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Michael Lehmann-Pape Unsere Top-10-BuchhändlerInnen

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Mischung zwischen Screwball und ausufernder Erotik

Michael Lehmann-Pape , am 24.06.2016


Deftig, das kann man auf jeden Fall über die Offenherzigkeit dieses Erotik-Romans sagen.

Und zwar durchgehend, von der ersten bis zur letzten Seite beschäftigen sich vor allem die beiden Hauptfiguren, Jonas und Sarah, mit der Erkundung des eigenen Körpers und, später, des Körpers des jeweils anderen in allen Facetten.

Vom „Selber Hand an sich legen“ bis „den ersten Orgasmus des Lebens erleben“, und das in vielfachen Varianten sexueller Stellungen und Techniken bietet Lauren Rowe (fast) alles, was eine offene und zentrale Erotik ausmacht.

Und das, interessanterweise, ohne dass der Leser grundlegend sich ausschließlich in einen pornographischen Roman versetzt fühlt.
Denn dieses Spiel (aus den Perspektiven beider Protagonisten abwechselnd dargestellt) zwischen forsch-frechem Mann und widerborstig erscheinender (aber innerlich längst „entzündeter“ Frau), so alt und bekannt wie es ist, funktioniert auch in diesem Roman wieder einmal ganz gut.

Dass dabei das Klischee bedient wird, dass nur „der Richtige“ kommen muss, damit Sarah als ja durchaus bereits erwachsene Frau „endlich“ tiefe Lust spürt (und diese laut Herausstöhnen und -schreien kann) ist allerdings zu sehr vorhersehbar. Wie auch der „Thriller-Anteil“ über die Geschäfte jenes „Clubs“ (eine Erotik-Partnervermittlung mit exorbitanten Mitgliedspreisen) eher als im Hintergrund laufendes „Beiwerk“ gekennzeichnet werden kann.

Im Vordergrund ist und bleibt die explizite und frisch wirkende Darstellung erotischer Gefühle und stringenter sexueller Begegnung. Mit einer gewissen Tiefe dann, wenn sich beide nicht nur ihren Fantasien (je für sich) hingeben, sondern auch emotionale Hintergründe, gerade bei Sarah, in den Blick geraten.

Ein wenig bedauerlich ist, dass die Frage „bekommt er sie oder nicht“ viel zu früh bereits emotional geklärt ist und damit das „sich Sperren“ Sarahs ein wenig aufgesetzt wirkt.

Aber was soll man als Frau auch machen, wenn da ein hoch attraktiver, natürlich reicher und selbstbewusster Mann daherkommt, der dann auch noch als sein höchstes Ziel nicht die eigene Befriedigung, sondern eben die seiner jeweiligen Sexualpartnerin (und davon gab es viele) in den Mittelpunkt stellt?

„Ich liebe Frauen. Ich liebe es, mit ihnen zu schlafen. Und am liebsten mag ich es, sie zum Orgasmus zu bringen“.

Nun ja, zumindest wird im Lauf des Romans deutlich, was die Autorin zu schätzen weiß (oder wüsste).

Alles in allem klar und prägnant geschrieben, erotisch durchaus (und manchmal überaus) anregend. Ein Stil, der Tempo beinhaltet und wenig Tabus zulässt, dies aber so offenherzig vollzieht, dass es durchaus Spaß macht, den beiden Protagonisten in dieser Hinsicht zu folgen.

Wobei es vor allem gelingt, das innere Lust-Erleben der Beiden auf den Punkt dem Leser zu vermitteln.

The Club - Flirt
von Lauren Rowe
(13)
Buch
12,99

Spannend, aber etwas konstruiert wirkend

Michael Lehmann-Pape , am 16.06.2016



„Energisch bringt er seine grauen Zellen in Gang. Versucht sich zu erinnern, wie er hierhergekommen ist. Vergebens“.

Kommissar Benoit Lorand. Erfolgreicher Ermittler. Ein „kleiner Star“ seiner Abteilung. Ein attraktiver Mann. Verheiratet. Ein Sohn. Und viele, viele Frauen, die seinen Weg säumen, durchaus auch neben seiner Ehe. Eingesperrt in einem Gefängnis in einem Keller irgendeines Hauses.

