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Name:
J.G.
Ort:
Berlin
Rezensionen:
130 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 28

nicht hilfreich: 6

Rang:
257

J.G.s Rezensionen

buch

Marina

Carlos Ruiz Zafón

EUR 9,99 *
auf Merkliste

30

21.05.2013

„Zu viel Grusel in schöner Sprache verpackt”

„Marina“ ist Carlos Riuz Zafons persönlichstes Werk.

„Marina“ handelt von einem Oscar Drai, der in Barcelona in einem Internat lebt. Auf seinen Erkundungstouren entdeckt er verfallenes Haus, in dem Marina mit ihren Vater zurückgezogen lebt. Oscar wird in ihre kleine Familie aufgenommen und er wird Zeuge von Germans Anfällen von Müdigkeit, die mit einer nicht näher benannten Krankheit einhergehen. Oscar ist Marina bester Freund und gemeinsam entdecken sie das Geheimnis eines der ehemals reichsten Männer der Stadt. Viele Menschen erzählen ihnen die Geschichte dieses Michail Kolweniks, doch jeder erzählt sie anders. Und sie kommen dem Geheimnis auf die Spur…

„Marina“ ist mehr als eine Liebesgeschichte, wie es der Klappentext verspricht. Die Komponenten Grusel und Horror nehmen in diesem Werk einen sehr hohen Stellenwert ein. Dieses Buch ist mehr ein Buch für Jugendliche als ein Buch für Erwachsene.

Carlos Riuz Zafon schafft eine sehr düstere Stimmung, die einen auch weniger an die Zeit der 70er Jahre in Barcelona erinnert, sondern eher noch weiter zurückreicht. Man fühlt sich ein Jahrhundert zurückversetzt.

Beeindruckend ist die sehr bildliche Sprache. Sie ist poetisch sobald von Träumen, Stimmungen und Emotionen geschrieben wird, die Wort sich aber klar und prägnant wenn die Handlung dies erfordert. Die Sprache hat dieses Buch besonders lesenswert gemacht.

Insgesamt hat das Buch meinen Erwartungen nicht entsprochen…Ein Hauch zu viel unrealistischem Grusel und Horror verpackt in einer wunderschönen Sprache.

buch

Die Brandmauer

Henning Mankell

EUR 9,95 *
auf Merkliste

30

15.05.2013

„Spannend, aber mit Makeln”

Auch im achten Fall von Wallander geht Henning Mankell wieder sehr sozialkritisch mit Schweden und der Welt um.

Ein Programmierer wird tot vor einem Bankautomaten gefunden. Ein Taxifahrer wird brutal von zwei Mädchen erstochen. Und Wallander schafft es bravourös beide Todesfälle in Verbindung zu bringen. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr verliert sich Wallander in einem Wust von Indizien. Er wittert hinter jeder Ecke eine Intrige, dabei bringt sich der kantige Polizist immer häufiger selbst in Bedrängnis und gerät letztlich sogar in Lebensgefahr.

Wallander ist ein liebenswerter Kommissar mit vielen Ecken und Kanten, an dessen hervorragenden Kombinationsgabe und Launen sich der Leser erfreuen kann. Besonders interessant aufgegriffen ist das Thema, wie die „ältere“ Generation mit dem Thema Computer, Internet, etc. umgeht und ihnen das Leben erschwert. Das ist aber leider auch ein Problem in diesem Buch. Denn aus meiner Sicht ist die Hintergrund-Geschichte um den internationalen Cyber-Terrorismus halbherzig umgesetzt. Ständig werden Experten von den Computern beschrieben und Wallander selbst versteht nur wenig davon. Und dem Leser bleibt vieles auch unbegreifbar.

Leider bleiben viele im Verlaufe der Ermittlungen aufgetauchte Fragen offen. Manches wird auch gar nicht mehr erwähnt. Eher untypisch für Mankell, vielleicht aber auch realistisch…

Mankell war in seinen Wallander-Romanen eigentlich stets gut darin, internationale Verstrickungen und lokale Ermittlungen miteinander in Verbindung zu setzen, aber in "Die Brandmauer" ist die Kombination nicht sehr überzeugend

Grundsätzlich ein sehr spannender Krimi mit einigen Makeln.

