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Name:
Mario Pf. Top 10 Rezensent
Ort:
Oberösterreich
Rezensionen:
1403 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 2316

nicht hilfreich: 1461

Rang:
7

Mario Pf.s Rezensionen

123

buch

Rom, das bin ich

Francisco Pina Polo

EUR 24,95 *
auf Merkliste

50

18.11.2010

„Der Mensch Cicero”

Betrachtet man die Quellenlage verwundert es nicht dass Marcus Tullius Cicero zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Antike gehört. Von allen antiken Politikern ist er wohl der dem über die Jahrtausende am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts fasziniert die historische Person Ciceros derart dass sich seiner selbst Bestsellerautor Robert Harris (Enigma, Der Ghostwriter, Pompeji) mit einer eigenen Cicero-Trilogie angenommen haben, um in der mit Ciceros Leben untrennbar verbundenen Geschichte vom Untergang der Römischen Republik auch ein wenig Kritik an Entwicklungen der Gegenwart zu verarbeiten. Ein Vorteil für Cicero-Biografien ist, wie Francisco Pina Polo betont, dass durch dessen regen Briefwechsel mit Freunden, Familienmitgliedern und berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit eindrucksvolle Zeugnisse von dessen ganz privaten Charakter erhalten geblieben sind. Der Privatmann Cicero ist jedoch genau der der in so mancher Cicero-Hagiographie bewusst vergessen wird.

Doch da sich der Privatmann und Politiker Cicero gerade aufgrund dessen Verpflichtung kaum voneinander trennen lassen muss auch dessen Biographie im Kontext der Geschichte Roms gesehen werden. Was "Rom, das bin ich" also bietet ist eine Biographie des Menschen Marcus Tullius Cicero in seiner Zeit. Gerade weil Cicero sich als Historiograph seiner Ära verdient gemacht hat ginge es auch kaum anders, all jene Werke die uns von Cicero erhalten geblieben sind dienen ebenso als Quelle zur Geschichte des antiken Roms wie auch der Ciceros. Maßgeblich geprägt wird Francisco Pina Polos Cicero-Biographie jedoch von jenen hunderten Briefen die er etwa an seinen hellenophilen Freund und Berater in finanziellen wie philosophischen Dingen, Titus Pompnius Atticus, schrieb. Um ein möglichst authentisches Bild von Ciceros Leben und Gedankenwelt zu ermöglichen hat Pina Polo daher auf Zitate Ciceros zurückgegriffen, um ihn an entscheidenden Stellen selbst zu Wort kommen zu lassen. Gerade in der Offenheit gegenüber seinem wahrscheinlichen besten Freund und Vertrauten Atticus offenbart Cicero hier sehr viel über sich selbst und seine Motivation.

Durch diese Herangehensweise ist es Pina Polo gelungen ein sehr facettenreiches Bild Ciceros zu zeichnen, wodurch er es dem Leser erlaubt sich selbst ein Urteil über die Person Marcus Tullius Ciceros zu machen. Dessen Karriere dient zugleich als roter Faden durch die Geschichte der Römischen Republik. Nach einem durchaus interessanten Exkurs über Ciceros exzellente Ausbildung im Kreise der römischen Aristokratie und seine Rolle als Günstling des späteren Konsuls und "Triumvirn" Marcus Licinius Crassus geht Pina Polo auch daran Ciceros vergleichsweise spärlichen Militärerfahrungen aufzuarbeiten. Spätestens ab diesem Punkt merkt man dass "Rom, das bin ich" keine aus der Verknüpfung biographischer Daten und einer Historie der Römischen Republik hervorgegangene Biographie ist, sondern ihren Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt hat. So folgt die Erzählung Cicero auch ins Exil und konzentriert sich auf ihn, anstatt in Ausführungen zu Gaius Octavius Aufstieg oder Marcus Antonius ägyptisches Abenteuer abzuschweifen. Schon alleine dadurch ist die Biographie sehr gut gelungen. Sie vereint Ciceros Selbstzeugnisse mit einer gezielt auf ihn zugeschneiderten Perspektive.

Fazit:
Eine höchst gelungene Biographie, die vor allem durch Selbstzeugnisse und eine sehr auf ihren Protagonisten konzentrierte Erzählperspektive ein facettenreiches Bild des Menschen Ciceros in seiner Zeit schafft.

