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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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15

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

12

buch

Tu es. Tu es nicht.

Steve J. Watson

EUR 14,99 *
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40

30.07.2015

„Wenn das Leben entgleitet”


„Halb zog es, halb sank sie hin“, so könnte man sagen im Blick auf Julia.

Eine Frau, die zunächst gestanden wirkt. Deren Ehemann zwar sehr mit sich und seiner Arbeit beschäftigt ist, sich aber dennoch um Julia bemüht, um ihre innere Zerbrechlichkeit, um die ein oder andere (auch tiefere) Wunde, die das Leben der ehemals bekannten und erfolgreichen Fotografin zugefügt hat. Deren Leben in London sich aber gerade in letzter Zeit doch zu stabilisieren scheint.

Ihrer Kunst geht Julia seit langem schon nicht mehr professionell nach. Nach jenen Ereignissen in jungen Jahren in Berlin beschränkt sich die attraktive Frau auf einfache Aufträge. Familienfeiern, Portraits, das Leben mit Mann und Kind, die Pflege vor allem ihrer engen Freundschaft zu Adrienne.

Und ihr nicht einfaches Verhältnis zu ihrer Schwester, die wie eine Art Gegenentwurf die „wilde“ Art zu Leben in Paris, samt der ein- oder anderen Affäre, wie sich herausstellen wird. Eine Schwester, der sie einerseits einen Teil ihres „Lebensglücks“ verdankt und mit der sie, gerade deswegen, in einem schwierigen Verhältnis voller Reibung steht.

Und jene Schwester ist es, die wieder für eine dramatische Erschütterung in Julias Leben indirekt sorgen wird. In einer Gasse in Paris wird sie ermordet. Wie es scheint, eher zufällig. Am falschen Ort zur falschen Zeit.

Doch Julia lässt nicht los. Versinkt in Trauer. Und, vor allem, kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass der Tod ihrer Schwester keineswegs zufällig war.

Sie erfährt, dass ihre Schwester über ein Dating Portal aktiv war. Männer kennenlernte, Affären genoss. Könnte einer dieser Männer ein Mörder sein?
Julia macht sich auf, ihre eigenen Nachforschungen anzustellen und lässt sich mit einem der Männer auf einen näheren Kontakt ein. Mit ungeahnten Folgen. Mit am Horizont aufziehender Gefahr. Für ihr bis dahin so gesichert erscheinendes Leben. Für ihre Familie. Für ihr Leben.

Und doch, da wäre Watson nicht Watson, mit Drehungen und Wendungen, die den Leser immer wieder aufs Neue in den Zweifel führen, ob den die Dinge wirklich so sind, wie sie scheinen oder ob nicht ganz andere Verbindungen und Verflechtungen hinter all den Ereignissen zu finden sein werden, als Julia denkt oder ahnt.

In einfacher Sprache folgt Watson, wie schon in seinem ersten Thriller, verschlungenen Pfaden und lässt den Leser quasi „Platz nehmen“ im Kopf und der Erlebniswelt seiner Hauptperson. Allerdings tauchen hier und da doch erkennbare Längen im Buch auf, fügen sich mancherlei Ereignisse und Erkenntnisse doch sehr zufällig zusammen, wie auch die überraschende Auflösung am Ende des Buches in Teilen doch sehr zufällig und konstruiert wirkt.

Nichtsdestotrotz bietet Watson auch in diesem Thriller ein komplexes Geflecht aus Möglichkeiten und eine empathische Darstellung einer schrittweisen an sich selbst irre werdenden Persönlichkeit, die durchaus spannend zu lesen ist.

buch

Um Leben und Tod

Michael Robotham

EUR 9,99 *
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50

30.07.2015

„Klar und mit Zug geschrieben”


Er hat sein Versprechen gegeben. Und er ist einer, der das ernst nimmt, dem gerade dieses eine Versprechen „heilig“ ist.

