Wie der Soldat das Grammofon repariert

Roman. Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2005

(7)
Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und "die Zeit, als alles gut war" wieder herbei.

Aleksandar wächst in der kleinen bosnischen Stadt Višegrad auf. Sein größtes Talent ist das Erfinden von Geschichten: Er denkt gar nicht daran, sich an die Themen der Schulaufsätze zu halten, viel zu verrückt sind die Erntefeste bei seinen Urgroßeltern, viel zu packend die Amokläufe betrogener Ehemänner und viel zu unglaublich die Geständnisse des Flusses Drina. Als der Krieg mit grausamer Wucht über Višegrad hereinbricht, hält die Welt, wie Aleksandar sie kannte, der Gewalt nicht stand, und die Familie muss fliehen. In der Fremde eines westlichen Landes erweist sich Aleksandars Fabulierlust als lebenswichtig: Denn so gelingt es ihm, sich an diesem merkwürdigen Ort namens Deutschland zurechtzufinden und sich eine Heimat zu erzählen. Seinen Opa konnte er damals nicht wieder lebendig zaubern, jetzt hat er einen Zauberstab, der tatsächlich funktioniert: seine Phantasie holt das Verlorene wieder zurück. Als der erwachsene Aleksandar in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt, muss sich allerdings erst zeigen, ob seine Fabulierkunst auch der Nachkriegsrealität Bosniens standhält.

Mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" hat Sasa Stanisic einen überbordenden, verschwenderischen, burlesken und tragikomischen Roman über eine außergewöhnliche Kindheit unter außergewöhnlichen Umständen geschrieben, über den brutalen Verlust des Vertrauten und über das unzerstörbare Vertrauen in das Erzählen.

Portrait
Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt. Vor dem Fest war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem renommierten Alfred-Döblin-Preis sowie dem Preis der Leipziger Buchmesse 2014. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 315
Erscheinungsdatum 28.08.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-630-87242-1
Verlag Luchterhand Literaturverlag
Maße (L/B/H) 21,9/14,4/3,2 cm
Gewicht 555 g
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Kundenbewertungen

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Ein Lieblingsbuch
von Thomas Schüller aus Mannheim am 20.01.2011
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

"Wie der Soldat das Grammofon repariert" erzählt Wunder. Nie hat mich ein Buch in seiner Sprache mehr gefesselt als das Romandebüt von Sasa Stanisic. Ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe mir Bilder ausgemalt. Von einem Leben in Bosnien, an einem Fluss, seinem Fluss der Donau. Erzählte... "Wie der Soldat das Grammofon repariert" erzählt Wunder. Nie hat mich ein Buch in seiner Sprache mehr gefesselt als das Romandebüt von Sasa Stanisic. Ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe mir Bilder ausgemalt. Von einem Leben in Bosnien, an einem Fluss, seinem Fluss der Donau. Erzählte Gegenwartsgeschichte auch über einen Krieg der erst vor kurzer Zeit vor unserer Haustür stattfand, bei unseren Nachbarn und Freunden. Betrachtet durch die Augen eines Kindes. Herzzerreissend und bewegend. Mein absolutes Lieblingsbuch, geschrieben von einem guten Freund. Danke Sasa.

Einfach grandios!
von Dr. Christian Rößner aus Göttingen am 27.11.2009
Bewertet: Taschenbuch

Auf den Stapel der Bücher, die man unbedingt noch lesen möchte (sie haben sicher auch so einen Stapel), lag bei mir letzte Woche ganz oben Sasa Stanisic’ Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, in dem aus der Sicht eines Heranwachsenden der Hintergrund und das Drama des jugoslawischen Bürgerkriegs... Auf den Stapel der Bücher, die man unbedingt noch lesen möchte (sie haben sicher auch so einen Stapel), lag bei mir letzte Woche ganz oben Sasa Stanisic’ Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, in dem aus der Sicht eines Heranwachsenden der Hintergrund und das Drama des jugoslawischen Bürgerkriegs geschildert wird. Und wie so oft habe ich mich geärgert, dass ich dieses wunderbare Buch nicht schon früher gelesen habe! Diese Kriegs- und Familiengeschichte aus der Perspektive eines frühpubertierenden, vorlauten Kindes ist mehr als ein Erinnerungsbuch an die „gute, alte Zeit“, sondern der Versuch, die verlorene Heimat erzählerisch zu bewahren und einen Raum außerhalb der Realität einzuräumen. Die spannende wie grausame Geschichte vom Zerfall Jugoslawiens, dem Wahnsinn des Bürgerkriegs, der Emigration nach Deutschland, aber auch von einer kuriosen und sorglosen Kindheit und Jugend vor dem Krieg ist voller wunderbarer und gleichsam herzergreifender Episoden. Stanisic’ enormes erzählerisches Talents, seine Fabulierwut und Leidenschaft setzen diesem herausragenden Roman die Krone auf. Ein Buch, das man nicht vergessen kann!