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buch

Blackwater

Jeremy Scahill

EUR 10,99 *
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40

09.01.2009

„Die Privatisierung der Kriegsführung”

Seit dem Beginn des Irak-Kriegs 2003 und der damit verbundenen anhaltenden Besatzungszeit trat in den Medien ein Phänomen immer wieder besonders hervor, das der privaten Sicherheitsfirmen, die im Irak eine wahre Goldgrube entdeckt haben. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung war es vorwiegend die Firma Blackwater, deren Name spätestens seit der blutrünstigen Ermordung von 4 ihrer Söldner am 31. März 2004 in Falludscha in aller Munde ist. Doch was steckt hinter diesem Sinnbild einer modernen "Sicherheitsfirma" die wie keine zweite für die Privatisierung der Kriegsführung steht? Democracy Now!-Korrespondent und The Nation-Mitarbeiter Jeremy Scahill hat mit "Blackwater - Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt" einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung dieser Frage geleistet.

Von der Gründung Blackwaters als Trainingszentrum durch den ehemaligen Navy SEAL und Millionärssohn Erik Prince, die von der Fachwelt begeistert aufgenommen und begrüßt wurde, bis zur Gründung von Blackwater Security Consulting im Jahre 2002 zeichnet Jeremy Scahill die Geschichte dieses symbolträchtigen Unternehmens nach und lässt dabei auch die politischen Verstrickungen Prince nicht im Dunkeln, der dank seiner Kontakte unter den Neokonservativen und christlichen Rechten schon bald auch einen günstigen Vertrag mit dem Pentagon schließen konnte. Möglich gemacht wurde das nicht nur durch die Besetzung wichtiger Posten mit republikanischen Managern aus Rüstungskonzernen, sondern auch durch Donald Rumsfelds vitales Interesse an einer möglichst umfassenden Privatisierung der US-Streitkräfte. Bereits Verteidigungsminister Dick Cheney kürzte unter Bush sen. Das Militärbudget um 10 Milliarden Dollar und reduzierte die Truppenstärke von 2,2 auf 1,6 Millionen und legte somit den Grundstein für jenen Boom, der 2003 einsetzte, als die USA zusammen mit privaten Militärfirmen im Irak einmarschierten und wenige Jahre später feststellten mussten, anfangs zu wenig Truppen eingesetzt zu haben.

"Im Irak heisst das große Geschäft nach dem Krieg nicht Öl sondern Sicherheit." schrieb die Londoner Times und so wurde das Land von Euphrat und Tigris bald zum El Dorado für Sicherheitsfirmen, deren Mitarbeitern nach dem Abgang des US-Verwalters Paul Bremer sogar eine rechtliche Immunität (ebenfalls für Mord) garantiert wurde. Spitzengehälter und eine enorme Nachfrage an qualifizierten Personal zogen allerdings auch zwielichtigere Subjekte an, so fanden sich im Dienste Blackwaters zeitweise auch Hunderte Chilenen die einst für die Pinochet-Diktatur gemordet und gefoltert hatten. Mitunter zu einem Problem wurden selbst Kämpfer fremder Staatszugehörigkeit, deren Staaten nicht zur Koalition gehörten und sich dennoch den gleichen Gefahren von Entführung und Ermordung aussetzten, wie Österreichs prominentester Fall Bert Nussbaumer.

Der einstige CIA- und Blackwater-Mitarbeiter Jamie Smith beschreibt es sehr treffend (S. 69) "Will man wirklich, dass unsere Freiwilligen vor dem Kasernentor Wache schieben, wenn sie stattdessen viel Wichtigeres für uns leisten könnten?" doch dagegen kontert etwa der Publizist Peter W. Singer (S. 247) "Diese Firmen reden davon, wie sie Kätzchen von Bäumen retten könnten, wenn die große böse Weltgemeinschaft sie nur ließe, aber die Situation ist weitaus komplizierter. Solcherart Lobbyismus zielt nicht selten darauf ab, den Leuten etwas vorzugaukeln..."

