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Michael Lehmann-Pape Top 100 Bewerter

Gesamte Bewertungen 701 (ansehen)


Meine Bewertungen

Übersichtlich und gut verständlich

Michael Lehmann-Pape , am 01.02.2016

Ob die vielfachen Inhalte dieses Werkes nun tatsächlich dazu führen, dass man „ganz praktisch“ wird, das sei zunächst dahingestellt und liegt ja auch an jedem selbst.

Auf der anderen Seite gelingt es Albert Kitzler durchaus, „klassische“ philosophische Denkgebäude und die sich daraus ableitenden Handlungsansätze sehr verständlich darzustellen und damit dem Leser „Handfestes“ an die Hand zu geben.

„Trotz der Unerreichbarkeit dieses Ideals schufen sich alle frühen Kulturen unabhängig voneinander das Bild eines vollendeten Wesens“. Dieses Bild trägt Albert Kitzler in vielfachen Kapiteln aus ebenso vielfacher Annäherung und Sichtweise zusammen.

Einfachheit, Heiterkeit, Harmonie, Natürlich, der Weg zu Freiheit und Unabhängigkeit als innerer Weg, der Umgang mit dem Schicksal, die Haltung zum und das Verständnis des Todes, das rechte Maß und die Warnung vor Hybris, diese wesentlichen Themen des menschlichen Seins und damit der Philosophie nimmt Kitzler auf und fügt sie zu einem „Weg“ zueinander, den er im Vorgang seiner Ausführungen ruhig erläutert:

„Die Rede ist von der antiken Lebensweisheit, wie sie die großen Denker im alten Griechenland, China und Indien erstmals erdacht haben“.

Wobei es deutlich weniger im Buch darum geht, ständig zu definieren was Glück genau ist, sondern aus den genannten Traditionen heraus weitgehend bekannte Gedanken zusammenzutragen, ineinander fließen zu lassen, um Wege aufzuzeigen, sich diesem Zustand des Glücks (oder besser der inneren Ruhe und Harmonie) ganz praktisch durch Selbsterkenntnis, Einsicht und kleine Schritte der Umsetzung zu nähern.

„Mach dich selbst glücklich“ ist der Rat Senecas und ist die Quintessenz des Ansatzes Kitzlers im Buch. Wobei einschränkend vorweg zu stellen ist, dass nun wahrlich vergangen ist, seitdem die Vielzahl der Hinweise und Gedanken im Buch erstmalig gedacht und öffentlich gemacht wurden. Eine einfache Gebrauchsanweisung also ergibt die Philosophie natürlich nicht, sonst wäre die Frage nach dem persönlichen Glück ja längst ein für allemal gelöst.

Das aber die grundlegenden Gedanken der Antike, die ersten, tastenden und dann griffig formulierten Zugänge der verschiedenen Denkrichtungen auch menschlich Grundlegendes für „alle Zeiten“ zu sagen haben und dies durchaus nicht nur abstrakte Gedankengebäude sind, sondern für den Alltag und die eigene Lebenspraxis Vielfache Schätze beinhalten, das erweist auch dieses Werk, wie viele andere, überzeugend . Auch wenn Kitzler auf schon lange (und oft) Gedachtes zurückgreift.

„...dass wir noch nichts wirklich gelernt haben, solange das Gelernte nicht umgesetzt und gelebt wird“.

Trotz mancher Allgemeinplätze, trotz auch mancher zu pathetisch wirkender Formulierungen, im Gesamten stellt das Werk eine erfreuliche und auf die Lebenspraxis zielende Lektüre der „großen Gedanken“ und der Einübung in den „kleinen Dingen“ der Grundgedanken der großen, philosophischen Strömungen dar, die sehr verständlich von Kitzler dargelegt werden.

Wie lebe ich ein gutes Leben?
von Albert Kitzler
(1)
Buch 9,99

Übersichtlich und praxisorientiert

Michael Lehmann-Pape , am 01.02.2016


Einen anderen Menschen auszubilden ist nicht nur menschlich eine Herausforderung, sondern auch in den formalen Dingen nicht „einfach so“ durchzuführen.

