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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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17

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

123
auf Merkliste

30

27.02.2015

„Detaillierte, etwas trockene Erklärungen”


Gut, dass im Buch an der ein oder andren Stelle auch ganz praktische Versuchsanordnungen für den heimischen Gebrauch vor Augen geführt werden.

Sei es ein „überraschender Fall“ (im Rahmen des Themas Skydiving und wie schnell ein Mensch fallen kann), sei es ein „gesundes Blasrohr“ oder ein „tollkühnes Weinglas“ (zur Veranschaulichung der Dreh-impulser Haltung“) und anderes mehr. Experimente, die den Tatendrang des Lesers mit aufnehmen und so manche Erläuterungen im Buch mit abwechslungsreichem erleben versehen.

Was der Lektüre gut tut, denn Hermans erläutert die vielfältigen „Überprüfungen von Alltagsphänomenen“ doch durchgehend sehr, in Teilen arg trocken in Sprache und Stil.

Dennoch natürlich, was die reine Fakten- und Wissensseite angeht bieten die vielfachen Ausführungen aus verschiedenen Lebensbereichen doch eine Befriedigung vielfacher Neugier.

Das ein Ei in der Mikrowelle explodiert, dürfte ja allgemein bekannt sein, warum das aber genau nun so ist, das findet sich ebenso in dieser physikalischen Kompilation , wie vielfache andere Antworten.

Wie man Schallwellen zum Narren hält, ob man im Dunkeln wirklich besser hört (ab und an ja, was aber nicht an der Tageszeit liegt), warum eine Scheibe durchsichtig ist, eine Gardine aber nicht oder wie auf trockenen Straßen Pfützen entstehen, jeweils sehr sachlich und nüchtern, teils mit doch einigem an wissenschaftlicher Sprache versehen führt Hermans seine Phänomene des Alltags aus.

Wieweit einzelne der Themen nun den konkreten Leser wirklich interessieren, ist natürlich der jeweiligen Interessenslage geschuldet. Da ein steter Lesefluss im Buch nicht wirklich aufkommt, wäre ein Blick in das Inhaltsverzeichnis vor dem Kauf ganz nützlich, um das Buch als kleines „Lexikon“ der Naturwissenschaft für den Alltag auch nutzen zu wollen

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40

27.02.2015

„Einblicke in die Gegebenheiten des Universums und der Natur”


Was die biblische Schöpfungsgeschichte und die Theorie vom Urknall gemeinsam haben, ist zweierlei.

Zum einen drückt sich in beiden der je aktuelle und doch immer wieder begrenzte Blick der Menschheit auf die sie umgebende Welt und das Universum aus. So, wie Einstein sagte, dass die Religion ohne Naturwissenschaft blind, die Naturwissenschaft ohne Religion aber lahm sei, bleibt in allen bisherigen Zeiten deutlich, das alles Ahnen oder Wissen Stückwerk ist.

Das zweite aber, was beide Erklärungsmodell vereint ist die hohe Stellung, die Licht und Energie in beiden Erläuterungen des Anfanges der Welt zukommt.

Dies bildet auch den Ausgangspunkt dieses verständlich formulierten und mit einer ganzen Reihe von Experimentieranleitungen versehenen „Lehr- und Lernbuches des Alltags“.

Chronologisch folgt Full dem Geschehen und den Spuren des Urknalls. Erläutert Atome, erzählt von der Ausdehnung des Weltalls und folgt minutiös den Spuren der Entwicklung des Lebens von der „Ursuppe“ begonnen bis zum Homo Sapiens.

Wobei die Idee der vielen „Paralleluniversen“ durchaus ein wichtiges Moment seiner Darlegungen darstellt und, Pädagoge, der er ist, kommen hier die „Gummibärchen“ ins Spiel, die ihre ganz eigene „Schöpfungsgeschichte“ im Buch erleben (natürlich fantasievoll und gut erzählt und dennoch auf dem Boden der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse verankert).