Aber warum? Warum er? Und, vor allem, womit hat genau er das verdient, dass seine „Wärterin“ ihn mit allem quält, was ihr in den Sinn kommt (und es kommt ihr viel in den Sinn, wie der Leser im Lauf der Lektüre feststellen kann).

Kälte, keine Nahrung, nur ein wenig kaltes Wasser, Tag für Tag wird er malträtiert, soll er gestehen. Wenn er nur wüsste, was.
Was aber letztlich auch egal ist, denn er weiß, wenn er gesteht, ist er umgehend tot. Trotz seiner aussichtslosen Lage, immerhin atmet er noch, kann Pläne schmieden, vielleicht ergibt sich ja eine Chance. Wenn auch die Aussichten von Tag zu Tag weniger werden, sein Körper immer schwächer wird und die „Behandlung“ massive Spuren hinterlässt.

Währenddessen seine Kollegen fieberhaft nach ihm suchen, aber einfach keine Spur, keinen Ansatz in die Hand bekommen.

Und der Leser auch feststellen wird, dass so manche seiner Bekannten und Kollegen, selbst seine Frau, nicht immer die besten Gefühle für ihn hegen und zudem auch eigene Geheimnisse mit sich tragen.

Die Qual des Gefangenen ist das eine, das den Leser im durchaus hohen Tempo des Thrillers emotional mit hineinzieht, die Frage, wer denn hinter all dem Stecken könnte und worum es wirklich geht bildet den anderen Faden, der neugierig hält bis fast ganz zum Schluss.

Einige der „Techniken“ dann, die als Methode dieser Entführung und Folter zugrunde liegen sind allerdings nicht sonderlich realistisch gewählt (auch wenn manche Shows das Gegenteilt behaupten würden), die Motive der handelnden Personen zwar nachvollziehbar, aber letztlich ein stückweit überzogen in dem, was diese an Handlung nach sich ziehen.

Gut getroffen ist der allmähliche Verfallt Benoits, die zunehmende Schwäche, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Hervorragend gestaltet ist die Szene einer versuchten Flucht und die perfide Art und Weise, wie vorausgedacht wurde, diese zu verhindern.

Alles in allem eine solide und weitgehend spannende Unterhaltung in klarer Sprache und leicht zugänglichen Sprachbildern, die im Verlauf ein stückweit vorhersehbar wird, aber eine überraschende Auflösung bietet und ein eher ungewöhnliches Ende findet.

Du wirst nicht wissen warum
von Karine Giebel
(2)
Buch
9,99

Lässt ein wenig nach

Michael Lehmann-Pape , am 10.06.2016


War der erste Teil noch durchgehend und sehr überzeugend in einer apokalyptischen Welt nach dem Sterben aller Erwachsener und aller kleineren Kinder durch einen Virus angesiedelt und zog seinen Reiz dabei aus sehr spannend gestalteten Szenen des Überlebens in der „neuen Welt“, die in Clans sich aufteilt, so hat schon das Ende des ersten Bandes der Trilogie gezeigt, dass eben doch nicht „alle“ anderen Menschen tot und damit der Planet verwüstet ist.

In diesem zweiten Teil der „Young World“ Reihe führt Weitz neben dem Blick von „Innen“ (aus dem Bereich New Yorks, in dem die überlebenden Jugendlichen in ihrer eigenen Welt nach eigenen Regeln isoliert leben, nun in starkem Maße den „Blick von außen“ in die Geschichte ein.

Was ist passiert? Wie sieht es in der Welt außerhalb Amerikas aus? Was hat „die Seuche“ bewirkt in anderen Staaten und Kontinenten, wie hat sich die Haltung der Menschen geändert?

Und mittendrin wird natürlich, je aus den einzelnen Perspektiven erzählt, die Geschichte der Protagonisten (soweit sie noch lebendig sind) des ersten Teils weitererzählt und ausgeweitet.

