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Michael Lehmann-Pape Top 100 Bewerter

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Meine Bewertungen

Plädoyer für eine Reflexion

Michael Lehmann-Pape , am 10.08.2015


Vorweg gesagt, es sind keine neuen Inhalte, keine bis dato „unbekannten Weisheiten“, die Wischer in ihrem schmalen Buch zur „Lage der gestörten Verhältnisse untereinander“ dem Leser zur Reflexion an die Hand gibt.

Terror, zunehmende Fremdenfeindlichkeit, Sorge um ein „zu kurz kommen“, ein harmonisches und friedliches Miteinander ist (wieder einmal im Lauf der Weltgeschichte) stark auf die Probe gestellt. Gerade dann, wenn vermeintliche „Verteilungskämpfe“ und „Kampf um das Bewahren des Erreichten“ die allgemeine Stimmung beginnen, zu bestimmen.

Das die eigene „Freiheit da endet, wo die des anderen beginnt“, dass ein „Innehalten“ notwendig ist und dass es letztlich wird selbst sind, die unser Leben gestalten (und das auch können), das ist tatsächlich nicht neu.

Dennoch lohnt die Lektüre dieses, auch im Stil, sehr verständlich gehaltenen Bu8ches, denn in ihrer Zusammenschau zunächst auf die Angst als treibende Kraft im Menschen, auf die eigene, innere Zerrissenheit, die im Kern den Quell auch für den äußeren „Nicht-Frieden“ darstellt und ihren Verweis auf die „Akzeptanz“ zunächst dessen, was im Menschen ist und dann die Akzeptanz auch dessen, was im Außen fremd ist, aber eben nicht umgehend bekämpft werden muss (wenn der Mensch mit sich selbst zunächst in Frieden gelangt), diese alten Weisheiten und Einsichten vermittelt Ulrike Wischer frisch und durchaus motivierend für den Leser.

Auch wenn in der Wortwahl das „miteinander verbindende innere Navigationssystem“ ein stückweit esoterisch formuliert klingt, die Aussagen Wischers sind nachvollziehbar und handfest.

Wo Menschen innehalten, auf sich selbst achten, sich nachspüren und zunächst ihre eigenen inneren „Dramen“ beginnen, zu klären, da kommt der „eigene Balken“ in den Blick und der „Splitter im Auge des anderen“ kann toleranter betrachtet werden. Die vielfachen, unterschiedlichen Wirklichkeiten, in denen „die andern“ leben und sich bewegen werden dann weniger als Bedrohung des eigenen Status und Selbstbildes verstanden, sondern eher als Wahlmöglichkeiten für menschliche Möglichkeit (mit der Grenze der Freiheit und Unbeschadetheit des Mitmenschen“.

Wie erwähnt ist diese Form des Denkens und des Verweises auf die Klärung des eigenen Inneren als ein erster Schritt, auch das Miteinander zu „harmonisieren“ nicht neu, wie auch die Methode, die Wischer teils in poetischer Form mit auf den Weg gibt von so ziemlich allen Religiösen Gründergestalten der Geschichte ähnlich formuliert wurden.

Dennoch gut, immer wieder in den Anspannungen gerade unserer Tage an solch grundsätzliche Weisheiten (und alternative Betrachtungsweisen) erinnert, hingewiesen und in diese Richtung angeleitet zu werden.

Zusammen leben frei von Angst

Zusammen leben frei von Angst

von Ulrike Wischer

9,99

Umfassender und intensiver Blick auf die Psychologie der Personen

Michael Lehmann-Pape , am 10.08.2015


Sie scheinen beste Freunde seit Grundschulzeiten zu sein. Der eine wurde zum erfolgreichen Schriftsteller und ermöglichte auch seinem Freund, dessen diesbezügliche Ambitionen anzugehen.

Kunihioko Hidaka, mit Preisen ausgezeichneter Autor und Osamu Nonoguchi, der sich gerade im Kinderbuchbereich ein wenig eingerichtet hat und von Höherem träumt.

