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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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18

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

123
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50

16.12.2014

„Sorgfältige Darstellung”


Nein, Johanna van Gogh-Bonger war nicht mit beiden van Gogh Brüdern je verheiratet, ihren Schwager Vincent hat sie auch nur drei, viermal persönlich kennengelernt.

Den Schwager als Maler allerdings kannte sie umfassend und gut, denn Theo, ihr Ehemann, war der regelmäßige, fast einzige Unterstützer seines Bruders. Zumindest, was die regelmäßigen Geldüberweisungen anging. Aber auch den festen Glauben an die Kunst seines Bruders.

Johanna nun wird allerdings Schritt für Schritt die entscheidende Rolle für den Maler übernehmen. Nach dessen Freitod und nach der tiefen Depression, in die dieser ihren Mann Theo stürzen wird. Und die er nicht überleben wird.

In einer Melange aus biographischer Erzählung und Tagebuchaufzeichnungen stellt Sanchez Johanna dem Leser breit und tief vor. Von der jungen Mutter mit all ihren Problemen, was das Kind angeht und was ihren Mann angeht, der noch nicht einmal mehr seine Kleidung wechselt über die luftigen Momente mit ihrem Bruder wird eine verantwortliche, kluge, belastete, aber tatkräftige Person immer deutlicher herausgearbeitet, ohne deren Wirken wohl die mannigfaltigen Bilder Vincent van Goghs der Nachwelt kaum erhalten geblieben wären.

Denn mehr als hier und da einiges an Achtung hatten die Bilder bis dato nicht ausgelöst. Der Tod des Malers ist der Öffentlichkeit nur einen einzigen Artikel wert.

„Um van Gogh zu begreifen, genügt es nicht, eins seiner Werke zu betrachten, man muss sie alle sehen“, schreibt Maurice Beaubourg. Nirgendwo sonst in der Presse wird der Tod des Malers erwähnt.

In all dem Drama um diesen Tod, um den Tod ihres Mannes, um ihre Aufgabe als Mutter in dieser Zeit, fasst Johann Tritt und beginnt, nicht nur sich das Werk van Goghs zu erschließen,
sondern dieses auch in die Öffentlichkeit zu bringen.

Während sie parallel in den gesammelten Briefen zwischen ihrem Mann und seinem Bruder beide als Menschen tief kennenlernt, das Verhältnis der beiden Brüder zueinander und zu ihrer Familie entdeckt und damit einen weiteren, vertiefenden Zugang zur Person ihres Schwagers und seinem Werk erhält.

Ruhig und kenntnisreich führt Sanchez dem Leser diese besondere Frau vor Augen, die in einer Zeit ihren „Mann“ stand, als das für Frauen noch lange nicht üblich war
Die mit ihrer Klugheit nicht nur das Werk van Goghs erfasste, sondern auch die wichtigen ersten Schritte für eine öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Werk setzte, die sich um den Verkauf einzelner Werke ebenso kümmerte, wie sie die Entwicklung ihres Sohnes Vincent aufmerksam begleitet und verfolgt hat.

Eine sehr angenehme, sprachlich reife und informative Lektüre.

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50

16.12.2014

„Globale „Kulturrechte“”

Neben den oft primär verhandelten Themen wie Bürgerrechte, Rechtsprechung, menschenwürdiges Leben und anderen kommt, zumindest in der öffentlichen Diskussion, das Verhältnis der Menschenrechte zur Kultur oft zu kurz.

In diesem Band der Reihe „Perspektive Außenkulturpolitik“ stellen die Herausgeber und Autoren die „kulturellem Identität“ mit in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen und dies zu Recht gerade im Blick auf die wieder wachsende Regionalisierung in der Sorge des Verlustes kultureller Identität.

Neben den „universalen“ Menschenrechten tritt so die Bewegung regionaler Werteschärfung und Werterhaltung und spricht aktuell mit „lauterer Stimme“.

„So einfach ist das nicht mit der Universalität“ (der Menschenrechte), wie die Herausgeber angesichts dieser Situation betonen. Und so ist es gut, dass im Buch die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ in vollem Wortlaut ebenfalls mit abgedruckt vorliegt, um den alltäglich doch oft verkürzten Darstellungen ein stückweit entgegen zu wirken.