Denn es stimmt nicht, was Donna zunächst vermutet, dass auf diesem Flugzeugträger zufällig Überlebende anzutreffen sind, die ebenso eine „Insel der Selbstversorger“ darstellt, wie es ihr Clan in New York getan hat.

Und auch Jefferson, der von Donna getrennt werden wird und nach New York zurückkehrt (mit deutlich weniger Informationen als Donna versehen), kann sich nicht sicher sein, ob er jener Gruppe vertrauen kann, die ihn „befreit“ hat. Denn tiefer liegende Motive und ein furchtbarer Plan sind hier am Werk, der für die gesamte Welt weitreichende Folgen haben wird, sollte er gelingen.

Was Donna irgendwann erkennen wird.

Aber ob und wie Donna und Jefferson wieder zusammenfinden, wer Freund und wer Feind ist, warum im Gebäude der Vereinten Nationen ein so wichtiger Fund zu machen sein könnte, all das entblättert Weitz in gewohnt hohem Tempo, kurzen Kapiteln und raschen Perspektivwechseln nach und nach.

Immer noch spannend, immer noch sehr klar im sprachlichen Stil, dennoch aber ein stückweit doch Schritt für Schritt sich auf einen eher „normalen“ Jugendthriller reduzierend. Die Faszination gerade der zerstörten Welt, das konkurrierende Verhalten der verschiedenen Clans in New York mit auch harter und brutaler Gewalt, das einen guten Teil der Faszination des ersten Teils ausgemacht hat mitsamt der Frage, was denn da eigentlich vorgeht, verliert in diesem zweiten Band erkennbar an Bedeutung.

Dennoch darf man gespannt sein auf den dritten Teil der „Young World“, denn natürlich bleibt am Ende des zweiten Bandes völlig unklar, wie denn eine Lösung des Problems in Reichweite gelangen könnte. Vor allem, weil der ein oder andere Tod doch massive Lücken reißen wird.

Young World - Nach dem Ende
von Chris Weitz
(2)
Buch
18,95

Stringent, klar, kritisch

Michael Lehmann-Pape , am 10.06.2016


„Die Kleine sah aus wie Ärger auf Absätzen. Und trotzdem….sie hatte etwas Faszinierendes“.

Und dennoch hätte Boxer vielleicht auf seine Intuition, was den Ärger angeht, hören sollen.

Denn kaum haben sich nach den jüngsten Ereignissen die Dinge seines Lebens beruhigt, läuft seine Beziehung zu Isabel, geht es seiner Tochter Amy wieder einigermaßen, nach traumatischen Erfahrungen, lässt Boxer sich breitschlagen.

Auf zwei Fälle, eigentlich. Denn der Geliebte der ihm nahestehenden Mercy, ein Hehler, ist verschwunden. Was Mercy nicht unbedingt offenlegen kann, in ihrer hohen Position bei der Polizei wäre eine solche private Verbindung zugleich das Ende ihrer Karriere.

Zugleich nimmt Boxer den Auftrag dieses „Ärgers auf Absätzen“ an. Den Vater der „Kleinen“ zu suchen, ein bekannter Industrieller, der als IT Fachmann für allerhöchste militärische Kreise gearbeitet hat.

Und dann werden, einfach so, 6 Kinder entführt. Kinder einflussreicher, reicher, mächtiger Geschäftsleute. Und der Kontakt mit den Entführern zeigt auf, dass deren Haltung bretthart ist. So hart, dass schon mal 150 Millionen Euro in bar zum „Fliegen“ gebracht werden.

Und plötzlich wird auch Boxers engstes Umfeld mit hineingezogen. Was ihn konsequent und klar nun vollends auf den Plan ruft.

Auch wenn er sich um die neue Frau an seiner Seite und diese ominöse Video-Kassette seines schon lange verschwundenen Vaters eigentlich eher kümmern wollte.

Mit hohem Tempo, in einfacher, klarer Sprache und sehr stringent am roten Faden der Ereignisse entlang führt Wilsono nun seinen Boxer durch die Wirren der Entführung und der Suche nach Mercys Geliebtem.

