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Mario Pf. aus Oberösterreich Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 356 (ansehen)


Meine Bewertungen

Die Geschichte der CIA

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.12.2008

Tim Weiner ist als zweifachen Pulitzer-Preis-Träger mit seinem Werk "Legacy of the Ashes: The History of the CIA" ein mit dem National Book Award ausgezeichneter New York Times Bestseller gelungen. Dazu hat er sich intensiver Recherchen und zahllosen Interviews mit Insidern und 10 ehemaligen CIA-Direktoren bedient, um die Geschichte der Central Intelligence Agency von 1945 bis 2007 nachzuzeichnen. Es handelt sich hierbei um die erste frei erhältliche CIA-Chronik anhand von Primärquellen wie den oben erwähnten Interviews und teils erst kürzlich freigegebenen Dokumenten des US-Bundesarchivs NARA (National Archives and Records Administration).

"In diesem Buch geht es um die ersten 60 Jahre des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA). Geschildert wird, dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen. Dieses Scheitern stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten dar.", schreibt der Autor auf Seite 19 selbst und nach der Lektüre wird man ihm wohl auch gegen anfängliche Ablehnung zustimmen. Gegründet um ein Zweites Pearl Harbour zu verhindern, war die Arbeitsweise der CIA seit jeher kurzsichtig und kontraproduktiv, wie der 11. September 2001 (nicht 1998 wie es im Vorwort der deutschen Ausgabe fälschlicherweise heißt) bewiesen hat. Einer der größten Erfolge der CIA, der mythisch verklärt zu einer Erfolgsgeschichte hochstilisiert wurde, hat die nationale Sicherheit erschüttert. Einst belieferte die CIA afghanische Mudschaheddin mit Waffen für den Dschihad gegen die Sowjetunion, Jahrzehnte später richteten diese ihre Waffen gegen den einstigen amoralischen Verbündeten. Das Zweite Pearl Harbour wurde Realität und im Zuge des ausgerufenen "War on terrorism" ermöglichten nebulöse CIA-Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak und grundlegende Intentionen von ehemaligen Regierungsmitgliedern Bush seniors einen Krieg der weit über sein ursprüngliches Ziel hinaus zur Besatzung führte und nicht von ungefähr als Zweites Vietnam angesehen wird.

An Gründen zu einer Reform der Agency hat es nie gemangelt, die Generalinspekteure lieferten immer wieder untrügliche Beweise für die Fehler des Systems, doch verschwanden diese Berichte nicht selten in den Schubladen der Direktoren. Tim Weiners "CIA: Die ganze Geschichte" ist ein Plädoyer für die längst überfällige Reform, damit Szenarien wie aus "Unser Mann in Havanna" nicht mehr länger der traurigen Realität entsprechen mögen. Es ist ein geniales Buch, das kaum ein gutes Haar an der Agency lässt und zugleich eine Geschichte von Amerikas schmutzigen Kriegen abgibt. Über den geschichtlichen Kontext ist es dem Leser dank dieses Werkes möglich so manche Entwicklungen im Zuge von 9/11 besser, wenn nicht überhaupt erst, zu verstehen.

Fazit:
Ein sehr fundiertes Werk bei dem es wert ist jede Seite gelesen zu haben. Informativ und spannend erzählt Tim Weiner die Geschichte des bekanntesten Geheimdienstes der Welt.

