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Mario Pf. aus Oberösterreich Unsere Top-Bewerter

Gesamte Bewertungen 387 (ansehen)


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Der Mensch Cicero

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.11.2010

Betrachtet man die Quellenlage verwundert es nicht dass Marcus Tullius Cicero zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Antike gehört. Von allen antiken Politikern ist er wohl der dem über die Jahrtausende am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts fasziniert die historische Person Ciceros derart dass sich seiner selbst Bestsellerautor Robert Harris (Enigma, Der Ghostwriter, Pompeji) mit einer eigenen Cicero-Trilogie angenommen haben, um in der mit Ciceros Leben untrennbar verbundenen Geschichte vom Untergang der Römischen Republik auch ein wenig Kritik an Entwicklungen der Gegenwart zu verarbeiten. Ein Vorteil für Cicero-Biografien ist, wie Francisco Pina Polo betont, dass durch dessen regen Briefwechsel mit Freunden, Familienmitgliedern und berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit eindrucksvolle Zeugnisse von dessen ganz privaten Charakter erhalten geblieben sind. Der Privatmann Cicero ist jedoch genau der der in so mancher Cicero-Hagiographie bewusst vergessen wird.

Doch da sich der Privatmann und Politiker Cicero gerade aufgrund dessen Verpflichtung kaum voneinander trennen lassen muss auch dessen Biographie im Kontext der Geschichte Roms gesehen werden. Was "Rom, das bin ich" also bietet ist eine Biographie des Menschen Marcus Tullius Cicero in seiner Zeit. Gerade weil Cicero sich als Historiograph seiner Ära verdient gemacht hat ginge es auch kaum anders, all jene Werke die uns von Cicero erhalten geblieben sind dienen ebenso als Quelle zur Geschichte des antiken Roms wie auch der Ciceros. Maßgeblich geprägt wird Francisco Pina Polos Cicero-Biographie jedoch von jenen hunderten Briefen die er etwa an seinen hellenophilen Freund und Berater in finanziellen wie philosophischen Dingen, Titus Pompnius Atticus, schrieb. Um ein möglichst authentisches Bild von Ciceros Leben und Gedankenwelt zu ermöglichen hat Pina Polo daher auf Zitate Ciceros zurückgegriffen, um ihn an entscheidenden Stellen selbst zu Wort kommen zu lassen. Gerade in der Offenheit gegenüber seinem wahrscheinlichen besten Freund und Vertrauten Atticus offenbart Cicero hier sehr viel über sich selbst und seine Motivation.

Durch diese Herangehensweise ist es Pina Polo gelungen ein sehr facettenreiches Bild Ciceros zu zeichnen, wodurch er es dem Leser erlaubt sich selbst ein Urteil über die Person Marcus Tullius Ciceros zu machen. Dessen Karriere dient zugleich als roter Faden durch die Geschichte der Römischen Republik. Nach einem durchaus interessanten Exkurs über Ciceros exzellente Ausbildung im Kreise der römischen Aristokratie und seine Rolle als Günstling des späteren Konsuls und "Triumvirn" Marcus Licinius Crassus geht Pina Polo auch daran Ciceros vergleichsweise spärlichen Militärerfahrungen aufzuarbeiten. Spätestens ab diesem Punkt merkt man dass "Rom, das bin ich" keine aus der Verknüpfung biographischer Daten und einer Historie der Römischen Republik hervorgegangene Biographie ist, sondern ihren Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt hat. So folgt die Erzählung Cicero auch ins Exil und konzentriert sich auf ihn, anstatt in Ausführungen zu Gaius Octavius Aufstieg oder Marcus Antonius ägyptisches Abenteuer abzuschweifen. Schon alleine dadurch ist die Biographie sehr gut gelungen. Sie vereint Ciceros Selbstzeugnisse mit einer gezielt auf ihn zugeschneiderten Perspektive.

