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Was sich so beste Freundin nennt….

Michael Lehmann-Pape , am 22.04.2016


Wenn der Klappentext schwärmt, Paula Daly besagt die Gabe, „feinste psychologische Nuancen“ einzufangen, dann ist dies zumindest im Thriller selbst in dieser hohen Form wiederzufinden.

Eher generalisierend und nur an wenigen Stellen bietet Daly dem Leser Erklärungsmuster und spinnt feinste, psychologische Fäden (in der ein oder anderen Verführungsszene oder wenn sich eine Mutter im Buch Gedanken über Narzissmus macht).

Ansonsten verbleibt Daly in der Motivation des Handelns ihrer Personen eher ein Stück an der Oberfläche, bietet aber nichtsdestotrotz eine sehr geschickt und strategisch auf den punkt auftretende Frau, die nicht zeigt, was sie will, dies aber sehr genau weiß. Wie sie auch weiß, wie sie bekommt, was sie will.

Wobei im Lauf der Ereignisse aus dieser einen trickreichen Frau durchaus zwei Frauen werden, denn Natty wird, nachdem sie erst einmal gründlich schockiert ist, danach gründlich in die Ecke getrieben sich wiederfindet und zudem alles beginnt, gegen sie zu sprechen, das Feld nicht kampflos räumen.

Im Gegenteil, was das Ende des Thrillers angeht, erschauert der Leser fast vor dem, was an Härte auch in Natty liegt. Das hätte man von dieser hart arbeitenden, sich als Mutter aufopfernden Frau kaum gedacht.

Zudem bietet der Verzicht auf seitenweise tiefe und psychologische Erläuterungen über mögliche „Krankheitsbilder“ einen zweiten Vorteil. Das Tempo im Buch wird durchgehend hochgehalten, die emotionale Nähe des Lesers bei den Beteiligten, vor allem für die beiden beteiligten Kinder wird immer wieder neu unterfüttert, so dass durchaus eine spannungsreiche Unterhaltung entsteht.

Wer gewinnt, wer verliert, warum tun die, was sie tun und wer wird alles am Ende als Opfer im Raum stehen, das sind die Fragen, die Paula Daly von Beginn an mitschwingen lässt, die sie an den entsprechenden Stellen auch mit nachdrücklicher Härte umsetzt und den Leser darin immer wieder neu „aufschreckt“.

In eher einfacher, schlichter Sprache und mit einigen doch eher unglaubwürdigen Verkettungen (wie schnell da der ein oder andere Mann mit glasigen Augen fast sabbert, wie wenig so manches an der Geschichte von Eve anfangs hinterfragt wird, wie schnell man scheinbar „aus dem Verkehr“ gezogen werden kann) entfaltet Daly so zwar nicht unbedingt hoch realistisch, aber dennoch hoch-spannend das Wirken einer „Femme Fatal“ und das Werden zu einer, zumindest in Teilen, einer eher burschikosen Frau zu einer ebensolchen „Femme Fatal“, wenn es um Schutz und Rettung ihres Lebensgebäudes geht.

Auch wenn das ein oder andere nicht ganz auserzählt wirkt und manche Hintergründe ein Mehr an Erläuterungen verdient gehabt hätten, unterhaltsam und spannend ist das Buch allemal und auch in Kleinigkeiten (was die Schwiegermutter und deren Haltung zu Natty angeht) lassen Boshaftigkeiten hier nicht lange auf sich warten.

Herzgift
von Paula Daly
2
Buch 14,99

Poetische Fantasy

Michael Lehmann-Pape , am 11.04.2016


„Vom Hof des Bauernhauses betrachtete Jeannot den Kriegsschauplatz, und zum ersten Mal sah er seinen Bruder wieder mit dem Gesicht der Kindheit…….und dass Jeannot nicht mehr den Geschmack des Glücks gekostet hatte, das an diesem Tag die Gestalt eines Frauenkörpers und einer weißen Schulter annahm, an der man sich ausweinen konnte“.

Eine Weichheit, ein „in Fluss kommen“ des inneren Gefühlshaushaltes, die nicht nur Jeannot in diesem Roman erleben wird, sondern die, auf die ein oder andere Weise, so ziemlich alle beteiligten (bis auf die „dunkle Macht“) Personen anfassen, angehen wird.