Immer im Blick auf den Leser als „Lernenden“, sticht das pädagogische Element Fulls im Gesamten erkennbar heraus. So zeigt er seine Stärken sowohl als Vermittler „harter Fakten „mitsamt einer Reihe an nachvollziehbaren praktischen Experimenten für den Leser zu Hause, als er eben auch zu „fabulieren„ versteht und seine „Geschichte der Gummibärchen in ihrem Paralleluniversum“ flüssig und anregend erzählt.

„Das Ordnung von alleine entsteht, quasi sich selber organisiert, widerspricht eigentlich unserer allgemeinen Lebenserfahrung“. Unordentlich wird das Kinderzimmer scheinbar von alleine, Ordnung braucht Kraft und Struktur.

So gilt: „Das Leben ist ein ständiger Kampf um Ordnung“.

Was diese Ordnung ist, wo sie angelegt ist und ihren Ursprung haben könnte, warum es sie braucht und was alles an Kräften dagegen hält, das erzählt Full sehr munter im Stil und Kundig in der Sache und lässt so das Staunen über die „Unwahrscheinlichkeit des Lebens“ an sich wachsen.

Gegen das in diesem Universum viel mehr spricht, als das etwas dafür spricht und das trotzdem in sich eine Ordnung trägt, die ausdauernd und mit hohem Energieaufwand immer wieder die Unordnung beseitigt.

Sprachlich eher an jüngeren Schülern und Schülerinnen orientiert bietet das Buch dennoch Lesern allen Altersstufen ein ruhige, flüssig verfasste und sachkundige Darstellung der Geschichte des und der Gesetzmäßigkeiten im Universum und Leben.

buch

Abyssos

Jan Aalbach

EUR 12,99 *
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40

27.02.2015

„Fantasy in bekanntem Ablauf”


In sehr klarer, eher einfacher Sprache, die Teils ihre Protagonisten etwas naiv wirken lässt (vor allem Pit Zuckmayer scheint den „Verlockungen des Weibes“ keinen rechten Umgang zu finden), dafür aber durchaus mit Tempo erzählt Aalbach seine neue Geschichte über das „verborgene Volk unter den Menschen“, den Domen.

In der Bibel als „Riesen“ erwähnt stechen sie auch im Berliner Alltag durch ihre schiere Körpergröße hervor. Sind aber in Gefahr, als Volk zu erlöschen.

Sobald sie keinen „Trunk“ mehr zu sich nehmen, würden sie rapide und umgehend Altern, zu Staub und Asche verfallen.

Der Notarzt Pit kann sich da zu Beginn der Geschichte umgehend selbst ein Bild von machen. Notfall in der U-Bahn. Beide Beine eines schwarzen, riesigen Mannes abgetrennt. Wobei dieser ihm dann unter den Händen wegstirbt, nicht ohne ihn mit seinem Fingernagel im Gesicht zu verletzen.

Wo aber sind die abgetrennten Beine? Außer einem Haufen Sand findet sich nichts auf den Gleisen. Warum ist da so wenig Blut? Und wer ist diese schwarze Polizistin, hinter der Naomi Campbells Schönheit schier verblasst?

Fragen über Fragen, die Pit (der sich vor Kurzem noch aus Trauer um den Tod von Frau und Kind das Leben nehmen wollte) keine Ruhe lassen, die ihn vor allem aber umgehend in Gefahr bringen. Denn der „Ahiman“ (geistlicher und weltlicher Führer) der Domen ist auf der Suche nach einer bestimmten „Kraft des Blutes“, dem „Prometheus“ und will sich auf dieser Suche nach der Rettung seines Volkes vor dem Aussterben nicht hindern lassen.

Alle, die auch nur am Rande mit diesen Merkwürdigkeiten des „Geheimen Volkes“ in Kontakt geraten, sollen sterben. Und so wird auch Pit erschossen. Was aber noch lange nicht das Ende seiner Geschichte ist. Wenn man weiß, dass es für Wesen mit „Domenblut“ den „kleinen Tod“ neben dem „großen Tod“ gibt.

