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Wie ein Ruf in der Stille

Roman. Deutsche Erstausgabe


Einfach wunderbar – die romantische Seite der Sandra Brown

Kein Mensch soll ihr nahe kommen, kein Mensch soll sie jemals wieder so verletzen! Doch das einsame Leben der begabten Taubstummenlehrerin Laurie Parrish ändert sich dramatisch, als sie zum ersten Mal dem Vater ihrer neuesten Schülerin begegnet. Drake Sloan ist ein bekannter Fernsehstar und ein Mann, der hinter der Fassade des Erfolgs seine verwundete Seele verbirgt. Langsam kommen Laurie und Drake einander näher, doch eine richtige kleine Familie können sie erst werden, als ein tragisches Missverständnis sie zwingt, ihre Herzen einander endlich zu öffnen …

Portrait
Sandra Brown arbeitete mit großem Erfolg als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman 'Trügerischer Spiegel' auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der New-York-Times-Bestsellerliste erreicht! Ihren großen Durchbruch als Thrillerautorin feierte Sandra Brown mit dem Roman 'Die Zeugin', der auch in Deutschland auf die Bestsellerlisten kletterte – ein Erfolg, den sie mit jedem neuen Roman noch einmal übertreffen konnte. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.
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  • Meinst du, dein Mann weiß das mit uns, Liebling?« Er umarmte sie leidenschaftlich, streifte mit seinen Lippen zärtlich ihre Schläfen.
    »Und wenn schon? Ist mir doch egal«, erklärte sie. »Ich hab dieses Versteckspiel restlos satt. Ich möchte, dass alle es erfahren.«
    »Oh, mein Schatz, mein süßer Schatz.« Der Mann neigte den Kopf. Dummerweise verpasste er ihr dabei einen absolut unromantischen Nasenstüber.
    »Schnitt!«, brüllte jemand über die Lautsprecher am Set. Lauri Parrish fuhr erschrocken zusammen.
    »Was zum Teufel ist denn mit euch los? Bekommt ihr heute gar nichts auf die Reihe? Wir hängen jetzt seit geschlagenen anderthalb Stunden an dieser blöden Szene fest.« Eine kurze Pause folgte, Schauspieler und Kamerateam blickten betreten in die Runde. »Ich komm runter.«
    Lauri beobachtete fasziniert, wie die Schauspielerin zu ihrem Partner herumschnellte und ihn anfauchte: »Ich war zu nah an Kamera eins, Drake. Nicht du.«
    »Rechnen war noch nie deine große Stärke, Lois. Es war Kamera drei. Ach, übrigens, hast du eigentlich keine Bedenken, dass Kamera eins die Narben von deinen diversen Faceliftings einfangen könnte?«
    »Mistkerl«, zischte die Schauspielerin. Sie schob sich an dem feixenden Kameramann vorbei und stakste über den kalten Betonboden des Fernsehstudios in Richtung der Umkleiden.
    Lauri Parrish, die eher zufällig bei den Aufnahmen zu der beliebten Daily Soap Antwort des Herzens gelandet war, fand die Episode ungeheuer spannend. Wegen ihres Ganztagsjobs hatte sie zwar keine Gelegenheit, sich das Nachmittagsprogramm anzuschauen, wusste aber wie die meisten Amerikaner um dieses spezielle Serien-Highlight. Viele berufstätige Frauen legten die Mittagspause mithin bewusst so, dass sie das Fernsehdrama um die sexuellen Abenteuer und die persönlichen Krisen von Dr. Glen Hambrick nie verpassten.
    Vor ein paar Tagen war Dr. Martha Norwood, Gründerin des Norwood-Instituts für Taubstumme und Hörgeschädigte, mit einer Bitte an sie herangetreten. Lauri war dort als Lehrerin beschäftigt.
    »Es geht um Jennifer Rivington, eine unserer Schülerinnen. Ihr Vater möchte sie von der Schule nehmen«, hatte ihre Chefin das Gespräch begonnen.
