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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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nicht hilfreich: 14

Rang:
18

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

123

buch

Everyday Raw Express

Matthew Kenney

EUR 19,80 *
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50

21.10.2014

„Rohkost einfach und doch mit Finesse”


Bei diesem Rezeptbuch ist der Titel wahrlich Programm.

Mit einer kurzen Einführung versehen, was für die tägliche Rohkost an Grundsubstanzen immer vorrätig sein sollte (verschiedene Öle, Essig, Süssmittel, Nüsse und Nussmuse bietet Kenney im folgenden umgehend klare strukturierte und einfach zu handhabende Rezepte.

Seien es „Elixiere“, Rohkostdrinks vom Gurken-Refresher über einen Rote Bete-Sangria zum Apfelsaft mit besonderer Note (Cayennepfeffer), seien es Smoothies, Suppen, Vorspeisen (Pasta. Wraps und anderes) bis ihn zu pfiffigen Mahlzeiten (Couscous, Tomaten Pavé, Wildpilzlasagne) und Desserts, Kenney bietet eine Vielzahl von Gerichten für die verschiedenen Snacks und Mahlzeiten.

Dabei bietet das Buch all dies in einfacher Weise, kurz, knapp und klar dar.

Jeweils eine Zutatenlist und eine knappe Anleitung zum Herrichten der verschiedenen Säfte, Smoothies und Speisen reicht völlig aus, um zu einen das konkrete Gericht umstandslos und in kurzer Zeit zu erstellen und bietet andererseits (wozu Kenney den Leser deutlich anhält) auch Raum für eigene Veränderungen, neue Zusammenstellungen und vieles mehr.

Wobei der Einkauf der diversen Produkte sicherlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als die Zubereitung und der Verzehr ( nicht aufgrund der Exotik der Nahrungsmittel im Buch, sondern ob der wirklichen Einfachheit der jeweiligen Zubereitung und der je kurzen Zubereitungszeit(meist unter 30 Minuten)).

Alles in allem bieten die Rezepte Vielfalt und Abwechslung genug, um mit Produkten von hoher Qualität (eine der wichtigsten Grundvorrausetzungen für gelingende Rohkost-Speisen) den eigenen Menü-Plan deutlich zu ergänzen, zu erweitern oder gar (für einige Zeit vielleicht nur oder bestimmte Wochentage) ganz auf Rohkost umzustellen.

Das Buch stellt ebenso einen sehr guten und übersichtlichen Einstieg in die Welt der Rohkost dar, wie es dem mit dieser bereits vertrauten Leser eine ganze Reihe neuer Rezepte und Möglichkeiten eröffnet. Mit hohem Anspruch an die Zutaten und die entsprechende kreative Würzung.

buch

Alaska

Bernd Römmelt

EUR 39,99 *
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50

21.10.2014

„Beeindruckender Bildband”


„Die Arktis ist eine eigene Welt. Im Sommer scheint die Sonne 24 Stunden, im Winter ist sie für mehrere Wochen überhaupt nicht zu sehen. Auch die Tierwelt verändert sich, Felle und Federn werden weiß“.

Diese ganz eigene Welt darzustellen mit ihren, trotz des „Weiß in Weiß“ vielfachen Facetten von Landschaft und Tierwelt, das ist Bernd Römmelt in diesem Bildband ganz hervorragend gelungen.

Wobei, so ganz „Weiß in Weiß“ stimmt das ja auch gar nicht mit der Flora und Fauna in Alaska. Nimmt man alleine den beindruckenden Moschusochsenbullen (gemeinsam mit dem Eisbär der „König der Arktis“, der doppelseitig die Mitte des Buches markiert, dann erhält man durchaus intensiven Eindruck von der Urwüchsigkeit der Arktis. Die Römmelt mit vielen anderen Perspektiven im Buch immer wieder beeindruckend ins beste Licht zu rücken versteht.

Die beiden spielenden jungen Eisbären, deren „Spielplatz“ das riesige Skelett eines Grönlandwals ist, die farbprächtige (im Sommer), bunte Tundra des North-Slope, aber auch die umfassend in Schnee und Eis Eingepackten“ Bäume am Yukon River, neben einem Wolf auf fast üppig gedeihender Steppe, krass sind die Gegensätze in der Arktis zwischen Sommer und Winter, ewigem Eis und Randgebieten.