Fazit:
Eine höchst gelungene Biographie, die vor allem durch Selbstzeugnisse und eine sehr auf ihren Protagonisten konzentrierte Erzählperspektive ein facettenreiches Bild des Menschen Ciceros in seiner Zeit schafft.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Rom, das bin ich
von Francisco Pina Polo
1
Buch 24,95

Die Geschichte der CIA

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.12.2008

Tim Weiner ist als zweifachen Pulitzer-Preis-Träger mit seinem Werk "Legacy of the Ashes: The History of the CIA" ein mit dem National Book Award ausgezeichneter New York Times Bestseller gelungen. Dazu hat er sich intensiver Recherchen und zahllosen Interviews mit Insidern und 10 ehemaligen CIA-Direktoren bedient, um die Geschichte der Central Intelligence Agency von 1945 bis 2007 nachzuzeichnen. Es handelt sich hierbei um die erste frei erhältliche CIA-Chronik anhand von Primärquellen wie den oben erwähnten Interviews und teils erst kürzlich freigegebenen Dokumenten des US-Bundesarchivs NARA (National Archives and Records Administration).

"In diesem Buch geht es um die ersten 60 Jahre des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA). Geschildert wird, dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen. Dieses Scheitern stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten dar.", schreibt der Autor auf Seite 19 selbst und nach der Lektüre wird man ihm wohl auch gegen anfängliche Ablehnung zustimmen. Gegründet um ein Zweites Pearl Harbour zu verhindern, war die Arbeitsweise der CIA seit jeher kurzsichtig und kontraproduktiv, wie der 11. September 2001 (nicht 1998 wie es im Vorwort der deutschen Ausgabe fälschlicherweise heißt) bewiesen hat. Einer der größten Erfolge der CIA, der mythisch verklärt zu einer Erfolgsgeschichte hochstilisiert wurde, hat die nationale Sicherheit erschüttert. Einst belieferte die CIA afghanische Mudschaheddin mit Waffen für den Dschihad gegen die Sowjetunion, Jahrzehnte später richteten diese ihre Waffen gegen den einstigen amoralischen Verbündeten. Das Zweite Pearl Harbour wurde Realität und im Zuge des ausgerufenen "War on terrorism" ermöglichten nebulöse CIA-Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak und grundlegende Intentionen von ehemaligen Regierungsmitgliedern Bush seniors einen Krieg der weit über sein ursprüngliches Ziel hinaus zur Besatzung führte und nicht von ungefähr als Zweites Vietnam angesehen wird.

An Gründen zu einer Reform der Agency hat es nie gemangelt, die Generalinspekteure lieferten immer wieder untrügliche Beweise für die Fehler des Systems, doch verschwanden diese Berichte nicht selten in den Schubladen der Direktoren. Tim Weiners "CIA: Die ganze Geschichte" ist ein Plädoyer für die längst überfällige Reform, damit Szenarien wie aus "Unser Mann in Havanna" nicht mehr länger der traurigen Realität entsprechen mögen. Es ist ein geniales Buch, das kaum ein gutes Haar an der Agency lässt und zugleich eine Geschichte von Amerikas schmutzigen Kriegen abgibt. Über den geschichtlichen Kontext ist es dem Leser dank dieses Werkes möglich so manche Entwicklungen im Zuge von 9/11 besser, wenn nicht überhaupt erst, zu verstehen.

Fazit:
Ein sehr fundiertes Werk bei dem es wert ist jede Seite gelesen zu haben. Informativ und spannend erzählt Tim Weiner die Geschichte des bekanntesten Geheimdienstes der Welt.

4 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
CIA
von Tim Weiner
7
Buch 12,95

Medien in Österreich

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 22.09.2008

"Was wir über Politik wissen, haben wir fast ausschließlich aus den Massenmedien erfahren. Blättert man Zeitungen, stößt man von der ersten bis zur letzten Seite auf Aussagen von Politikern und Politikerinnen. Auch in den Zeitschriften und Illustrierten sind sie präsent. Im abendlichen Fernsehen verstärken sie unseren Eindruck, dass sie Tag und Nacht unterwegs sein müssen. Sie eröffnen Veranstaltungen, sie halten Festreden und machen Pressekonferenzen. Wir wissen, was sie gerne essen, welche Hobbys sie haben und vieles andere.
In der Regel kennen wir unsere Politiker und Politikerinnen nicht persönlich, wir sind deshalb auf Informationen in den Massenmedien angewiesen. Wir gehen davon aus, dass der Eindruck, den uns die Massenmedien über unsere Politiker und Politikerinnen vermitteln, der Realität entspricht. Ist das wirklich so?"
- Die Herausgeber Clemens Hüffel, Fritz Plasser und Dietmar Ecker im Vorwort (Seite 7)