Die einen samt aller anderen Dörfler weil jahrelang das Leben so richtig sich anfühlt., Winter Winter sind, Sommer, Sommer, Missernten nicht mehr vorkommen, das Leben lau und leicht, harmonisch und passend erscheint. Seitdem dieses Waisenkind, dieses Findelkind im Dorf lebt. Maria. Einfach so gefunden. Eine, die ihren Jahren weit voraus zu sein scheint, auch wenn sie nicht viel redet. Aber das braucht sie vielleicht auch nicht, wenn sie die „Gabe des Blickes“ trägt, auf einer Lichtung im Wald mit Nebelschwaden kämpft, welche die Form schwarzer Pfeile annehmen oder sich mit einem grauen Pferd zu unterhalten scheint.

Die anderen samt des Pfarrers und dessen Bruder Allessandro Centi. Ein „verlebter“ Bruder, ein gescheiterter, eigentlich. Der die Liebe verloren hat. Der mit dafür sorgt, dass in der kleinen Dorfkirche ein Klavier aufgestellt wird, das er selbst ein wenig schon zu bedienen vermag. Nichts aber ist seine handwerkliche Musik dagegen, wenn dieses andere Waisenkind, Claire sich an die Tasten setzt. Den Blick nach irgendwo gerichtet, wohin die Zuhörer kaum zu folgen vermögen. Die Partituren liest, nur um sich ein Bild zu machen und dann in einer Weise das Klavier spielt, dass Tränen laufen, Herzen weit werden, Klänge wie aus einer anderen, inneren Welt den Raum füllen.

„Man hätte meinen können, die Tiere hätten ihren eigenen Überfluss demonstriert, bevor die Dinge wieder ihren gewohnten Lauf nahmen“. So geht es im Dorf von Maria mit vielerlei anderen, Herz-Öffnenden Ereignissen zu.

„In diesem Moment erhellte das warme Mondlicht einen Teil….im Pfarrgarten und Allessandro wurde für Sekunden wieder zu dem feurigen, jungen Mann, der er einmal gewesen war“.

Wunder also geschehen, unterschwellig, seelenberührend. Und doch, die beiden Mädchen an den verschiedenen Orten und in den verschiedenen Dörfern, die sich zu Beginn nicht kennen, tragen auch eine andere Seite in sich. Kontakte zur „hellen Welt“ der Elfen und ebenso, wie sollte es auch anders sein, steht das „Dunkle“ im Raum.

In sehr bildkräftiger, wunderschöner, überaus poetischer Sprache, durchgehend sanft wie das Sommerlicht oder der leichte Herbstwind erzählt Marbery diese fantastische Geschichte von Waisen, die einander begegnen werden, von der Welt der Elfen und der Welt der Menschen, die zunächst nur auf einer einzigen Waldlichtung einander begegnen können (und das auch nicht jedem). Vom Kampf gegen das Böse, das sich regen wird und von der Harmonie des Lebens, die möglich ist. Aber erst, wenn all die verhärteten Mauern und das dichte Gestrüpp, dass sich im Lauf des Lebens um die Seele des Menschen gelegt hat, weichen werden.

Sicher, man muss diese Form der poetischen Fantasy mögen, aber in diesem Bereich rundherum gelungen und sprachlich hervorragend ist, was Muriel Barbery erzählt.

Das Leben der Elfen
von Muriel Barbery
3
Buch 22,90

Analog statt Digital und das mit Recht

Michael Lehmann-Pape , am 11.04.2016


Haben in der Gegenwart, jener Zeit der Millionen Bilder auf digitalen Kameras und, noch mehr und zunehmend auf den Handys der Menschen und in den Clouds der Sicherungsspeicher, analoge Bilder, Polaroids, Fotos von „Sofortbildkameras“ irgendeinen Nutzen? Braucht das jemand noch?

Ja, auf jeden Fall. Sagt Stephen Herchen nicht nur im Vorwort dieses Bildbandes, sondern zeigt dieser Bildband von der ersten Fotografie her auf.

Dies, zumindest Menschen über 45 vertraute Bildatmosphäre, dieser besondere Reiz der analogen Farben, des leichten Bildrauschens, gebannt in Momentaufnahmen, die sofort Gedanken, Assoziationen wachrufen und den Leser auf die Spur einer Geschichte bringen. Die gar nicht tatsächlich faktisch geschehen sein muss, die Fantasiereise ans ich ist schon die ruhige Betrachtung der vielen Momentaufnahmen im Buch wert.

