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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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17

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

123

buch

Cryptocurrency

Michael Casey

EUR 19,99 *
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40

25.03.2015

„Die digitale Veränderung der Geldwirtschaft”


Der Begriff „Bitcoins“ macht schon seit längerer Zeit seine weiter kreisenden Runden in den öffentlichen Berichterstattungen und bildet somit die bekannteste, wenn vielleicht auch nicht die einzige Form einer „digitalen Geldwirtschaft“, die neben der traditionell bekannten „normalen Geldwirtschaft“ in den letzten Jahren sich entwickelt hat.

Mit vielfachen Fragezeichen versehen, sicherlich. Denn dass Bitcoins „einfach so“ gestohlen werden können (digital durch Hacker natürlich), dass diese Nebenwährung noch nicht als gängiges Zahlungsmittel in der breiteren Öffentlichkeit auftaucht, das lässt die Mechanismen einer solchen digitalen Währung noch weitestgehend im Nebel liegen. Und lässt die Gefahren, die in solchen Systemen sich befinden auch noch eher am Rande der Wahrnehmung dahindümpeln.

Auf der einen Seite, in der Entwicklungsgeschichte der Bitcoins, dienten diese als Bezahlung für Mitarbeitende (z.B. junge Frauen in Afghanistan), die über kein Bankkonto, wohl aber über Internet Zugang verfügten.

Zudem aber waren Bitcoins über einige Zeit hinweg sehr spekulative Objekte und, wie bereits erwähnt, sind als digitale Elemente auch besonderen „Diebstählen“ ausgesetzt, die zunächst befremdlich anmuten.

Case und Vigna erläutern in ihrem Buch das System der Bitcoins sehr genau, weisen auf Vorzüge, aber auch auf Fehlentwicklungen dieser neuen Währung hin und vertreten im Gesamten durchaus die These, dass mit der digitalen Währung größere gesellschaftliche Veränderungen einher gehen werden.

Sie verweisen hierzu auf das traditionelle Geldsystem, das noch aus der Renaissance stammt und verknüpfen die „neuen Erfindungen“ einer digitalen (und damit ja auch virtuellen) Währung mit einer „Virtualisierung“ des Lebens an sich.

Dennoch aber geben die Autoren auch gegen Ende des Buches keine eindeutigen und klaren Prognosen ab, sondern stellen verschiedene, denkbare Szenarien zur Auswahl.

„Wird Bitcoin selbst triumphieren oder scheitern“?

Zusammenfassend bleibt: Nichts Genaues weiß man. Außer, dass Bitcoins ein eher misstrauisch beäugtes Nischenprodukt (noch) darstellen.

So bietet dieses Buch zunächst vor allem als Gewinn für den interessierten Leser eine genaue und verständliche Erläuterung, „Was das genau ist“ und „Wo das herkommt“. Angerissen werden eher allgemein die Möglichkeiten einer digitalen Währung und ebenso mögliche Folgen in verschiedenen denkbaren Szenarien.

Im Ausblick etwas zu vage ist es doch insgesamt eine interessante Aufklärung zum Thema, die sich im Buch findet.

buch

Cryptocurrency

Michael Casey

EUR 19,99 *
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40

25.03.2015

„Die digitale Veränderung der Geldwirtschaft”

Der Begriff „Bitcoins“ macht schon seit längerer Zeit seine weiter kreisenden Runden in den öffentlichen Berichterstattungen und bildet somit die bekannteste, wenn vielleicht auch nicht die einzige Form einer „digitalen Geldwirtschaft“, die neben der traditionell bekannten „normalen Geldwirtschaft“ in den letzten Jahren sich entwickelt hat.

Mit vielfachen Fragezeichen versehen, sicherlich. Denn dass Bitcoins „einfach so“ gestohlen werden können (digital durch Hacker natürlich), dass diese Nebenwährung noch nicht als gängiges Zahlungsmittel in der breiteren Öffentlichkeit auftaucht, das lässt die Mechanismen einer solchen digitalen Währung noch weitestgehend im Nebel liegen. Und lässt die Gefahren, die in solchen Systemen sich befinden auch noch eher am Rande der Wahrnehmung dahindümpeln.