Ein Abschnitt der Erdkugel, der wohl dichten Regenwald auf Baranov Island in sich trägt, wie ewige Gletscher eines bis zum Horizont reichenden ewigen Winters.

Immer wieder erhellt durch die einzigartige Vielfalt der Polarlichter, die Römmelt intensiv in Bilder bannt.

Schwärme von Vögeln, majestätische Adler, tiefe Gletscherspalten, Berge in blutigem Sonnenrot, Bären auf Nahrungssuche, Robbenschwärme auf dem Weg aus dem Meer auf den Felsen, einsame Schneelandschaften und belebte Wälder, vielfach und vielseitig zeigt sich Alaska und ebenso vielfach und vielseitig portraitiert Römmelt die Arktis.

Erläutert durch informative und die jeweiligen Bilder erläuternden Texte gelingt so ein lebendiger Eindruck dieser „letzten echten Wildnis“ des Planeten.

Eine sehr empfehlenswerte und beeindruckende Bild-Lektüre.

buch

Rollende Steine

Terry Pratchett

EUR 14,99 *
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40

21.10.2014

„Brocken-Roll Musik”


Ja, auch die Scheibenwelt wird ihre Rock´n Roll Erweckung erleben, wobei es zunächst nach solcher musikalischen Karriere für Imp gar nicht aussieht.

Klar, er hat den Harfenwettbewerb gewonnen, eine wunderbare, neue Harfe nennt er sein eigen und wo, wenn nicht in der größten denkbaren Stadt der Scheibenwelt Ank-Morpork würde seine Kunst am meisten gewürdigt werden.

Wenn nicht, naiv wie Imp ist, er die Rechnung ohne das Gildensystem der Stadt gemacht hätte. So wird das nicht. Die Harfe wird die ersten Tage in der Stadt ebenso nicht überstehen und jener Troll (der mit Steinen Geräusche hervorruft, die er Musik nennt) und jener Zwerg (mit dem Blechinstrument) scheinen ja zunächst auch keine große Hilfe zu sein.

Bis es eben losgeht mit dem wilden „Getrommel der Steine“, mit dieser neuen Gitarrre in Imps Händen und den mehr und mehr werden Fans vor der Bühne.

Unter denen auch Susanne sich befindet. Die sich in ihrer Internatsschule sowieso am besten darauf versteht, sich unsichtbar zu machen und die ein wenig schon noch von den Erinnerungen an den Garten ihres Großvaters geprägt ist. Und er hat schon den Tod als Großvater? Zumindest in irgendeiner stief-verwandten Art und Weise.

„Weißes Pferd und schwarzer Garten“, das Großvaters Ort. Der sich dort aber gerade aktuell nicht befindet und damit so einiges durcheinanderbringen wird, mit dem Tod und der Welt.

„Liegt ein Sinn darin? Ist nicht letztlich alles vergeblich?“, das sind die Fragen, die den Tod beschäftigen, Für deren Antwort sogar den vermeintlich „weisesten Mann der Welt“ aufsucht ( eine Szene, die stark an Douglas Adams Sicht der Dinge erinnert, wenn nicht gar Monthy Python hier unter der Decke hervor lugen).

Aber sei´s drum, deprimiert macht der Tod sich auf die Suche nach dem „Fluss des Vergessens“. Es nervt ihn gewaltig (und drückt ihn nieder), sich an jedes Detail der Ewigkeit erinnern zu können. Das muss aufhören.

Während auch in der großen Stadt so mancher denkt, dass das aufhören sollte, dieser moderne Lärm, diese kreischenden Fans, dieses naiv-unbedarfte musikalische Energiebündel, diese „Band der Steine“, die ansonsten das gesamte Volk in Verzücken zu versetzen scheinen.

Während auch der Helfer des Todes, „Rattentod“ das Seine gedenkt, zu tun, um die Dinge mit der Ewigkeit ein stückweit wieder zu recht zu rücken. Wozu er umgehend Susanne in die Pflicht nimmt, was ja schon einmal zu vielfachen Verwicklungen geführt hat.