Wie nun ist das mit dem „universellen Anspruch“ und den ganz realen Erfahrungen vor Ort im Blick auf die aktuell drängenden Fragen der Gegenwart was Wachstum, Unrechtserfahrungen, Kampf gegen Ungerechtigkeit und die konkreten Handlungsaufforderungen aus den Menschenrechten heraus angeht?

Diesem wendet sich der erste, grundlegende Teil des Bandes zu, bevor die Formen und Möglichkeiten kultureller Identität im „kosmopolischen Licht“ beleuchtet werden.

Wie sich Künste, Bildung und Kultur zu und mit den Menschenrechten verhalten ist Thema des dritten Hauptteils, bevor abschließend die UNESCO auch als „Brücke“ gewürdigt wird, um die Menschenrechte mit ihrem universellen Anspruch in einer „Welt der Vielfalt“ zu fördern.

Das Verbindende zu sehen,. In den einzelnen kulturellen Feldern zu verstehen, dafür einzustehen und das ohne die „Vielfalt“ zu bedrohen, die Beiträge dieses Bandes bieten vielfältige Ansätze zur Diskussion und zum Weiterdenken, beide Seiten der Medaille im Sinn zu behalten und dennoch an der Allgemeinverbindlichkeit der Menschenrechte keine Abstriche hinzunehmen.

Eine interessante und im Einzelnen wichtige Lektüre, gerade angesichts der starken Kräfte zur „Regionalisierung des Lebens“ mit dann ganz eigenen Wertegefügen (islamische, russische, afrikanische, asiatische, europäische Wertsysteme).

Lässt man hier die Zügel zu sehr schleifen besteht, wie aktuell am Zustand mancher Regionen abzulesen, nicht nur die Gefahr von „Sonderwegen“, sondern zudem die Gefahr der Regression, was die Wertschätzung anderer Kulturen als der je eigenen betrifft. Christenverfolgung, Annexion von Gebieten anderer Staaten, Säbelrasseln, wirtschaftliche Sanktionen, die Gefahr einer Isolation und Absonderung ist drängend. Hier bietet das Werk wichtige Beiträge zur Diskussion.

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40

11.12.2014

„Mittelalterliche Wissenschaftsgeschichte”


Hatte vor kurzem erst John Classie an Athansius Kircher, den „letzten Mann, der alles wusste“ erinnert und damit den Blick auf zumindest einen Teil der Wissenschaftsgeschichte des späten Mittelalters gelenkt (im Nachgehen der Biographie Kirchers), vollzieht Classie vielfache Bezüge zum „Stand der Dinge“ jener Zeit, bietet John Freely nun einen gesammelten Blick auf jenes Zeitalter des „Mittelalters“ und seine Fragenden, Forschenden, wissenschaftlichen Leistungen.

Und es wird sich herausstellen, dass entgegen mancher Vorurteile, das Mittelalter im Gesamten keine „dunkle und düstere Zeit des Aberglaubens“ war, sondern bahnbrechende Erkenntnisse und hoch einzuschätzende, individuelle Leistungen eine breite und tragfähige Brücke von den Forschern und Denkern der Antike hin zum Beginn der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neuzeit schlagen.

Weder Galilei noch Kopernikus noch Newton sind die „einsamen“ Gestalten, mit denen alles Begann, sondern vielfach sind die wissenschaftlichen Leistungen, denen Freely nachspürt und die er flüssig und leicht lesbar darzustellen versteht.

„Tatsächlich hat eine Vielzahl von europäischen Gelehrten der wissenschaftlichen Revolution den Weg geebnet, als sie mit ihren Forschungen die Grundlagen für deren bahnbrechende Theorien und Entdeckungen gelegt, ja einige von sogar vorweggenommen haben“.

Wie Bradwardine, Heytesbury, Dumbleton und Sineshead in Oxford sich Mitte des 14. Jh. der „Wissenschaft der Bewegung“ zuwandten, begriffliche Grundlagen und ein „Vokabular für die neue Wissenschaft schufen und damit die bis dato geführte eher philosophische Diskussion in mathematische und quantitative Richtungen beförderten, ist dabei genauso interessant zu lesen (und bietet viel bisher nicht allzu breit Bekanntes, wie Freely die Vorläufer des Kopernikus (und dann auch die kopernikanische Wende) im Rahmen der Astronomie ausführlich beschreibt.

