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Name:
Andrea Koßmann
Ort:
Marl
Rezensionen:
243 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 155

nicht hilfreich: 51

Rang:
107
Über mich:

, Autorin, Rezensentin, Redakteurin

Andrea Koßmanns Rezensionen

buch

Kaltduscher

Matthias Sachau

EUR 8,95 *
auf Merkliste

50

01.05.2009

„Klopapier als Lesezeichen!”

Krach ist 24 und lebt mit Gonzo, Francesco und Reto (der einzieht, als Hendrik auszieht) in einer typischen Männer-WG. Bei den Frauen hat er nicht viel Glück, obwohl es Amelie gibt, die er anbetet und Julia, die er gern mal schlägt. Also nicht wirklich. Doch, wirklich. Aber vielleicht nicht immer absichtlich.

Er ist im Prinzip ein stinknormaler Mann. Spielt Fußball, singt in einer Band, und besitzt nur drei Hosen. Seine Lieblingshose (und die trägt er JEDEN Tag) hatte er vor einiger Zeit in einem Berufsbekleidungsladen gekauft. Und dann gibt es noch eine Jogginghose und eine Anzugshose. Also hat er eigentlich nur eine einzige Hose, denn mit zweien von ihnen kann man nun mal nicht durch den Alltag gehen, ohne vielleicht ab und zu schief von der Seite angeschaut zu werden. An sich gäbe es auch keinerlei Probleme mit dieser einen Lieblingshose, wenn diese nicht eines Tages kaputt gehen würde. Was nun? Ab in den Laden und eine neue kaufen? Das wäre für Krach zu einfach und so lässt er sich begleiten. Von einer Frau. Und ist genervt. Es ist nun mal nicht so einfach, mit Frauen einkaufen zu gehen. Und was sonst noch alles in Klamottenläden passieren kann? Ich verrate es Euch nicht. Aber ich sag Euch gleich eines: Euch werden vor Lachen die Tränen kommen!

Und was hat verdammt noch mal der schreckliche Vermieter Herr Wohlgemut mit den Russen am Hut? Und warum verhält sich ein Hund so komisch, wenn man bestimmte Dinge tut? Und was machen Sesamstraßenbewohner in diesem Buch? Und wie wird die Geschichte enden? Fragen, die am Ende des Buches natürlich beantwortet werden.

Während Matthias Sachau in seinem Debüt-Roman ‚Schief gewickelt’ von den Problemen erzählt, mit denen man als Vater konfrontiert wird, so schildert er in seinem zweiten Roman eher das Leben derer, die vielleicht eines Tages mal Vater werden wollen. So Gott will. Oder die Frauen. Denn das Leben mit den Frauen scheint ja nicht immer einfach zu sein. Aber lustig!!

Mit völlig trockenem Humor (und den habe ich schon bei Tommy Jaud geliebt!) hat der Autor mich von Anfang an verführt. Nie kommen seine Pointen verkrampft rüber. Alles ist stimmig und am tollsten sind die Dialoge, bei denen sich die Jokes quasi die Klinke in die Hand geben.

Als Lesezeichen empfehle ich übrigens ein paar Blätter Toilettenpapier, denn obwohl Ihr das Buch kaum noch aus der Hand legen werdet (und deshalb gar kein Lesezeichen braucht), werdet Ihr hoffentlich auch nie in die Situation geraten, die auf dem herrlichen, saukomischen Cover des Buches zu sehen ist. Das Lesezeichen für den Notfall also. Und Ihr könnt Euch am Ende des Buches auch überlegen, ob Ihr eher so die Klopapier-Domina-Fraktion seid oder doch eher das Heimchen am Herd. Also ich persönlich tendiere zur ersten Variante. Und gleichzeitig gehöre ich wohl eher der Warmduschergruppe an.

Für mich ist dieses Buch einfach nur SCHALKE 9.645.875.924!!

Wer die Bücher von Jaud und Uschmann in seinem Bücherregal stehen hat, sollte unbedingt die Bücher von Sachau daneben stellen. Damit nix umkippt! Chapeau!!

50

26.04.2009

„Himmlisch schön!”

Wer glaubt, nach dem Tod einen geruhsamen, ewigen Schlaf absolvieren zu können, hat sich gewaltig geschnitten. Zumindest, wenn wir dem neuen Roman von Jana Voosen Glauben schenken können.