Ebenso klar (und hart) streut Wilson jeweils Action und Auseinandersetzungen ein, bei denen wenig Gefangene gemacht werden. So ergibt sich eine Mischung aus Polit- und Actionthriller, der durchaus zu unterhalten weis (wenn man an manchen Stellen auch reichlich Blut und harte Gewalt verträgt).

Andererseits, ein wenig glatt, zu glatt laufen die Ermittlungen schon, ebenso, wie die Figuren (bis auf wenige Ausnahmen) eher stereotyp gezeichnet sind. Dass dabei jener „Ärger auf Absätzen“, Siobhan eine äußerst differenzierte Persönlichkeit darstellt und auch auf Seiten der Entführer nicht alles so „böse“ ist, wie es anfangs scheint, lockert das Geschehen zwar auf, führt zu überraschenden Wendungen, wirkt aber ebenfalls hier und da einfach auch sehr bemüht und „auf Psychologie“ hin gezwungen.

Das endgültige Motiv hinter all den Ereignissen und wie diese alle zusammenhängen ist ebenfalls nicht unbedingt zwingen, da hätte der Leser im Vorfeld doch mehr erwartet, als das Finale des Buches inhaltlich und als „Showdown“ dann tatsächlich hergibt.

Alles in allem dennoch gut geschrieben, routiniert entfaltet und mit einer klaren Gesellschaftskritik verbunden, die sich in diesem Thriller organisch gut einfügt.

Die Stunde der Entführer
von Robert Wilson
(1)
Buch
16,99

Konkret und überaus auf die Praxis fokussiert

Michael Lehmann-Pape , am 09.06.2016


Mit langen Vorreden oder den weithin bekannten zunächst theoretischen Einführungen halten sich, was dieses Buch mit diesem Ziel angeht zu Recht, die Autoren nicht auf. Die theoretischen Grundlagen zum jeweiligen Thema sind in die einzelnen Praxiskapitel integriert.

So gehen die Darstellungen im Buch von Beginn an in medias res.

Ist schon in einer „eins zu eins“ Situation eine Therapie oft begleitet von Abwehr oder anderem, den Prozess eher behindernden Verhalten des „einen“ Klienten (auch wenn dieses Verhalten natürlich zum therapeutischen Prozess hinzugehört), so stellt sich dies (naturgemäß) in einer Paartherapie noch einmal anders und verschärft dar.

Nun sind drei Personen am Prozess beteiligt, zudem entfaltet die Beziehung innerhalb des Paares neben der Beziehung des Therapeuten zu jedem der beiden Gegenüber und darüber hinaus zum Paar als solches wiederum ganz eigene, einander manches Mal überschneidende, sich gegenseitig hindernde, Verhaltensweisen.

Zwanzig von diesen haben Noyon und Noyon aus ihrer erlebten und gelebten Praxis ausgewählt, jene Verhaltensweisen, die in ihrer Breite das Spektrum der wichtigsten „schwierigen Situationen“ bei Paartherapien in den Fokus setzen.

Dabei werden, fundiert und detailliert, die möglichen Ursachen der jeweiligen Verhaltensweisen einer Betrachtung zugeführt, die Auswirkungen werden benannt und in einer sehr überschaubaren und klaren Benennung sodann praktische Hinweise für den Berater und Therapeuten in Form von „Dos“ und „Don´ts“ mit auf den Weg gegeben.

Sei es, dass beide oder einer der Beteiligten des Paares nur als „Alibi“ eine Beratung, Therapie mit aufsucht, sei es, dass Affären im Raum stehen (oft verdeckt) oder sein sehr abwertendes Verhalten einander gegenüber beim Paar beobachtet werden kann.

Seien es „Paare in der Sackgasse“ oder Paare in Krisen (leichte, mittlere und existenzielle Krisen werden angeführt), sei es sexuelle Lust und Unlust oder das schlicht die Liebe schwindet, die zentralen Themen paartherapeutischer Arbeit findet im Buch ihren auf die Praxis zugeschnittenen Niederschlag in bester Weise.