Eine Jagd entsteht, in der Freund und Feind nicht immer klar zu unterschieden sein werden, ind er altbekannte Freunde Pits sich als etwas ganz anderes herausstellen werden, als er bisher dachte und in der er selbst seine eigenen Kräfte und seine Rolle in all dem noch entdecken werden muss.

Durchaus mit Tempo, aber auch mit einigen Stereotypen angereichert (die Beschreibung seiner Protagonisten durch Vergleiche mit öffentlich bekannten Personen wie Omar Sharif und Naomi Campbell u.a., die etwas zu undifferenziert geratene Liebesgeschichte, die Vorhersehbarkeit des „roten Spannungsfadens“) erzählt Aalbach mit frischen und lockerem Ton eine nicht unbedingt neue „Konstellation“ zwischen Gut, Böse und der (Teil-) Rettung der Welt mitsamt der Entpuppung eines eher unfertigen, trunksüchtigen und unglücklichen Mannes, der sich rasch zur „Hoffnung“ eines magischen geheimen Volkes entfalten wird.

Ein durchaus unterhaltsamer, flüssig zu lesender Berliner-Fantasy-Thriller (mit einigem an „Mundart“), dem es ein wenig an Komplexität in den Personen und den Ereignissen mangelt.

buch

Wolf

Mo Hayder

EUR 14,99 *
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50

27.02.2015

„Abwechslungsreich, spannend und intelligent”


Fast, aber auch nur für einen Augenblick, scheint es, als würde Mo Hayder in ihrem bis dahin spannenden und atmosphärisch dichten Thriller kurz nach der Mitte ein wenig die Luft ausgehen.

Plötzlich gibt es augenscheinlich Tipps für den Leser, Klärungen, Blicke hinter die Kulissen zumindest der beiden harten Männer, welche diese kleine Familie in der Hand haben und hinter ihre wirklichen Motive.

Das aber, wie erwähnt, nur fast, denn auch wenn dieser Teil des Erzählfadens plötzlich klarer wird, schwenkt Hayder im Buch auf einen anderen Pfad ein, bietet danach faustdicke Überraschungen in den Variationen ihrer Protagonisten und in den Blicken auf den alten Doppelmord, der ständig im Hintergrund der Ereignisse mitschwingt.

Und auch Jack Caffery ist, wieder einmal, als intuitiver Ermittler unterwegs, der weiterhin seine eigene Vergangenheit und den Tod seines Bruders vor langer Zeit fest im Blick hat. Da halten ihn weder Vorschriften noch Kollegen, weder die vergangene Zeit noch die vielen Unklarheiten im Blick auf diesen Tod auf. Alles in ihm drängt nach Klarheit.

Und eher gezwungen, eher nebenbei, eher als „Geschäft“ gegen handfeste Informationen über sein Familiendrama nimmt er die Fährte dieses verlassenen kleinen Hundes mit der merkwürdigen Botschaft am Halsband auf.

Wenn aber Caffery eine Fährte aufgenommen hat, dann hält ihn auch nicht mehr ab, diese hartnäckig und gegen alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten zu verfolgen.
Auch wenn die einzige Spur ein alter Ehering ist, der nur vage Hinweise als Nadel in mehr als einem Heuhaufen geben könnte, wem der Hund gehört und was geschehen sein mag.

Harr geht es zu Sache in Teilen dieses Thrillers, auch das ist wahr. Blut wird fließen, Tote am Wegesrand verbleiben, Gefahren und Täuschungen ein um das andere Mal auch Caffery selbst zu intensiver Konzentration anhalten.

So trifft der Titel „Wolf“ auf nicht nur ein Ereignis im Roman zu. Caffery selbst ist eine „einsamer Wolf“, keine Frage. Das Verbrechen damals, als zwei Teenager wie von einem Raubtier „gerissen“ aufgefunden werden wird seine Spuren in die Gegenwart ziehen und auch der „Wolf im Schafspelz“ wird eine tragende Rolle im Buch einnehmen.