40

10.05.2013

„Eine Geschichte mit vielen Facetten”

Das Geheimnis des Kalligraphen von Rafik Schami ist die Geschichte von Hamid Farsi, einem bedeutenden Damaszener Kalligraphen, der eine Reform der arabischen Schrift anstrebt und damit auf viele Gegner trifft.

Im Jahr 1957 verlässt die Ehefrau Nura den Kalligraphen. Sie hegt keinerlei Gefühle für ihren Mann und hat auch keine Einblicke in seine Arbeit. Sie verliebt sich in den Christen und Lehrling Salman. So beginnt das Buch...

Bis der Leser auf den Kalligraphen trifft, muss er sich ein wenig gedulden. Zu Anfang werden viele Lebensgeschichten aufgegriffen. So die auch von Nura und Salman, zunächst natürlich getrennt voneinander. Der Leser lernt die meisten Figuren bis ins kleinste Detail kennen. Warum die Frau dieses berühmten Mannes verschwindet und welche Pläne der Kalligraph anstrebt, werden erst nach und nach aufgelöst.

Der Leser erhält einen wirklich schönen Einblick in das Alltagsleben in Damaskus der 50er Jahre und erlangt ein Gefühl für die Kunst der Kalligraphie. Wirklich beeindruckend... Die Figuren des Buches sind vielfältig und äußerst glaubwürdig und liebenswert. Bestimmte Charaktere wachsen einem ans Herz, man spürt Hass oder auch Zuneigung. Rafik Schami hat einen sehr beeindruckenden Erzählstil. Er erzählt in scheinbar schillernden Farben und schafft eine malerisch orientalische Atmosphäre. Er geht meist nicht chronologisch vor, sondern er springt in den Zeiten, was am Anfang ein bisschen Verwirrung stiftet. Man gewöhnt sich aber schnell daran.

Ich bin gespannt auf weitere Bücher dieses Autoren.

50

01.05.2013

„Einfach wunderbar”

Natasa Dragnic hat mich mit ihrem wundervollen Roman vollends begeistert. Dieser Roman ist so viel mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte.

Der Roman handelt von den Lebenswegen dreier Schwestern. Von der ältesten Schwester, Roberta, die in San Francisco eine erfolgreiche Chirurgin ist, von der sexhungrigen, in Italien lebenden Bankerin Lucia und von der in München lebenden Übersetzerin Nannina.

Alle drei verlieben sich über die Jahre in ein und denselben Mann, Alessandro Lang. Doch nur eine wird ihn heiraten. In der Ich-Perspektive berichtet eine der Schwestern, dass sie Alessandro heiraten wird und wie der Tag verläuft. Und dieser Erzählstrang durchzieht den gesamten Roman.

Ein weiterer Erzählstrang, ebenfalls in der anonymen Ich-Perspektive, beschreibt das Leben der Familie und die Erkrankung der Eltern bis zu deren Tod. Sehr ergreifend…

Der weitere Erzählstrang, der den Großteil des Buches einnimmt, beschreibt die einzelnen Werdegänge und Schicksale der Schwestern und deren Gefühlen zu Alessandro Lang, den man eigentlich nicht richtig kennen lernt und über den man sich auch nicht wirklich ein Urteil bilden kann.

Dieses Buch ist nicht nur eine Liebesgeschichte, denn die Liebesgeschichte als solches tritt eher in den Hintergrund. Es geht eher um den Einfluss dieses Mannes auf das Leben der drei Schwestern und deren Verhältnis zueinander. Auch die Liebe der Schwestern zu ihren Eltern und deren Pflege im Krankenzustand der Eltern steht mehr in Vordergrund.

Die Sprache von Natasa Dragnic ist leicht und einfühlsam. Sie nutzt wenige Worte und es steckt so viel mehr ungeschriebenes dahinter. Man erkennt, dass das Leben eines Menschen aus vielen Aufs und Abs besteht, so wie das eigene Leben und man denkt darüber nach.

Interessant ist das Einfließen von geschichtlichen Ereignissen in diesem Roman, fand ich sehr gelungen.

Natasa Dragnics "Immer wieder das Meer" ist ein schöner, trauriger, nachdenklich stimmender Roman über Familie, Liebe und das Leben.

buch

Jesabel

Irène Némirovsky

EUR 9,99 *
auf Merkliste

40

01.05.2013

„Sehr aktuell”

Der Roman beginnt im Gerichtssaal, in dem die zu diesem Zeitpunkt 60-jährige Gladys Eisenach angeklagt wird ihren 20-jährigen Liebhaber ermordet zu haben.