Viel zu früh stirbt die Protagonistin Lena und hinterlässt Michael, den sie eigentlich kurz vor ihrem Tod heiraten wollte. Im Himmel angekommen, darf sie sich aber nicht auf ihren vier Buchstaben ausruhen, sondern lernt neue Menschen (die man in diesem Fall 'Seelen' nennt) kennen und muss auch die ein oder andere Aufgabe lösen. Ab und zu wird sie auf die Erde geschickt, um Sterbende 'in Empfang' zu nehmen und sie auf das Leben im Himmel vorzubereiten.

Auch alte Verwandte trifft Jana im Himmel wieder und was wir hier auf der Erde 'shoppen' nennen, ist im Himmel natürlich komplett anders. Allein die Idee, sich sein Umfeld auf so einfache Art und Weise gestalten zu können, ist klasse beschrieben. Allein die Macht der Gedanken ist dazu fähig, sich alles herbeizuzaubern, was man möchte.

Herrlich unkompliziert geht Jana Voosen in diesem Buch mit den Themen Tod, Liebe und den Glauben an ein Leben danach um. Das Buch lässt sich locker leicht lesen und lädt ein zu einem sonnigen Nachmittag auf dem Balkon. Ich habe geschmunzelt, gekichert, mitgefiebert und am Ende hatte ich Tränen in den Augen.

Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin, denn bisher haben mir ALLE gefallen!

2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

09.04.2009

„Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern”

Zwei Wochen nach dem Selbstmord von Hannah bekommt Clay ein Päckchen nach Hause geschickt. In diesem befinden sich sieben Spielkassetten, die mit der Stimme von Hannah besprochen sind. Hannah erklärt gleich zu Anfang, dass jeder Zuhörer, der seinen Namen auf diesen Kassetten hört, einen Teil dazu beigetragen hat, dass sie sich das Leben nahm.

Ebenso verweist Hannah auf eine Karte, die einige Zeit zuvor an den Zuhörer dieser Kassette per Post eingegangen ist. Auf dieser Karte befinden sich Kreuze. Kreuze, die Orte markieren, die wichtig für die Handlung sind und an die sich Clay begeben wird.

Obwohl der Ich-Erzähler zunächst an einen üblen Scherz glaubt, klebt er direkt förmlich an den Kassetten und somit an den Erzählungen von Hannah. Genau wie der Leser will er der Sache auf den Grund kommen. Er will wissen, was all das zu bedeuten hat und natürlich warum Hannah sich das Leben nahm.

Warum erwähnt Hannah Namen seiner Mitschüler und warum haben sie alle etwas mit ihrem Tod zu tun? Haben sie schlimme Sachen mit Hannah gemacht oder haben sie einfach Dinge getan, die im Nachhinein den berühmten Rattenschwanz hinter sich herzogen und somit eine Lawine ausgelöst haben?

Die Kassettenerzählungen von Hannah sind in dem Buch zum besseren Verständnis in Kursivschrift gehalten, die Gedanken von Clay sind in normaler Schrift gedruckt. Immer wieder wechselt der Autor zwischen der Erzählung von Hannah und den tatsächlichen Erlebnissen von Clay hin und her. Aber zu keiner Zeit wirkt dieses Ping-Pong-Spiel verwirrend, sondern man taucht regelrecht in das Geschehen ein.

In der Geschichte wird Clay in die vergangenen letzten Wochen gezogen, als Hannah noch lebte. Durch ihre Schilderungen kann er sich an einzelne Personen und Handlungen erinnern, die ihm damals vielleicht nebensächlich erschienen, die jetzt aber auf einmal eine ganz andere Bedeutung für ihn haben. Er sieht viele Dinge auf einmal klar, die damals unverständlich war. Der Autor legt sehr viel Empathie in die Beschreibung der Protagonistin Hannah. Schon sehr schnell kann der Leser nachempfinden, wie sie sich gefühlt haben muss. Gerade zum letzten Drittel hin mußte ich ein paar mal tief durchatmen und kämpfte mit den Tränen, weil mich die Geschichte sehr bedrückte.

Der Autor hat es geschafft, mich direkt von der ersten Seite in seinen Bann zu ziehen und dieser Bann hat nicht eine Sekunde nachgelassen.

Eigentlich ist dieses Buch im Genre der Jugendbücher angesiedelt, aber das sollte den erwachsenen Leser absolut nicht abschrecken. Denn die Geschichte von Hannah könnte in jeder Altersklasse stattfinden und zwar immer dann, wenn mehrere Menschen zusammenkommen, die viel zu wenig voneinander wissen, aber dennoch meinen, sich ein Urteil über andere Menschen machen zu können. Das Buch macht betroffen, regt zum Nachdenken an und macht zum großen Teil auch traurig.

