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Eine Kundin / Ein Kunde Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 471 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Neil Gaiman, Michael Cunningham, Amber Dermont, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

Meine Bewertungen

 
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Dem Meister über die Schulter schauen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.12.2016

Der heurige literarische Bücherherbst hat ein ganz besonderes Gustostückerl auf Lager: Haruki Murakamis wohl persönlichstes Werk. Vom Beruf Schriftsteller handelt, wie man es vom Titel eigentlich schon erahnen kann, übers Schreiben. Ja, er schreibt über das Schreiben und es ist beinahe so, als ob man dem Meister über die Schulter schaut. Und wenn es jemand erklären kann dann er, schließlich schreibt Murakami seit über 35 Jahren. Letztlich wird niemand sein Talent leugnen können und dass trotzdem er sich selbst für einen ganz normalen Menschen hält. Hier kommt, meiner Meinung nach, ein ganz typischer japanischer Wesenszug zum Vorschein. Er nimmt aber auch Stellung zu der Atomkatastrophe Fukushima, erklärt weshalb er nur wenig Wert auf Auszeichnungen und Literaturpreise legt und zeigt die Unterschiede zwischen westlicher und östlichen Buchveröffentlichungen auf. Interessant ist, dass dieser Roman in Japan nicht online erhältlich war, sondern nur in Buchläden. Trotzdem war die erste Auflage schwuppdiwupp, innerhalb weniger Tage vergriffen. Der geneigte Murakami-Fan weiß, dass der große Meisterromancier, eigentlich sehr zurückgezogen lebt und kaum Interviews gibt, daher ist - Vom Beruf Schriftsteller - ein Musthave, nicht nur für seiner Anhänger. Ein bisschen lässt er in sein Privatleben blicken, auch wenn man sich hier keine Autobiografie erwarten darf. In - Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede - hat er bereits in seinen Alltag blicken lassen. Das steht auf meinem SuB (=Stapel ungelesener Bücher) nun ganz weit oben.

Von Beruf Schriftsteller
von Haruki Murakami
(3)
Buch
23,00

Von Frauen die sich selbst retten

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.12.2016

In diesem "Bilderbuch" für Erwachsene finden wir verschiedene Elemente eines Märchens. Zwerge, eine junge Frau in Nöten, ein Dornen und Ranken umwittertes Schloss, Mut und Tapferkeit. Aber eines finden wir nicht: Einen Prinzen der die Jungfrau in Nöten rettet. So macht sich dann eben eine Königin auf, um eine Prinzessin zu retten.

Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Romanciers von fantasievollen Büchern und in seinen Romanen hat er es immer wieder bewiesen welche Talente ihn ihm stecken. Die Message zwischen den Zeilen: Selbst ist die Frau und wieso auf einen Mann warten, wenn man selbst ebenso stark und tapfer sein kann? Es ist aber auch die Kombination aus Text und Bildern, letzteres hauptsächlich in Schwarz-Weiß-Gold gehalten, die sich sehen lassen kann. Die Mischung machts und hier ist ein Duo am Werk, dass mir in der Gesamtheit sehr gut gefallen hat und auch immer wieder gut gefallen wird. Die Erfolgsgeschichte der beiden geht weiter: Heuer ist von den Künstlern eine illustrierte Ausgabe von "Neverwhere" (=zu Deutsch Niemalsland) erschienen. Mit diesem Roman debütierte Gaiman, die bereits zum zweiten Mal als Serie verfilmt worden, und das erste mal heuer in einer ungekürzten Fassung im Eichborn Verlag erschienen ist. Allerdings ohne den Illustrationen von Chris Riddell. Die Englische Ausgabe ist jetzt auf meiner Wunschliste gelandet. Ich für meinen Teil kann nur hoffen, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und noch viele Geschichten gemeinsam veröffentlichen.

Der Fluch der Spindel
von Neil Gaiman
(4)
Buch
16,95

Das geheime Innenleben von Bibliotheken

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.12.2016

In „Die unheimliche Bibliothek“ entführt uns der Maître de littérature und den namenlosen Hauptcharakter dieser Kurzgeschichte in eine Bibliothek. Eigentlich wollte er nur zwei Bücher zurückbringen, allerdings wird er dort gefangen gehalten und bekommt Besuch eines Schafmannes.

