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12

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123

ebooks

Tampa

Alissa Nutting

EUR 15,99 *
auf Merkliste

40

25.01.2015

„Satire einer übersexualisierten und dem Jugendwahnsinn verfallenen Gesellschaft”

Tampa ist der wohl skandalöseste Roman, der in letzter Zeit erschienen ist und wenn ein Roman so kontrovers in den Medien diskutiert wird, kann ich ja gar nicht anders und muss ihn lesen. Das Cover ist sehr eindeutig und lässt eigentlich keine Vermutungen zu. Das Knopfloch soll an eine Vagina erinnern und auf der Rückseite wird das Vice Magazine zitiert, das Tampa mit American Psycho und Lolita vergleicht. Ich finde, dass diese Gegenüberstellung anrüchiger Literatur, gar nicht mal so weit hergeholt ist, denn gleich ab dem ersten Kapitel, ja ab den ersten Satz dreht sich diese Geschichte um das von der Hauptprotagonistin gestörte Verhältnis zur eigenen Sexualität.

„In der ersten Nacht vor meinem ersten Unterrichtstag, lag ich in einer erregten Endlosschleife lautloser Selbstbefriedigung(…)“

Celeste Price, jene junge und äußerst attraktive Dame, findet in dieser Nacht keine Ruhe, mitunter weil sie so aufgeregt ist, und ihren ersten Arbeitstag an einer Junior Highschool in Tampa entgegenfiebert. Sexuelle Avancen ihres Mannes, erträgt sie nur stark sediert und sein Vermögen gibt sie aus, um ihren eigenen 14-Jährigen Ich wieder näher zu kommen. Sexuell anziehend findet Celeste nur sehr junge Männer und in einem ihrer Schüler findet sie ein passendes Opfer ihrer fehlgeleiteten sexuellen Gier: Jack, ein schmächtiger 14- jähriger Junge, der mitten in der „allerletzten Phase pubertärer Androgynie“ steckt. Fortan verfolgt sie ihr Opfer mit einer obskuren Form der Obsession und lauert Jack auch außerhalb der Schule auf.

Alissa Nutting macht es einem nicht leicht, ihr literarisches Debüt anständig zu rezensieren, wenn es doch um so ein unanständiges Thema geht. Sie erzählt die, durch einen wahren Fall im Jahre 2005 inspirierte, Geschichte des sexuellen Missbrauchs eines Schülers, aus der Sicht der psychopathischen und nymphomanischen Lehrerin. In den verschiedensten Interviews betonte Nutting immer wieder, dass es ihr eigentlich darum ging, einer kulturellen und gesellschaftlichen Vorstellung der weiblichen Sexualität zu widersprechen und eben eine sehr aktive und gefühlskalte Hauptprotagonistin zu schaffen. Das ist ihr eindeutig gelungen. Celestes Gedanken kreisen ständig um ihre sexuelle Befriedigung und wie sie sich Erleichterung verschafft. Darüber nun zu schreiben und dass so offensiv und freizügig, ist in der heutigen Welt der Literatur bereits Gang und Gäbe, und findet ihren trivialsten Anklang in dem sogenannten Mummy-Softporno-Genre, und ist damit aber kaum zu vergleichen. Hier ihren Roman wegen des nicht minder heiklen Themas des sexuellen Missbrauchs zu verdammen wäre allerdings nicht richtig. Literatur muss aufregen und Literatur muss erzählen, auch wenn es um tabuisierte Inhalte geht. Letztlich und nachdem ich nun Tempa recht zügig gelesen habe, muss ich sagen, dass dieser Roman, eigentlich nur eine Satire ist und uns einerseits die übersexualisierte Gesellschaft vor Augen hält und andererseits auch den Jugendwahnsinn sehr gut pointiert.

buch

Tampa

Alissa Nutting

EUR 19,99 *
auf Merkliste

40

25.01.2015

„Satire einer übersexualisierten und dem Jugendwahnsinn verfallenen Gesellschaft”

Tampa ist der wohl skandalöseste Roman, der in letzter Zeit erschienen ist und wenn ein Roman so kontrovers in den Medien diskutiert wird, kann ich ja gar nicht anders und muss ihn lesen. Das Cover ist sehr eindeutig und lässt eigentlich keine Vermutungen zu. Das Knopfloch soll an eine Vagina erinnern und auf der Rückseite wird das Vice Magazine zitiert, das Tampa mit American Psycho und Lolita vergleicht. Ich finde, dass diese Gegenüberstellung anrüchiger Literatur, gar nicht mal so weit hergeholt ist, denn gleich ab dem ersten Kapitel, ja ab den ersten Satz dreht sich diese Geschichte um das von der Hauptprotagonistin gestörte Verhältnis zur eigenen Sexualität.