Fazit:
Jeremy Scahills Blackwater ist gut recherchiert ein exzellentes Beispiel für investigativen

8 von 9 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

CIA

Tim Weiner

EUR 12,95 *
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50

18.12.2008

„Die Geschichte der CIA”

Tim Weiner ist als zweifachen Pulitzer-Preis-Träger mit seinem Werk "Legacy of the Ashes: The History of the CIA" ein mit dem National Book Award ausgezeichneter New York Times Bestseller gelungen. Dazu hat er sich intensiver Recherchen und zahllosen Interviews mit Insidern und 10 ehemaligen CIA-Direktoren bedient, um die Geschichte der Central Intelligence Agency von 1945 bis 2007 nachzuzeichnen. Es handelt sich hierbei um die erste frei erhältliche CIA-Chronik anhand von Primärquellen wie den oben erwähnten Interviews und teils erst kürzlich freigegebenen Dokumenten des US-Bundesarchivs NARA (National Archives and Records Administration).

"In diesem Buch geht es um die ersten 60 Jahre des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA). Geschildert wird, dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen. Dieses Scheitern stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten dar.", schreibt der Autor auf Seite 19 selbst und nach der Lektüre wird man ihm wohl auch gegen anfängliche Ablehnung zustimmen. Gegründet um ein Zweites Pearl Harbour zu verhindern, war die Arbeitsweise der CIA seit jeher kurzsichtig und kontraproduktiv, wie der 11. September 2001 (nicht 1998 wie es im Vorwort der deutschen Ausgabe fälschlicherweise heißt) bewiesen hat. Einer der größten Erfolge der CIA, der mythisch verklärt zu einer Erfolgsgeschichte hochstilisiert wurde, hat die nationale Sicherheit erschüttert. Einst belieferte die CIA afghanische Mudschaheddin mit Waffen für den Dschihad gegen die Sowjetunion, Jahrzehnte später richteten diese ihre Waffen gegen den einstigen amoralischen Verbündeten. Das Zweite Pearl Harbour wurde Realität und im Zuge des ausgerufenen "War on terrorism" ermöglichten nebulöse CIA-Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak und grundlegende Intentionen von ehemaligen Regierungsmitgliedern Bush seniors einen Krieg der weit über sein ursprüngliches Ziel hinaus zur Besatzung führte und nicht von ungefähr als Zweites Vietnam angesehen wird.

An Gründen zu einer Reform der Agency hat es nie gemangelt, die Generalinspekteure lieferten immer wieder untrügliche Beweise für die Fehler des Systems, doch verschwanden diese Berichte nicht selten in den Schubladen der Direktoren. Tim Weiners "CIA: Die ganze Geschichte" ist ein Plädoyer für die längst überfällige Reform, damit Szenarien wie aus "Unser Mann in Havanna" nicht mehr länger der traurigen Realität entsprechen mögen. Es ist ein geniales Buch, das kaum ein gutes Haar an der Agency lässt und zugleich eine Geschichte von Amerikas schmutzigen Kriegen abgibt. Über den geschichtlichen Kontext ist es dem Leser dank dieses Werkes möglich so manche Entwicklungen im Zuge von 9/11 besser, wenn nicht überhaupt erst, zu verstehen.

Fazit:
Ein sehr fundiertes Werk bei dem es wert ist jede Seite gelesen zu haben. Informativ und spannend erzählt Tim Weiner die Geschichte des bekanntesten Geheimdienstes der Welt.

4 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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20

11.12.2008

„Das ultimative Crossover”

Eine Vision der Seher des Jedi-Geheimbundes offenbart eine tödliche Bedrohung für alles Leben in der Galaxis, die auf dem von den Mandalorianern überrannten Taris kurz vor ihrer Wiederentdeckung stehen könnte. Der Muur Talisman, ein uraltes Sith-Artefakt war selbst für Sith-Lords wie Naga Sadow ein Mysterium, doch der Vision zufolge könnte er seinem Besitzer die Macht über die Rakghoul verleihen. Lucien Draay beauftragt eine seiner Agentinnen, um den Talisman sicher zu stellen und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, denn auch der flüchtige Zayne Carrick treibt sich gerade in der Unterstadt von Taris herum...

