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Das Teemännchen

Heinz Strunks Geschichten. Lange, kurze, ganz kurze. Zum Teil knüpfen sie an bekannte Strunk’sche Themenwelten an, Einsamkeit, Sexualnot, Körperverfall, Alkohol, Übergewicht. Sie sind aber anders geschrieben als Strunks vorherige Bücher: immer pointiert, aber oft nicht komisch, manchmal absonderlich, traumlogisch, düster, grotesk, so zum Beispiel die Geschichte von dem DDR-Bürger, der durch politische Verfolgung so gebrochen wird, dass er die Wende als perfides Zersetzungsmanöver des Regimes missversteht und seine graue Zonenwohnung nie mehr verlässt. In anderen Stücken verabreden sich Kleinwagen zum Aufstand gegen die Menschen, erlebt Axl Rose von Guns n' Roses auf dem Hamburger Kiez seine Höllenfahrt, verwandelt sich eine Schönheitskönigin durch Arbeit im Schnellimbiss in eine alte Vettel, wird ein Mann an der Autobahn auf einem Windrad gekreuzigt, gerät eine Wilhelm-Busch-Expertin im Radio komplett aus der Fassung. Vor einigen Jahren hat Heinz Strunk eine Sammlung mit Erzählungen von Botho Strauss herausgegeben; die kurze Form liegt ihm am Herzen. Dies ist mithin kein Nebenwerk, keine Sammlung von Gelegenheitstexten, sondern ein Buch, in dem Heinz Strunk als Autor wieder ein Stück weiter zu sich kommt.
Rezension
Aus der Verbindung von bitterem Ernst und böser Komik ergibt sich die literarische Sprengkraft, die Strunks bessere Werke haben. Dieser Band gehört dazu. Wolfgang Schneider Der Tagesspiegel 20181202
Portrait
Der Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk wurde 1962 in Hamburg geboren. Seit seinem ersten Roman «Fleisch ist mein Gemüse» hat er sieben weitere Bücher veröffentlicht. «Der goldene Handschuh» stand monatelang auf der Bestsellerliste; die Verfilmung durch Fatih Akin lief im Wettbewerb der Berlinale. 2016 wurde der Autor mit dem Wilhelm-Raabe-Preis geehrt.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum 21.08.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-498-06449-5
Verlag Rowohlt
Maße (L/B/H) 21,1/13,5/2,2 cm
Gewicht 316 g
Auflage 2. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
12 Bewertungen
Übersicht
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Gut. Gut. Gut.
von einer Kundin/einem Kunden aus Erfurt am 07.01.2019

Heinz Strunk ist auf dem besten Wege, einer meiner Lieblingsschriftsteller zu werden. Er schreibt auf, was man denken könnte, ohne wenn und aber.

Heinz Strunk geht dahin, wo es wehtut. Wo der Schmerz unerträglich ist. Und trotzdem ertragen wird.
von einer Kundin/einem Kunden aus Bremen am 12.09.2018
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Heinz Strunk gehört für mich zu den größten deutschen Literaten unserer Zeit ("Böll, Grass, Mann. Alles Scheiße." Zitat aus "Fleckenteufel" von Strunk). Wie kein anderer gelingt es ihm in seinen Romanen, Hörspielen und Filmen, das Leben und Leiden von Menschen zu schildern, die am Boden der Gesellschaft, am Ende der Menschlichke... Heinz Strunk gehört für mich zu den größten deutschen Literaten unserer Zeit ("Böll, Grass, Mann. Alles Scheiße." Zitat aus "Fleckenteufel" von Strunk). Wie kein anderer gelingt es ihm in seinen Romanen, Hörspielen und Filmen, das Leben und Leiden von Menschen zu schildern, die am Boden der Gesellschaft, am Ende der Menschlichkeit angekommen sind und sehen, da ist nichts mehr. Nur noch eine schmerzhafte Melancholie, mit der sich abzufinden der einzige Weg in dem Dilemma der Existenz ist. Egal ob reich, arm, hässlich, schön, schlau oder dumm, irgendwann sind alle gleich arm dran. Wie schon in dem Meisterwerk "Der goldene Handschuh" fehlt in der Kurzgeschichtensammlung "Das Teemännchen" der Humor fast völlig. Abgesehen von kleinen komischen Momenten (Nasi Goreng) ist der Erzählton düster und genau beobachtend. Und das ist brutal, fast unerträglich, aber auch gut so. Denn was bleibt, sind mal mehr, mal weniger lange Texte, die in einer absolut präzisen Sprache Figuren zum Leben erwecken, die nie der Lächerlichkeit preisgegeben werden, sondern ihre Würde oder zumindest ihre Menschlichkeit behalten dürfen. Sei es Axl Rose in einer der wenigen wirklich komischen, aber auch sehr traurigen Geschichten oder das fettleibige Pärchen vorm Raststättenspielautomaten, das auf das Glück wartet, das niemals kommen wird. Heinz Strunk hat für mich mit "Das Teemännchen" ein Meisterwerk der deutschsprachigen Literatur vorgelegt. Schwer zu ertragen aber sprachlich brilliant. Und von einer still glimmenden Wärme und Zuneigung für die Randexistenzen und versauten Lebenswege, für die Kaputten, die Hässlichen, die Außenseiter. Und dafür liebe ich Heinz Strunk. Sehr empfehlen möchte ich die Hörbuchfassung, von Heinz Strunk in gewohnt großartiger Trockenheit gelesen. Auch wenn man sich manchmal wie in einem Boxring vorkommt, in dem verbale Kinnhaken und Magentreffer nur so auf einen einprasseln.

Deutschland von unten betrachtet
von Jennifer am 02.09.2018

Diese kleine, aber feine Sammlung von Kurzgeschichten ist einfach nur genial. Wer auf rabenschwarzen Humor gepaart mit pragmatischer Pointiertheit und zuweilen skurriler Fantastik steht, der kommt an Heinz Strunks neuestem Werk wohl nicht vorbei. Mich haben vor allem die bildhaften, meist demaskierenden Physiognomiebeschreibunge... Diese kleine, aber feine Sammlung von Kurzgeschichten ist einfach nur genial. Wer auf rabenschwarzen Humor gepaart mit pragmatischer Pointiertheit und zuweilen skurriler Fantastik steht, der kommt an Heinz Strunks neuestem Werk wohl nicht vorbei. Mich haben vor allem die bildhaften, meist demaskierenden Physiognomiebeschreibungen der einzelnen Figuren beeindruckt. So fördert der Autor in seinem Erzählband Schicht für Schicht allerhand menschliche Schwächen, Fehlbildungen und Abgründe des sog. Prekariats zutage. Strunk hat einfach ein Faible für die sozial Abgehängten und deren Nöte. Damit bildet der Hanseat in der heutigen Heile-Welt-Belletristik eine interessante Ausnahme. Denn er beschönigt nicht, sondern schildert offen und unverstellt die meist prekäre Lebens- und Arbeitswelt der Unterschicht. Ob nun Axl Rose nach einem Konzert eine Hamburger Kneipe entert und dabei versackt, am Usedomer Strand ästhetische Welten aufeinanderprallen oder ein Mann an ein Windrad gefesselt wurde und sich nun unaufhörlich mitdreht, Strunks Szenarien sind einerseits alltäglich, andererseits auch traumatisch grotesk. Ich konnte mich für beides begeistern und trotz des recht bitterbösen Plots herzlich lachen. FAZIT Ein Meisterstück Strunk'scher Erzählkunst. Aber nichts für schwache Gemüter.