„Das ist etwas Magisches, ein „instant analog Foto“ in der Hand zu halten“.

Ein besonderer, dynamischer Charakter wohnt den Fotografien inne. Allein schon durch die Klarheit, dass es diese Aufnahme genau nur einmal gibt, sie nicht beliebig digital reproduzierbar ist, nicht von tausenden von Menschen zur gleichen Zeit (im Original wohlgemerkt) betrachtet werden kann.

Herchens Vergleich zwischen dem Erhalt einer Email und dem Erhalt eines handgeschriebenen Briefes trifft dabei den Unterschied bildhaft wunderbar.

Dieses verwachsene Foto von Günter Grass, das Gesicht kaum zu erkennen, ist ein Paradebeispiel für diese Dynamik des Fotos selbst im Buch und der Dynamik in der Vorstellungskraft des Betrachters. Dass da einer „in Bewegung“ ist, dennoch aber klar als Person erkennbar, trotz verwaschener Unschärfe des Bildes.

Oder die demgegenüber glasklar ausgelichtete und getroffene Person dieses älteren, amerikanischen Mannes vor der verfallenden Mauer. Wobei „glasklar“ eben Klarheit und Schärfe nach den Möglichkeiten eines Polaroid bedeutet, Farbe leicht verwaschen wirkt, die Konturen des Gesichtes durch die niedere Auflösung der Bilddichte schattig noch klarer hervortreten.

Portrait über Portrait legt sich so vor die Augen des Betrachters, teils auch in schwarz-weiß, wie jenes von Bryan Adams.

Und immer wieder ist es erstaunlich, am eigenen Betrachten zu erkennen, wie sich die Sehgewohnheiten verändert haben, wie unscharf selbst ausgelichtete Polaroids des Weges daherkommen und wie verbunden man sich umgehend damit fühlt. Wie genau der Blick wird, um Details zu erkennen, die bei der digitalen Fotografie ohne Mühe ins Auge springen und hier die ein oder andere Entdeckungsreise ins Foto hinein notwendig machen.

Und, auch das besonders an diesem Bildband, das Weglassen zeigt Wirkung. Weiße Seiten, die gar nicht so selten (aber nicht durchgehend) den Blick konzentriert auf das dann „einzige“ Bild der jeweiligen Doppelseite wirft.

Ein gelungenes, intensives Erlebnis bietet diese Zeitreise, die Wehmut aufkommen lässt, aber auch das Besondere der analogen Polaroids unmittelbar erfahrbar gestaltet.

Once There Were Polaroids
von Jonas Wettre
1
Buch 27,00 bisher 30,00

Die drohende Vernichtung

Michael Lehmann-Pape , am 04.04.2016


Hat schon im ersten Thriller Sehlbergs der Computervirus „MONA“ sich weltweit verbreitet (und wartet in der Gegenwart dieses zweiten Thrillers immer noch in den Weiten des Internet), hat schon jener „Mona-Virus“ den Sprung aus der Maschine hinaus ín den Menschen hineingeschafft, für tödliche Infektionen gesorgt, bekommen es nun die aus dem ersten Thriller weitgehend bekannten Protagonisten mit einer noch größeren Bedrohung zu tun.

Was geschieht, wenn ein Pharmakonzern skrupellos auf mögliche kommende „Blockbuster“ an Medikamenten schaut und was geschieht, wenn sich mit diesem Motiv noch ein radikaler, fanatischer Islamismus verbindet und dies zudem hinter allen Kulissen und für keinen der Beteiligten ersichtlich, das legt Sehlberg in kurzen, knackigen Kapiteln und hohem Tempo jetzt vor.

Und wiederum sind es vor allem der IT Professor Eric Söderqvist mit seiner Frau Hanna (die MOAN überlebt hat und deren Blut die Grundalge für das einzige Gegenmittel gegen diese Virus-Bauweise ist) zusammen (aber in eigenen Handlungssträngen im Buch) mit der knallharten Mossad Agentin Rachel Papo im Mittelpunkt der sich zuspitzenden Ereignisse.

Immer neue Infektionen mit dem neuartigen, von MONA stammenden Virus NCoLV tauchen auf, Epidemien könnten drohen, eine rasche Verbreitung des Virus muss gestoppt werden, den ein Gegenmittel will einfach nicht in Sicht kommen.