Dabei galt, gerade für das Mittelalter, zunächst: „Die Natur selbst war das erste Physiklabor“ und der „Regenbogen“ als spektakuläres Schauspiel „fordert eine Erklärung geradezu heraus“.

Eine solche Erklärung versuchte schon Aristoteles in grauer Vorzeit zu bieten, bevor im 13. Und 14. Jh. Intensive Forschungen stattfanden, die Newtons Theorie zu Beginn des 18. Jh. Vorbereiteten. Hier verweist Freely auch mit Nebenaspekten in der Literatur darauf, wie sehr Newton auf den Schultern des Robert Grosseteste und anderer dabei festen Stand fand.

So erzeugt Freely Seite für Seite mehr „Licht im finsteren Mittelalter“ und verfolgt die Spuren des arabischen Erbes, der Christianisierung des Aristoteles in der Philosophie und Theologie, der Entwicklung der „experimentellen Methode“, schildert die „neue Astronomie“ und den darauf folgenden „Widerstreit der Weltsysteme“.

Mit kurzen biographischen Erwähnungen hier und da versehen stellt er damit viele intensiv forschende Personen vor die Augen des Lesers und kommt zu dem Schluß, dass alle neue und moderne Wissenschaft „auf den Schultern von Riesen“ steht.

Eine interessante, kenntnisreiche und informative Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, die das Lesen lohnt.

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50

11.12.2014

„Hervorragend zu lesende Biographie”


Komplexität ist das Kennzeichen von David Foster Wallace. Getreu dem Motto seines ersten Professors für Literatur, „Zeigen statt erzählen“ flossen aus Wallace Feder intensive, ins Kleinste vorangehende Beschreibungen.

„Worte sind Bilder“, diese Überzeugung prägte zumindest den jungen Wallace in der Anfangszeit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Wobei eine Komplexität der Sprache und der Bilder jeweils entstand, die jede Übersetzungsarbeit von Werken des Autors zu einer Mammutaufgabe machten.

„Einer der klügsten, wenn nicht der klügste Student, der je in Amherst studiert hat“. Mit dieser Bewertung aller seiner Professoren (und insgesamt 10 akademischen Auszeichnungen am Ende seines zweifachen summ cum laude am Ende der ersten Studien) beendet Wallace seine Zeit in Amherst und wendet sich einem weiteren Studium des „kreativen Schreibens“ zu.

Jener Tätigkeit, wie Max flüssig erzählt, von der Wallace sagt, dass sie ihm „90 % Kick“ gäbe, statt der „50% Kick“ des Philosophiestudiums.

Von der Kindheit und Jugend über die Studienjahre, die ersten Veröffentlichungen, die Belletristik, die Philosophie bis zum „gestandenen“ Schriftsteller und Professor für kreatives Schreiben. Von der (langsameren) privaten Entwicklung über die (schon in jungen Jahren starken) Depressionen (aufgrund derer Wallace sein erstes Studium bereits zweimal unterbrechen musste) bis zum Freitod des Schriftstellers führt Max den Leser minutiös durch dieses außergewöhnliche Leben und Werk.

In besonderer Weise öffnet Max dabei die Augen für die grundlegenden Wurzeln der spätere Persönlichkeit. Die besondere Familiensituation, die Eltern mit jeweils ihren ganz eigenen Ausprägungen und ebenso je eigenen Erwartungen an ihre Kinder, die „dunklen Schatten“, die Wallace in seinem ersten Roman vielschichtig und sprachintensiv mit Worten „bebildert“, der ungeheure Ehrgeiz als Student, all dies liest sich flüssig, intensiv und, nebenbei, sehr unterhaltsam in dieser fundierten Biographie.

Wobei „das schwarze Loch mit Zähnen“, die Depression als „Lebensbegleiter“ des Autors nicht unendlich breit getreten wird, aber dennoch in ihrer zentralen Bedeutung beständig im Hintergrund mitschwingt.

„Gegen Ende eines sonst schönen Sommers bekam er akute Angstattacken“. Aus dem nichts heraus, vielleicht erklärbar durch manche Konstellationen seiner Kindheit.

