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Archaische Sitten in der modernen Welt

Michael Lehmann-Pape , am 29.07.2016


„Sie wollte nicht sterben. Nicht so. Nicht, ohne irgendetwas versucht zu haben“.

Wobei die Situation des Prologs, in der der Leser die Top-Anwältin Rachel Eisenberg antrifft, alles andere als aussichtsreich ist und ihr Ableben einfach unmittelbar bevorzustehen scheint.

Wie aber kam Eisenberg in diese schwierige, gefesselte Situation?

Hierzu nutzt Föhr ein geschicktes, ineinander fließendes, zeitlich Versetztes Puzzle aus verschiedenen Perspektive, in dem der Leser zunächst mit vielen Fragen und Unklarheiten konfrontiert wird, die sich zum Teil erst ganz am Ende lösen werden.

Eisenberg selbst wird durch einen Mord in München in den Fall langsam, aber sicher hineingezogen. Denn der Obdachlose, der als dringend Tatverdächtiger festgenommen wird und die anderen Umstände des Mordes versprechen zunächst zwar kein hohes Honorar (eine Pflichtverteidigung), aber jede Menge Presse. Und noch andere Gründe werden es sein, die Rachel Eisenberg am Fall interessieren und innerlich dabei halten werden.

Während sie ihre getrennte Ehe noch einmal überdenken wird (in malerischer Kulisse am Garda-See) und das Verhältnis zu ihrer 15-jährigen Tochter ebenfalls unter neuem Licht erleben wird (wenn gemeinsam ermittelt wird).

Was jener ominöse „Retter“ einer jugendlichen Obdachlosen, einige Polizisten an der bayerischen Grenze und ein ehemaliger Lebensgefährte Eisenbergs miteinander zu tun haben könnten (gegen jeden Augenschein) oder ob das alles doch getrennte Ereignisse getrennter Personen sind, das sind die Fragen, die Föhr dem Leser lange geschickt vor Augen hält.

Das einiges Zusammenhänge dann doch recht erzwungen wirken und das das Grundmotiv hinter all den Verstrickungen, Gefährdungen, dem Mord und einem widerrufenen Geständnis am Ende ein wenig schwach auf der Brust wirkt, um solche Folgen nach sich zu ziehen, irritiert zwar hier und da ein wenig, wird aber durch die differenzierte Zeichnung der Figuren und das weitgehend zügige Tempo des Romans (fast) wettgemacht).

Wie Rachel Eisenberg auf dem Schulhof einem „kleinen“ Macho „Beine macht“, solche Szenen sind es, in denen Föhr die kühle und taffe Qualität seiner neuen Ermittlerin unmissverständlich vor Augen führt.

Dazu (eher am Rande) ein ebenso unterhaltsamer wie anregender Einblick in das deutsche Gerichtswesen, das Lokalkolorit in der „Bar Juve“ und die Hartnäckigkeit beim Aufklären des Falles finden zu einer gut lesbaren Melange zusammen.

Das dann ein Beweisstück vom Vater der Toten zwei Fremden „einfach so“ in die Hand gedrückt wird, das weitere Anschläge wie beiläufig stattfinden (manches dabei eher unglaubwürdig, vor allem, weil sich hier und da Eisenberg unmittelbar in der Nähe befindet) und das ein Kater nicht unwichtig für den weiteren Verlauf der Dinge sein wird, wirkt zwar nicht sonderlich realistisch, befördert aber das Tempo an den entsprechenden Stellen.

Alles in allem eine anregende, interessante Unterhaltungslektüre, in der Föhr sich neuen „Welten“ mit einer neuen Hauptfigur zuwendet.

Eisenberg
von Andreas Föhr
(12)
Buch
14,99

Teils hartes Katz- und Maus Spielt mit Längen

Michael Lehmann-Pape , am 29.07.2016


Rick Bentz und Reuben Montoya stehen für ein Ermittlerduo der Unterschiedlichkeit. Impulsiv und cool, „normal“ und exotisch (zumindest, was den unterschiedlichen Kleidungsstil betrifft). Und beide sehen sich zwei unterschiedlichen, dennoch wichtigen Fällen gegenüber.

