Sumpffieber

Ein Dave-Robicheaux-Krimi, Band 10

Ein Dave Robicheaux-Krimi Band 10

James Lee Burke

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Beschreibung

Megan Flynn, die Tochter des vor Jahrzehnten ermordeten Gewerk­schafters Jack Flynn, kehrt zurück nach New Iberia. Der Mord an ihrem Vater ist ein ungelöster Fall, der auch Sheriff Dave Robicheaux nicht zur Ruhe kommen lässt. Wenige Tage später werden zwei Brüder wegen Vergewaltigung einer jungen Schwarzen kaltblütig ermordet. Offenbar war Alex Guidry, ein berüchtigter Rassist, an beiden Verbrechen beteiligt. Als Dave ihn mit seinen Ermittlungen mehr und mehr in die Enge treibt, will er auspacken. Doch kurz bevor er bei einem geheimen Treffen seine Komplizen verraten kann, wird er erschossen. Dave scheint auf der richtigen Spur zu sein. Es gilt nur noch die letzten Beweise zu finden …

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 464
Erscheinungsdatum 03.04.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86532-645-4
Verlag Pendragon
Maße (L/B/H) 20,8/14,2/3,8 cm
Gewicht 530 g
Übersetzer Christine Frauendorf-Mössel
Verkaufsrang 111582

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Kontrastreicher Spannungsroman mit Niveau
von einer Kundin/einem Kunden aus Baden-Württemberg am 05.08.2020