4 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
CIA
von Tim Weiner
(8)
Buch (Taschenbuch)
12,95

Medien in Österreich

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 22.09.2008

"Was wir über Politik wissen, haben wir fast ausschließlich aus den Massenmedien erfahren. Blättert man Zeitungen, stößt man von der ersten bis zur letzten Seite auf Aussagen von Politikern und Politikerinnen. Auch in den Zeitschriften und Illustrierten sind sie präsent. Im abendlichen Fernsehen verstärken sie unseren Eindruck, dass sie Tag und Nacht unterwegs sein müssen. Sie eröffnen Veranstaltungen, sie halten Festreden und machen Pressekonferenzen. Wir wissen, was sie gerne essen, welche Hobbys sie haben und vieles andere.
In der Regel kennen wir unsere Politiker und Politikerinnen nicht persönlich, wir sind deshalb auf Informationen in den Massenmedien angewiesen. Wir gehen davon aus, dass der Eindruck, den uns die Massenmedien über unsere Politiker und Politikerinnen vermitteln, der Realität entspricht. Ist das wirklich so?"
- Die Herausgeber Clemens Hüffel, Fritz Plasser und Dietmar Ecker im Vorwort (Seite 7)

Band 2 der vom Holzhausen Verlag herausgegeben Reihe "1x1 der Politik" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen und wird dabei zu einem durchaus vorzeigbaren Büchlein über österreichische Medien und ihr Verhältnis zur Innenpolitik. Mit Publikationen wie dieser kann der Ära Gusenbauer, welche vor allem mit der künftigen Verlängerung der Legislaturperioden auf 5 Jahren und Wählen mit 16 gerade im Bereich der Demokratie sehr viel bewegt hat, doch noch etwas gutes abgewonnen werden. "Entscheidend bist Du" nennt sich die initiierte Demokratie-Kampagne, welche vor allem Jungwähler wieder für die Demokratie begeistern soll und welche von den Publikationen der Reihe "1x1 der Politik" ideal ergänzt wird.

Wie wenig die im Buch formulierten Ideale tatsächlich erfüllt werden, sei dahingestellt. Es ist leider nicht unbedingt Aufgabe des Buchs Kritik an der Ist-Situation zu üben, sondern möglichst diplomatisch einen Überblick zu bieten. Wirkliche politische Bildung muss man sich schlussendlich selbst erwerben, das ehemals Staatsbürgerkunde bekannte Unterrichtsfach darf zumindest laut Lehrplan nur eine Art Gebrauchsanweisung oder Beipackzettel für die parlamentarische Demokratie liefern, in der wir leben.

Aber gerade "Medien und Politik" schafft es durch einige doch sehr interessante Einsichten und vor allem statistischen Material der Media-Analyse 2007 sich einen sehr repräsentativen Charakter zu verschaffen. Das Bändchen eignet sich durchaus auch als Nachschlagewerk und trotz der Teenager-Zielgruppe, welche durch einen sehr simplen Schreibstil erreicht werden soll, könnte das Werk für viele ältere Personen interessant sein, erlaubt es doch einen grundsätzlichen Einblick in die österreichische Medienlandschaft.

Fazit:
Eine empfehlenswerte, wenn auch leicht überteuerte und für eine jugendliche Zielgruppe gedachte Einführung in die österreichische Medienlandschaft und ihr Verhältnis zur Politik

10 von 14 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Medien und Politik
von Patricia Käfer
(1)
Buch (Taschenbuch)
7,00

Der enttäuschte Hoffnungsträger

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Als Rudolph Franz Carl Joseph "des Kaiserthumes Österreich Kronprinz und Thronfolger, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Gailizien, Lodomerien und Illyrien. Erzherzog von Österreich. Ritter des Goldenen Vlieses" am 21. August 1958 geboren wurde, war die Revolution von 1848 noch lange nicht vergessen. Es war der Verdienst von Kaiser Franz Josephs "braven Armee" und der verbündeten Russen gewesen, dass der damals noch junge Monarch die Macht im Staate überhaupt behalten konnte. Die nach wie vor hohen Militärausgaben belasteten die Staatskasse sehr, doch der Kaiser fühlte sich der Armee und seinen Generälen zu Dank verpflichtet, was mitunter ein Grund für die Ernennung des neugeborenen Kronprinzen zum Offizier gewesen sein dürfte. Mit dem ersten Tag seines Lebens schien Rudolphs Leben durch seinen Vater damit vorbestimmt, er sollte Offizier werden...