„In der ersten Nacht vor meinem ersten Unterrichtstag, lag ich in einer erregten Endlosschleife lautloser Selbstbefriedigung(…)“

Celeste Price, jene junge und äußerst attraktive Dame, findet in dieser Nacht keine Ruhe, mitunter weil sie so aufgeregt ist, und ihren ersten Arbeitstag an einer Junior Highschool in Tampa entgegenfiebert. Sexuelle Avancen ihres Mannes, erträgt sie nur stark sediert und sein Vermögen gibt sie aus, um ihren eigenen 14-Jährigen Ich wieder näher zu kommen. Sexuell anziehend findet Celeste nur sehr junge Männer und in einem ihrer Schüler findet sie ein passendes Opfer ihrer fehlgeleiteten sexuellen Gier: Jack, ein schmächtiger 14- jähriger Junge, der mitten in der „allerletzten Phase pubertärer Androgynie“ steckt. Fortan verfolgt sie ihr Opfer mit einer obskuren Form der Obsession und lauert Jack auch außerhalb der Schule auf.

Alissa Nutting macht es einem nicht leicht, ihr literarisches Debüt anständig zu rezensieren, wenn es doch um so ein unanständiges Thema geht. Sie erzählt die, durch einen wahren Fall im Jahre 2005 inspirierte, Geschichte des sexuellen Missbrauchs eines Schülers, aus der Sicht der psychopathischen und nymphomanischen Lehrerin. In den verschiedensten Interviews betonte Nutting immer wieder, dass es ihr eigentlich darum ging, einer kulturellen und gesellschaftlichen Vorstellung der weiblichen Sexualität zu widersprechen und eben eine sehr aktive und gefühlskalte Hauptprotagonistin zu schaffen. Das ist ihr eindeutig gelungen. Celestes Gedanken kreisen ständig um ihre sexuelle Befriedigung und wie sie sich Erleichterung verschafft. Darüber nun zu schreiben und dass so offensiv und freizügig, ist in der heutigen Welt der Literatur bereits Gang und Gäbe, und findet ihren trivialsten Anklang in dem sogenannten Mummy-Softporno-Genre, und ist damit aber kaum zu vergleichen. Hier ihren Roman wegen des nicht minder heiklen Themas des sexuellen Missbrauchs zu verdammen wäre allerdings nicht richtig. Literatur muss aufregen und Literatur muss erzählen, auch wenn es um tabuisierte Inhalte geht. Letztlich und nachdem ich nun Tempa recht zügig gelesen habe, muss ich sagen, dass dieser Roman, eigentlich nur eine Satire ist und uns einerseits die übersexualisierte Gesellschaft vor Augen hält und andererseits auch den Jugendwahnsinn sehr gut pointiert.

ebooks

Unterwerfung

Michel Houellebecq

EUR 18,99 *
auf Merkliste

50

20.01.2015

„Je suis Houellebecq”

François ist im Jahr 2022 Hochschullehrer für Literatur an der Sorbonne Nouevelle. Die Anstellung ist für den Literaturwissenschaftler wie geschaffen, denn hauptsächlich unterrichtet er nur mittwochs und seine restliche Zeit kann er seinen zwei größten Liebschaften widmen. Einerseits der Liebe zu Studentinnen, die er jährlich wechselt und andererseits der Liebe zur Literatur, insbesondere der Literatur von Joris-Karl Huysmans. Als die Präsidentschaftswahlen anstehen und einige Wahllokale überfallen werden, spitzt sich die Situation zu und François verlässt Paris.

Auf das neue Werk des umstrittenen Provokateurs Michel Houellebecq einzugehen, ohne auch auf die feigen Anschläge auf Charlie Hebdo hinzuweisen, wäre fatal und in keinster Weise richtig. Houellebecqs Roman ist in Frankreich am selben Tag erschienen als auch die Anschläge passiert sind und dabei hat er einen persönlichen Freund, Bernard Maris verloren. Der wohl bedeutendste französische Gegenwartsliterat hat, bei der einzigen Lesung im deutschsprachigen Raum, per Livestream hab ich sie mir angesehen, die Vorwürfe das sein Roman islamophob sei, von sich gewiesen, sich allerdings im selben Atemzug gewünscht und beinahe bereut es nicht gewesen zu sein, denn dann hätte sich seine Botschaft vielleicht deutlicher herauskristallisiert. Grundsätzlich muss man festhalten, dass Literatur alles erzählen darf und soll. Hier eine Grenze zu ziehen was man dürfe, oder nicht wäre verhängnisvoll und würde eigentlich auf einen diktatorischen Machtmissbrauch hinweisen.