    »Ich kenne Jennifer ganz gut«, antwortete Lauri. »Sie leidet unter einer starken Hörbehinderung, ist total unkommunikativ und unzugänglich.«
    »Das ist es ja, was ihrem Vater Sorgen macht.«
    »Vater? Keine Mutter?«
    Dr. Norwood überlegte kurz, bevor sie antwortete: »Nein, ihre Mutter ist tot. Ihr Vater hat einen etwas ungewöhnlichen Job. Deshalb ist Jennifer schon sehr früh in unser Internat gekommen. Sie hat sich aber bei uns nie wohlgefühlt. Jetzt möchte er eine private Lehrkraft einstellen, die sie in seinem Haus betreut. Ich dachte, das könnte Sie interessieren, Lauri.«
    Die junge Frau zog kaum merklich die schön geschwungenen dunklen Brauen hoch. »Ich weiß nicht. Können Sie mir vielleicht ein bisschen mehr darüber erzählen?«
    Die grauhaarige Dame musterte ihre Lehrkraft aus scharfsichtigen blauen Augen. Sie hielt große Stücke auf Lauri. »Viel mehr kann ich dazu im Moment auch nicht sagen. Mr. Rivington möchte wohl, dass die Lehrerin mit Jennifer nach New Mexico zieht. Er hat dort ein Haus in einer kleinen Gemeinde in den Bergen.« Dr. Norwood lächelte milde. »Ich weiß doch, dass Sie lieber heute als morgen von New York fortwollen. Und Sie sind mit Sicherheit qualifiziert für eine solche Aufgabe.«
    Lauri lachte leise. »Wenn man wie ich in Nebraska aufgewachsen ist, findet man New York zwangsläufig zu laut und zu beengt. Ich bin seit acht Jahren hier, und ich vermisse die ländliche Umgebung, die unendlichen Weiten, die Berge.« Sie schob sich eine vorwitzige brünette Locke aus der Stirn. »Scheint mir ganz so, als wollte Mr. Rivington die Verantwortung für seine Tochter auf jemand anderen abschieben. Ist er der Typ Vater, der sein Kind ablehnt, weil es behindert ist?«
    Dr. Norwood blickte auf ihre sorgfältig manikürten Hände, die gefaltet auf der Schreibtischplatte ruhten. »Seien Sie nicht so vorschnell mit Ihrer Beurteilung, Lauri«, krittelte sie sanft. Bisweilen war die junge, tüchtige Pädagogin ziemlich impulsiv. Das war ihr größtes Manko – sie neigte zu voreiligen Schlüssen. »Wie schon erwähnt, die Umstände sind ziemlich ungewöhnlich.«
    Die Institutsleiterin stand abrupt auf, die Besprechung war zu Ende. »Sie müssen sich nicht schon heute entscheiden, Lauri. Ich möchte, dass Sie sich Jennifer in den nächsten Tagen genauer anschauen. Gehen Sie ein bisschen auf sie zu. Und dann sollten Sie sich mit Mr. Rivington zusammensetzen und alles Weitere besprechen.«
    »Natürlich, Doktor Norwood. Wenn ich Ihnen irgendwie behilflich sein kann, mach ich das gern.«
    Auf dem Weg zu der Rauchglastür des Büros rief Dr. Norwood ihr nach: »Ach, Lauri, noch eins. Geld ist kein Thema.«
    »Doktor Norwood, wenn ich einen Job als Privatlehrerin annehme, dann weil ich denke, dass es positiv für die Entwicklung des Kindes ist«, antwortete die junge Frau entwaffnend aufrichtig. »Und nicht wegen der Bezahlung.«
    »Das dachte ich mir«, erwiderte Dr. Norwood lächelnd.
    Gleich am nächsten Morgen hatte die Schulleiterin ihr ein Stück Papier mit einer Adresse in die Finger gedrückt und gesagt: »Dort werden Sie heute um drei Uhr erwartet. Fragen Sie nach Mr. D. L. Rivington. Er weiß Bescheid.«
    Lauri war zunächst verblüfft gewesen, als der Taxifahrer vor einem Komplex mit Fernsehstudios angehalten hatte. Neugierig, wer dieser Mr. Rivington wohl sein mochte, betrat sie das weitläufige Gebäude. Als sie am Empfang nach ihm fragte, meinte die hübsche junge Rezeptionistin kichernd: »Dritter Stock.«
    Lauri wollte in Richtung Aufzug steuern, doch das Mädchen hielt sie mit den Worten auf: »Einen Augenblick, bitte. Wie war noch gleich Ihr Name?« Nachdem sie sich vorgestellt hatte, warf die Rezeptionistin einen Blick auf ihre Besucherliste. »Ah, Sie sind das, Miss L. Parrish. Sie können direkt reingehen. Aber seien Sie leise. Die drehen noch.«
    Lauri trat aus dem Aufzug und fand sich in einem gigantischen Aufnahmestudio wieder. Sie war beeindruckt von der Ausstattung und den Akteuren.