"Kronprinz Rudolf - Ein Leben" ist Brigitte Hamanns Meisterwerk, jenes Buch, das in zahllosen Auflagen die gängigste Rudolf-Biografie darstellt und Eingang in viele andere Werke gefunden hat. Aber das Werk ist zugleich auch Ausgangspunkt für spätere Werke der freien Autorin, wie Hitlers Wien. Die politischen Strömungen, die Lebzeiten Kronprinz Rudolfs entwickelt haben, werden in Hitlers Wien etwa direkt aufgegriffen und genauer dargestellt. Doch in der Kronprinzen-Biografie findet man nur wenig handfeste politische Elemente, auch das Leben des Kronprinzen tritt von Zeit zu Zeit eher in den Hintergrund, wenn wichtige Persönlichkeiten in seinem Leben herausgearbeitet oder Beziehungen wie die zwischen Marie Valerie und ihren älteren beiden Geschwistern Rudolf und Gisela genauer beleuchtet werden. Es ist eine fast schon verklärende und romantisierende Darstellung, die "Kronprinz Rudolf - Ein Leben" geprägt hat. Das macht das Buch nicht unbedingt schlecht, denn als Einstiegslektüre ist es hervorragend, doch zugleich gibt es auch Aspekte, die von anderen AutorInnen in neueren Werken widerlegt wurden (wie Katrin Unterreiner in "Kronprinz Rudolf - Ich bin andere Wege gegangen….").

Doch was Brigitte Hamann gelingt ist dem Leser das Drama des Kronprinzen anschaulich zu vermitteln. Anhand der Geschichte Rudolfs werden auch die begleitenden Umstände seines Weges nach Mayerling geschildert. Die Diktion, welche Brigitte Hamann begründet hat, wurde seither vielfach aufgegriffen. Ganz klar verweist sie Mayerling-Mythen in das Reich der Fiktion und stellt die reale Version dar, wobei sie auch Erklärungsmöglichkeiten für den Entstehung zahlreicher Verschwörungstheorien aufzeigt, ohne dies allerdings bewusst anzusprechen. Ganz gewiss, ist "Kronprinz Rudolf – Ein Leben", ein Standardwerk, dass man zumindest gelesen haben sollte, wenn man auch in den Details nicht mit der Autorin übereinstimmt, selbst wenn diese von vielen anderen Autorinnen und Autoren mit Freude aufgegriffen worden sind. Anders als Katrin Unterreiner etwa, schafft es Brigitte Hamann, die Persönlichkeit Rudolfs, als in jeder Hinsicht gescheiterten und völlig enttäuschten Thronerben mit Ambitionen und einer gehörigen Portion Talent aufzuzeigen.

Fazit:
Eine beeindruckende und sehr gut erzählte Einführung in das Leben des gescheiterten Kronprinzen.

5 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Kronprinz Rudolf
von Brigitte Hamann
(1)
Buch (Taschenbuch)
14,99

American Godzilla

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Es sollte Feier in fast überschaubaren Rahmen werden, die Jason und seine Freundin Lily als Überraschungsparty für Jasons Bruder Rob vorbereitet hatten, bevor dieser als stellvertretender Vorstandsvorsitzender nach Japan zieht. Robs bester Freund Hud sollte diesen Moment als langfristiges Andenken mit einer Handkamera aufnehmen, doch aus dem geplanten Erinnerungsvideo wird ein Bericht der folgenden Ereignisse, die damit beginnen, dass ein vermeintliches Erdbeben New York City erschüttert. Kurz darauf landet der Kopf der Freiheitsstatue auf der Straße und "etwas" greift die Stadt an...