Und genau in diesem Moment soll der fanatische Islamist und Spion Akim Katz in einem Geiselaustausch freigelassen werden. Ein Ansinnen, welches der israelische Ministerpräsident nie und nimmer zulassen kann. Wobei dieser vielleicht zu leichtfertig übersieht, dass Rachel Papo in dieses „Geschäft“ mehr als nur am Rande verwickelt ist.

Dass Selhberg durchaus in der Virologie kundig ist, zeigt er auch in diesem Thriller, wie schon in MONA. Dass er in der Lage ist, sprachlich auch Härte zu zeigen, Blut fließen zu lassen und bei so manchen Folterszenen den Kopf nicht wegdreht, gibt auch diesem Thriller eine gewisse Härte, die dem Buch gut zu Gesicht steht.

Dass an der ein oder anderen Stelle dennoch sich die Ereignisse doch etwas zu betont heimlich, zu ausfasernd in die Länge ziehen, ist allerdings im Mittelteil des Thrillers ebenso zu konstatieren. Gerade durch die Kürze der Kapitel, der raschen Perspektivwechsel, die am Anfang für anregendes Tempo sorgen, geht im mittleren Teil doch der ein oder andere Faden zunächst verloren, den der Leser an diesen Stellen dann vielleicht gerne länger verfolgt hätte.

Das Ende wiederum ist durchaus gelungen, zieht Spannung, Härte und Tempo noch einmal an, wenn auch in durchaus eher vorhersehbarer Weise.

Alles in allem ein sehr guter Nachfolger von „MONA“, der mit ähnlichen Mitteln, fast gleichem „Personal“ und ähnlicher Handlung durchaus gut zu unterhalten versteht.

Sinon
von Dan T. Sehlberg
2
Buch 14,99

Sehr unterhaltsam

Michael Lehmann-Pape , am 30.03.2016


Das die Geschichte zumeist immer auch die „Geschichte der Sieger“ ist, ist eine Binsenweisheit, die vielfach zutrifft. Dass Menschen durch die Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder intrensisch motiviert das „Besondere“ leisten wollen, bei so manchem Staatsmann, Feldherren, Politiker, Wirtschaftsführer zumindest der heimliche Blick auf den Nachruhm schon zu Lebzeiten antreibt, das sind keine Geheimnisse.

Wie es aber ist, wenn sich solche Menschen auf den Weg machen und brachial scheitern, das ist oft keine Erwähnung für die Nachwelt mehr wert. Die Glorie gebührt Alexander, nicht Dareius!

Die Autoren nun nehmen in diesem sehr flüssig zu lesenden, sehr unterhaltsamen Band den Leser it auf die „Reise zu den Nullen“.

„Wir müssen sie feiern, wie sie fallen. Das sind wir unserer Geschichte schuldig“. Oder, wie es der Untertitel des Buches ausdrückt: „Sie kamen, sahen und versagten“.

Manchmal durch Pech, das mag sein, wie manche „großen Gestalten“ auch durch Glück und nicht nur durch Können (siehe Friedrich den Großen) am Ende ein gut ausgehendes Schicksal erlebt haben.

Aber vielfach sind es doch die Zutaten von Hybris, Selbstüberschätzung, Abgehoben sein (siehe im Buch Thomas Middelhoff), vielleicht ein einfaches „nicht ausreichen“ für die hart erkämpfte Position (siehe Rudolf Scharping im Buch) oder andere, persönliche Deformationen wie Minderwertigkeitsgefühle (siehe Wilhelm II im Buch), die für ein teils grandioses, fassungslos machendes Abstürzen und vorheriges Versagen sorgen.

Pointiert verweisen dabei die Autoren schonungslos auf die persönlichen Fehlleistungen, auf ein Verhalten bei manchen der vorgestellten Personen, welches schon im „normalen Leben“ grenzwertig zu betrachten wäre, in herausragender Position allerdings zwangsläufig zum Sturz, zum Versagen, zu heftigen Gegenreaktionen führen muss.

Sei es aus Ignoranz, sei es aus Dummheit, fehlender Bildung, mangelndem Gespür für Formen oder auch aus der Lust am Untergang heraus oder gar aufgrund aller möglichen Motive gemeinsam, mitsamt der „frechen Gier des Unternehmer-Universums“.