Überbordend in der ironischen Überspitzung, wie gewohnt seine Figuren oft das eine denken, umgehend aber das andere tun lassen, sein griesgrämiger Tod, ein Seitenhieb auf all die Gurus dieser Welt und immer wieder die Kraft des Rock´n Roll mit leichtem Augenzwinkern, ein durchaus unterhaltsames und anregendes neues Buch aus der „Scheibenwelt“, das Terry Pratchett hier vorlegt. Wenn auch das System, die Sprache, die Verwirrungen, die ständige Ironie dem eifrigen Pratchett Leser bestens bekannt vorkommen werden und daher nicht viel überraschend Neues im Buch vorliegt.

buch

Buffalo Ballad

Hans-Jürgen Koch

EUR 99,00 *
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50

14.10.2014

„Bisons und Landschaft”


„Der Donner rollte über die Prärie – und dann war Stille“.

Eine Stille gerade was den Menschen betrifft, welche in den Fotografien des Buches deutlich zum Tragen kommt. Auch wenn vielfach Bisons die Landschaft in allen möglichen Stadien von Bewegungen (bis zum Stillstand der Kadaver) bevölkern.

Der Mensch aber, und dies sind mit die eindrücklichsten Fotografien in diesem anspruchsvollen Bildband, taucht nur mehr indirekt auf. Nur in seinen „Hinterlassenschaften“.

Alte, vermoderte Wegweiser- Verrottete Hütten, hölzerne Ruinen in Geisterstädten, ein alter, hölzerner Kastenwagen, schräge, ins nirgendwo führende alte Stromkabel und dieses Stück Stacheldraht mit dem daran hängenden Stück Fell. Ein intensives Symbol für das Verhältnis des Menschen zu diesem urwüchsigen Bison.

Ansonsten aber, zum größten Teil in schwarz-weiß, führen die Autoren den Leser mitten in die Prärie, in das Land „Buffalo Bill´s“, mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen (wie bei dieser massiven Ballung dunkler Wilken über der ewig ruhig wirkenden Landschaft) und eben den „Bewohnern“ dieser Prärie, den Bisons.

Einzeln, ausruhend, friedlich, tiefe Ruhe ausstrahlend auch beim Säugen des Nachwuchses bis hin zu den gesenkten Hörnern, dem Kampf gegeneinander mit aufeinander prallenden Körpern.

Herden weit hinten am Horizont und die ein oder andere Nahaufnahme „Auge in Auge“ mit einem Bison Bullen zeigen deutlich die Geduld, Ruhe und Nähe auf, welche die beiden Fotografen inmitten dieser Wildnis zu den Tieren und deren Lebensform aufgenommen haben.

Wim Yellowstone-Nationalpark leben die letzten frei umherziehenden Bisons Amerikas“, immer noch bedroht. Heute weniger von aktiven Jägern, mehr durch den „Schutz vor den Bisons“, respektive einer Infektionskrankheit. Freilebende Bisons als Träger dieser Krankheit werden getötet (zumindest bis zum Jahre 2000), wenn sie die Grenzen des Parks verlassen.

Doch wie die Autoren es sagen: „Die Geschichte wiederholt sich nicht. Der Bison kehr heim“.

Jener Bison, der durch diesen Bildband als Lebewesen und Teil der Landschaft, die er durchstreift mit vielfachen Facetten fotografisch für den Leser lebendig vor Augen geführt wird.

Man muss allerdings schon ein ausgeprägtes Interesse für diesen Teil der Natur aufbringen, um das Buch rundweg genießen zu können. Denn es geht und dreht sich auf allen Fotografien (mit natürlich je höchster Qualität) tatsächlich nur um diesen Bison.

buch

Islamismus

Tilman Seidensticker

EUR 8,95 *
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50

14.10.2014

„Kompaktes Wissen”


Der Islamismus ist spätestens seit 2001 ständiges Thema der öffentlichen Diskussion, der Sorge, der Gefahr. Und selten waren die faktischen Gefahren durch den Islamismus so deutlich zu erkennen wie in der gegenwärtigen Lage in Syrien und im Irak.

Wobei „Islamismus“ immer nur einen sich annähernder Begriff darstellt, wie Seidenticker in seiner Einführung überzeugend erläutert. Weithin aber gilt, dass der Islamismus eine weitgehende Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat und Politik in Richtung bestimmter Normen anstrebt, die als islamisch angesehen werden. Und das auf vielerlei Arten und Weisen, die nur zu einem kleineren Teil massiv gewalttätige Mittel anwenden.

Wobei eben nicht nur die „Mittel“ der jeweiligen Haltungen und Gruppierungen sehr differenzieren, zu einer genaueren Bestimmung, eine „Fassbarkeit DES Islamismus“ wird zudem erschwert durch den, wieder je nach Gruppierung und kulturellem Hintergrund ausgerichteter Werte, die verfolgt werden.