Die Idee zu Cloverfield kam Produzent J.J. Abrams laut eigener Aussage bei einer Reise nach Japan, wo er von der nach wie vor großen Beliebtheit für Godzilla überrascht war. Abrams Intention war klar, er wollte eine Art amerikanisches Monster erschaffen und dieses sollte eben anstatt Tokyo nun New York angreifen. Dabei vereint Cloverfield einige typisch amerikanische Filmstile, wodurch das Experiment zu einem Post-College-Beziehungs-Apokalypse-Monster-Film mit Handcam wurde.

Inhaltlich ist Cloverfield genau das, ein Film in welchem die Protagonisten schon einige Jahre aus dem College sind, aber noch ein letztes Mal, die gute alte Zeit wiederaufleben zu lassen. Überschattet wird das von einem Beziehungsdrama zwischen Rob und Beth, sowie dem Angriff eines Monsters, das New York verwüstet. Wie in einem Teenie-Splatter wird die Gruppe der "Helden" dabei langsam aber sicher aufgerieben und findet erst gegen Ende so etwas wie Sicherheit.

Problematisch mag dabei die Handkamera-Perspektive sein, die zwar der grafischen Qualität nicht abträglich ist, aber viele Zuseher irritiert und verärgert. Die ursprüngliche Idee dahinter, einen Film auf diese Art und Weise direkt aus Sicht der Protagonisten zu erzählen ist jedoch durchaus interessant. Anderenseits dürften alle Pläne J.J. Abrams einen amerikanischen Godzilla zu schaffen, trotz der Fortsetzungs-Option, einigermaßen gescheitert sein, allein deshalb, weil das Monster im Gegensatz zur Riesenechse Godzilla eine weit komplexere Körperform aufzuweisen hat.

Interessant natürlich dass sich auf der gängigen DVD-Version das gleiche Bonusmaterial findet, wie auf der Steelcase-Version, deren "edlere" Verpackung zugleich auch den höheren Preis rechtfertigen muss. Die alternativen Enden sind dabei nur ein wenig anders, als das Original, aber gerade das zweite gibt, zumindest wenn man es sich sehr genau und im Zeitraffer ansieht, einen möglichen Hinweis auf die Herkunft des Cloverfield-Monsters. Daneben erhält man eine ebenfalls sehr aufschlussreiche Doku über die Schöpfung des American Godzilla und erhält einige Hintergrundinformationen zu seinem wirklichen Charakter.

Angesichts von Konkurrenz wie I am Legend und 28 Weeks Later, die ebenfalls 2008 auf DVD erschienen sind und das Horror-Genre bedienen hat es Cloverfield nicht leicht sich zu behaupten. Doch der Film hat auch jetzt, nach dem Ende der ungewöhnlichen Marketingkampagne für den Kinofilm nichts von seiner faszinierenden Aura verloren. Sicher, er ist weniger apokalyptisch oder sozialkritisch als manch anderes Werk, aber er nutzt eine besondere Perspektive und verbindet mit dieser verschiedene Genres, um etwas neues zu konstruierten. Man kann ihn mögen und man kann ihn hassen, je nachdem, wie man zu seinen einzelnen Bestandteilen steht, die in der ein oder anderen Form nicht unbedingt zur ersten Güte gehören.

Fazit:
Ein faszinierendes Experiment, szenisch mehr als gelungen.

2 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Cloverfield
(6)
Film (DVD)
8,99

Kann der Mensch unsterblich werden?