Band 2 der vom Holzhausen Verlag herausgegeben Reihe "1x1 der Politik" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen und wird dabei zu einem durchaus vorzeigbaren Büchlein über österreichische Medien und ihr Verhältnis zur Innenpolitik. Mit Publikationen wie dieser kann der Ära Gusenbauer, welche vor allem mit der künftigen Verlängerung der Legislaturperioden auf 5 Jahren und Wählen mit 16 gerade im Bereich der Demokratie sehr viel bewegt hat, doch noch etwas gutes abgewonnen werden. "Entscheidend bist Du" nennt sich die initiierte Demokratie-Kampagne, welche vor allem Jungwähler wieder für die Demokratie begeistern soll und welche von den Publikationen der Reihe "1x1 der Politik" ideal ergänzt wird.

Wie wenig die im Buch formulierten Ideale tatsächlich erfüllt werden, sei dahingestellt. Es ist leider nicht unbedingt Aufgabe des Buchs Kritik an der Ist-Situation zu üben, sondern möglichst diplomatisch einen Überblick zu bieten. Wirkliche politische Bildung muss man sich schlussendlich selbst erwerben, das ehemals Staatsbürgerkunde bekannte Unterrichtsfach darf zumindest laut Lehrplan nur eine Art Gebrauchsanweisung oder Beipackzettel für die parlamentarische Demokratie liefern, in der wir leben.

Aber gerade "Medien und Politik" schafft es durch einige doch sehr interessante Einsichten und vor allem statistischen Material der Media-Analyse 2007 sich einen sehr repräsentativen Charakter zu verschaffen. Das Bändchen eignet sich durchaus auch als Nachschlagewerk und trotz der Teenager-Zielgruppe, welche durch einen sehr simplen Schreibstil erreicht werden soll, könnte das Werk für viele ältere Personen interessant sein, erlaubt es doch einen grundsätzlichen Einblick in die österreichische Medienlandschaft.

Fazit:
Eine empfehlenswerte, wenn auch leicht überteuerte und für eine jugendliche Zielgruppe gedachte Einführung in die österreichische Medienlandschaft und ihr Verhältnis zur Politik

10 von 14 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Medien und Politik
von Patricia Käfer
1
Buch 7,00

Der Krieg um die letzten Ressourcen der Erde hat begonnen...

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 19.09.2008

"Es ist nicht lange her, da verfolgten höchstens ein paar unverbesserliche Nostalgiker, was auf den Märkten für Rohöl, Erdgas oder Kohle, für Eisen, Kupfer oder Nickel los ist. Solche Güter waren billig und im Überfluss vorhanden, kurzum: irrelevant und uninteressant. Überhaupt Rohstoffe: Das roch nach Bergwerk, nach Staub und Schweiß, nach 19. Jahrhundert. Ohne jeglichen Glamour. Das hat sich gründlich geändert. Die Klassiker sind auf einmal knapp und teuer geworden, die Preise erreichen immer neue Rekordstände, nie waren die Bodenschätze so begehrt wie heute."
Alexander Jung im Vorwort zur Taschenbuchausgabe von "Der neue kalte Krieg - Kampf um die Rohstoffe", Seite 9

Wer regelmäßig den SPIEGEL gelesen hat, wird die gleichnamige Artikelserie bzw. den Themensonderband "Der neue kalte Krieg" schon kennen. Der Inhalt bringt wenig neue Erkenntnise, von denen man im Lauf der letzten Jahre nicht schon ausreichend gehört hätte. Wir leben in einem Zeitalter der Versorgungsangst, wie es der amerikanische Energieexperte Daniel Yergin bezeichnet. Staatliche Unternehmen wie Aramco erhalten mehr Macht und Nationen wie Russland und Venezuela nutzen ihre staatlichen Ölgesellschaften zu ihrem politischen Vorteil, womit sie effektive Waffen gegen die EU oder auch die USA besitzen.

Der neue kalte Krieg ist ohne klare Fronten, der nukleare Holocaust ist dem rohstofflichen Super-GAU und dem Kollaps der Weltwirtschaft gewichen. Bürgerkrieg wie in Nigeria, dem Kongo und dem Irak geben bereits jetzt einen Vorgeschmack auf die Erschütterungen, die "nur" lokal begrenzte Konflikte auf die Preise am Weltmarkt haben können. Schon bei den Massakern im Ost-Kongo kamen Schreckensszenarien in Umlauf, als die bedeutenden Coltan-Lagerstätten unzugänglich wurden und Unternehmen wie Sony von einer günstigen Rohstoffversorgung für mikroelektronische Bauteile abgeschnitten zu sein schienen.