Dabei wird keine Häme Laut, sondern durchaus sachlich im Einzelnen auf das „Fallen“ der (oft selbsternannten) großen Namen verwiesen.

Von Ribbentrop (Schaumweinschläger) zu von Schlieffen (der Einäugige) über Ludwig II (Wolkenkuckuck) und Egon Krentz (Dampfspritze) hin zu Matthias Rust (König der Möwen) und vielen anderen reicht dabei die Palette aus gescheiterten Staatsmännern, Wirtschaftsführern, Politikern und selbsternannten VIP´s, denen eines allen gemeinsam ist: Der Verlust jeglicher Bodenhaftung, das Abgleiten in ein ganz eigenes, inneres Universum, welches die Autoren gekonnt und unterhaltsam offenlegen.

Informativ und unterhaltsam zu lesen.

Deutsche Nullen
von Oliver Jungen
1
Buch 9,95

Angebote in und für „Randorte der Gesellschaft“

Michael Lehmann-Pape , am 17.03.2016


Bei Weitem geht es im Blick auf die „Randbezirke der Gesellschaft“ nicht um eine rein geographische Zuordnung und ebenfalls wird im Blick auf suchterkrankte Menschen, Obdachlose, Behinderte, Gefängnisinsassen im Buch nicht über weit verbreitete Erwachsenenbildungsangebote im Sinne von Hobby, Auffrischung von Fremdsprachkenntnissen oder ähnlichem referiert.

„Grundbildung“, und das zu einem gewichtigen Teil im Blick auf Angebote zur Alphabetisierung, ist das eine Stichwort, das den roten Faden des Buches mitgestaltet, ergänzt durch die Frage, wieweit solche vielfach vorhandenen Randgruppen der Gesellschaft überhaupt als Adressaten für eine (Grund-) Bildungsarbeit wahrgenommen werden.

Im Verlauf der intensiven Beschäftigung im Buch mit diesen Leitfragen stellen die Autoren zudem (und nutzen diese) Methoden vor, mit denen das Ungleichgewicht der Bildungsangebote empirisch gefasst werden kann.

Aus all dem heraus ergibt sich so durch und nach der Lektüre des Werkes ein geschärfter Blick für zunächst eine erschreckend hohe Zahl an Menschen, die aus den verschiedensten Gründen heraus Schwierigkeiten im Sinne einer Grundbildung und Alphabetisierung in sich tragen (allein 15 % eines jeden Schülerjahrgangs verlassen die Sekundarstufe I des Bildungssystems ohne als „sicher“ zu bezeichnenden Schriftsprachenerwerb). Ebenso werden prägnant „Lücken im System“ deutlich, beginnend schon mit einer bis zum aktuellen Zeitpunkt eher mangelhaften Erfassung dieser „Randbezirke“ von Alphabetisierung und Grundbildung.

Auf der einen Seite arbeiten die Autoren somit stringent heraus (im Buch am Beispiel Hamburgs), dass große Bildungslücken, was die Grundbildung angeht, im Land noch zu finden sind und zum anderen legen sie fundiert und überzeugend durch empirisches Material dargelegt heraus, dass dieser Missstand noch nicht einmal erfasst, nur am Rande beachtet bis dato in keiner Form systematisch angegangen wird.

Das es notwendig ist, den „Bildungsbrachen eine Chance“ zu geben, und zwar umgehend. Wie das gehen könnte (anhand so mancher, leider nicht verbreiteter und noch nicht strukturell ausgereifter Angebote) und wo dies stattzufinden hätte, all dies legen die Autoren empirisch belegt und Schritt für Schritt auf die verschiedenen Bereiche der „Randbezirke“ bezogen im Buch vor.

Somit bietet dieses Werk ein praktikables, umgehend nutzbares Instrumentarium, durchdekliniert am Stadtstaat Hamburg, das zunächst zu einer differenzierten kommunalen Berichterstattung zu führen hätte (und kann), wie die Autoren abschließend formulieren und zum anderen werden jene Voraussetzungen benannt, die geschaffen werden müssten, um der „Bildungsbrache“ Herr zu werden.