Schlussendlich stellt sich für mich, als Leser dieses Romanes dann auch die Frage: „Wie hätte ich es gelesen, wenn es die Anschläge nicht gegeben hätte?“ Vielleicht wäre der Roman ganz anders interpretiert worden, vielleicht wären die zahlreichen Diskussionen anderes ausgefallen, und ich hätte Unterwerfung in ein fiktives Frankreich verbannt, aber so bekommt die Geschichte eine gehörige Portion Realismus, auf die einige Leser wahrscheinlich sehr verstörend und ängstlich reagieren werden.

Die eigentliche Provokation oder Satire, abgesehen von der schweren Identitätskrise des Hauptprotagonisten, liegt für mich ganz klar in der überzeichneten Hochschulllehrerschaft und in der politischen Landschaft, hier hätte allerdings die Figur des Mohammed Ben Abbes etwas mehr Substanz oder Gewicht vertragen. Vielleicht klingt zwischen den Zeilen auch ein wenig Gesellschaftskritik mit, aber das ist nun mal das Los einer guten dystopischen Erzählung. Sicher ist, dass man noch viel mehr in diesen Roman interpretieren wird, als uns allen lieb ist. So bleibt der abgehalfterte und deprimierte Hochschullehrer im Fokus des Lesers, der zwischen Angst, Einsamkeit von guten und schlechten Sex pendelt. Unterwerfung ist der erste Roman von Houellebecq den ich gelesen habe, und wird bestimmt nicht der Letzte gewesen sein.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Unterwerfung

Michel Houellebecq

EUR 22,99 *
auf Merkliste

50

20.01.2015

„Je suis Houellebecq”

François ist im Jahr 2022 Hochschullehrer für Literatur an der Sorbonne Nouevelle. Die Anstellung ist für den Literaturwissenschaftler wie geschaffen, denn hauptsächlich unterrichtet er nur mittwochs und seine restliche Zeit kann er seinen zwei größten Liebschaften widmen. Einerseits der Liebe zu Studentinnen, die er jährlich wechselt und andererseits der Liebe zur Literatur, insbesondere der Literatur von Joris-Karl Huysmans. Als die Präsidentschaftswahlen anstehen und einige Wahllokale überfallen werden, spitzt sich die Situation zu und François verlässt Paris.

Auf das neue Werk des umstrittenen Provokateurs Michel Houellebecq einzugehen, ohne auch auf die feigen Anschläge auf Charlie Hebdo hinzuweisen, wäre fatal und in keinster Weise richtig. Houellebecqs Roman ist in Frankreich am selben Tag erschienen als auch die Anschläge passiert sind und dabei hat er einen persönlichen Freund, Bernard Maris verloren. Der wohl bedeutendste französische Gegenwartsliterat hat, bei der einzigen Lesung im deutschsprachigen Raum, per Livestream hab ich sie mir angesehen, die Vorwürfe das sein Roman islamophob sei, von sich gewiesen, sich allerdings im selben Atemzug gewünscht und beinahe bereut es nicht gewesen zu sein, denn dann hätte sich seine Botschaft vielleicht deutlicher herauskristallisiert. Grundsätzlich muss man festhalten, dass Literatur alles erzählen darf und soll. Hier eine Grenze zu ziehen was man dürfe, oder nicht wäre verhängnisvoll und würde eigentlich auf einen diktatorischen Machtmissbrauch hinweisen.

Schlussendlich stellt sich für mich, als Leser dieses Romanes dann auch die Frage: „Wie hätte ich es gelesen, wenn es die Anschläge nicht gegeben hätte?“ Vielleicht wäre der Roman ganz anders interpretiert worden, vielleicht wären die zahlreichen Diskussionen anderes ausgefallen, und ich hätte Unterwerfung in ein fiktives Frankreich verbannt, aber so bekommt die Geschichte eine gehörige Portion Realismus, auf die einige Leser wahrscheinlich sehr verstörend und ängstlich reagieren werden.

