle von Eindr¿cken abzugewinnen. Sie f¿hlte sich beinahe, als w¿ sie zur¿ck ins neunzehnte Jahrhundert gereist und w¿rde h¿chstpers¿nlich an der Verfolgung des ehemaligen Sklaven durch die hei¿n, stinkenden Stra¿n New Yorks teilnehmen. In Wahrheit befand sie sich fast hundertvierzig Jahre sp¿r in einer menschenleeren Bibliothek, gelegen im vierten Stock des Museums f¿r afroamerikanische Kultur und Geschichte an der F¿nfundf¿nfzigsten Stra¿ in Midtown Manhattan.
    Geneva drehte den Knauf und lie¿die Seiten auf dem grobk¿rnigen Bildschirm an sich vorbeiziehen. Dann fand sie die Fortsetzung des Artikels, versehen mit der ¿erschrift:
    SCHANDE
    Bericht ¿ber das Verbrechen eines Freigelassenen
    Charles Singleton, ein Veteran des Kriegs zwischen den Staaten, begeht offenen Verrat an der Sache unseres Volkes
    Ein Foto zeigte den achtundzwanzigj¿igen Charles Singleton in seiner Armeeuniform. Er war hochgewachsen, hatte gro¿ H¿e. Die Uniformjacke spannte an Brust und Armen und lie¿auf kr¿ige Muskeln schlie¿n. Breite Lippen, hohe Wangenknochen, runder Kopf, ziemlich dunkle Haut.
    Das M¿hen betrachtete das ernste Antlitz, den ruhigen, durchdringenden Blick und glaubte eine gewisse ¿nlichkeit festzustellen ¿ sie hatte den Kopf und das Gesicht ihres Vorfahren, die runde Physiognomie, den satten Teint. Bei Singletons K¿rperbau h¿rte die ¿ereinstimmung allerdings auf. Geneva Settle war hager wie ein kleiner Junge, worauf die M¿hen, die im Delano Project wohnten, sie immer wieder gern hinwiesen.
    Sie wollte weiterlesen, aber ein Ger¿ch lenkte sie ab.
    Ein Klicken irgendwo im Raum. Ein T¿rschloss? Dann h¿rte sie Schritte. Sie hielten inne. Dann noch ein Schritt. Schlie¿ich Stille. Geneva schaute sich um, sah jedoch niemanden.
    Sie erschauderte, ermahnte sich aber, nicht den Kopf zu verlieren. Ihr Argwohn ging auf ¿ble Erfahrungen zur¿ck: die Delano-M¿hen, die sie auf dem Schulhof der Langston Hughes Highschool in die Mangel nahmen, und das eine Mal, als Tonya Brown und ihre Bande aus den St. Nicholas Houses sie in eine Gasse zerrten und derma¿n verpr¿gelten, dass sie einen Backenzahn verlor. Jungen grapschten, Jungen l¿erten, Jungen dem¿tigten. Aber die M¿hen lie¿n dich bluten.
    Auf den Boden mit ihr, gebt¿s ihr, zeigt¿s dem Mistst¿ck¿
    Wieder Schritte. Wieder blieben sie stehen.
    Stille.
    Die Atmosph¿ hier war nicht unbedingt vertrauenerweckend. Ged¿ftes Licht, schale Luft, absolute Ruhe. Und es hielt sich niemand sonst hier auf, nicht um Viertel nach acht an einem Dienstagmorgen. Das Museum war noch geschlossen ¿ die Touristen schliefen um diese Zeit oder sa¿n gerade beim Fr¿hst¿ck ¿, doch die Bibliothek ¿ffnete um acht. Geneva hatte schon vor der T¿r gewartet, so sehr hatte es sie gedr¿t, diesen Artikel zu lesen. Nun sa¿sie in einer Nische am Ende einer gro¿n Ausstellungshalle, in der gesichtslose Modepuppen Kleidung aus dem neunzehnten Jahrhundert trugen und an deren W¿en Gem¿e von M¿ern mit bizarren H¿ten hingen, von Frauen mit Hauben auf dem Kopf und von Pferden mit seltsam d¿nnen Beinen.
    Ein weiterer Schritt, ein weiteres Innehalten.
    Sollte sie lieber aufstehen und sich zu Dr. Barry, dem Bibliothekar, gesellen, bis dieser unheimliche Kerl verschwand?
    Und dann lachte der andere Besucher.
    Es klang nicht merkw¿rdig, sondern fr¿hlich.
    Und er sagte: ¿Okay. Ich rufe sp¿r zur¿ck.¿
    Sie h¿rte, wie ein Mobiltelefon zusammengeklappt wurde. Deshalb war er immer wieder stehen geblieben: Er hatte einfach nur der Person am anderen Ende der Leitung zugeh¿rt.