Berichte aus den Randbezirken der Erwachsenenbildung
von Joachim Schroeder
1
Buch 34,90

Faszinierend und hochwertig in der Darstellung

Michael Lehmann-Pape , am 16.03.2016


Gerade wenn man in Deutschland lebt, muss man eigentlich nicht unbedingt in die Ferne Reisen, umfasst ein oder andere Stück Eisenbahnromantik zu erleben. Vielfache Naturerlebnisse und besondere Eisenbahnmomente sind inzwischen an vielen Orten in Deutschland möglich. Von denen der Harz und Thüringen auch wunderbar bebildert Erwähnung im Buch finden.

Für den wahren Eisenbahnromantiker aber taucht der Bildband natürlich tief ein in auch exotisch, ferne Welten.

Liegt die Zahnradbahn am Jungfrauenjoch (durch die Eiger-Nordwand hindurch) noch nahe (ebenso wie die Aluba-Bahn, beide in der Schweiz), finden sich bereits in Europa schon so manch entlegen Orte in Norwegen oder auf Korsika.

Aber auf allen Kontinenten lassen sich intensive Eisenbahnerlebnisse finden, werden Routen im Buch vorgestellt, die zwar einiges an Anreise mit sich bringen, dafür aber reich entschädigen. Wie die durchweg hochwertigen Fotografien mit den entsprechenden Landkarten und dem ebenso reichhaltigen, erläuternden Textteil wunderbar vor Augen führen.

Beeindruckend, wie sich die brachial wirkende Lokomotive im Sudan durch fast orangefarbene Wüste vorarbeite und interessant zu lesen über den allmählichen Niedergang der ehemals wichtigsten Verkehrsverbindung im Sudan seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Oder die faszinierenden, fast altertümlich wirkenden Bilder der chinesischen Dampfeisenbahnen, die dort nicht aus romantischen Erinnerungszwecken wie hierzulande noch in Betrieb gehalten werden, sondern als ganz normale Arbeitsmaschinen vielfach benutzt und benötigt werden. Eindrücke wie aus der Frühzeit der Industrialisierung Europas.

Und als Kontrast dazu der Nilgrini-Mountain-Railway, mitten durch paradiesisch wirkende, üppige Landschaft in Südindien.

Ob Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika und Australien, vielfach sind die Eindrücke, die Holland bildlich beeindruckend und textlich informativ in diesem hochwertigen Bildband vereint, und durchaus gelingt Holland ein um das andere mal auch der verblüffende Blick auf ansonsten kaum bekannte und außerhalb von „Kennerkreisen“ wenig erwähnten Strecken, Landschaften und Eisenbahntechnik.

Eine rundum gelungene, sehr zu empfehlende Lektüre.

Die spektakulärsten Eisenbahnreisen der Welt
von Julian Holland
1
Buch 39,99

„Faire Meetings“, auch in „groß“

Michael Lehmann-Pape , am 16.03.2016


Statt am Ende einer Veranstaltung, einer Tagung, einer Messe Müll ohne Ende zu hinterlassen (was sowohl wörtlich zu verstehen ist, wie auch im übertragenen Sinne, schaut man sich alleine die Transportkosten der Menschen hin zum Veranstaltungsort hin an), werden langsam und eher noch selten, aber doch deutlich vernehmbar, auch andere, nachhaltige Ansätze für die Vorbereitung, den Ablauf und die Nachbereitung einer Veranstaltung sichtbar.

Viele dieser Ideen und Ansätze, manches bereits durchaus Erprobte, nimmt Ophoff in diesem Sammelband auf und stellt dem Leser Alternativen im Sinne eines auf Nachhaltigkeit bedachtes Veranstaltungsmanagement vor.

Hierbei unterteilt er seine Darlegungen gut nachvollziehbar in zwei Hauptteile. Zum einen stellt er zunächst Konzepte und Instrumente vor, um in einem zweiten Teil teils sehr kleinteilig und differenziert aus der Praxis zu berichten. Beide Teile bedingen einander. Praxis ohne Konzepte könnten leicht um Widerspruch führen in der Art: „Ja, bei denen ging das, aber hier…“. Da die im ersten Teil vorgestellten Konzepte und Ideen sich nun in den Praxisbeispielen wiederfinden lassen, erhöht sich umgehend die Erkenntnis und Motivation, bestimmte Instrumente auch bei der eigenen Arbeit zu erproben.

Und da sich Ophoff eben auch sehr vielfältig der Praxis zuweist, nimmt er sogleich möglichen Widerreden im Sinne eines „alle zu theoretisch“ den Wind aus den Segeln.