Auf der einen Seite, in der Entwicklungsgeschichte der Bitcoins, dienten diese als Bezahlung für Mitarbeitende (z.B. junge Frauen in Afghanistan), die über kein Bankkonto, wohl aber über Internet Zugang verfügten.

Zudem aber waren Bitcoins über einige Zeit hinweg sehr spekulative Objekte und, wie bereits erwähnt, sind als digitale Elemente auch besonderen „Diebstählen“ ausgesetzt, die zunächst befremdlich anmuten.

Case und Vigna erläutern in ihrem Buch das System der Bitcoins sehr genau, weisen auf Vorzüge, aber auch auf Fehlentwicklungen dieser neuen Währung hin und vertreten im Gesamten durchaus die These, dass mit der digitalen Währung größere gesellschaftliche Veränderungen einher gehen werden.

Sie verweisen hierzu auf das traditionelle Geldsystem, das noch aus der Renaissance stammt und verknüpfen die „neuen Erfindungen“ einer digitalen (und damit ja auch virtuellen) Währung mit einer „Virtualisierung“ des Lebens an sich.

Dennoch aber geben die Autoren auch gegen Ende des Buches keine eindeutigen und klaren Prognosen ab, sondern stellen verschiedene, denkbare Szenarien zur Auswahl.

„Wird Bitcoin selbst triumphieren oder scheitern“?

Zusammenfassend bleibt: Nichts Genaues weiß man. Außer, dass Bitcoins ein eher misstrauisch beäugtes Nischenprodukt (noch) darstellen.

So bietet dieses Buch zunächst vor allem als Gewinn für den interessierten Leser eine genaue und verständliche Erläuterung, „Was das genau ist“ und „Wo das herkommt“. Angerissen werden eher allgemein die Möglichkeiten einer digitalen Währung und ebenso mögliche Folgen in verschiedenen denkbaren Szenarien.

Im Ausblick etwas zu vage ist es doch insgesamt eine interessante Aufklärung zum Thema, die sich im Buch findet.

buch

Väter ohne Kinder

Andrea Micus

EUR 15,99 *
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50

18.03.2015

„Oft nicht im Blickpunkt”


Matthieu Carriere hat vor Zeiten sein „Vater ohne Kind Sein“ öffentlich und medienwirksam thematisiert. Einer der wenigen, der durch diese Form der Darstellung den Blick der Öffentlichkeit auf die Gruppe der „getrennten Väter“ gelegt hat und damit ein Gegenbild zu vielen Vorurteilen auch geschaffen hat, dass Väter sich nach Trennungen gerne „auflösen“ aus dem gemeinsamen Leben.

Wie das ist, wenn nach einer schmerhaften Trennung plötzlich nicht nur die Beziehung, sondern gleich „die Familie“ per Zwang aus dem bis dato gemeinsamen Leben entfernt wird, das zeigt Micus anhand einiger sehr prägnanter Beispiele im Buch auf und geht der Frage der Bedeutung dieses Erlebens intensiv nach.

„Durch die Hölle gehen“, so ist das eben auch, wenn die ehemalige Partnerin oder ehemalige Ehefrau den Umgang mit dem oder den gemeinsamen Kindern verwehrt.

Gerade der Hauptteil „6 Väter erzählen“ im Buch kommt dem Leser emotional sehr nahe. Ohne großartigen Pathos oder Übertreibungen finden sich hier Erlebnisschilderungen („Ich will nicht mehr leiden“) in der Ich-Form, die ein sehr deutliches und klares Licht auf die Brüche, die Verletzungen, das Leiden jener Männer wirft, die eben nicht irgendeine „Flucht“ im Leben freiwillig gewählt hätte, sondern die emotional gebunden massiv und scherzhaft von ihren Kindern „getrennt wurden“.

