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Eine Kundin / Ein Kunde Top 100 Bewerter

Gesamte Bewertungen 662 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Neil Gaiman, Michael Cunningham, Amber Dermont, Joey Goebel, Kevin Hearne, Ruth Ozeki Jane Austen, Haruki Murakami, Johanna Sinisalo, DBC Pierre, Chris Adrian, Floortje Zwigtman, Patrick Spät und viele, viele mehr :-)

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Meine Bewertungen

Entührte Töchter und verschwundene Männer

Eine Kundin / Ein Kunde , am 22.10.2015

Ladydi Gonzales wächst in den mexikanischen Bergen auf, dort wo fast nur noch Frauen in einer matriarchalischen Gesellschaft zusammenleben. Die Männer sind entweder nach Amerika ausgewandert, wo sie ihre Familien nach und nach vergessen haben, oder sind irgendwo in einem brutalten Drogenbandenkrieg ums Leben gekommen. Ladydis Vater ist nach Amerika gegangen und hat dort anscheinend eine neue Familie gegründet. Ihre Mutter hat mit der eigentümlichen Namensgebung ihres Kindes, keineswegs ihre eigene Sehnsucht nach einem vermeidlichen prinzessinenhaften Leben kundgetan, sondern wollte damit ein Statement für all die von Männern verlassenen Frauen setzen. Zur deren eigenen Sicherheit wachsen die Mädchen allerdings als Jungen auf. Das Geschlecht wird so lange wie möglich verborgen gehalten, damit wenn die großen, schwarzen Autos der Drogenbarone kommen, die Mädchen nicht als solches erkannt werden.

Clement hat für ihren deutschen Debütroman „Gebete für die Vermissten“ 10 Jahre lang in Mexico recherchiert und hat Hunderte von Interviews mit Mädchen und Frauen geführt. Dieses immense Hintergrundwissen, dass sie dabei angehäuft haben muss, rückt allerdings nicht in den Vordergrund. Die grandiose Schriftstellerin schafft es, jenes einfach ganz beiläufig im Hintergrund zu halten und was dem geneigten Leser nun vielleicht ein wenig verwundert ist, dass sie es vollbringt die Bestürzung und die Fassungslosigkeit darüber nur ansatzweise durchscheinen zu lassen und dadurch Ladydi einen realitätsnahen Touch verleiht, aus deren Perspektive diese Geschichte nunmal erzählt ist. Die Fabulierkunst ist ihr wohl in die Wiege gelegt worden. Denn diese poetische Sprachintensität, mit der Clement die Erzählung aufgreift und auch dadurch die brutale, mexikanische Gesellschaft porträtiert, fesselt beim Lesen, sodass man gar nicht mehr aufhören möchte. „Gebete für die Vermissten“ ist aber mehr als nur ein rotziger Pubertätsroman, so wie eine deutsche Tageszeitung schmählich behauptet hat. Es ist ein beeindruckendes Buch, hinter dem eine gehörige Portion Realität steckt, und bei dessen Lektüre einem der Schrecken in die Glieder fährt. Die Schriftstellerin Jennifer Clement, die laut Verlagsseite in New York und in Paris Literaturwissenschaft studierte, hat auf alle Fälle mein Interesse geweckt. Ich bin schon sehr gespannt was sie noch in petto hat.

Gebete für die Vermissten
von Jennifer Clement
(1)
eBook 8,99

Fantasievolle und kreative Geschichte für Kinder ab 10 Jahren

Eine Kundin / Ein Kunde , am 19.10.2015

Iris, Rosa und Oliver verbringen ihre Zeit am liebsten in der Buchhandlung Blätterrauschen und geben sich hier ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nach: Ihre Bonsaibäume, die sie von der Ladeninhaberin zur Pflege bekommen haben. Dafür hatten die Mitglieder des Leseclubs immer kostenlosen Zugang zu einer Menge Lesefutter. Als während eines nachmittäglichen Gewittersturms, plötzlich ein fremder Junge in der Buchhandlung auftaucht, ist es erst mal mit der beschaulichen Ruhe vorbei und die drei jungen Menschen tauchen in ein spannendes Zeitreiseabenteuer ein.