Um hier den Überblick zu wahren, auch andere Ausbilder und Auszubildenden je konkret beraten zu können und in den notwendigen Formen die Ausbildung zu verankern hat der Ausbildungsbeauftragte in Betrieben eine wichtige Aufgabe und Schnittstelle inne.

Da ist es gut, dass Dietmar Hartmann aus seiner eigenen, reichhaltigen Praxis und der Reflexion mit anderen Beteiligten schöpft und knapp, präzise vor allem überaus auf die Praxis hin ausgerichtet, mit diesem Leitfaden einen tatsächlichen „roten Faden“ für Ausbildungsbeauftragte an die Hand gibt.

Was sind die Kernaufgaben und die Kernposition? Eine wichtige Klärung angesichts doch verschiedener formaler Beschreibungen in verschiedenen Betrieben. Wie steht es um das eigene Zeitmanagement? Vor allem aber wie ist eine Lernprozessbegleitung konstruktiv anzugehen und durchzuführen mitsamt der Notwendigkeit einer Kompetenz in Konflikten und der Fähigkeit zu konstruktiver Kritik, Bewertung und Beurteilung jeweils des Auszubildenden.

Dass dies alles im Rahmen gesetzlicher Regelungen stattfindet (Jugendarbeitsschutzgesetz) versteht sich von selbst, sich in diesem Regelwerk grundlegend zumindest auszukennen und sich selbst darin zu bewegen, durchaus aber auch dem Auszubildenden dieses Regelwerk zu vermitteln, auch dazu dienen die durchweg fundierten und umgehend umsetzbaren Darlegungen Hartmanns im Buch.

Dass auch Zeit und Platz im Buch gefunden wird für ein kleines „Social Media-ABC“ verwundert nur auf den ersten Blick. Hat man verstanden, dass es Hartmann vor allem um das Verstehen von Situationen und das Zusammenführen von Erwartungshaltungen der verschiedenen Seiten geht, ist es durchaus ein mit-zentrales Anliegen, die „Sprache“ der Auszubildenden zu verstehen und wie diese „ticken“. Und dazu sind Begriffe der sozialen Medien gegenwärtig unabdingbar notwendig.

Alles in allem eine hilfreiche, gute und praxisnahe Begleitung für Ausbildungsbeauftrage in Betrieben, die hilft, eigene Automatismen zu hinterfragen (vor allem Fehler bei den Beurteilungen anzusprechen), aber auch, das eigene Handeln je kurz zu vergewissern

Leitfaden für Ausbildungsbeauftragte in der betrieblichen Praxis
von Dietmar Hartmann
(1)
Schulbuch 22,00

Flüssiger Krimi

Michael Lehmann-Pape , am 15.01.2016


Es ist eher ein Zufall (wie so oft), dass diese beiden „alten“ Leichen in diesem alten Mercedes an einer tiefen Stellen inmitten eines beliebten Badesees in Darmstadt gefunden werden.

Und es ist überhaupt nicht klar, wer dieser Mann und diese Frau sin, vor weniger, wie die beiden vor langer Zeit auf dem Grund des Sees landeten. Dann dazu hätte der Wagen eigentlich über das Wasser fahren müssen. Und zwar eine ziemliche Strecke.

Die Ermittler Horndeich und Hesgart, beide zudem eigentlich mit privaten Fragen durchaus schon beschäftigt genug, machen sich auf den Weg, das Puzzle zu enträtseln, alten Spuren zu folgen, in Universitätsarchiven zu graben. Schritt für Schritt wird so zumindest die Identität der weiblichen Toten ein stückweit greifbarer.

Und dann findet sich eine weitere Leiche. In einer der alten Bunkeranlagen der Stadt.
Jemand, der als Person nicht unbedingt in die Nähe der beiden schon bekannten Toten einzuordnen wäre, dessen Fall aber verdeckte Parallelen mit dem Mord an den beiden „Menschen im See“ aufweist, die auf Dauer offenkundig werden.