Auch wenn das bedeutet, dass er einen Tag vor seiner Entlassung nach einer mehrjährigen Gefängnisstrafe (unter äußerst harten Bedingungen, was die Mithäftlinge und de Gesamtumstände anging) ausbricht und damit Jahrzehnte weiterer Strafe riskiert, sollte er gefasst werden.

Und da nicht nur die Behörden in Gestalt der FBI Agentin Desiree Furness und anderer sich an seine Fersen heften, sondern auch Männer mit sehr dunklen Absichten ihn jagen und sogar die Hilfe eines seiner Mithäftlinge (fast ein Freund) erpressen, wird Audie Palmers Weg, sein Versprechen einzulösen, ein äußerst harter Weg werden.

Wobei Audie ein Mann ist, der zu planen versteht, der nicht blindlings in Fallen läuft, der sein düsteres Geheimnis seit Jahren bereits vor allen neugierigen Augen bewahrt. Ein Geheimnis, was im Übrigen wenig mit dem zu tun hat, was all die anderen so dringend, auch mit Gewalt, in den letzten Jahren von ihm erfahren wollten. Wo nämlich die sieben Millionen Dollar sind, die er als scheinbar einzig überlebender Täter eines Raubüberfalles irgendwo versteckt haben soll.

Was aber genau passiert ist, was es mit seinem Bruder auf sich hat, welche Rolle jener Sheriff mit seiner kleinen Familie spielt, der sehr nervös wird, als Audie auf freien Fuß gelangt, all das wird der Leser in Ruhe und doch mit deutlich erkennbarem Tempo Seite für Seite mehr erfahren.

Wobei Robotham nicht den „klassischen“ Weg wählt, erst ganz am Ende des Romans all die einzelnen Aspekte des Falles aufzulösen, sondern den Leser in den ersten zwei Dritteln des Buches bereits soweit mit auf die Reise in das Leben des Mannes und seine Flucht genommen hat, dass die Verflechtungen des Falles einigermaßen klar vor Augen liegen.

Ob nun aber Audie den gestellten Fallen entgeht, ob er Hilfe findet oder auf sich alleine gestellt bleibt, ob es überhaupt von entscheidender Seite gewünscht ist, dass er sein Versprechen erfüllt oder er dort gar nicht durchdringen wird mit der Wahrheit des Lebens, all das wird dann tatsächlich erst zum Ende des Buches hin für Spannung und Mitfiebern sorgen.

In klarer Sprache und mit einem überzeugenden Konstrukt der Geschichte, die in ihren einzelnen Teilen jederzeit in sich geschlossen wirkt, setzt Michael Robotham wieder einmal eine sehr gute Unterhaltung des Lesers in den Raum eines Buches.

An manchen Stellen ein wenig zu glatt und zu einfach laufen allerdings einige Aspekte vor sich hin (vom Überleben des damaligen Überfalles bis hin zu den Umständen der Flucht, die Robotham weithin gar nicht erst konkretisiert). Dennoch eine empfehlenswerte und „runde“ Lektüre.

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50

21.07.2015

„Elegant und anders”


Die Bretagne hat ihren Kommissar Dupin und Mazan am Mont Ventoux hat Lieutenant Zadira Mateo, Polizistin mit Vergangenheit, tough, aufbrausend und privat doch ganz anders, zurückhaltend, schüchtern fast.

Und, natürlich, den Kater der Polizistin, Commissaire Mazan.

Und eine ganze Reihe weiterer Personen in diesem eher verschlafen wirkenden Weinort, Personen, die langsam, aber mit großer Stetigkeit in ihre „Fälle“ mit hineingezogen werden.

Denn nicht nur, das der „Jahrhundertmaler Frankreichs“, der erblindete Etienne Idka den Ort als Arbeitsplatz für seinen aktuellen, 12teiligen Bilderzyklus ausgewählt hat, nein, die Spuren seines letzten Zyklus reichen bis in die Gegenwart des Ortes. Schaut man die Bilder sehr genau an, stellt man nach einer Weile fest, dass hinter dem Vordergrund Szenen auftauchen. Gewalttätige Szenen, Szenen von Mord.