Insgesamt ein klar strukturiertes und inhaltlich konsequent auf die therapeutische Praxis ausgerichtetes Handbuch, das sehr hilfreich zur Seite steht.

Schwierige Situationen in der Arbeit mit Paaren
von Eva Frank-Noyon
(1)
Buch
39,95

Ruhige, intensive Hypnoseeinheiten

Michael Lehmann-Pape , am 01.06.2016


Mi warmer, weicher Stimme und, hörbarer, hypnotischer „Schwingung“ , so wendet sich Agens Kaiser Rekkas auf dieser CD einer Therapiereihe zu, die innerlich einstimmt, einrichtet, auf den Weg bringt, die eigene Ernährung zu verändern.

„Zu gesunden“, kann man sagen, die im Lauf der 7 aufeinander folgenden Sitzungen auf den beiden CD´s zunächst hypnotisch „öffnet“ und das Thema dann in der ersten Sitzung setzt, bevor Schritt für Schritt die Ausrichtung auf Lebensmittel von den „Glückspralinen“ weg hin zu gesunden, nahrhaften Lebensmitteln gelenkt wird.

Eine Umstellung, die selbstverständlich auf Dauer gesehen, Gesundheit, Vitalität, Ausdauer, Kraft in den Vordergrund des Bewusstseins rückt. Nicht in Richtung von „Verboten“ intendiert Kaiser Rekkas dabei, sondern „Lust auf“ entfalten, satt und zufrieden werden, die richtigen und gesunden Lebensmittel als „schön“ und „erfreulich“ innerlich zu füllen.

Dabei kreisen die Sitzungen nicht unermüdlich um Gemüse und andere Lebensmittelt, sondern das Thema des Selbstschutzes wird ebenso Teil der Hypnosesitzungen, wie die „innere Klärung“ und das „Beschwingt“ auf dem Weg sein.

Teils im Sitzen, teils im Liegen folgen so aufeinander aufbauende Einheiten, die als 7-Tagesprogramm ihre Wirkungen im Gesamten entfalten.

Wobei 7 Tage als Minimum anzusehen sind. Eine Sitzung am Tag, nicht mehr und durchaus sind auch 2-3 Tage Pause zwischen den Sitzungen sinnvoll, um jeweils die gerade erlebte Trance „nachwirken“ zu lassen.

In der Form finden Audiounterstützungen der Trance, wie vielfach andernorts üblich (beruhigende Musik im Hintergrund, auf der die Botschaften wie auf einem Klangteppich übersendet werden) bei Kaiser Rekkas keinen Platz. Allein die Stimme und die in die Trance führende Form der Artikulation tragen hier die Wirkung der Sitzungen.

Dabei die eigenen inneren Bilder und Wünsche zur Ernährung zu erforschen, ihnen Raum zu geben. Von der Annäherung an die Entfaltung der „Lust auf Gesundes“ bis zur inneren „Schutzmauer“ gegen Ungesundes, folgerichtig und logisch baut sich dabei der Weg der Sitzungen auf.

„Bildkräftige Worte nutzt Agnes Kaiser Rekkas dabei, poetische Wendungen, nie aber wirken ihre ruhigen Worte verworren oder verwirrend.

Eine zunächst gewöhnungsbedürftige Stimme und Ausdrucksform, die aber nach kurzer Zeit in tiefe Entspannung führt.

Eine sehr zu empfehlende Hypnose zur Auseinandersetzung und inneren „Zurecht-Rückung“, was die Ernährungsgewohnheiten angeht.

Die Glückspraline
von Agnes Kaiser Rekkas
(1)
Hörbuch
39,99

Leitfaden und praktische Hilfe für Migrantenorganisationen

Michael Lehmann-Pape , am 01.06.2016


Nicht erst seit den Flüchtlingsströmen des Jahres 2015, angesichts derer aber mit besonderer Nachdrücklichkeit, rückt die Frage der Integration von Migranten ganz nach oben auf die gesellschaftspolitische Agenda.