Eine dichte Beschreibung eines außergewöhnlichen Werkes, einer fast „gewöhnlich“ (mit einigen Besonderheiten versehenen) Kindheit und Jugend, einer hohen Begabung und Arbeitsbereitschaft und eines lebensbegleitenden „Dämons“, die sich flüssig liest und kompetent Informationen über dieses Leben vermittelt.

buch

Menschen in New York

Brandon Stanton

EUR 24,99 *
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50

08.12.2014

„Ungeschminkter Alltag”


New York ist brodelnde Metropole. Touristenzentrum. Teuer. Abgehalftert. Widersprüchlich. Vor allem aber ein Sehnsuchtsort für die Welt in vielfacher, individueller Ausprägung.

Brandon Stanton, ehemals Bondtrader in Chicago, zog 2010 nach New York und eröffnete einen Blog über die „Menschen in New York“. Jene, die dort leben. Jene, die das vielfältige Bild dieser „Stadt die niemals schläft“ prägen und ausmachen. Jene Bewohner New Yorks die wahrscheinlich ausgeprägter als an jedem anderen Ort der Welt ihre Individualität als Recht, fast auch als Pflicht nehmen. In der jeder so leben kann, wie es ihm passt, in der Menschen vielfach eher Inseln im Leben darstellen (mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten) als eine fassbare größere Gemeinschaft.

400 Fotografien sind es nun, mit denen Stanton seinen Blog in Buchform bringt und in denen er diese unglaubliche Vielfalt der individuellen Ausprägungen prägnant vor Augen führt.

Der über und über bunt tätowierte junge Punk, der im Kontrast vom Tod seiner Mutter erzählt.

Das ausladende, offenherzige Dekolletee in der U-Bahn mit der fetten Halskette aus Buchstaben „Trust no man“, das mit der seitlich herausblitzenden Brustwarze fast ein Gegensatz in sich darstellt.

Der alte Mann mit wallendem Bart und Stock, dessen Rat wäre: „Revoltiert“. Der „Show Man“ im East Village im leuchtend roten Anzug und Maske.

„Zähl alles Gute, was du hast“. Und was wäre das in New York? Auch für den Farbigen ohne Beine im Rollstuhl mit seiner Nikolausmütze auf dem Kopf scheint das Glück der Erde, das „Gute“ im Bündel Geldscheine zu liegen, welches er stolz in die Kamera hält.

Aufgedonnert, abgehalftert, onduliert oder mit wirren Haaren, sorgsam gekleidet oder nur mit dem nötigsten an zumindest leicht verdreckter Kleidung versorgt. Tanzen? Gerne, für ein paar Dollar…..

„Täglich ein paar gute Portraits“, das ist das Ziel Stantons. Nicht abgehobene Kunst oder epische Geschichten per Bild, sondern das „Andere“ im alltäglichen oder der „andere Alltag“, der in New York zu finden ist.

Von den beiden Kindern, Freunde bis hin zur komplett (seit 15 Jahren) in Grün gekleideten Frau, nur mit kurzen Ortsangaben oder hier und da einem kleinen Satz kommentiert Stanton seine Bilder, die ansonsten für sich selber sprechen sollen (und dies tun).

„Ich trainiere Klarträumen“, diese Haltung der einen exotischen Schönheit im Buch mit ihrer extravaganten Kleidung könnte da für viele andere der Portraits und für Stanton selbst stehen.

Interessant, facettenreich, bunt, schräg, glücklich, unglücklich, widersprüchlich oder einfach nur gut drauf, es lohnt sich, sich diesen Portraits von Menschen in aller Ruhe zu nähern, denn in ihnen zeigt Stanton viel mehr vom „wahren New York“, als es vielen Reiseführern oder anderen Beschreibungen der Stadt gelingt.

Hörbuch

Ich lebe mich gesund!

Agnes Kaiser Rekkas

EUR 39,99 *
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50

08.12.2014

„Tiefenwirksam”


Gerade für Hörer, die bereits einiges an Erfahrung mit der medizinischen Heilhypnose besitzen, dürfte die besondere Technik der Psychotherapeuten und Hypnotherapeutin Agnes Kaiser Rekka zu Anfang ungewohnt sein und einige Anlaufzeiten mit sich bringen.