„Vater John“ ist wieder aktiv. Jener gern als Priester verkleidete Serienmörder, der Prostituierten einen ganz besonderen Rosenkranz zum „beten“ nahe bringt.

Und ein Zwillingspaar, zwei junge Frauen, sind verschwunden. Am Tag vor ihrem Geburtstag, dem der Volljährigkeit, dem 21 Geburtstag.

Erinnerungen werden ach an den „21-Mörder“. Doch dieser wurde doch gefasst, sitzt sicher hinter Schloss und Riegel?

Wer nun aber erwartet hätte, dass das Ermittlerduo durch den Thriller hinweg begleitet wird bei der Verfolgung beider Fälle, sieht sich über lange Strecken des Romans allerdings viel eher der Psychologin Brianna Hayward gegenüber.

Diese ist ebenfalls ein Zwilling, ihre Schwester wurde vor Jahren ermordet, eine ganz besondere Therapiegruppe, die von Zwillingen, denen je einer oder eine durch den Tod genommen wurde, ist ihr wichtig. Und ebenso eine ihrer besten Freundinnen nun ist betroffen. Denn deren Töchter sind es, die aktuell nicht mehr aufzufinden sind.

Während Jackson nun aus den verschiedenen Perspektiven erzählt und dies vor allem aus der Sicht der beiden gefangen gehaltenen Schwestern hochspannend und teils hart den Leser in Atem hält, sind andere Passagen doch teils arg lang geraten.

Natürlich wird das Familienleben von Brianna auch am Ende eine Rolle spielen, doch hier benötigte der Leser nicht soviele Informationen, wie ihm seitenlang gegeben werden. Zuungunsten von Bentz und Montoya, deren Part mit einigen Wiederholungen (Beschreibungen der Kleidung Montoyas und des „neuen“ Familienlebens von Rick Bentz) im Sinne von spannenden Ermittlungen zu kurz kommt.

Dennoch gilt: „Es sah ganz danach aus, als wären zwei seiner schwierigsten Fälle – die er beide gelöst zu haben glaubte – plötzlich wieder offen“.

Aber wer ist der Entführer, wenn es nicht jener ist, der im Gefängnis sitzt?

Da wird den Leser eine faustdicke Überraschung am Ende erwarten, die allerdings nicht sonderlich realistisch und auch ein wenig das Thema überziehend wirkt. Nach einigen Längen auf dem Weg zur Lösung.

Trotz mancher Längen und Schwächen, der eigentliche Fall, vor allem, wenn er aus der Perspektive der direkt Beteiligten erzählt wird (auch „Vater John“ darf auf einer „Exkursion begleitet werden) ist mit Tempo, Spannung und Härte erzählt und trägt ein ständiges Hin- und Her in sich, dass zu überzeugen versteht. Und gut zur klaren und einfachen Sprache des Thrillers passt, der in entsprechenden Szenen das Blut durchaus auch spritzen lässt.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Guilty - Doppelte Rache / Detective Bentz und Montoya Bd.8
von Lisa Jackson
(5)
Buch
14,99

Landpartie

Michael Lehmann-Pape , am 25.07.2016


So richtig gefestigt ist sie noch nicht, die Beziehung, die Liebe zwischen den beiden Polizeibeamten Tom Thorne und Helen. Aber Tom ist bereit, sich zu investieren. Und das ist gut so, erst mal. Soweit zu investieren, dass er seine Abneigung gegen „das Land“ überwindet für einen Kurzurlaub mit Helen.

Wobei Shoppen, Wandern und Stöbern in Antiquitätengeschäften ihm nicht vorkommen soll. Was Helen weiß. Und deshalb die Wanderschuhe nur heimlich einpackt.

Doch all die Versuche der Entspannung und vielleicht sogar der „Bekehrung“ Toms zum ländlichen Vergnügen werden jäh unterbrochen.

Im Heimatort Helens sind zwei Mädchen verschwunden. Nicht lange danach wird ein Mann festgenommen unter dringendem Tatverdacht. Der Mann einer alten Freundin von Helen aus Schulzeiten. Umgehend schlägt die Stimmung um, fast manisch drängt Helen zum Aufbruch, der alten Freundin beistehen.

So reisen Tom und Helen in den kleinen Ort.