Die eigentliche Provokation oder Satire, abgesehen von der schweren Identitätskrise des Hauptprotagonisten, liegt für mich ganz klar in der überzeichneten Hochschulllehrerschaft und in der politischen Landschaft, hier hätte allerdings die Figur des Mohammed Ben Abbes etwas mehr Substanz oder Gewicht vertragen. Vielleicht klingt zwischen den Zeilen auch ein wenig Gesellschaftskritik mit, aber das ist nun mal das Los einer guten dystopischen Erzählung. Sicher ist, dass man noch viel mehr in diesen Roman interpretieren wird, als uns allen lieb ist. So bleibt der abgehalfterte und deprimierte Hochschullehrer im Fokus des Lesers, der zwischen Angst, Einsamkeit von guten und schlechten Sex pendelt. Unterwerfung ist der erste Roman von Houellebecq den ich gelesen habe, und wird bestimmt nicht der Letzte gewesen sein.

2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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Was sie begehren

Kenneth Mackenzie

EUR 16,99 *
auf Merkliste

50

19.01.2015

„Klassische australische Literatur”

Als ich das erste Mal, das Cover von „Was sie begehren“ gesehen habe, hatte ich ein Déjà-vu. Das Titelbild ist von Paul Cadmus, diesen Umstand wusste ich bis dahin aber noch nicht. Einen Reim auf dieses Wiedererkennen, konnte ich mir erst machen, weil ich ständig neue Ordnungssysteme für mein Bücherregal ausprobiere und schicksalshaft „Das Sandkorn“ von Poschenrieder, gleich neben diesen wunderbaren Roman gelandet ist. Beide Bücher haben dasselbe Titelbild, und das hat mir wiederrum ein bisschen zu denken gegeben: „Wähle ich Romane tatsächlich nur nach dem was darin steht aus, oder lasse ich mich doch zu sehr von gut gestalteten Cover verleiten ein Buch zu lesen?“ Bei diesem Roman ist es mir geglückt auf ein schönes Äußeres, auch auf ein schönes Inneres zu stoßen und man kann dem Verlag nur gratulieren, dieses literarische Kleinod ausgegraben zu haben und gut 77 Jahre nachdem es im englischen Original erschienen ist, es auch auf Deutsch der eifrigen Leserschaft zu präsentieren.

Held dieser Geschichte ist der 15 jährige Charles Fox, der gerade frisch an einem Internat eintrifft. Bisweilen wurde er zu Hause von seiner Mutter unterrichtet, seine Freiheiten büßt er im Internat schnell ein. Den Drangsalierungen seiner Mitschüler ausgesetzt, in der ersten Nacht wird er von seinen Klassenkameraden in einen Korb mit stinkender Dreckwäsche gesteckt, findet Charles kaum Anschluss und bleibt relativ einsam. Ausgerechnet bei dem Lehrer, der im vor weiteren Torturen rettet, findet Charles einen Freund. Es ist der Beginn einer Freundschaft, bei der die Grenze zwischen Zuneigung und Zudringlichkeit, von Seiten des Lehrers überschritten wird. Penworth fühlt sich erotisch von seinem Schüler angezogen und als in den ersten Ferien Charles ein junges Mädchen kennenlernt, verliebt er sich augenblicklich in sie.

„Was sie begehren“ ist ein literarisch-atmosphärisch dichter Adoleszenzroman, dessen wahres Alter man aber gerade beim Lesen nicht vergessen sollte. Die „Schicklichkeit“ hat es im Jahr 1937 wohl nicht erlaubt bestimmte Szenen zu lange und im Detail zu beschreiben. Oder merkt man ihm die biographischen Züge an, die diesem Roman innewohnen, sodass er die Misshandlungen und für ihn seltsam anmutenden Internatsrituale kurz angedeutet lässt um realen Personen nicht zu schaden, oder öffentlich zu diskreditieren? Kurz gesagt, ich weiß es nicht, vielleicht gibt es aber auch einen anderen Grund, der sich aber meiner Kenntnis entzieht. An diesen Stellen hat mich die etwas zu blumige Ausdrucksweise dann dazu dirigiert, bestimmte Absätze aufmerksam zu lesen, die im schlimmsten Fall mir ein bisschen unverständlich blieben. Die Intensität die Charles allerdings zu Margret verspürt ist wunderbar klar beschrieben, man erinnert sich sogleich an die eigene große Liebe. Wie ein Damoklesschwert hängt allerdings die verkehrte Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler, über den autobiographischen Roman und wenngleich er ohne großartigen Spannungsbogen auskommt, will man unbedingt wissen, ob es zu einer großen Tragödie kommt oder nicht. Kenneth Mackenzies Leben selbst, endete dramatisch: Er ertrank bei einem Badeunfall und zeitlebens konnte er an den Erfolg, den er mit seinem Debütroman hatte, nicht mehr anknüpfen.