Alles in allem ein hervorragender, spannungsgeladener Thriller, die einiges an überraschenden Wendungen und Härte aufzuweisen hat und eine sehr empfehlenswerte Lektüre darstellt.

buch

Die Power-Formel

Marco Santoro

EUR 16,99 *
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40

19.02.2015

„Rundum-Training”


Letztlich muss man einfach sagen, dass der menschliche Körper eine bestimmte Anzahl an Muskeln hat die durch eine zwar reichhaltige, dennoch aber letzten Endes endliche Zahl von Übungen trainiert werden können.

Und ob Menschen, denen es schwer fällt, 2-3mal die Woche in ein Fitnesscenter sich zu bewegen (manche bieten dort ebenfalls relativ kurze Trainings von 35-45 Minuten an) nun täglich 30 Minuten motiviert den Übungen in diesem (schön gemachten) Buch folgen, sei ebenfalls dahingestellt.

Wie ebenso das leidige Herumreiten auf „Traumfiguren“, schlank, fit, energiegeladen und was so alles Mehr an Schlagworten seit Jahrzehnten über und neben jeder Diät und jedem Training zu lesen ist. „Traumfiguren“, die natürlich auch die beiden Autoren „zieren“.

Und auch die Verbindung von Ernährungsberatung samt vielfachen Rezepten und körperlichen Übungen ist nicht neu, auch hier tummelt sich eine Vielzahl von Angeboten auf dem Trainingsmarkt.

Und ob man Kniebeugen nun „Squat“ nennt oder Strecksprünge als „High Jump“ bezeichnet, Liegestütze „Push up“ nennt oder Streckübungen als „A-Stand“ „verkauft“, die Übungen im Buch sind durchweg altbekannt. Was übrigens ein echter Vorteil ist, denn altbekannt heißt zum einen, das dem Leser keine lange Anlaufzeit nötig ist und zum anderen, dass die konkreten Kraft- und Ausdauerübungen im Buch sich über lange Zeit bereits bewährt haben.

In Verbindung mit einer durchaus sinnvollen Grundlageneinführung in Nährwerte und Inhaltsstoffen von Lebensmitteln und einem durchaus anregenden und appetitlichen Rezeptteil kann man so zumindest nichts falsch machen und durch neuartige Verrenkungen seinem Körper gar noch Schaden zuführen.

Übersichtlich, verständlich, einfach gehalten in den Übungen und ausgewogen in den „täglichen 30 Minuten“ macht das Buch auf jeden Lust auf einen (neuen) Anfang und bietet durch den übersichtlichen, herausnehmbaren Trainingsplan eine rasche Orientierung (nachdem die einzelnen Tage und Trainings im Buch ausführlich beschrieben wurden).

Alles in allem nichts unbedingt Neues an Informationen und Übungen, aber in der Gesamtzusammenstellung übersichtlich, klar gegliedert mit vielfachen konkreten Hinweisen und Tipps. Zudem ein einfach zu gestaltendes Training, für das es außer bequemer Kleidung und vielleicht einer einfachen Gymnastikmatte nicht viel weitere Hilfsmittel braucht.

Ob nun die anregende Aufmachung des Buches und die motivierenden Texte der Autoren dem Leser konkret genug Motivation vermitteln, das Programm anzugehen und durchzuhalten, das liegt dann natürlich am Leser selbst.

buch

Weißglut

Jesper Stein

EUR 12,99 *
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50

19.02.2015

„Verbissener Ermittler”


In bestem Zustand ist Axel Stehen bei Weitem nicht. Schon seit Jahren, wenn er ehrlich ist. Einer, dem die Gefühle durchgehen, auch wenn er sich manches Mal mühsam zu beherrschen versteht.

Einer, der intensiv auf seinen Herzschlag hört und achtet, aus Sorge um einen Herzinfarkt (was bei seinem Lebenswandel nicht ganz von der Hand zu weisen ist).