    Ich hab dir doch gleich gesagt, es besteht kein Grund zur Sorge, M¿hen. Leute, die lachen und beim Telefonieren freundliche Sachen sagen, sind nicht gef¿lich. Er ist langsam gegangen, weil jemand, der redet, nun mal eben langsam geht ¿ obwohl es genau genommen ziemlich r¿cksichtslos ist, in einer Bibliothek zu telefonieren.
    Geneva wandte sich wieder dem Bildschirm des Leseger¿ zu. Hast du es geschafft zu entkommen, Charles?, dachte sie. Mann, ich dr¿ck dir die Daumen.
    Doch er kam wieder auf die Beine und setzte die feige Flucht fort, anstatt sich wie ein mutiger Mann f¿r seine Tat zu verantworten.
    So viel zum Thema objektive Berichterstattung, dachte sie ver¿ert.
    Eine Weile gelang es ihm noch, sich den Verfolgern zu entziehen, doch die Flucht war nicht von langer Dauer. Ein Negerkaufmann, der auf der Veranda seines Ladens stand, sah den Freigelassenen und beschwor ihn im Namen der Gerechtigkeit, sich zu stellen. Er sagte, er habe von Mr. Singletons Verbrechen geh¿rt und werfe ihm vor, dadurch Schande ¿ber alle Farbigen des Landes gebracht zu haben. Dieser B¿rger, ein gewisser Walker Loakes, warf daraufhin einen Ziegelstein nach Mr. Singleton, um ihn zu Fall zu bringen.
    Charles kann dem schweren Stein ausweichen. ¿Ich bin unschuldig¿, ruft er dem Mann zu. ¿Ich habe nicht getan, was die Polizei mir zur Last legt.¿
    Genevas Vorstellungskraft hatte erneut daf¿r gesorgt, dass sie v¿llig in der Geschichte aufging.
    Aber Loakes ignoriert die Behauptung des Freigelassenen, l¿t auf die Stra¿ und ruft den Polizisten zu, der Gesuchte sei zum Hafen unterwegs.
    Dem fr¿heren Sklaven ist schwer ums Herz, und er muss immer wieder an Violet und ihren gemeinsamen Sohn Joshua denken. Verzweifelt setzt er seine Flucht fort.
    Er rennt und rennt¿
    Hinter ihm ert¿nt das Hufgetrappel der Polizeipferde. Vor ihm tauchen weitere Reiter auf, angef¿hrt von einem behelmten Beamten, der drohend eine Pistole schwingt. ¿Halt, Charles Singleton! Keine Bewegung! Ich bin Detective Captain William Simms und seit zwei Tagen auf der Suche nach dir.¿
    Der Freigelassene gehorcht. Er l¿t die breiten Schultern h¿en, senkt die starken Arme und saugt mit tiefen Atemz¿gen die feuchte, faulige Luft am Ufer des Hudson River ein. In der N¿ steht das Frachtb¿ro der Hafenschlepper, und ¿berall auf dem Fluss sieht Charles die Masten der Segelschiffe emporragen, als wollten sie ihn vielhundertmal mit ihrer Verhei¿ng der Freiheit verh¿hnen. Keuchend lehnt er sich gegen das gro¿ Schild der Swiftsure Express Company und blickt dem Beamten entgegen. Die Hufschl¿ des Pferdes hallen laut von den Pflastersteinen wider.
    ¿Charles Singleton, du bist hiermit wegen Einbruchdiebstahls verhaftet. Ergib dich freiwillig, oder wir werden dich zwingen. Du wirst in Ketten gelegt, aber es liegt ganz bei dir, ob es f¿r dich dabei ohne Schmerzen oder mit Blutvergie¿n abgeht.¿
    ¿Man wirft mir ein Verbrechen vor, das ich nicht begangen habe!¿
    ¿Ich wiederhole: Ergib dich oder stirb. Eine andere Wahl hast du nicht.¿
    ¿Doch, Sir, die habe ich¿, ruft Charles und rennt wieder los ¿ genau auf den Kai zu.
    ¿Stehen bleiben oder wir schie¿n!¿, ruft Detective Simms.
    Aber der Freigelassene springt mit einem Satz ¿ber die Br¿stung des Kais wie ein Pferd ¿ber ein Hindernis. Einen Moment lang scheint er zu schweben, dann st¿rzt er mit rudernden Armen neun Meter hinab in das tr¿be Wasser des Hudson River. Dabei murmelt er ein paar Worte, vielleicht ein Sto¿ebet, vielleicht eine Liebeserkl¿ng an Frau und Kind, doch was auch immer es sein mag, keiner der Verfolger kann es h¿ren.