Unterschiedliche Persönlichkeiten, unterschiedliche Lebenswege, auch was das Privatleben angeht. Während Hidaka früh Witwer wurde und nun gerade mit seiner neuen Frau ein Angebot nach Kanada angenommen hat, lebt Nonoguchi als scheinbar eingefleischter Junggeselle.

Doch der Schein trügt in mehrfacher Hinsicht, wie der Leser im Folgenden Seite für Seite mehr erfahren wird. Aus den verschiedenen Perspektiven von Beteiligten heraus, vor allem aus der Sicht Nonoguchis und des dann ermittelnden Kommissars Kaga heraus bietet sich je eine nicht nur in Nuancen andere Sicht auf das, was geschehen wird.

Hidaka wird erschlagen in seinem fast leergeräumten Haus in seinem Arbeitszimmer gefunden. Von seinem „Freund“ und seiner jungen Ehefrau.

Schon bald kreisen die Ermittlungen von Kommissar Kaga in eine ganz eindeutige Richtung. Aus der auch gar nicht groß widersprochen wird. Doch die Frage ist gar nicht, wer letztlich den Mord quasi zugibt, sondern unter welchen Umständen und aus welchem Motiv heraus dieser Mord geschehen ist.

Denn nicht nur ist der Schriftsteller nun tot, sondern es rühren sich vielfache Zweifel daran, ob Hidaka überhaupt Schriftsteller war.

Um diese entscheidenden Fragen zu klären, muss Kaga tief hineinsteigen. In die Persönlichkeiten der „alten Freunde“ und weit in die Zeit zurückgehen, um die Quelle eines möglichen Motivs zu finden.

Wie gewohnt bietet Hoigashino einen sehr intelligent konstruierten Fall und ein verschachteltes Motiv, bei dem dieses Mal für den Leser die Frage nach dem Mörder selbst schnell beantwortet ist, die Frage nach dem „Wie“ und dem „Warum“ aber vielfache Wendungen und überraschende Drehungen erhalten wird.

Es ist eine Freude, den klaren und prägnanten Sätzen, dem logischen Stil Higashinos zu folgen und sich immer wieder mit hineinnehmen zu lassen in neue Erkenntnisse, Fakten, die geklärt schienen und plötzlich, aber dennoch folgerichtig, in neuem Licht erscheinen.

Auch wenn die letztliche Auflösung des gesamten Vorgangs dann am Ende doch ein wenig konstruiert erscheint, auch wenn sich dem Leser nicht ganz erschließt, warum der Mörder nicht andere Wege gegangen ist, auch wenn das eigentliche „Motiv“ ein wenig schwach auf den Füßen steht, insgesamt bietet auch der neue Kriminalroman von Keigo Higashino eine interessante und intelligente Lektüre.

Böse Absichten

Böse Absichten

von Keigo Higashino

14,95

Wenn das Leben entgleitet

Michael Lehmann-Pape , am 30.07.2015


„Halb zog es, halb sank sie hin“, so könnte man sagen im Blick auf Julia.

Eine Frau, die zunächst gestanden wirkt. Deren Ehemann zwar sehr mit sich und seiner Arbeit beschäftigt ist, sich aber dennoch um Julia bemüht, um ihre innere Zerbrechlichkeit, um die ein oder andere (auch tiefere) Wunde, die das Leben der ehemals bekannten und erfolgreichen Fotografin zugefügt hat. Deren Leben in London sich aber gerade in letzter Zeit doch zu stabilisieren scheint.

Ihrer Kunst geht Julia seit langem schon nicht mehr professionell nach. Nach jenen Ereignissen in jungen Jahren in Berlin beschränkt sich die attraktive Frau auf einfache Aufträge. Familienfeiern, Portraits, das Leben mit Mann und Kind, die Pflege vor allem ihrer engen Freundschaft zu Adrienne.

Und ihr nicht einfaches Verhältnis zu ihrer Schwester, die wie eine Art Gegenentwurf die „wilde“ Art zu Leben in Paris, samt der ein- oder anderen Affäre, wie sich herausstellen wird. Eine Schwester, der sie einerseits einen Teil ihres „Lebensglücks“ verdankt und mit der sie, gerade deswegen, in einem schwierigen Verhältnis voller Reibung steht.