Und irgendjemand hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese verborgenen Bildszenen in die Realität zu übersetzen. Morde geschehen. Zusammen mit dem Pariser Psychologen Paoli macht sich Mateo auf Spurensuche, angefangen beim Maler selbst. Spuren, die komplex wirken, wenig Anhaltspunkte beinhalten aber in der jungen Polizistin die Alarmglocken
schrillen lassen.

Während ihr Kater, der in Katzen kreisen allseits geachtete Mazan emotionale Verwirrungen einerseits erlebt und andererseits das Geheimnis der wunderschönen, blinden weißen Katze unbedingt lüften will, um diese zu beschützen. Jene weiße Katze, die mit ihrem Herren, dem blinden Maler, gemeinsam im Ort angelangt ist.

Während Lucien Brell, Mateos Kollege vor Ort, im tiefsten Wald Käfige über Käfige entdeckt und Leuten auf die Spur kommt, die einer bedrohten Tierart in großem Maßstab als Leckerbissen an den Mann zu bringen gedenkt.

Wobei inzwischen Zadira Mateo Eifersucht kennenlernt, sich fragt, was sie denn tun kann, um dem Tierarzt des Ortes ihre Gefühle zu erläutern, währenddessen der Psychologe Paoli deutlich mehr als nur berufliches Interesse seinerseits an Mateo zeigt.

Ein ominöser Fall, für den es lange keine klare Linie geben wird, in dem Spuren Mangelware sind, persönliche Verwicklungen und Verflechtungen, die auseinander- und zueinander hin laufen, das Ganze in einer sehr flüssigen, eleganten Sprache mit spürbarer Freude an der Gestaltung der Personen, der neue Kriminalroman von Jean Bagnol liest sich anregend und spannend.

Mit dem besonderen Etwas darin, dass auch auf „tierischer Ebene“ persönliche Charakterzüge wunderbar getroffen werden und somit parallele „Ermittlungen“ immer wieder in die Welt der „großen Kriminalität“ mit hineinspielen, bis dahin, dass sich auf allen Ebenen (mit überraschenden Wendungen) ein Gesamtbildung zur Auflösung des Falles ergibt, an dem alle Beteiligten auf allen Ebenen ihren Teil zu beigetragen haben.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

buch

White Ebony

Patricia Willocq

EUR 59,00 *
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50

21.07.2015

„Intensive Kontraste”


Weiß zu sein inmitten einer farbigen Umgebung? Albinismus ist schon in den Breitengraden mit überwiegend weißer Bevölkerung ein auffallendes, leicht zur Ausgrenzung führendes Syndrom. Aber ein oder eine „weißer Einheimischer“ zu sein inmitten Afrikas, im Kongo, das sind besondere Geschichten, besondere Eindrücke, starke Kontraste.

Kontraste, die Patricia Willoca in ihrer mehrfach ausgezeichneten fotografischen Arbeit in einer Art und Weise auf Papier bannt, die den Leser unmittelbar fasziniert. Bilder, die einen starken Eindruck vermitteln von dieser Unterschiedlichkeit, von dem, was an Ausgrenzung, an Stigma mit dem Albinismus einhergehen kann (und einhergeht), Fotografien aber auch, in denen die Stärke der Personen, deren Kraft und Wille ihren Niederschlag finden.

Kontraste, wenn die Mutter mit der tiefdunklen Hautfarbe ein „blenden weißes“ Kind auf ihrem Rücken trägt.

Stärke, wenn die „älteste Person mit Albinismus“, Coco Marie, erzählt (mit ihrer scharfen Zunge) und Willoca dazu gestochen scharfe Bilder abbildet.