Ist die Unterstützung hier und da durch einen kleinen, griffigen Gegenstand noch eine zwar ungewohnte aber eher kleine Hürde, bedarf die innere Öffnung auf die Art der Therapie ein wenig des Umdenkens.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Hypnosetherapeuten arbeitet Kaiser Rekka nicht mit entsprechender meditativer Laut- und Musikuntermalung, sondern nur mit ihrer Stimme. Natürlich sind die „eigentlichen“ Tranceelemente mit der besonderen Betonung und Stimmführung klar erkennbar, dennoch scheint auf den ersten Eindruck hin etwas zu fehlen..

Ebenso wie die weibliche, dadurch höhere Stimmlage, die im Gros der eher männlichen, sonoren Stimmen der Hypnosetherapie ein erwähnenswertes Merkmal darstellt und ebenso ungewohnt zunächst im Raum steht.

Als letzte Besonderheit sei die Sprachgeschwindigkeit von Kaiser Rekka erwähnt, die noch langsamer, noch ruhiger, noch klarer akzentuiert und so vielleicht zunächst für eine gewisse Ungeduld beim Hören sorgen könnte.

Lässt man sich aber auf diese Besonderheiten ein und wendet sich dem Eigentlichen der Hypnosetherapie durch Kaiser Rekka zu, stellt man umgehend fest, dass diese äußeren „Andersheiten“ eher in Richtung eines persönlichen Geschmackes gehen und der Wirksamkeit der Trance keinerlei Abbruch zufügen.

In innerlich angespannter, angestrengter, teils verzweifelter Stimmung einer Krebserkrankung bietet Kaiser Rekka systematisch Audio-Sitzungen für die Kernbereiche des Befindens und einer möglichen aktuellen Behandlung.

Beruhigung und Wohlgefühl, Zuversicht dem Unterbewussten entlocken, Kraftorte finden in einer Chemotherapie und die inneren Kräfte freisetzen („Im Eispalast“) für eine anstehende Bestrahlung eröffnen in den ersten vier Sitzungen den Weg zu einem „Ich lebe mich gesund“.

Den Lebensmut (und den inneren Glauben) zu stärken, eine sehr tiefe Trance für die körperliche Kräftigung, die Visualisierung schöner Bilder und Gefühle aus der Lebensgeschichte mit der Stärkung innerer Zuversicht in aktueller Krebstherapie, endend mit „Im Teich der Erholung“ als Einheit zum tiefen Kräftesammeln stellen in den letzten vier Einheiten zielgerichtete Interventionen für einen vertieften Zugang zu sich und den eigenen, stärkenden und heilenden Ressourcen, dar.

Sobald die ersten Irritationen über die äußerlich doch etwas andere Weise der Therapie durch Rekka Kaiser verfolgen sind, bieten sich mit dieser CD vielfältige und zielgerichtete Einheiten für eine Unterstützung in Zeiten schwerer Erkrankung, die speziell auf onkologische Befunde abgestimmt sind.

buch

Die verfluchten Eier

Michail Bulgakow

EUR 16,99 *
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50

26.11.2014

„Ein hintersinniges sprachliches Feuerwerk”


1925 ist dieser Roman entstanden und erstmalig erschienen. Ein Kurzroman zwischen den gro0en Werken Bulgakows, der gefüllt ist mit einer überzogen, teils satirisch anmutenden Sprache, eine Fantastik (der Roman ist als „Science Fiction“ konzipiert und spielt im Jahre 1928), die voller hintersinniger und symbolischer Bedeutung ist.

Was schon allein mit diesen Eiern zu tun hat, die im Buch eine Rolle spielen werden. Nachdem Professor Pfirsichow eher durch Zufall einen „roten Strahl“ entdeckt hat, eine Form der Bündelung künstlichen Lichts, dass ganz erstaunliche Auswirkungen auf Zellen besitzt.

Rasende Wachstumsgeschwindigkeit, innerhalb von Tagen sind Frösche ausgewachsen, größer als ihre natürlichen Artgenossen und in gewisser Weise auch aggressiver.

Ein Getümmel, ein übereinander herfallen schon unter dem Mikroskop, das einerseits fasziniert und andererseits erschreckt. Wie schnell es geht, dass die Räume des Instituts überbevölkert sind von diesen Reptilien.