Allerdings, warum ist Linda, die „alte Freundin“ eher überrascht von dieser damaligen Freundschaft und Helens auftauchen? Warum ist die Laune von Helen so schwankend und warum hat Tom das Gefühl, an Helen gar nicht mehr wirklich heranzukommen?

Zeit hat er zumindest jetzt genug. Und, auch das wird sich wieder einmal zeigen, ruhig am Rande stehen und wichtigen Ermittlungen zusehen, das kann er nicht. Zu sehr ist ihm das „Ermittler-Gen“ eigen.

Im Pub beginnt es. Die ersten Gespräche mit dem Betreiber, einem ehemaligen Polizisten. Bei seinem Kollegen, dem Leiter der Ermittlungen (und, wirklich zu häufig erwähnt, begeistertem E-Zigarettenraucher) endet es noch lange nicht.

Denn zumindest eins der Mädchen könnte noch am Leben sein. Irgendwo. Aber wie lange noch? Und warum sieht niemand sonst die Ungereimtheiten in der Beweislage? Schicht für Schicht deckt Tom auf, was geschehen sein könnte. Freut sich über das Kommen seines exotischen Freundes und Pathologen aus London und dringt tief in die Verstrickungen auch der Vergangenheit des kleinen Ortes ein.

Flüssig und in einfachen Sätzen, das heißt auch durchaus mit Tempo, lässt Billingham Tom Thoren sozusagen „von der Leine“ (was andere, vierbeinige Protagonisten im Buch verwehrt bleibt, was eine wichtige Spur ergeben könnte).

Das zwei Polizisten im Urlaub ohne Ermittlungsauftrag und ohne Zugehörigkeit zur örtlichen Polizei so einfach in die „Mitte des Geschehens“ dann gelangen, Zugang erhalten, Tom gar Akteneinsicht erhält, das wirkt allerdings außerordentlich unrealistisch, dient aber der Aufklärung des Falles, die für eine ziemliche Überraschung sorgen wird. Auch, was die plötzliche Launenhaftigkeit von Helen angeht. Denn hinter dem aktuellen Verschwinden der beiden jungen Mädchen lassen sich auch alte, nie vergessene Geschichten finden, die das Ganze sehr persönlich werden lassen.

Alles in allem ein zwar einfach verfasster und in den Personen hier und da sprunghafter Thriller (was einen lyrischen Koch angeht, zum Beispiel), aber eine stringente Unterhaltung in einem in sich logischen Fall bereitet durchaus anregendes Lesevergnügen.

Zeit zum Sterben
von Mark Billingham
(5)
Buch
12,99

Erlebnisse digital erzählen

Michael Lehmann-Pape , am 04.07.2016


„Wie können wir digitale Medien nutzen, um durch deren Besonderheiten eine einzigartige Erlebniswelt aufzubauen“?

Das ist die Leitfrage der beiden Autoren, die zwar (in aller Kürze) einen Hinweis auf Erzähltraditionen geben, die aber vor allem diese Grundlagen des Erzählens konsequent in die Besonderheiten der digitalen Welt einbauen.

„Integration, Verfügbarkeit, Vernetzung und Interaktivität“ sind Elemente, die zwar im Einzelnen hier und da auch im Rahmen anderer Medien (man denke an analoge Rollensiele im Print-Bereich), aber in dieser Klarheit und Eindeutigkeit der vier Elemente alleine in der digitalen Welt nutzbar vorliegen. Und mehr und mehr, darauf lässt auch die Lektüre dieses schmalen Bandes schließen, erhält das digitale Storytelling eine überragende Funktion im Gesamtbild der „corporate identity“ einer einzelnen Person oder, vor allem, eines Unternehmens.

Im krassen Gegensatz zu dieser steigenden Bedeutung (allein schon daran zu sehen, das oft Erstinformationen über unternehmen und/oder Sachverhalte umgehend digital „gegoogelt“ werden) steht (noch) die recht dürftige Praxis, gerade die Elemente des Storytellings aktiv und konzentriert für den eigenen Auftritt und das eigene Image zu nutzen. Und somit auf eine der aktuell besten Möglichkeiten der Selbstdarstellung und des Transports wichtiger Gedanken zu verzichten oder diese nur in minderer Qualität zu vermitteln.