„Die ins Zentrum der Legitimierung gestellten „islamischen Werte und Normen“ sind bei näherem Hinsehen immer eine subjektive Auswahl und Interpretation“.

Dennoch lässt sich, folgt man Seidensticker, in großer Breite ableiten, dass eine gravierende Veränderung von (noch nicht islamistischen) Gesellschaften mit dem Ziel einer „Verabsolutierung des Islam“, ein gesellschaftlichen Leben vollkommen unter der „Souveränität Gottes“ angestrebt wird. Was bereits in diesen ersten Betrachtungen gewisse Paradoxien nach sich zieht, da ja selbst innerhalb der Bewegung des Islamismus keine völlige Einigkeit über die Auslegungen herrscht.

Woher das alles kommt, dem geht Seidensticker im Weiteren des Buches zunächst nach. Interessante historische Fakten werden hier präsentiert, welche die aktuellen Schlagworte und Gruppierungen (wie „Salafisten“, „Muslimbruderschaft“) fassbar mit Hintergrund füllen.

Trotz des eher knappen Überblicks, den Seidensticker vorlegt, werden die Kerninformationen bestens transportiert, im Nachgang erweist sich der Überblickscharakter und die verständliche Sprache dieses Buches als positives Element, denn so vermag auch der islamische Laie die beteiligten Gruppen, deren Hintergründe und deren Ziele gut zu erfassen vermag.

Dass der „Islamismus“ nicht „der Islam“ ist, dass der überwiegende Teil der Menschen muslimischen Glaubens überaus friedfertig und „weltlich“ ihren Glauben leben und dass auch in anderen Weltreligionen fundamentalistische Dogmen zu „Terrorismus“ geführt haben (wobei nicht selten diese Dogmen nur den Deckmantel (Seidensticker nennt es „Alibi“) für andere, eher weltliche Interessen dargestellt haben).

Eine gute, präzise, überschaubare und verständliche Darlegung eine der drängendsten und bedrohlichsten „religiösen“ Haltungen der Gegenwwart.

buch

Trotzdem genial

Katja Betz

EUR 24,90 *
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40

14.10.2014

„Große Geister mit Handicap”


Forscher, Erfinder, Ärzte, Wissenschaftler sind es, denen die beiden Autoren in ihrem Buch nachgehen,

Menschen, die Herausragendes geleistet haben, denen aber eine weitere Besonderheit gemein ist. Alle im Buch portraitierten Personen tragen in der ein- oder anderen Weise, körperlich oder psychisch, eine „Benachteiligung“, eine Behinderung in ihrem Leben.

Kann es sein, dass manche Krankheiten und/oder Behinderungen eben nicht nur Nachteile mit sich, sondern beflügeln diese vielleicht gar zu besonderen Leistungen?

Wäre Edison ohne seine Schwerhörigkeit ein solch genialer Tüfteler und Erfinder geworden, der sich die Lösung von Problemen regelrecht hineinbeißen konnte, Raum und Zeit vergessend? Einer, der lange Jahre bereits daran gewöhnt war, in gewisser Weise „außerhalb“ des Alltages und es Lebens anderer zu stehen.

Oder wäre Newton ein solcher Mathematiker geworden und seine ständig schwächelnde Gesundheit?

Neben diesem Gedankengang der Beförderung bestimmter Leistung durch äußere Einschränkungen bietet das Buch eine Vielfalt von Eindrücken beeindruckender Leistungen, die als Energieleistungen einem schwächelnden Körper (Hawking .a.) oder mehr und mehr abwesenden Geist (Nietzsche) teilweise abgerungen wurden. Willensleistungen sondergleichen, welche die Autoren im Buch ein um das andere Mal dokumentieren und lebendig vor Augen führen.

Letztendlich wird es sich nicht klären lassen, ob die konkrete Krankheit eine eher hindernde oder gar eine stark befördernde Rolle gespielt haben wird, vielleicht gilt beides zu verschiedenen Zeitpunkten. Einerseits ein „Herausgenommen sein“ aus dem „normalen“ Leben und damit ein Antrieb zur Fokussierung auf andere Bereiche, andererseits ein Kampf gegen körperliche oder geistige „Schwächen“, der oft und oft mit eiserner Energie geführt wurde.