Dass auf einer ganzen, langen Straße elendiglich in Stunden das ganze Federvieh verreckt, da stellt sich zunächst kein Zusammenhang her, aber da sind all die Ereignisse ja auch noch in der Entwicklungsphase. Moskau wird da schon noch ein bedrängendes Wunder erleben, die Stadt in Aufruhr geraten, das Inferno an die Türe klopfen.

„Binnen 24 Stunden wuchsen die Kaulquappen immens an….derart gefräßig und wild, dass deren eine Hälfte sofort von der anderen Hälfte vertilgt wurde“.

Ob Bulgakow hier Wissenschaftskritik übt oder eher eine „Entfesselung der Kräfte“ im Menschen selbst symbolisch darstellt, vieles an Interpretationen ist möglich, vieles an Doppeldeutigkeiten im Buch zu finden. Ein Stil der Wirkung erzielt, keine Frage, der den Leser auf Entdeckungsreise gehen lässt und mehr und mehr die vordergründige, fantastische Geschichte in den Hintergrund treten lässt.

Das Wirken „dämonischer Mächte“, immer wieder in die reale Ebene gehoben und das mit Tempo, das ist das Thema dieses Werkes. Gemächliches erzählen ist Bulgakows Sache nicht, ebenso, wie er mit seinem ganz besonderen Stil, seinen Wortspielereien, seiner teils gedrechselt wirkenden, fast poetischen Prosa für innere Beteiligung des Lesers sorgt.

Der einem drohenden Untergang der Welt ebenso im Buch begegnet, wie dem Teufel und der Hölle. In Teils stichwortartig gehetzter Sprache, in vielen dahingeworfenen, rasanten Dialogen, in einer ganz eigenen Rhythmik des Ausdrucks, mit der Bulgakow spielerischen Umgang pflegt.

Ein Stil, dem sich der Übersetzer verpflichtet hat und der von Alexander Nitzberg intensiv erlebbar umgesetzt wird.

Eine intensive Lektüre, nicht nur aufgrund ihrer Entstehungszeit, sondern auch aufgrund ihrer stilistischen Mittel und ihrer vielfachen Symbolik mit ganz eigener Kraft, die gewohnten Lesegewohnheiten vielfach durchbrechend und ein sehr empfehlenswertes Erlebnis. Im Nachwort versehen mit (auch notwendiger) guten Interpretationshilfen.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Schattenschrei

Erik Axl Sund

EUR 12,99 *
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50

26.11.2014

„Das Ende”


Viele ist passiert im Leben der Victoria Bergmann. Eine Geschichte voll von Missbrauch, Vertrauensverlust und traumatischen Erlebnissen auf dem Internat.

Eine Geschichte, die in den beiden Vorgängerbänden mehr und mehr ans Tageslicht kam, deren Hintergründe und handelnde Personen dem Leser nun bekannt sind in allem Schrecken, der verbreitet wurde im Leben des Kindes Victoria. Und das Mädchen stand dabei bei Weitem nicht alleine auf weiter Flur.

Im Gegenteil, nach der Lektüre der ersten beiden Bände war die Welt voller Missbrauch und brutaler Gewalt an hilflosen Wesen. Eine Gewalt, die im Übrigen auch von Victoria Bergmann selbst ausging (man denke nur an den geheimen Raum in der Wohnung, der inzwischen übrigens leer ist. Wobei der Bewohner nicht freigelassen wurde, sondern zum Verschwinden gebracht wurde).

Eine Lebensgeschichte, die zu einer multiplen Persönlichkeit führt. Victoria Berglund lebt als Psychologin Sofia Zetterlung ein bürgerliches Leben und ist sogar die Geliebte der in den grausamen Tötungsdelikten an Kindern ermittelnden Kommissarin geworden.

Sie sitzt damit an der Quelle jener Ermittlungen, die ihr Alter Ego zum Ziel haben.

Und so ganz langsam, in diesem abschließenden Band der Trilogie nun in großen Schritten, wachsen Victoria und Sofia wieder zu einer Person zusammen. Oder, besser ausgedrückt, immer weniger benötigt Vicotira die brave, angepasste Identität der Psychologin.

Immer klarer wird Victoria im Hier und Jetzt, was aber nicht bedeutet, dass ihre alten inneren Verletzungen verheilt wären. Nein, denen wird sich die Frau zuwenden. In aller Klarheit und Härte sich, Person für Person, ihre ehemaligen Peiniger vornehmen.