Bei solchen Schätzen der Literatur und den darin enthaltenen Zeichnungen muss man als bibliophiler Leser, dass Buch in gedruckter Form besitzen. Auch wenn man die elektronische Variante bereits besitzt. Kat Menschik hat in diesem Werk, genauso wie auch schon in - Schlaf - und in - Die Bäckereiüberfälle -, die Illustrationen gemacht und hat ein weiteres Mal ihre Kunstfertigkeit unter Beweis gestellt. An dieser Stelle möchte ich aber auch die beiden von ihr zuletzt illustrierten Werke von Kafka - Der Landarzt - und von Shakespeare - Romeo und Julia - aus dem Galiani Verlag erwähnen. Beide sind mit wunderschönen Zeichnungen versehen. Auch wenn ich meinen eReader aufgrund der vielen Vorzüge sehr schätze, Erzählungen wie - Die unheimliche Bibliothek - kommen in gedruckter Form einfach besser zur Geltung.

Haruki Murakami ist ein Meister seines Fachs und ich möchte meinen, wohl einer der wenigen seiner Art. Damit meine ich jene, die das Geschichtenerzählen perfektioniert haben und uns, vornehmlich seine leidenschaftlichen Anhänger, an seinem Genie teilhaben lassen. Es gibt aber auch sehr wenige Schriftsteller, deren Kurzgeschichten ich ebenso genieße. Charles Bukowski und Truman Capote fallen mir spontan ein, aber es war Haruki Murakami, der mich auf den Geschmack gebracht hat. Aber genug der Lobhudelei über den Schriftsteller und hin zum Buch: Wie schon oben erwähnt ist es der Kunstfertigkeit Kat Menschik zu verdanken, die der Erzählung die kafkaeske Tiefe der Erzählung verleiht und interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die japanische Ausgabe eher einem illustriertem Kinderbuch gleicht. Dabei ist der Inhalt der Kurzgeschichte doch eher sehr düster. Ständig geschehen rätselhafte Dinge und die Grenze zwischen Realität und Illusion verwischt der Schriftsteller gekonnt. Angst, Einsamkeit und das Gefühl von Ausgeliefertsein stehen dabei in Zentrum der Geschichte. Wer unheimliche Kurzgeschichten mag wird seine Freude damit haben, wer sich dem Schaffen von Haruki Murakami noch nicht genähert hat, dem empfehle ich seinen Roman - Afterdark-.

Die unheimliche Bibliothek
von Haruki Murakami
(10)
Buch
14,99

Ein Anwalt auf Abwegen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 04.11.2016

Bobby Dollar ist ein Anwaltsengel. Er lebt auf der Erde, genauer gesagt in San Judas - Kalifornien und steht dadurch in der Hierarchie der Engel ganz weit unten. Dabei hat er einen wichtigen Job: Stirbt ein Mensch wird sofort nach dem Tod über seine Seele Gericht gehalten. In diesem Schnellverfahren werden sie, je nach dem wie das Verfahren ausgeht, dem Himmel oder eben der Hölle zugeordnet. Als Bobby zu der Verhandlung über die Seele von Edward Lynes Walker gerufen wird, ist nichts mehr wie es war. Walkers Seele ist nämlich verschwunden, obwohl das gar nicht sein kann. Der Engel fängt an zu recherchieren und kommt einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur.

"Bobby Dollar: Die dunkeln Gassen des Himmels" ist der Auftakt zu einer fulminanten Trilogie, die mir ungemein gut gefallen hat, wenn auch nicht von Anfang an, da der Hauptprotagonist, mit seiner derben und unflätigen Ausdrucksweise, eher unsympathisch aufgefallen ist und keineswegs einem klassischen Engel aus dem Himmel nachempfunden wurde. Deswegen ist auch sein Faible für Waffen nicht verwunderlich, wer sich einem pazifistischen Engel vorstellt, ist bei Bobby an der falschen Adresse. Dabei reiht sich dieser Charakter in eine Reihe von Privatermittlern ein, dessen literarisches Vorbild wohl Sam Spade ist (Dashiell Hammet - Der Malteser Falke) und sehr menschliche Züge hat. Selbst der Clinch zwischen Himmel und Hölle ist keineswegs klassisch oder religiös erzählt, sondern kann im weitesten Sinne, mit dem kalten Krieg zwischen den USA und der damaligen UDSSR vergleichen. Das Ganze ist sehr detailverliebt erzählt, und macht Laune mehr von diesem Autor zu lesen. Der nächste Band in dieser Trilogie ist - Happy Hour in der Hölle - und ist mindestens genauso schwarz-humorig wie dieser!