Doch neben Öl, Gas und Kohle gehörten auch weniger knappe Rohstoffe wie Diamanten, Kaffee, Edelmetalle, Eisen und Zucker zu den begehrtesten Gütern. Der vorliegende Band gibt in gewohnter Spiegel-Manier einen Einblick in die Diamenten-Börse Hollands, den Bau neuer Pipelines, die Suche nach neuen Rohstoffquellen, Wandlungen am Weltmarkt sowie der Suche nach alternativen Energieträgern. Dabei kommen mit Daniel Yergin, Ex-BP-CEO Lord John Browne, Jim Rodgers und Fritz Vahrenholt in Interviews auch Experten zu Wort.

Fazit:
Ein Buch mit sehr wenig neuen Erkenntnissen, das es aber gut schafft die Allgemeinplätze in typischen SPIEGEL-Stil zusammenzufassen. Als simple Einführung in die Thematik allemal akzeptabel.

5 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Der neue Kalte Krieg
von Erich Follath
1
Buch 8,95

Der enttäuschte Hoffnungsträger

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Als Rudolph Franz Carl Joseph "des Kaiserthumes Österreich Kronprinz und Thronfolger, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Gailizien, Lodomerien und Illyrien. Erzherzog von Österreich. Ritter des Goldenen Vlieses" am 21. August 1958 geboren wurde, war die Revolution von 1848 noch lange nicht vergessen. Es war der Verdienst von Kaiser Franz Josephs "braven Armee" und der verbündeten Russen gewesen, dass der damals noch junge Monarch die Macht im Staate überhaupt behalten konnte. Die nach wie vor hohen Militärausgaben belasteten die Staatskasse sehr, doch der Kaiser fühlte sich der Armee und seinen Generälen zu Dank verpflichtet, was mitunter ein Grund für die Ernennung des neugeborenen Kronprinzen zum Offizier gewesen sein dürfte. Mit dem ersten Tag seines Lebens schien Rudolphs Leben durch seinen Vater damit vorbestimmt, er sollte Offizier werden...

"Kronprinz Rudolf - Ein Leben" ist Brigitte Hamanns Meisterwerk, jenes Buch, das in zahllosen Auflagen die gängigste Rudolf-Biografie darstellt und Eingang in viele andere Werke gefunden hat. Aber das Werk ist zugleich auch Ausgangspunkt für spätere Werke der freien Autorin, wie Hitlers Wien. Die politischen Strömungen, die Lebzeiten Kronprinz Rudolfs entwickelt haben, werden in Hitlers Wien etwa direkt aufgegriffen und genauer dargestellt. Doch in der Kronprinzen-Biografie findet man nur wenig handfeste politische Elemente, auch das Leben des Kronprinzen tritt von Zeit zu Zeit eher in den Hintergrund, wenn wichtige Persönlichkeiten in seinem Leben herausgearbeitet oder Beziehungen wie die zwischen Marie Valerie und ihren älteren beiden Geschwistern Rudolf und Gisela genauer beleuchtet werden. Es ist eine fast schon verklärende und romantisierende Darstellung, die "Kronprinz Rudolf - Ein Leben" geprägt hat. Das macht das Buch nicht unbedingt schlecht, denn als Einstiegslektüre ist es hervorragend, doch zugleich gibt es auch Aspekte, die von anderen AutorInnen in neueren Werken widerlegt wurden (wie Katrin Unterreiner in "Kronprinz Rudolf - Ich bin andere Wege gegangen….").

Doch was Brigitte Hamann gelingt ist dem Leser das Drama des Kronprinzen anschaulich zu vermitteln. Anhand der Geschichte Rudolfs werden auch die begleitenden Umstände seines Weges nach Mayerling geschildert. Die Diktion, welche Brigitte Hamann begründet hat, wurde seither vielfach aufgegriffen. Ganz klar verweist sie Mayerling-Mythen in das Reich der Fiktion und stellt die reale Version dar, wobei sie auch Erklärungsmöglichkeiten für den Entstehung zahlreicher Verschwörungstheorien aufzeigt, ohne dies allerdings bewusst anzusprechen. Ganz gewiss, ist "Kronprinz Rudolf – Ein Leben", ein Standardwerk, dass man zumindest gelesen haben sollte, wenn man auch in den Details nicht mit der Autorin übereinstimmt, selbst wenn diese von vielen anderen Autorinnen und Autoren mit Freude aufgegriffen worden sind. Anders als Katrin Unterreiner etwa, schafft es Brigitte Hamann, die Persönlichkeit Rudolfs, als in jeder Hinsicht gescheiterten und völlig enttäuschten Thronerben mit Ambitionen und einer gehörigen Portion Talent aufzuzeigen.