„Nur zweimal in meinem Leben hatte ich eine solche Morgendämmerung erlebt: einmal in Vietnam, als auf einer Nachtpatrouille eine Mine vor mir detoniert war und ihre Leuchttentakel um meine Oberschenken geschlungen hatte, und das andere Mal, Jahre davor, draußen vor Franklin, Louisianna, als mein Vater und ich die Leiche eines Ge... „Nur zweimal in meinem Leben hatte ich eine solche Morgendämmerung erlebt: einmal in Vietnam, als auf einer Nachtpatrouille eine Mine vor mir detoniert war und ihre Leuchttentakel um meine Oberschenken geschlungen hatte, und das andere Mal, Jahre davor, draußen vor Franklin, Louisianna, als mein Vater und ich die Leiche eines Gewerkschaftlers entdeckt hatten, den man mit 16-Penny-Nägeln an Fuß- und Handgelenken an eine Scheunenwand genagelt hatte. (Erster Satz, S. 5) Der Gewerkschaftler hieß Jack Flynn. Sein mysteriöser Tod wurde damals nie richtig aufgeklärt, ebenso wenig wie der Mord an zwei jungen Weißen, die angeblich eine Farbige vergewaltigt haben sollten. Beide Fälle hat Sheriff Dave Robicheaux (Ich-Erzähler) nicht vergessen. Als nun, Jahrzehnte später, die Tochter Flynns und zwischenzeitlich berühmte Fotografin, Megan Flynn, wieder in New Iberia auftaucht und Fragen stellt, erscheinen die Morde von einst in einem neuen Licht. Megan setzt sich vehement für Cool Breeze Broussard ein, der im Bezirksgefängnis einsitzt. Offensichtlich wird er dort vom sadistischen Gefängnisverwalter Guidry schikaniert. Auch das FBI schickt eine Agentin: Man hofft, durch Broussard an Informationen über weitere Drahtzieher zu kommen. Davor wiederum scheinen andere in Angst und Schrecken versetzt zu werden, denn Broussard entgeht nur knapp einem Anschlag. Was weiß Broussard, was verheimlicht er? Hat man zunächst den Eindruck, bei dem Inhaftierten handele es sich um ein undurchsichtiges Subjekt, so muss man diese Ansicht schnell revidieren. Cool Breeze hat schon viel Ungerechtigkeit erfahren müssen und leidet unglaublich unter dem Tod seiner Frau, die sich vor vielen Jahren offensichtlich das Leben nahm. Damit verbindet ihn eine Schuld, die ihn nicht mehr ruhen lässt. Dieses Eingangsszenario versteht Burke meisterhaft auszuweiten. Er beherrscht sein Handwerk dabei grandios. Alles scheint miteinander in Verbindung zu stehen. Der Plot ist komplex, viele Figuren werden eingeführt. Es gibt den reichen weißen Filmguru, den untergetauchten Schwerenöter, es gibt gepeinigte Frauen beider Hautfarben, mafiöse Strukturen uvm. Keine Figur ist einfach strukturiert, manche hat Marotten, die man auch mal belächeln kann. Nur gut oder nur böse scheint es bei Burke nicht zu geben. Auch Schwarze haben ihre Schattenseiten, ebenso wie es gute Weiße gibt. Allerdings im tiefsten Süden der USA nicht viele. Der Autor zeigt uns eine Wirklichkeit, die geprägt ist von jahrelang praktiziertem Hass und latentem Rassismus. Diese zeigen sich in den gesellschaftlichen Strukturen, im Miteinander, in der Ungleichheit vor dem Rechtssystem. Das ist bedrückend, aber auch erschreckend aktuell angesichts des jüngsten Polizeimordes in Minneapolis und seiner Folgen (Mai/Juni 2020). Noch immer scheint die schwarze Bevölkerung unterdrückt zu werden, hat keinen Zugang zu Bildung und lebt in großer Armut. Der Leser ist gefordert. Burke legt verschiedenen Handlungsstränge aus, äußert Vermutungen, verwirft sie wieder. Man verfolgt eine Mischung aus Legenden, alten Geheimnissen, unaufgeklärten Gewaltverbrechen und dem aktuellen Fall. Der Roman hat definitiv keine Längen, Langeweile ist ein Fremdwort. Allerdings gibt es einiges an Brutalität, Gewalt und Action im Buch. Zart besaitet sollte man diesbezüglich nicht sein. Mehrere Tote säumen die 455 Seiten des Romans. Manches Opfer hat den Tod mehr als verdient, andere nicht. Die ganze Ermittlung fühlt sich wie ein spannendes Puzzlespiel an. Robicheaux und sein Freund Clete Purcel fügen Teil für Teil aneinander. Die Auflösung gibt es erst ganz am Schluss – wie es sich für einen guten Kriminalroman gehört, ist sie unvorhersehbar und überraschend. Allerdings trägt sie auch der zuvor geschilderten Realität Rechnung. Als ganz großes Plus habe ich den Schreibstil Burkes empfunden. Er schreibt sehr bildgewaltig. Man kann sich nicht nur die Figuren, sondern auch diese einzigartige Fluss- und Sumpflandschaft, in der die Menschen leben, bildlich vorstellen. Der Autor muss diese Gegend kennen und lieben. Seine Schilderungen sind poetisch und naturverbunden, hier ein Beispiel: „Kurz bevor die Sonne über dem Golf von Mexiko aus dem Wasser stieg, legte sich der Wind plötzlich, der die ganze Nacht schäumend die Wellenkämme aufgepeitscht hatte, und der Himmel war mit einem Mal blank und bleich wie ein polierter Knochen, als habe man die Atmosphäre zur Ader gelassen und jeder Farbe beraubt.“ Robicheaux hat auch ein Privatleben. Mit einer Ehefrau, einer Adoptivtochter, einem Köderladen mit Bootsverleih. Hier geht es meist ruhig zu, hierhin zieht sich der Sheriff zurück, wenn er nachdenken muss. Diese Passagen wirken friedlich, bringen Alltäglichkeit ins Geschehen und wirken zusammen mit den Naturbeschreibungen herrlich kontrastierend zum turbulenten Mix aus Action und Gewalt. Ich habe selten einen dermaßen sprachgewaltigen, intelligenten und gleichzeitig spannenden Kriminalroman gelesen. Völlig zu Recht kann man James Lee Burke zu den Klassikern dieses Genres zählen. Der vorliegende Roman wurde bereits vor über 20 Jahren erstveröffentlicht und nun in einer überarbeiteten Neuauflage in hochwertiger Klappenbroschur bei Pendragon neu herausgegeben. Der Bestseller-Autor hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise gewonnen, unter anderem auch den Deutschen Krimipreis 2015. Für mich war es der erste Roman dieses Schriftstellers, es wird gewiss nicht der letzte sein. Große Lese-Empfehlung!

