Körpersprache des Erfolgs

Samy Molcho

Wenn von Erfolg die Rede ist, gehen wir meistens davon aus, dass es sich dabei um das Ergebnis einer aus dem Alltäglichen herausragenden Leistung handeln muss. Aber ist das richtig? Viele Menschen nämlich frustriert dieser Anspruch, weil er sie glauben lässt, im Alltäglichen stecken zu bleiben, obwohl sie gerade im Alltag ihre Erfolgschancen haben.
Bevor wir in eine Auseinandersetzung über den Begriff des Erfolgs kommen, will ich hier deutlich meine Meinung sagen, dass alles, was wir im Kleinen wie im Großen erreichen, als ein persönlicher Erfolg angesehen werden kann. Das beginnt bereits bei der Geburt. Mutter und Kind versuchen gemeinsam, etwas zu leisten. Das Kind muss, noch unbewusst, mitmachen. Die Mutter hilft ihm mit ihren Wehen. Es ist nicht leicht für das Kind, durch den engen Pass zu gelangen, der zum Leben führt, die Geborgenheit im Mutterleib mit einer unbequemen Passage zu vertauschen, nur mit der instinktiven oder vorprogrammierten Hoffnung: Draußen ist mehr Platz, draußen wartet das Licht, draußen ist das Leben! Die Geburt selbst bedeutet Erfolg für beide, für Mutter und Kind.
Nun beginnt ein andauernder Lernprozess für das Neugeborene. Um diesen Vorgang zu begreifen, genügt es, einmal zuzuschauen, wie viel Energie ein Kleinkind in die Koordination zwischen Auge und Hand investiert. Gelingt sie ihm, hat es Erfolg. Alles was wir lernen, alles was wir an Fertigkeiten erwerben, um eine bestimmte Leistung zu erreichen, können wir unserem persönlichen Erfolgskonto gutschreiben. Die Gewohnheit, selbst durchaus wichtig für die Entlastung unserer Kapazität zur Aufnahme neuer Erfahrungen, hindert uns oft daran, noch wahrzunehmen, das alltägliches Tun erfolgreiches Tun ist.
Es ist ja z.B. gar nicht so selbstverständlich, dass wir aufrecht stehen können. Natürlich, wir haben es gelernt, aber wie viel Energie haben wir einst dafür investiert, damit wir schließlich aufrecht stehen konnten, bis wir dies oder anderes richtig machen im Alltag, ohne dass wir es überhaupt noch wahrnehmen. Es genügt eine kleine Störung im Gehirn, im Nervensystem oder in der Motorik, damit wir auf einmal merken, wie wenig selbstverständlich es ist, einfach einen Schritt zu machen, aufrecht zu stehen, die Balance zu halten. Brauchen wir Störungen, um es uns wieder bewusst zu machen, dass keine dieser alltäglichen und gewohnheitsmäßig ausgeführten Aktionen selbstverständlich ist? Aber stehen bleiben können wir auch nicht, es treibt uns weiter. Jeder Erfolg bringt uns in eine Position, die wieder Ausgangssituation ist für den nächsten Schritt. Ich benutze gern einen einfachen Vorgang, um diese Situation zu erläutern: Vor uns ist eine Tür. Wir wollen sie öffnen. Um hindurchzugehen, muss unsere Hand den Türgriff anfassen, sie muss herausfinden, ob der Griff nach unten oder oben gedrückt oder gedreht werden muss, damit sich die Tür öffnet. Wie schwer ist die Tür? Wir nehmen an, sie ist leicht zu öffnen. Wie überrascht sind wir, wenn sie sich nicht gleich öffnen lässt, weil sie zugesperrt ist oder so schwer, dass wir viel mehr Energie brauchen als erwartet, um sie zu öffnen? In jedem Fall leistet die Tür durch ihr Gewicht, durch ihren (momentanen) Ruhezustand einen gewissen Widerstand, der überwunden werden muss, damit wir "rüberkommen", d.h. die Tür öffnen können. Wir erwarten, dass wir hinter der Tür das finden, was wir hinter ihr erwarten, und sind überrascht, wenn etwas völlig anderes dahinter ist. Genauso ist es auch im ganz normalen Leben: Wir erwarten gewisse Entwicklungen als ganz selbstverständlich und sind überrascht, wenn z.B. die Marktsituation eine andere ist, wenn der Kollege anders reagiert, wenn überhaupt anders reagiert wird, als wir es erwartet haben, einfach weil alles gleichzeitig in einem Netz von Beziehungen steht, die wir nicht kennen oder nicht bedacht haben. Das heißt, wir sind glücklich durch die Tür gekommen, wir haben Erfolg gehabt. Aber der nächste Schritt, die nächste Herausforderung steht schon wieder vor uns. Dennoch bleibt es dabei: Jedes kleine Ziel, das wir erreichen, ist ein Erfolg, und die alltäglichsten Betätigungen können einen erfolgreichen Tag ausmachen.
Wir bleiben bei dieser Erkenntnis aber nicht stehen. Dieses Buch beschreibt Körpersprache als Mittel zum Erfolg, und das heißt, Erfolg durch Kommunikation. Es geht also darum, durch Kommunikation Ziele zu erreichen. Zuallererst gilt es, das Beziehungsnetz wahrzunehmen und zu erkennen, dass wir nicht alleine da sind. Um sich innerhalb dieses Netzes richtig bewegen zu können, um auf die unterschiedlichen Reaktionen anderer in diesem Netz eingehen zu können, sind wir auf ein Feedback der anderen auf unsere Aktionen angewiesen. Darüber hinaus ist unsere Fähigkeit und unsere Bereitwilligkeit gefragt, unsererseits auf dieses Feedback der anderen zu reagieren, die aus ihrem eigenen System heraus unseren Aktionen begegnen. Alles das beherrschen wir nicht von selbst, es lässt sich lernen und sollte gelernt sein, wenn wir erfolgreich sein wollen. Das heißt: Wir müssen lernen, das eigene System und seine Wirkung auf uns selbst und auf andere zu verstehen und zu beherrschen.
Um der Bedeutung von Begriffen auf die Spur zu kommen, lohnt es sich fast immer, sich das Wort in verschiedenen Sprachen anzusehen. Im Englischen heißt Erfolg success. Doch interessant wird es erst in der Verbform succeed. To succeed heißt weiterzugehen, ähnlich wie das deutsche Wort >folgen<. Unterstellen wir einmal, dass der Begriff >Erfolg< von folgen kommt. Es hieße dann: Ich folge meinem Ziel, ich folge einer Entwicklung. In der Konsequenz bedeutet das, sich von Punkt zu Punkt weiterzuentwickeln, was mit einiger Sicherheit zum Erfolg führen wird. Im Deutschen heißt das Verb >Erfolg haben<, und damit wird ein Besitzstand angezeigt, jedoch anders als bei succeed kein dynamischer Prozess. Im Hebräischen heißt das Wort für Erfolg hazlacha. Der Wortsinn führt auf >überqueren< zurück, also eine Art von Flussüberquerung. Mir gefällt diese Beschreibung von Erfolg sehr gut, weil das Überqueren eines Flusses von einem zum anderen Ufer den Erfolg in sich birgt. Es ist also ein dynamisches Wort. Eigentlich handelt es sich um eine doppelte Dynamik. Der Fluss, den ich überquere, ist ja selbst ein dynamisches Element, das mich dennoch nicht hindert, von Punkt A zu Punkt B zu gelangen, meinem eigentlichen Ziel.