Und jene Schwester ist es, die wieder für eine dramatische Erschütterung in Julias Leben indirekt sorgen wird. In einer Gasse in Paris wird sie ermordet. Wie es scheint, eher zufällig. Am falschen Ort zur falschen Zeit.

Doch Julia lässt nicht los. Versinkt in Trauer. Und, vor allem, kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass der Tod ihrer Schwester keineswegs zufällig war.

Sie erfährt, dass ihre Schwester über ein Dating Portal aktiv war. Männer kennenlernte, Affären genoss. Könnte einer dieser Männer ein Mörder sein?
Julia macht sich auf, ihre eigenen Nachforschungen anzustellen und lässt sich mit einem der Männer auf einen näheren Kontakt ein. Mit ungeahnten Folgen. Mit am Horizont aufziehender Gefahr. Für ihr bis dahin so gesichert erscheinendes Leben. Für ihre Familie. Für ihr Leben.

Und doch, da wäre Watson nicht Watson, mit Drehungen und Wendungen, die den Leser immer wieder aufs Neue in den Zweifel führen, ob den die Dinge wirklich so sind, wie sie scheinen oder ob nicht ganz andere Verbindungen und Verflechtungen hinter all den Ereignissen zu finden sein werden, als Julia denkt oder ahnt.

In einfacher Sprache folgt Watson, wie schon in seinem ersten Thriller, verschlungenen Pfaden und lässt den Leser quasi „Platz nehmen“ im Kopf und der Erlebniswelt seiner Hauptperson. Allerdings tauchen hier und da doch erkennbare Längen im Buch auf, fügen sich mancherlei Ereignisse und Erkenntnisse doch sehr zufällig zusammen, wie auch die überraschende Auflösung am Ende des Buches in Teilen doch sehr zufällig und konstruiert wirkt.

Nichtsdestotrotz bietet Watson auch in diesem Thriller ein komplexes Geflecht aus Möglichkeiten und eine empathische Darstellung einer schrittweisen an sich selbst irre werdenden Persönlichkeit, die durchaus spannend zu lesen ist.

Tu es. Tu es nicht.

Tu es. Tu es nicht.

von Steve J. Watson

14,99

Klar und mit Zug geschrieben

Michael Lehmann-Pape , am 30.07.2015


Er hat sein Versprechen gegeben. Und er ist einer, der das ernst nimmt, dem gerade dieses eine Versprechen „heilig“ ist.

Auch wenn das bedeutet, dass er einen Tag vor seiner Entlassung nach einer mehrjährigen Gefängnisstrafe (unter äußerst harten Bedingungen, was die Mithäftlinge und de Gesamtumstände anging) ausbricht und damit Jahrzehnte weiterer Strafe riskiert, sollte er gefasst werden.

Und da nicht nur die Behörden in Gestalt der FBI Agentin Desiree Furness und anderer sich an seine Fersen heften, sondern auch Männer mit sehr dunklen Absichten ihn jagen und sogar die Hilfe eines seiner Mithäftlinge (fast ein Freund) erpressen, wird Audie Palmers Weg, sein Versprechen einzulösen, ein äußerst harter Weg werden.

Wobei Audie ein Mann ist, der zu planen versteht, der nicht blindlings in Fallen läuft, der sein düsteres Geheimnis seit Jahren bereits vor allen neugierigen Augen bewahrt. Ein Geheimnis, was im Übrigen wenig mit dem zu tun hat, was all die anderen so dringend, auch mit Gewalt, in den letzten Jahren von ihm erfahren wollten. Wo nämlich die sieben Millionen Dollar sind, die er als scheinbar einzig überlebender Täter eines Raubüberfalles irgendwo versteckt haben soll.

Was aber genau passiert ist, was es mit seinem Bruder auf sich hat, welche Rolle jener Sheriff mit seiner kleinen Familie spielt, der sehr nervös wird, als Audie auf freien Fuß gelangt, all das wird der Leser in Ruhe und doch mit deutlich erkennbarem Tempo Seite für Seite mehr erfahren.