Brutalität und Poesie - kann das gut gehen?
von einer Kundin/einem Kunden aus Bielefeld am 14.07.2020

"Kurz bevor die Sonne über dem Golf von Mexiko aus dem Wasser stieg, legte sich der Wind plötzlich, der die ganze Nacht hindurch schäumend die Wellenkämme aufgepeitscht hatte, und der Himmel war mit einem Mal blank und bleich wie ein polierter Knochen, als habe man die Atmosphäre zur Ader gelassen und jeder Farbe beraubt." (S. 5... "Kurz bevor die Sonne über dem Golf von Mexiko aus dem Wasser stieg, legte sich der Wind plötzlich, der die ganze Nacht hindurch schäumend die Wellenkämme aufgepeitscht hatte, und der Himmel war mit einem Mal blank und bleich wie ein polierter Knochen, als habe man die Atmosphäre zur Ader gelassen und jeder Farbe beraubt." (S. 5) Nanu, was ist denn jetzt los? Werde ich etwa wieder Krimi-Fan? Während ich in den letzten Jahren so gut wie gar keinen Krimi gelesen habe, finden sich in diesem Jahr schon einige auf meiner Leseliste. Aber Abwechslung hat bekanntlich noch nie geschadet. Und wenn es dann noch so außergewöhnlich gute Krimis wie „Sumpffieber“ von James Lee Burke zu entdecken gibt, dann springe ich gerne über meinen Schatten. „Sumpffieber“ war mein erster Krimi des amerikanischen Krimiautors James Lee Burke, jedoch definitiv nicht der letzte. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine… In New Iberia (Louisiana) beherrschen Rassismus und Gewalt die Straßen und Plätze. Dave Robicheaux, Sheriff, muss sich in diesem (seinem 10.) Fall mit ungeklärten Verbrechen befassen, als die Tochter des vor Jahrzehnten ermordeten Gewerkschafters Jack Flynn, wieder in New Iberia auftaucht. Megan ist eine berühmte Fotografin, ihr Bruder Filmproduzent. „Megans Fotos waren faszinierend. Ihre große Gabe war ihre Fähigkeit, das menschliche Leid von Individuen aus dem großen Ganzen herauszufiltern, die in unserer Mitte lebten, für die meisten Beobachter jedoch unsichtbar blieben. Amerikanische Ureinwohner in Reservaten, Wanderarbeiter aus der Landwirtschaft, geistig Behinderte, die sich am Dampf wärmten, der aus Lüftungsschächten drang, alle starrten sie mit dem leeren Blick von Holocaust-Opfern in die Kamera und lösten beim Betrachter die Frage aus, in welcher unseligen Gegend oder welchem Land das Foto wohl gemacht worden sein könnte. Auf den Gedanken, es könnte die eigene Umgebung sein, kam man erst im zweiten Moment.“ (S. 229/ S. 230) Im Lauf der komplexen Handlung (die übrigens zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist, was ein zusätzlicher Pluspunkt ist) in diesem bereits 1998 erstveröffentlichten, nichts desto trotz immer noch äußerst aktuellen Krimi, gibt es immer neue „Fäden“, die Robicheaux, sein Partner Clete Purcel sowie seine Kollegin Helen Soileau verfolgen müssen, bis es am Ende der 455 Seiten unzählige Tote (ob verdient oder nicht liegt immer im Auge des Betrachters *g*) sowie die Erkenntnis gibt, dass vieles (in Bezug auf Recht und Gerechtigkeit) sich ändern muss. Das ist jedoch nur ein Wunschdenken und so ist das etwas unbefriedigende Ende trotzdem passend wie der Klecks Sahne auf der Erdbeerschnitte. Wer gerne Krimis mit komplexer Handlung, Brutalität auf der einen und poetischen Landschafts-, Licht- und Wetterbeschreibungen auf der anderen Seite liest, sollte hier mindestens ein Auge, besser jedoch zwei „riskieren“. Well done, Mr. Burke! 5* ©kingofmusic

