Schatten über dem Kongo

Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Prolog: "Die Händler schnappen und entführen Leute aus unserem Volk"

Teil I: Der Weg ins Verderben

1. "Ich werde die Jagd nicht aufgeben"

2. Der Fuchs überquert den Bach

3. Der grandiose Kuchen

4. "Durch die Verträge müssen wir unbeschränkte Verfügungsgewalt erlangen."

5. Von Florida bis Berlin

6. Unter der Flagge des Jachtklubs

7. Der erste Abtrünnige

8. Wo es keine Zehn Gebote gibt

9. Begegnung mit Mr. Kurtz

10. Das Holz, das Tränen vergießt

11. Eine Geheimgesellschaft von Mördern

Teil II: Ein König in Bedrängnis

12. David und Goliath

13. Einbruch in die Küche der Diebe

14. Seine Taten seien in hellstes Licht getaucht!

15. Eine Bilanz

16. "Die Journalisten werden Ihnen keine Quittung geben."

17. Kein Mensch ist ein wildfremder Ausländer

18. Sieg?

19. Das große Vergessen

Im Rückblick: Ein persönliches Nachwort

Dank

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsnachweise

Register

Schatten über dem Kongo

Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen

Buch (Gebundene Ausgabe)

28,00 €

inkl. gesetzl. MwSt.

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Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

25.06.2012

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

508

Maße (L/B/H)

23,3/16,4/3,8 cm

Gewicht

852 g

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

25.06.2012

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

508

Maße (L/B/H)

23,3/16,4/3,8 cm

Gewicht

852 g

Auflage

11. Auflage

Originaltitel

King Leopold's Ghost. A Story of Greed, Terror, and Heroism in Colonial Africa

Übersetzt von

  • Ulrich Enderwitz
  • Monika Noll
  • Rolf Schubert

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-94769-4

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15 Eine Bilanz

Als E. D. Morel, Roger Casement und ihre Bundesgenossen mit den Berichten über einen in Zentralafrika stattfindenden Holocaust endlich die Aufmerksamkeit der europäischen Öffentlichkeit erregten, brachten mehrere Zeitungen und Zeitschriften Bilder von niedergebrannten Dörfern und verstümmelten Leichen, und Missionare berichteten als Augenzeugen von der Entvölkerung ganzer Regionen. Von heute aus stellt sich beim Blick auf diese schriftlichen und fotografischen Quellen sofort eine zentrale Frage: Wie hoch war die Zahl der Todesopfer in Leopolds Kongo? Wir sind in unserer Erzählung an einem Punkt angelangt, wo wir einen Moment innehalten und versuchen können, eine Antwort zu finden.

Die Frage zu beantworten ist nicht ganz einfach. Der Kongo-Freistaat, den König Leopold II. wie sein persönliches Eigentum behandelte, bestand - angefangen von 1885 - offiziell 23 Jahre lang; aber schon vor seiner Gründung starben viele Kongolesen eines unnatürlichen Todes, während erhebliche Teile des königlichen Ausbeutungssystems auch nach dem förmlichen Ende dieses Staates jahrelang weiterexistierten. Der Kautschukboom, der das schlimmste Blutvergießen im Kongo verursacht hatte, begann Mitte der 90er Jahre unter Leopolds Herrschaft, doch er setzte sich noch etliche Jahre nach Beendigung des Ein-Mann-Regimes fort.

Überdies war der Massenmord im Kongo trotz seiner völkermordartigen Ausmaße strenggenommen kein Völkermord. Der Kongo-Staat hat nicht planmäßig versucht, eine bestimmte ethnische Gruppe vom Erdboden zu tilgen. Leopolds Männer waren vielmehr - nicht anders als die Sklavenhändler, die Afrika Jahrhunderte zuvor überfallen hatten - auf der Suche nach Arbeitskräften. Daß beim Herbeischaffen und beim Einsatz der Arbeiter Millionen Menschen starben, war für sie bloß ein Nebeneffekt. Nur wenige Regierungsbeamte führten Statistiken über etwas so Unwesentliches wie afrikanische Menschenleben. Und deshalb erfordert die heutige Schätzung der Opferzahlen allerhand historische Detektivarbeit.