Ein innerer Antrieb, das wird aus den verschiedenen Portraits sehr deutlich, welcher die Einschränkungen teilweise grundlegend ignoriert hat, so dass die Mahnung von Heinrich Marx an seinen Sohn eher ungehört verhallt ist (und nicht nur bei Karl Marx):

„Vergesse nicht, dass der Körper auf dieser Erde dessen steter Begleiter ist“.

Je Portrait finden sich die biographischen Daten, die Leistungen und, für den interessierten Leser eine große Hilfe, Erläuterungen zu den konkret vorliegenden Krankheitsbildern mitsamt der Ursachen und der Therapiemöglichkeiten.

Ein sehr interessantes Buch, ansprechend und unterhaltsam geschrieben, dass viele Informationen zu Personen und deren „Behinderungen“ beinhaltet.

buch

Und morgen du

Stefan Ahnhem

EUR 16,99 *
auf Merkliste

50

14.10.2014

„Alte, offene Rechnungen ”


Es sollte für Fabian Risk ein Neuanfang in ruhigen Gewässern werden.

Zurück in die Heimat, in vertraute Umgebung, in ein ruhiges, überschaubares Umfeld.
Ein Neuanfang für sich mit der ganzen Familie, der mit einigen Tagen Ruhe und gemeinsamen familiären Unternehmungen in den Schulferien beginnen sollte.

Doch kaum angelangt, die Kisten noch nicht ganz ausgepackt, geschieht ein grausamer Mord. Und Risk kennt den Toten. Aus seinen Schulzeiten noch.

So wird es nichts mit den paar Tagen Urlaub, unversehens findet sich Fabian Risk inmitten der Mordermittlungen wieder, nicht gerade zur Freude seiner Familie.
Doppelte Belastung also, die Risk aber schnell nach hinten schieben muss, als die Ereignisse Fahrt aufnehmen.

Denn ein weiter Toter, den Risk ebenfalls aus Schulzeiten kennt, macht deutlich, dass hier ein Mörder mit System vorgeht. Ein System, wie Risk erkennen muss, dessen Ziel es ist, seine gesamte alte Schulklasse auszulöschen. Also auch ihn.

Der erste Verdächtige scheint zwar umgehend ein Volltreffer zu sein, aber als immer mehr Tote den Weg der Ermittlungen säumen und Risk selber immer offensichtlicher zur Zielscheibe wird, wird ihm klar, dass es auch für ihn und seine Familie um Leben und Tod geht.

Während die Ermittlungen lange Zeit immer einen Schritt hinter den Ereignissen bleiben, der Mörder überlegen plant und vorgeht, zieht sich die Schlinge um Risk enger zusammen und nimmt den Leser in eine sich immer stärker steigernde Spannungskurve mit hinein.

Wobei es Anhem in seiner eher einfachen, klaren Sprache nicht versäumt, immer für eine Überraschung, eine neue Erkenntnis, eine unverhoffte Wendung gut zu sein.

Ein Kriminalroman mit hohem Tempo, vielfachen Verwicklungen, einer dunklen Vergangenheit im idyllischen Ort und lange Zeit unklaren Hintergründen.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

buch

Die Berufene

M. R. Carey

EUR 14,99 *
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30

14.10.2014

„Zombie Thriller nach altbekanntem Muster”


Eine kleine Gruppe Menschen (und Kinder, die nicht im Ganzen als Menschen durchgehen würden) in einem Stützpunkt. Der nach kurzer Zeit überrollt wird von „den Hungernden“ (das Wort Zombies taucht im Buch nicht auf, die „innere Haltung“ der „Hungernden“ ist aber die gleiche: Fressen. Am liebsten Menschenfleisch), unterstützt von skrupellosen Plünderern, die sich ein wichtiges Moment gegenüber den „Hungernden“ zu nutze machen: Diese reagieren vor allem auf den Geruch von Menschen. Überdeckt man den eigenen Geruch durch chemische Mittel (was die Plünderer durch Teer erwirken), muss man sich nur noch sehr langsam bewegen. Denn die „Hungernden“ sind rasend schnell und ausdauernd.

Mit kleinen Unterschieden zu aktuell allgegenwärtigen Zombies versehen (schnell bei Witterung von Beute, ansonsten starr), startet auf diese Weise klassisch auch dieser Untoten Thriller. Szenen, die teilweise an „Walking Dead“ erinnern, wo Menschen durch Tarnung mit „Zombie –Fleisch und Blut“ sich eine Weile unter den Untoten frei bewegen können.