„Meine Gefühle werden ein- und ausgeknipst“, so erzählt es Fabian im Buch. Seine Tochter ist aus einer her kurzzeitigen Affäre hervor gegangen und dennoch wäre er gerne da für das Kind. Doch als unehelicher Vater stehen die Chancen denkbar schlecht, hierfür eigene Möglichkeiten zu finden, wenn die Mutter es verhindern möchte.

„Ich habe begriffen, dass meine Frau an einer einvernehmlichen Lösung nicht interessiert ist. Sie will mich zwar loswerden, aber sie will es ohne größere finanzielle Verluste“.

Natürlich gilt nicht, dass dies alles nun einseitig wäre. Die „Paargeschichte“ ist voll von Streit, Konflikten, Machtspielen, die Frauen ebenso betreffen wie aber eben auch vielfach Männer, wovon dieses Buch ein klares Zeugnis ablegt.

Die Reflexion der individuellen Schicksale und die Möglichkeiten, in all dem andere Formen des Umgangs finden zu können finden sich je eingearbeitet in die Lebensbeispiele. Das ist allerdings ein wenig schade, da so die konstruktiven Möglichkeiten und das „sich Lohnen“ eines nicht-Aufgebens eher indirekt zum Tragen kommen. Eine von der „Ich-Form“ distanzierte und ausführlichere Form der Reflexion und des Ausblicks wäre wünschenswert gewesen, auch wenn natürlich die wesentlichen Informationen der verschiedenen Umgangsmöglichkeiten mit einer solchen Situation in den einzelnen Fallbeispielen inhaltlich zu lesen sind.

Ein wichtiges Thema und ein sehr persönliches Buch, das allemal das Lesen auch für nicht Betroffene Leser lohnt, um einen Einblick in die „andere“, häufig öffentlich nicht gesehene Seite der Trennungen von Familien zu erhalten.

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40

17.03.2015

„Stabil werden”


Die Diskussion im die seelische Kraft der Resilienz ist seit einigen Jahren bereits im öffentlichen Diskurs angelangt.

Dass die Dinge des Lebens nicht unbedingt kontrollierbar sind, dass Tiefen ebenso wie Höhen zu einem Leben dazu gehören, dass aber der Zustand von Zufriedenheit, manchmal auch Glück und der Friede mit sich selbst viel wenig letztendlich von äußeren Ereignissen nachhaltig bestimmt werden, sondern von einer stabilen, inneren Haltung dem Leben gegenüber.

Ob dies nun „Resilienz“ genannt wird, oder, wie in diesem Buch, als „seelische Widerstandskraft einen Namen findet, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

„Glücklich sein“, als Zustand, den Menschen oft als anregendes, zu erreichendes Ziel benennen, beginnt eben damit, dass das Leid des Lebens nicht geleugnet wird, dass man sich nicht innerlich auf die Flucht begibt vor dem Leben oder sich selbst und das man, so ist es griffig im Buch nachzuvollziehen, auch ein gesundes Stück Abstand von seinen eigenen, je aktuellen und situativen Gefühlszuständen einnehmen kann.

Ein „Ja“ zum Leben wird dann zumindest zu einer Befriedung mit sich selbst und „den Umständen“ führen, wenn es nicht immer nur auf einem „Weil“ beruht, sondern auch das „Trotzdem“ miteinschließt.

„Trotzdem „ja“ zu sagen“ aber fällt nicht leicht, das ist wahr. Firus und Firus aber verstehen es ohne größere Ausschmückungen und bei Weitem nicht auf der Ebene eines „Poesiealbums“ den Leser mittels ihrer einfachen und klaren Sprache auf diese innere Kraft hin zu führen, die auch ein „trotzdem“ überstehen hilft.

Eine Kraft, aus der „innere Bilder“ entstehen können, aus der heraus die Sicht des Menschen auf sich, sein Ergehen und das Umfeld hin geprägt und positiv interpretiert werden können. Mit „gesundenden Folgen“.

Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit und Widerstandkräfte gegen den Unbill des Lebens, das sind die Kernelemente, die (in der Sprache der positiven Psychologie) dann zu einer regelrechten „Verabredung mit dem Glück“ führen können.

Nicht „einfach so“ und nicht 2als Schicksal“, durchaus mit Arbeit verbunden (vor allem an sich selbst), aber mit sichtbaren Erfolgen, wenn es dann beginnt, zu gelingen, „Am Schweren zu wachsen“, statt sich von solchem auf den Boden werfen zu lassen.

Ein Weg, der im Buch nicht im luftleeren Raum gelassen wird, sondern an der Lebensgeschichte Hans-Hermann Firus eindringlich real nachvollzogen wird.

Nicht unbedingt neue Erkenntnisse sind es, die in diesem Buch ihre Wirkung entfalten, aber eine sachgerechte und verständliche Zusammenschau dessen, was an eigenen Möglichkeiten zur Stärkung des eigenen Ich bekannt und wirksam ist. Um in den „Flow“ zu geraten, der das Leben in den besten (wie in den schlechten) Momenten zu tragen ermögllicht.

buch

Das Buch der Nacht

Deborah Harkness

EUR 19,99 *
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50

17.03.2015

„Nahtloser Anschluss an die vorhergehenden Bände”


„Ashmole782“ ist ein altes Papier, ein wichtiges Dokument, wohl der Schlüssel, vor allem sich selbst vor dunklen Mächten zu bewahren (und damit ein stückweit natürlich auch die Welt).

Diana, die Hexe fast wider Willen, die sich im Lauf der letzten beiden, breit und episch angelegten, Bände zu ihrer „Natur“ bekannt hat und ebenso zu ihrer Liebe für den eigentlich „natürlichen Feind“, den Vampir aus altem Adel, Matthew, wird diese Herausforderung (natürlich) annehmen.

Wie auch in „Twilight“ und anderen jüngeren Mystery Sagen findet sich auch bei Harkness die fast klassische Ausgangsposition zweier Gruppen, die gegeneinander arbeiten, die sich in tiefer Feindschaft verbunden sind.

Hexen und Vampire treten dabei durchaus „gemischt“ gegeneinander an, werden eher durch persönliche Interessen oder Emotionen miteinander verbunden (oder gegeneinander aufgestellt).

Das Ganze mit einem mehr als geringen Hauch adeliger Ehre und Verhaltensweisen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit versehen ergibt eine romantisch-gefährliche Melange, die durchaus gut zu unterhalten versteht auf den gut 760 Seiten des Buches.

Wobei Harkness geschickt zu Beginn des Buches neue Elemente einfügt, mit denen sie die Spannung neu zu entfachen und sogar zu erhöhen versteht. Zum einen stirbt eine enge Vertraute Dianas, eine Hexe und damit setzt Harkness deutlich sichtbar die Härte der Auseinandersetzung und die Lebensgefahr für die Beteiligten in den Raum der Geschichte.

Zum anderen müssen sich Diana und Matthew nicht mehr nur um sich selber sorgen, sondern tragen eine hohe Verantwortung als Paar, was ihre beide Gattungen und die Zukunft angeht.

Ein wenig wie aus dem „Off“ von den toten Vertrauten noch begleitet, beginnen so Seite für Seite die Ereignisse sich zu verdichten, Gefahren heraufzuziehen und die Spannung zu steigern.

Denn der Fein ist nicht nur „da draußen“ irgendwo, sondern aufpassen müssen Diana und ihr Vampirgatte an allen Ecken und Enden ihrer gefährlichen Wege.

Alles in allem wirkt die gesamte Trilogie wie aus einem Guss, führt eine Vielzahl von Protagonisten ein, die je eine erkennbare Entwicklung im Lauf der Saga durchlaufen und auch in diesem dritten band sorgsam von Harkness weiter begleitet und ausgestaltet werden.