Da wird vielleicht die Technik ausgereizt, aber die Geschichte kommt zu kurz oder ist langweilig und belanglos, weil nicht die User und deren Flow genügend beachtet werden. Auf Webseiten werden keine verbindenden „Welten“ geschaffen, sondern einzelne Elemente vornehmlich nebeneinander dargestellt.

Ein Mangel an Ausreizung der Möglichkeiten, dem die Autoren kompetent entgegenwirken.

Sowohl die Besonderheiten einzelner Techniken (Augmented Reality, QR-Codes u.a.) als auch die Konzentration auf das Potential einer Geschichte an sich stehen gleichwertig und praxisnah im Buch nebeneinander, um daraus Erlebnisse aufzubauen und diese kontinuierlich weiter zu entwickeln.

„Gute Geschichten sind ein großartiges Erlebnis“.

Das gilt, seitdem es Menschen und damit Geschichten und Austausch gibt. Aber eine „gute Geschichte“ will ebenso gut vorbereitet sein und an das konkrete Medium des „Transportes“ bestmöglich angeglichen werden.

Die Vielfalt der technischen Möglichkeiten ist da, wie es Schritt für Schritt gehen könnte, das vermittelt dieses Buch. Auch in der Form dem Anliegen entgegenkommend mit vielen „Geschichten“ und einem lockeren, aber nicht rein legeren Sprachstil.

Für all jene zu empfehlen, die sich dem Bereich des digitalen Storytelling grundsätzlich informativ nähern wollen und erste, eigene Schritte möglichst schnell knapp, aber verständlich angeleitet gehen möchten.

Digital Storytelling
von Dieter Georg Herbst
(1)
Buch
14,99

Vielfache praxisorientierte Informationen und Instrumente

Michael Lehmann-Pape , am 04.07.2016


Klar ist, dass ein erfolgreiches Arbeiten im Rahmen der Public Relation immer du grundsätzlich zum Erfolg ein möglichst breites Netzwerk benötigt. Und das kann ein solches Buch natürlich nicht liefern und das kann ebenso auch nicht durch eine Lektüre umgehend hergestellt werden, das Netzwerken ist eine Aufgabe von langer Zeitdauer, das muss dem Leser vorher klar sein.

Was aber Marion Steinbach ihrem Crashkurs vereint sind nicht zuletzt Bausteine, Hinweise Praxisbeispiele, die eine Fülle von Anregungen für das Feld der Public Relations bilden und dabei Ideen und Methoden gerade zum Aufbau eines eigenen Netzwerkes direkt und indirekt nicht zu kurz kommen.

Seien es die klaren und breit erläuterten Vorgaben für die „Zusammenarbeit mit Journalisten“, um ein Gefühl für die „richtige Dosis“ zu entwickeln, Zielrichtung statt Gießkanne zu entfalten und, vor allem eben, Kontakte aufzubauen und zu pflegen, man spürt, dass hier eine erfahrene Person aus der Praxis spricht. Die ebenso den Umgang mit kritischen Journalisten hilfreich im Buch behandelt, wie klare und prägnante „Dos und Don´ts“ im Umgang mit der Presse auf den Punkt bringt.

Seien es Print-Medien, sei es die Online Präsenz, die Basics des „Wie“ finden breit Platz in diesem eher schmalen Band und eine ganze Reihe von Webseitenbetreibern würden hier fündig werden im Sinne einer klaren Navigation, einer aufgeräumten Website und, immer wieder, das Wesentliche benennend, die User-Freundlichkeit als oberste Priorität.

Wie das geht, auch im Einzelnen, mitsamt einem Schnell-Check für die eigene Internetpräsenz wird klar und deutlich ausgeführt, so dass der Leser (nicht nur) bei diesem Thema umgehend praktisch tätig werden kann.

Das neben dem „Netzwerk nach draußen“ auch die interne Kommunikation zu stimmen hat, wird leider auch manches Mal gerne vergessen. Sowohl die interne Kommunikation wie auch, wenn es dann richtig eng wird, die Krisen-PR sind weitere Schwerpunkte der Darlegungen im Buch.