Zufall oder gibt es Verbindungen? Und zwar Verbindungen in eine politische Wirklichkeit, die schon zu Ihrer Zeit kaum allgemein bekannt war.

Das Spiel mit der Begeisterungsfähigkeit junger Menschen, der Versuch, strategisch zu Destabilisieren, politische „Flausen“, die plötzlich ernste Realität werden können. Und ein durchaus im Nachhinein realistisches Szenario, das auch in harmlos scheinender Umgebung böse Absichten gezielt verfolgt werden können.

Das ganze flüssig verfasst und mit griffigen Charakteren versehen ergibt eine anregende Unterhaltung. Zwar legt Kibler kein Höchsttempo vor und nervenzerreißende Gefahrenmomente finden sich auch nicht in diesem eher sachlich erzählten Kriminalfall, das allerdings macht das Buch durch seine enge Anlehnung an die Realität wett, wie auch das Lokalkolorit Darmstadts unaufdringlich seine Atmosphäre entfaltet.

Mit einigen überraschenden Wendungen zum Ende hin und einer wenig vorhersehbaren Auflösung, die aber gut in das Gesamtbild der Ereignisse dann passt. Und wer weiß, ob nicht Ähnliches an Verstrickungen, langsamen Erschleichen von Vertrauen und Nutzen junger Antriebskräfte auch heute noch geschieht? Mit anderen „Spielern“ auf dem Feld der „Anwerbung“, aber gleichen Zielen?

Ein lesenswerter Kriminalroman

Totensee
von Michael Kibler
(1)
Buch 12,99

Umfassende Schilderung von Träumen und möglichen Bedeutungen

Michael Lehmann-Pape , am 07.01.2016


„Es ist charakteristisch für Träume, dass sie dem Träumenden oft nach einer Interpretation zu verlangen scheinen“.

Ein Fakt, auf dem Siegmund Freud eine ganze Lehre aufgebaut hat und ein „Fakt des Träumens“, der zumindest zum menschlichen Leben unabdingbar dazu gehört.

Konkreten Träumen. Und Traumforschern, Erklärungsmodellen und eigenen Erkenntnissen geht Draaisma in diesem Buch nach. Und schafft so eine abwechslungsreiche Betrachtung dieses Phänomens. Wie das disziplinierte Traumtagebuch Frederik van Eedens, die sich später vor allem um seinen verstorbenen Sohn Paul bewegten. Der in seiner „Klassifizierung der Träume“ vor allem deshalb bekannt blieb, da er erstmalig jene Zustand ausführlich beschrieb, in dem dem „Träumenden bewusst ist, dass er träumt“ (luzide Träume).

Mit der Möglichkeit, den Traum zu lenken, gar einzugreifen und dennoch im Vollsinne des Wortes zu träumen. Bis dahin, dass von Eeden den Tod als „Erwachen aus einem Traum“ für sich definierte.

Daneben aber stehen die vielen anderen Formen von Träumen. Albträume. Erotische Träume. Verarbeitungsträume (Jahre später wird noch von einer konkreten Prüfung geträumt), prophetische Träume, die tatsächlich scheinbar Ereignisse der Zukunft vorwegnehmen. Und wie träumen überhaupt Blinde (eines der spannendsten Kapitel des Buches).

Denn es gilt: „Träumen ist eine intensive visuelle Erfahrung“. Wie nun „Späterblindete“ (nach dem siebten Lebensjahr) doch auch späterhin in Bildern zu träumen Vermögen, wie man aber auch „bilderlos“ träumt, das sind interessante Erkenntnisse und Beschreibungen, die sich gerade in diesem Kapitel finden und die zeigen, dass Träumen auch „blind“ funktioniert. Aber anders, als man denken mag. Und eben nicht ganz ohne Bilder.

Wie geschieht. Träumen biologisch und neuronal? Warum wird Fliegen in Träumen. Oft als unangenehm empfunden? Warum gehen Albträume oft mit einem Gefühl der Lähmung einher (im Traum)? Und sind erotische Träume überhaupt so einfach zu übertragen, sie als Ausdruck sexueller Sehnsucht eins zu eins verstehen zu können.