Gladys Eisenach ist eine reiche und wegen ihrer Schönheit umschwärmte Frau, die diesen Einfluss auf die Männer in vollen Zügen genießt. Und das bis hin ins hohe Alter. Sie hat eine Tochter, die sie im Zustand eines Kindes hält, weil sie nicht ertragen kann, dass sie eine erwachsene Tochter hat.

Ständig wird sie von der Angst heimgesucht nicht mehr zu den jungen umschwärmten Menschen zu gehören.

Wirklich dramatisch wird es, als ihre Tochter heiraten möchte. Sie verbietet die Hochzeit, der junge Mann stirbt im Krieg und die Tochter stirbt bei der Geburt ihres Kindes. Nur ihr Enkelsohn überlebt, den sie auch sogleich weggibt.

Es vergehen die Jahre und auch mit steigerndem Alter ändert Gladys nichts an ihrem Lebensstil. Doch eines Tages taucht ihr Enkel auf…

Ein sehr spannender auf hohem Niveau geschriebener Roman, der genauso in unsere heutige Zeit passt. Die Angst vor dem Altern und Altaussehen ist heutzutage genauso präsent wie damals. Aber auch aus anderer Perspektive ist das Buch aktuell. Man geht über Leichen, um bestimmte Ziele zu erreichen, bspw. um Erfolg im Beruf zu haben oder wegen Geld.

Die Bücher von Irène Nemirovsky sind eine absolut lesenswerte Wiederentdeckung.

Absolut empfehlenswert.

buch

Mrs Dalloway

Virginia Woolf

EUR 8,95 *
auf Merkliste

40

21.04.2013

„Mrs Dalloway”

„Mrs Dalloway“ ist das bedeutendstes Werk von Virginia Woolf und einer sehr wichtiger Roman seiner Zeit.

Äußerst gelungen beschreibt Virginia Woolf einen Tag im Leben von Clarissa Dalloway, einer 52-jährigen Frau der Upper-Class in der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen in London, die eine Abendgesellschaft vorbereitet. Und während dieser Vorbereitungen denkt sie über ihr Leben und die Liebe, sowie verpasste Chancen und Gelegenheiten nach.

„Mrs Dalloway“ ist ein Buch, was sich in keiner Weise einfach liest und ist sehr mühsam zu durchschauen. Dennoch sind die tiefgründigen Einblicke der einzelnen Protagonisten sehr lohnenswert. Geduld wird belohnt…

30

08.04.2013

„Die Welt auf dem Kopf”

Milena Agus erzählt die Geschichte der Bewohner in einem Haus in der sardischen Hafenstadt Cagliari. Im obersten Stockwerk wohnen Mr. und Mrs. Johnson, ein damalig berühmter Violinist und seine Ehefrau, in der Mitte die Ich-Erzählerin, eine Studentin, und unten wohnt die herzkranke Anna mit ihrer studierten, arbeitslosen Tochter Natascha.

Als Mrs. Johnson ihren Mann verlässt, benötigt dieser eine Haushaltshilfe und stellt Anna ein, die sich in ihn verliebt und von einem besseren Leben träumt. Nach kurzer Zeit zieht der Sohn Johnson junior mit seinem Sohn in das obere Stockwerk. Als dann auch noch Mrs. Johnson zurückkehrt, muss Anna wieder in das untere Stockwerk ziehen.

Mittelpunkt des Buches ist das Leben der einzelnen Bewohner und deren Schicksale. Die Bewohner lernen sich nach und nach besser kennen und können auch nicht mehr ohne einander leben. Sie werden im gewissen Sinne eine Familie.

Es ist ein Buch über das Altwerden, die Liebe in verschiedenen Lebensphasen und über das Zusammenleben von äußerst unterschiedlichen Charakteren mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Träumen.

40

04.04.2013

„Ein wunderbarer Roman”

Der Roman von Siri Hustvedt „Was ich liebte“ erzählt die Geschichte zweier Künstlerfamilien in New York.

Der Roman ist in drei Teile geteilt:

Der erste Teil beschreibt das Kennenlernen und den Beginn einer sehr innigen Freundschaft vom Ich-Erzähler und Kunsthistoriker Leo Hertzberg mit dem damalig noch unbekannten Künstler Bill Wechsler. Beide Ehepaare, Leo und Erica sowie Bill und Lucille, ziehen in das gleiche Haus übereinander und bekommen in etwa zeitgleich einen Sohn. Leo wird Vater von Matthew und Bill von Mark.