Ein wiederum sehr guter Band und abschließender Teil der Trilogie und eine empfehlenswerte Lektüre

buch

Lebensstufen

Julian Barnes

EUR 16,99 *
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50

17.03.2015

„Julian Barnes – Lebensstufen”


Liebeslied und Liebesleid

Ein wenig durch die Themen des Lebens zu mäandern scheint Julius Barnes zu Beginn der Lektüre, bis allerdings rasch deutlich wird, dass der Autor in diesem schmalen Band dem Kern (zumindest seines) Lebens in jeder Zeit näher kommt, seine wichtigste Emotion (Liebe und Trauer in einem) umkreist.

„Jetzt lese ich die Nachrufe und schaue, wie lange derjenige verheiratet war. Ich beneide alle, denen mehr Zeit vergönnt war“.

„So wird auch das Leid unvorstellbar: nicht nur seine Länge und Tiefe, sondern auch sein Ton und seine Beschaffenheit“.

Unvorstellbar, ja, aber nicht un-beschreibbar. Denn die Liebe, jene 30 Jahre der Ehe zu seiner Frau Pat, der Tod, die unsägliche Trauer und was das alles soll und wie zerbrechlich das alles ist, was im Lebens ich ereignet und einander (oft zufällig) begegnet und in Beziehung miteinander Tritt. Das Streben nach Höhe des Menschen, das reale sich begegnen doch immer auf „der Ebene“ und die Bilder, die Barnes für all das findet, das lässt den Leser weder los noch unbeeindruckt zurück.

Jener Leser, der wie jeder Mensch meint, „etwas Besonderes“ zu sein, nach „Höherem zu streben“ um dann doch nur in die kalten Fluten des Lebenswassers einzutauchen.

Was für ein Bild für Trauer, das Barnes im Buch findet:

„Man ist plötzlich ins eiskalte Deutsche Meer gefallen, nur mit einer absurden Korkweste ausgestattet, die einen am Leben halten soll“.

Sicher richtet Barnes im Buch drei Themenüberbegriffe ein, sicher folgt er einem roten Faden, doch letztendlich bildet jeder Absatz, jede Beobachtung, jede Beschreibung und jede Reflexion einen inneren Zusammenhang in sich, sprachlich wunderbar verdichtet und präzise die Gedanken und Gefühle benennend.

So vermischen sich erfüllte und unerfüllte Liebessehnsucht und am Ende kann man gar nicht mehr so klar sagen, welches denn nun „das bessere“ Los wäre. Jener Kork im Meer oder jenes tröpfelnde Leiden über lange Zeit (wie Fred Burnaby es in seiner unerfüllten Liebe erlebte).

Da mag es noch so sicher scheinen, noch so in die Höhe gehen, noch so „fortschreitend sich entfalten“, das Leben, das eigentliche ist und bleibt die Liebe und der Schmerz, der damit einhergehen kann, ebenso, wie die Fülle, die darin erlebbar ist.

Tief dringt Barnes ein in die Hoffnungen, Möglichkeiten, aber eben auch das Dunkle, die Abstürze, das Leid des Lebens. Jeder Satz wohlgesetzt, jeder Gedanke es wert (und dazu auffordernd) sich mit ihm länger zu beschäftigen.

Ein Buch zum „sich treiben lassen“ mit den Gedanken und Gefühlen des Autors, in mögliche Höhen und reale Tiefen des Lebens und eine empfehlenswerte, letztlich sehr, sehr persönlich verfasste Lektüre.

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30

27.02.2015

„Detaillierte, etwas trockene Erklärungen”


Gut, dass im Buch an der ein oder andren Stelle auch ganz praktische Versuchsanordnungen für den heimischen Gebrauch vor Augen geführt werden.