buch

Was sie begehren

Kenneth Mackenzie

EUR 21,90 *
auf Merkliste

50

19.01.2015

„Klassische australische Literatur”

Als ich das erste Mal, das Cover von „Was sie begehren“ gesehen habe, hatte ich ein Déjà-vu. Das Titelbild ist von Paul Cadmus, diesen Umstand wusste ich bis dahin aber noch nicht. Einen Reim auf dieses Wiedererkennen, konnte ich mir erst machen, weil ich ständig neue Ordnungssysteme für mein Bücherregal ausprobiere und schicksalshaft „Das Sandkorn“ von Poschenrieder, gleich neben diesen wunderbaren Roman gelandet ist. Beide Bücher haben dasselbe Titelbild, und das hat mir wiederrum ein bisschen zu denken gegeben: „Wähle ich Romane tatsächlich nur nach dem was darin steht aus, oder lasse ich mich doch zu sehr von gut gestalteten Cover verleiten ein Buch zu lesen?“ Bei diesem Roman ist es mir geglückt auf ein schönes Äußeres, auch auf ein schönes Inneres zu stoßen und man kann dem Verlag nur gratulieren, dieses literarische Kleinod ausgegraben zu haben und gut 77 Jahre nachdem es im englischen Original erschienen ist, es auch auf Deutsch der eifrigen Leserschaft zu präsentieren.

Held dieser Geschichte ist der 15 jährige Charles Fox, der gerade frisch an einem Internat eintrifft. Bisweilen wurde er zu Hause von seiner Mutter unterrichtet, seine Freiheiten büßt er im Internat schnell ein. Den Drangsalierungen seiner Mitschüler ausgesetzt, in der ersten Nacht wird er von seinen Klassenkameraden in einen Korb mit stinkender Dreckwäsche gesteckt, findet Charles kaum Anschluss und bleibt relativ einsam. Ausgerechnet bei dem Lehrer, der im vor weiteren Torturen rettet, findet Charles einen Freund. Es ist der Beginn einer Freundschaft, bei der die Grenze zwischen Zuneigung und Zudringlichkeit, von Seiten des Lehrers überschritten wird. Penworth fühlt sich erotisch von seinem Schüler angezogen und als in den ersten Ferien Charles ein junges Mädchen kennenlernt, verliebt er sich augenblicklich in sie.

„Was sie begehren“ ist ein literarisch-atmosphärisch dichter Adoleszenzroman, dessen wahres Alter man aber gerade beim Lesen nicht vergessen sollte. Die „Schicklichkeit“ hat es im Jahr 1937 wohl nicht erlaubt bestimmte Szenen zu lange und im Detail zu beschreiben. Oder merkt man ihm die biographischen Züge an, die diesem Roman innewohnen, sodass er die Misshandlungen und für ihn seltsam anmutenden Internatsrituale kurz angedeutet lässt um realen Personen nicht zu schaden, oder öffentlich zu diskreditieren? Kurz gesagt, ich weiß es nicht, vielleicht gibt es aber auch einen anderen Grund, der sich aber meiner Kenntnis entzieht. An diesen Stellen hat mich die etwas zu blumige Ausdrucksweise dann dazu dirigiert, bestimmte Absätze aufmerksam zu lesen, die im schlimmsten Fall mir ein bisschen unverständlich blieben. Die Intensität die Charles allerdings zu Margret verspürt ist wunderbar klar beschrieben, man erinnert sich sogleich an die eigene große Liebe. Wie ein Damoklesschwert hängt allerdings die verkehrte Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler, über den autobiographischen Roman und wenngleich er ohne großartigen Spannungsbogen auskommt, will man unbedingt wissen, ob es zu einer großen Tragödie kommt oder nicht. Kenneth Mackenzies Leben selbst, endete dramatisch: Er ertrank bei einem Badeunfall und zeitlebens konnte er an den Erfolg, den er mit seinem Debütroman hatte, nicht mehr anknüpfen.

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40

19.01.2015

„Auf und Davon ins Land des Bruttosozialglücks!”