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 14.09.2008

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen ist in den letzten 100 Jahren von 49 auf ungefähr 80 Jahre phänomenal angestiegen und ein Ende scheint kaum in Sicht - Wasser auf den Mühlen aller Anti-Aging-Gläubigen, die Unsterblichkeit scheint nur noch eine Frage der Zeit, neueste Erkenntnisse in der Gentechnik machen's möglich. Doch natürlich wirft die Diskussion um ein medizinisch machbares ewiges Leben, eine Vielzahl von Fragen auf, vor allem wie es möglich sein soll, dieses zu erreichen. Als Humangenetiker sieht sich Univ..-Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger oft mit solchen bohrenden Fragen konfrontiert, ob, wann und wie man denn nicht das Leben entscheidend verlängern könnte und welche Rolle die Gene dabei spielen. Mit "Endlich Unendlich" versucht Hengstschläger eine Antwort zu geben, die der Essenz seiner bisherigen Beiträge zum Thema in den Medien entspricht. Es herrscht Erklärungsbedarf für die Nachrichten wie "Forscher haben herausgefunden, Rotwein verlängert das Leben" und wer wäre da besser geeignet als der Autor von "Die Macht der Gene", der mit einer Portion Witz und fundierten Fachkenntnissen, die Dinge so erklärt, dass sie auch wirklich jeder versteht.

"Spielen Gene überhaupt eine Rolle bei der Frage des Ausschöpfens des Rahmens? Sie würden sagen, eine unmissverständliche Frage schreit nach einer klaren Antwort. So klar ist die Antwort darauf aber nicht." (S. 77)
Einfache Fragen, verlangen eben doch nicht immer einfache Antworten und der Mensch ist nicht auf seine reduzierbar, wie Markus Hengstschläger immer wieder zu Bedenken gibt. Vielmehr sind Gene nur Stift und Papier, mit denen wir durch moderate sportliche Betätigung, eine ausgewogene Ernährung und möglichst gesunden Lebenswandel auch in der Lage sein sollten, eine möglichst lange Lebenslinie zu zeichnen. Dennoch "Vielleicht sind es ungefähr 25 Prozent der Lebenserwartung, die man genetischen Unterschieden zuschreiben kann. Die Meinungen gehen diesbezüglich auseinander." (S. 78) Wissenschaftlich belegen lässt sich derzeit noch wenig, aber vor allem Studien an eineiigen Zwillingen erbringen immer wieder bedeutende Erkenntnisse über äußere Einflüsse, da bei beiden Probanten die Gene relativ identisch sind.

Ob Rotwein und die Mittelmeerdiät wirklich lebensverlängernd wirken oder doch eine bestimmte Genvariante die bei über 100jährigen einfach öfter vorkommt den Ausschlag dafür geben, wie alt man wird, wer "Endlich Unendlich" liest erhält ein wenig Gewissheit in diesen Fragen. Markus Hengstschläger ist mit seinem Buch eine sehr humorvolle, leicht verständliche und umfassende Darstellung des aktuellen Wissensstands gelungen, allerdings ohne einer Offenbarung gleich unumstößliche Wahrheiten zu präsentieren. Vieles bleibt unklar und schwammig, manches wirkt auch nicht unbedingt neu und erkenntnisfördernd, doch repräsentiert es das was man heute schon mit gewisser Sicherheit sagen kann, man möge dem Autor nachsehen, dass er sich nicht in schwer belegbare Vermutungen und Behauptungen stürzt, nur um seinen Lesern überraschende neue Forschungsergebnisse zu präsentieren, die kaum mehr als Hypothesen wären.

Fazit:
Für jedermann verständlich, formuliert Markus Hengstschläger den gegenwärtigen Forschungsstand in der Frage, ob ein ewiges Leben medizinisch und technisch machbar wäre.

4 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Endlich Unendlich
von Markus Hengstschläger
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,95

Auf den Spuren der Rattenlinien

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 13.09.2008

In der Diskussion um die Flucht prominenter Nazi-Kriegsverbrecher wie Josef Mengele oder Adolf Eichmann ist schon viel spekuliert worden, nicht zuletzt durch Frederick Forsysths im Zusammenarbeit mit Simon Wiesenthal entstandenen Thriller "Die Akte Odessa". Darin spielt der Bestsellerautor von "Der Schakal" mit der Theorie von einer Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen, welche nach Kriegsende vielen Nazi-Größen die Flucht aus Europa ermöglicht haben soll und sich der Errichtung eines Vierten Reiches verschrieben hat. Doch "Die Wirklichkeit war komplizierter, das Netz der Fluchtwege war weit verzweigt, es gab kein straff gesteuertes System von Fluchtorganisation" (S. 7) stellt Univ.-Doz. Dr. Gerald Steinacher klar und verweist den Odessa-Mythos dorthin, wohin er gehört, in das Reich der nicht ganz unspannenden Fiktion.