Wobei Robotham nicht den „klassischen“ Weg wählt, erst ganz am Ende des Romans all die einzelnen Aspekte des Falles aufzulösen, sondern den Leser in den ersten zwei Dritteln des Buches bereits soweit mit auf die Reise in das Leben des Mannes und seine Flucht genommen hat, dass die Verflechtungen des Falles einigermaßen klar vor Augen liegen.

Ob nun aber Audie den gestellten Fallen entgeht, ob er Hilfe findet oder auf sich alleine gestellt bleibt, ob es überhaupt von entscheidender Seite gewünscht ist, dass er sein Versprechen erfüllt oder er dort gar nicht durchdringen wird mit der Wahrheit des Lebens, all das wird dann tatsächlich erst zum Ende des Buches hin für Spannung und Mitfiebern sorgen.

In klarer Sprache und mit einem überzeugenden Konstrukt der Geschichte, die in ihren einzelnen Teilen jederzeit in sich geschlossen wirkt, setzt Michael Robotham wieder einmal eine sehr gute Unterhaltung des Lesers in den Raum eines Buches.

An manchen Stellen ein wenig zu glatt und zu einfach laufen allerdings einige Aspekte vor sich hin (vom Überleben des damaligen Überfalles bis hin zu den Umständen der Flucht, die Robotham weithin gar nicht erst konkretisiert). Dennoch eine empfehlenswerte und „runde“ Lektüre.

Um Leben und Tod

Um Leben und Tod

von Michael Robotha…

9,99

Elegant und anders

Michael Lehmann-Pape , am 21.07.2015


Die Bretagne hat ihren Kommissar Dupin und Mazan am Mont Ventoux hat Lieutenant Zadira Mateo, Polizistin mit Vergangenheit, tough, aufbrausend und privat doch ganz anders, zurückhaltend, schüchtern fast.

Und, natürlich, den Kater der Polizistin, Commissaire Mazan.

Und eine ganze Reihe weiterer Personen in diesem eher verschlafen wirkenden Weinort, Personen, die langsam, aber mit großer Stetigkeit in ihre „Fälle“ mit hineingezogen werden.

Denn nicht nur, das der „Jahrhundertmaler Frankreichs“, der erblindete Etienne Idka den Ort als Arbeitsplatz für seinen aktuellen, 12teiligen Bilderzyklus ausgewählt hat, nein, die Spuren seines letzten Zyklus reichen bis in die Gegenwart des Ortes. Schaut man die Bilder sehr genau an, stellt man nach einer Weile fest, dass hinter dem Vordergrund Szenen auftauchen. Gewalttätige Szenen, Szenen von Mord.

Und irgendjemand hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese verborgenen Bildszenen in die Realität zu übersetzen. Morde geschehen. Zusammen mit dem Pariser Psychologen Paoli macht sich Mateo auf Spurensuche, angefangen beim Maler selbst. Spuren, die komplex wirken, wenig Anhaltspunkte beinhalten aber in der jungen Polizistin die Alarmglocken
schrillen lassen.

Während ihr Kater, der in Katzen kreisen allseits geachtete Mazan emotionale Verwirrungen einerseits erlebt und andererseits das Geheimnis der wunderschönen, blinden weißen Katze unbedingt lüften will, um diese zu beschützen. Jene weiße Katze, die mit ihrem Herren, dem blinden Maler, gemeinsam im Ort angelangt ist.

Während Lucien Brell, Mateos Kollege vor Ort, im tiefsten Wald Käfige über Käfige entdeckt und Leuten auf die Spur kommt, die einer bedrohten Tierart in großem Maßstab als Leckerbissen an den Mann zu bringen gedenkt.

Wobei inzwischen Zadira Mateo Eifersucht kennenlernt, sich fragt, was sie denn tun kann, um dem Tierarzt des Ortes ihre Gefühle zu erläutern, währenddessen der Psychologe Paoli deutlich mehr als nur berufliches Interesse seinerseits an Mateo zeigt.