„Bhutan? Wo liegt denn das?“, war die häufigste Reaktion, wenn ich von diesem Buch erzählt habe, und die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, werden wahrscheinlich auch von diesem Land noch gar nichts, oder sehr wenig gehört haben. Diese Wenigen werden höchstwahrscheinlich die „die Landkarte des Glücks“ gelesen haben, oder vielleicht haben sie auch die Arte Reportage Bhutan – Die Ideologie vom wahren Glück gesehen. Letzteres ist absolut empfehlenswert! Ich lese selten Reiseberichte, dieses Buch wurde mir empfohlen, und auf Anhieb hat es mir sehr gut gefallen. Wahrscheinlich auch deswegen, weil die Linda Leaming aus dem Nähkästchen plaudert, und ihre persönliche Geschichte, sehr humoristisch erzählt. Nachdem die Schriftstellerin einige Zeit in Buthan, im Land des Donnerdrachens verbracht hat, beschließt die freischaffende Autorin, ganz dorthin zu ziehen. Eine Reise ist allerdings nicht dasselbe wie sich dauerhaft in einem fremden Land niederzulassen, dass obendrein noch so grundverschieden des unseren ist. Buthan ist das Land, dass zu den am wenigsten erschlossenen Reiseländern der Welt zählt, und laut Roman dürfen jährlich etwa 20.000 Touristen es besuchen, zudem ist tief verwurzelt mit dem lamaistischen Buddhismus und liegt etwas versteckt am Himalaja, zwischen Indien und China. Jedenfalls war das dann immer meine Antwort, auf die Frage der Lage.

Was mir in diesem Roman ein wenig gefehlt hat, waren Aufnahmen von Buthan. Über den Twitter-Account von Linde Leaming bin ich auf ihre Internetseite gestoßen, die angegebene Seite im Buch konnte ich nicht aufrufen, sie existiert wohl nicht mehr, und hier bloggt sie doch sehr regelmäßig und veröffentlich unter anderem auch Bilder. Das hat mich dann doch ein bisschen versöhnlich gestimmt. Nachdem ich nun „Lachen im Land des Donnerdrachen“ gelesen habe, könnte sich nun der Verdacht aufdrängen, dass sie im Leser eine etwas zu romantische Vorstellung über ein Land wecken möchte, dass so vielleicht gar nicht existiert. Ich vermute einfach mal, dass es daran liegt, dass Linda Leaming ganz einfach ihr Glück gefunden hat. Und solange ich selber noch nicht dort war, lasse ich das einfach mal so hingestellt und glaube ihr, was sie von diesem sehr interessanten Land erzählt.

auf Merkliste

40

19.01.2015

„Auf und Davon ins Land des Bruttosozialglücks!”

„Bhutan? Wo liegt denn das?“, war die häufigste Reaktion, wenn ich von diesem Buch erzählt habe, und die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, werden wahrscheinlich auch von diesem Land noch gar nichts, oder sehr wenig gehört haben. Diese Wenigen werden höchstwahrscheinlich die „die Landkarte des Glücks“ gelesen haben, oder vielleicht haben sie auch die Arte Reportage Bhutan – Die Ideologie vom wahren Glück gesehen. Letzteres ist absolut empfehlenswert! Ich lese selten Reiseberichte, dieses Buch wurde mir empfohlen, und auf Anhieb hat es mir sehr gut gefallen. Wahrscheinlich auch deswegen, weil die Linda Leaming aus dem Nähkästchen plaudert, und ihre persönliche Geschichte, sehr humoristisch erzählt. Nachdem die Schriftstellerin einige Zeit in Buthan, im Land des Donnerdrachens verbracht hat, beschließt die freischaffende Autorin, ganz dorthin zu ziehen. Eine Reise ist allerdings nicht dasselbe wie sich dauerhaft in einem fremden Land niederzulassen, dass obendrein noch so grundverschieden des unseren ist. Buthan ist das Land, dass zu den am wenigsten erschlossenen Reiseländern der Welt zählt, und laut Roman dürfen jährlich etwa 20.000 Touristen es besuchen, zudem ist tief verwurzelt mit dem lamaistischen Buddhismus und liegt etwas versteckt am Himalaja, zwischen Indien und China. Jedenfalls war das dann immer meine Antwort, auf die Frage der Lage.