    Der einundvierzigj¿ige Thompson Boyd war noch f¿nfzehn Meter von dem M¿hen entfernt und kam langsam n¿r.
    Er trug bereits Latexhandschuhe, zog sich nun die Skimaske ¿ber das Gesicht, r¿ckte die Sehschlitze zurecht und ¿ffnete kurz die Trommel seines Revolvers, um sicherzugehen, dass nichts klemmte. Zwar hatte er das zuvor schon ¿berpr¿ft, aber in seiner Branche konnte man nicht vorsichtig genug sein. Er steckte die Waffe in die Tasche des dunklen Regenmantels und holte einen Schlagstock hervor.
    Boyd befand sich in der Ausstellungshalle zwischen den B¿cherregalen, hinter denen die Tische mit den Mikrofilmleseger¿n standen. Seine Augen brannten an jenem Morgen ausgesprochen heftig. Er rieb sie sich mit zwei Fingern und musste vor Schmerz blinzeln.
    Dann vergewisserte er sich abermals, dass niemand sonst sich im Raum aufhielt.
    Es gab weder hier noch unten im Geb¿e irgendwelche Wachleute. Auch keine ¿erwachungskameras oder Besucherlisten, in die man sich eintragen musste. Alles bestens. Dennoch blieben ein paar logistische Probleme. In dem gro¿n Saal war es absolut still, und Thompson konnte sich nicht unbemerkt anschleichen. Das M¿hen w¿rde demnach wissen, dass jemand anders zugegen war, und wom¿glich nerv¿s oder zumindest hellh¿rig werden.
    Daher hatte er diesen Fl¿gel der Bibliothek betreten, die T¿r hinter sich verriegelt und dann ein leises Lachen von sich gegeben. Thompson Boyd lachte schon seit vielen Jahren nicht mehr. Doch er war ein Profi und wusste um die Macht der guten Laune ¿ und wie er sie sich f¿r seine Arbeit zunutze machen konnte. Ein Lachen ¿ verbunden mit einem heiteren Abschiedsgru¿und dem Ger¿ch eines zusammenklappenden Mobiltelefons ¿ w¿rde das M¿hen in Sicherheit wiegen, sch¿te er.
    Der Trick schien zu funktionieren. Boyd warf einen schnellen Blick um das Regalende herum und sah das M¿hen, das auf den Bildschirm des Leseger¿ starrte. Ihre H¿e hingen zu beiden Seiten herab, ballten sich fortw¿end zu F¿ten und ¿ffneten sich wieder. Offenbar war sie in eine aufregende Lekt¿re vertieft.
    Boyd ging los.
    Und hielt im selben Moment inne. Das M¿hen stand vom Tisch auf. Er h¿rte ihren Stuhl ¿ber das Linoleum scharren. Wollte sie etwa den Raum verlassen? Nein. Er vernahm das Ger¿ch des Trinkbrunnens und ein paar gierige Schlucke. Dann h¿rte er sie B¿cher aus dem Regal ziehen und neben dem Leseger¿stapeln. Es herrschte kurz Stille, dann holte sie noch mehr B¿cher und legte sie mit dumpfem Laut auf dem Tisch ab. Schlie¿ich folgte das Quietschen des Stuhls, als sie sich wieder hinsetzte. Dann war alles ruhig.
    Thompson schaute erneut. Sie sa¿an ihrem Platz und las in einem der zehn oder zw¿lf B¿cher, die sich vor ihr auft¿rmten.
    Er ging wieder los, in der Rechten den Schlagstock, in der Linken die T¿te mit den Kondomen, dem Teppichmesser und dem Isolierband.