Als fotografischer Essay in einem Teil des Werkes, als Portraitkonkreter Personen in anderen Teilen gelingen Willoca eindringliche Fotografien dieser ganz besonderen Herausforderung des Lebens, die sich den Albinos im Kongo, in Afrika stellt.

Besondere Herausforderungen, die zu ganz eigenen Lebenswegen führen, wie bei Mwimba Texas, der seinen ganz persönlichen Kampf gegen die soziale Ausgrenzung der Albinos mehr und mehr in die öffentliche Diskussion eingebracht hat. Einer, der als Ringer sportlich seinen Weg gefunden hat und mit seiner Stiftung tatkräftig vorangeht.

Oder Gaelle, an der Willoca einfühlsam aufzeigt, wie schwer es ist, als Albino in einem Land zu leben, in dem nahezu immerzu die Sonne scheint und die als einziges von sieben Geschwistern als Albino zur Welt kam. Eine, die sehr gut weiß, dass es vor allem die Kraft der Familie ist, die ihr Leben prägt.

„Mir ist klar, dass ich mich nur durch die Kraft meiner Familie so akzeptiere, wie ich bin.“

Eine Kraft, ein Aufgehoben sein, welches Willoca auf den dann nachfolgenden Seiten auf dem Gesicht des Mädchens festhält und im engen Kreis ihrer Geschwister aufzeigt.

Intensive Bilder sind es, die Willoca in diesem Buch versammelt, berührende Geschichten konkreter Menschen, Informationen zu dem, was es bedeutet, gesundheitlich und sozial, Albino zu sein im Kongo. Kontraste, die auf den ersten Blick fast schmerzlich das Anders-Sein in den Fokus rücken, die auf den zweiten Blick aber eben auch jene Bindungen, Gemeinschaft, persönliche Stärke der Betroffenen ins Bild rücken.

Ein sehr empfehlenswerter, hervorragend gestalteter Bildband, der den Betrachter nachdenklich und berührt zurücklässt.

buch

Spurensammler

Paul Finch

EUR 9,99 *
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40

21.07.2015

„Solider Thriller”


„Dem aus Queensland stammenden Brad Perkins ging dieser Scheißbrite mehr auf den Sack als alles, was er bisher erlebt hatte. Zu behaupten, dass er noch ein unerledigtes Geschäft mit Heckenburg hatte, wäre untertrieben gewesen.

Dabei hätte nicht nur Perkins gewarnt sein müssen, war es doch Heckenburg, der wie eine Ein-Mann-Armee mit beserkerhaften Zügen vor einiger Zeit dieses hochprofitable, kriminelle Geschäft der „Nice Guys“ zerschlagen hatte.

75.000 Pfund Festpreis, und jeder Mann konnte sich eine Frau, ein Kind „bestellen“ mit der Garantie, sich völlig auslassen zu können und nie eine Zeugenaussage befürchten zu müssen. Zumindest nicht von der konkret “gekauften“ Person.

Doch nun sitzt der Drahtzieher der Gang im Hochsicherheitstrakt und die Eigenschaft Heckenburgs, seine Ermittlung auf ganz speziell seine Art zu führen nervt vornehmlich seine Vorgesetzten.

Als dann erste Gespräche mit dem Kopf der Bande hinter Gittern stattfinden, als es wirken könne, die Gefahr in den Raum tritt, dass dieser kooperiert, wird er aus dem Gefängnis befreit. Und mehr noch, grausam zugerichtete Leichen werden gefunden, die nur eines verbindet: Sie waren Kunden der „Nice Guys“, sie stehen auf der Liste der Kontakte und stellen damit eine offene Flanke der neuformierten Kriminellen dar.

Mit großer Härte und Einsatz scheren militärischen Gerätes „räumen“ diese nun inmitten Englands auf, während Heckenburg mit allen Mitteln von seinen Vorgesetzten aus den Ermittlungen und der Schusslinie herausgenhalten werden soll.

Wobei man da hätte vorher wissen können, dass dies nicht gelingen wird und Heckenburg alles daran setzt, seinen eigenen Faden der Aufklärung und des Findens der Bande zu erfassen.