Vor einiger Zeit hab ich von Holly-Jane Rahlens „Everlasting“ gelesen. Darin geht es um einen jungen Historiker, der im Jahr 2265 lebt und ein interessantes Tagebuch aus dem Jahr 2003 zu lesen bekommt. Das romantische Si-Fi Abenteuer kann man sehr wohl als Vorgänger zu diesem Romans sehen. Blätterrauschen funktioniert allerdings sehr gut als eigenständiger Roman. Vielleicht auch aus dem Grund, weil diese Geschichte für bereits 10 jährige konzipiert ist und „Everlasting“ eindeutig einem etwas älteren Lesepublikum zuzuordnen ist. Wer nun Everlasting bereits gelesen hat, auch wenn man ein bisschen älter als 10 Jahre ist, wird seine Freude an diesem ganz wunderbar kreierten und sehr fantasievollen Abenteuergeschichte haben.

Blätterrauschen
von Holly-Jane Rahlens
(9)
Buch 14,99

Streitende Eltern vs. Napoleon

Eine Kundin / Ein Kunde , am 19.10.2015

Für Theo fühlen sich die ständigen Streitereien seiner Eltern wie ein Kampf, wie eine Schlacht an. Er bekommt ein Buch über Napoleon geschenkt und darin steht, dass der große Heeresführer niemals eine Schlacht verloren hat. Wie ein Zeichen mutet das für den kleinen Theo an und eine Lösung scheint in greifbarer Nähe zu sein. Er muss sich ganz einfach mit Napoleon unterhalten, auch wenn er sicherlich weiß, dass Napoleon schon lange tot ist. Theo ist aber ein mutiger Junge. Er beschließt Napoleon im Jenseits zu besuchen.


Lorenza Gentile hat mit „Theo“ einen ganz wunderbaren und kurzweiligen Debütroman geschaffen. Dabei erzählt die junge Autorin aus der Sicht des kleinen Jungen Theos die Geschichte rund um ein sich streitendes Ehepaar und eben Theo, der sich plötzlich mit dem Thema Tod auseinandersetzten muss. Schließlich will er ja Napoleon, der bekanntermaßen tot ist, treffen. „Theo“ ist ein ganz klarer und leichter Roman, trotz des sehr schweren Themas, das hier porträtiert wird. Als schneller Leser hab ich beinahe nur einen Tag zum Lesen gebraucht. Ich hätte hier mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, aber nichts destotrotz ist dieser Roman, wenn man sich schlussendlich auf diese kindlich-naiven Blickwinkel einlässt, sehr schön zu lesen und schwingt mit einem zarten philosophischen Klang zwischen den Zeilen. Ich bin auf alle Fälle schon gespannt, was die sehr junge Mailänderin Lorenza Gentile, die laut ihrer Homepage neben dem Schreiben auch das Zeichnen für sich entdeckt hat, schriftstellerisch noch so in Petto hat.

Teo
von Lorenza Gentile
(17)
Buch 18,90

Spanischer Surrealismus oder von Wölfen und Menschen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 12.10.2015

In Brañaganda, einem sehr weit abgelegenen Dorf in Galicien, prägt die raue Natur, die Jahreszeiten und der Aberglauben das Leben der Bewohner. Der spanische Bürgerkrieg ist noch nicht lange her und spukt noch in den Köpfen der Menschen. Die Frauen nehmen eine untergeordnete Rolle in der Männerdominierten Gesellschaft ein. Nur die Lehrerin und ihr Mann Don Enrique, mit ihren vier Kindern, leben ein scheinbar aufgeklärtes Leben und haben sich dem Lebenstrott nur bedingt angepasst. Als eine Reihe von Frauenmorden geschieht, gibt es für die einfachen Leute nur einen Täter: Ein Werwolf muss hier sein Unwesen treiben.

In Wolfsland führt David Monteagudo dem geneigten Leser schnell an die Grenze des Erklärbaren. Er zieht einem schnell in den Bann und seine besondere Fähigkeit Reales und Surreales kunstvoll zu verweben, macht dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis. Verstörend überschreitet er die Grenzen der Rationalität, lässt sie immer weiter hinter sich, um dann doch wieder zu ihr zurückzukehren. Wolfsland ist magischer Realismus aus Spanien par excellence und ist doch ganz anders, als mein Lieblingsschriftsteller Haruki Murakami, der meiner bescheidenen Meinung nach, den magischen Realismus perfektioniert hat. Monteagudo bedient sich einer frischeren Herangehensweise an dieses Thema und beinhaltet eine erzählerische Dichte die man dem gelernten Mechaniker, der seine Geschichten in der Freizeit schreibt, zuerst gar nicht zutrauen möchte. Zu Ende erzählt werden allerdings nicht alle Dinge. Es bleiben einige Fragen offen und genau das gefällt mir an solchen Romanen: Sie wecken den Hunger, stillen ihn dann nur ein wenig, und lassen den Leser unbefriedigt und ungesättigt zurück.