Und in diesem großen Bereich der Integration spielt die Eingliederung in den Arbeitsmarkt eine wichtige, vorherrschende Rolle. Wer in Arbeit kommt, wem eine Ausbildung offensteht, der verdient Geld, gerät in soziale Kontakte und Netzwerke, wird produktiv und somit viel eher Teil der „neuen Gesellschaft“, als jene, die nur am Rande mit dem Nötigsten versorgt werden.

Dieser schmale Leitfaden macht es sich zur Aufgabe, gerade für die vielen Migrantenorganisationen Wege, Kontaktmöglichkeiten, Methoden und Instrumente an die Hand zu geben, die die (meist ehrenamtliche) Arbeit konstruktiv und möglichst erfolgreich mit dem Arbeitsmarkt vernetzen.

Dabei ist die (mögliche) Rolle solcher Organisationen gar nicht hoch genug einzuschätzen, wie die Herausgeber anführen.

„Migrantenorganisationen nehmen an dieser Stelle eine Vermittlerposition ein“.
Einerseits Bedürfnisse und Möglichkeiten der Migranten persönlich und eng im Kontakt genau zu erfassen und andererseits diese in arbeitsmarktpolitische Netzwerke und Entscheidungsstrukturen hineinzutragen.

Hierzu benennt das Buch wichtige Aufgaben für Migrantenorganisationen und geht in den einzelnen Textbeiträgen jenen Möglichkeiten nach, mit denen diese Kernaufgaben bestmöglich angegangen werden. Dafür werden in den ersten beiden Teilen zunächst die „Akteure“ des Arbeitsmarktes differenziert und breit vorgestellt (zunächst die klassischen Akteure), zu denen dann, in einem eigenen Hauptteil, seit einiger Zeit vermehrt auch die Migrantenorganisationen selbst als „neue Akteure“ zählen.

Diese Darstellungen sind für sich genommen schon überaus hilfreich, machen Sie doch dem Nutzer des Buches deutlich, wen es alles und wo gibt, welche Zusammenhänge und Institutionen für bestimmte Bereiche zuständig sind.

Dies alles bereitet bestens den Boden für den abschließenden Hauptteil des Buches (samt anhängenden Praxisbeispielen), eine „Schritt für Schritt“ Information über das „Wie“ von Netzwerkarbeit und zur Etablierung konkreter Migrantenorganisationen in den wichtigen Netzwerken.

In den Kernaufgaben der Qualifizierung, der Professionalisierung (vor allem der jeweiligen Organisation) , der Systematisierung von Wünschen und Bedarfen und des Wissenstransfer im Rahmen von Netzwerken und zwischen den Akteuren der Integrationsarbeit bietet das Werk eine breite Einführung und vielfache sehr konkrete Hinweise. Eine damit sehr empfehlenswerte Lektüre für Migrantenorganisationen, um die eigenen Ziele zu fokussieren und bestmöglich umzusetzen.

Arbeitsmarktintegration mit Migrantenorganisationen
(1)
Buch
19,90

Sehr, sehr persönlich

Michael Lehmann-Pape , am 01.06.2016

Da gibt es diese Ereignisse in der Serie „Die Sopranos“. Tony wird angeschossen und schwebt zwischen Leben und Tod. Die Familie um das Bett versammelt, die Gang bewacht ihn, er selbst schwebt in anderen Welten.

In der Serie überlebt Tony. Im wahren Leben erwies sich der Darsteller der Figur, James Gandolfini, als überaus sterblich.

Da steht die Veröffentlichung eines Romans an. Ein sehr, sehr autobiographisch geprägter Roman über einen Vater, der seine Kinder und sich selbst hohen Risiken aussetzte. Der darüber nicht sprach, sondern immer nur tat. Der ein Aufwachsen gerade für seine Tochter in den Raum setzte, der wie eine „Schrottplatz-Umgebung“ gestaltet war. Abenteuerlich, klar, aber voller Gefahren und Unwägbarkeiten mit einem Vater, der immer nur schnell machte, der im Liegen mit einem Finger am Lenkrad über die linke Spur raste (samt Kindern an Bord), der mit dem Motorrad nie anders als waghalsig nach vorne preschte.