„PR ist nicht auf den kurzzeitigen und schnell zu erreichenden Erfolg ausgerichtet. Vielmehr geht es darum, nachhaltige und langfristige Beziehungen aufzubauen, Themen zu besetzen und die Reputation des Unternehmens zu sichern“

PR als „langfristiger und offener Dialog“, verbunden mit den gewichtigen Basics, die Steinbach vermittelt, bieten insgesamt eine Perspektive, in der dieses Buch einen gute und wichtigen Eckpunkt zu bieten vermag.

Crashkurs Public Relations
von Marion Steinbach
(1)
Buch
24,99

Mischung zwischen Screwball und ausufernder Erotik

Michael Lehmann-Pape , am 24.06.2016


Deftig, das kann man auf jeden Fall über die Offenherzigkeit dieses Erotik-Romans sagen.

Und zwar durchgehend, von der ersten bis zur letzten Seite beschäftigen sich vor allem die beiden Hauptfiguren, Jonas und Sarah, mit der Erkundung des eigenen Körpers und, später, des Körpers des jeweils anderen in allen Facetten.

Vom „Selber Hand an sich legen“ bis „den ersten Orgasmus des Lebens erleben“, und das in vielfachen Varianten sexueller Stellungen und Techniken bietet Lauren Rowe (fast) alles, was eine offene und zentrale Erotik ausmacht.

Und das, interessanterweise, ohne dass der Leser grundlegend sich ausschließlich in einen pornographischen Roman versetzt fühlt.
Denn dieses Spiel (aus den Perspektiven beider Protagonisten abwechselnd dargestellt) zwischen forsch-frechem Mann und widerborstig erscheinender (aber innerlich längst „entzündeter“ Frau), so alt und bekannt wie es ist, funktioniert auch in diesem Roman wieder einmal ganz gut.

Dass dabei das Klischee bedient wird, dass nur „der Richtige“ kommen muss, damit Sarah als ja durchaus bereits erwachsene Frau „endlich“ tiefe Lust spürt (und diese laut Herausstöhnen und -schreien kann) ist allerdings zu sehr vorhersehbar. Wie auch der „Thriller-Anteil“ über die Geschäfte jenes „Clubs“ (eine Erotik-Partnervermittlung mit exorbitanten Mitgliedspreisen) eher als im Hintergrund laufendes „Beiwerk“ gekennzeichnet werden kann.

Im Vordergrund ist und bleibt die explizite und frisch wirkende Darstellung erotischer Gefühle und stringenter sexueller Begegnung. Mit einer gewissen Tiefe dann, wenn sich beide nicht nur ihren Fantasien (je für sich) hingeben, sondern auch emotionale Hintergründe, gerade bei Sarah, in den Blick geraten.

Ein wenig bedauerlich ist, dass die Frage „bekommt er sie oder nicht“ viel zu früh bereits emotional geklärt ist und damit das „sich Sperren“ Sarahs ein wenig aufgesetzt wirkt.

Aber was soll man als Frau auch machen, wenn da ein hoch attraktiver, natürlich reicher und selbstbewusster Mann daherkommt, der dann auch noch als sein höchstes Ziel nicht die eigene Befriedigung, sondern eben die seiner jeweiligen Sexualpartnerin (und davon gab es viele) in den Mittelpunkt stellt?

„Ich liebe Frauen. Ich liebe es, mit ihnen zu schlafen. Und am liebsten mag ich es, sie zum Orgasmus zu bringen“.

Nun ja, zumindest wird im Lauf des Romans deutlich, was die Autorin zu schätzen weiß (oder wüsste).

Alles in allem klar und prägnant geschrieben, erotisch durchaus (und manchmal überaus) anregend. Ein Stil, der Tempo beinhaltet und wenig Tabus zulässt, dies aber so offenherzig vollzieht, dass es durchaus Spaß macht, den beiden Protagonisten in dieser Hinsicht zu folgen.

Wobei es vor allem gelingt, das innere Lust-Erleben der Beiden auf den Punkt dem Leser zu vermitteln.

The Club 01 - Flirt
von Lauren Rowe
(15)
Buch
12,99

Spannend, aber etwas konstruiert wirkend

Michael Lehmann-Pape , am 16.06.2016



„Energisch bringt er seine grauen Zellen in Gang. Versucht sich zu erinnern, wie er hierhergekommen ist. Vergebens“.