Gründlich folgt Draaisma dem Objekt seiner Betrachtung. An sich selbst, in der Forschung, an konkreten Geschichten von „Träumern“ und konkreten „Träumen“, bietet keine letztendlichen Deutungen, aber vielfache Hinweise und, vor allem, Erkenntnisse aus dem Labor...

„In Bezug nun auf die Frage, warum nun gerade diese Träume entstehen und was sie für den Träumenden bedeuten, muss auch nach eine, halben Jahrhundert der Forschung noch viel dahingestellt bleiben“.

Eine insgesamt fundierte, in Teilen sehr anregende Lektüre über eine „andere Welt“, die jeden betrifft. Mit allerdings letztendlich wenig handfesten Rückschlüssen für das eigene Träumen.

Wie wir träumen
von Douwe Draaisma
(1)
Buch 22,99

Hochwertig bebilderte Spurensuche

Michael Lehmann-Pape , am 08.12.2015


„Es läuft: Die Geschichte einer intensiven und prägenden Erfahrung“.
„Es beginnt dort, wo die Komfortzone endet“.

Diese intensiven Erfahrungen, das ist, was der Mensch mit dem Begriff und dem Erlebnis „Abenteuer“ verbindet und das ist, unisono, was die „Abenteurer“ (auch jene, die im Buch vorgestellt werden) suchen, weswegen sie ihre „Komfortzone“ immer wieder auch unter teils hohen Gefahren für die eigene Person, verlassen.

Und, wie man im Buch in Wort und Bild überwiegend glasklar erkennen kann, es sind immer auch die Extreme, die während des Abenteuers selbst im Raum stehen, die gesucht werden.

Ob mit dem Mountainbike durch Kirgisistan, ob beim Wintersrufen in Norwegen, ob in der steilen Felswand oder beim Sprung aus höchsten Höhen, immer wieder wird schon beim Betrachten der Bilder und den erläuternden Texten fast Adrenalin beim Leser mit ausgeschüttet.

Im dicken Schutzanzug, eher wie ein Skiläufer anmutend, im Winter aufs Meer mit dem Surfboard? Am Abgrund vor dem Basejump? Intensiv fangen viele der Bilder im Buch die Stimmung, die Atmosphäre, auch die Anspannung auf. Und immer wieder fragt sich der Leser, natürlich, was dieser Antrieb sein mag, der (nicht nur, aber gerade auch, was die Zahl der Unfälle und der tödlichen Unglücke beim Base Jump betrifft), was dieser unbedingte Antrieb ist, den die vielen „Abenteurer“ im Buch in sich spüren. Mit immer neuen Varianten auch, wie das eher noch junge „Speed and Ski“ zeigt. Speedbergsteigen und dann von 8000 Meter auf den mitgetragenen Skiern bergab.

Faszinierende Bilder extremer Situationen und extremer Orte, mit einem doch deutlichen Gewicht auf dem Extremsport, fasziniert dieser Bildband durchaus und vermittelt in Bild und Text viel von der Motivation, dem inneren Antrieb, dem Training und dem Umgang mit der Angst, die bei diesen Aktivitäten im Vordergrund stehen (neben der „Schönheit des Erlebnisses“),

Das neben Slacklining und den anderen einfach an sich bereits gefährlichen Aktivitäten auch andere Formen der Abenteuer ihren Platz im Buch finden, die erwähnte Mountainbike Tour, oder auch das „Leben als Robinson“ in der Moderne, tut dem Buch gut und zeigt dem Betrachter und Leser, dass jener „Kick“ nicht immer umgehend mit Lebensgefahr einhergehen muss. Wohl aber, und das verbindet alle die unterschiedlichen Aktivitäten, immer mit einem „Schritt ins Risiko“ aus der „Komfortzone“ heraus.

Ein Schritt, der auch niederschwellig gegangen werden kann und für den das Buch den Leser, in je seinem Rahmen und seinen Vorlieben, durchaus grundlegend motiviert.
Hochwertig bebilderte Spurensuche

„Es läuft: Die Geschichte einer intensiven und prägenden Erfahrung“.
„Es beginnt dort, wo die Komfortzone endet“.