    Nun kam er direkt auf sie zu, war noch sieben Meter hinter ihr, dann f¿nf. Er hielt den Atem an.
    Drei Meter. Auch falls sie nun aufsprang, w¿rde er sie mit einem Satz zu fassen bekommen ¿ um ihr das Knie zu zertr¿mmern oder sie mit einem Schlag auf den Kopf zu bet¿en.
    Noch zwei Meter, anderthalb¿
    Er blieb stehen und legte die T¿te lautlos auf einem Regal ab.
    Dann umfasste er den lackierten Eichenholzkn¿ppel mit beiden H¿en, trat vor und holte aus.
    Das M¿hen blieb g¿lich in den Text versunken und merkte nicht, dass der Angreifer nur eine Armesl¿e hinter ihr stand. Thompson lie¿den Schlagstock mit aller Kraft auf die Wollm¿tze des M¿hens niedersausen.
    Knack¿
    Als der Kn¿ppel mit hohlem Knall ihren Kopf traf, schickte der Aufprall eine schmerzhafte Vibration durch Boyds H¿e.
    Irgendetwas stimmte nicht. Das Ger¿ch war falsch, und das Gef¿hl passte auch nicht. Was ging hier vor?
    Thompson Boyd wich zur¿ck, denn der K¿rper fiel zu Boden.
    Und zwar in zwei Teilen.
    Der Torso der Puppe kippte in eine Richtung, der Kopf in eine andere. Im ersten Moment war Thompson v¿llig verbl¿fft. Dann blickte er zur Seite und entdeckte die untere H¿te der Figur. Sie steckte nach wie vor in einem Ballkleid und stand neben mehreren anderen Puppen, die allesamt Frauenkleidung aus dem Amerika des neunzehnten Jahrhunderts trugen.
    Nein¿
    Das M¿hen hatte irgendwie erkannt, dass er eine Bedrohung darstellte. Daraufhin war sie aufgestanden und hatte ein paar B¿cher aus den Regalen geholt, um zu kaschieren, dass sie im Anschluss eine der Puppen auseinander nahm. Sie hatte der Figur ihr Sweatshirt und die Wollm¿tze ¿bergestreift und sie dann auf dem Stuhl platziert.
    Aber wo war das M¿hen?
    Das Ger¿ch hastiger Schritte beantwortete die Frage. Thompson Boyd h¿rte sie auf den Notausgang zurennen. Er verstaute den Schlagstock unter seinem Mantel, zog die Pistole und lief hinterher.
    ¿Zwei
    Geneva Settle rannte.
    Sie floh. Wie ihr Vorfahr Charles Singleton.
    Sie keuchte. Wie Charles vor hundertvierzig Jahren auf der Flucht vor der Polizei.
    Aber im Gegensatz zu ihm lie¿Geneva nun jegliche W¿rde vermissen, davon war sie ¿berzeugt. Sie schluchzte, schrie um Hilfe, geriet vor lauter Panik ins Stolpern und prallte hart gegen eine Wand, wobei sie sich den Handr¿cken aufsch¿rfte.
    Da ist sie, da ist sie, die d¿rre kleine Rotznase¿ Packt sie!
    Der Gedanke an die Aufzugkabine erschreckte sie. Sie w¿rde praktisch in der Falle stecken. Also entschied sie sich f¿r die Feuertreppe. Sie stie¿die T¿r aus vollem Lauf auf, was ihr einen Moment lang den Atem raubte, und wurde von dem grellgelben Licht geblendet, doch sie hielt nicht inne. Mit gro¿n Schritten hastete sie zur dritten Etage hinunter und zerrte an dem T¿rknauf, aber die Brandschutzt¿ren lie¿n sich von dieser Seite nicht ¿ffnen. Geneva musste es bis ins Erdgeschoss schaffen.