Der die Liebe seiner Kinder besaß und doch diese Kinder ziemlich verlor im Leben, fast weggebissen hat.

Ein Roman, der hohe Bedeutung hat, jetzt, kurz vor der Veröffentlichung, denn im wahren Leben liegt der wahre Vater nach einem wahren Motorradunfall im Koma, zwischen Leben und Tod und die Kinder, auch Antonia Baum, versammeln sich. Wie um das Soprano-Bett.

Zeit, das Leben Revue passieren zu lassen, Zeit, tief ins ich zu gehen und nicht nur alte Geschichten noch einmal zu betrachten, sondern auch das eigene Gefühlsleben zu fassen, zu klären, Trauer, Angst, Wut, Ärger zu erleben.

Was Antonia Baum in einer solchen klaren Sprache, in solcher Intimität und solcher Schnörkellosigkeit in diesem schmalen Band vollzieht, das es den Leser nicht mehr loslässt.

Wobei es nicht um einen roten Faden, nicht um Spannung, eigentlich gar nicht um irgendetwas geht, was den Leser angehen würde. Außer, dass hier Grundfragen der Existenz und des eigenen „Kind-Seins“ in den Raum treten, die in jedem Leser ganz eigene Assoziationen freisetzen.

Eigentlich wäre zu empfehlen, dieses schmale Werk, das sprachlich exakt dem Duktus des „Schrottplatzes“ entspricht, zunächst zu lesen, um dann mit diesem Hintergrund sich dem während des Komas des Vaters erschienen, überzeugenden Romans von Antonia Baum noch einmal mit ganz anderem Wissen und breitem Hintergrund nähern zu können.

Eine intensive Lektüre.

Tony Soprano stirbt nicht
von Antonia Baum
(1)
Buch
18,00

Sehr persönlicher Bericht

Michael Lehmann-Pape , am 27.05.2016


In Form eines journalistischen Berichtes, im Ton weitgehend sachlich, beobachtend, an manchen Stellen allerdings auch deutlich emotional (da, wo die Distanz des Journalisten der persönlichen Betroffenheit des Sohnes weicht), so gibt Andreas Wenderoth Einblick in die Demenz-Erkrankung seines Vaters. Und gibt damit ebenso Einblick in das Vater-Sohn Verhältnis, über das, was es bedeutet, wenn die Lebensverhältnisse sich umkehren, aus Eltern Kinder werden und Söhnen plötzliche auch eine Verantwortung zufällt eben für jenes betroffene Elternteil, die auch erst einmal angenommen, geschultert und verarbeitet werden muss.

„Entschuldige mich bitte für meine Inhaltlosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held“.

Einer, dessen Beruf es war, geistig rege und sprachlich gewandt zu arbeiten. Einer, der nun immer mehr vergisst, Ängste erlebt, die Ehefrau als Feindin, die ihm ans Leder will, zu manchen Zeiten betrachtet (und behandelt). Und doch einer, der mit dem Rest einer inneren Ahnung und Haltung noch versucht, der „alten Rolle“ gerecht zu werden. Ganz besonders schön formulieren, sprachliche Volten mit einbauen, ohne zu merken, wie inhaltsleer, floskelhaft all das wird.

Vorgänge, Situationen, kleine Gesprächsausschnitte mit dem 87jährigen Vater immer wieder mit eingestreut, ebenso, wie nüchtern und sachlich die Krankheit und die jeweiligen Diagnosen der Ärzte mit beschreibend, die den Leser von Beginn an mit in diesen „langen Abschied“ einbeziehen.

Den Abschied vom Vater, vor allem aber den „Abschied von sich selbst“, dieses auch quälende Wissen und Erleben, dass man sich selbst fremd wird, seinen Platz, seinen „Wert“ in den eigenen Augen in dieser Welt dahingleiten sieht.