Der erste Teil „plätschert so vor sich hin“. Es passiert nichts wirklich aufregendes, außer dass sich Bill und Lucille eher unspektakulär trennen und Bill sich seine große Liebe zu Violet eingesteht. Der Leser fragt sich eher, wann beginnt die Geschichte endlich…Alles strahlt von soviel Harmonie. Und dann der erste große Schock…

Der zweite Teil setzt sich mit diesem „Schock“ auseinander und der damit verbundenen Veränderung der Leben der Protagonisten und verdeutlicht die enge Beziehung von Leo zu Bill…

Im dritten Teil nimmt nochmals eine andere Wendung ein. Hier spielt die Entwicklung innerhalb der Kunstszene eine große Rolle, aber auch die Entwicklung des Sohnes von Bill nimmt eine entscheidende Rolle ein, der sich als ständiger Lügner entpuppt und in die kriminelle Szene abdriftet. In diesem Teil stehen auch das Leben und das Leiden von Leo im Vordergrund.

Auf sehr eindrucksvolle Weise beschreibt Siri Hustvedt die Kunstszene in New York und die doch erschreckende Entwicklung von Kunst. Die Figur „Leo Hertzberg“ geht dem Leser sehr nahe, man fühlt sich eins mit ihm und leidet mit ihm. Dieses Buch gibt viel Raum zum Nachdenken über das Erwachsenwerden, die Liebe und die Erziehung von Kindern.

Ein wirklich wunderbarer Roman…

40

13.03.2013

„Paul Gauguin”

Silbermond und Kupfermünze erzählt die Lebensgeschichte von Paul Gauguin alias Charles Strickland angefangen in seinen mittleren Jahren als Ehemann und Vater bis hin zu seinem Tod auf Tahiti.

Sehr interessant und spannend liest sich dieses Werk. Sehr geschickt flechtet Somerset Maugham sich selbst in die Handlung ein. Dabei lässt er den Leser an den ihm von den Protagonisten anvertrauten Gedanken und Handlungen als Beobachter teilhaben. Gleichzeitig begeistert er den Leser mit seinen Reflexionen und Gedanken. Der Leser sollte dieses Buch nicht als Tatsachenroman betrachten, denn es gibt „nur“ die wesentlichen Züge von Gauguins Leben den Anfängen seiner Entdeckung wieder.

Keine klassische Biographie, sondern eine sehr interessante Lebensgeschichte

30

13.03.2013

„Der blaue Engel”

Professor Raat ist Gymnasiallehrer lebt einzig und allein für seinen Lehrberuf und wird von seinen Schülern Unrat genannt, was er jedoch nie beweisen kann. Allen die ihn so rufen, versucht er das Leben folglich so schwer wie möglich zu machen – zumindest die schulische Laufbahn.

Auf drei Schüler hat er es besonders abgesehen: auf den adligen von Ertzum, auf den frechen Kieselack und den klugen Lohmann. Lohmann schreibt in seinem Aufsatzheft von der barfüßigen Künstlerin Fröhlich. Unrat macht diese Künstlerin ausfindig und möchte sie eigentlich dazu bringen die Stadt zu verlassen. Doch dann ändert er seinen Plan: Er weicht nicht mehr von der Seite der Künstlerin, damit sie den Kontakt zu den drei Herren vermeidet.

Es kommt soweit, dass die Rosa und Unrat heiraten und er seinen Lehrerberuf aufgeben muss. Somit wird er zum Gespött der Stadt. Doch vor dem Hintergrund des Rotlichtmilieus entwickelt der Tyrann die Idee seine spießigen Mitmenschen aus Rache zum Laster zu bringen.

Das Buch ist wirklich sehr gut geschrieben. Aufmerksamkeit sollte man aber schon mitbringen, da der Satzbau eher ungewöhnlich ist. Besonders faszinierend ist die Schilderung der Charaktere von Unrat und Lohmann. Wird am Anfang Unrat als eher lächerlich und verächtlich dargestellt, so bekommt der Leser nach und nach Mitleid mit Unrat…

Ein wirklich lesenswerter Klassiker, wenn auch an einigen Stellen etwas langatmig...

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