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Der Alpdruck

Hans-Fallada-Reihe Nr. 9

Protagonist des Romans ist der Schriftsteller Dr. Doll. Er ist mit Alma Doll, einer wesentlich jüngeren Frau, zum zweiten Mal verheiratet und lebt zu Beginn der Handlung am Rande einer Kleinstadt in der Nähe von Prenzlau, nicht allzu weit von Berlin entfernt. Das Kriegsende steht kurz bevor, die Rote Armee hat die Gegend bereits erreicht und verbliebene Einheiten von Wehrmacht und SS verlassen die Stadt. Die Stimmung, in der sich Doll schon zu Beginn befindet, ist geprägt von Düsternis, Apathie und Fatalismus. Diese Stimmung ergibt sich für ihn nicht nur aus der Situation des deutschen Volkes, sondern auch aus seiner spezifischen Lage als Schriftsteller im Dritten Reich. Dessen ungeachtet begrüßt Doll die anrückende Rote Armee als ersehnte Befreier – und zwar zu Anfang viel zu enthusiastisch und naiv, wie er bald merken muss, als die Soldaten der Roten Armee unter den Deutschen nicht sonderlich zu differenzieren scheinen und seine Begeisterung nicht erwidern. So müssen Doll und seine Frau dann auch zusammen mit allen anderen verbliebenen Deutschen zum Arbeitsdienst antreten - er als Kuhhirte, sie als Lastenträgerin. Durch einen Zufall wird die Kommandantur auf Doll aufmerksam. Man bringt ihn dazu, für den Kommandanten vom Rathaus aus eine Rede an die Einwohner zu halten, mit der auch in der kleinen Stadt sinnbildlich die Stunde Null eingeläutet wird. Auf diese Bewährungsprobe hin wird Doll vom Kommandanten zum Bürgermeister bestimmt. Aus einem in der Kleinstadt sehr unbeliebten Menschen wird so der Stadtvater. Wie unbeliebt Doll einst war, wird anhand seiner Auseinandersetzung mit dem Tierarzt Dr. Wilhelm, genannt "Farken-Willem", geschildert. Widerwillig, doch pflichtbewusst erfüllt Doll seine Bürgermeisterpflichten. Das Arbeitspensum ist groß, in der Nachkriegszeit gibt es viel zu tun, selbst in einer Kleinstadt. Dolls innere Krise dauert dabei an. Zusätzlich macht ihm nun zu schaffen, dass er als Amtsperson mit ehemaligen Nazis und Kriegsprofiteuren umgehen muss. Lediglich die viele Arbeit hält ihn vom inneren Zusammenbruch ab. Doll wird schließlich krank und kann damit auch seinen Posten abgeben.
In der kleinen Stadt hält ihn nichts mehr und das Ehepaar macht sich auf eine beschwerliche Fahrt ins zerstörte Berlin. Sie hoffen, dort in der Wohnung Alma Dolls neu beginnen zu können. Doch das Leben in den Trümmern der überfüllten Stadt erweist sich als unendlich schwieriger als das Leben auf dem Land. Das beginnt bereits bei der Ankunft mit der Schwierigkeit, sich in den Ruinen zurechtzufinden, obwohl beide Dolls gebürtige Berliner sind.
Dieser Roman ist sehr stark autobiographisch gefärbt. Das betrifft zum einen die äußeren Umstände: Der Zusammenbruch des Dritten Reiches, die vorübergehende Tätigkeit als Bürgermeister einer Kleinstadt unter russischer Besatzung, die Rückkehr nach Berlin und das dortige Leben im Wohn-Quartier Majakowskiring ("das Städtchen") der KPD- und SED-Machthaber finden sich in seinem Lebenslauf. Es trifft aber wohl auch auf seine innere Situation zu: Zumindest die Ehe mit einer sehr viel jüngeren Frau, Drogenprobleme und deswegen wiederholte Aufenthalte in Sanatorien und Heilanstalten sind verbürgt. Das Schwanken zwischen Überschwang und Depression und die Probleme mit seinen Mitmenschen, zumal mit den ehemaligen Nazi-Anhängern, sind zumindest überzeugend geschildert.
Portrait
Hans Fallada
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Nein i
Seitenzahl 418 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 05.10.2018
Sprache Deutsch
EAN 9783961188925
Verlag Andersseitig.de
Dateigröße 1165 KB
Verkaufsrang 108882
eBook
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1,99
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Sofort per Download lieferbar
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Apathie der Nachkriegszeit
von NiWa am 30.05.2015
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Deutschland nach dem Krieg. Das Land liegt in Trümmern, die Alliierten werden erwartet und der Albtraum des 2. Weltkriegs neigt sich dem Ende zu. Der Schriftsteller Doll und seine junge Frau sehen dem Kriegsende mit Zuversicht entgegen. Endlich naht die Rettung aus der Ungewissheit und man wagt wieder auf eine Zukunft zu hoff... Deutschland nach dem Krieg. Das Land liegt in Trümmern, die Alliierten werden erwartet und der Albtraum des 2. Weltkriegs neigt sich dem Ende zu. Der Schriftsteller Doll und seine junge Frau sehen dem Kriegsende mit Zuversicht entgegen. Endlich naht die Rettung aus der Ungewissheit und man wagt wieder auf eine Zukunft zu hoffen. Aber die Schatten des Krieges sind mit dessen Ende bei Weitem nicht überwunden. Stellvertretend für ein ganzes Volk erlebt das Ehepaar Doll einen alptraumhaften Gemütszustand aus Apathie, depressiver Stimmung und seltenen Hoffnungsschimmern, mit denen jeder auf seine eigene Weise umzugehen hat. Mangelnde Perspektiven im zertrümmerten Berlin, die unsagbare Selbstsucht, die dem Selbsterhaltungstrieb entstammt und die niederschmetternde Realität des Alltags lassen sich manchmal nur durch Morphium ertragen, bis man vielleicht doch den Schritt zur endgültigen Lösung wagt. Falladas zeitnah geschriebener Roman zeigt ein depressives Abbild der Monate nach dem Krieg. Teilweise verschwommen, schildert er, aus Sicht Dr. Dolls, diesen unfassbaren Gemütszustand, der sich gemeinsam mit seiner jungen Frau mehr schlecht als recht über Wasser halten kann. Der Autor schafft eine furchteinflössende authentische Atmosphäre, die auf den Leser übergeht, und welche die nicht enden wollenden Grauen des Krieges erahnen lässt. Meiner Meinung nach handelt es sich um ein alptraumhaftes, verworrenes Zeitdokument, das die Apathie der Nachkriegsmonate eindrucksvoll in die Gegenwart transportiert und uns damit den Nachhall dieser unvorstellbaren Kriegsjahre vor Augen führt.