Mordshunger

Roman

Köln-Krimi Band 12

Frank Schätzing

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Beschreibung

Mordshunger haben sie alle. Inka von Barneck auf Sex, Fritz von Barneck auf Geld und noch mehr Geld, Max Hartmann auf die Rolle seines Lebens, Romanus Cüpper auf alles, was essbar ist, und die Löwen im Kölner Zoo auf Abwechslung. Dann ist Inka plötzlich tot, und alle bekommen ihren Willen. Nur ganz anders, als sie dachten.

• Mit Rezepten von 15 mordsguten Kölner Küchenchefs.



"Ein spannend-geistreicher Krimi, delikat."

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 439
Erscheinungsdatum 11.09.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-45924-7
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 19/12/3,3 cm
Gewicht 359 g
Verkaufsrang 143777

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Übersicht
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Mordshunger in Köln
von Michael Weckener aus Leipzig am 31.03.2013

Ein spannender Krimi mit einem furiosen aber auch ein wenig vorhersehbaren Ende. Die mit dem Autor immer wieder einmal durchgehende Lust am Fabulieren trübt das Lesevergnügen ab und an. Fazit: Es gibt bessere Romane von Frank Schätzing

Mordshunger macht Appetit auf mehr.
von einer Kundin/einem Kunden aus Bremen am 18.06.2011

Ob Mordshunger, oder Lautlos, oder Limit, oder Tod und Teufel, oder der Schwarm. Es ist immer wieder gut, Schätzing zu lesen.

Spannung pur
von Silke Hußmann aus Emden am 24.05.2011

Ein Mordopfer aber viele Täter. Romanus Cüpper hat alle Hände voll zu tun um den Mord an Inka von Barneck zu klären, den diese Dame hatte viele Feinde und keine Freunde. Frank Schätzing hat hier einen meisterhaften Krimi geschaffen und schafft es immer wieder den Verdacht mit einem Satz zu bestätigen und mit dem nächsten ... Ein Mordopfer aber viele Täter. Romanus Cüpper hat alle Hände voll zu tun um den Mord an Inka von Barneck zu klären, den diese Dame hatte viele Feinde und keine Freunde. Frank Schätzing hat hier einen meisterhaften Krimi geschaffen und schafft es immer wieder den Verdacht mit einem Satz zu bestätigen und mit dem nächsten wieder umzuwerfen.