Die komplexe Realität der Dr. Steinacher in "Nazis auf der Flucht – Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen" nachspürt ist jene, dass in den Nachkriegsjahren viele Kriegsverbrecher und prominenter Nationalsozialisten über Südtirol nach Italien entkommen konnten und dort mit neuen Identitäten, in der Masse der Flüchtlinge durch passive und aktive Hilfe diverser Hilfsstellen und Behörden nach Übersee entkommen konnten. Diese Rattenlinien, wie sie die Geheimdienste bezeichneten, waren selbigen alles andere als unbekannt und auch US-Geheimdienste hatten bei der Evakuierung von potentiellen Informanten und Wissenschaftlern ihre Hände im Spiel, etwas das in US-Archiven auch gut nachverfolgen lässt. In den Vereinigten Staaten ist der wissenschaftliche Diskurs über Geheimdienstaktivitäten in der Nachkriegszeit jedoch weit ausgeprägter und auch in Sachen Nazi-Fluchthilfe gibt es dort größeres Interesse an einer Aufklärung. Somit überrascht es nicht, dass Dr. Steinachers Buch, eines der wenigen europäischen zum Thema ist und darunter das erste, welches die besondere Rolle Südtirols einer genaueren Untersuchung unterzieht, die sich wirklich lohnt.

"Die 'Odessa' und andere Verschwörungstheorien rund um geheime, zentral gesteuerte und allmächtige NS-Fluchtorganisationen haben als Erklärung ausgedient – auch wenn sie sich noch lange hartnäckig in den Köpfen vieler halten werden." (S. 16) Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch eines Tages Realität wird und man nicht mehr versucht ist diese komplexen Zusammenhänge und Verflechtungen im Sinne einer Verschwörungstheorie zu vereinfachen, die Akteure zu homogenisieren und dem ganzen mit der Erfindung einer Geheimgesellschaft, welche die Weltherrschaft und eine Widererrichtung des Deutschen Reichs anstrebt, die Krone aufzusetzen. Die wahren Motive der Justiz-Flüchtlinge und ihrer Helfer lagen zwischen reinem Selbstschutz, Kameradschaft und staatlichen Interessen, Informanten, Spione und Experten rekrutieren zu können.

Mit Nazis auf der Flucht hat Gerald Steinacher einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses bedeutenden, doch gerne vergessenen Teils der Nachkriegsgeschichte geleistet. Sein Werk beleuchtet mit reichen Quellenzitaten und Fotokopien von Original-Reisedokumenten die Rollen des Vatikans, des Roten Kreuzes, der agierenden Geheimdienste und die Bedeutung Südtirols. Der Leser ist verblüfft und schockiert zugleich, wenn er immer tiefer in den Sumpf der braunen Fluchthelfer mit ihren teils weißen Westen eingeführt wird und unweigerlich stellt sich ihm die Frage der Moral, wie man solches Handeln überhaupt vor sich selbst rechtfertigen konnte.

Fazit:
Faszinierende und zugleich belehrende Lektüre, welche die ODESSA endgültig in das Reich der Mythen verweist und einen wichtigen Beitrag zur seriösen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Fluchthilfe für Kriegsverbrecher darstellt.