Diese intensiven Erfahrungen, das ist, was der Mensch mit dem Begriff und dem Erlebnis „Abenteuer“ verbindet und das ist, unisono, was die „Abenteurer“ (auch jene, die im Buch vorgestellt werden) suchen, weswegen sie ihre „Komfortzone“ immer wieder auch unter teils hohen Gefahren für die eigene Person, verlassen.

Und, wie man im Buch in Wort und Bild überwiegend glasklar erkennen kann, es sind immer auch die Extreme, die während des Abenteuers selbst im Raum stehen, die gesucht werden.

Ob mit dem Mountainbike durch Kirgisistan, ob beim Wintersrufen in Norwegen, ob in der steilen Felswand oder beim Sprung aus höchsten Höhen, immer wieder wird schon beim Betrachten der Bilder und den erläuternden Texten fast Adrenalin beim Leser mit ausgeschüttet.

Im dicken Schutzanzug, eher wie ein Skiläufer anmutend, im Winter aufs Meer mit dem Surfboard? Am Abgrund vor dem Basejump? Intensiv fangen viele der Bilder im Buch die Stimmung, die Atmosphäre, auch die Anspannung auf. Und immer wieder fragt sich der Leser, natürlich, was dieser Antrieb sein mag, der (nicht nur, aber gerade auch, was die Zahl der Unfälle und der tödlichen Unglücke beim Base Jump betrifft), was dieser unbedingte Antrieb ist, den die vielen „Abenteurer“ im Buch in sich spüren. Mit immer neuen Varianten auch, wie das eher noch junge „Speed and Ski“ zeigt. Speedbergsteigen und dann von 8000 Meter auf den mitgetragenen Skiern bergab.

Faszinierende Bilder extremer Situationen und extremer Orte, mit einem doch deutlichen Gewicht auf dem Extremsport, fasziniert dieser Bildband durchaus und vermittelt in Bild und Text viel von der Motivation, dem inneren Antrieb, dem Training und dem Umgang mit der Angst, die bei diesen Aktivitäten im Vordergrund stehen (neben der „Schönheit des Erlebnisses“),

Das neben Slacklining und den anderen einfach an sich bereits gefährlichen Aktivitäten auch andere Formen der Abenteuer ihren Platz im Buch finden, die erwähnte Mountainbike Tour, oder auch das „Leben als Robinson“ in der Moderne, tut dem Buch gut und zeigt dem Betrachter und Leser, dass jener „Kick“ nicht immer umgehend mit Lebensgefahr einhergehen muss. Wohl aber, und das verbindet alle die unterschiedlichen Aktivitäten, immer mit einem „Schritt ins Risiko“ aus der „Komfortzone“ heraus.

Ein Schritt, der auch niederschwellig gegangen werden kann und für den das Buch den Leser, in je seinem Rahmen und seinen Vorlieben, durchaus grundlegend motiviert.

Eine anregende und qualitativ hochwertige „Bild-Lektüre“.


Abenteuer
von Joachim Hellinger
(1)
Buch 29,99

Neues Ermittlerpaar

Michael Lehmann-Pape , am 30.11.2015


Der Marquis de Sade hätte (zumindest in seinen dunklen Fantasien), viel Freude an diesem Treiben gehabt, was in den Räumen des alten Hauses stattfindet.

Ein Haus, seit Langem nicht bewohnt, seitdem die Mutter der Psychotherapeutin Faith Corcoran dort zu Tode gekommen ist. Wohl von eigener Hand, wie ihre nun erwachsene Tochter es sieht.

Jene Faith, die auf der Flucht vor eine Verbrecher ist, dem sie als Therapeutin (in seinen Augen) geschadet hat. Ihren Namen hat sie gewechselt, den Wohnort aufgeben, ihre Spuren getilgt. Und erinnert sich an das Elternhaus. Und weiß, dass es ihr zur Verfügung steht.