Es gibt bereits eine Vielzahl an Möglichkeiten, die durchdacht und bereits umgesetzt zu betracvhten sind.

Sei es der Blick auf nachhaltige Bauten für Versammlungen (ein wunderbares Gegenbeispiel für viele ehemalige Olympiastätten), sei es eine klare Reflexion der evangelischen Kirchentage der letzten Jahre und deren „Konzept der Nachhaltigkeit“, sei es eine Prüfung der Messewirtschaft oder nur die Idee eines nachhaltigen Caterings, die vorgestellten Konzepte überzeugen durch die Bank weg.

Das solche Ideen dann auch umgesetzt wurden und werden, dass die OsnabrückHalle energetisch fast perfekt saniert werden konnte, das auch die „harten Jungs“ in Wacken ein überzeugendes Beispiel für ein nachhaltiges Management und eine auf Nachhaltigkeit ausgelegte Durchführung vorzuweisen haben macht auch einfach Spaß, zu lesen.

Und welcher Leser wusste vor der Lektüre wirklich, dass die Verleihung des deutschen Umweltpreises (logischerweise) bei dieser Zentrierung auf ein nachhaltiges Veranstaltungsmanagement vorweg geht?

Die sicher mit wichtigste, für manche entscheidende Frage nach den Kosten wird ohne Ideologisierung im Buch immer wieder vor Augen geführt. Als Gesamtpreis dann gesehen (unter Einbeziehung wegfallender Vorweg- und Folgekosten) ist eine solche Ausrichtung auf Nachhaltigkeit durchaus leistbar.

Es bleibt zu hoffen, dass die vielfältigen und praktisch anregenden Ideen, Konzepte und Beispiele aus diesem Buch weite Verbreitung finden.

Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement
1
Buch 39,95

Sinnvolle unternehmerische Strategien zur Gelassenheit und Resilienz

Michael Lehmann-Pape , am 16.03.2016


„Stress ist laut der WHO Volkskrankheit Nummer 1 unserer Zeit“

Jennifer Leonhardt macht sich nun mit diesem sehr strukturierten und sehr flüssig lesbaren Werk auf, mittels der „SOS-Techniken“ aus vielfachen Richtungen herkommend, dem Leser Möglichkeiten an die Hand zu geben, innerem und äußerem Stress konstruktiv zu begegnen.

„in mir einen unbesiegbaren Sommer zu finden, mitten im Winter“, dieser Gedanke nach Albert Camus setzt zu Beginn des Buches bereits Ziel, aber auch Wegpunkte.

Aus Krisen gestärkt hervorgehen, den kleinen und großen Herausforderungen es Alltags gelassener entgegentreten, an solchen Krisen und Herausforderungen am Ende gewachsen zu sein (und nicht daran zu Grunde zu gehen), das sind die Wegpunkte, die Leonhardt für sich setzt und denen sie Schritt für Schritt nachgeht.

Dabei sind die einzelnen Begriffe und Hinweise, die im Buch vorgelegt werden, durchaus nicht unvertraut, im Einzelnen immer wieder hier und da gehört und auch sicher bereits versucht.

In der Zusammenschau aber ergibt sich erst ein komplettes Programm und eine fundierte Lektüre, in der immer wieder je konkret nachgelesen und für den Alltag angeeignet werden kann, was „ansteht“.

Dabei setzt Leonhardt als zentrale Elemente für die Praxis die Schaffung von Ausgleich und die Stärkung der Resistenz (in anderen Werken anderer Autoren „Resilienz“ genannt, sachlich aber in gleiche Richtung weisend).

Entspannungstechniken für den Körper, Entschleunigung einüben und umsetzen, die inneren „Antreiber“ entdecken, ebenso wie die „Erlauber“, und jene „Erlauber“ gegen die „Antreiber“ stärken, neue Gewohnheiten einüben und meditative Techniken bewusst und sinnvoll nutzen.

Wie erwähnt sind dies alles keine in sich genuin neuen Gedanken, im Zusammenklang und durch die vielfachen Praxisbezüge des Buches ergibt sich aber eine ausreichende, flexibel zu handhabende Wahl an Möglichkeiten, den eigenen Stress zu verorten (hierzu bietet Leonhardt in den ersten Hauptteilen des Buches Hinweise zur Diagnostik und den Ursachen des Stresses) und diesem dann mit zunehmender Gelassenheit zu begegnen.