Eine kleine Gruppe überlebt, macht sich auf den Weg durch gefahrvolles Gebiet zur vermeintlich sicheren Bastion der Zivilisation in Beacon (London wurde vor Jahren bereits aufgegeben) und hat sich mancherlei Angriffe zu erwehren, die nicht jeder der kleinen Gruppe überleben wird.

Mit dabei Melanie, ein Kind von 10 Jahren. Außerordentlich begabt und dennoch vom Parasiten befallen, der die Verwandlung auslöst. Der die Menschheit weitgehend zu einem „Wirtträger“ hat degenerieren lassen. Ein Pilz, der sich im Gehirn festsetzt, die Persönlichkeit, den Menschen tötet und nur die fressbegierige Hülle weite nutzt.

In den Abläufen somit ist dieser Thriller um die „Hungernden“ vorhersehbar und lebt dabei vor allem von der klaren, direkten und temporeichen Sprache Careys. Flüssig und in sich schlüssig lässt er die kleine Gruppe ihren Weg über verlassene Autobahnen, von Hungernden bevölkerte Dörfer bis in die Mitte des Grauens hinein, nach London, ihren Weg suchen.

Anders als in anderen Thrillern des Genres aber bildet sich dann die Erläuterung der Hintergründe bei Carey heraus. Sehr genau beschreibt er, was die Verwandlung auslöst, wie diese vonstatten geht und wie in Melanie beide „Naturen“ einander belauern. In der Liebe zu einer ihrer Lehrerinnen gelingt es Melanie, den „Beißreflex“ zu unterdrücken und, Schritt für Schritt, beide Nature in ihrem Inneren in eine Balance zu bringen.

Was sehr nötig werden wird, denn die Menschheit im Gesamten steht vor dem absoluten Untergang und die kleine Gruppe als solche besitzt auf Dauer nicht genügend Kräfte, um gegen die vielfältigen Gefahren zu bestehen. Wenn Melanie mit ihren ganz eigenen Kräften „zwischen den Welten“ nicht die ihren schützen würde, soweit sie es vermag.

Flott geschrieben, hier und da ein anderer Ansatz und in sich stimmige Erklärungen des ganzen Geschehens mit einem Ende (und damit Ausblick), der anders ist als vom Genre in der Regel gewohnt, vermag es Carey durchaus, frische Impulse zu setzen.

Im Gesamten aber letztlich eine grundsätzliche Abfolge der Ereignisse, die vielfach bereits an anderen Orten beschrieben und gestaltet worden sind.

buch

Grimmbart

Michael Kobr

EUR 19,99 *
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50

14.10.2014

„Einfach gut”


Man muss ihn mögen, den, ehrlich gesagt, oft eher träge und etwas einfältig wirkenden Kommissar, der diesen Eindruck immer wieder als Täuschung entlarvt.

Sicher nicht auf dem Feld der kulturellen Konversation über Maltechniken und Meister an der Grenze zwischen Barock und Renaissance (oder umgekehrt) und vor allem auch nicht auf dem Feld der interkulturellen Konversation mit seinem baldigen japanischen Schwiegervater (noch hallt das Schmunzeln über den Skype-Versuch Kluftingers aus dem letzten Roman der beiden Erfolgsautoren nach).

Aber wenn Kluftinger irgend so ein Gefühl hat, wenn irgendwas nicht stimm. Und sei es auch an dem einen Bild, das ihm irgendwie nicht in die Reihe mit den anderen zu passen scheint, dann lässt er nicht locker. Trotz des ein oder anderen Gläschens auch im Dienst, der Instinkt bleibt wach.

Was es aber nun auf sich haben könnte mit diesem Tod der (eher verarmten) Schlossherrin, der einem gleichzeitig verschwundenen Gemälde nachgestellt ist, was es mit diesem Paar auf sich hat, das zunächst steif und fest behauptet, das erste Mal im Gästehaus des Schlosses übernachtet zu haben und ob und was das alles vielleicht mit diesem unangenehmen Menschen zu tun haben mag, der auf eine fürstliche Adoption aus ist, das wird Kluftinger schon einiges an Instinkt und Nachdenken kosten, bis dieser Fall gelöst ist.

Wobei man ihm zu Gute halten muss, dass er an vielen Fronten zugleich gefordert wird.