Einer, der die Trennung von seiner Frau und damit auch in weiten Teilen von seiner Tochter Emma ebenso noch verarbeitet, wie die Tatsache, dass der Vizepolizeidirektor Jens Jenssen der „Neue“ an der Seite seiner Frau ist.

Alkohol, Haschisch in erklecklicher Menge, das bringt ihn aktuell durch die Tage. Ein Zustand, der nicht unbedingt zu seiner Beliebtheit unter den Kollegen beiträgt, neben seinen ständig offenen Worten, seiner arrogant wirkenden Art und seiner Verbissenheit, die Freund und Feind gleichermaßen fordert.

Und dennoch zieht dieser Axel seine Schlüsse. Anders als die anderen, Sieht Verbindungen, wo andere nicht hinschauen (oder nicht hinschauen wollen). Und kommt jemandem auf die Sour, den es offiziell in Dänemark einfach nicht gibt: Einem Serientäter.

Aktuell ist eine junge Frau brutal vergewaltigt worden und Steen sieht mehr und mehr alte Fällte, in denen das gleiche Schema vorliegt. Darunter den einen Fall, der ihn fast den Verstand und letztendlich doch die Ehe gekostet hat.

Marie, die vor vier Jahren tot aus einem kleinen See mitten in der Stadt geborgen wurde. Ein Fall, in den Stehen sich manisch hineingesteigert hatte und den er dennoch nicht lösen konnte.

Doch nun sieht er Licht am Ende des Tunnels. Licht, das noch mehr Opfer kosten wird. Ermittlungen, die ihn enger mit Jenssen zusammenführen werden, als er das je wollte.

Ein „kaputter Ermittler“, das ist nicht unbedingt neu in der aktuellen Thrillerliteratur (in der selbst James Bond begonnen hat, vor psychischen Abgründen nur zu strotzen). Und auch wenn es Stein gelingt, seinem Axel Steen besondere Züge und eine ganz eigene Art mit auf den Weg zu geben, überraschend neu ist weder der „Abgrund im Ermittler“ noch die Struktur des Falles, den Stein vor den Augen des Lesers entfaltet.

Andererseits erzählt Stein durchaus mit Tempo und, an den entsprechenden Stellen, auch mit harter Action (wobei der Schluss des Buches hier vor allem im Verhalten Steens unrealistisch zu weit geht). Die überraschenden Wendungen, die zur Auflösung der Fälle dann führen werden, wirken am Ende etwas künstlich gestaltet und bieten neue Wendungen und Hintergründe, die lange Zeit im Buch nicht unbedingt angelegt waren.

Unterhaltsam allerdings ist dieser neue Fall von Axel Steen durchaus und bietet durchaus ausgereifte, spannende Szenen (mit einem mittlerweile leicht „Fußlahmen“ Ermittler), wenn auch die ein oder andere Länge und die zu abrupte Auflösung nicht vollständig befriedigen.

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50

19.02.2015

„Fremde Welten”


„Die halbe Stadt wird mit Dieselgeneratoren betrieben, und Nigeria ist einer der führenden Rohölproduzenten weltweit. Die Unterversorgung ist völlig unerklärlich“.

Wie auch so manches andere von dem, was der Mann in seiner ursprünglichen Heimat erlebt.

„Bei Dunkelheit schweifen die Gedanken weiter ab als am Tag“ und nicht selten streift er bei Dunkelheit durch Lagos, die pulsierende, gefährliche, rückstündige, weitsichtige, von Menschen und deren Geschichten durchzogene Stadt.

Will er ganz zurückkehren? New York hinter sich lassen, sich dieser Welt zwischen Moderne („Wir haben gute Banken“) und Rückständigkeit („Wir haben schlechte Krankenhäuser“) wieder ganz stellen? Lebendig auf jeden Fall ist das, was ihm begegnet. Voller Energie, voller innerer Erlebniswelten sind die Menschen und deren Geschichten du Gedanken, neben einer dennoch öffentlichen Lethargie, in der wenig wirklich gut oder effizient funktioniert in Stadt und Land.