Immer wieder sorgen auch grafisch herausgestellte Zusammenfassungen dafür, dass der Leser den Überblick bewahrt, ebenso, wie ganz praktische Übungen dem Leser vorgestellt werden, die gelesenen Inhalte dann auch in das eigene Leben umzusetzen und zu übersetzen,

Den „Elefanten in sich“ langfristig zu motivieren. Nicht neu im Inhalt, aber gut und verständlich zum Leser transportiert.

Stressmanagement - Mit weniger Druck mehr erreichen
von Jennifer Leonhardt
1
Buch 24,95

Empathischer Ratgeber

Michael Lehmann-Pape , am 07.03.2016


Ein „wohlwollender, fürsorglicher Umgang mit sich selbst“, das ist es, was Christian Firn in diesem schmalen, sehr auf das ganz praktische Leben und Erleben ausgerichtete Buch dem Leser ans Herz legen möchte.

Wenn die Fluten über einem zusammenschlagen, wenn Depression im Raum steht, wenn alles mehr und mehr im dunkelgrau bis schwarz versinkt.

Ein Zustand, ein Erleben, das mit Recht als eine Art „Volkskrankheit“ benannt werden kann und dessen Spitze sich in der hohen Zahl der Suizide in Deutschland ebenso ausdrückt, wie im um sich greifenden „Burn Out“ (nichts Anderes als eine tiefe Depression) oder allein bereits in der sich potentiell steigernden Verschreibung von Anti-Depressiva.

Wie wichtig diese Fähigkeit (und das Instrumentarium) eines „für sich selbst Sorgens“ ist, wird nicht nur im Lauf der Lektüre überaus deutlich, sondern erschließt sich ohne weiteres bereits dem einfachen Nachdenken. Denn wem es gelingt, über gute, stabilisierende Schritte für sich selbst überhaupt in einer depressiven Phase nachzudenken, der ist fürwahr, wie Firus formuliert, beim „ersten Schritt heraus aus der Depression“, der kann sogar durch und in einer Depression genau jenen „Türöffner“ für sich entdecken, sich um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu kümmern.

Zunächst nun wendet sich Firus kompakt, praxisnah und verständlich der (Selbst-) Diagnostik und näheren Beschreibung der Depression zu, mitsamt einer Erklärung der Herkunft dieses Erlebens im Rahmen des „Vulnerabilis-Stress-Modells“.

Bevor er dann, und das ist der gut zu lesende und schon bei der Lektüre wohltuend wirkende Kern des Buches, einzelne Schritte der Selbsthilfe sorgsam und, vor allem, motivierend und für den Lebensalltag passend erläutert.

Beginnend damit, Essen, Trinken, Schlafen, eine allgemeine „Lebenshygiene“ unbedingt als Rahmung sich selbst zu verordnen, so schwer es auch fällt. Ebenso, wie es zwar nur mit viel Mühe gelingen kann, dennoch aber unverzichtbar ist, „mit beiden Augen“ zu sehen und nicht dem Strudel des „Schwarz in Schwarz“ mit seinen vielfachen, sich selbst steigernden Fehlinterpretationen zu verfallen.

Dass Gefühle beeinflussbar sind, auch durch sich selbst, dass Selbstabwertung eine „natürliche“ Folge der Depression ist, aber eben auch ein Trug, dass Beziehungen immens bedeutsam sind und Bewegung einer der wesentlichen Schlüssel zum „in den Griff nehmen“, all das sind keine unbedingt neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse, dennoch aber wichtige Momente, in dieser Form zusammengefasst wie eine „Programm“ nun vorzuliegen.

Bis hin zu jener Fähigkeit, die es benötigt, aus dem ständigen „Ja, aber“ der „dunklen Phase“ ein „Ja, und“ eines konstruktiven Umganges mit sich und seinem Leben zu finden.

Dass das alles nicht einfach ist und nicht so einfach gelingt, dass es Situationen gibt, bei der es professioneller Hilfe umgehend bedarf, auch das leugnet Firus nicht und bietet auch in dieser Hinsicht Instrumente der Selbsteinschätzung und der weiteren Möglichkeiten.

Wieder Land sehen
von Christian Firus
2
Buch 14,99

 
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