Ein Massensterben dieser Größenordnung geht in aller Regel auf mindestens eine von vier miteinander verquickten Ursachen zurück: 1. Mord; 2. Verhungern, Erschöpfung, Obdachlosigkeit; 3. Krankheit; 4. eine drastisch fallende Geburtenrate. Während der schlimmsten Zeit im Kongo, in den langen Jahren des Kautschukbooms, kamen alle vier Ursachen zusammen.

1. Mord. Regelrechte Mordaktionen waren in Leopolds Kongo zwar nicht die Haupttodesursache, aber sie sind eindeutig belegt. Gelang es einem Dorf oder Bezirk nicht, die Kautschukquoten einzuhalten, oder wehrten sie sich gegen die Zwangseintreibung, dann brachten die Soldaten der Force Publique oder die ?Wachleute? der Kautschukgesellschaften vielfach jeden um, dessen sie habhaft werden konnten. Natürlich bilden die Fälle, in denen Augenzeugen auf einen Berg von Skeletten oder abgehackten Händen gestoßen sind und ihre Berichte überliefert wurden, nur einen Bruchteil der tatsächlich verübten Massaker; sie ähneln wenigen vereinzelten Funken aus einem riesigen Feuersturm.

Die Liste einzelner, aktenkundig gewordenen Massaker läßt sich lange fortsetzen. Das Land war, bisweilen fast buchstäblich, mit Leichen bedeckt. An einer Flußmündung am Tumba-See, so schreibt der schwedische Missionar E.V. Sjöblom, ?sah ich... Leichen in den See treiben, denen die rechte Hand abgehackt worden war, und als ich zurückkam, erzählte mir der Offizier, warum man sie getötet hatte. Wegen des Kautschuks... Beim Überqueren des Flusses sah ich, wie von den Ästen mancher Bäume Leichen ins Wasser hingen. Als ich das Gesicht von dem grausigen Anblick abwandte, sagte einer der schwarzen Unteroffiziere, der uns folgte: ?Das ist gar nichts, vor ein paar Tagen kam ich von einem Gefecht zurück und brachte dem Weißen Mann 160 Hände, die wurden dann in den Fluß geworfen.??

Nicht nur Missionare und Reisende berichteten von den Massenmorden. Viele Offiziere der Force Publique erzählen in ihren Tagebüchern erstaunlich offen von Tod und Zerstörung, die sie hinterließen.
  • Schatten über dem Kongo

  • Einleitung

    Prolog: "Die Händler schnappen und entführen Leute aus unserem Volk"

    Teil I: Der Weg ins Verderben

    1. "Ich werde die Jagd nicht aufgeben"

    2. Der Fuchs überquert den Bach

    3. Der grandiose Kuchen

    4. "Durch die Verträge müssen wir unbeschränkte Verfügungsgewalt erlangen."

    5. Von Florida bis Berlin

    6. Unter der Flagge des Jachtklubs

    7. Der erste Abtrünnige

    8. Wo es keine Zehn Gebote gibt

    9. Begegnung mit Mr. Kurtz

    10. Das Holz, das Tränen vergießt

    11. Eine Geheimgesellschaft von Mördern

    Teil II: Ein König in Bedrängnis

    12. David und Goliath

    13. Einbruch in die Küche der Diebe

    14. Seine Taten seien in hellstes Licht getaucht!

    15. Eine Bilanz

    16. "Die Journalisten werden Ihnen keine Quittung geben."

    17. Kein Mensch ist ein wildfremder Ausländer

    18. Sieg?

    19. Das große Vergessen

    Im Rückblick: Ein persönliches Nachwort

    Dank

    Anmerkungen

    Literaturverzeichnis

    Abbildungsnachweise

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