„Die kleine Straße mit ihrer offenen Kanalisation und den durchgerosteten Dächern besitzt eine Würde….die Anwohner dienen schlicht dem Leben“.

Mit solche klaren und einfachen Sätzen durchzogen bietet Teju Cole einen ungeschminkten Blick auf Vordergrund und Hintergrund der Gegenwart in Nigeria. Auf die offenkundigen Schwächen des technischen Standes des Landes und der öffentlichen Verwaltung, die weitgehend nur aus Korruption zu bestehen scheint (was von der ersten Seite an klar wird) und daneben auf die Individuen, die Kraft des Lebens in oft misslichen Umständen. Menschen, die ihren Tag bestehen und überstehen wollen und Sehnsüchte in sich tragen, die im Buch stets im Hintergrund und nicht selten ausgespro9chen vordergründig mitschwingen.

Und dennoch, Seite für Seite mehr ersteht vor dem Leser das Bild eines Landes und von Menschen, deren Kräfte zu verpuffen scheinen. Gewalt, Mangel, das Verrotten des Landes und seiner an sich bereits kaum mehr vorhandenen Infrastruktur, dieses „Jeder ist sich selbst (allein) der Nächste“ und versucht, seinen kleinen Dollar auf jede erdenkliche Art (vor allem mit der Drohung von Gewalt) zu ergattern.

Eine mangelnde Würde, ein nicht vorhandener sozialer Zusammenhalt „im Großen“, den Cole nüchtern und klar konstatiert. Dessen Kontraste er in der Person seiner Hauptfigur scharf gegeneinander abgrenzt.

Der Mann, der in New York lebt, im Grunde „klare zivilisierte Verhältnisse“ kennt und schätzt und der nun täglich sich an der „inneren Heimat“ bricht.

In klarer Sprache, mit einem faszinierenden Blick für das kleine Detail und die Erstellung einer dichten Atmosphäre führt Cole in diesem schmalen Roman den Leser mühelos in eine „archaische Gegenwart“, die den Blick öffnet und die Probleme der „dritten Welt“ (nicht nur Nigerias) präzise und emotional treffend offen legt. Und das nicht ohne die Kraft und mögliche Schönheit durch einzelne Menschen zu unterschlagen.

dvd

Arne Dahl Vol. 02

Tova Magnusson-Norling

EUR 29,99 *
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50

19.02.2015

„Vor allem in der ungeschnittenen Fassung zu empfehlen”


Zwei Folgen der Verfilmung der „A-Team Thriller“ Dahls sind auf dieser vier DVD´s vereinigt.
Ältere Thriller zwar, aber wie bei Dahl üblich sind die zugrunde gelegten gesellschaftlichen Themen langfristige Themen, die gerade in der Gegenwart hoch aktuell daher kommen.

Sei es die Asylantenfrage in „Rosenrot“, sei es der Menschenhandel mit jungen Frauen und die Kriegsverbrecherfrage der NS Zeit, beidee Themen sind auch heute noch „up to date“.

Beide Verfilmungen kommen in zwei Fassungen daher. Zum einen je die 90 minütige Fernsehfassung und zum anderen die (deutlich längeren) ungeschnittenen Fassungen.
Diese vor allem Sind dem Zuschauer ans Herz zu legen.

Dahl arbeitet vielfach mit Dialogen, mit feinen psychologischen Nuancen und legt in seinen Thrillern (neben den eigentlichen Fällen), hohen Wert auf die stetige Entwicklung seiner Ermittler unter den Forderungen des persönlichen und beruflichen Erlebens.

Naturgemäß konzentriert sich die jeweilige Fernsehfassung durch ihre Kürze eher auf den jeweiligen Fall. Die Breite des Teams, die Perspektivwechsel, die Dahl in seinen Büchern weidlich nutzt, die innerer Spannung, die erst durch diese intensive Beschäftigung mit den Charakteren aufkommt wird in den kürzeren Fassungen eher nur angedeutet. Da nun Dahl zwar auch „Action kann“, diese aber sehr dosiert einsetzt, treten gerade bei den Kurzfassungen eher Längen und „zu wenig, was passiert“ auf, als bei den beiden organisch einheitlicher wirkenden Langfassungen.