Schenkt man diversen Onlinezeitungen Glauben, wimmelt es in Monteagudos Schublade noch so von brauchbaren Manuskripten und ja, ich möchte sie alle lesen. Erst mit Mitte 40 reichte er eines seiner Manuskripte bei seinem spanischen Verlag ein. Sein Psychothriller „Ende“ wurde auf Anhieb ein Bestseller und wurde in zehn Sprachen übersetzt. Inzwischen wurde das Buch sogar verfilmt, so versteht es sich natürlich von selbst, dass es auf meiner Wunschliste ganz weit nach oben gerutscht ist.

Wolfsland
von David Monteagudo
(1)
Buch 19,95

Belletristische Ballade auf höchstem Niveau

Eine Kundin / Ein Kunde , am 10.10.2015

Tyler und Barrett teilen sich in einem New Yorker Stadtteil eine Wohnung. Tylers große Liebe ist an Krebs erkrankt und wird von den beiden Brüdern aufopfernd gepflegt. Barretts Freund hat erst vor kurzem per SMS Schlussgemacht. Beide sind in den sogenannten besten Jahren und verdrängen es, dass sich ihre Träume wohl nicht erfüllen werden.

Das Rezensieren eines Buches ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt und gerade bei einem Werk das einem so maßlos begeistert hat, wird es schwierig nicht in Lobhudelei aufzugehen. Der Leser meiner Rezensionen mögen nun meine folgenden Worte verzeihen, denn sie haben in einer anständigen Rezension nichts verloren, aber um es knapp und bündig zu sagen: Die Schneekönigin von Michael Cunningham ist ein belletristisch-literarischer Hirnorgasmus par excellence!

Über mehrere Wege bin ich auf Michael Cunningham aufmerksam geworden und eigentlich wollte ich mit seinem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman „Die Stunden“ anfangen, der auf meiner Wunschliste ganz weit oben steht. Irgendwie ist aber „Die Schneekönigin“ zuerst in meine Hände gefallen und von Anfang an hab ich auch gewusst, auf was ich mich bei diesem Roman einlasse. Im Vordergrund steht nicht eine linear erzählte Geschichte, der großartige Romancier lässt uns stattdessen in kurzen Ausschnitten am Leben seiner Figuren teilnehmen, die ihr Leben eher mehr an sich vorbeiziehen lassen als das sie es tatsächlich lenken. Diese Sinnsuche des Lebens und die Bewältigung von existenziellen Krisen werden zu einem Portrait einer Menschheit die nach Wärme und Zuneigung, in einer kalten einsamen Welt sucht. Das Motiv des Verlassenwerdens hat sich in der Geschichte wiederholt und weil es mich sosehr bewegt hat, hab ich ca. ab Mitte des Buches aufgehört zu lesen und hab ein zweites Mal begonnen. Nicht weil ich es nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit gelesen hätte, nein ganz im Gegenteil. Mich hat die spannende Sprache und sein poetischer Stil so sehr gefallen, dass ich nicht abwarten konnte es noch einmal zu lesen. Durch die langen und verschachtelten Sätze, ist es dennoch empfehlenswert, dem Roman von Anfang an mit der nötigen Aufmerksamkeit zu begegnen. Der Titel ist nicht von ungefähr, von Hans Christian Andersen wohl berühmtestem Werk geliehen, eine magische Welt wird allerdings der geneigte Leser nicht finden, vielmehr streift Michael Cunningham mit ein paar Elementen an dem Märchen entlang. Nachdem ich nun „Die Schneekönigin“ fertig gelesen habe, freue ich mich umso mehr auf seinen Roman „Die Stunden.“

Die Schneekönigin
von Michael Cunningham
(3)
Buch 21,99

Richard im Wunderland

Eine Kundin / Ein Kunde , am 06.10.2015

Als Richard Mayhew einem in der Gosse liegenden jungen Mädchen hilft, wirft es ihm komplett aus der Bahn. Seine Freundin kündigt ihm die Verlobung auf, er wird von zwei sehr mysteriösen Männern bedroht und zu allem Übel, verschwindet das Mädchen aus seiner Wohnung. Aber er scheint auch verschwunden zu sein, denn niemand mehr bemerkt ihn. Seine Wohnung wird vermietet obwohl er in der Badewanne liegt, seine Kollegen auf der Arbeit ignorieren Richard und erkennen ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr.