Was durch einen Maulwurf in den eigenen Reihen erschwert wird.

Solid verfasst und konzipiert, nicht ganz glaubwürdig in dieser Form des Guerillakrieges inmitten Britanniens und auch ein wenig übertrieben, was die „Ein-Mann-Fähigkeiten“ Heckenburgs angeht, erzeugt Finch dennoch von der ersten Seite an durchweg hohes Tempo und Spannung, scheut sich nicht, Kämpfe in großer Härte darzustellen und bietet eine logisch aufeinander aufgebaute Ermittlung mit geschickten, immer wieder neuen Wendungen.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame und flüssig verfasste Lektüre.

buch

London Undercover

Don Winslow

EUR 9,99 *
auf Merkliste

50

21.07.2015

„Beste Unterhaltung”


Allein schon die durchweg durchgehaltene trockene, coole, ironische, zynische Sprache, mit der Winslow diese Geschichte Seite für Seite vorabringt , verbunden mit seiner kongenialen Hauptperson Neal Carey mit seiner trocken geschilderten und dennoch harten Lebensgeschichte, seinen stahlharten Nerven und seinen im Leben geschliffenen Methoden, seinen Aufträgen durch „die Freunde“ nachzugehen, machen dieses Buch zu einem wunderbaren Lesevergnügen.

Dass die Tochter eines Senators und vielleicht kommenden „großen Mannes“ aus eigener Initiative verschwunden ist (nach London wohl), dass in der Familie des Senators so einiges im Argen liegt, dass die Tochter nur als Funktion in die Kamera lächeln soll, das aber bitte zu einem konkreten Anlass an einem genauen Datum, all das bringt Neal Carey doch ein wenig ins Schwitzen. Denn Anhaltspunkte hat er keine.
Und London, unter einer Bleiglocke von schwülen Temperaturen leidend, stellt sich für Carey über Wochen hinaus als nicht sonderlich hilfreich heraus. Bis der Zufall hilft.

Das zudem in den eigenen Reihen da einer ist, der es nicht sonderlich gut mit Carey und dem ganzen Fall meint, dass noch andere Kräfte mitmischen, die zumindest sich für schlagkräftig halten und das Neal irgendwann vor die Entscheidung Gerät, seinem Auftrag oder seinem Gewissen zu folgen oder doch beides zusammenkriegen könnte, das liest sich in jeder Phase und in jedem Erzählstrang des Buches hoch lebendig, mit trockenem bis trockenstem Humor und flüssigem, wenn auch einfachem Erzählstil.

Wobei, hinter all dem Witz und den coolen Sprüchen, Winslow die Spannung und die Gefahrensituationen bis zum überraschenden Täuschungsmanöver am Ende des Thrillers nicht zu kurz kommen lässt.

Ein Buch, das trotzt seines Alters in keiner Weise angestaubt wirkt, sondern in bester Weise illustriert, dass Winslow flüssig, überzeugend und in sich geschlossen zu erzählen verseht, ebenso, wie er immer wieder trockenen Humor einbaut, ohne je der Gefahr zu verfallen, lächerlich zu wirken.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre

buch

Das Kartell

Don Winslow

EUR 16,99 *
auf Merkliste

50

23.06.2015

„Klar, stringent, umfassend, spannend”


„Und ich hier, denkt Keller – Don Quijote im Kampf gegen Windmühlenflügel, Ahab auf der Jagd nach dem weißen Wal. Alles meine Besessenheit, wie ein Junkie an der Nadel hängt. Mein privater Drogenkrieg, meine private Sucht“.

Und der „Stoff“ für den „Junkie“ Art Keller heißt Adan Barrera. Mit dem er in jungen Freunden eng war, den er in späteren Jahren, in Kellers Zeit als „Herr der Grenze“ gejagt und gefangen gesetzt hat.
Der nicht mehr im Gefängnis sitzt. Der nicht zu fassen zu sein scheint, während Barrera im Hintergrund offensiv seine ehemalige Machtposition wieder erbaut und darüber hinaus die Hände ausstreckt nach der „Alleinherrschaft“ üb den mexikanischen Drogenhandel.