Eine Grausamkeit, bei der nicht immer klar ist, wer genau sich hinter dem konkreten Fall verbergen wird, die Wendungen der Fälle bleiben für Überraschungen gut. Eine Grausamkeit und Härte, welche die beiden Autoren in diesem Band fast noch gesteigert (so dass möglich ist) mit ihrer ungeschminkten Art der Beschreibung fast physisch schmerzlich vor die Augen des Lesers führen.

Blut fließt und ein „gnädiger Tod“ ist selten im Umfeld der Victoria Bergmann, ebenso, wie teils in brachialer Gewalt gegen die kindlichen Opfer vorgegangen wird.

Wie sich all das auflöst, wie Victoria Bergmann mit der sich immer enger ziehenden Schlinge umgeht, wie die Kommissarin Jeanette Kihlberg und ihre Kollegen es kaum mehr vermögen, das private Entsetzen vom beruflichen Fortgang zu trennen und wie gerade Jeanette immer wieder, ohne es zu wissen, intim eng mit der gebrandmarkten Victoria verkehrt, dass sorgt für eine durchgehende Spannung und eine emotionale Beteiligung, die diesen Band zu einem würdigen Abschluss dieser harten Geschichte mit ihrer ganz besonderen Atmosphäre voller vorder- und hintergründiger Gewalt gestalten.

Eine Geschichte von Schmerz, Gewalt und Rache, die starke Nerven braucht.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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40

26.11.2014

„Aufwendig und detailliert gestaltete „Do-it-yourself“ Anleitung”


Ob es nun unbedingt immer nötig ist (wie im Untertitel einmal wieder angesprochen) das Lebensziel als Frau „Fit UND sexy UND entspannt“ zu sein (zumindest zu wirken) anzustreben und ob das innere Glücksgefühl wirklich am Yogatraining liegt, das mag dahingestellt bleiben und soll dann auch jeder Leser und jede Leserin für sich entscheiden.

Wer sich aber schon rein technisch gesehen für Yoga interessiert, die Grundlagen kompakt erlesen möchte, einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen dieser alten Weise des körperlichen Seins zu werfen (ja, ja, natürlich braucht es auch hier einen Hinweis auf die „Traumfigur“, für die dieses Yoga steht und der damit einhergehende (versprochen!) Gewichtsverlust), wer dann vor allem mannigfaltige und gut in Wort und Bild dargestellte Übungen sucht, der greift mit diesem Buch sicherlich nicht daneben.

Auch wenn die leidige Diskussion um das Körpergewicht, die „Kunst des achtsamen Essens“ und andere an Druck moderner Schönheitsideale einige Seiten im Buch in Anspruch nimmt (aber ja auch einfach überlesen werden können bei Nicht-Bedarf), so stellt Budig sehr strukturiert und sehr leicht nachvollziehbar (wenn auch natürlich nur mit entsprechender Übung die Figuren so ansehnlich gelingen werden, wie im Buch dargestellt) vielfache Übungen im Buch dar.

Bei den wichtigsten Haltungen ganz grundsätzlich angefangen geht Burger dabei Schritt für Schritt vor und nimmt die Leserin und den Leser auf gute Weise mit hinein.

Gerade die grundsätzlichen Haltungen dürften dabei schon für eine ganze Weile an Übungsstunden sorgen (Haltungen im Stehen, liegen, sitzen, rumpforientiert, gedreht und umgekehrte Haltungen und vieles mehr), bevor dann zu einzelnen Unterthemen jeweils klare Sequenzen (teils für Übungen mit weniger als 15 Minuten Zeitaufwand) vor Augen geführt werden.

Natürlich sind Überschriften wie „Yoga und Hormone, Yoga für Mütter, Yoga für besseren Sex u.ä. immer auch Glaubensfragen, was aber die einzelnen Übungen im Buch nicht daran hindert, zumindest den Körper mittels einfacher bis sehr komplexer Haltungen und Sequenzen von allen Seiten her fordern zu können.