Die dunklen Gassen des Himmels
von Tad Williams
(5)
eBook
9,99

Ein Klavierspiel ohne Ende

Eine Kundin / Ein Kunde , am 04.11.2016

"Das war's." waren Marek Olsbergs letzte Worte auf der Bühne der Berliner Philharmonie. Der weltberühmte Pianist, der von seiner Assistentin aufs Fürsorglichste umsorgt und gehegt wird, bricht mitten in der Hammerklaviersonate das Konzert ab. Ohne vorher bewusst diesen Schritt zu gehen, der sich völlig unbewusst, sich in die Freiheit katapultiert hat, geht erst mal in die nächste Bar etwas trinken.

Der rote Faden in dieser Geschichte ist der plötzliche Weggang des Pianisten, und um dieses Geschehnis herum, lässt Sulzer einige Figuren zu Wort kommen und zeigt auf, wie schnell sich durch eine unvorhergesehene Begebenheit, viele Leben eine neue Wendung nehmen kann. Aus den Fugen beinhaltet ein Panoptikum der Charaktere, deren Lebensentwürfe nicht mehr gelten. Sulzer zeigt auf, wie schnell unser sorgsam geplantes Leben aus den Fugen geraten kann. Manche sind komisch, tragisch und romantisch und durch die schnörkellose Erzählweise macht es auch nichts, dass die eine oder andere Geschichte ein bisschen zu hollywoodlike, vielleicht sogar ein wenig aufgesetzt wirkt. Trotzdem oder vielleicht auch deswegen konnte ich mich dem Sog kaum erwehren und hab diesen Roman, der 2012 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises stand, viel zu schnell gelesen gehabt. Und seinen schnörkellosen Stil hab ich bereits bei - Ein perfekter Kellner - bewundert. Wie allerdings die einzelnen Geschichten ausgehen, bleibt im dunklen. Der Leser muss sich durch das offene Ende selbst ausmalen, wie sie weitergehen. Meine Erwartungen wurden erfüllt und einer seiner nächsten Romane wartet bereits in meinem Bücherregal darauf, gelesen zu werden.

Aus den Fugen
von Alain Claude Sulzer
(2)
eBook
8,99

Eine Kindheit in den Südstaaten

Eine Kundin / Ein Kunde , am 04.11.2016

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der erst 13 jährige Joel Knox bei einer Freundin der Verstorbenen unter. Allerdings kann er dort nicht beleiben und so soll er zu seinem, ihm bisher völlig unbekannten Vater, nach Alabama ziehen. Dort angekommen wird er allerdings von ihm ferngehalten. Seine eigenartige Stiefmutter Amy, lässt ihn nicht zu ihm..

Andere Stimmen, andere Räume ist der Debütroman von Truman Capote und sorgte bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1948, bereits ungelesen für Furore. Schuld daran war das Portrait-Foto am Umschlag. Es zeigt den 15 jährigen in einer lasziven und zu einladenden, sexuell unterschwelligen Körpersprache. So der Vorwurf seiner Kritiker. Es war 1948 der am meisten diskutierte Roman und stand 9 Wochen auf der Bestsellerliste des New Yorkers. Heutzutage kann man es sich kaum vorstellen, dass ein Roman nur wegen eines Portrait-Fotos so eine Publicity zu teil wird.

