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Michael Lehmann-Pape Top 100 Rezensent
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15

Michael Lehmann-Papes Rezensionen

123

buch

Die Stürme des Zorns

Brandon Sanderson

EUR 24,99 *
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50

24.04.2015

„Komplex”


Im nun vierten Band der „Geschichte Roschars“ bietet Sanderson, wie schon in den vorhergehenden drei Bänden, sprachlich sehr versiert und sehr interessiert an den vielfachen Personen eine intensive, sehr verzweigte, aus vielen Perspektiven geschilderte „Gemengelage“ der Intrigen, Strategien, des Ergehens mit- und gegeneinander der vielen Protagonisten.

Der Krieg selbst, der herrscht, wird in dieser Vertiefung der Personen fast nur am Rande mit erwähnt. Damit korrespondiert die Erzählweise Sandersons mit dem „aktuellen Stand“ der Auseinandersetzungen. Während der Kampf selbst in eine Art Stellungskrieg übergegangen ist, lässt Sanderson den blick des Lesers weiter (in den „Zwischenspielen“) in die Welt Roschars schweifen (mitsamt einiger Blicke in die Vergangenheit) und folgt auf der anderen Seite den schon bekannten Protagonisten auf ihren teils gefahrvollen, teils „sich selbst findenden“ Wegen durch Roschar.

Das hierbei die ein oder andere „Heldengestalt“ ihren Platz einnimmt und aus so gut wie jeder ausweglosen Situation einen Weg hinausfindet (mit überraschenden Wendungen, bietet dabei dem Leser ähnlich griffige emotionale Verankerungspunkte, wie in „Shallan“, einer der wichtigen, weiblichen Figuren.

Zudem dient dieser Band dazu, die Protagonistene in stückweit auch „vorzubereiten“. Auf die Finale Auseinandersetzung in diesem Buch, aber auch auf (bestimmt) kommende Ereignisse in einer möglichen Fortsetzung. Wie in anderen „Heldenepen“ der Literatur oder des Films wollen die „besonderen Kräfte“, die in zumindest einigen der Personen vorhanden sind, entfaltet und von jenen auch beherrscht werden, um sie gegen drohende und große Gefahren einsetzten zu können.

In einer zerfallenden Welt bietet Sanderson so eine (ein wenig unüberschaubar große) Gruppe von Persönlichkeiten auf, die um die Einheit der Welt ringen und sich gegen eine drohende Niederlage, gegen eine um sich greifende Gleichmut dem Krieg gegenüber und gegen einen Zerfallt ihrer Welt gegn teils übermächtig wirkende Gegner stemmen.

Insgesamt ist der „rote Faden“ mitsamt dem Inhalt auch dieses Bandes kaum angemessen in einem Überblick darzustellen, da Sanderson sehr komplexe Ereignisse und Beziehungen unter den Personen entfaltet, die immer wieder neue Perspektiven, neue Handlungsstränge und neue Einsichten ergeben.

Eine komplexe Welt, die bei der Lektüre zum „darin Versinken“ aber durchaus einlädt, befördert durch die sehr flüssige Erzählweise Sanderson, die emotionale Bindung an seine Protagonisten und die vielfachen Elemente, die erst im Gesamten gesehen das das ganze Bild erst stückweit deutlicher machen. Inklusive gut gesetzten überraschenden Wendungen, die für eine Aufrechthaltung des Interesses sorgen, ohne den inneren Zug der Geschichte auf ein (allerdings absehbares) Finale zu stören.

Weiterhin eine spannende und empfehlenswerte Lektüre.

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50

24.04.2015

„Sehr flüssig und spannend erzählt”


Ist es ein Wesen, eine Existenz oder nur eine Einbildung? Ist der Mensch sich selbst der Feind, weil Fantasien öffentlich angeregt wurden oder gäbe es tatsächlich etwas „zu sehen“, was (nicht nur) Menschen an den Rand des Wahnsinns und in eine zerfleischende „Stimmung“ führt?

Kommt „der Feind“ von außen oder von innen, aus der Angst oder als Bedrohung oder gar von allen Seiten?

Auf jeden Fall stirbt die Welt. Zumindest die Menschen. Erst langsam, vereinzelt, dann rasant.