Kommissar Benoit Lorand. Erfolgreicher Ermittler. Ein „kleiner Star“ seiner Abteilung. Ein attraktiver Mann. Verheiratet. Ein Sohn. Und viele, viele Frauen, die seinen Weg säumen, durchaus auch neben seiner Ehe. Eingesperrt in einem Gefängnis in einem Keller irgendeines Hauses.

Aber warum? Warum er? Und, vor allem, womit hat genau er das verdient, dass seine „Wärterin“ ihn mit allem quält, was ihr in den Sinn kommt (und es kommt ihr viel in den Sinn, wie der Leser im Lauf der Lektüre feststellen kann).

Kälte, keine Nahrung, nur ein wenig kaltes Wasser, Tag für Tag wird er malträtiert, soll er gestehen. Wenn er nur wüsste, was.
Was aber letztlich auch egal ist, denn er weiß, wenn er gesteht, ist er umgehend tot. Trotz seiner aussichtslosen Lage, immerhin atmet er noch, kann Pläne schmieden, vielleicht ergibt sich ja eine Chance. Wenn auch die Aussichten von Tag zu Tag weniger werden, sein Körper immer schwächer wird und die „Behandlung“ massive Spuren hinterlässt.

Währenddessen seine Kollegen fieberhaft nach ihm suchen, aber einfach keine Spur, keinen Ansatz in die Hand bekommen.

Und der Leser auch feststellen wird, dass so manche seiner Bekannten und Kollegen, selbst seine Frau, nicht immer die besten Gefühle für ihn hegen und zudem auch eigene Geheimnisse mit sich tragen.

Die Qual des Gefangenen ist das eine, das den Leser im durchaus hohen Tempo des Thrillers emotional mit hineinzieht, die Frage, wer denn hinter all dem Stecken könnte und worum es wirklich geht bildet den anderen Faden, der neugierig hält bis fast ganz zum Schluss.

Einige der „Techniken“ dann, die als Methode dieser Entführung und Folter zugrunde liegen sind allerdings nicht sonderlich realistisch gewählt (auch wenn manche Shows das Gegenteilt behaupten würden), die Motive der handelnden Personen zwar nachvollziehbar, aber letztlich ein stückweit überzogen in dem, was diese an Handlung nach sich ziehen.

Gut getroffen ist der allmähliche Verfallt Benoits, die zunehmende Schwäche, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Hervorragend gestaltet ist die Szene einer versuchten Flucht und die perfide Art und Weise, wie vorausgedacht wurde, diese zu verhindern.

Alles in allem eine solide und weitgehend spannende Unterhaltung in klarer Sprache und leicht zugänglichen Sprachbildern, die im Verlauf ein stückweit vorhersehbar wird, aber eine überraschende Auflösung bietet und ein eher ungewöhnliches Ende findet.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Du wirst nicht wissen warum
von Karine Giebel
(2)
Buch
9,99

Lässt ein wenig nach

Michael Lehmann-Pape , am 10.06.2016


War der erste Teil noch durchgehend und sehr überzeugend in einer apokalyptischen Welt nach dem Sterben aller Erwachsener und aller kleineren Kinder durch einen Virus angesiedelt und zog seinen Reiz dabei aus sehr spannend gestalteten Szenen des Überlebens in der „neuen Welt“, die in Clans sich aufteilt, so hat schon das Ende des ersten Bandes der Trilogie gezeigt, dass eben doch nicht „alle“ anderen Menschen tot und damit der Planet verwüstet ist.

In diesem zweiten Teil der „Young World“ Reihe führt Weitz neben dem Blick von „Innen“ (aus dem Bereich New Yorks, in dem die überlebenden Jugendlichen in ihrer eigenen Welt nach eigenen Regeln isoliert leben, nun in starkem Maße den „Blick von außen“ in die Geschichte ein.

Was ist passiert? Wie sieht es in der Welt außerhalb Amerikas aus? Was hat „die Seuche“ bewirkt in anderen Staaten und Kontinenten, wie hat sich die Haltung der Menschen geändert?

Und mittendrin wird natürlich, je aus den einzelnen Perspektiven erzählt, die Geschichte der Protagonisten (soweit sie noch lebendig sind) des ersten Teils weitererzählt und ausgeweitet.