Neil Gaiman ist in letzter Zeit zu einem meiner liebsten Fantasyautoren avanciert. Niemalsland ist einer seiner Romane, der bereits 1998 auf Deutsch erschienen ist. In der heutigen schnelllebigen Zeit, ist auch Literatur zu einem schnelllebigen Gebrauchsgegenstand geworden. Bücher die heute in der Bestsellerliste stehen, verschwinden im nächsten Monat schon wieder in der Versenkung und bei der Menge der jährlichen Neuerscheinungen, ist es für einen Buchhändler wie ich einer bin, nicht ganz einfach sich auch „älteren“ Exemplaren zu zuwenden. Dementsprechend kann man von einer besonderen Auszeichnung sprechen, wenn ein Buchhändler einen älteren Titel liest und sich die Zeit nimmt eine Rezension zu schreiben. Aber genug von mir und mehr von Niemalsland:

Neil Gaiman entführt nun den geneigten Leser in ein London das zwischen unten und oben unterscheidet. Oben geht das Leben seinen natürlichen Alltag, so wie wir ihn auch kennen und unten sind die Menschen und magischen Geschöpfe die irgendwie durch den Rost gefallen sind. Das Unten ist dem London Underground, dass das älteste U-Bahnnetz der Welt ist, angepasst. Auf der ersten Seite findet man daher auch einen Plan der Bahn und im Roman erfährt man auch weshalb die eine oder andere Station seinen tatsächlichen Namen bekommen hat. Obwohl ich Vergleiche mit anderen Romanen und Büchern nicht so gerne mag, ist der Vergleich mit Alice im Wunderland gar nicht so weit hergeholt und wer weiß, vielleicht wird in 100 Jahren dieser Roman mindestens genauso gefeiert wie man Lewis Carrolls Roman feiert.

Mir gefällt es immer wieder wenn ich in Romanen etwas Besonderes bemerke. Ein Detail am Rande das vielleicht mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun hat, aber für mich einen hohen Stellenwert einnimmt. Ein Beispiel wäre, dass Richard Mayhew kleine Trolle aus Plastik sammelt, die irgendwann in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts ganz en vogue waren. Sie sind allerdings mit Mobiltelefonen, deren Antenne ausziehbar war verschwunden. Mich hat es gefreut von etwas zu lesen, dass irgendwann mal ein Gegenstand unseres Alltags war und nun verschwunden ist. Vor knapp 20 Jahren hätte sich wahrscheinlich niemand um so etwas Nebensächliches Gedanken gemacht, allerdings macht es heute sehr wohl Sinn darüber nachzudenken. Es gibt auch einen Dreh- und Wendepunkt in der Geschichte, hier muss ich ein klitzekleines bisschen spoilern: Richard ist sich in einer Szene nicht mehr sicher, ob Unter-London nur seinem verlorenem Verstand entspringt oder ob es tatsächlich existiert. Hier kann man einen direkten Vergleich mit „Der Ozean am Ende der Straße“ ziehen. Hier wird aus der Sicht eines kleinen 7 jährigen Jungen eine fantastische Geschichte erzählt, die seiner kindlichen und fantasievollen Vorstellung entsprungen sein könnte, die ihm aber genauso tatsächlich passiert sein könnte. Ob Unterlondon nun tatsächlich seinem wirren Verstand entspringt verrate ich jetzt natürlich nicht. Wer bisher noch nichts von Gaiman gelesen hat, dem kann ich dann natürlich auch „American Gods“ und hier vor allem die Director’s cut Version aus dem Eichborn Verlag, empfehlen.

Niemalsland
von Neil Gaiman
(1)
eBook 7,99

Romeo und Romeo

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.10.2015

Guido und Costantino wachsen im selben herrschaftlichen Haus in Rom auf und leben doch in verschiedenen Welten. Guido wächst in einer gut situierten Familie auf und wartet jeden Tag sehnsüchtig auf seine geliebte Mutter, und Costantino der Sohn des Hausmeisters, wohnt im Souterrain.