Ein Krieg ist im Gange, hinter den Kulissen und ganz offen auf den Plätzen der umkämpften Drogen-Umschlagorten an der mexikanischen Grenze.

Ein Kampf, in dem Menschen bei lebendigem Leib von den einen verbrannt werden, von den anderen kurz entschlossen mit Schüssen oder Granaten niedergestreckt werden.

Kartell gegen Kartell mit wechselnden Verbindungen, Sondereinheiten gegen Kartelle, je nachdem, welches der anderen Kartelle sie entsprechend schmiert und bezahlt. Die Politik korrupt, die Leitungen der Sondereinheiten nicht einschätzbar und Keller gegen alle.

In klarer, direkter Sprache, mit einfachen Sätzen, die manches Mal fast wie eine Aneinanderreihung von Stichworten wirken, stellt Winslow diese Gemengelage in Form traditioneller Mafia und Verbrechensepen dem Leser vor Augen.

„Der Pate“, „Die Sopranos“, „French Connection“, sowohl vom Umfang her als auch von der (langesamen) Einführung und Vertiefung des „Personals“ stellt sich Winslow mit diesem Thriller in eine illustre Reihe harter und gewalttätiger Darstellungen des organisierten Verbrechens und ebenso gelingt es ihm, seinen Personen echte Tiefe zu verleihen, eine hohe Differenzierung im Innenleben genauso spannend zu gestalten, wie er die vielfach hin- und herwogenden Machtkämpfe minutiös gestaltet.

Mitsamt des menschlichen und emotionalen Preises, den diese Lebensform auf allen Seiten fordert und kostet.

Wobei auch der Hintergrund dieses umfassenden Drogensumpfes nicht zu kurz kommt, die ganz praktische, aber auch die politische Geschichte des Drogenhandels entlang der amerikanischen Grenze mitsamt einer detaillierten Erläuterung der Praxis desselben im Buch aufzeigt, dass Winslow fest im Thema verankert ist und seine Hausaufgaben der Recherche umfassend gemacht hat.

Ein sehr empfehlenswerter, trockener, harter, informierter und äußerst unterhaltsamer Thriller, den man am Ende nur ungern aus der Hand legt.

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50

23.06.2015

„Wunderbare Einblicke auf und in das „grüne Irland“”


Wie eine verwunschene Kulisse aus einem alten Film, so wirkt die bewachsene Treppe, die von einem der vielfachen, im Buch abgebildeten Gärten in den Wald hinaus führt. Verwittert, je nach Fantasie bereit, von den Seiten her Elfen auf den Betrachter loszulassen oder eher düstere Gestalten wie aus „Sleepy Hollow“ einem entgegen zu werfen.

Ein „Ausgang“ Aus dem Garten, der der Gartenanalage mit ihren alt wirkenden Wohnhäusern und den vielfachen Nutzpflanzen organisch entspricht.

Nicht anders ergeht es dem Betrachter mit dem Weg durch 44 Paar Silber-Tannen au fdem „Noble Fair Walk“. Demgegenüber die Blumenterrassen des üppigen Gartens (angelegt bereits 1850) das fröhliche, helle, blühende Gegenüber ergeben.

Parkanlagen mit üpiigem Grün der Bäume und wunderbar angelegtem Rasen, Kräuter und Salatbeete in einem gestochen im Wegkreuzraster wirkenden Garten neben überbordendem Rhododendron und Narzissen.

Vielfältig und von ganz eigener Atmosphäre sind die Gärten in Irland. Eine Atmosphäre, die im Buch in bester, fassbarer Form durch die vielfältigen Fotografien wunderbar eingefangen wird.