Buch (gebundene Ausgabe)
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Beschreibung

Samy Molcho, gefeierter Pantomime und erfolgreicher Autor, ist seit über 20 Jahren der Experte für Körpersprache. Mit seinem neuen Buch Körpersprache des Erfolgs legt er die Essenz seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Arbeit vor und zugleich sein persönlichstes Buch: eine meisterhafte Darstellung über das, was Erfolg ausmacht und wie sich Erfolg in der Körpersprache ausdrückt. Mit zahlreichen Fotos und Übungen für alle, die dies für ihr eigenes Leben umsetzen wollen.

Ausstattung: 80 farb. Abb.

Samy Molcho, 1936 in Tel Aviv geboren, ist nach seiner internationalen Karriere als Pantomime und Regisseur als Erforscher und Wegbereiter der Analyse der Körpersprache bekannt. Seine Vorträge, Seminare und Bücher zur Körpersprache (u.a. „Körpersprache der Kinder“, „Körpersprache des Erfolgs“, „Alles über Körpersprache“) trugen das Thema ins allgemeine Interesse und Bewusstsein. 2007 erschien seine Autobiographie „...und ein Tropfen Ewigkeit. Mein bewegtes Leben.“ Samy Molcho ist emeritierter Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 15.08.2005
Verlag Ariston
Seitenzahl 192
Maße (L/B/H) 24,4/18,2/2,5 cm
Gewicht 711 g
Auflage 9
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7205-2656-2

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