Denn es stimmt nicht, was Donna zunächst vermutet, dass auf diesem Flugzeugträger zufällig Überlebende anzutreffen sind, die ebenso eine „Insel der Selbstversorger“ darstellt, wie es ihr Clan in New York getan hat.

Und auch Jefferson, der von Donna getrennt werden wird und nach New York zurückkehrt (mit deutlich weniger Informationen als Donna versehen), kann sich nicht sicher sein, ob er jener Gruppe vertrauen kann, die ihn „befreit“ hat. Denn tiefer liegende Motive und ein furchtbarer Plan sind hier am Werk, der für die gesamte Welt weitreichende Folgen haben wird, sollte er gelingen.

Was Donna irgendwann erkennen wird.

Aber ob und wie Donna und Jefferson wieder zusammenfinden, wer Freund und wer Feind ist, warum im Gebäude der Vereinten Nationen ein so wichtiger Fund zu machen sein könnte, all das entblättert Weitz in gewohnt hohem Tempo, kurzen Kapiteln und raschen Perspektivwechseln nach und nach.

Immer noch spannend, immer noch sehr klar im sprachlichen Stil, dennoch aber ein stückweit doch Schritt für Schritt sich auf einen eher „normalen“ Jugendthriller reduzierend. Die Faszination gerade der zerstörten Welt, das konkurrierende Verhalten der verschiedenen Clans in New York mit auch harter und brutaler Gewalt, das einen guten Teil der Faszination des ersten Teils ausgemacht hat mitsamt der Frage, was denn da eigentlich vorgeht, verliert in diesem zweiten Band erkennbar an Bedeutung.

Dennoch darf man gespannt sein auf den dritten Teil der „Young World“, denn natürlich bleibt am Ende des zweiten Bandes völlig unklar, wie denn eine Lösung des Problems in Reichweite gelangen könnte. Vor allem, weil der ein oder andere Tod doch massive Lücken reißen wird.

Nach dem Ende / Young World Bd.2
von Chris Weitz
(4)
Buch
18,95

Stringent, klar, kritisch

Michael Lehmann-Pape , am 10.06.2016


„Die Kleine sah aus wie Ärger auf Absätzen. Und trotzdem….sie hatte etwas Faszinierendes“.

Und dennoch hätte Boxer vielleicht auf seine Intuition, was den Ärger angeht, hören sollen.

Denn kaum haben sich nach den jüngsten Ereignissen die Dinge seines Lebens beruhigt, läuft seine Beziehung zu Isabel, geht es seiner Tochter Amy wieder einigermaßen, nach traumatischen Erfahrungen, lässt Boxer sich breitschlagen.

Auf zwei Fälle, eigentlich. Denn der Geliebte der ihm nahestehenden Mercy, ein Hehler, ist verschwunden. Was Mercy nicht unbedingt offenlegen kann, in ihrer hohen Position bei der Polizei wäre eine solche private Verbindung zugleich das Ende ihrer Karriere.

Zugleich nimmt Boxer den Auftrag dieses „Ärgers auf Absätzen“ an. Den Vater der „Kleinen“ zu suchen, ein bekannter Industrieller, der als IT Fachmann für allerhöchste militärische Kreise gearbeitet hat.

Und dann werden, einfach so, 6 Kinder entführt. Kinder einflussreicher, reicher, mächtiger Geschäftsleute. Und der Kontakt mit den Entführern zeigt auf, dass deren Haltung bretthart ist. So hart, dass schon mal 150 Millionen Euro in bar zum „Fliegen“ gebracht werden.

Und plötzlich wird auch Boxers engstes Umfeld mit hineingezogen. Was ihn konsequent und klar nun vollends auf den Plan ruft.

Auch wenn er sich um die neue Frau an seiner Seite und diese ominöse Video-Kassette seines schon lange verschwundenen Vaters eigentlich eher kümmern wollte.

Mit hohem Tempo, in einfacher, klarer Sprache und sehr stringent am roten Faden der Ereignisse entlang führt Wilsono nun seinen Boxer durch die Wirren der Entführung und der Suche nach Mercys Geliebtem.