Abwechslungsreich und von langer Tradition des Gartenanabaus und der Gartengestaltung geprägt sind die gestalteten Gartenlandschaften in Irland zu erleben, die den Besuch ungemein lohnen und die in diesem Bildband beeindruckend in Szene gesetzt vor die Augen des Betrachters geführt werden.

„Die Gärten passionierter Pflanzenkenner“, das spürt man den Bildern und Gärten regelrecht ab. Mit Leidenschaft und, vor allem, großer, tradierter Sachkunde finden sich vielfach üppige Gartenanalagen, die mit einfachen Ziergärten oder auch liebevoll gestalteten Blumenbeeten kaum etwas gemein haben, sondern in verschiedensten Formen von urwüchsiger Schönheit sich vor den Augen entfalten.

Ob „Romantische Zwischenspiele“, „herrschaftliche große Gärten“, ob „Traumhafte Paradiese“ (mit einem verspielten Charme) oder „fast zu schön zum Essen“, wenn es an die textliche und bildliche Darstellung von vollendeten Küchengärten im Buch geht, bis hin zum „Malen mit Pflanzen“ zu lebendigen Gemälden wie in Mount Congreve oder in Blick auf den Dillon-Garten in Dublin, jeder einzelne Garten ist mit treffenden Perspektiven im Buch bildlich aufgenommen und ausführlich jeweils in den Texten beschrieben.

So bietet dieses Werk einen breiten und differenziert erläuterten Einblick in die Gartenkunst und Gartenlandschaft Irlands, die durchweg „irische Atmosphäre“ ausstrahlen in aller Verschiedenheit der Gartenkonzepte.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre über eine ganz eigene, durchaus auch einmal eigentümliche „Landschaft der Gärten“ Irlands.

buch

Bannwald

Julie Heiland

EUR 16,99 *
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40

23.06.2015

„Gelungenes Fantasy-Debüt”


„Regel Nr.1: Wir, der Stamm der Leonen, sind immer minderwertig. Wir haben keine Rechte und schulden unseren Herrschern, dem Stamm der Tauren, bedingungslosen Gehorsam“.

So sind die Verhältnisse in diesem Wald, der den Lebensraum beider Stämme bietet. Und wenn dann noch klar wird, dass die „Leonen“ Anhänger der „weißen Magie der Natur“ sind und die „Tauren“ jene „schwarze Magie der Macht“ benutzten, sind die Verhältnisse auch innerlich beschrieben und durchaus breit bekannt.

Denn in ihrem Grundsetting verlässt Julie Heiland in keiner Weise die Form der „klassischen Fantasy“ und bietet somit eine weitere, neue Version des uralten Dualismus und Kampfes zwischen gut und Böse.

Dies allerdings durchaus frisch erzählt, weniger poetisch oder episch wie ansonsten überwiegend in Fantasy Romanen üblich, sondern modern und umgangssprachlich. Diese Robin, ihre weibliche Hauptfigur, hat ihr Herz am rechten Fleck, hält zu ihren Freunden, ist mutig und durchaus auch widerborstig.

„„Ich gebe nicht kampflos auf“, keife ich ihn an“.

Und muss erkennen, dass die einfache schwarz.weiß Malerei den Umständen der Welt, auch dieser Fantasy Welt, nicht unbedingt gerecht wird. Denn da gibt es diesen einen Tauren, der sich anders zu verhalten scheint, der nicht kühl und kalt rein auf Macht versessen ist.

Oder doch?

Es wird sich erweisen, denn Robin ist (auch das ein bekanntes Motiv der Fantasy) etwas „Besonderes“. Eine Möglichkeit zur Freiheit und eine Bedrohung der „dunklen Macht“.

„…..ihr alles zu nehmen, was ihr etwas bedeutet. Und sie dann mit offenen Armen in Empfang zu nehmen“. So ist der Plan der „Gegenseite“, von dem Robin zu Anfang weder etwas ahnt noch überhaupt wüsste, dass sie selbst so im Mittelpunkt des Interesses eines entscheidenden Spieles der Macht im Wald steht.