Während Malorie das Gegenteil erwartet, die Geburt von neuem Leben.

Erst mit ihrer Schwester, dann in diesem Haus in dieser Gruppe, dann anders.

„Die Kinder haben die Welt außerhalb ihres Zuhauses nie gesehen, nicht einmal durch das Fenster“.

Der Junge und das Mädchen, mit Härte trainiert, Widerspruch wurde von Malorie nicht zugelassen und sie wusste auch warum. Denn über Jahre hinweg war ihr klar, dass eine gefährliche Reise über den Fluss ansteht. Im Dunkeln, natürlich, versehen mit Augenbinden.

Und dennoch geht da etwas durch den Fluss hinter ihr her. Etwas, dass sie kennt, seitdem damals die „Vögel in der Box“ laut geschrien haben und Victor, der treue Hund, sein Knurren erschallen ließ.

Eine Geschichte, die Malermann ebenso erzählen wird aus der Vergangenheit heraus, wie er die Reise in der Gegenwart hoch spannend in Szene zu setzen weiß.

Und wie seine Protagonisten es nur vermögen, zieht Malermann auch den Leser mit hinein in diese „blinde Welt“, lässt ihn nur selten am Rande einer Augenbinde oder in unverhofften (und immer dann gefahrvollen) Momenten einen scheuen „Seitenblick“ werfen.

Was in den Menschen vorgeht, die „übrig“ geblieben sind, wie sich die Dynamik dieser anderen Form der Apokalypse entwickelt, das zieht den Leser in einen Sog der Geschichte mit hinein.

Das eine der entscheidenden Fragen des „Warum das so ist, wie es ist“ und warum keine „Hand angelegt wird“ nicht recht beantwortet wird, dass lässt das Mysteriöse des Geschehens zwar offen im Raum verbleiben, was aber der Geschichte an sich und ihrer Spannung nur wenig Abbruch zufügt. Dennoch wäre hier eine intensivere Erklärung wünschenswert gewesen, denn so manches an „Bewahrung“ ist so nicht wirklich zu verstehen oder zu erklären.

Ein andersartiger, sehr unterhaltsamer und sehr lesenswerter Thriller.

buch

Es reicht!

Serge Latouche

EUR 14,95 *
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50

20.04.2015

„Beeindruckende Analyse”



„Glaubt denn irgendjemand wirklich, dass es auf einem begrenzten Planeten grenzenloses Wachstum geben kann?“.

Diese Frage stellt Latouche (nicht als erster und längst nicht zum ersten Mal) in den Raum des Buches und natürlich ist klar, dass bei näherem Nachdenken wohl eher niemand dieses Paradox glauben würde.

Dennoch aber handelt „die Welt“ in weiten (und wirtschaftlich wie politisch entscheidenden) Teilen so, „als ob“ ständiges Wachstum möglich wäre.

Vielleicht aber ist es auch gar nicht so, dass die eine Seite ein „Stopp!“ zu rufen hat und die andere „grenzenlos“ denkt. Vielleicht sind nur die Grenzen, die gezogen werden, zwischen beiden Polen verschieden. Während die eine Seite ein „Jetzt notwendig proklamiert, sieht die andere Seite ein „noch lange nicht“ eher am Horizont.

Sei es, wie es sei, luzide und mit klarem Blick, auch mit spürbarer Emotion legt Latouche vielfache Betrachtungen, Analysen und damit auch Gründe vor, die „Reißleine“ zu ziehen. Nicht nur den „ächzenden Planeten“, sondern auch den „ächzenden Menschen“ in den Blick zu nehmen und die Grundfrage energisch zu stellen, ob denn der Lebensraum und der Mensch allein für die Wirtschaft und das wirtschaftliche Wachstum sich herzugeben hat, oder ob eine Balance des Lebensraumes, in dem die Wirtschaft und die Politik nachhaltig das ökologische System (mitsamt dem Menschen) zu ihrem zentralen Anliegen zu gestalten hat.

Auf die antike Weisheit der „Einbindung in eine vernünftig genutzt Umwelt“ rekurriert Latouche dabei stark und für den Leser durchaus überzeugend.

Nicht „Quantität“ sondern eine umfassende „Qualität“ setzt er als Priorität, wider den „Terror des Zinseszins“ mit seinen Folgen der „Nichtnachhaltigkeit“.