Sei es ein „überraschender Fall“ (im Rahmen des Themas Skydiving und wie schnell ein Mensch fallen kann), sei es ein „gesundes Blasrohr“ oder ein „tollkühnes Weinglas“ (zur Veranschaulichung der Dreh-impulser Haltung“) und anderes mehr. Experimente, die den Tatendrang des Lesers mit aufnehmen und so manche Erläuterungen im Buch mit abwechslungsreichem erleben versehen.

Was der Lektüre gut tut, denn Hermans erläutert die vielfältigen „Überprüfungen von Alltagsphänomenen“ doch durchgehend sehr, in Teilen arg trocken in Sprache und Stil.

Dennoch natürlich, was die reine Fakten- und Wissensseite angeht bieten die vielfachen Ausführungen aus verschiedenen Lebensbereichen doch eine Befriedigung vielfacher Neugier.

Das ein Ei in der Mikrowelle explodiert, dürfte ja allgemein bekannt sein, warum das aber genau nun so ist, das findet sich ebenso in dieser physikalischen Kompilation , wie vielfache andere Antworten.

Wie man Schallwellen zum Narren hält, ob man im Dunkeln wirklich besser hört (ab und an ja, was aber nicht an der Tageszeit liegt), warum eine Scheibe durchsichtig ist, eine Gardine aber nicht oder wie auf trockenen Straßen Pfützen entstehen, jeweils sehr sachlich und nüchtern, teils mit doch einigem an wissenschaftlicher Sprache versehen führt Hermans seine Phänomene des Alltags aus.

Wieweit einzelne der Themen nun den konkreten Leser wirklich interessieren, ist natürlich der jeweiligen Interessenslage geschuldet. Da ein steter Lesefluss im Buch nicht wirklich aufkommt, wäre ein Blick in das Inhaltsverzeichnis vor dem Kauf ganz nützlich, um das Buch als kleines „Lexikon“ der Naturwissenschaft für den Alltag auch nutzen zu wollen

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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40

27.02.2015

„Einblicke in die Gegebenheiten des Universums und der Natur”


Was die biblische Schöpfungsgeschichte und die Theorie vom Urknall gemeinsam haben, ist zweierlei.

Zum einen drückt sich in beiden der je aktuelle und doch immer wieder begrenzte Blick der Menschheit auf die sie umgebende Welt und das Universum aus. So, wie Einstein sagte, dass die Religion ohne Naturwissenschaft blind, die Naturwissenschaft ohne Religion aber lahm sei, bleibt in allen bisherigen Zeiten deutlich, das alles Ahnen oder Wissen Stückwerk ist.

Das zweite aber, was beide Erklärungsmodell vereint ist die hohe Stellung, die Licht und Energie in beiden Erläuterungen des Anfanges der Welt zukommt.

Dies bildet auch den Ausgangspunkt dieses verständlich formulierten und mit einer ganzen Reihe von Experimentieranleitungen versehenen „Lehr- und Lernbuches des Alltags“.

Chronologisch folgt Full dem Geschehen und den Spuren des Urknalls. Erläutert Atome, erzählt von der Ausdehnung des Weltalls und folgt minutiös den Spuren der Entwicklung des Lebens von der „Ursuppe“ begonnen bis zum Homo Sapiens.

Wobei die Idee der vielen „Paralleluniversen“ durchaus ein wichtiges Moment seiner Darlegungen darstellt und, Pädagoge, der er ist, kommen hier die „Gummibärchen“ ins Spiel, die ihre ganz eigene „Schöpfungsgeschichte“ im Buch erleben (natürlich fantasievoll und gut erzählt und dennoch auf dem Boden der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse verankert).

Immer im Blick auf den Leser als „Lernenden“, sticht das pädagogische Element Fulls im Gesamten erkennbar heraus. So zeigt er seine Stärken sowohl als Vermittler „harter Fakten „mitsamt einer Reihe an nachvollziehbaren praktischen Experimenten für den Leser zu Hause, als er eben auch zu „fabulieren„ versteht und seine „Geschichte der Gummibärchen in ihrem Paralleluniversum“ flüssig und anregend erzählt.