Sei es ein „Mondsichel Workout“, seien es die 9 Haltungen gegen Rückenschmerzen, seien es spezielle Übungen für bestimmte Sportarten (und ja, auch „Echte Kerle machen Yoga“) oder wichtige Grundübungen gegen Schwindel, vielfach, immer wieder grundsätzlich kurz erläutert und dann konkret in Bild und Text erklärt bietet dieses Übungsbuch eine hohe Vielzahl und Breite an Haltungen und Übungen, die sowohl für Einsteiger als auch für weit Fortgeschrittene ebenso vielfaches und verschiedenes „Übungsmaterial“ bereit halten.

Dass der Titel ein wenig in die Irre führt, indem er sich nur auf ein Geschlecht zu reduzieren scheint, erschließt sich dann bei der Lektüre des Buches natürlich andere. Die Haltungen und Übungen sind auch Männern zugänglich (in Teilen explizit im Buch dargestellt).

Insgesamt ein sehr gutes Buch zum praktischen Einstieg und zur Vertiefung des Yoga, in dem jeder auf jeder Übungsstufe etwas für sich finden wird. Die dahinter stehende „Philosophie“ und die ständigen Hinweise auf „Traumfigur“ und „Schönheit“ sollte man einfach überlesen.

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50

17.11.2014

„Ein abwechslungsreiches Leben.”


Das da einer als junger Mann der Liebe wegen und ohne feste Sicherheiten oder große Aussichten nach Amerika auswandert, sich in New York niederlässt, eine stundenlange Zugfahrt auf sich nimmt, um geliehenes Geld bei einem Freund wieder einzutreiben um selbst in New York nicht zu verhungern und dann bei der Rückkehr die Lebensgefährtin aber sehr hungrig wieder antrifft, das ist nur eines der prägnanten Erlebnisse dieses Lebens, das Herbert Feuerstein Revue passieren lässt.

Und man sollte als Leser nicht den Fehler der Journalistenschar zu bestimmten Zeiten begehen, Feuerstein selbst beständig auf seine Rolle als "Sidekick" bei "Schmidteinander" zur reduzieren.

Wie schon vorher zu ahnen gewesen wäre, diese Zeit nimmt nicht sonderlich viel, Raum im Buch ein (aber durchaus genügend, um die Entwicklung hin zum Fernsehen klar zu schildern), arbeitet nichts tiefschürfend auf (erweist aber durchaus Harald Schmidt Respekt als Person und für die Rolle, die er in Feuersteins Leben spielte).

Es gibt aber ansonsten genügend beeindruckende Stationen und Projekte Feuersteins in seiner Karriere, die er mit seinem bekannten und mit hohem Wiedererkennungsgrad versehenen depressiv-melancholischem Unterton versehen im Buch ausbreitet.

Das Jahrzehnt des vielfachen Erprobens in New York. Die Zeit aus Herausgeber und Verleger. Der große Erfolg von "MAD". Das immer mitlaufende Interesse an der klassischen Musik (das er im Übrigen mit Schmidt teilt und das immer wieder auch öffentlich verarbeitet wurde und wird). Die Rollenprojekte später dann "Solo" auf der Bühne und im Fernsehen mit seiner andersartigen "Reise. und Entdeckungs-Serie".

Einer, der seit seinem ersten Jahr in Deutschland 1970 bis zum Zeitpunkt der Verfassung des Buches 1.982.483 Euro versteuert hat (wie Feuerstein freimütig am Ende mitteilt).

Einer, der ebenso freimütig sein Leben als eine Verkettung von "Reaktionen auf Impulse" versteht und weniger als eine "geplante und aktiv gesteuerte" Aktion (was nicht ganz stimmt, Schmidt hatte er damals im Auto sehr gezielt und kreativ zu einer Zusammenarbeit bewegt).

"Ich ließ mein Leben vom Zufall gestalten, statt meine Neugier selbst zu steuern".

Über 2000 Auftritte in Theater und Fernsehen allein seit 1990 zeugen davon, dass seine Reaktionen auf Angebote zumindest nicht in die falsch Richtung führten.

In Sprache und Stil mit hohem Wiedererkennungswert gibt Herbert Feuerstein in seinem Buch einen umfangreichen Einblick in seine Leben, die äußeren Stationen, die innere "Grundverfassung" und die doch nicht seltenen Neuorientierungen, die er zu konkreten Zeitpunkten dann auch entschlossen umgesetzt hat.

Was natürlich vor allem für jene Leser von Interesse sein dürfte, die Feuersteins Karriere mit Interesse mit verfolgt und miterlebt haben.

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