Was mir in diesem Roman ein wenig gefehlt hat, waren Aufnahmen von Buthan. Über den Twitter-Account von Linde Leaming bin ich auf ihre Internetseite gestoßen, die angegebene Seite im Buch konnte ich nicht aufrufen, sie existiert wohl nicht mehr, und hier bloggt sie doch sehr regelmäßig und veröffentlich unter anderem auch Bilder. Das hat mich dann doch ein bisschen versöhnlich gestimmt. Nachdem ich nun „Lachen im Land des Donnerdrachen“ gelesen habe, könnte sich nun der Verdacht aufdrängen, dass sie im Leser eine etwas zu romantische Vorstellung über ein Land wecken möchte, dass so vielleicht gar nicht existiert. Ich vermute einfach mal, dass es daran liegt, dass Linda Leaming ganz einfach ihr Glück gefunden hat. Und solange ich selber noch nicht dort war, lasse ich das einfach mal so hingestellt und glaube ihr, was sie von diesem sehr interessanten Land erzählt.

buch

Die Erziehung

Jean Baptiste Del Amo

EUR 9,99 *
auf Merkliste

50

13.01.2015

„Einmal waschen bitte!”

Gaspard, Sohn eines Schweinezüchters, flieht vom Lande in die große Stadt und dort will er zuerst einmal seine Vergangenheit hinter sich lassen. Nachdem er in Paris herumirrt, findet er zuerst Arbeit an der Seine und lernt dort Lucas kennen. Allerdings bleibt er nicht lange und beginnt eine Lehre als Perückenmacher. Als er dort eines Tages de Comte de V. begegnet, ist Gaspard dem Adeligen vom ersten Moment an verfallen.

Nachdem mein Stapel ungelesener Bücher eher immer größer als kleiner wird, ich arbeite schließlich in einem Buchladen, ist es immer wieder erstaunlich welche Kleinode sich hi und da darin verstecken. Mein Credo lautet: „Für manche Dinge im Leben, braucht es einfach die richtige Zeit!“ Und mittlerweile komme ich mir vor wie ein Schatzjäger… Ein Roman-Schatzjäger… Aber genug von mir, wenden wir uns dem eigentlichen Thema hin: Die Rezension zu „Die Erziehung“ von Jean-Baptiste del Amo.
Wenn ich nichtsahnend, gleich beim ersten Kapitel, ja beim ersten Satz innehalten und über diesen einen Satz nachdenken muss, ist das eine literarische Kunst die mich wohlig erschauern lässt. Sein erster Satz lautet:

„Paris, dreckiger, stinkender Nabel Frankreichs.“

Ich unterstelle mal dem Romancier, dass er damit einfach nur polarisieren will und obendrein gleich von Anfang an, und ohne jedwede Umschweife, lässt er dem geneigten Leser in eine Kakophonie der Fäkalien und des Schmutzes eintauchen, und ja ein paar Mal hatte ich wirklich das Schaudernde Gefühl: Jetzt musst du dich selber waschen gehen. Dadurch bekommt der Leser sehr gut Einblick in das Pariser Alltagsleben des 18. Jahrhunderts, das keine Abwasserkanäle kennt und alles an Unrat, einfach aus dem Fenster kippt. Pariser, die es sich leisten konnten, übertünchten die schlechten Gerüche mit Parfum und genau zu jener Schicht möchte der eigentlich etwas unsympathische Gaspard dazugehören.

Jean Baptiste del Amo, der eigentlich Jean Baptiste Garcia heißt, aber durch eine nicht gewollte Namensverwechslung mit dem Schriftsteller Tristan Garcia, der auch im selben Verlagshaus Éditions Gallimard veröffentlicht, nahm er den Namen der Großmutter als Pseudonym an und hat in Frankreich alle wichtigen französischen Literaturpreise gewonnen. Und das ganz zu Recht, denn seine Erzählung strotzt nur so von einer kraftvollen und expressiven Sprache, ich mag mir gar nicht ausmalen wie gut es sich im französischen Original lesen würde. Kurz um, er beherrscht das Geschichtenerzählen; Wenn er über den körperlichen Tod, die Sexualität und die Verführungen des Reichtums schreibt, legt er eine Eleganz und Grausamkeit im Detail zu Tage, die ihm einen Schriftsteller ersten Ranges bescheinigen. Dabei ist das Thema des Reichtums sehr modern gewählt und kann auch gesellschaftskritisch gelesen werden. Auch wir erliegen der Verführung des Reichtums, und meinen uns so dadurch mehr Freiheit erkaufen zu können. Was eigentlich nicht stimmt, führt uns doch Jean Baptiste del Amo ganz genau vor Augen, was es sich mit dem Reichtum auf sich hat, wenn er sagt: „(…)hier lebt die Bourgeoisie Wand an Wand mit dem gemeinen Volk, hier bekam der Dreck einen Goldrand.“

Jean Baptiste del Amo gehört nun in meinen ganz persönlichen Olymp der Literatur und hat sich diesen Platz mehr als redlich verdient. Ich kann es kaum erwarten seinen zweiten, auf Deutsch erschienenen Roman „Das Salz“ zu lesen.

ebooks

Die Erziehung

Jean-Baptiste Del Amo

EUR 8,99 *
auf Merkliste

50

13.01.2015

„Einmal waschen bitte!”