Wie er nun diese globalen Zusammenhänge in das „Theorem der Grünalge“ einbettet, ist dabei ebenso nachvollziehbar wie die vielfachen anderen, ganz praktischen Beispiele, die Latoouche im Buch illustrierend anführt.

Ein „untragbarer ökologischer Fußabdruck“ der das Biotop umkippen lassen wird und zum „Erstickungstod“ des Lebens führen wird. Wenn nicht gegengesteuert wird. Energisch und schnell.

„Degrowth“ ist, natürlich, das Mittel der Wahl für Serge Latouche, ws er zum Ende des Buches hin ausführlich im möglichen Vollzug darlegt (wobei er mit der Häme demgegenüber und mit den Kritikern hart ins Gericht geht).

In Teilen spürbar emotional, immer aber auf dem Boden belegbarer Fakten bietet das Buch weniger eine trockene Analyse, sondern eher ein Fanal, einen Aufruf für den Leser, auch sich selbst endlich den ein oder anderen Ruck zu geben. Flüssig und gut zu lesen, verständlich, aber, natürlich, mit klarer und einseitiger Position, lohnt die Lektüre gerade ob der knappen und kurzen „Klarheit“ ungemein.

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50

20.04.2015

„Kurze Gedanken zum „Sinn des Ganzen“”


Zu Recht verweist Uwe Metz im Vorwort dieses schmalen Buches auf die Zentrifugalkräfte der Gesellschaft, die auf ein „Zerreißen“ hinwirken.

Und dennoch gilt ebenso, was Metz (als Thema der Beiträge in diesem Buch auch) mit Ernst betont: „Wir stehen mit allem, was wir äußern und wie wir handeln in Beziehung zu allen anderen“.

Wo aber werden heute, jetzt, in der Gegenwart diese verbindenden Linien (noch) sichtbar?

Darauf findet Metz seine prägnante Antwort und darauf finden die Autoren in diesem Buch mit ihren je kurzen Texten ihre verschiedenen (und doch verbundenen) Antworten.

Denn eine der Verbindungslinien, wenn nicht „die“ Verbindungslinie „zur Welt“ ist, was der Mensch glaubt. Danach richtet er sein Leben und seine Beziehungen aus, darin sucht er Gemeinschaft. Und darin kommt es zur Reaktion, im besten Fall zum Dialog.

„Anstoß geben“, auch zu unmittelbaren Reaktionen zu verführen, Gedanken entstehen lassen an den „Glaubenssätzen“ eines anderen, das ist das Ziel dieses Buches und, dreht man es um und schlägt es von hinten auf, dann finden sich genügend leere Seiten, um umgehend die eigenen Assoziationen, Zustimmungen, Widersprüche zu notieren und damit „auch mit sich selbst“ in einen Dialog zu treten.

Immer aber legen die Beiträge im Buch Wert auf eine gewisse „Unsicherheit“, aufgrund derer erst ein Gespräch möglich ist. Eine „kreative Unsicherheit“, die um die eigene Begrenztheit weiß, das eigene „Glaubenserleben“ nicht absolut setzt (aber dennoch klar erkennbar vertritt).

Ist es die „Macht der kraftvollen Worte“, die aufrütteln, die empören, wie Lisa Fitz es „bekennt“? Oder allgemeiner formuliert, der „Glaube an das Gute im Menschen“ (auch wenn es schwerfällt), wie Myriam Menter sehr reflektiert zu Papier bringt?

Oder gar, dass in „jedem ein König steckt“, das jeder was kann, jeder seinen Wert hat, wovon Evan Lager überzeugt ist.

Bis hin zum „Glauben an die Liebe“, die den Tod überwindet und fest glaubt, dass nach dem Ende des Lebens „das größte Abenteuer“ noch wartet, wie es Franz Schirmer formuliert.

Gehaltvolle, je kurze, präzise und verständliche Gedanken, die in die Tiefe reichen, bei denen jeder der Autoren und Autorinnen im Buch ein stückweit von sich selbst preisgeben und damit umgehend antwortende Reflexe beim Leser wachrufen.