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  • Vorwort zur Neuausgabe

    Mordshunger ist mein erster Roman. Tod und Teufel entstand drei Jahre später, wurde allerdings vorher veröffentlicht, was seinerzeit für einige Verwirrung sorgte. Viele Leser sind der Ansicht, ich hätte Mordshunger erst nach Tod und Teufel geschrieben. Tatsächlich verbrachte Mordshunger seine Jugendjahre in einer Schreibtischschublade, weil ich kurzfristig mehr Geschmack am Mittelalter gefunden hatte. So erhielt Jacop der Fuchs den Vortritt vor Kommissar Cüpper, womit der Zweitgeborene allgemein als der Erstgeborene gilt.
    Nun erscheint Mordshunger bei Goldmann, was mich außerordentlich freut, andererseits Potenzial für neuerliche Verwirrung birgt. Nicht auszuschließen, dass der eine oder andere nun glaubt, den Nachfolger des Schwarm in Händen zu halten. Ich möchte darum explizit auf den 22. März 1991 hinweisen. An jenem Tag verfügte ich die letzten Zeilen von Mordshunger in einen bleischweren, vorsintflutlichen Laptop. Damals war ich der Meinung, ein dickes Buch geschrieben zu haben. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen hat sich nicht nur die Kölner Gastronomie verändert, der Mordshunger Tribut zollt, sondern so ziemlich alles.
    Beispielsweise gibt es von den Restaurants, die Kommissar Cüpper in der Erstausgabe frequentierte, nur noch knapp die Hälfte. Von denen wiederum haben einige den Besitzer gewechselt, nicht unbedingt zu ihrem Vorteil. Der Spaß an Mordshunger verdankte sich maßgeblich der Verfressenheit des Kommissars, weshalb man das Buch auch als Führer durch die Kölner Gastronomie und als Kochbuch benutzen konnte – eigens für Mordshunger kreierten mehrere Kölner Küchenchefs damals Rezepte. Bloß, was nützen Ihnen Originalschauplätze, die heute keine mehr sind? Heißhungrig ein vollmundig beschriebenes Restaurant aufzusuchen, um sich vor einer Boutique oder einem Fachgeschäft für Stützstrümpfe wiederzufinden, dürfte Ihnen den Spaß eher verleiden.
    Also ging ich daran, Mordshunger für die vorliegende Ausgabe zu aktualisieren – und war beim Lesen einigermaßen verdattert. Beispielsweise fragte ich mich, warum die Protagonisten außerhalb ihrer Büros und Wohnungen niemals telefonieren. Die Antwort lautet, dass es Anfang der Neunziger so gut wie keine Handys gab. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Mir scheint, ich sei mit so einem Ding in der Hand geboren. Mordshunger zu lesen war ungefähr so, als schaue man die Tagesthemen von 1991 – durchaus amüsant, nur dass einem plötzlich klar wird, worauf man sich am allerwenigsten verlassen kann: auf das persönliche Zeitempfinden.
    Ebenfalls stellte ich fest, dass sich mein Schreibstil über die Jahre stark verändert hat, was offenbar wird, wenn man die Chronologie meiner Veröffentlichungen in Seitenzahlen ausdrückt. Mordshunger, 448 Seiten. Tod und Teufel, 512 Seiten. Die dunkle Seite, rund 600 Seiten.
    Lautlos, 704 Seiten. Der Schwarm, fast 1000 Seiten. Ich stellte fest, dass die Sätze in Mordshunger zu den kürzesten gehören, die ich je geschrieben habe, dass ich die meisten davon immer noch mochte – und manche nicht mehr ganz so sehr.
    Also habe ich Mordshunger überarbeitet. Ganz behutsam. Es ist immer noch der Originaltext, stilistisch wie inhaltlich. Wäre das Buch eine Person, könnte man sagen, sie war beim Kosmetiker zwecks behutsamer Auffrischung ihres Typs. Es gibt immer noch keine Handys im Buch, niemand sagt etwas anderes, als er in der Erstausgabe sagte, in und aus den Adern der Protagonisten fließt das Blut der frühen Neunziger. Nur einige wenige Formulierungen und die gastronomischen Tatorte sind neu. Cüpper geht jetzt in andere Restaurants, und im Anhang finden Sie einen Querschnitt durch die Kölner Gastroszene von 2006, außerdem ganz neue Rezepte. Wie lange das alles aktuell bleibt, weiß ich auch nicht – vorläufig kann ich Ihnen jedoch höchsten Genuss versprechen, sollten Sie auf den Spuren des Kommissars zu wandeln belieben.
    Bleibt, Ihnen Guten Appetit zu wünschen – mit Mordshunger »remixed«.