Dieser Debütroman des Autors hat mich absolut überzeugt und für mich ist dieses Buch ein Geheimtipp, der nicht einen Tag länger geheim bleiben sollte. Kauft dieses Buch und taucht zusammen mit Clay in den Strudel der menschlichen Emotionen und lasst Euch gefangennehmen von der Spannung, die Euch die Kehle zuschnüren wird.

6 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Obsession

Simon Beckett

EUR 9,99 *
auf Merkliste

50

08.04.2009

„Wer jagt wen?”

Nach dem Tod seiner Ehefrau Sarah findet Ben Murray beim Ausräumen des Kleiderschrankes ausgeschnittene Zeitungsartikel, die seine Frau anscheinend heimlich aufgehoben hat. In diesen Zeitungsartikeln befinden sich Berichte über die Entführung eines kleinen Jungen, der genau an dem Tag verschwand, an dem Sarahs Sohn Jacob, Bens Stiefsohn, geboren wurde.

Warum bewahrte sie diese Zeitungsartikel auf? Und ist es Zufall, dass dieser Junge an genau dem Tag entführt wurde, an dem Jacob geboren wurde? Hat seine Frau das Kind entführt? Sie war doch selber schwanger, hatte aber ein Frühchen zur Welt gebracht. Ben stößt bei seinen eigenen Ermittlungen auf Ungereimtheiten und entschließt sich, mittels eines Detektivs der ominösen Sache auf die Spur zu kommen. Unter einem Vorwand beauftragt er den Detektiv, die eventuell wahren Eltern seines Stiefsohnes zu finden. Doch spielt der Detektiv Bens Spiel mit oder handelt er eigenmächtig und arbeitet zudem hinter dem Rücken von Ben, um dem wahren Grund seiner Ermittlungen auf die Spur zu kommen?

Ein Spiel der Obsessionen beginnt und die Suche nach der Wahrheit entwickelt sich zu einem Verwirrspiel, bei dem der Leser sich irgendwann fragt „Wer jagt wen und warum?"

Simon Beckett schrieb dieses Buch bereits im Jahre 1997 und aufgrund des Erfolges seiner David-Hunter-Serie wurde dieses Buch in Deutschland neu aufgelegt. Vergleichen kann man dieses frühe Werk mit seinen aktuellen Büchern nicht, denn die Thematik ist eine völlig andere. Während sich die Hunter-Thriller um einen forensischen Anthropologen drehen, geht es in 'Obsession' um die Auflösung eines Kriminalfalls. Doch eines haben beide Bücher gemeinsam: Die Spannung, die während des ganzen Buches zu finden ist. Einmal in den Sog der Geschichte gezogen, kann man das Buch nicht mehr zur Seite legen, denn man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und wie auch bei den Hunter-Büchern erkennt der Leser auch in diesem Werk, dass der Showdown am Ende noch mal das I-Tüpfelchen des Ganzen ist.

Während Beckett seine aktuellen Thriller sehr blutig und ekelerregend schreibt, legte er in 'Obsession' den Wert mehr auf die Schilderung des Autismus, an dem Jacob leidet und dem eventuellen Entführungsfall. Sehr gut recherchiert beschreibt er das Leben des kleinen Jungen in seiner eigenen Welt und das Fegefeuer, in welches Ben gerät, als er dem Schicksal des kleinen Jungen auf die Spur kommen will. Auch bei dem Versuch, den Fall aufzuklären, verlässt sich Beckett in diesem Buch mehr auf psychologische Aspekte, denn auf blutige.

Die Idee, dieses Buch (und ein weiteres, welches sich 'Flammenbrut' nennt und im Herbst 2009 in Deutschland erscheinen wird) erneut aufzulegen, war das Beste, was dem Verlag passieren konnte, denn so hat der Leser keine langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Büchern. Beckett macht süchtig und das merkt man direkt nach dem ersten Buch. Nur, wie oben bereits beschrieben, sollte man die neu aufgelegten Büchern nicht mit den aktuellen Büchern vergleichen, denn der Schreibstil des Autors hat sich in den mehr als 10 Jahren natürlich auch sehr verändert und vor allem weiterentwickelt. Also sollte man ‚Obsession’ für sich sehen und für sich gesehen gefällt es mir ausgesprochen gut.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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