„bin ein bisschen wirrwarig….dann muss ich was warmes essen oder irgendwas, Ich weiß zum Beispiel heute nicht, wie ich zum Arzt gekommen bin, das Auto steht doch dort unten“ (der Arzt war ins Haus gekommen).

Vom Versorgen mit Insulin bis zur (fast unmöglichen) Pflege der Fingernägel, von Verzweiflung und aggressiven Episoden, von einer überforderten Ehefrau (und Mutter) hin zu dem ein oder anderen sehr klaren Moment, der unmittelbar berührt,

„Wir freuen uns über dieses Zwischenhoch“. Aber es wird selten, sehr selten.

Ungeschminkt, klar, berührend, aber über weite Strecken auch mit einer guten, beobachtenden Distanz bietet dieser Lebensbericht einen tiefen Einblick in das, was Demenz für alle Beteiligten vor allem praktisch bedeutet und ist somit eine interessante Lektüre für jeden, der alternden Eltern erlebt oder erleben wird.

Ein halber Held
von Andreas Wenderoth
(1)
Buch
19,99

Kongenial vertont

Michael Lehmann-Pape , am 27.05.2016

Diese Rezension bezieht sich auf das Hörbuch, dem natürlich der Fantasy Roman zu Grunde liegt.

„Einst in der kalten Zeit, rote Felder, rot wie Glut. Gefallen waren Tausende, jedoch niemand fiel der Mut. Stahl auf Stahl“.

Das, was anderen Vertonungen von Romanen in der Regel nicht gegeben ist, findet sich in besonderer Weise auf dieser mp3 Vertonung von „Feuerstimmen“. Eine eigene Musik. Die nicht nur gedanklich in den 18 „Bardenliedern“ den Inhalt des Romans mit aufnimmt, sondern die, vor allem, für eine ganz eigene, intensive Stimmung beim Hören sorgen.

Mehr noch als beim Lesen wird der Hörer zum einen durch die expressive Lesung von Ferenc Husta und zum anderen durch die Musik von „Van Canto“, die mit ihrer ganz eigenen Art der Gesangsgestaltung hier auf den Punkt Atmosphäre und Stimmung Treffen.

Ebenso, wie der Roman, beginnt die Geschichte zunächst fast unauffällig, stellt die Protagonisten in ihrer Fantasy-Welt vor, die gar nicht sonderlich Fantasy-orientiert wirkt, sondern zunächst eher mittelalterlich angehaucht erscheint.

Doch schon bald werden Hintergründe deutlich, kommt das eigentliche (und immer wieder ursprüngliche) Thema des Kampfes „Gut gegen Böse“ zum Tragen und findet auch die Magie (kunstvoll unaufdringlich zunächst gestaltet) den Weg in die Ereignisse.

Wobei es weniger die Geschichte als solche ist, die neue Impulse setzen würde (Ähnlichen von einzelnen starken Gestalten, die sich auf dem Weg zum Kampf gegen die drohende Gefahr zusammenschließen werden, hat man schon häufig gelesen), sondern die sehr flüssige, sehr anschauliche und dabei doch einfach bleibende Art des „Geschichten-Erzählens“ von Christoph Hardebusch macht hier den Unterschied.

Hardebusch versteht es, den Leser hineinzuziehen, emotional zu beteiligen, die Figuren so einzuführen und zu vertiefen, dass sie dem Leser naherücken. Dies dann noch ergänzt durch den gelesenen Hörspielrahmen und die stimmungsvollen Lieder lässt einen der Geschichte überaus gerne weiter folgen.

„Einst in der kalten Zeit gingen Freunde, schnell der Tod“ so die Ausgangslage, die zunächst erst einmal langsam in den Blick gerückt wird. Und das Ziel ist auch bald geklärt:
„Endlich ist es soweit, es kommt die neue Zeit. Das, was sie bringt, klingt unendlich weit“.

Aber bis dahin ist es ein weiter und gefahrvoller Weg, den dieses Hörbuch überaus lebendig in den Raum setzt.

Feuerstimmen (MP3+Audio-CD)
von Ferenc & Van Canto-Vocal Metal Musical Husta
(1)
Musik
16,99

 
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