    Das riesige Studio unterteilte sich in einzelne Sets für die aktuell produzierte Soap. Eine Szene bestand aus Krankenhausbett mit pseudo-medizinischem Equipment. Eine weitere war als Wohnraum möbliert, eine Küche auf einem knappen Quadratmeter nachgestellt. Sie schlenderte durch die Kulissen, spähte interessiert in die abgetrennten Nischen, angestrengt bemüht, nicht über das Gewirr der ausgerollten Kabel von Kameras und Monitoren zu stolpern, die sich kilometerlang über den Boden schlängelten.
    »Hey, Kleine, was kann ich für dich tun?«, rief ein vorlauter Kameramann, die Daumen lässig in den Bund seiner Jeans gesteckt.
    Entgeistert stammelte Lauri: »Ich – ähm – ja, Mr. Rivington? Ich muss ihn sehen.«
    »Mr. Rivington?«, grölte der Typ, als hätte sie eben einen Superwitz gemacht. »Das wird schwierig. Haben Sie sich unten angemeldet?« Sie nickte. »Dann ist alles okay. Aber warten Sie, bis wir die Szene im Kasten haben, ja?«
    »Ähm – ja.« Was hatte er damit wohl gemeint?, rätselte sie für sich.
    »Stellen Sie sich dorthin und keinen Mucks, okay? Und fassen Sie bloß nichts an«, warnte einer der Techniker.
    Lauri stellte sich hinter die Kameras, die eine Sequenz in einem nachgestellten Krankenhausfoyer filmten.
    Während der unfreiwilligen Wartezeit entdeckte sie unvermittelt den Schauspieler, für den Millionen von Amerikanerinnen schwärmten. Er saß lässig auf einer der Requisiten und knabberte an einem Apfel, den er sich aus einem Korb auf dem Tisch geangelt hatte. Lauri überlegte, ob seine weiblichen Fans auch so begeistert gewesen wären, wenn sie mitbekommen hätten, wie Drake Sloan seine Partnerin soeben angepflaumt hatte. Aber diese flegelhafte Art gehörte vermutlich zu seinem Sex-Appeal, oder? Er spielte den Macho-Mediziner, der in der beliebten Krankenhausserie jeden unterbutterte und dem dank seines unverschämt guten Aussehens sämtliche Herzen zuflogen.
    Tja, dachte Lauri mit einem Anflug von Ironie, so viele Frauen können sich nicht irren. Er hatte etwas Raubtierhaftes an sich – sofern man auf diesen Typ Mann stand. Und er war ein echter Hingucker. Seine aschblonden Haare schimmerten unter der Studiobeleuchtung heller, wie sonnengesträhnt. Dichte, dunkle Brauen und ein dunkler Oberlippenbart bildeten dazu einen ungewöhnlichen Kontrast. Der Bart unterstrich seinen sinnlichen Mund, der Hausfrauen, Karrieregirlies und Großmütter an den Rand des Nervenzusammenbruchs trieb. Das Umwerfendste an ihm waren jedoch die strahlend grünen Augen. Bei Nahaufnahmen schwelte in ihnen ein Feuer, das ungelogen jeden Eisblock zum Dahinschmelzen gebracht hätte.
    Von ihrem Beobachtungspunkt aus, etwas abseits der grellen Studiobeleuchtung, verfolgte Lauri, wie Drake Sloan mit katzenhafter Geschmeidigkeit aufstand und den Apfelrest zielsicher in einen Abfallkorb warf.
    Abfällig musterte sie seine Garderobe. Kein Chirurg trug dermaßen knallenge Hosen bei der Arbeit. Der grüne Operationskittel war figurbetont geschnitten und passte dem hoch gewachsenen, schlanken Drake Sloan wie eine zweite Haut.
    Der V-förmig ausgeschnittene Kragen enthüllte seine dunkel behaarte Brust. Als wenn so was in einem Operationsraum erlaubt wäre, überlegte Lauri verächtlich schnaubend.