„Das Ordnung von alleine entsteht, quasi sich selber organisiert, widerspricht eigentlich unserer allgemeinen Lebenserfahrung“. Unordentlich wird das Kinderzimmer scheinbar von alleine, Ordnung braucht Kraft und Struktur.

So gilt: „Das Leben ist ein ständiger Kampf um Ordnung“.

Was diese Ordnung ist, wo sie angelegt ist und ihren Ursprung haben könnte, warum es sie braucht und was alles an Kräften dagegen hält, das erzählt Full sehr munter im Stil und Kundig in der Sache und lässt so das Staunen über die „Unwahrscheinlichkeit des Lebens“ an sich wachsen.

Gegen das in diesem Universum viel mehr spricht, als das etwas dafür spricht und das trotzdem in sich eine Ordnung trägt, die ausdauernd und mit hohem Energieaufwand immer wieder die Unordnung beseitigt.

Sprachlich eher an jüngeren Schülern und Schülerinnen orientiert bietet das Buch dennoch Lesern allen Altersstufen ein ruhige, flüssig verfasste und sachkundige Darstellung der Geschichte des und der Gesetzmäßigkeiten im Universum und Leben.

buch

Abyssos

Jan Aalbach

EUR 12,99 *
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40

27.02.2015

„Fantasy in bekanntem Ablauf”


In sehr klarer, eher einfacher Sprache, die Teils ihre Protagonisten etwas naiv wirken lässt (vor allem Pit Zuckmayer scheint den „Verlockungen des Weibes“ keinen rechten Umgang zu finden), dafür aber durchaus mit Tempo erzählt Aalbach seine neue Geschichte über das „verborgene Volk unter den Menschen“, den Domen.

In der Bibel als „Riesen“ erwähnt stechen sie auch im Berliner Alltag durch ihre schiere Körpergröße hervor. Sind aber in Gefahr, als Volk zu erlöschen.

Sobald sie keinen „Trunk“ mehr zu sich nehmen, würden sie rapide und umgehend Altern, zu Staub und Asche verfallen.

Der Notarzt Pit kann sich da zu Beginn der Geschichte umgehend selbst ein Bild von machen. Notfall in der U-Bahn. Beide Beine eines schwarzen, riesigen Mannes abgetrennt. Wobei dieser ihm dann unter den Händen wegstirbt, nicht ohne ihn mit seinem Fingernagel im Gesicht zu verletzen.

Wo aber sind die abgetrennten Beine? Außer einem Haufen Sand findet sich nichts auf den Gleisen. Warum ist da so wenig Blut? Und wer ist diese schwarze Polizistin, hinter der Naomi Campbells Schönheit schier verblasst?

Fragen über Fragen, die Pit (der sich vor Kurzem noch aus Trauer um den Tod von Frau und Kind das Leben nehmen wollte) keine Ruhe lassen, die ihn vor allem aber umgehend in Gefahr bringen. Denn der „Ahiman“ (geistlicher und weltlicher Führer) der Domen ist auf der Suche nach einer bestimmten „Kraft des Blutes“, dem „Prometheus“ und will sich auf dieser Suche nach der Rettung seines Volkes vor dem Aussterben nicht hindern lassen.

Alle, die auch nur am Rande mit diesen Merkwürdigkeiten des „Geheimen Volkes“ in Kontakt geraten, sollen sterben. Und so wird auch Pit erschossen. Was aber noch lange nicht das Ende seiner Geschichte ist. Wenn man weiß, dass es für Wesen mit „Domenblut“ den „kleinen Tod“ neben dem „großen Tod“ gibt.

Eine Jagd entsteht, in der Freund und Feind nicht immer klar zu unterschieden sein werden, ind er altbekannte Freunde Pits sich als etwas ganz anderes herausstellen werden, als er bisher dachte und in der er selbst seine eigenen Kräfte und seine Rolle in all dem noch entdecken werden muss.