    Sie hatte ihm eine Gurke geschenkt mit dem Ratschlag, sie sich sonst wohin zu stecken, und war ausgezogen.
    »Ein guter Kriminalist«, pflegte er zu sagen, »wird verlassen. Er muss verlassen werden. Würde er der Idee verfallen, hinter Wahnsinnigen und Mördern herzulaufen, wenn man ihn nicht verlassen hätte? Fähige Polizisten neigen zum Verlust der Freundin, die Genies sind allesamt geschieden. Schön, ich hab nur eine Freundin. Aber ich bin ein guter Polizist! Folglich wird sie mich verlassen, irgendwann, das ist die Tragik meiner Profession. Ich frage mich eigentlich nur, ob ich sie vorher schnell heiraten sollte, um hinterher ein ganz besonders genialer Polizist zu sein. Verzwickt, das Ganze! Geht mir im Kopf rum, immer wieder. Im Allgemeinen gehe ich dann was essen und sage mir, langsam Cüpper. Sechsunddreißigmal kauen, jeden Bissen. Hat alles noch Zeit.«
    Es hatte keine Zeit.
    Sie hatte ihm eine Gurke geschenkt, weil sie wusste, dass er keine Gurken mochte, dass es nur drei Dinge gab, die er von Herzen verabscheute: Gurken, Kümmel, Kokos.
    Er war um die Gurke herumspaziert, als könne sie den Lauf der Dinge biegen, während im Nebenzimmer Blusen, Röcke, Jeans, Dessous flupp flupp in den Koffer flogen. Dann kamen die Packer, und man trug die Couch und den Glastisch und die zwei CD-Regale und die komplette Stereoanlage und noch bedenklich viel mehr an ihm vorbei nach draußen und fütterte einen schier unersättlichen Möbelwagen. Währenddessen lag die Gurke lang und dunkelgrün vor ihm und begann ihn auf merkwürdige Weise zu faszinieren, bis einer der Männer sie kurzerhand auf die Fensterbank legte, um das Schränkchen wegzutragen, das ihm, wie er sich mit einem Mal entsann, auch nicht gehörte. Nichts gehörte ihm.
    Bis auf die Küche.
    Er unterbrach seinen Spaziergang entlang der Promenade und blinzelte durch den stärker werdenden Regen hinaus auf den Rhein. Das Wasser lief ihm in den Nacken.
    Gut zwei Stunden waren vergangen, seit er losgezogen war, immer den Fluss entlang, vom Dom hoch Richtung Rodenkirchen, kehrt und wieder zur Bastei, den Wind als Gegner und als Freund, nass wie ein Lurch. Lastkähne zogen durchs kräuselige Schwarz. Wie urzeitliche Krokodile, dachte er, was ihn prompt daran erinnerte, dass sie auch die Dias von der Amazonasfahrt mitgenommen hatte, alle fünf Kästen, und den Projektor und die Leinwand obendrein.
    Aber er brauchte keine Bilder, um der Wirklichkeit zu vertrauen. Er hatte immer noch die Gurke. Mitgenommen auf diese nächtliche Streife. Nur, dass er diesmal einer Flüchtigen auf der Spur war, die er nicht würde verhaften können. Musste sie laufen lassen.
    Hm.
    Warum die Gurke eigentlich nicht essen?
    Aber ja, mach aus der Niederlage einen Sieg! Streiche die Gurke von der Liste deiner Animositäten, widme sie der Ausbrecherin, die sich nicht geschämt hat, dein Herz noch obendrauf zu packen auf den Berg gestohlener Erinnerungen. Sollst sie dir sonst wohin stecken, was? Allerdings, mein Schatz! Ab heute sei die Gurke rehabilitiert, oft und gern verschlungen, liebevoll verdaut, eine hochgeschätzte Kostbarkeit im Fundus all der Rezepturen, die drei Meter Ikea-Regal gefüllt hatten, bis dem großen Raub auch das Regal zum Opfer gefallen war.
    Marodeurin!
    Er beschnupperte die Gurke, zögerte und biss hinein.
    Ein Genuss!
    Wie hatte er nur jemals glauben können – mhhmmmm!
    Diese hier, das war kein Treibhausklon. Sicher vom Gemüsemann auf der Neusser Straße, dessen Rasierwasser der Duft frischen, feuchten Basilikums war, konspirativ herübergereicht wie eine Flasche guten Weines. Hätte sie ihm eine solch phänomenale Gurke geschenkt, wenn sie ihn nicht immer noch liebte?
    Knack, spritzender Saft im Mund. Mit jedem Stück fühlte er die Lebensgeister in sich zurückfließen, atmete tief durch, biss ab, verfiel in einen Fressrausch, ließ den Regen Beifall prasseln, bis ein ungeheurer Blitz die Schwärze jäh zerriss und krachend niederging, direkt über dem Dom.
    Für die Dauer eines Augenblicks war Köln in weiße Gischt getaucht.
    Weltuntergang.
    Dann wieder gleichmäßig niederströmender Frieden. Romanus Cüpper grinste den Rest seiner Gurke an, schüttelte das Wasser aus den Haaren und ging heim. Es war der 23. Juni. Mitternacht.