Ich musste den Roman erst ein wenig sacken lassen, bevor ich diesen Roman bespreche und hab mir natürlich auch Gedanken darum gemacht. Er hat insgesamt sehr wenig Handlung, es ist ein Coming of Age Roman und lebt von den Beschreibungen und der Stimmung und der stilistischen Erzählung, die Truman Capote sein eigen nennt. Joel, der Hauptprotagonist, ist sich anfänglich noch ziemlich unsicher. Ihm gegenüber steht eine unbekannte ländliche Welt der Südstaaten, der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, eigenartige Menschen und sein Vater, der ihm ein Unbekannter bleibt. Hier würde ich behaupten, dass auch biografisches mit eingeflossen ist, denn für den Schriftsteller war auch der eigene Vater ein Unbekannter. Und Truman Capote hat seine Kindheit in den Südstaaten verbracht. Ab Mitte des Romans bleibt vieles nur Angedeutet. Vage verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Surrealität. Diese metaphernschwere Erzählung muss man schon mögen, ihm allerdings nun Langeweile vorzuwerfen, grenzt schon an einem Sakrileg. Nachdem ich - Wo die Welt anfängt - mit Begeisterung gelesen habe, war ich mir sicher, dass mir auch seine restlichen Werke gefallen. Dieser Roman ist auch Teil der neu editierten Werke Truman Capotes, im achtbändigen Schmuckschuber, den der Kein&Aber Verlag 2008 herausgebracht hat.

Andere Stimmen, andere Räume
von Truman Capote
(1)
eBook
11,99

Roadtrip der Gefühle

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2016

Nancys Mutter litt in ihren fortgeschrittenen Alter an Alzheimer. Ihren Jugendfreund Bob hat sie das Versprechen abgewonnen, dass er ihr im Falle des Falles behilflich ist und sie eher umbringt, als auch daran zu leiden. Jahrzehntelang hat Gene von Nancy nichts mehr gehört, bis sie sich bei ihm wieder und nun das meldet und das Einlösen des Versprechens fordert.

Auch wenn ich hier eine kurz umrissene Inhaltsangabe gemacht habe und sie natürlich auch stimmt, kann sie doch nicht alles umfassen und ich finde es bei – Letzter Bus nach Coffeeville – der unter anderem für den International Dublin Literary Award 2016 nominiert wurde, etwas schwierig davon zu erzählen und nicht zu sehr zu spoilern. Deswegen erzähle ich an dieser Stelle lieber ein bisschen zu wenig, als zu viel. Selber wurde mir der Roman empfohlen und mit - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand - verglichen. Letzeres hab ich noch nicht gelesen und daher kann ich auch diesen Vergleich nicht ziehen. Gefallen hat mir diese Geschichte aber dennoch.

Persönlich bevorzuge ich es, wenn der Einstieg in eine Geschichte nicht zu abrupt ist und man Seite für Seite an die Erzählung herangeführt wird. Bei diesem Roman hat man beinahe die Hälfte durch, bevor die eigentliche Geschichte anfängt. Ja, dass hat mir durchaus gefallen und bekommt dadurch einen ganz eigenen Stil. Die einzelnen Charaktere profitieren natürlich durch die detaillierte Erzählung und bekommen eine besondere Tiefe und Einzigartigkeit, die diesen Haufen merkwürdiger Typen ausmacht, und die der geneigte Leser diesen Romans noch Kennenlernen wird. Es ist ein Roadtrip quer durch Amerika, es ist auch ein Trip durch Themen wie Krieg, Religion, Rassismus, Liebe und Freundschaft. Dabei bleibt der Autor wunderbar leicht in der Erzählung, selbst wenn es um ernste Themen geht und bewahrt sich dabei auch immer einen feinen Humor. Der letzte Bus nach Coffeeville ist der erste Roman des Schriftstellers, der auf Deutsch erschienen ist. Ich bin auf alle Fälle gespannt was er noch in petto hat. Das seine weiteren Werke den Weg in mein Bücherregal finden, versteht sich von selbst.

Letzter Bus nach Coffeeville
von J. Paul Henderson
(4)
Buch
24,00

Von Männern und Mordfällen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2016

Magdalena wohnt mit ihrer Mitbewohnerin Elvira Smejkal am Naschmarkt in Wien und bearbeitet gemeinsam mit ihr und der Nachbarin Sofia Schanda ihren ersten Fall. Es geht um einen Liebhaber, der mit 50.000 € verschwunden ist. Der Verdacht liegt also nahe, dass es sich um einen Betrüger, um einen Heiratsschwindler handelt.