Durchaus mit Tempo, aber auch mit einigen Stereotypen angereichert (die Beschreibung seiner Protagonisten durch Vergleiche mit öffentlich bekannten Personen wie Omar Sharif und Naomi Campbell u.a., die etwas zu undifferenziert geratene Liebesgeschichte, die Vorhersehbarkeit des „roten Spannungsfadens“) erzählt Aalbach mit frischen und lockerem Ton eine nicht unbedingt neue „Konstellation“ zwischen Gut, Böse und der (Teil-) Rettung der Welt mitsamt der Entpuppung eines eher unfertigen, trunksüchtigen und unglücklichen Mannes, der sich rasch zur „Hoffnung“ eines magischen geheimen Volkes entfalten wird.

Ein durchaus unterhaltsamer, flüssig zu lesender Berliner-Fantasy-Thriller (mit einigem an „Mundart“), dem es ein wenig an Komplexität in den Personen und den Ereignissen mangelt.

buch

Wolf

Mo Hayder

EUR 14,99 *
auf Merkliste

50

27.02.2015

„Abwechslungsreich, spannend und intelligent”


Fast, aber auch nur für einen Augenblick, scheint es, als würde Mo Hayder in ihrem bis dahin spannenden und atmosphärisch dichten Thriller kurz nach der Mitte ein wenig die Luft ausgehen.

Plötzlich gibt es augenscheinlich Tipps für den Leser, Klärungen, Blicke hinter die Kulissen zumindest der beiden harten Männer, welche diese kleine Familie in der Hand haben und hinter ihre wirklichen Motive.

Das aber, wie erwähnt, nur fast, denn auch wenn dieser Teil des Erzählfadens plötzlich klarer wird, schwenkt Hayder im Buch auf einen anderen Pfad ein, bietet danach faustdicke Überraschungen in den Variationen ihrer Protagonisten und in den Blicken auf den alten Doppelmord, der ständig im Hintergrund der Ereignisse mitschwingt.

Und auch Jack Caffery ist, wieder einmal, als intuitiver Ermittler unterwegs, der weiterhin seine eigene Vergangenheit und den Tod seines Bruders vor langer Zeit fest im Blick hat. Da halten ihn weder Vorschriften noch Kollegen, weder die vergangene Zeit noch die vielen Unklarheiten im Blick auf diesen Tod auf. Alles in ihm drängt nach Klarheit.

Und eher gezwungen, eher nebenbei, eher als „Geschäft“ gegen handfeste Informationen über sein Familiendrama nimmt er die Fährte dieses verlassenen kleinen Hundes mit der merkwürdigen Botschaft am Halsband auf.

Wenn aber Caffery eine Fährte aufgenommen hat, dann hält ihn auch nicht mehr ab, diese hartnäckig und gegen alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten zu verfolgen.
Auch wenn die einzige Spur ein alter Ehering ist, der nur vage Hinweise als Nadel in mehr als einem Heuhaufen geben könnte, wem der Hund gehört und was geschehen sein mag.

Harr geht es zu Sache in Teilen dieses Thrillers, auch das ist wahr. Blut wird fließen, Tote am Wegesrand verbleiben, Gefahren und Täuschungen ein um das andere Mal auch Caffery selbst zu intensiver Konzentration anhalten.

So trifft der Titel „Wolf“ auf nicht nur ein Ereignis im Roman zu. Caffery selbst ist eine „einsamer Wolf“, keine Frage. Das Verbrechen damals, als zwei Teenager wie von einem Raubtier „gerissen“ aufgefunden werden wird seine Spuren in die Gegenwart ziehen und auch der „Wolf im Schafspelz“ wird eine tragende Rolle im Buch einnehmen.

Alles in allem ein hervorragender, spannungsgeladener Thriller, die einiges an überraschenden Wendungen und Härte aufzuweisen hat und eine sehr empfehlenswerte Lektüre darstellt.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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