    Sie hörte eine Stimme hinter sich und drehte sich um. Der Mann, der sich vermutlich vorhin aus der Technik zu Wort gemeldet hatte, steuerte in Richtung Requisite, die zickige Schauspielerin im Schlepptau.
    »Er schert sich um keine einzige Einstellung«, beschwerte sie sich. »Er weiß genau, wo er stehen muss, wenn die Kamera auf ihn fokussiert, aber nein, er macht verflucht noch mal, was er will.«
    »Ich weiß, ich weiß, Lois. Sei ein braves Mädchen und ignorier ihn einfach, ja?«, meinte der Regisseur einlenkend. »Komm, wir absolvieren den heutigen Drehplan, und dann gehen wir was trinken. Ich red mit Drake. Okay? He, Schätzchen, zeig mir mal dein umwerfendes Lächeln.«
    Was für ein Blabla. Lauri stöhnte heimlich auf. Stargeflüster. Das kannte man doch. Erzähl ihnen, was sie hören wollen, und verschieb die Paranoia auf den nächsten Tobsuchtsanfall.
    Die beiden gesellten sich zu Drake Sloan auf dem Set und diskutierten kurz miteinander. Die Techniker, die in der Zwischenzeit rauchten, lasen oder miteinander plauderten, nahmen ihre Positionen hinter den Kameras wieder ein und setzten sich Kopfhörer auf, über die sie die entsprechenden Anweisungen von der Aufnahmeleitung erhielten. Der Tontechniker richtete die Mikrophone erneut aus.
    Der Regisseur küsste Lois auf die Wange und sprang vom Set. »Bevor ich nach oben verschwinde, gehen wir die Szene noch mal kurz durch. Küss sie gefälligst ein bisschen leidenschaftlicher, Drake. Sie ist immerhin deine Geliebte und nicht deine todkranke Erbtante.«
    »Hat deine Geliebte schon mal Anchovispizza mit einer Extraportion Knoblauch zu Mittag gegessen, Murray?«
    Lois schäumt vor Wut.
    Die Crew lachte sich schlapp. Murray redete Lois abermals gut zu. Dann rief er: »Aufzeichnung läuft!«
    Eine der Kameras war so positioniert worden, dass sie Lauri die Sicht versperrte. Wider Willen fand sie die Dreharbeiten inzwischen richtig spannend. Geduckt huschte sie zu einem strategisch günstigeren Punkt, von wo aus sie die Abläufe optimal verfolgen konnte. Und nachdem sie ihren trivialen Dialog heruntergebetet hatten, riss Drake Sloan Lois ein weiteres Mal in seine Arme und küsste sie glutvoll.
    Lauris Herz setzte einen Schlag lang aus, als sie sah, wie seine Lippen mit denen der Schauspielerin verschmolzen. Man konnte diesen Kuss fast körperlich fühlen, sich lebhaft vorstellen … Sie lehnte sich an einen Requisitentisch und reckte den Kopf, um auch ja nichts zu verpassen. Der Klang von zersplitterndem Glas lenkte die Blicke von den Darstellern – auf Lauri. Das ganze Drehteam starrte sie an!
    O Schreck! Sie hatte die große Glasvase auf dem Tisch nicht bemerkt. Jetzt lag sie in tausend Scherben zerbrochen auf dem Studioboden.
    »Verdammt!«, brüllte Drake Sloan. »Was ist denn jetzt schon wieder?« Er schob Lois unsanft beiseite und durchquerte den Raum mit drei langen, energischen Schritten. Murray folgte ihm – obwohl entnervt und verärgert, war er die Ruhe in Person. Der Schauspieler baute sich vor Lauri auf, und sie hätte vor Scham im Erdboden versinken mögen.
    »Wer zum Henker …«
    »Sie ist hier, weil sie einen Termin mit Mr. Rivington hat«, unterbrach ihn der hilfsbereite Kameramann von vorhin.
    Drake Sloan fixierte sie mit mordlustig glitzerndem Blick unter dunklen Brauen. Seine grünen Augen weiteten sich. »Mr. Rivington, mmh?« Einige Kameraleute prusteten verhalten. »Murray, seit wann veranstalten wir hier Autogrammstunden?« Diesmal lachte die gesamte Crew.
    Lauri fand das gar nicht witzig. Im Gegenteil, sie war stocksauer, dass er sich auf ihre Kosten lustig machte. Wütend warf sie die kupfern schimmernden Locken zurück, ihre braunen Augen wurden schmal.