Ein interessantes Experiment, ein schönes Buch, das dazu einlädt, die mit gereichten leeren Seiten still für sich zu füllen.

buch

Das Ende vom Lied

Alfred Bodenheimer

EUR 18,90 *
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50

16.04.2015

„Ruhiger und intelligenter Kriminalroman”


Kann es sein, dass der Mensch ein „Stalker Gottes“ ist? Das Judentum jemand anderem hinterherläuft, ständig Zeichen falsch deutet, meint, da würde einer Andeutungen machen, weil er seine Anhänger für etwas ganz Besonderes hält und eigentlich macht er (Gott) das gar nicht? Klopft gar nicht an irgendeine irdische Tür, wie man fälschlicherweise meint?

So ganz nebenbei wirft Bodenheimer nicht nur diesen theologischen Gedanken in die Entwicklung seiner neuen Geschichte hinein, an vielen anderen Stellen zudem blitzt seine Hintersinnigkeit auf, seine Fähigkeit, komplexe Überlegungen (und komplexe Personen) präzise vor die Augen des Leser zu führen.

Dass Rabbi Klein noch eine ganz andere Seite hat als jenes verbindliche, kommunikative, zurückhaltende Verhalten, da muss der Leser nur die kurze Szene des Telefonats mit seinem Synagogenpräsidenten genießen, oder der Anruf beim Musiklehrer seiner jüngeren Tochter, um zu wissen: „Stille Wasser sind tief“. Und das gilt auch für diesen ruhigen, geduldigen, nicht locker lassenden Rabbi.

Sei es in der Bewältigung des Alltags, der Führung der Gemeinde, der Anleitung eines Praktikanten oder eben im Blick auf diesen sehr, sehr merkwürdigen Todesfall, der ihm keine Ruhe lässt.

Rabbi Klein hat selbst Stalking erlebt, war hilflos, in seinen „guten Manieren“ gegenüber einer Frau, die im gesamten Umfeld wohl den Eindruck erweckte, dass Rabbi Klein nur aus seiner guten Erziehung heraus noch nicht „zugegriffen“ hat.

Und nun ist diese Frau Tod. Unter den Zug gekommen. Was eigentlich gar nicht erklärbar ist. Wo die Kamera auf dem Bahnsteig just in diesem Moment ausgefallen war.

Eine Frau, die nicht nur mit Klein selbst und seiner Gemeinde in Verbindung stand, die hier und da auch mit einigen „Stützen der Gesellschaft“ irgendwie Kontakt hatte.

Und wie das so ist, wenn Klein etwas keine Ruhe lässt. Auf seine ruhige Art und Weise beginnt er, zu fragen. Sich und andere. Ermittelt, wo er Gelegenheit dazu erhält und dringt so immer weiter und fast „wie nebenbei“ tiefer und tiefer in die familiären Verhältnisse der Toten und die hintergründigen Beziehungen der Beteiligten untereinander vor.
Vor allem, als es für Klein sehr, sehr persönlich werden wird.

In ebenso ruhiger und dennoch stringenter Weise, wie Klein den Faden des Todesfalles aufnimmt, erzählt Bodenheimer in feinem, differenzierten Stil von den Ermittlungen (und dem „drum herum“ des rabbinischen Lebens. In stetigem, nicht nachlassendem, aber auch nicht sich überstürzenden Tempo wirkt der Fortgang der Geschichte immer angemessen und „richtig“ in den Spuren, die miteinander langsam verdichtet werden, bis sich zum Schluss das gesamte Bild des Todes der Frau ergeben wird, wie das Ende des „Hohelied´s der Liebe“.

Differenziert in der Sprache, sorgfältig bis in die Nebenpersonen hinein (seien es die beiden Töchter des Rabbis, sei es sein „Tourette-Praktikant“) ist dieser Roman eine wahre Lesefreude und bietet zudem für den Leser eine angenehme und nicht überhebliche Erweiterung des Wissens über das jüdische Leben und die jüdische Religion.

buch

Die Weltverbesserer

Lisa Nienhaus

EUR 17,90 *
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50

16.04.2015

„Umfassende komprimierte Einführung”


Das „immer mehr immer weniger bringt“, das der „erste Schluck Wasser lebensnotwendig“, jeder weitere Schluck aber immer weniger wichtig wird, bis Wasser zum Waschen von Autos benutzt wird, weil es so wenig wert ist, das ist die Erkenntnis de Herrmann Heinrich Gossen, die gar nicht so weit entfernt ist von der Prognose, dass der Kapitalismus an sich selbst zugrunde gehen wird ob einer zunehmenden „Wertlosigkeit“ (Karl Marx).