    Sie lief weiter nach unten und rang nach Luft. Warum? Was wollte dieser Mann?, gr¿belte sie.
    Mit Leuten wie uns gibt das d¿rre kleine Mistst¿ck sich nicht ab¿
    Die Pistole¿ Deshalb hatte sie Verdacht gesch¿pft. Geneva Settle geh¿rte keiner Gang an, aber als Sch¿lerin der mitten in Harlem gelegenen Langston Hughes Highschool hatte sie im Laufe der Zeit zwangsl¿ig ein paar Waffen zu Gesicht bekommen. Als ein charakteristisches Klicken an ihre Ohren gedrungen war ¿ das ganz eindeutig nicht von einem Mobiltelefon stammen konnte ¿, hatte sie sich gefragt, ob der lachende Mann wom¿glich blo¿freundlich getan hatte und in Wahrheit B¿ses im Schilde f¿hrte. Dann war sie scheinbar arglos aufgestanden, hatte einen Schluck Wasser getrunken und eigentlich sofort die Flucht ergreifen wollen, w¿ ihr nicht bei einem verstohlenen Blick zu den Regalen die Skimaske aufgefallen. Ihr wurde klar, dass sie unm¿glich an dem Fremden vorbeikommen konnte, solange seine Aufmerksamkeit nicht auf den Tisch gerichtet blieb. Daher hatte sie ger¿chvoll einige B¿cher aufgestapelt, die n¿stbeste Modepuppe geholt, ihr M¿tze und Sweatshirt ¿bergezogen und sie auf den Stuhl vor dem Leseger¿gestellt. Dann hatte sie abgewartet, bis er sich dem Tisch n¿rte, und war hinter ihm vorbeigeschlichen.
    Macht sie fertig, macht das Mistst¿ck fertig¿
    Nun lief Geneva die n¿ste Treppe hinunter.
    ¿er ihr ert¿nten Schritte. Herrje, er folgte ihr tats¿lich! Er hatte ebenfalls das Treppenhaus betreten und war nur noch ein Stockwerk hinter ihr. Halb rennend, halb stolpernd st¿rmte sie nach unten und hielt sich dabei die verletzte Hand. Die Schritte kamen immer n¿r.
    Die letzten vier Stufen nahm Geneva mit einem Sprung. Auf dem harten Betonboden knickten ihre Beine ein, und sie prallte gegen die rau verputzte Wand. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rappelte sie sich auf, h¿rte seine Schritte, sah seinen Schatten an der Wand.
    Sie schaute zu der Stahlt¿r. Ihr Atem stockte. Um den Griff war eine Kette gewickelt.
    Nein, nein, nein¿ Es war mit Sicherheit nicht legal, die T¿r am Ende der Feuertreppe mit einer Kette verschlossen zu halten. Was die Betreiber des Museums offenbar nicht davon abhielt, sich auf diese Weise vor Einbrechern zu sch¿tzen. Vielleicht hatte auch der Fremde die Kette dort angebracht, um vorsorglich den Fluchtweg zu versperren. Hier stand sie also nun, gefangen in einem d¿steren Betonschacht. Aber wurde die T¿r ¿berhaupt durch die Kette blockiert?
    Es gab nur eine M¿glichkeit, das herauszufinden. Los, M¿hen!
    Geneva warf sich mit aller Kraft gegen den Griff.
    Die T¿r schwang auf.