Wenn da nicht diese Angst, Panik vor den „12 Stufen“ in den Keller wäre. Den Ort, an dem Faith ihre Mutter gefunden hat.

Und, was Faith nicht weiß, wenn da nicht dieser Bewohner wäre. Der Faith anscheinend sehr gut kennt. Und der nichts anderes im Sinn hat, als sie möglichst schnell aus diesem Leben zu entfernen. Nachdem er seine „Gespielinnen“, die er sich auf sehr schmerzhafte Weise „gefügig“ macht, seine „Sklavinnen“ versorgt hat.

Was so recht weder ihm gelingt, noch das es Faith gelingt, fürs Erste, näher zu erfahren, das überhaupt in ihrem Haus etwas so brutales geschieht.

Bis ihr, auf dem Weg zum Haus, ein „Bündel“ vor den Wagen läuft. Bei näherem Hinsehen, eine junge Frau, malträtiert, über und über mit Schnitten verletzt. Und das FBI sich in Person von Deacon Novak einschaltet. Ein bemerkenswerter Mann!

„Der Mann sah aus, als sei er einer Comic Verfilmung entsprungen. Hätte sie keine Schmerzen gehabt, wäre sie davon ausgegangen, dass sie träumt“.

Aber Deacon ist real. Und auf eine Art und Weise mit den Ereignissen verbunden, die ihm selbst, Faith und dem Leser erst nach und nach klar werden. Nachdem das FBI im Haus mehrere grausige Entdeckungen gemacht hat. Nachdem Faith selbst in den Mittelpunkt der Ermittlungen rückt. Nachdem Faith und Deacon nicht etwas füreinander, sondern auch einiges Miteinander entdecken, bis hin zum spannenden, temporeichen und auch harten Finale dieser gut 880 Seiten.

Von denen nicht jede Seite notwendig gewesen wäre, muss man ehrlicherweise sagen, einige Szenen ziehen sich doch teils stark in die Länge. Wie auch das „wie alles mit allem zusammen hängt“ nicht unbedingt überaus realistisch erscheint. .

Dennoch, flüssig, sprachlich bildkräftig und mit interessant gezeichneten Figuren bietet der Thriller anregende und spannende Unterhaltung, spielt geradezu mit dem Stereotyp des Comic-Helden (der sich im „wahren Leben des Romans“ differenzierter und mit interessantem Hintergrund versehen erweist) und kennt auch die ein oder andere feine Ironie, die sich selber nicht immer bierernst nimmt (was im Finale natürlich ohne jede Ironie zu Ende geführt wird).

Dornenmädchen
von Karen Rose
(12)
Buch 16,99

Kompakt, fundiert, übersichtlich

Michael Lehmann-Pape , am 30.11.2015


Eliot, Woolf, Auden, Christie, Huxley, mithin so gut wie alle, die literarisch Rang und Namen in der englischen Literatur des 20. Jahrhundert hatten, werden mit zumindest ihrem Hauptwerk, jenem Titel, mit dem die entsprechende Person automatisch fast assoziiert, im Buch benannt und einer kompakten Darstellung (auch biographisch) zugeführt. Ein Reigen, der nicht nur die „großen Klassiker“ aufnimmt, sondern dessen Spannbreite bis zu Rowlings „Harry Potter“ reicht und auch „Trainspotting“ von Welsh nicht außen vor lässt.

Wie in den anderen Bänden auch, macht es sich die umfassende Kindler-Kompakt Reihe zur Aufgabe , für die wichtigen Epochen differenziert auf die entsprechenden Sprachräume, in übersichtlicher, kompakter, dennoch fundierter Form einen Überblick über die jeweilige Literaturgeschichte zu vermitteln.

Der vorliegende Band wendet sich in diesem Zusammenhang der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts zu. Und das vielfach und mit breitem Blick auf verschiedene Stile und ganz verschiedene Werke,

Wobei „exemplarisch und dennoch aussagekräftig“ auch bei dem vorliegenden Thema den Leitsatz der Zusammenstellung. Eine Herangehensweise, die im Buch durchweg gelungen erscheint und dem Leser den Kern des literarischen Schaffens der Epoche anhand der vielfachen, wesentlichen Werke sachlich vor Augen führt.