Wer einfach nur einen ruhigen, guten und intelligenten Krimi mit überraschenden Wendungen (aber auch einer sehr ruhigen Erzählweise) erleben möchte, der ist sicherlich auch mit den beiden 90minütern gut bedient (wenn auch nicht umwerfend begeistert).

Wer Dahl als Autoren schätzt und sich an die Schauspieler dann auch gewöhnt hat (die in manchen Bereichen in der Besetzung nicht auf Anhieb dem Bild entsprechen, das aus den Büchern gewonnen wird und zudem in Teilen sehr altmodisch und „unflott“ gekleidet daherkommen), der wird in erst den beiden Langfassungen der Fälle mit ihren Perspektivwechseln und der ausführlichen privaten Seite der Ermittler „seinen“ Dahl sehr4 gut umgesetzt wiedererkennen.

So ist es ein wichtiger Vorteil dieser DVD Kompilation, die Verfilmungen in beiden Fassungen in guter Qualität zu beinhalten.

Ruhig, stetig, mit weniger Action, dafür intelligente Zusammenhänge herstellend, bietet auch die Filmfassung der Thriller beste Unterhaltung für den Zuschauer, der die ruhige und hartnäckige Ermittlung von vielen Seiten her zu schätzen weiß.

buch

Die Melodie der Geister

Xavier-Marie Bonnot

EUR 21,95 *
auf Merkliste

40

19.02.2015

„Totem und Tabu”


Ein toter, alter Gelehrter in seinem Haus mit einem Loch in der Stirn, wobei es bei der Mordwaffe eine faustdicke Überraschung geben wird.

Primitive Kunst in Form von Masken und kunstvoll hergerichteten Schädeln von Feinden.

Dr. Delorme, der Tote, war als jüngerer Mann mit einem Vertrauten auf Reisen. Weit weg von der Zivilisation in Neuguinea, bei den Papua mit ihren harten und kriegerischen Bräuchen.

Hat der ermordete Mann dort etwas aufgerührt, was nun, Jahrzehnte später seinen Tribut fordert? Oder ist er „nur“ ins Fadenkreuz moderner Krimineller geraten, die über den Hafen in Marseille diese teure Kunst in alle Welt verschieben?

Was aber hat es mit diesem Flötenklang auf sich, der bedrängend und bedrohlich durch das Haus erklingt, als der Kommissar Michel de Palm, der „Baron“ als erster am Tatort sich einfindet und alleine erste Spuren sichert.

Die „Melodie der Geister“ und das Wissen um alte Flüche, beschworene Kräfte, um „Totem“ und „Tabus“ wird de Palma den gesamten weiteren Fortgang des Falles hin immer wieder begleiten, bis er, ganz am Ende, dem Täter gegenüberstehen wird.

Neben einem durchaus verwickelten Fall und immer wieder Eindrücken der pulsierenden, leicht heruntergekommenen Stadt Marseille mit ihren vielen gefährlichen Ecken (der Mord an Dr. Delorme wird bei weitem nicht der letzte Mord im Buch bleiben) führt Bonnot den Leser immer wieder erzählerisch und sachkundig ein in die Welt der Papua. Eine Welt, die in der Gegenwart nicht mehr besteht, die durch intensive Missionierung fast vollständig zerstört wurde und doch aus alten Zeiten noch in die Gegenwart hinein wirkt.

Immer wieder lässt Bonnot seinen Kommissar im alten Logbuch der Expedition lesen und rückt so die ersten Kontakte zu dieser „Ur-Welt“ und diesem „Ur-Volk“ mit in den Mittelpunkt des Interesses.

Hier und da wirkt dies ein wenig zu sehr den Ablauf der Ermittlungen unterbrechend, das ein oder andere Puzzlestück der Auflösung des Falles kommt dabei zu abrupt, manchmal zu zufällig daher, wie auch die Liebesgeschichte des Kommissars doch zu unverbunden und wie nebenbei mit abgehandelt wird.