Gaspard, Sohn eines Schweinezüchters, flieht vom Lande in die große Stadt und dort will er zuerst einmal seine Vergangenheit hinter sich lassen. Nachdem er in Paris herumirrt, findet er zuerst Arbeit an der Seine und lernt dort Lucas kennen. Allerdings bleibt er nicht lange und beginnt eine Lehre als Perückenmacher. Als er dort eines Tages de Comte de V. begegnet, ist Gaspard dem Adeligen vom ersten Moment an verfallen.

Nachdem mein Stapel ungelesener Bücher eher immer größer als kleiner wird, ich arbeite in einem Buchladen, ist es immer wieder erstaunlich welche Kleinode sich hi und da darin verstecken. Mein Credo lautet: „Für manche Dinge im Leben, braucht es einfach die richtige Zeit!“ Und mittlerweile komme ich mir vor wie ein Schatzjäger… Ein Roman-Schatzjäger… Aber genug von mir, wenden wir uns dem eigentlichen Thema hin: Die Rezension zu „Die Erziehung“ von Jean-Baptiste del Amo.

Wenn ich nichtsahnend, gleich beim ersten Kapitel, ja beim ersten Satz innehalten und über diesen einen Satz nachdenken muss, ist das eine literarische Kunst die mich wohlig erschauern lässt. Sein erster Satz lautet:

„Paris, dreckiger, stinkender Nabel Frankreichs.“

Ich unterstelle mal dem Romancier, dass er damit einfach nur polarisieren will und obendrein gleich von Anfang an, und ohne jedwede Umschweife, lässt er dem geneigten Leser in eine Kakophonie der Fäkalien und des Schmutzes eintauchen, und ja ein paar Mal hatte ich wirklich das Schaudernde Gefühl: Jetzt musst du dich selber waschen gehen. Dadurch bekommt der Leser sehr gut Einblick in das Pariser Alltagsleben des 18. Jahrhunderts, das keine Abwasserkanäle kennt und alles an Unrat, einfach aus dem Fenster kippt. Pariser, die es sich leisten konnten, übertünchten die schlechten Gerüche mit Parfum und genau zu jener Schicht möchte der eigentlich etwas unsympathische Gaspard dazugehören.

Jean Baptiste del Amo, der eigentlich Jean Baptiste Garcia heißt, aber durch eine nicht gewollte Namensverwechslung mit dem Schriftsteller Tristan Garcia, der auch im selben Verlagshaus Éditions Gallimard veröffentlicht, nahm er den Namen der Großmutter als Pseudonym an und hat in Frankreich alle wichtigen französischen Literaturpreise gewonnen. Und das ganz zu Recht, denn seine Erzählung strotzt nur so von einer kraftvollen und expressiven Sprache, ich mag mir gar nicht ausmalen wie gut es sich im französischen Original lesen würde. Kurz um, er beherrscht das Geschichtenerzählen; Wenn er über den körperlichen Tod, die Sexualität und die Verführungen des Reichtums schreibt, legt er eine Eleganz und Grausamkeit im Detail zu Tage, die ihm einen Schriftsteller ersten Ranges bescheinigen. Dabei ist das Thema des Reichtums sehr modern gewählt und kann auch gesellschaftskritisch gelesen werden. Auch wir erliegen der Verführung des Reichtums, und meinen uns so dadurch mehr Freiheit erkaufen zu können. Was eigentlich nicht stimmt, führt uns doch Jean Baptiste del Amo ganz genau vor Augen, was es sich mit dem Reichtum auf sich hat, wenn er sagt: „(…)hier lebt die Bourgeoisie Wand an Wand mit dem gemeinen Volk, hier bekam der Dreck einen Goldrand.“

Jean Baptiste del Amo gehört nun in meinen ganz persönlichen Olymp der Literatur und hat sich diesen Platz mehr als redlich verdient. Ich kann es kaum erwarten seinen zweiten, auf Deutsch erschienenen Roman „Das Salz“ zu lesen.

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