    Bazaar
    Der Regen wurde dichter.
    Schritte schürften über Treppenmarmor, unregelmäßig, aber beharrlich dem fünften Stock zustrebend. Der Urheber passierte idyllische Szenen hinter verschlossenen Türen. Blaubeleuchtete Familien vor Fernsehapparaten. Kinder, brav zu Bett gegangen, Licht aus, Küsschen, Decke übern Kopf, Nintendo. Alte Paare, einander in den Wahnsinn schnarchend. Unparteiisch nur das Treppenhaus, ein Niemandsland. – Und nun ein Jemand, der sich anschlich in der Anonymität der Nacht.
    Der Jemand blieb stehen und keuchte. Vor ihm eine Wohnungstür, einen Spaltbreit geöffnet.
    Regungslos verharrte die Gestalt, streckte dann zögernd eine Hand aus, bis die Fingerspitzen das lackierte Holz berührten, um den Kontakt gleich wieder zu verlieren. Mit kaum wahrnehmbarem Rauschen schwang die Türe weiter auf und gab den Blick frei in einen anderen Zustand der Dunkelheit, wie er nur bewohnten Räumen zu eigen ist, ein Schwarz voller Andeutungen, Körperlichkeiten und wechselnder Standorte, eine vertraute, fremde Welt.
    Wieder erstarrte die Gestalt. Sie schien zu überlegen. Ihr Keuchen wurde heftiger.
    Dann setzte sie sich langsam in Bewegung, stieß die Tür ganz auf, drang ein und verlor sich in der Lichtlosigkeit des dahinterliegenden Raumes, als hätte es sie nie gegeben.

    Cüpper
    Fast zu Hause.
    Tausend Gedanken führten in Cüppers Schädel ein chaotisches Dasein, während sich der Magen unbeeindruckt an die Arbeit machte, Säure produzierte, Enzyme freisetzte, Moleküle spaltete, Nährstoffe weiterleitete und den Gurkenrest im Darmsystem diskret beseitigte.
    Wie immer der perfekte Mord.
    Cüppers Kopf versuchte unterdessen, die Frau verschwinden zu lassen, mit der er die letzten sechs Jahre verbracht hatte, was sich als wesentlich schwieriger erwies.
    Ich sollte mich betrinken, dachte er schließlich, weil ihm partout nichts Besseres einfiel. Zählen darf nur der Alkoholgehalt. Kein Genuss! Jeder, der fernsieht oder Bücher liest, weiß, dass verlassene Männer betrunken durch die Straßen irren, was in den seltensten Fällen auf einen Brunello di Montalcino oder einen Mouton Rothschild zurückzuführen ist.
    Aber er wollte sich nicht betrinken.
    Halt die Spielregeln ein, schalt er sich. Die Sache wird dir doch wohl einen ordentlichen Suff wert sein.
    Also gut, betrinken. Die Tankstelle in der Riehler Straße, nah genug, um den Gedanken ernsthaft in Erwägung zu ziehen, bot für wenig Geld einen so sündhaft schlechten Weißen, dass jeder Trennungsschmerz im anschließenden Sodbrennen rückstandslos zersetzt würde.
    Trennungsschmerz? Pah!
    Nein, er hatte Wut, und die verdiente etwas anderes. Beispielsweise könnte man sich in ein Taxi setzen, die Kyffhäuserstraße ansteuern und einen Besuch im La Société abstatten, das über den Vorzug eines respektablen Weinkellers gebot. Es mochte gelingen, dem Patron die eine oder andere Flasche Bordeaux abzuschwatzen. Wozu hatte man Freunde?
    Dann fiel ihm ein, dass er noch einen 89er Pio Cesare im Keller hatte. Aber der würde bis morgen warten müssen. Pio Cesare schmeckte Cüpper am besten zu Geschnäbeltem. Also früh in die Stadt, auf der Apostelnstraße eine Ente kaufen, eine schöne französische Flugente mit Hals und Arsch und Innereien. Dann die ganze Ente ganz alleine fressen, ohne die Frau, um derentwegen er sich fast mit Blanc de Blanc vergiftet hätte.
    Doch nicht Cüpper.
    Bei dem Gedanken an die Ente lief ihm mehr Wasser im Mund zusammen als durch die Haare.
    Eine Ente, ja!
    Und vorher ein Salat. Mit Gurke.