Ein ominöser Fall, für den es lange keine klare Linie geben wird, in dem Spuren Mangelware sind, persönliche Verwicklungen und Verflechtungen, die auseinander- und zueinander hin laufen, das Ganze in einer sehr flüssigen, eleganten Sprache mit spürbarer Freude an der Gestaltung der Personen, der neue Kriminalroman von Jean Bagnol liest sich anregend und spannend.

Mit dem besonderen Etwas darin, dass auch auf „tierischer Ebene“ persönliche Charakterzüge wunderbar getroffen werden und somit parallele „Ermittlungen“ immer wieder in die Welt der „großen Kriminalität“ mit hineinspielen, bis dahin, dass sich auf allen Ebenen (mit überraschenden Wendungen) ein Gesamtbildung zur Auflösung des Falles ergibt, an dem alle Beteiligten auf allen Ebenen ihren Teil zu beigetragen haben.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Commissaire Mazan und der blinde Engel

Commissaire Mazan und der blinde Engel

von Jean Bagnol

14,99

Intensive Kontraste

Michael Lehmann-Pape , am 21.07.2015


Weiß zu sein inmitten einer farbigen Umgebung? Albinismus ist schon in den Breitengraden mit überwiegend weißer Bevölkerung ein auffallendes, leicht zur Ausgrenzung führendes Syndrom. Aber ein oder eine „weißer Einheimischer“ zu sein inmitten Afrikas, im Kongo, das sind besondere Geschichten, besondere Eindrücke, starke Kontraste.

Kontraste, die Patricia Willoca in ihrer mehrfach ausgezeichneten fotografischen Arbeit in einer Art und Weise auf Papier bannt, die den Leser unmittelbar fasziniert. Bilder, die einen starken Eindruck vermitteln von dieser Unterschiedlichkeit, von dem, was an Ausgrenzung, an Stigma mit dem Albinismus einhergehen kann (und einhergeht), Fotografien aber auch, in denen die Stärke der Personen, deren Kraft und Wille ihren Niederschlag finden.

Kontraste, wenn die Mutter mit der tiefdunklen Hautfarbe ein „blenden weißes“ Kind auf ihrem Rücken trägt.

Stärke, wenn die „älteste Person mit Albinismus“, Coco Marie, erzählt (mit ihrer scharfen Zunge) und Willoca dazu gestochen scharfe Bilder abbildet.

Als fotografischer Essay in einem Teil des Werkes, als Portraitkonkreter Personen in anderen Teilen gelingen Willoca eindringliche Fotografien dieser ganz besonderen Herausforderung des Lebens, die sich den Albinos im Kongo, in Afrika stellt.

Besondere Herausforderungen, die zu ganz eigenen Lebenswegen führen, wie bei Mwimba Texas, der seinen ganz persönlichen Kampf gegen die soziale Ausgrenzung der Albinos mehr und mehr in die öffentliche Diskussion eingebracht hat. Einer, der als Ringer sportlich seinen Weg gefunden hat und mit seiner Stiftung tatkräftig vorangeht.

Oder Gaelle, an der Willoca einfühlsam aufzeigt, wie schwer es ist, als Albino in einem Land zu leben, in dem nahezu immerzu die Sonne scheint und die als einziges von sieben Geschwistern als Albino zur Welt kam. Eine, die sehr gut weiß, dass es vor allem die Kraft der Familie ist, die ihr Leben prägt.

„Mir ist klar, dass ich mich nur durch die Kraft meiner Familie so akzeptiere, wie ich bin.“

Eine Kraft, ein Aufgehoben sein, welches Willoca auf den dann nachfolgenden Seiten auf dem Gesicht des Mädchens festhält und im engen Kreis ihrer Geschwister aufzeigt.

Intensive Bilder sind es, die Willoca in diesem Buch versammelt, berührende Geschichten konkreter Menschen, Informationen zu dem, was es bedeutet, gesundheitlich und sozial, Albino zu sein im Kongo. Kontraste, die auf den ersten Blick fast schmerzlich das Anders-Sein in den Fokus rücken, die auf den zweiten Blick aber eben auch jene Bindungen, Gemeinschaft, persönliche Stärke der Betroffenen ins Bild rücken.