    »Tut mir leid, dass ich Ihr … Dingsda unterbrochen habe«, versetzte sie schnippisch. Sie hatte keine Ahnung, wie man das beim Film nannte, und sie wollte es auch gar nicht so genau wissen. Sie entzog sich Drake Sloans zynischem Feixen und wandte sich an Murray, der ihr immerhin halbwegs normal vorkam. »Mein Name ist Lauri Parrish. Ich sollte Mr. Rivington hier heute um fünfzehn Uhr treffen. Bitte entschuldigen Sie die kleine Panne.«
    »War leider nicht die einzige heute.« Murray seufzte inbrünstig. Nach einem vielsagenden Blick zu Sloan setzte er hinzu: »Mr. Rivington ist momentan beschäftigt. Was halten Sie davon, wenn Sie in meinem Büro auf ihn warten? Es dauert nicht mehr lange. Schätze, er wird in Kürze bei Ihnen sein.«
    »Ja, danke«, antwortete sie. »Ich bezahl Ihnen die Vase.«
    »Vergessen Sie’s. Gehen Sie die Treppe rauf und durch die Technik. Das Büro liegt direkt gegenüber dem Flur.«
    »Danke«, wiederholte Lauri. Logisch, dass man sie weiterhin anstarrte wie das achte Weltwunder. Geistesgegenwärtig schnellte sie herum und kletterte die Wendeltreppe hoch. Als sie oben ankam, hatte Murray schon wieder alle in Position gebracht.
    Sie hätte sich die eindrucksvolle Elektronik auf den bunt flackernden Schalttafeln gern genauer angeschaut. Über einen der riesigen Monitore flimmerte eben Sloans Womanizer-Konterfei in Großaufnahme. Sie musste sich bremsen, sonst hätte sie ihm glatt die Zunge herausgestreckt.
    Als sie das Büro gefunden hatte, sank sie seufzend auf den einzigen Stuhl, der vor Murrays vollbepacktem Schreibtisch stand. Dahinter stand ein vorsintflutliches Chefsesselexemplar aus zerkratztem Kunstleder. Sie betrachtete die verstaubten Fotos an den Wänden, die Murray oder wie auch immer der Typ hieß in Begleitung von Schauspielerinnen, Filmdirektoren und sonstigen hochkarätigen Promis zeigten.
    Wer war dieser Mr. Rivington überhaupt? Ein Angestellter vom Sender? Oder einer der Techniker? Nein. Er musste Geld haben, denn das Norwood-Institut war teuer. Und Mr. Rivington hatte Jennifer dort im Internat untergebracht, was locker noch mal das Dreifache kostete. Die Minuten zogen sich wie Kaugummi hin, und Lauri wurde zunehmend nervös. Schließlich vernahm sie Schritte im Gang.
    Drake Sloan betrat das Büro und schloss leise die Tür hinter sich.
    Unschlüssig sprang Lauri auf. »Ich bin hier verabredet mit Mr. …«
    »Ich bin D. L. Rivington, Jennifers Vater.«
    Lauris Lippen formten ein stummes O, während sie ihn entgeistert anblinzelte. Er stand lässig in den Türrahmen gelehnt. Inzwischen hatte er sich umgezogen und trug Jeans und eine Strickjacke, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgeschoben.
    »Überrascht Sie das?«
    Sie nickte.
    »Dann hat Doktor Norwood Ihnen meinen Künstlernamen wohl nicht genannt.« Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Abwesend kratzte er sich am Ohr. »Nein, das hatte ich auch von ihr erwartet. Bestimmt wollte sie vermeiden, dass Sie gegen mich voreingenommen sind. Schauspieler genießen nämlich keinen besonders guten Ruf.« Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem angedeuteten Grinsen, das sich sofort wieder verlor. »Vor allem, wenn die Leute glauben, was sie in den Hochglanzmagazinen über uns lesen. Wussten Sie übrigens, dass ich meine momentane Freundin letzte Woche zu einer Abtreibung genötigt habe? Ich hab’s aus der Zeitung erfahren«, meinte er sarkastisch.
    Immer noch zu schockiert, um einen Ton herauszubringen, lächelte Lauri säuerlich. Unvermittelt fielen ihr die Kolleginnen an der Schule ein. Was sie wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass sie sich mit Dr. Glen Hambrick alias Drake Sloan alias D. L. Rivington in einem Raum aufhielt?