In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 536
Erscheinungsdatum 09.10.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-36829-7
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18,3/12,6/4,1 cm
Gewicht 461 g
Originaltitel The Twelfth Card (Lincoln Rhyme 06)
Übersetzer Thomas Haufschild
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
8,95
8,95
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Ihr Feedback ist anonym. Wir nutzen es, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kundenservice wenden.

Jetzt 5-fache Prämienmeilen für jeden vollen Euro sammeln



Weitere Bände von Lincoln Rhyme mehr

  • Band 2

    95826067
    Letzter Tanz
    von Jeffery Deaver
    (16)
    eBook
    9,99
  • Band 3

    3839066
    Der Insektensammler / Lincoln Rhyme Bd.3
    von Jeffery Deaver
    (19)
    Buch
    9,99
  • Band 4

    115856136
    Das Gesicht des Drachen
    von Jeffery Deaver
    Buch
    9,99
  • Band 5

    11400690
    Der faule Henker / Lincoln Rhyme Bd.5
    von Jeffery Deaver
    (14)
    Buch
    9,99
  • Band 6

    14578134
    Das Teufelsspiel / Lincoln Rhyme Bd.6
    von Jeffery Deaver
    (8)
    Buch
    8,95
    Sie befinden sich hier
  • Band 7

    140506741
    Der gehetzte Uhrmacher
    von Jeffery Deaver
    Buch
    9,99
  • Band 8

    87484320
    Der Täuscher
    von Jeffery Deaver
    Buch
    9,99

Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
4
1
2
0
1

Hörbuch gelesen von Florian Körner
von einer Kundin/einem Kunden aus Erfurt am 31.08.2019
Bewertet: Medium: H?rbuch-Download

Der Inhalt wie immer super spannend. Aber der Vorleser ist, nach der wunderbaren Stimme von Dietmar Wunder, einfach nur ein Graus. Jedesmal wen der Name von Amelia Sachs genannt wird möchte ich eigentlich sofort ausschalten. Sie ist Amerikanerin und demzufolge sollte ihr Name nicht deutsch ausgesprochen werden. Für mich nur ein ... Der Inhalt wie immer super spannend. Aber der Vorleser ist, nach der wunderbaren Stimme von Dietmar Wunder, einfach nur ein Graus. Jedesmal wen der Name von Amelia Sachs genannt wird möchte ich eigentlich sofort ausschalten. Sie ist Amerikanerin und demzufolge sollte ihr Name nicht deutsch ausgesprochen werden. Für mich nur ein Beispiel warum mir persönlich das hören einer an und für sich guten Geschichte sehr schwer fällt.

von einer Kundin/einem Kunden aus Lemgo am 06.06.2018
Bewertet: anderes Format

Wer einmal angefangen hat die Bücher von Jeffrey Deaver zu lesen, wird definitiv süchtig! Spannend und unerwartet bis zur allerletzten Seite!

Band 6
von Blacky am 13.02.2015

Inhalt: Frühmorgens im New Yorker Museum für afroamerikanische Geschichte: Das schrille Lachen in ihrem Rücken lässt Geneva Settle aufhorchen. Ein Mann schleicht sich an sie heran - in seinen Augen steht der Tod ... Nur mit einer List kann die junge Schülerin aus Harlem ihrem Angreifer entkommen. Die Spuren, die Lincoln Rhyme u... Inhalt: Frühmorgens im New Yorker Museum für afroamerikanische Geschichte: Das schrille Lachen in ihrem Rücken lässt Geneva Settle aufhorchen. Ein Mann schleicht sich an sie heran - in seinen Augen steht der Tod ... Nur mit einer List kann die junge Schülerin aus Harlem ihrem Angreifer entkommen. Die Spuren, die Lincoln Rhyme und Amelia Sachs am Tatort finden, deuten auf eine versuchte Vergewaltigung hin. Aber Rhyme ist überzeugt: Geneva ist ins Fadenkreuz eines gerissenen Profikillers geraten. Mit scharfem Verstand versuchen die beiden Ermittler das Leben des Mädchens zu schützen und zugleich einen skrupellosen Mörder zu entlarven, der vor nichts zurückschreckt - und dessen Motive möglicherweise 140 Jahre alt sind. Doch selbst die modernste forensische Analyse kann in diesem mysteriösen Fall nicht alle Fragen beantworten. Und so geht das Teufelsspiel unaufhaltsam in seine zweite, tödliche Runde... Ein spannender Thriller der immer wieder erhebliche Wendungen nimmt, so das die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt bzw. noch gesteigert wird. Die Geschichte ist sehr komplex, denn neben den Ermittlungen in diesem Fall, gibt es sowohl im Privatleben des Mädchens als auch in dem der Ermittler immer wieder ereignisreiches. Ich bin total begeistert. Jeffery Deaver hat das Talent immer wieder zu überraschen, auch wenn man schon einige seiner Thriller kennt. Klasse !! Reihenfolge der Lincoln-Rhyme-Reihe: 1. Der Knochenjäger (auch: Die Assistentin ) 2. Letzter Tanz 3. Der Insektensammler 4. Das Gesicht des Drachen 5. Der faule Henker 6. Das Teufelsspiel 7. Der gehetzte Uhrmacher 8. Der Täusche 9. Opferlämmer 10. Todeszimmer 11. The Skin Collector (deutscher Titel noch nicht bekannt)


FAQ