Herrlichkeit ist der erste Roman, den ich von Margaret Mazzantini gelesen habe und er hat mir auf Anhieb gut gefallen. Die Schriftstellerin bedient sich einer sehr poetischen Ausdrucksweise und dabei spart sie schreckliche oder negative Erlebnisse nicht aus. Eher ist das Gegenteil der Fall und gerade die tragischen Momente werden dementsprechend schrecklich ausgeschmückt. Eigentlich gefallen mir Romane, die die durch eine sehr poetische Erzählung hervorstechen nur bedingt und vielleicht ist es wegen dem atypischen Ausschmücken der schrecklichen Erlebnisse ein Grund, dass mir der Roman trotz der Poetik sehr gut gefallen hat.

Mit Guido, aus dessen Erzählperspektive die Geschichte erzählt wird, hab ich von der ersten Seite an mitgelitten. Er ist ein ganz eigener Charakter, geplagt von Selbstzweifeln und frühen bereits in der Kindheit manifestierten Ängsten und Depressionen, Achtung hier spoilere ich ein wenig, die er zeitlebens nicht wirklich überwindet. Hierin liegt die eigentliche Faszination des Romans: Diese ergreifende und realitätsnahe Beschreibungen der Charaktere und deren Schicksal. Herrlichkeit ist aber mehr als die tragische Lebens- und Liebesgeschichte zweier Männer, die aus den verschiedensten Gründen nicht zu ihren Gefühlen stehen können. Es ist auch ein Adoleszenzroman und porträtiert die mangelnde Bereitschaft sich seiner Vergangenheit zu stellen und auch die mangelnde Möglichkeiten sich ihrer zu entledigen. Mich ha dieser Roman gefangen genommen und Margaret Mazzantini, die meiner Meinung nach, mit diesem Roman die gesamte Tragweite der Liebe offenbart, werde ich in Zukunft im Auge behalten.

Herrlichkeit
von Margaret Mazzantini
(1)
Buch 22,99

Unangenehme Zeitgenossen und wie man sie erkennt

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2015

Der Titel dieses Sachbuches hat mir und meinen Buchhändlerkollegen ein Schmunzeln herausgelockt und so manche Kunde konnte den Titel nur mit errötendem Gesicht nennen. Ich persönlich finde einen kurzen knackigen Titel wie „Arschlöcher“ schon mal viel besser, als die ellenlangen Titel, die sich sowieso niemand merken kann und will. Meine Erwartungen, so aufrührerisch der Titel nun auch sein mag, waren eigentlich sehr niedrig und was soll ich sagen: Mir hat es gut gefallen.

Gleich im ersten Teil erwartet dem geneigten Leser eine genaue Definition des Begriffes Arschloch und nun kann ich sagen, dass nicht jedes Arschloch auch tatsächlich eines ist! Es werden einige interessante Überlegungen angestellt, aber so wie im Untertitel versprochen, wird man sie nicht unbedingt zum Schweigen bringen können. Allerdings hilft es in den meistens Fällen bereits einen Mitmenschen als solches zu erkennen und dann dementsprechend darauf zu reagieren. Aaron James geht darauf ein, weshalb das Arschloch meist männlich ist und wie es mit dem weiblichen Pendant dem Miststück aussieht. Der Autor dieses Sachbuches promovierte an der Harvard University und hält eine Professur für Philosophie an der University of California. Seine Beispiele entspringen oft der amerikanischen Kultur und Gesellschaft. Meist wird man das eine oder andere Beispiel für den europäischen Kulturkreis nicht ummünzen können, allerdings wird der aufmerksame Leser schon merken, auf was Aaron James hinauswill. Arschlöcher ist ein kurzweiliges, philosophisch angehauchtes und humorvolles Sachbuch über einen besonderen Mitmenschen und zum Schluss will ich mich natürlich bei dem Leser meiner Rezensionen entschuldigen: Das Wort Arschloch hab ich vielleicht ein wenig inflationär benutzt, allerdings würde ich, nachdem ich dieses Sachbuch nun gelesen habe, gerne wissen, wie oft Aaron James es benutzt hat. Ich hab mir aber nicht die Mühe gemacht sie zu zählen, aber vielleicht macht das ja noch jemand.