    Für gewöhnlich war sie ganz die kühle, kompetente Sonderpädagogin – bis auf diverse unlöbliche Ausnahmen, wo das überschäumende Temperament mit ihr durchgegangen war. Und wieso stand sie dann jetzt mit ineinander verknäulten Schwitzhändchen vor ihm? Seit er sich vorgestellt hatte, starrte sie ihn vermutlich wie eine hirnamputierte Idiotin an. Die Zunge klebte ihr am Gaumen fest.
    »Wenn es Sie tröstet, Miss Parrish, Sie sind auch nicht so ganz das, was ich mir unter einer Sprachtherapeutin vorgestellt hatte.« Er drückte sich von der Tür ab, worauf Lauri instinktiv einen Schritt zurückwich.
    Prompt wusste dieser Schuft nichts Besseres zu tun, als sein berühmt-berüchtigtes Grübchenlächeln aufzusetzen. Klar merkte er, dass sie sich unbehaglich fühlte, allein mit ihm in diesem Schuhkarton von einem Büro. Das machte sie nur noch wütender. Für wen hielt er sich eigentlich? Von wegen blöd herumstammeln und ihn anhimmeln, als wäre er ein gefeierter Superstar! Drake Sloan kochte auch nur mit Wasser.
    »Mrs. Parrish bitte.«
    Er hob belustigt eine Augenbraue und murmelte: »Ich werd’s mir merken.« Seine arrogante Art irritierte sie.
    Betont professionell gab sie zurück: »Doktor Norwood schickt mich, damit wir über Jennifer sprechen, Mr. Rivington.«
    »Nennen Sie mich einfach Drake. Möchten Sie einen Kaffee?« Er deutete auf eine Kaffeemaschine. In der Glaskanne brodelte eine pechschwarze Teerbrühe. Eigentlich wollte sie keinen, aber immerhin hätte sie dann etwas in der Hand zum Festhalten.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 287
Erscheinungsdatum 10.04.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-36695-8
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18,5/11,8/2,5 cm
Gewicht 238 g
Originaltitel Eloquent Silence
Übersetzer Beate Darius
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Nicht ganz Sandra Brown, wie man sie kennt
von Sanny aus Augustusburg am 06.05.2018
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Ein Zufallsfund. Ich mag Sandra Brown sehr gerne. Zumindest ihre spätere Werke . Aber bei knackigen 273 Seiten kann man nicht falsch machen. Typisch für Sandra Brown schleppen beide Protagonisten ihre Altlasten mit sich herum. Allerdings sind diese recht harmlos, im Vergleich zu dem was sie ihre späteren Hauptdarsteller du... Ein Zufallsfund. Ich mag Sandra Brown sehr gerne. Zumindest ihre spätere Werke . Aber bei knackigen 273 Seiten kann man nicht falsch machen. Typisch für Sandra Brown schleppen beide Protagonisten ihre Altlasten mit sich herum. Allerdings sind diese recht harmlos, im Vergleich zu dem was sie ihre späteren Hauptdarsteller durch leiden lässt. So wirken Lauri und Drake, trotz das beide ausgesprochen attraktiv sein sollen, recht blass. Der Funke springt einfach nicht über. (Spätere) Sandra Brown - Storys bedeuten immer mitfühlen, mitleiden, identifizieren. Das klappt hier nicht. Auch wenn die Story gut ist. Man ahnt, wie es aus geht. Die Zwangstrauung durch den Vater, das ist einfach nur: Warum? Erschließt sich mir nicht. Hier fehlt die Tiefe. Trotzdem sehr flüssig zu lesen. Auch typisch: die recht plastische Darstellung der, vor allem körperlichen Liebesszenen. Ein bisschen mehr "Plastik" im emotionalen Bereich hätten Lauri und Drake gut getan. Auch für die Tochter Drakes, Jennifer, wäre das gut angekommen. Anfangs wird sie als schwierig beschrieben, nicht kommunikationsbereit. Aber im Verlaufe des Buches akzeptiert sie einfach alles. Passt nicht ganz. Auch der Klaps, den Jennifer von Lauri bekommt nicht. Die perfekte, überbesorgte Lehrerin, die das engelsgleiche Kind liebt, flippt so aus, weil eben jenes an ihre Schminksachen geht? Okay künstlerliche Freiheit. Auf jeden Fall ein kurzweiliges Buch für Zwischendurch.