Fazit:
Eine beeindruckende und sehr gut erzählte Einführung in das Leben des gescheiterten Kronprinzen.

5 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Kronprinz Rudolf
von Brigitte Hamann
1
Buch 14,99

American Godzilla

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Es sollte Feier in fast überschaubaren Rahmen werden, die Jason und seine Freundin Lily als Überraschungsparty für Jasons Bruder Rob vorbereitet hatten, bevor dieser als stellvertretender Vorstandsvorsitzender nach Japan zieht. Robs bester Freund Hud sollte diesen Moment als langfristiges Andenken mit einer Handkamera aufnehmen, doch aus dem geplanten Erinnerungsvideo wird ein Bericht der folgenden Ereignisse, die damit beginnen, dass ein vermeintliches Erdbeben New York City erschüttert. Kurz darauf landet der Kopf der Freiheitsstatue auf der Straße und "etwas" greift die Stadt an...

Die Idee zu Cloverfield kam Produzent J.J. Abrams laut eigener Aussage bei einer Reise nach Japan, wo er von der nach wie vor großen Beliebtheit für Godzilla überrascht war. Abrams Intention war klar, er wollte eine Art amerikanisches Monster erschaffen und dieses sollte eben anstatt Tokyo nun New York angreifen. Dabei vereint Cloverfield einige typisch amerikanische Filmstile, wodurch das Experiment zu einem Post-College-Beziehungs-Apokalypse-Monster-Film mit Handcam wurde.

Inhaltlich ist Cloverfield genau das, ein Film in welchem die Protagonisten schon einige Jahre aus dem College sind, aber noch ein letztes Mal, die gute alte Zeit wiederaufleben zu lassen. Überschattet wird das von einem Beziehungsdrama zwischen Rob und Beth, sowie dem Angriff eines Monsters, das New York verwüstet. Wie in einem Teenie-Splatter wird die Gruppe der "Helden" dabei langsam aber sicher aufgerieben und findet erst gegen Ende so etwas wie Sicherheit.

Problematisch mag dabei die Handkamera-Perspektive sein, die zwar der grafischen Qualität nicht abträglich ist, aber viele Zuseher irritiert und verärgert. Die ursprüngliche Idee dahinter, einen Film auf diese Art und Weise direkt aus Sicht der Protagonisten zu erzählen ist jedoch durchaus interessant. Anderenseits dürften alle Pläne J.J. Abrams einen amerikanischen Godzilla zu schaffen, trotz der Fortsetzungs-Option, einigermaßen gescheitert sein, allein deshalb, weil das Monster im Gegensatz zur Riesenechse Godzilla eine weit komplexere Körperform aufzuweisen hat.

Interessant natürlich dass sich auf der gängigen DVD-Version das gleiche Bonusmaterial findet, wie auf der Steelcase-Version, deren "edlere" Verpackung zugleich auch den höheren Preis rechtfertigen muss. Die alternativen Enden sind dabei nur ein wenig anders, als das Original, aber gerade das zweite gibt, zumindest wenn man es sich sehr genau und im Zeitraffer ansieht, einen möglichen Hinweis auf die Herkunft des Cloverfield-Monsters. Daneben erhält man eine ebenfalls sehr aufschlussreiche Doku über die Schöpfung des American Godzilla und erhält einige Hintergrundinformationen zu seinem wirklichen Charakter.

Angesichts von Konkurrenz wie I am Legend und 28 Weeks Later, die ebenfalls 2008 auf DVD erschienen sind und das Horror-Genre bedienen hat es Cloverfield nicht leicht sich zu behaupten. Doch der Film hat auch jetzt, nach dem Ende der ungewöhnlichen Marketingkampagne für den Kinofilm nichts von seiner faszinierenden Aura verloren. Sicher, er ist weniger apokalyptisch oder sozialkritisch als manch anderes Werk, aber er nutzt eine besondere Perspektive und verbindet mit dieser verschiedene Genres, um etwas neues zu konstruierten. Man kann ihn mögen und man kann ihn hassen, je nachdem, wie man zu seinen einzelnen Bestandteilen steht, die in der ein oder anderen Form nicht unbedingt zur ersten Güte gehören.