Arschlöcher - eine Theorie
von Aaron James
(1)
Buch 17,99

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2015

Im Jahr 2002 haben sich die Vampire das erste Mal der Weltöffentlichkeit präsentiert und einige Jahre später, tauchen auch auf Miriams Schule das erste Mal Vampire auf. Elias und seine Zwillingsschwester Anastasija, die ursprünglich aus Rumänien stammten, besuchen nun mit ihr gemeinsam die Schule.

Die Sanguis –Trilogie wurde mir wärmstens empfohlen und auch wenn die Geschichte in den Details ein wenig schwächelt, hat Jennifer Wolf mit „Die Wahrheit liegt im Blut“ einen soliden ersten Teil einer Fantasy-Reihe geschaffen. Eine romantische Liebesgeschichte steht im Vordergrund und deswegen werden gerade junge Mädchen, die auch Bella, Edward & Co. etwas abgewinnen konnten, diese Geschichte sehr gut gefallen. Die Altersempfehlung von 14 Jahren finde ich hier sehr sinnvoll, wenngleich ein geübter Leser, die sehr einfach erzählte und durchwegs spannende Geschichte in einer Nacht ausgelesen hat. „Leben heißt zu kämpfen“ ist der Titel des zweiten Romans aus dieser Reihe.

Die Sanguis-Trilogie, Band 1: In sanguine veritas - Die Wahrheit liegt im Blut
von Jennifer Wolf
(2)
Buch 15,99

Gruselige Geheimnisse und wispernde Knochen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.10.2015

Nachdem Lucy, Anthony und George, besser bekannt unter Lockwood & Co., den Fall der seufzenden Wendeltreppe lösen konnten, sind sie über Nacht zur wohl berühmtesten Geisterjägeragentur Londons aufgestiegen. Umso ärgerlicher ist es dann, als sie sich von der konkurrierenden Agentur Fittes, einen Auftrag unter der Nase wegschnappen lassen. Allerdings können sich die drei nicht lange ärgern, als sie von „Träum süß – Ausgrabungen und Säuberungen“ gebeten werden, bei einem speziellen Geisterproblem zu helfen. Ein nichtregistriertes Grab und dessen Geistererscheinung machen ihnen zu schaffen und Lockwood & Co. soll ihnen bei diesem Problem helfen.

Der wispernde Schädel ist der zweite Roman in der neuen Reihe des Jugendbuchbestsellerautors Jonathan Stroud und wie der Titel schon verrät, spielt der sprechende Schädel eine gewichtige Rolle. Auf Anhieb war ich in der neuen Geistergeschichte gefangen und konnte kaum das Buch beiseitelegen. Die spannende und gruselige Erzählung, und der Umstand dass die Geschichte ein bisschen aus dem durchschnittlichen Rahmen der Jugendbücherneuerscheinungen fällt, hat ihr übriges hinzugetan. Denn gute Lektüre die Mädchen genauso wie Jungs anspricht ist gar nicht so leicht zu finden und gerade im Jugendbuchgenre ist es fast schon zur obligatorischen Pflicht geworden, eine Liebesgeschichte oder zumindest eine Tändelei mit einzubringen. Nicht alle Jungs und Mädels im Alter ab 12 Jahren können und wollen ständig etwas lesen, in dem es hauptsächlich darum geht, wer in wem verliebt ist und so finde ich es doch ganz erfrischend, dass bisweilen die Romantik in dieser Reihe eindeutig keine Rolle spielt. An dieser Stelle kann ich auch die Romane von Michael Scott empfehlen, der mit „Die Geheimnisse des Nicholas Flamel“ eine ebenso spannende und beinahe liebesgeschichtenfreie sechsteilige und sehr fantasievolle Erzählung geschaffen hat. Der wispernde Schädel wird genauso wie schon sein Vorgänger „Die seufzende Wendeltreppe“, aus der Sicht der Lucy erzählt. Und wenn man Gerüchten die im Internet kursieren Glauben schenken darf, sind die Rechte der Verfilmung bereits vergeben. Diesmal war sogar ein kleiner Cliffhanger dabei, so bin ich schon ganz gespannt wie es mit der Agentur Lockwood & Co. weitergeht.

Lockwood & Co. 02 - Der Wispernde Schädel
von Jonathan Stroud
(17)
Buch 18,99