Ein sehr empfehlenswerter, hervorragend gestalteter Bildband, der den Betrachter nachdenklich und berührt zurücklässt.

White Ebony

White Ebony

von Patricia Willoc…

59,00

Solider Thriller

Michael Lehmann-Pape , am 21.07.2015


„Dem aus Queensland stammenden Brad Perkins ging dieser Scheißbrite mehr auf den Sack als alles, was er bisher erlebt hatte. Zu behaupten, dass er noch ein unerledigtes Geschäft mit Heckenburg hatte, wäre untertrieben gewesen.

Dabei hätte nicht nur Perkins gewarnt sein müssen, war es doch Heckenburg, der wie eine Ein-Mann-Armee mit beserkerhaften Zügen vor einiger Zeit dieses hochprofitable, kriminelle Geschäft der „Nice Guys“ zerschlagen hatte.

75.000 Pfund Festpreis, und jeder Mann konnte sich eine Frau, ein Kind „bestellen“ mit der Garantie, sich völlig auslassen zu können und nie eine Zeugenaussage befürchten zu müssen. Zumindest nicht von der konkret “gekauften“ Person.

Doch nun sitzt der Drahtzieher der Gang im Hochsicherheitstrakt und die Eigenschaft Heckenburgs, seine Ermittlung auf ganz speziell seine Art zu führen nervt vornehmlich seine Vorgesetzten.

Als dann erste Gespräche mit dem Kopf der Bande hinter Gittern stattfinden, als es wirken könne, die Gefahr in den Raum tritt, dass dieser kooperiert, wird er aus dem Gefängnis befreit. Und mehr noch, grausam zugerichtete Leichen werden gefunden, die nur eines verbindet: Sie waren Kunden der „Nice Guys“, sie stehen auf der Liste der Kontakte und stellen damit eine offene Flanke der neuformierten Kriminellen dar.

Mit großer Härte und Einsatz scheren militärischen Gerätes „räumen“ diese nun inmitten Englands auf, während Heckenburg mit allen Mitteln von seinen Vorgesetzten aus den Ermittlungen und der Schusslinie herausgenhalten werden soll.

Wobei man da hätte vorher wissen können, dass dies nicht gelingen wird und Heckenburg alles daran setzt, seinen eigenen Faden der Aufklärung und des Findens der Bande zu erfassen.

Was durch einen Maulwurf in den eigenen Reihen erschwert wird.

Solid verfasst und konzipiert, nicht ganz glaubwürdig in dieser Form des Guerillakrieges inmitten Britanniens und auch ein wenig übertrieben, was die „Ein-Mann-Fähigkeiten“ Heckenburgs angeht, erzeugt Finch dennoch von der ersten Seite an durchweg hohes Tempo und Spannung, scheut sich nicht, Kämpfe in großer Härte darzustellen und bietet eine logisch aufeinander aufgebaute Ermittlung mit geschickten, immer wieder neuen Wendungen.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame und flüssig verfasste Lektüre.

Spurensammler

Spurensammler

von Paul Finch

9,99

Beste Unterhaltung

Michael Lehmann-Pape , am 21.07.2015


Allein schon die durchweg durchgehaltene trockene, coole, ironische, zynische Sprache, mit der Winslow diese Geschichte Seite für Seite vorabringt , verbunden mit seiner kongenialen Hauptperson Neal Carey mit seiner trocken geschilderten und dennoch harten Lebensgeschichte, seinen stahlharten Nerven und seinen im Leben geschliffenen Methoden, seinen Aufträgen durch „die Freunde“ nachzugehen, machen dieses Buch zu einem wunderbaren Lesevergnügen.