Geschichten, Geschichte, Bilder...
von David aus der Karibik am 11.06.2008
Bewertet: Taschenbuch

“Oma möchte vorne fahren, Miki parkt aus, sie sagt: einmal hat Slavko für mich die Wohnung in Blumen gelegt, einmal hat er vor dem ZK, statt einer Rede, Rotkäppchen in einer eigenen Fassung vorgetragen, einmal hat er prophezeit, es kann nicht gut ausgehen, dass wir alle nur Ideale haben,... “Oma möchte vorne fahren, Miki parkt aus, sie sagt: einmal hat Slavko für mich die Wohnung in Blumen gelegt, einmal hat er vor dem ZK, statt einer Rede, Rotkäppchen in einer eigenen Fassung vorgetragen, einmal hat er prophezeit, es kann nicht gut ausgehen, dass wir alle nur Ideale haben, aber keine Alternativen zu den Idealen, und einmal hat er darüber nachgedacht, mich zu betrügen, ich habe es an seinen Küssen geschmeckt.“ Saša Stanišic erzählt Geschichten, erzählte Geschichten, Geschichten des Großvaters, eigene Geschichten, der durchs Leben stolpernde Aleksandar macht Listen und sucht seine Asija, seine Liebe in den Wirren des Krieges… “Ich nenne sie nicht Flüchtlinge, ich sage: Schützlinge. Sie haben ein Mädchen mit so hellem Haar beschützt, dass ich meinen Vater fragen muss, ob es für so ein Hell einen Farbnamen gibt. Er sagt: Schön. Ich sage: Schön ist keine Farbbezeichnung. Schön und ihr Onkel mit dem gezwirbelten Schnurrbart essen mit uns im Keller. Ibrahim wartet, bis Schön mit dem Kopf auf seinem Schoß eingeschlafen ist und erzählt leise von ihrer Flucht. (…) Wir sind die Letzten aus unserem Dorf, Ibrahim überlegt kurz, wir sind die Letzten aus unserem Nichts.“ Geschichten von Bildern, die nicht fertig gemalt werden, von der Großmutter, von der Tante Taifun, die gegen Carl Lewis läuft, Geschichten vom Fluss… “Cika Hasan und Cika Sead angeln nicht aus Vergnügen, sie angeln nicht aus Lust am Kampf mit dem Fisch, sie angeln nicht weil sie Ruhe suchen, sie angeln nicht, weil man nichts Schlechtes denken kann, während man in der Drina angelt. Hasan angelt, weil er mehr Fische fangen will als Sead, Sead angelt, weil er mehr Fische fangen will als Hasan. Ich bin es, der aus all den anderen Gründen angelt, und weil mir gebratener Fisch schmeckt, und ich fange trotzdem mehr als die beiden zusammen.“ Geschichten auch vom Fussballschiedsrichter, der im falschen Moment nach Hause kommt, Geschichten vom “Genossen Tito“, Geschichten, wie richtig und falsch Geschichten sein können. All dies könnte verworren sein, chaotisch und wirr. All dies ist einfach nur das eindringlichste Buch gegen Gewalt und für Menschlichkeit, welches man seit langem gelesen hat. Man könnte endlos zitieren, lässt es aber gut sein. Nur einen noch… “Viele Geschichten kennt Zoran nicht. Das kommt daher, weil ihm im eigenen Leben etwas so Unglaubliches passiert ist, dass er nichts mehr erfinden muss.“ “Wie der Soldat das Grammofon repariert“ – wie viele Sterne gibt es hier zu vergeben? – einfach noch ein paar dazuzählen.



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