Dass dies Adam Smith anders sieht und John Maynard Keynes wiederum Adam Smith nicht für der Weisheit letzter Schluss hält, sondern es eben anders denkt, all das ist Teil dieser Zusammenstellung von sehr komprimierten und dennoch aussagekräftigen Portraits vieler, vieler „Denker der Wirtschaft“.

Auch wenn die Tendenz des Werkes in all seinen einzelnen Würdigungen und Betrachtungen durchaus in Richtung einer Kritik an „entfesselten Kapitalmärkten“ zu verstehen ist (was bei der schieren Fülle der behandelten Denker der Ökonomie weniger an den Autoren, mehr aber an den Erkenntnissen der Ökonomen selbst liegen dürfte), die „Pole“ kommen durchaus zu Wort in diesem Buch.

Von Ayn Rand und ihrem „ent-schränkten Egoismus“ der völligen Freiheit von Markt und Mensch zum konsequenten Liberalismus eines Milton Friedmann hin zu jenem „Geld allein macht auch nicht glücklich“ des Richard Easterlin oder gar der ökonomischen „Ehe-Theorie“ Gary Beckers, tatsächlich alle nur denkbaren Bereiche der ökonomischen Theorien, von Geldschwemme bis Globalisierung, von scharfer Kritik am „entfesselten Kapitalismus (Polany) bis hin zum uneingeschränkten „Lob des Egoismus“ (Alan Smith), der Leser findet im Buch einen reichhaltigen Überblick über die vielen verschiedenen grundlegenden Haltungen zur Ökonomie und deren Verständnis und Steuerung, als auch die wichtigsten Einzelthemen (in Teilen wieder hoch aktuell), wie „Geldschwemme“, „Der Markt braucht Moral“, die notwendige „starke Rolle des Staates“ oder „Der Abstieg der Nationen“.

Jeweils geben die knappen Portraits die wichtigsten Informationen zu den grundlegenden biographischen Daten der einzelnen Ökonomen und richten dann ihr Augenmerk auf meist „den einen“ grundlegenden Gedanken, der das Werk und Denken der Portraitierten getragen hat (oder noch trägt).

Im Gesamten bietet das Buch einen sehr breiten, flüssig verfassten und verständlichen Blick auf die verschiedenen Haltungen und Herangehensweisen der Ökonomen an die Frage des „guten Wirtschaftens“ vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein.

Die Motivation für Vertiefungen zu den einzelnen Themen und Grundrichtungen liegt dann allerdings beim Leser. Für ein genaueres Verständnis bestimmter Ansätze und Ansichten bedarf es einer weitergehenden, dann gezielt ausgewählten Lektüre.

Aber für diesen angestrebten breiten Blick ist das Buch uneingeschränkt zu empfehlen.

buch

Südtirol

Gerhard Waldherr

EUR 39,99 *
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50

13.04.2015

„Wunderbarer und hervorragender Bildband”


Wer allein schon die doppelseitige Fotografie der Gipfel der Geisler Gruppe bei Sonnenuntergang (etwa in der Mitte des Bildbandes) in Ruhe betrachtet, bekommt umgehend eine Ahnung von der Majestät der Landschaft, der Stille der Berge, der Unwegsamkeit des Gebirges, die in diesem bestens „ins Licht gerückten“ Bild den Betrachter umfassend berühren.

Die große Schafherde vor der tief verschneiten Berglandschaft, die kleine Ansiedlung im satten Grün des Sommers, die geschlossene Wolkendecke von oberhalb der Wolkengrenze ins Bild gebannt, die Sonne, die sich am Grödner Joch morgens durch den dichten Nebel kämpft, Seite für Seite, Bild für Bild und mit je treffenden Erläuterungen zu Landschaft und Bewohnern führen Römmelt und Waldherr in eine überaus schöne, beeindruckende Landschaft ein, in welcher sich die Schönheit der Natur in bester Weise widerspiegelt.