Tausende Jahre später ist der Jedi-Orden zerstört und die Sith habe4n einmal mehr die Herrschaft über die Galaxis errungen. Doch diesmal ist e Darth Vader höchstpersönlich der Bekanntschaft mit dem Murr Talisman machen wird...

Von Knights of the old Republic über die Dark Times und Rebellion bis zu Legacy, erstreckt sich das bisher größte Crossover des Star Wars Universums - Vector, die Geschichte um den Muur-Talisman, dessen wahre Macht und Geheimnis erst von Cade Skywalker enthüllt werden können. Ärgerlich nur, dass Vektor die Geschichten vor Legacy bestenfalls tangiert und nicht wirklich beeinflusst. Stilistisch sieht man sich in Vektor 1 sogar mit 2 verschiedenen Zeichenstilen konfrontiert, die sich eher als Durchschnitt im Vergleich zu anderen Star Wars Comics ausnehmen.

Fazit:
Für sich genommen ist Vektor I eine nicht ganz uninteressante Geschichte, bei der man allerdings immer daran denken muss, dass es sich nur um einen Teil eines größeren ganzen handelt.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Die Akte Odessa

Frederick Forsyth

EUR 9,99 *
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40

20.09.2008

„Im Fadenkreuz der ODESSA”

Freitag, 20:30 Uhr nahe Osdorf hat der freie Journalist Peter Miller gerade seiner Mutter den wöchentlich Besuch abgestattet, als er im Radio von der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy erfährt. Fassungslos wie viele andere Autofahrer fährt er rechts ran, um die Worte des Radiosprechers auf sich wirken zu lassen. Miller ist bestürzt, auch weil sich in den kommenden Tagen wohl wenig Chancen auf eine Top-Story auftun werden und die Titelgeschichten für Kennedy reserviert sein dürften. Doch ein Krankenwagen weckt sein Interesse. Der Journalist wittert eine Story.

Angekommen am Tatort entpuppt sich die vermeintliche Story als einfacher Selbstmord eines alten Mannes. Doch Tags darauf erhält Peter Besuch von seinem Freund Karl Brandt, der die Ermittlungen im Fall Salomon Tauber leitet. Brandt übergibt ihm das Tagebuch des ehemaligen KZ-Häftlings und damit die Möglichkeit aus diesem doch eine Story zu machen. Die Lektüre und Recherchen fördern jedoch überraschendes zu Tage, der skrupellose KZ-Kommandant von Riga-Kaiserwald, Eduard Roschmann, auch bekannt als der Schlächter von Riga, könnte noch am Leben sein und unbehelligt in der BRD leben. Peter Miller nimmt die Verfolgung auf und gerät dabei nicht nur an bürokratische Hürden sondern auch ins Visier, der ODESSA, der Organisation ehemaliger SS-Angehöriger, die sich dem Schutz eben dieser verschrieben hat und zurzeit an einem Plan zur Vernichtung Israels feilt...

Nach "der Schakal" war "die Akte ODESSA" Frederick Forsyths zweiter Politthriller, mit dem ihm als Autor der internationale Durchbruch gelungen ist. Das Buch ist dabei mit Hilfe von Simon Wiesenthal entstanden und greift dessen zeitweise populärer Verschwörungstheorie einer SS-Geheimgesellschaft auf, welche die Flucht von Nazi-Größen wie Josef Mengele oder Adolf Eichmann ermöglicht haben soll. Als Ergebnis der durch das Buch angeregten Diskussionen, sind die meisten ODESSA-Theorien heute längst widerlegt.

Dessen ungeachtet ist die Akte ODESSA, wenngleich nur ein eher durchschnittlicher Forsyth-Thriller zwar kein literarisches Meisterwerk, aber dennoch spannend. Die relative Kürze des Werks zwingt Forsyth sich auf das wichtigste zu konzentrieren und dabei auch den Plot von großen Abschweifern zu bewahren. Sehr authentisch und auch zeitgeschichtlich interessant sind allerdings Forsyths Schilderung der mangelhaften Vergangenheitsbewältigung im Deutschland der 1960er-Jahre, sowie die Diskussion zwischen Miller und seiner Mutter, um die Verbrechen des NS-Regimes.

Fazit:
Eine faszinierende Mischung aus Fakt und viel Fiktion.

6 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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