    Bazaar
    Schramm konnte nicht schlafen.
    Am Nachmittag hatte ihn der Fabrikant aus München angerufen und Konkurs vermeldet. Die siebzehn Seidenhemden könne er nun leider nicht mehr liefern. Die zehn Mäntel auch nicht, von den bestellten vierzehn Sakkos immerhin sechs, zwei davon mit kleinen Fehlern, wer sei schon perfekt?
    Schramm hatte sich unter Einhaltung der gängigen Höflichkeitsfloskeln nach seinem Geld erkundigt, als gäbe es auch nur den Hauch einer Chance, es wiederzusehen.
    Das Geld? Ja, das sei weg.
    Wo es denn sei?
    Na, weg. Der Fabrikant war sehr gelassen. Schließlich war er pleite.
    Schramm war in seinem Laden hin- und hergelaufen und hatte sich verflucht. Das war mittlerweile an der Tagesordnung. Er verfluchte sich, wenn er die Preise auf ein Level runtersetzen musste, das Leute in sein Geschäft lockte, die er dort nicht sehen wollte. Er wechselte viermal täglich die Krawatte und verwickelte seine Kunden in Gespräche über den Vormarsch der spanischen Avantgarde, bis er sich selber nicht mehr hören mochte. Er tat verständnisvoll, wenn sich die Leute mit plötzlichem Blick auf die Uhr zum Bäcker empfahlen und versicherten, in zehn Minuten wieder da zu sein und zu kaufen, was sie nicht mal hatten anprobieren wollen. Allmählich wurde sein Gesicht so grau wie sein Haar, das er einmal wöchentlich nachschneiden ließ. Er stellte fest, dass man in Maßanzügen nicht die Schultern hängen lassen sollte, weil das blöde aussieht. Durch die Scheiben seines großen, straßenwärts gewandten Schaufensters studierte er mit eingefrorenem Lächeln die Vorbeieilenden und suchte nach Herren, die es auszustatten gäbe, egal, mit was, Hauptsache, sie zahlten.
    Und er verfluchte sich selbst.
    Herrenausstatter! Warum war er nicht Friseur geworden? Haare wuchsen immer.
    Wütend rieb er sich die Augen, legte sein Kopfkissen von rechts nach links, machte einen Kniff rein, drückte ihn wieder raus, strampelte die Decke weg, drehte sich auf den Rücken, auf die Seite, auf den Bauch, stand auf und aß ein Käsebrot, wozu er Wodka trank. Danach rebellierte sein Magen, und er musste raus auf die Terrasse. Es war kurz nach Mitternacht.
    Heftiger Regen schlug ihm ins Gesicht und klatschte auf das Glasdach des Bazaar gleich unter ihm.
    Wie passend, dachte er. Wie nett!
    Im Stakkato begann er, seine Wohnung zu durchmessen, auf und ab. Immer wieder rechnete er nach, was ihn die Katastrophe kosten würde. Immer wieder waren es mindestens zwei Nullen zu viel. Ermattet ließ er sich gegen die Wohnungstür fallen. Es war alles so anstrengend.
    Die Welt war ungerecht. Er stand bis zu den Knöcheln im Verderben, und die Barneck über ihm ersoff im Geld. Inka von Barneck, reich und schön! – Schramm knirschte mit den Zähnen. Er hätte gute Lust gehabt, jetzt zu ihr hochzugehen! Es ihr auf einem Bett aus Kontoauszügen zu besorgen, von denen jeder seine Zukunft dreimal abgesichert hätte, einen Ring an ihre Hand zu stecken und von ihr zu leben, bis ihm vor Überfluss die Knöpfe von der Weste sprangen.
    Aber sie war verheiratet. Und er hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt. Denn Schramm war leider nicht der Mutigste.
    Und das machte ihn noch fertiger als die Finanzen.
    Die Gestalt verharrte und sah sich in der dunklen Wohnung um. Ihre Hände tasteten hin und her wie Ameisenfühler und sanken dann herab.
    Einiges war nicht so, wie sie es erwartet hatte.
    Unentschlossen wandte sie den Kopf zurück zu der weit geöffneten Wohnungstür, erahnte im Dunkel den Lichtschalter, streckte einen Arm aus und hielt wieder inne.
    Leises, zischendes Keuchen kam über ihre Lippen.
    Nein, kein Licht. Das Feuerzeug!
    Trübe, kleine Flamme.
    Aber sie würde reichen.