Übrigens auch im wörtlichen Sinne des Begriffes, denn die Spiegelung des Eisengabel im kristallklaren und unbewegten Varella-See bildet einen der Höhepunkte des an hervorragend getroffenen Fotografien beileibe nicht armen Bildbandes.

Neben der Natur aber kommen auch die Bewohner keineswegs zu kurz.

Brauchtum und Kirche werden ebenso ausführlich bebildert und mit zusammenfassenden Texten versehen, wie die vielfachen Wegkreuze in Südtirol und die Menschen im Allgemeinen. Ob Hofbesitzer oder Bauingenieurin, ob Skirennläufer oder Hotelbetreiberin, vielfache Aspekte dieser auch politisch besonderen Landschaft können im Buch wahrgenommen werden.

Schlastal, Pustertal, Etschtal, Grödnertal, Passeiertal, Ötztal, Sarntal, Arhntal, Gadertal, Ultental, das sind die geographischen Orte, um die sich beeindruckende Berge und Bergketten herumlegen. Orte, denen die Autoren in Wort und Bild nachgehen und nahekommen und die sie dem Leser in bester Weise informativ und ästhetisch beeindruckend vermitteln.

Vom einsamen Gipfel bis zu den kulinarischen Besonderheiten, vom Winter zum Sommer, vom einsam gelegenem See bis in den Trubel traditioneller Feiern reicht dabei die Palette all dessen, was in Bild und Wort atmosphärisch dicht eingefangen wird.

Ein hervorragender Bildband, der einen umfassenden und tiefen Eindruck in das Land Südtirol, seine Berge, Täler und seine Menschen gibt.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

buch

Wer den Wind sät

Michael Lüders

EUR 14,95 *
auf Merkliste

50

07.04.2015

„Die historischen Hintergründe nicht nur des Dschihad”


Schon zu Beginn des ersten Weltkrieges war es eine offensive Strategie und Politik des deutschen Kaiserreiches, an den Rändern des osmanischen Reiches im Nahen Osten islamische „Gotteskrieger“ zu „erschaffen“. Mittels Propaganda, Geld und Waffen sollte so der Aufstand gegen die britische Besatzungsmacht entfacht und geschürt werden.

Ähnlich, wie Jahrzehnte später „Gotteskrieger“ durch die USA ausgebildet und ausgerüstet wurden für den „Befreiungskampf“ gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Aus denen die Taliban entsprangen und letztlich Al Quaida sich rekrutiert hat. Mit den bekannten Folgen.

Sei es der Putsch in Teheran Mitte der 50er Jahre zur Stützung des Schahs, sei es das erwähnte „Endspiel am Hindukusch“, seien die vielfachen Unterstützungen über Jahrzehnte hinweg an die Diktatoren und selbsternannten Alleinherrscher im mittleren und Nahen Osten, in Afrika, seien es die nachweisbaren Ursachen für die Entstehung des IS durch die Kriege im Irak und die wohlgesonnen Politik mit dem diktatorischen Establishment in Syrien, sei es auch die mangelnde Unterstützung an die damals noch einigermaßen strukturierte Opposition in Syrien zu Beginn des Bürgerkriegs dort, im Blick auf die sorgfältig ausgewerteten Quellen und die nüchterne Beschreibung von Ursache und Wirkung durch Michael Lüders im Buch wird klar, dass der „Westen“ in all den Spannungen und den terroristischen Aktivtäten letztendlich vor allem (wenn auch nicht nur) erntet, was er politisch gesät hat.

Islamisten, Terrorgruppen, Aufstände, Befreiungskämpfe, Ressentiments bis zum Hass gegen Amerika schlechthin sind keine Schicksale, sind nicht aus irgendeinem Himmel gefallen sondern, wie alle Um- und Zustände auf dieser Welt, „gemacht“ worden. Teil eines Ursache-Wirkung-Systems, das besser reflektiert und intensiv bedacht werden sollte, um nicht immer wieder die gleichen Fehler mit den gleichen Folgen zu generieren.