Dass die Tochter eines Senators und vielleicht kommenden „großen Mannes“ aus eigener Initiative verschwunden ist (nach London wohl), dass in der Familie des Senators so einiges im Argen liegt, dass die Tochter nur als Funktion in die Kamera lächeln soll, das aber bitte zu einem konkreten Anlass an einem genauen Datum, all das bringt Neal Carey doch ein wenig ins Schwitzen. Denn Anhaltspunkte hat er keine.
Und London, unter einer Bleiglocke von schwülen Temperaturen leidend, stellt sich für Carey über Wochen hinaus als nicht sonderlich hilfreich heraus. Bis der Zufall hilft.

Das zudem in den eigenen Reihen da einer ist, der es nicht sonderlich gut mit Carey und dem ganzen Fall meint, dass noch andere Kräfte mitmischen, die zumindest sich für schlagkräftig halten und das Neal irgendwann vor die Entscheidung Gerät, seinem Auftrag oder seinem Gewissen zu folgen oder doch beides zusammenkriegen könnte, das liest sich in jeder Phase und in jedem Erzählstrang des Buches hoch lebendig, mit trockenem bis trockenstem Humor und flüssigem, wenn auch einfachem Erzählstil.

Wobei, hinter all dem Witz und den coolen Sprüchen, Winslow die Spannung und die Gefahrensituationen bis zum überraschenden Täuschungsmanöver am Ende des Thrillers nicht zu kurz kommen lässt.

Ein Buch, das trotzt seines Alters in keiner Weise angestaubt wirkt, sondern in bester Weise illustriert, dass Winslow flüssig, überzeugend und in sich geschlossen zu erzählen verseht, ebenso, wie er immer wieder trockenen Humor einbaut, ohne je der Gefahr zu verfallen, lächerlich zu wirken.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre

London Undercover

London Undercover

von Don Winslow

9,99

Klar, stringent, umfassend, spannend

Michael Lehmann-Pape , am 23.06.2015


„Und ich hier, denkt Keller – Don Quijote im Kampf gegen Windmühlenflügel, Ahab auf der Jagd nach dem weißen Wal. Alles meine Besessenheit, wie ein Junkie an der Nadel hängt. Mein privater Drogenkrieg, meine private Sucht“.

Und der „Stoff“ für den „Junkie“ Art Keller heißt Adan Barrera. Mit dem er in jungen Freunden eng war, den er in späteren Jahren, in Kellers Zeit als „Herr der Grenze“ gejagt und gefangen gesetzt hat.
Der nicht mehr im Gefängnis sitzt. Der nicht zu fassen zu sein scheint, während Barrera im Hintergrund offensiv seine ehemalige Machtposition wieder erbaut und darüber hinaus die Hände ausstreckt nach der „Alleinherrschaft“ üb den mexikanischen Drogenhandel.

Ein Krieg ist im Gange, hinter den Kulissen und ganz offen auf den Plätzen der umkämpften Drogen-Umschlagorten an der mexikanischen Grenze.

Ein Kampf, in dem Menschen bei lebendigem Leib von den einen verbrannt werden, von den anderen kurz entschlossen mit Schüssen oder Granaten niedergestreckt werden.

Kartell gegen Kartell mit wechselnden Verbindungen, Sondereinheiten gegen Kartelle, je nachdem, welches der anderen Kartelle sie entsprechend schmiert und bezahlt. Die Politik korrupt, die Leitungen der Sondereinheiten nicht einschätzbar und Keller gegen alle.

In klarer, direkter Sprache, mit einfachen Sätzen, die manches Mal fast wie eine Aneinanderreihung von Stichworten wirken, stellt Winslow diese Gemengelage in Form traditioneller Mafia und Verbrechensepen dem Leser vor Augen.

„Der Pate“, „Die Sopranos“, „French Connection“, sowohl vom Umfang her als auch von der (langesamen) Einführung und Vertiefung des „Personals“ stellt sich Winslow mit diesem Thriller in eine illustre Reihe harter und gewalttätiger Darstellungen des organisierten Verbrechens und ebenso gelingt es ihm, seinen Personen echte Tiefe zu verleihen, eine hohe Differenzierung im Innenleben genauso spannend zu gestalten, wie er die vielfach hin- und herwogenden Machtkämpfe minutiös gestaltet.