    Cüpper
    Dann eben nicht.
    Durch den Regen taumeln, sich betrinken und erkälten, allzu theatralisch, dämlich. Lieber schlafen gehen in der besten aller Wohnungen, hundertzwanzig Quadratmeter Altbau, Theodor-Heuss-Ring, Blick auf den Ententeich.
    Seine Wohnung.
    Im Grunde war er frei. Auch wenn neuerdings jemand fehlte, von den Möbeln ganz zu schweigen. Hätte sie ihn auch verlassen, wenn er in einer Bücherei gearbeitet hätte? Oder als Metzger? Oder als Museumsdiener oder hinter einer Bar? War es überhaupt der Job gewesen?
    Ein guter Polizist ist einsam. Guter Bulle. Braver Bulle.
    Er schüttelte das Wasser aus den Haaren und ging durch das fast leere Wohnzimmer in die Küche. Na und? Das hier war sein Reich. Sollte sie ruhig alles haben, was sie wollte. Nur nicht den Kühlschrank, nicht den Herd, den Grill, die Tiefkühltruhe, nicht die Marmorarbeitsfläche und die teuren Messer und die Töpfe, die ganze Pracht und Herrlichkeit. Ansonsten alles!
    Ach nein. Den Esstisch hätte er schon gern behalten. Aber es war ihrer. Sie hatte ihn damals mitgebracht. Das Pfand dafür war Liebe gewesen, und die Liebe war erloschen, ausbezahlt, zurückgegeben.
    Cüpper ließ sich gegen den Herd sinken. Sein Blick schweifte über die stattliche Kompanie der Gewürzgläser in ihren Halterungen an der Wand.
    Wie gerne hatte er für sie gekocht.
    Und wie hatte sie genießen können! Ganze Abende hatten sie damit verbracht, sich gegenseitig Köstlichkeiten in den Mund zu schieben, hatten sich am bloßen Anblick der Zutaten berauscht, den Staub von alten Flaschenhälsen geblasen, einander Etiketten vorgelesen, und mit jedem Teller, jedem Glas war in ihren Augen ein Abbild dessen erschienen, was das Paradies sein musste, wie er es sich schon damals in der Schule vorgestellt hatte, als etwas primär Essbares, rundum Köstliches. Er hätte ihr stundenlang zusehen können, und irgendwann ertappte er sich bei dem Gedanken, selber gar nichts mehr zu brauchen, einfach der Chronist ihrer Ekstase sein und glücklich neben ihr verhungern zu dürfen. Vielleicht war das der Punkt gewesen, an dem er sich die Augen gerieben hatte und plötzlich zu der Überzeugung gelangt war, sich wieder mehr um seinen eigenen Genuss kümmern zu müssen.
    Das hatte er dann auch getan.
    Und übertrieben.
    Aber zog man deshalb gleich aus?

    Cüpper zuckte die Achseln. Müßig, das Ganze.
    Todmüde ging er los, eine Zahnbürste zu suchen.