Nachweislich und offenkundig hat die so oft beschworene „Wertepolitik“ des Westens im Nahen Osten nichts anders als verbrannte Erde und Hass hinterlassen. Und tut es noch, was im Buch als schaler Geschmack doppelbödiger Politik und aktueller Realität zum Tragen kommt.

Jene „Achse des Bösen“, benannt durch eine Politik, die sich selbst aber auch nur „gut“ fand und letztendlich jene unüberschaubaren und heftigen Stürme an so vielen Orten erntet.

So kann Lüders völlig zu Recht darauf verweisen, dass man sich mi der westlichen Politik beschäftigen muss, um die Zustände im Nahen Osten genauer zu verstehen.

Ruhig, sachlich, nüchtern, unter Auswertung von geheimdienstlichen Quellen und mit einem spürbaren Fachwissen über die aktuelle Lage vor Ort bietet Lüders diese Blicke auf die Ursachen der einzelnen Konflikte.

Und verweist auf eine kompetente und nach allen Seiten hin offene, dabei tatsächlich vom Wert der Freiheit geleiteten Diplomatie als konstruktive Möglichkeit und, vor allem, als seit Jahrzehnten überfällig.

Eine sehr informative, erhellende Lektüre, die den Finger auf viele offene Wunden westlicher Politik legt, ohne dabei polemisch oder belehrend zu wirken.

buch

Knockout

EUR 29,90 *
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50

07.04.2015

„Ins Innere des Boxens”


„In den vergangenen 1 ½ Jahren hat Drew Sarich nach eigener Schätzung rund 24.500 berufsbedingte Schläge gegen den Kopf bekommen. An jedem Arbeitstag 44“.

Wenn man nun noch weiß, dass Sarich nicht Boxer im engeren Sinne, sondern Darsteller im Musical „Rocky“ ist (und dafür schon ein hohes Box-Training benötigt, dann ahnt der Leser, was das für eine Welt ist. Das Boxen. Von Super-Profis mit effizienter „Berufseinstellung“ bis hin zu einfachen (und nicht hoch begabten) „Schlägern“, von ebenso professioneller Vermarktung bis hin zu halbseidenen „Geschäftsleuten“, es ist eine breite Palette, die Würger in diesem Buch versammelt zwischen den glitzernden Großkämpfen als gesellschaftliches Ereignis und denen „da unten“ in schmierigen Gymns („In der Bude der Illusionen“) auf dem Versuch des Weges nach oben. Oder eben stecken geblieben auf diesem Weg.

„Für dieses Buch haben wir 20 Boxer aufgesucht. Wir haben mit ihnen geredet, gelacht und uns geschlagen. Dann haben wir die Geschichten ihres Lebens aufgeschrieben. Dies ist ein Buch über das Kämpfen“.

Authentisch von Muhammed Ali und Mike Tyson hin zum Promotor Ahmet Öner (mehr als „kriminell“ oder „asozial“ gibt es an hoch dynamischen zu dessen Leben zu erzählen) oder eben Drew Sarich.

„Steh auf, Mann“, das ist einer der Sätze, die das Buch hintergründig durchziehen. „Steh auf“ im Ring, wenn der Niederschlag nicht zu vermeiden war, „Steh auf“ im Leben, solange du atmest, wenn der Gegenwind aus dem Tritt gebracht hat.

Das Leben als Kampf, das für einen wie Mike Tyson schon früh als solches erkennbar war. Als Teil einer Gang in Brooklyn hat das Leben ihn früh geprägt und macht vieles an seinem späteren Verhalten und an seine3r Einstellung der „Vernichtung des Gegners“ mit allen Mitteln deutllich.

„Ich begann jetzt Rachepläne für die Schläge zu schmieden, die ich bei den Schikanen abgekommen hatte“.

In den Texten und intensiven Bildern des Buches gelingt es den Autoren nicht nur, den Leser nah an die konkreten Personen zu bringen, sondern ebenso, diese ganz eigene, faszinierend-anschreckende Atmosphäre des Boxens spürbar in den Raum zu setzen. Das sind schon „harte Jungs und Männer“, von denen das Buch erzählt, aber anders, als man vorher dachte, anders, als es so manch kriminelle Aktionen in jüngeren Jahren des ein oder anderen vermuten lassen.