Nach einer Einleitung, welche die breite Thematik, die unterschiedlichen Personen und die verschiedenen Ansätze der englischen Literatur des 10. Jahrhunderts aufnimmt und darlegt.

Dicht und eng gedruckt erfolgt in jeder konkreten Autorenbetrachtung dann je ein biographischer Abriss der Person und, im Folgenden, die Beschäftigung mit „dem“ Hauptwerk.

Ausgehend von dieser sehr konkreten Herangehensweise führt dann die exemplarische Betrachtung und die Verfolgung von Linien hin zum und ausgehend vom konkreten Werk zu einer gelungenen Darstellung des konkreten Autors im breiteren Blick und seiner und seines Werkes Einordnung in die Abläufe und Entwicklungen des Zeitpunkts und der kulturellen Einflüsse, die in den Werken zu erkennen sind.

Alles in allem eine saubere, verständliche, gehaltvolle Darstellung, die dem Leer einen plastischen und fassbaren Blick auf die Epoche und die Epoche-tragenden Gestalten erlaubt und genügend Ansatzpunkte zu vertiefenden Weiterarbeit liefert.

Kindler Kompakt: Englische Literatur, 20. Jahrhundert
(1)
Buch 19,95

Etwas langatmig

Michael Lehmann-Pape , am 26.11.2015


Es sind die „Verwelkte“, die John Cleaver zunehmend beschäftigen und durch die er zunehmend unter inneren und äußeren Druck gerät.

Viel hat er schon verloren auf seinem Weg. Seine erste Liebe Marci allen voran an diesen Dämon, der sich „Niemand“ nannte und nun dutzende, vielleicht hunderte toter Mädchen im Körper von Brooke eingeschlossen hat. Jene Begleiterin, die als einzige für John noch übrig geblieben ist, nachdem so viele bereits getötet wurden, er selbst, statt, wie zu Beginn, für das FBI zu arbeiten nun von demselben landesweit gesucht wird.

Eine grobe Liste, ein ungefähres Wissen von geographischen Orten treibt ihn voran. Orte, an denen „Verwelkte“ leben (soweit man das Leben nennen kann), Dämonen ihrem Werk nachgehen.

Wie Yashodh, der sich „Christopher“ nennt und von der Anbetung und Liebe seiner „Sekte“ Lebenskraft gewinnt. Bis John auf ihn trifft.

Nein, John ist kein „Serienkiller“ im üblichen Maßstab, auch wenn er (wie schon aus den Vorgängerbänden bekannt) diesen Antrieb, dieses dunklen Gedanken in sich findet und latent spürt (nur einen Menschen hat er bisher getötet). Der Tod selbst, dieser Übergang vom lebenden Wesen zum toten Ding, das ist, was ihn animiert, interessiert, seine Religion.

Die er nun in klare Bahnen gelenkt hat. Aber ohne Heim, mit schwindenden materiellen Ressourcen, auf der Flucht und auf der Spur, immer achtsam, immer mit der Sorge der Gefahr durch Polizei, Dämonen und ganz normale Menschen.

Wie sich zeigt, als John und Brooke in Dillon anlangen, dem kleinen Kaff. Und plötzlich aus den vielfachen, eingesperrten Personen in Brooke genau jene nach vorne tritt, die John am meisten aus der Bahn werfen kann.

Und das gerade an dem Ort, an dem der Attina auf der Spur ist. Einer ominösen, gefährlichen Dämonin, über die kaum Informationen vorliegen, auf die John sich nicht wirklich vorbereiten kann.

Vielfach und breit erzählt Dan Wells in diesem Band von Hintergründen. Von den persönlichen Entwicklungen zwischen John und Brooke, bzw. John und „Niemand“, die Brooke bewohnt. Jene Brooke, auf die John immer ein achtsames Auge zu halten hat, damit nicht eine depressive Anwandlung (und von denen hat Brooke viele), zum Unglück führen.