Ich bin eigentlich so gar nicht der Krimileser, hin und wieder, taucht aber dennoch einer auf, der mein Interesse weckt. Edith Kneifl und Meine Wenigkeit kommen aus derselben Kleinstadt und ihre Hauptprotagonistin, die Magdalena Musil wohnt dort, wo ich gerne in Wien ebenfalls eine Wohnung haben möchte: Im Majolikahaus. Hier hören aber die Gemeinsamkeiten schon auf. Frau Kneifl schreibt nicht lange um den heißen Brei herum und man wird sozusagen gleich in die Geschichte hineingeworfen. Das Trio infernale hat mich ein wenig an - Sex and the City - und an - Drei Engel für Charlie (=die Serie nicht die Filme) erinnert gefühlt, wenn es auch keinen Charlie in dieser Geschichte gibt. Sie nehmen sich kein Blatt vor dem Mund und die Dialoge sind durchzogen vom berühmten Wiener Schmäh. Es ist eine unaufgeregte Erzählung, mit einer Wendung in der Mitte die ich so nicht vorausgesehen habe. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich, wie oben schon erwähnt, nicht der große Krimileser bin und mir der kriminalistischer Instinkt ein wenig fehlt. Zum Schluss wartet die Schriftstellerin mit einem Höhepunkt auf und macht Lust und Laune auf einen weiteren Fall der drei Ermittlerinnen.

Tot bist du mir lieber
von Edith Kneifl
(1)
eBook
12,99

Eine verklärte Kindheit in den Südstaaten

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2016

Im kleinen Südstaatenstädtchen Maycomb wachsen die Geschwister Scout und Jem auf. Charles Baker Harris, von allen nur Dill genannt, ist ihr bester Freund. Sie verbringen ihre Zeit in relativer Freiheit und in der Natur. Die Idylle der Kleinstadt endet, als der Vater von den Geschwistern, Atticus Finch der Abgeordneter und Anwalt ist, einen heiklen Fall übernimmt: Ein junger schwarzer Mann, soll angeblich eine weiße Frau angegriffen haben. Im rassistisch geprägten Süden der USA beginnt eine beispiellose Vorverurteilung und Hetze. Mittendrin die Familie Finch.

Der Rowohlt Verlag hat - Wer die Nachtigall stört - in einer überarbeiteten und neuen Übersetzung herausgebracht. Zeitgleich ist er mit dem Überraschungsroman im DVA Verlag - Geh hin und stell einen Wächter - aus der Feder derselben Autorin, Harper Lee, erschienen und war bis dahin war es auch das einzige Buch, dass die mittlerweile verstorbene Schriftstellerin geschrieben hat. 40 Jahre nach dem Verfassen des Manuskripts wurde es wiedergefunden und nun endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Manch ein Leser sieht auch viel biografisches in dieser Erzählung und dem geneigten Leser meiner Rezensionen möchte ich nicht etwas anderes verraten: Harper Lee war eine Jugendfreundin von Truman Capote und manch böse Zunge behauptet sogar, dass sie gar nicht schreiben könne und der mit vielen Auszeichnungen überhäufte Roman eigentlich von ihm ist. Ein Brief von Truman Capote soll beweisen, dass nichts an diesem Gerücht dran sein soll. Ähnlichkeiten des Erzählstils sagen nichts aus, die beiden Schriftsteller könnten sich auch gegenseitig in ihrer Kreativität befruchtet haben. Nach dem Erfolg ihres Buches, gingen allerdings beide getrennte Wege. Harper Lee zog sich aus der Öffentlichkeit beinahe komplett zurück und Truman Capote reifte zum Skandalautor seiner Zeit. Auf alle Fälle liegt der zweite Roman von Harper Lee auf meinen SuB und ich bin darauf schon sehr gespannt. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wer die Nachtigall stört.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der jungen Scout und man fühlt sich regelrecht in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts versetzt. Durch die kindliche und teils naive Sichtweise bekommt der Roman eine gewisse Leichtigkeit in der Erzählung, obwohl er den Leser mit einem schwerwiegendem Thema konfrontiert, dem Rassismus. Auch heute noch ist der Roman in den USA, in konservativen Kreisen sehr verpönt ist nichtsdestotrotz zu einem wichtigen Instrument der Bürgerrechtsbewegung geworden. Wer weiß wie die Welt aussehen würde, hätte es diesen Roman nie gegeben. Aber es ist nicht nur ein politischer Roman, sondern zeigt auch ein romantisiertes Bild der Südstaaten und zeigt ein verklärtes Bild einer anscheinend wohlbehüteten Kindheit (=sieht man von dem rassistisch geprägten Gerichtsverhandlung ab). Manchmal hab ich mich auch an Mark Twains Tom Sawyer und Huckleberry Finn erinnert. Anfang der 60er Jahre wurde der Film mit Gregory Peck in der Hauptrolle verfilmt und ich kann mich dunkel daran erinnern, ihn in meiner Kindheit gesehen zu haben. Was man nun von diesem Roman hält, er gehört für mich auf alle Fälle zur klassischen amerikanischen Literatur, die man gelesen haben sollte.