Dennoch ein spannendes Leseerlebnis und ein interessanter Einblick in die Welt der „primitiven Kunst“ und ihres Ursprungs, in dem Bonnot seine Figuren vielschichtig und fassbar anlegt. Und zugleich die Widerlegung der alten Theorie Freuds der Gleichsetzung von Urvolk und Unbewusstem dem Leser ebenso nahe bringt.

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40

13.02.2015

„Wenn die eigene Welt zerbricht”


1975 übernahmen die Roten Khmer die Herrschaft in Kambodscha. Wie so oft nach einer „Revolution“ bedeute dies ein drastische Veränderung nicht nur der Herrschaftsverhältnisse, sondern auch des Alltags. Mitsamt dem, was an Aggression und Rache gegenüber dem „verhassten Regime“ sich nun Bahn brach und der „Umerziehung“ eines ganzen Volkes, das in den nächsten Jahren in aller Härte anstand. Einschnitte, welche die Familie der kleinen Raami umfassend betreffen wird.

Ereignisse, die fast die Regel sind in so vielen Ereignissen der „Umwälzungen“, von Vietnam über Korea bis eben, in diesem Buch, Kambodscha. Ereignisse, die eine frappierende Ähnlichkeit besitzen mit solchen, wie sie u.a. Akbar Omar in der „Festung der neun Türme“ erzählt..

Beide Grundgeschichten ähneln sich im Übrigen auch in den Voraussetzungen. Die Flucht einer gutsituierten Familie, die Bedrängung durch die Revolutionssoldaten. Auch Raama erlebt beim gedrängten, hastigen Aufbruch nur mit dem, was die Hände tragen können, bereits die erste Erschießung, Beiläufig, wie nebenbei. Ein alter Mann, der nicht pariert, der nicht schnell genug ist, wird am Wegesrand kurzerhand erschossen.

„Ein neuer Tag ist angebrochen, Genossen Brüder und Schwestern.
Tragt die revolutionäre Flagge voller Stoltz. Reckt das Gesicht dem glorreichen Licht der Revolution entgegen.“

So die Propaganda. Die Realität war Massenmord, Gefangennehme, Umerziehung, Lager, ständige Bedrohung des Leben für jene, die die ersten Tage überhaupt überlebten.

Raama in ihrem kindlichen Gemüt baut all diese Ereignisse zunächst über weite Strecken hinweg in fantasiereiche Geschichten hinein.

„Du musst „der Dunkle“ sein“, so begrüßt sie den ersten Soldaten der Khmer. Eine Art des Umgangs mit den Ereignissen, die ihr lange Zeit „über den Tag“ helfen, die aber im Anblick von Tot und Not mehr und mehr im Lauf der Erzählung zerbröseln werden. Wie auch ab einem bestimmten Punkt die Gedichte ihres Vaters, die lange Zeit Trost und Weltdeutung zugleich für Raam beinhalteten, ihre Tragkraft verllieren werden.

Und dennoch geht Raama ihren Weg durch diese Zeit, überlebt. Oft mit Glück, manchmal mit kindlicher Weisheit, oft durch Hilfe von anderen.

In Sprache und Stil ist dieser autobiographische Roman eher einfach gehalten, der Protagonisten in der Form angepasst. Und beschäftigt sich in weiten Teilen mit dem inneren Erleben Raamas und weniger mit jener brachialen Gewalt und Unterdrückung, die massiv im Raum stand in jenen Jahren. Öfter erschließt sich erst in den Geschichten Raamas das Geschehen und eine treffende Reflexion des jungen Mädchens, in der sie immer wieder die Kraft für den nächsten Schritt findet.

Eine empfehlenswerte, atmosphärisch dichte Lektüre, an deren Ende wieder einmal die Unsinnigkeit und der menschliche Preis aller fanatischer Ideologie offen im Raume steht.

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