Toll - 20 Jahre und kein bisschen altbacken
von Xirxe aus Hannover am 18.06.2020

Ich kann dem Pendragon Verlag gar nicht genug danken, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Robicheaux-Reihe wieder neu aufzulegen. Denn die Serie ist einfach grandios und dieser 10. Band macht da keine Ausnahme. In Robicheaux' Bezirk ist mal wieder der Teufel los. Zwei Brüder werden ermordet und es geht das Gerücht um, ... Ich kann dem Pendragon Verlag gar nicht genug danken, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Robicheaux-Reihe wieder neu aufzulegen. Denn die Serie ist einfach grandios und dieser 10. Band macht da keine Ausnahme. In Robicheaux' Bezirk ist mal wieder der Teufel los. Zwei Brüder werden ermordet und es geht das Gerücht um, ein Auftragskiller hätte Einiges zu tun. Zudem ist Megan Flynn gemeinsam mit ihrem Bruder heimgekehrt, deren Vater vor Jahrzehnten lebendig gekreuzigt wurde; die Täter wurden nie gefasst. Der neue Gefängnisverwalter soll die Gefangenen misshandeln und ein enger Freund der Flynns scheint ein brutaler Psychopath zu sein. Selbst das FBI taucht auf ... James Lee Burke ist bekannt für seine intensiven, bilderreichen Darstellungen des Südens der USA und das zeigt sich auch in 'Sumpffieber': "Die Wolken am östlichen Horizont waren pinkfarben und grau getönt, und der Wind bewegte leicht die Moospolster auf den abgestorbenen Zypressenstümpfen." Oder "Der Tag war blau, golden und warm, und auf dem Damm blühten noch Blumen, doch die Luft roch nach Humus und Wurzeln, die man aus feuchtem Erdreich gezerrt hatte, nach Laub, das im Brackwasser oxidiert und braun geworden war." Doch in einem Thriller sind selbst die wunderbarsten Landschaftsbeschreibungen kaum der Rede wert, wenn es mit der Spannung hapert. Aber auch hier enttäuscht der Autor nicht. Gleich in den ersten zwei Kapiteln geht es um eine ganze Reihe Verbrechen, sodass man bei der dazugehörigen Vielzahl von Personen etwas den Überblick verlieren kann. Erstaunlicherweise ist man jedoch schnell im Bilde, wer mit wem wie zusammenhängt, auch wenn zwischendurch eventuell das Ganze wieder etwas undurchsichtig wird. Obwohl es nicht gerade wenige Handlungsstränge sind, gelingt es Burke, alle offenen Fäden wieder zu einem Ende zusammenzufügen - wenn auch nicht immer zum Gewünschten. Der Autor hält zudem nicht mit Gesellschaftskritik hinterm Berg, doch er verpackt sie so geschickt, dass man beim Lesen (fast) ganz von selbst darauf kommt, welch unhaltbare Zustände dort herrschen. Dass das Buch bereits vor über 20 Jahren geschrieben wurde, bleibt beinahe unbemerkt - lediglich die heutzutage allgegenwärtigen Smartphones fehlen, ansonsten könnte die Handlung ohne Einschränkungen auch im Hier und Heute stattfinden, so wenig hat sich seitdem geändert. Und zuguterletzt ist es die Sprache, die James Lee Burkes Bücher zu einem Genuss machen. "Der Katalysator ist Angst und die Auswirkungen sind wie Kerzenwachs in einer Flamme. Der geringschätzige Zug um den Mund und die Verachtung und der Ekel in den Augen schmelzen dahin und werden durch ein selbstgefälliges Lächeln ersetzt, Zeichen der eigenen Schwäche ohne Reue, und durch die zuckersüße Affektiertheit guten Willens in der Stimme. Diese Unaufrichtigkeit ist wie das Öl, das aus jeder Pore trieft, und wie Gestank, der in den Kleidern hängenbleibt." Ein großes Lob auch an die Übersetzerin, die die vielen Nuancen im Sprachstil der einzelnen Figuren toll herausarbeitete. Da bleibt nur noch zu schreiben: LESEN!


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