Wer die Nachtigall stört ...
von Harper Lee
(2)
Buch
9,99

Der Apotheker, der Richter und der Tod

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.09.2016

Uhr ohne Zeiger

Carson McCullers

Der Richter, der Apotheker und der Tod

Der Roman - Uhr ohne Zeiger - ist in den frühen 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt und spielt in dem kleinen Südstaatenstädtchen Georgia. Der dort ansässige Apotheker J. T. Melone bekommt von seinem Arzt die Diagnose Leukämie. Er würde nicht mehr lange leben, höchsten noch ein Jahr gibt ihm der Arzt. Zerstört und fassungslos weiß er nicht wie er es seiner Frau erzählen soll. In seine Apotheke, bekommt er immer wieder Besuch des Richters Fox Clane, der über den frühen Tod seiner Frau und seines Sohnes noch immer betrauert. Selbst sein Enkel ist ihm kein Trost.

Uhr ohne Zeiger war der letzte Roman denn Carson McCullers veröffentlichte und wie auch schon bei Patricia Highsmith - war der es jeweils mein erster Roman, den ich von der äußerst talentierten Schriftstellerin gelesen habe. Mehr aus Zufalls als aus purer Absicht. Meiner Meinung nach, lebt dieser Roman durch seine Hauptprotagonisten, drei hab ich bereits oben erwähnt und der vierte im Bunde ist Sherman Pew, ein farbiger Angestellter, der dem Richter täglich die Diabetesspritzen setzt. Fox Clane ist in diesem Reigen eindeutig der Charakter, der mir am Besten gefallen hat und der eindeutig die komplexere und vielschichtigste Person des gesamten Stücks ist. Er ist ein konservativer Mann, der durch den Verlust seines Kindes und seiner Frau sehr leidet und dessen überzogene politische Überzeugungen, seinen Enkel von ihm immer mehr entfremdet. Man kann sich sehr gut in den alternden Südstaaten-Politiker hineinversetzen und seine kruden Ideen nachvollziehen, auch wenn man sie als Leser nicht gut heißt. Ihm gegenüber steht der todkranke Apotheker, der zwar neben den Richter ein wenig blass wirkt, aber durch seinem nahen Tod ständig darüber nachdenkt und auch dem geneigten Leser dazu bringt sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Zumindest ist es mir beim Lesen so ergangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schriftstellerin, die zu dieser Zeit bereits schwer von Krankheit gezeichnet war, und sich daher auch mit dem Thema Tod auseinandersetzt haben wird, einige Biografisches mit einfließen lassen hat. Wer allerdings nun ein starktes Melodram erwartet, dem muss ich ein wenig enttäuschen. Es ist ein düsterer Roman, der sich mit Rassismus, Homosexualität und eben dem endgültigen Tod auseinandersetzt. Ein Jahr vor der Ersterscheinung ist auch - Wer die Nachtigall stört - erschienen, wird aber wahrscheinlich nicht so sehr angeeckt sein, weil der Rassismus nicht direkt angeklagt wird, sondern eben nur aufgezeigt und durch den Richter ein wenig persifliert wird. Carson McCullers, die oft genug für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, verstarb leider viel zu früh. Man mag gar nicht daran denken, welch literarische Werke dadurch nie geschrieben worden sind. Ihr erster Roman - Das Herz ist ein einsamer Jäger - hab ich mir bereits besorgt und wird umgehend von mir gelesen.

Uhr ohne Zeiger
von Carson McCullers
(1)
Buch
10,90

 
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