Menschen auf dem Weg ins Leben, auf er Suche nach ihrem Platz, den sie mit Härte suchen und mit Härte zu verteidigen gedenken, bei aller Nachdenklichkeit, die sich im Lauf der Jahre einstellt.

„Heute spürt Charly manchmal, welchen Preis er für sein Leben bezahlt hat“.
Und der Leser spürt das auch.

Eine empfehlenswerte, oft intensive Lektüre aus dem „Inneren des Boxers“, in welcher die „Welt des Boxens“ persönlich naherückt, weil die Autoren den Menschen naherücken.

buch

Remote Hotels

Debbie Pappyn

EUR 39,99 *
auf Merkliste

50

31.03.2015

„Ganz besondere Hotels an ganz besonderen Orten”


Nicht „Mitten drin“ in der Geschäftigkeit der Welt, der ständigen Erreichbarkeit, der Shoppingmeilen und des allgemeinen Trubels, aber „Mitten drin“ in der „analogen Welt“, der (je individuell ganz anderen) ganz besonderen, ausdrucksstarken Natur, dieses „Mitten drin“ kennzeichnet jene Refugien der Erholung, welche die beiden Autoren in diesem Bild- und Textband ausführlich vorstellen.

Allerdings, zumindest in weiten Teilen der dargebotenen Orte, für den „einfachen Geldbeutel“ und „mal schnell“ ist diese Form des Ausspannens und der andersartigen Urlaubserfahrungen nicht zu gestalten.

Allein schon die wunderbare und eindrucksvolle, doppelseitige Fotografie des Anflugs auf die „Ultima Thule Lounge“ in Alaska bedarf im Weiteren keiner erklärenden Worte, dass besondere Umstände wohl auch besondere Kosten erfordern (wobei dies nicht durchgängig der Fall ist, in den südtiroler Bergen geht das alles auch finanziell ein wenig „gemächlicher“ zu“, wie auch im Konvent in Apulien).

Aber wer sich auch nur ein stückweit hineinversenkt in „Amangiri“, die Verbundenheit des Refugiums mit der Landschaft staunend zur Kenntnis nimmt, der ahnt durchaus, dass an diesen Orten je für sich Erlebnisse warten, die lange nachhallen werden.

Als „Insel des Komforts und des Stils“ inmitten der Wüstenlandschaft Nordamerikas bietet Amangiri, wie die anderen besonderen Orte im Buch ebenso, einmalige Aussichten aus den Zimmern und Suiten und ebenso unmittelbare „Ausgänge“, denn jedes Zimmer hat einen ebensolchen umgehend in die Wüste hinein.

Klar, dass die Preislage nur dezent in Form von vier Eurozeichen angeben wird (die Internetseite lässt die Preise bei 804 € pro Person beginnen).

Absolute Ruhe, Einsamkeit, Raum, Leere, geheime Türen, sternenklarer Himmel, beeindruckende Landschaft, all diese Faktoren verbinden die 22 besonderen „Orte der Abgeschiedenheit“, die im Buch fotografisch ausführlich und textlich mit den Kerndaten und einigen kleinen Hinweisen für die Umgebung vorgestellt werden.

Und schön, dass es nicht nur in Hochpreisregionen angesiedelt sein muss. Das Hotel Briol in Italien, preise ab 100 € für das DZ, zeigt, das Abgeschiedenheit weder mit karger Einfachheit noch mit reinem Luxus verbunden werden muss, sondern Lage und Ausblick, Luft und Abstand vom alltäglichen Geschehen auch näher und einfacher zu finden sind, als nach Afrika oder Alaska reisen zu müssen.

Interessante Konzepte, der Blick für das Detail der verantwortlichen Hoteliers, immer wieder die ganz besondere, herausgehobene Lage (bin hin zu den Osterinseln), das Buch allein schon lässt einen Hauch jener Entspannung fühlbar werden und macht hohe Lust auf das tatsächliche Erlebnis, ein „sich gönnen“ einer echten Auszeit mit allen Sinnen.

Ein ganz anderer, hervorragender, anregender Reiseführer, der, selbst wenn die konkreten Orte nicht erreichbar oder nicht leistbar sein sollen, den Leser motiviert, ähnliches irgendwo anders aktiv sich zu suchen. Anregung und Lust verschafft dieser Bildband mehr als genug

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