Die neue Chefin möchte tatsächlich Schulungen, Schusstraining und Führung von ihm sehen. Wobei sie zugleich auf seine leichte Alkoholfahne hinweist und damit doch Einschränkungen sich am Horizont zeigen, die so ein gestandener Mann erst einmal verkraften muss.

Gestanden wie auch zu Hause, wo Kluftinger unter „Hochzeit-Dauerbeschuss“ steht und alle Tricks anzuwenden versucht, auf gar keinen Fall mit diesem furchtbaren Langhammer zu nahe zusammensitzen zu müssen.

Da fällt ihm erst gar nicht recht auf, dass sich auch mit seinem Geruchssinn etwas gravierendes geändert zu haben scheint.

Launisch, spannend, nicht einfach zu lösen und mit wie aus dem Allgäuer Leben geschnitzten Figuren bieten Klüpfel und Kobr wieder einmal beste, ganz eigene, kreative und anregende Unterhaltung, die gerade weil sie nicht rundweg als Satire konzipiert ist, ihre Wirkung breit entfaltet.

Wie immer kann man sich bei allen Haupt- und Nebendarstellern tatsächlich vorstellen, dass es solche Personen gibt, dass Eigenarten wie der Versuch, ständig mit seinem Wissen zu Punkten an allen Orten vorkommen und das tatsächlich ein sensibler Geist dahinter steckt. Zumindest, was diesen Martin angeht.

Alles in allem einfach gute Unterhaltung, deren Schwerpunkt nicht unbedingt die nervenzerfetzende Spannung ist, sondern der Blick auf einen besonderen Fall und das menschlich-allzu-menschliche.

buch

Waidmannstod

Maxim Leo

EUR 14,99 *
auf Merkliste

50

07.10.2014

„Mord mit Hintergrund”


Wie ein Stück Rotwild ist der Tote zurecht gemacht und wird quasi „präsentiert“ im Jagdrevier.

Ein erster Fall für den „Rückkehrer“ in den Ort in Brandenburg, Kommissar Voss.
Und gleich ein verzwickter.
Denn dass dies kein Jagdunfall war, sieht ja ein Blinder.
Absicht, Präsentation, wie ein Ritual geschah dieser Mord.

Natürlich finden sich zu Anfang eine Reihe von Verdächtigen, der Tote war ja kein Unbekannter, seine Pläne, auf seinem Grund inmitten der Landschaft Windkrafträder bauen zu lassen, hatte viele Feinde.

Aber ob einer von diesen zu einem solchen Mord fähig gewesen wäre? Oder hat gar das gesamte Dorf sich verschworen gegen den Mann, zumindest jene, die von der Idee der großen Windräder ganz und gar nicht angetan waren?

Doch dieser Tote wird nicht er einzige Tote bleiben. Ein weiterer Mann wird auf ähnliche Weise „hergerichtet“ gefunden.

Langsam schwant Vos, dass noch ganz andere Motive für diese Morde in Betracht gezogen werden müssen.

Sehr detailliert und, wie von Leo gewohnt, mit klarer, bildkräftiger Sprache, führt der Autor den Leser intensiv ein in die Welt der Jagdrituale, des „Aufbrechens“, der inneren Haltung hinter all dem und weitet zugleich den Blick für dieses „Stück Deutschland“ in Brandenburg.

Die Atmosphäre, die Mentalität, die Landschaft mitsamt ihrer wechselvollen Geschichte führen in nicht zu weit ausgebreitetem Bogen zum „Spagat der Gegenwart“ zwischen Natur und Walt, Windkraftnutzung und der Entwicklung der Technik neuer Energieressourcen, die an Landschaft und Mensch nicht spurlos vorbeigehen.

Hier zeigt Leo mit Feingefühl die inneren Widersprüche, die Zweifel, die konkreten Probleme der Personen im Buch auf und vermittelt auf diese Weise prägnant den gegenwärtigen Stand der Diskussion (nicht nur in Brandenburg).

All dies bindet Leo mit sich erhöhender Spannung in einen differenzierten und vielschichtigen Kriminalfall ein, ohne dabei Brutalität, Grausamkeit und blutrünstiges Handeln in den Vordergrund zu stellen.
Auf intelligente Art bietet der Roman gute Unterhaltung und eine lange Zeit der Unklarheit über die wahren Hintergründe der Tat (und natürlich den Täter).

Eine empfehlenswerte Lektüre, die den Leser nicht in Albträume versetzt und dennoch sowohl Hintergrundwissen als auch Spannung zu setzen versteht.

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