Dialoge, Reflexionen, Erinnerungen, die einerseits den Hintergrund und das Wesens Johns deutlicher beleuchten, die aber andererseits (bis auf die Begegnung mit dem ersten Dämonen auf der Farm) lange Zeit nicht viel wirklich passieren lassen, bevor die Ereignisse dann doch im zweiten Teil des Bandes Fahrt aufnehmen und mit überraschenden Wendungen (was die Frage nach Freund und Feind einschließt) und gefahrvollen Momenten spannende Unterhaltung bieten. Mit einem ebenso überraschenden, anders als gedachten Ende.

Nur über deine Leiche
von Dan Wells
(1)
Buch 12,99

Psychogramme

Michael Lehmann-Pape , am 26.11.2015


Ja, es gibt Tote. Niht nur menschliche. Ermordete. Und ja, es gibt eine kongeniale, dem mittleren Alter mitten hinein wachsende Kommissarin.

Dennoch, es ist bei Weitem kein klassischer Kriminaloman, den Andrea Sawatzki in ihrem neuen Roman vorlege.

Denn das Eigentliche, auf das sie den Blick des Lesers über die gesamte Länge des Buchs hin wendet, ist das innere Erleben, die Psyche, die Prägung von früh an ihrer beider Protagonistinnen. Und, ganz am Ende, die dann darauf folgende, letztlich logische, fast zwangsläufige Beziehungsform, die zwischen der Kommissarin und dem Objekt ihrer Ermittlungen entstehen wird.

Wobei, dennoch sei im Vorfeld nicht verraten, wer für die Morde verantwortlich ist, sehr früh während der Lektüre klar ist, wer die Taten begeht.

Aber das Warum, das, was in einem solchen Menschen vorgeht, was an Lebens- und Leidensgeschichte dahinter steht, was an aktuellen Ereignissen, am Wegbrechen der letzten haltenden Fixpunkte den letzten Tropf in das Faß zum Überlaufen hinein gibt, das führt Sawatzki breit und in Teilen emotional nahe gehend aus.

„Sie schreibt grundsätzlich alles auf....Mit genauer Zeiteinteilung. Sie uss das tun, um den Tag zu strukturieren. Um nicht abzugleiten in das Dunkel“.

Aber nichts wird wirklich halten, auch die Liebe nicht. Kein Wunder, im Blick auf diese Kindheit........

Ebenso, wie sie der anderen Seite, der Kommissarin Melanie Fallerleben Tiefgang verleiht, mehr in den Raum der Ereignisse die innere Suche, die Folgen der Trennung von ihrem Mann, diese Mattigkeit im Blick auf eine Motivation zum Neuanfang, dieses fast hörbare „lautlose Seufzen“ über das Leben hineingeht, als in die praktische Arbeiten der Ermittlerin.

„Was soll sie machen?.....Schreiben, dass sie ihn gerne sehen würden? Nein, das wäre ja die Wahrheit. Frauen sind nur dann interessant, wenn sie ihre Sehnsüchte verschleiern. Also nicht antworten. Aber damit käme sie auch nicht weiter“.

Immer innerlich verwirrt, den Knoten nicht durchschlagen, so schleppt sich Fallersleben innerlich eher durch die Tage, denn das sie aktiv die Dinge angeht.

Das sind schon psychologische Abgründe und teils harte Erlebnisse, in die Sawatzki Seite für Seite führt und, unmerklich fast, eine reale, bedrängende, sich steigernde innere Spannung schildert, die zur Katharsis immer stärker drängt. Auf allen Seiten.

Sprachlich hier und da zu einsilbig, zu distanziert für teils bittere und harte Emotionen, die sie schildert, folgt der Roman dennoch einer klaren Linie und bleibt so, trotz der Vorhersehbarkeit der Ereignisse, eine anregende Lektüre. Welche die Neugier des Lesers wachhält, noch genauer und noch klarer zu verstehen, warum die Dinge sich so entwickeln, wie wie es tun. Und wie es ausgehen wird.

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Der Blick fremder Augen
von Andrea Sawatzki
(1)
Buch 19,99