13 von 15 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Nazis auf der Flucht
von Gerald Steinacher
(2)
Buch (Taschenbuch)
29,90

Erschreckend gewöhnlich

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 11.09.2008

Am 11. September 2001 waren die Augen auf New York gerichtet, als 2 entführte Passagierflugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers gesteuert wurden und kurz darauf eine Maschine in das Pentagon krachte. Dass eine vierte Maschine mit Ziel Washington D.C. auf einem Feld in Pennsylvania abstürzte ist ein besonderer Aspekt des alljährlichen "rememberring the attacks", denn die Passagiere von United Airlines-Flug 93 versuchten in einem Aufstand, die Kontrolle über das Flugzeug wiederzuerlangen.

Der Tag beginnt unspektakulär und Ziad Jarrah liest noch einmal im Koran. "It's time", teilt ihm einer seiner drei Gefährten mit und nach man sieht eine Ansicht New Yorks aus der Vogelperspektive, während im Hintergrund die gemurmelten Gebete der vier Terroristen zu hören sind, die sich einer rituellen Waschung unterziehen und mit Teppichmessern bewaffnen. Auf dem Weg zum Flughafen sehen sie aus dem Fenster auch ein "God bless America"-Plaket. Noch schmieden Piloten und Passagiere Pläne für die Zukunft und die Attentäter wirken angespannt...

Wie bei dokumentarischen Filmen üblich, weiß man bereits zuvor, wie diese enden werden und doch ist da diese Spannung und Faszination, einer tatsächlich ausweglosen Situation, deren tragischen Ausgang der Zuseher bereits kennt und doch mitverfolgen kann, wie sich die Protagonisten noch Hoffnungen machen, Pläne schmieden und Alternativen verwerfen. Der Tod aller wird zur größtmöglichen Enttäuschung, denn weder konnten die Märtyrer ihr Ziel erreichen, dessen Foto sich der Pilot Ziad Jarrah an den Steuerknüppel geheftet hat, noch konnten die wagemutigen Passagiere die Kontrolle über das Flugzeug erlangen, um wenigstens irgendwo zu landen.

Der Film Flug 93 ist geprägt von einer "improvisierten" Atmosphäre und Kameraführung, die im Sinne des Regisseurs die authentische Atmosphäre gewährleisten sollte. Über das Ergebnis kann man freilich streiten, ebenso wie die zahllosen Theorien zu den Hintergründen des 11. Septembers. Interessant ist allerdings, dass auf bekannte Gesichter verzichtet wurde und viele Beteiligte sich selbst spielen durften, wie CNN-News Anchor Thomas Roberts, Fluglotse Ben Sliney, Major James Fox, Staff Sgt. Shawna Fox oder 1st Lt. Jeremy Powell. Dazu kommt, dass die Passagiere ihren realen Ebenbildern teils beeindruckend ähnlich sehen.

Es ist nicht allein die Situation der Passagiere, sondern auch die Probleme des Bodenpersonals, wie FAA operations manager Ben Sliney, welche dem Film etwas einzigartiges verleihen. Nach dem Verschwinden American 77 war Sliney mitverantwortlich für die Verordnung des Ground Stops für die USA und die Abschottung des Luftraums. Auf seiner Handlungsebene, wie der des NORAD erfährt man von den Komplikationen der Behördenzusammenarbeit und der Unmöglichkeit einen Abschussbefehl für entführte Flugzeuge zu erhalten, da der Präsident schlicht unerreichbar ist. Wäre 9/11 nicht so geschehen, man würde den Plot schlicht für unrealistisch halten, dass vier Flugzeuge am gleichen Tag, in den selben Stunden entführt und als fliegende Bomben gegen national bedeutsame Ziele eingesetzt werden.


Fazit:
Flug 93 ist kein Hollywood-Spektakel und weit von all dem entfernt was man mit Hollywood assoziieren würde, der Film ist hingegen äußerst beklemmend und authentisch, so dass er fast als dilettantisch und uninteressant abgetan werden kann, doch wäre er mit Starbesetzung und mehr Action zweifelsfrei nicht näher an einer möglichen Realität.

2 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Flug 93
(3)
Film (DVD)
9,99

 
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