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1766

Rezensionen

123

40

30.09.2011

„Es gab mal einen Mr. Parker”

antwortete Dorothy Parker, geborene Rothschild, gern auf die Frage nach ihrem Namen.
Dorothy Parker war ein Ikone der goldenen Zwanziger Jahre.Sie war scharfzuengig und hielt mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Doch auch die goldenen Zwanziger war nicht nur golden: wirklich gluecklich war Dorothy Parker nicht . Sie haderte mit den Umstaenden ihres Lebens, begonnen mit der Tatsache, dass sie nicht in New York geboren wurde, obwohl ihre Familie dort lebte,, mit ihrer mangelhaften Schulausbildung, mit ihrer Kinderlosigkeit. Jeder, der in der literarischen Welt Rang und Namen hatte, kannte sie und wollte mit ihr zu tun haben. Doch Dorothy war oft einsam
und verbittert.
Michaela Karl hat eine lesenswerte Biografie geschrieben und
nach der Lektuere frage ich mich, was wohl in der heutigen Zeit aus Dorothy geworden waere: ein It-Girl, mit Klatsch und Tratsch
aus der Gesellschaft oder die Bloggerin, die scharfzuengig die Geschehnisse der Zeit dokumentiert? Wahrscheinlich beides, so
wie sie es auch zu ihrer Zeit war.

Hörbuch

Töte mich

Jon Osborne

EUR 16,99 *
auf Merkliste

40

30.09.2011

„Copy Killer”

Nathan Stiedowe hat ein hohes Ziel. Er will der beste Moerder aller Zeiten werden. Und er hat sich gut vorbereitet und seine Vorbilder gut studiert. Er kopiert die bekanntesten Moerder der letzten Jahrzehnte, umgeht jedoch die Fehler, die diese Moerder machten. Die FBI-Agentin Dana Whitestone, selbst Ueberlebende eines Mordversuchs, wird hinzugezogen und wird zum Jaeger.
Oder viellecht doch eher zur Gejagten?
Ein spannender Thriller, doch seien Sie gewarnt: dieses Hoerbuch ist nichts fuer schwache Nerven.

50

30.09.2011

„Beklemmende Schilderung aus dem Hinterhaus”

In der Prinsengracht 263 in Amsterdam steht das bekannteste Hinterhaus der Welt. Eigentlich nur ein kleiner Anbau, verstecken sich hier von 1942 bis 1944 acht Menschen. Unter diesen Menschen ist Peter van Pels, ein "noch nicht sechzehn jaehriger, von dem nicht viel zu erwarten ist" ( aus dem Tagebuch der Anne Frank). Waehrend die ersten Tage im Versteck aus Annes Sicht aufgeregt und wie ein Abenteuer geschildert werden, wirkt Peter in diesem Roman auf mich verstoert und wuetend. Peter wird um seine Jugend gebracht und muss nun sein Leben in unmenschlicher Enge verbringen, in der Hoffnung auf Rettung.
Die Erzaehlungen aus dem Hinterhaus erfolgen scheinbar als
Rueckblenden, denn Peter ist entdeckt worden und mit den
anderen Bewohnern des Hinterhaus aus Auschwitz deportiert
worden. In kurzen Einblendungen wird das "Leben" in den Lagern
geschildert.
Sharon Dogar gelingt es, den Personen viel Tiefe zu verleihen, manche Personen wirken nun nicht mehr so einseitig wie im Tagebuch. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich um ein fiktionales Werk handelt, auch wenn die Autorin sich eng an das Tagebuch und andere Quellen haelt.
Ich finde, hier ist ein ganz aussergewoehnliches und wertvolles Buch entstanden.

Hörbuch

Agent 6

Tom Rob Smith

EUR 22,99 *
auf Merkliste

50

30.09.2011

„Eine langwierige Suche nach der Wahrheit”

Moskau 1950. Der amerikanische "Negersaenger" Jesse Austin besucht als ueberzeugter Kommunist die UDSSR um das echte kommunistische Leben zu erfahren. Die verantwortlichen Offiziere wittern ihre Chance auf gute Propaganda und stellen dem Gast diverse Aufpasser zur Seite. Unter Ihnen ist Leo Demidow, Geheimagent. Der Besuch droht im Eklat zu enden, als Austin die Farce durchschaut.
15 Jahre spaeter soll als Zeichen der Voelkerverstaendigung ein Konzert mit russischen und amerikanischen Jugendlichen in New York stattfinden. Auch Demidows Frau und Toechter sowie Jesse Austin nehmen an diesem Konzert teil. Die Reise endet jedoch nicht wie erwartet, drei Menschen sterben und das Leben weiterer Menschen wird zerstoert.
Demidow, nicht laenger Geheimagent beginnt den langen muehevollen Kampf um die Wahrheit, die ihn nach Afganistan und in die USA fuehren wird, bevor er den Fall endlich abschliessen kann.
Ein spannender und gut konstruierter Krimi und gleichzeitig ein kurzer Abriss der Geschichte des kalten Krieges und des Lebens in Russland nach dem 2. Weltkrieg.
Absolut hoerenswert, wieder einmal grossartig gelesen von Dietmar Baer.

Hörbuch

Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach

EUR 19,99 *
auf Merkliste

50

28.09.2011

„Wie lange bleibt Schuld Schuld?”

Ein Mann betritt das Berliner Adlon und sucht ein Zimmer auf. Er stellt sich als Journalist vor und wird eingelassen. 20 Minuten später ist der Bewohner des Zimmers tot. Kaltblütig ermordet von Fabrizio Collini, Werkzeugmacher im Ruhestand, der sich daraufhin widerstandslos festnehmen lässt.
Caspar Leinen, gerade mal einige Monate Anwalt bekommt den Fall als Pflichtverteidiger zugeteilt und beißt sich an seinem Mandanten die Zähne aus. Denn dieser schweigt beharrlich. Er gesteht den Mord, sagt jedoch nichts zum Motiv. Ein scheinbar aussichtsloser Fall für den Anwalt Leinen, bis ein Zufall ihn auf eine heiße Spur und damit in die Vergangenheit führt.
Kurz und präzise schildert von Schirach die Prozessvorbereitung und die Verhandlung, beinahe emotionslos bis der Hörer mit in den Strudel der Ereignisse gerissen wird und sich zwangsläufig fragt: ist die Schuldfrage abhängig von der Zeit, in der wir leben? Macht es einen Unterschied, ob das Opfer einmal Täter war?
Burghart Klaußner liest wie schon "Verbrechen" und "Schuld" mit beeindruckender Intensität.

40

27.09.2011

„Erinnerungen einer First Lady”

Jacqueline Kennedy war eine ausgesprochen private Person. Sie hat keine Biographie veroeffentlicht, keine Tagebuecher oder Briefe. In Interviews hat sie selten auf persoenliche Fragen geantwortet.Im Fruehjahr 1964 jedoch gab sie eine Reihe von Interviews, die privater nicht haetten sein koennen. Sie gibt Auskunft ueber ganz nichtige Dinge, zB wie haeufig sie in den Praesidentschaftsjahren Ihres Mannes im Kino waren, wer wann welches Buch gelesen hat und dass Ihr Mann keine Romane mochte. Aber natuerlich kommen auch Ihre Erinnerungen auf die wichtigen politischen Ereignisse zum Tragen.
Beinahe 50 Jahre nachdem diese Interviews gefuehrt wurden, werden Sie nun erstmals der Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht.

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