Mitsamt des menschlichen und emotionalen Preises, den diese Lebensform auf allen Seiten fordert und kostet.

Wobei auch der Hintergrund dieses umfassenden Drogensumpfes nicht zu kurz kommt, die ganz praktische, aber auch die politische Geschichte des Drogenhandels entlang der amerikanischen Grenze mitsamt einer detaillierten Erläuterung der Praxis desselben im Buch aufzeigt, dass Winslow fest im Thema verankert ist und seine Hausaufgaben der Recherche umfassend gemacht hat.

Ein sehr empfehlenswerter, trockener, harter, informierter und äußerst unterhaltsamer Thriller, den man am Ende nur ungern aus der Hand legt.

Das Kartell

Das Kartell

von Don Winslow

16,99

Wunderbare Einblicke auf und in das „grüne Irland“

Michael Lehmann-Pape , am 23.06.2015


Wie eine verwunschene Kulisse aus einem alten Film, so wirkt die bewachsene Treppe, die von einem der vielfachen, im Buch abgebildeten Gärten in den Wald hinaus führt. Verwittert, je nach Fantasie bereit, von den Seiten her Elfen auf den Betrachter loszulassen oder eher düstere Gestalten wie aus „Sleepy Hollow“ einem entgegen zu werfen.

Ein „Ausgang“ Aus dem Garten, der der Gartenanalage mit ihren alt wirkenden Wohnhäusern und den vielfachen Nutzpflanzen organisch entspricht.

Nicht anders ergeht es dem Betrachter mit dem Weg durch 44 Paar Silber-Tannen au fdem „Noble Fair Walk“. Demgegenüber die Blumenterrassen des üppigen Gartens (angelegt bereits 1850) das fröhliche, helle, blühende Gegenüber ergeben.

Parkanlagen mit üpiigem Grün der Bäume und wunderbar angelegtem Rasen, Kräuter und Salatbeete in einem gestochen im Wegkreuzraster wirkenden Garten neben überbordendem Rhododendron und Narzissen.

Vielfältig und von ganz eigener Atmosphäre sind die Gärten in Irland. Eine Atmosphäre, die im Buch in bester, fassbarer Form durch die vielfältigen Fotografien wunderbar eingefangen wird.

Abwechslungsreich und von langer Tradition des Gartenanabaus und der Gartengestaltung geprägt sind die gestalteten Gartenlandschaften in Irland zu erleben, die den Besuch ungemein lohnen und die in diesem Bildband beeindruckend in Szene gesetzt vor die Augen des Betrachters geführt werden.

„Die Gärten passionierter Pflanzenkenner“, das spürt man den Bildern und Gärten regelrecht ab. Mit Leidenschaft und, vor allem, großer, tradierter Sachkunde finden sich vielfach üppige Gartenanalagen, die mit einfachen Ziergärten oder auch liebevoll gestalteten Blumenbeeten kaum etwas gemein haben, sondern in verschiedensten Formen von urwüchsiger Schönheit sich vor den Augen entfalten.

Ob „Romantische Zwischenspiele“, „herrschaftliche große Gärten“, ob „Traumhafte Paradiese“ (mit einem verspielten Charme) oder „fast zu schön zum Essen“, wenn es an die textliche und bildliche Darstellung von vollendeten Küchengärten im Buch geht, bis hin zum „Malen mit Pflanzen“ zu lebendigen Gemälden wie in Mount Congreve oder in Blick auf den Dillon-Garten in Dublin, jeder einzelne Garten ist mit treffenden Perspektiven im Buch bildlich aufgenommen und ausführlich jeweils in den Texten beschrieben.

So bietet dieses Werk einen breiten und differenziert erläuterten Einblick in die Gartenkunst und Gartenlandschaft Irlands, die durchweg „irische Atmosphäre“ ausstrahlen in aller Verschiedenheit der Gartenkonzepte.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre über eine ganz eigene, durchaus auch einmal eigentümliche „Landschaft der Gärten“ Irlands.

Irlands schönste Gärten

Irlands schönste Gärten

von Jane Powers

49,99