Gefahren werden allerdings früh entstehen, die nicht nur Robin, sondern auch die Ihren mit betreffen. Gefühle tastender Liebe entfalten sich da, wo sie eigentlich nicht sein dürften und ebenfalls Gefahr mit sich bringen.

Aber Robin wird ihre Kräfte schon noch kennenlernen im Lauf der Zeit und diese im Finale dieses ersten Bandes einer geplanten Trilogie zum Einsatz bringen.

Alles in allem eine frische Stimme im „Reich der Fantasy“, flüssig erzählt und in einer in sich überzeugenden Fantasywelt angesiedelt. Eher für den jugendlicher Leser natürlich geeignet durch die doch eher stereotypen Verteilungen der „Rollen“ im Buch, aber für diesen Leserkreis spannend und unterhaltsam geschrieben.

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50

23.06.2015

„Dialogische Fragetechnik”


In nun dritter, überarbeiteter Auflage legt Harlich H. Stavemann seine therapeutische Methode der „sokratischen Gesprächsführung“ vor.

Das Ziel des „eigenverantwortlichen Denkens“ wird durch die philosophisch begründete „Form des Gesprächs“ unter Anleitung zur Reflexion und Selbstbesinnung mit gleichzeitiger Prüfung übernommener Normen und Vorurteile zu einer neuen, freien Form des „Selbstdenkens“ geführt.

Den Kern der Arbeit bildet dabei die „regressive Abstraktion“. Ausgehend von Alltagsbeobachtungen wird von dem „Besonderen“ solcher Situationen auf „das Allgemeine“ geschlossen und „übergeordnete Einsichten und Erkenntnisse gesucht“.

Voraussetzung für ein Gelingen dieser „Neuordnung“ des Denkens und der Emotion und die Hineinahme der philosophischen Methode in den Raum der Psychotherapie ist die Kompetenz zum „Perspektivwechsel“ auf Seiten des Therapeuten, zunächst und eine sorgsame und empathische Anleitung zum Perspektivwechsel dann für den Patienten zu ermöglichen.

In dieser dritten Auflage hat Stavemann noch einmal die Gliederung gestrafft und vor allem in der Betrachtung der „sokratischen Haltung“ und der „Kunst des Perspektivwechsels“ vertieft. Zudem finden sich neue Praxisbeispiele zum „funktionalen sokratischen Dialog“.

Insgesamt bleibt natürlich die Struktur und der dargebotene Inhalt in dieser dritten Auflage bestehen.

Die sehr ausführliche und sorgsame Heranführung an die „Methode Sokrates“ und deren allmähliche Rezeption in der Philosophie und der modernen Psychotherapie setzt im ersten Teil des Buches sehr verständlich für den Leser die Grundlagen der Methode selbst und deren Einbindung in den therapeutischen Prozess.

Im zweiten Hauptteil legt Stavemann überaus praxisnah die Nutzung sokratischer Dialog anhand einer ganzen Reihe von Fallbeispielen dar.

„Was ist das?“; „Darf ich das?“; „Soll ich das?“; als Grundfragen des therapeutischen Prozesses werden umfassend geschildert und reflektiert, praktische Hinweise für die Nutzung der Methode in der eigenen therapeutischen Praxis werden dem Leser verständlich an die Hand gegeben.

Wobei in der gesamten Darstellung im Hintergrund der rote Faden der Überzeugung des Autors zu erkennen ist, eine „philosophische Wende“ in Psychotherapie und Beratung zu befördern und hier ein wichtiges und wesentliches Moment nicht nur in der Methode, sondern auch in der Haltung und Herangehensweise des Therapeuten grundlegend zu setzen.

Insgesamt eine überzeugende, fundierte und sehr praxisnahe Erläuterung der sokratischen Gesprächsführung, die zu eigenen Versuchen zu motivieren versteht

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