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27.02.2012

„Vom Ende einer Geschichte”

Zu den größten Lesevergnügen des letzten Jahres gehört zweifelsohne dieses kleine, aber feine Büchlein aus dem Hause Kiepenheuer und Witsch. Kaum nach dem Lesen der ersten Seiten bin ich schon in den Erinnerungen Tony Websters gefangen.
Diese eine Geschichte, die Tony erzählt, beginnt in den Tagen seiner Schulzeit, als Adrian Finn, der schlagfertige Freigeist, in seine Klasse kommt.
Vom ersten Tag an wird Adrian ungefragt zum Vorbild für Tony und seine Freunde. Kenntnissreiche Diskussionen mit dem Geschichtsprofessor und ein stets selbstbestimmtes Handeln, das nie egozentrische “Zurschaustellung” ist, sondern nach Aufforderung durchdachte und reflektierte Meinungsäußerung, erstaunen Tony und seine Jungs. Bis hin zu dem Tag, an dem Adrian seine anscheinend letzte selbstbestimmte Tat vollbringt – den Freitod.
Tony ist mittlerweile im Rentenalter und blickt auf ein ereignisloses Durchschnittsleben zurück, als er das Schreiben einer Anwaltskanzlei erhält, in dem ihm eine kleine Erbschaft und das Tagebuch des längst verstorbenen Adrian versprochen wird.
Für Tony stellt sich nun die Frage, ob Adrian und all seine Erinnerungen an jene Zeit wirklich dem entsprechen, was Tony als real erscheint, oder ob am Ende das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe ist wie das, was man beobachtet hat.
In einer wunderschönen und zugleich direkten Sprache lässt Julian Barnes mich als Leser die Erinnerungsverwirrungen seines Erzählers mitempfinden und auch noch lange nach den letzten Seiten beschäftigt mich diese Geschichte und all die Fragen, die sie aufwirft.