Schönes Buch
von einer Kundin/einem Kunden aus Königstein am 08.05.2017
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ist sehr schön geschrieben. Habe es auf E.Book. Sandra Braun ist eine meiner Lieblingsautorin.

„Wie ein Ruf in der Stille“ von Sandra Brown
von Blubb0butterfly am 05.04.2017

Eckdaten 2007 Roman Blanvalet-Verlag ISBN: 978-3-442-36695-8 288 Seiten (+ Leseprobe „Ein Kuss für die Ewigkeit“ von Sandra Brown) Übersetzung: Beate Darius Cover Im Fokus des Covers sieht man eine weiße Rose, die an ein Gesicht gehalten wird, das nur verschwommen zu sehen ist. Es handelt sich dabei eindeutig um einen ... Eckdaten 2007 Roman Blanvalet-Verlag ISBN: 978-3-442-36695-8 288 Seiten (+ Leseprobe „Ein Kuss für die Ewigkeit“ von Sandra Brown) Übersetzung: Beate Darius Cover Im Fokus des Covers sieht man eine weiße Rose, die an ein Gesicht gehalten wird, das nur verschwommen zu sehen ist. Es handelt sich dabei eindeutig um einen Frauenmund, da die Lippen geschminkt sind. Leider habe ich keine Ahnung, weshalb dieses Cover ausgewählt wurde. Ich kann die weiße Rose in keiner Beziehung zu der Geschichte setzen. Ein passenderes Cover wäre besser gewesen. Inhalt (Klappentext) Lauri Parrish ist eine begabte Taubstummenlehrerin. Doch hinter einer Fassade aus Unbekümmertheit und beruflichen Erfolg versteckt die junge Frau schlimme seelische Verletzungen. Auch Drake Sloan, ein beliebter Fernsehserienstar, hat Geheimnisse: Er kann seine verstorbene Frau nicht vergessen, und er glaubt, seine kleine Tochter könne nie ein normales Leben führen. Denn Jennifer ist hörgeschädigt. Als Lauri engagiert wird, um ihr den Umgang mit ihrer Taubheit und dem Sprechen beizubringen, bricht für diese drei einsamen Menschen eine neue Zeit an. Lauri und Drake kommen einander näher, und in der schönen Landschaft von New Mexico bekommen sie die einmalige Chance, eine richtige Familie zu werden. Wenn nur nicht die dummen Missverständnisse und das tiefe Misstrauen wären, die sie immer wieder auseinanderreißen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein schrecklicher Vorfall sie zwingt, ihre tiefsten Ängste und größten Bedürfnisse auszusprechen – und endlich ihre Liebe mit ganzem Herzen zu begrüßen… Autorin (Klappentext) Sandra Brown war Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman „Trügerischer Spiegel“ auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der beliebtesten Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der „New-York-Times“-Bestsellerliste erreicht! Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina. Fazit Wie ich es schon von Sandra Brown kenne, ist der Schreibstil sehr schön und das Buch ist leicht und zügig zu lesen. Die Thematik hat mich sehr interessiert, da ich selbst in diese Richtung studiere. ^^ Ich fand zudem, dass gut recherchiert wurde. Toll wäre vielleicht noch gewesen, wenn man als Nachtrag etwas mehr über die amerikanische Gebärdensprache erfahren hätte. Aber es sollte mehr Bücher über diese Thematik geben. Wahrscheinlich gibt es das sogar, nur dass ich noch nicht darüber gestolpert bin.  Das Ende war natürlich vorhersehbar, wie eigentlich immer bei solchen Liebesgeschichten. Aber es war interessant zu lesen, welche Hindernisse das Liebespaar dafür überwinden musste. Ich möchte ebenfalls eine solch tolle Lehrerin werden wie Lauri.  Ich finde, dass sie eine bemerkenswerte Frau ist, auch wenn sie nur erfunden ist. Das Buch zeigt, wie mit einer Behinderung umgegangen wird, sowohl die positiven als auch die negativen Seiten. Viele Menschen sind auch noch nie damit konfrontiert worden und sind deshalb verständlicherweise verunsichert und wissen nicht, wie sie sich richtig verhandeln oder wie sie mit diesem Menschen umgehen sollen.


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