Fazit:
Ein faszinierendes Experiment, szenisch mehr als gelungen.

2 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Cloverfield
5
Film 8,99

Kann der Mensch unsterblich werden?

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 14.09.2008

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen ist in den letzten 100 Jahren von 49 auf ungefähr 80 Jahre phänomenal angestiegen und ein Ende scheint kaum in Sicht - Wasser auf den Mühlen aller Anti-Aging-Gläubigen, die Unsterblichkeit scheint nur noch eine Frage der Zeit, neueste Erkenntnisse in der Gentechnik machen's möglich. Doch natürlich wirft die Diskussion um ein medizinisch machbares ewiges Leben, eine Vielzahl von Fragen auf, vor allem wie es möglich sein soll, dieses zu erreichen. Als Humangenetiker sieht sich Univ..-Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger oft mit solchen bohrenden Fragen konfrontiert, ob, wann und wie man denn nicht das Leben entscheidend verlängern könnte und welche Rolle die Gene dabei spielen. Mit "Endlich Unendlich" versucht Hengstschläger eine Antwort zu geben, die der Essenz seiner bisherigen Beiträge zum Thema in den Medien entspricht. Es herrscht Erklärungsbedarf für die Nachrichten wie "Forscher haben herausgefunden, Rotwein verlängert das Leben" und wer wäre da besser geeignet als der Autor von "Die Macht der Gene", der mit einer Portion Witz und fundierten Fachkenntnissen, die Dinge so erklärt, dass sie auch wirklich jeder versteht.

"Spielen Gene überhaupt eine Rolle bei der Frage des Ausschöpfens des Rahmens? Sie würden sagen, eine unmissverständliche Frage schreit nach einer klaren Antwort. So klar ist die Antwort darauf aber nicht." (S. 77)
Einfache Fragen, verlangen eben doch nicht immer einfache Antworten und der Mensch ist nicht auf seine reduzierbar, wie Markus Hengstschläger immer wieder zu Bedenken gibt. Vielmehr sind Gene nur Stift und Papier, mit denen wir durch moderate sportliche Betätigung, eine ausgewogene Ernährung und möglichst gesunden Lebenswandel auch in der Lage sein sollten, eine möglichst lange Lebenslinie zu zeichnen. Dennoch "Vielleicht sind es ungefähr 25 Prozent der Lebenserwartung, die man genetischen Unterschieden zuschreiben kann. Die Meinungen gehen diesbezüglich auseinander." (S. 78) Wissenschaftlich belegen lässt sich derzeit noch wenig, aber vor allem Studien an eineiigen Zwillingen erbringen immer wieder bedeutende Erkenntnisse über äußere Einflüsse, da bei beiden Probanten die Gene relativ identisch sind.

Ob Rotwein und die Mittelmeerdiät wirklich lebensverlängernd wirken oder doch eine bestimmte Genvariante die bei über 100jährigen einfach öfter vorkommt den Ausschlag dafür geben, wie alt man wird, wer "Endlich Unendlich" liest erhält ein wenig Gewissheit in diesen Fragen. Markus Hengstschläger ist mit seinem Buch eine sehr humorvolle, leicht verständliche und umfassende Darstellung des aktuellen Wissensstands gelungen, allerdings ohne einer Offenbarung gleich unumstößliche Wahrheiten zu präsentieren. Vieles bleibt unklar und schwammig, manches wirkt auch nicht unbedingt neu und erkenntnisfördernd, doch repräsentiert es das was man heute schon mit gewisser Sicherheit sagen kann, man möge dem Autor nachsehen, dass er sich nicht in schwer belegbare Vermutungen und Behauptungen stürzt, nur um seinen Lesern überraschende neue Forschungsergebnisse zu präsentieren, die kaum mehr als Hypothesen wären.

Fazit:
Für jedermann verständlich, formuliert Markus Hengstschläger den gegenwärtigen Forschungsstand in der Frage, ob ein ewiges Leben medizinisch und technisch machbar wäre.

4 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Endlich Unendlich
von Markus Hengstschläger
3
Buch 19,95

 
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