Ebenso klar (und hart) streut Wilson jeweils Action und Auseinandersetzungen ein, bei denen wenig Gefangene gemacht werden. So ergibt sich eine Mischung aus Polit- und Actionthriller, der durchaus zu unterhalten weis (wenn man an manchen Stellen auch reichlich Blut und harte Gewalt verträgt).

Andererseits, ein wenig glatt, zu glatt laufen die Ermittlungen schon, ebenso, wie die Figuren (bis auf wenige Ausnahmen) eher stereotyp gezeichnet sind. Dass dabei jener „Ärger auf Absätzen“, Siobhan eine äußerst differenzierte Persönlichkeit darstellt und auch auf Seiten der Entführer nicht alles so „böse“ ist, wie es anfangs scheint, lockert das Geschehen zwar auf, führt zu überraschenden Wendungen, wirkt aber ebenfalls hier und da einfach auch sehr bemüht und „auf Psychologie“ hin gezwungen.

Das endgültige Motiv hinter all den Ereignissen und wie diese alle zusammenhängen ist ebenfalls nicht unbedingt zwingen, da hätte der Leser im Vorfeld doch mehr erwartet, als das Finale des Buches inhaltlich und als „Showdown“ dann tatsächlich hergibt.

Alles in allem dennoch gut geschrieben, routiniert entfaltet und mit einer klaren Gesellschaftskritik verbunden, die sich in diesem Thriller organisch gut einfügt.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Die Stunde der Entführer / Charles Boxer Bd.3
von Robert Wilson
(2)
Buch
16,99

Konkret und überaus auf die Praxis fokussiert

Michael Lehmann-Pape , am 09.06.2016


Mit langen Vorreden oder den weithin bekannten zunächst theoretischen Einführungen halten sich, was dieses Buch mit diesem Ziel angeht zu Recht, die Autoren nicht auf. Die theoretischen Grundlagen zum jeweiligen Thema sind in die einzelnen Praxiskapitel integriert.

So gehen die Darstellungen im Buch von Beginn an in medias res.

Ist schon in einer „eins zu eins“ Situation eine Therapie oft begleitet von Abwehr oder anderem, den Prozess eher behindernden Verhalten des „einen“ Klienten (auch wenn dieses Verhalten natürlich zum therapeutischen Prozess hinzugehört), so stellt sich dies (naturgemäß) in einer Paartherapie noch einmal anders und verschärft dar.

Nun sind drei Personen am Prozess beteiligt, zudem entfaltet die Beziehung innerhalb des Paares neben der Beziehung des Therapeuten zu jedem der beiden Gegenüber und darüber hinaus zum Paar als solches wiederum ganz eigene, einander manches Mal überschneidende, sich gegenseitig hindernde, Verhaltensweisen.

Zwanzig von diesen haben Noyon und Noyon aus ihrer erlebten und gelebten Praxis ausgewählt, jene Verhaltensweisen, die in ihrer Breite das Spektrum der wichtigsten „schwierigen Situationen“ bei Paartherapien in den Fokus setzen.

Dabei werden, fundiert und detailliert, die möglichen Ursachen der jeweiligen Verhaltensweisen einer Betrachtung zugeführt, die Auswirkungen werden benannt und in einer sehr überschaubaren und klaren Benennung sodann praktische Hinweise für den Berater und Therapeuten in Form von „Dos“ und „Don´ts“ mit auf den Weg gegeben.

Sei es, dass beide oder einer der Beteiligten des Paares nur als „Alibi“ eine Beratung, Therapie mit aufsucht, sei es, dass Affären im Raum stehen (oft verdeckt) oder sein sehr abwertendes Verhalten einander gegenüber beim Paar beobachtet werden kann.

Seien es „Paare in der Sackgasse“ oder Paare in Krisen (leichte, mittlere und existenzielle Krisen werden angeführt), sei es sexuelle Lust und Unlust oder das schlicht die Liebe schwindet, die zentralen Themen paartherapeutischer Arbeit findet im Buch ihren auf die Praxis zugeschnittenen Niederschlag in bester Weise.

Insgesamt ein klar strukturiertes und inhaltlich konsequent auf die therapeutische Praxis ausgerichtetes Handbuch, das sehr hilfreich zur Seite steht.

Schwierige Situationen in der Arbeit mit Paaren
von Eva Frank-Noyon
(1)
Buch
39,95

 
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