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40

30.07.2015

„Ein warmherziger Frauenroman über die Freundschaft”

Nachdem Anna McPartin in diesem Jahr endgültig mit ihrem Roman „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ihren Durchbruch geschafft hat, veröffentlich der Rowohlt Verlag auch ihre älteren Romane noch einmal neu. „Wo dein Herz zu Hause ist“ ist bereits 2009 erstmalig auf Deutsch veröffentlicht worden. Damals noch in der klassischen blauen Ausstattung, die ihn automatisch in die Nähe von Celia Ahern stellte. Ich persönlich liebe ja diese Frauenromane, wo es um eine befreundete Gruppe von Menschen geht. Ich wäre dann selber gerne mit diesen Menschen befreundet. Und genau so ein Frauenroman ist das aktuelle Buch von Anna McPartlin. Am Ende war ich traurig, weil ich diese neu gewonnenen Freunde wieder verlassen musste!

Erzählt wird die Geschichte von Harri, die an ihrem 30. Geburtstag endlich ihre große Liebe heiraten will. Leider landet sie vor dem Ja-Wort bereits zum zweiten Mal nach einer Panikattacke im Krankenhaus. Ihre Eltern entschließen sich daraufhin Harri und ihrem Zwillingsbruder George endlich die Wahrheit zu sagen, denn ihre tiefsitzende Unsicherheit kommt nicht von ungefähr. Nach diesem Geheimnis, was ich Ihnen an dieser Stelle natürlich nicht verraten werde, fangen ihre Freunde sie auf. Und Harri versucht ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig lernen wir ihre beiden besten Freundinnen besser kennen, die jeweils auch eigene Probleme haben. Sie versuchen auch diese gemeinsam zu lösen. Eingebettet in diese Geschichte sind Auszüge aus einem Tagebuch, das 1975 geschrieben wurde.

Anna McPartlin schafft es unwahrscheinlich warmherzig über Freundschaften und die großen und kleinen Probleme der Liebe zu schreiben. Herausgekommen ist wieder ein wunderbar warmherziger Frauenroman über die Liebe und die Freundschaft. Mir persönlich gefallen die Romane von Anna McPartlin besser als die von Celia Ahern. Sie erscheinen mir reifer und realistischer, wenn man das bei dieser Art von Romanen überhaupt sagen kann.

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40

26.07.2015

„Eine schwierige Entscheidung”

Wenn Sie meine Buchbesprechungen öfter lesen, werden Sie wissen, dass ich die Autorin Dörthe Binkert sehr schätze. Vor allem deswegen, weil sie sehr unterschiedliche Bücher zu sehr verschiedenen Themen schreibt. Besprechungen finden Sie von mir zu den beiden Büchern „Brombeersommer“ und „Bildnis eines Mädchens“, aber auch „Weit übers Meer“ (alle im DTV-Taschenbuch Verlag) kann ich sehr empfehlen. Deshalb hab ich mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass im Thiele Verlag ein neues Buch der Autorin erschienen ist.

Dieses Mal erzählt Dörthe Binkert eine Geschichte, die komplett in der Gegenwart spielt. Ihre Hauptperson ist Nina, eine Grafikerin, die in München lebt und für einen dort ansässigen Verlag Buchcover entwirft. Sie ist mit dem Vertriebsleiter des Verlags Leo liiert. Eines Tages erfährt sie, dass sie von ihrer Tante Rieke ein Häuschen hoch im Norden geerbt hat. Sie macht sich alleine auf den Weg nach Nordhült (einem Fantasieort in Schleswig Holstein), um das Erbe abzuwickeln. In ihrer Kindheit hat sie häufig ihre Ferien mit ihren Eltern bei der Tante verbracht. Doch irgendwann haben sich die beiden Schwestern zerstritten und auch Nina hat dadurch ihre Tante aus den Augen verloren. Da ihre Mutter in der Zwischenzeit ebenfalls verstorben ist, ist Nina die rechtmäßige Erbin. Ihre Tante hatte bis zu ihrem unerwarteten Tod in Nordhült einen kleinen Tante-Emma-Laden. Und steht Nina vor dem Problem, was sie mit dem Haus und dem Laden machen soll. Ihr Freund Leo möchte kein Haus dort oben haben, ihn zieht es für die Ferienzeit eher nach Italien. Doch für Nina ist es wie ein
Nachhause kommen. Und das liegt nicht nur an der Landschaft, der Weite und dem Meer, das ganz in der Nähe ist. Sie begegnet nämlich auch ihrer Jugendliebe Malte wieder.

Herausgekommen ist ein für Dörthe Binkert sehr ungewöhnlicher Roman. Er ist sehr ruhig und behandelt in diesem Fall auch kein geschichtliches oder politisches Thema. Es ist einfach ein Roman über eine Frau, die vor einer schwierigen Entscheidung steht. Soll sie das Haus und den Kaufmannsladen behalten? Wie soll das gehen, wenn ihr Lebensmittelpunkt in München liegt? Nach und nach findet sie immer mehr Zeit zum Nachdenken. Und auch die Bewohner dieses kleinen Ortes helfen ihr bei der Entscheidung. Ich persönlich habe mich mit diesem Roman ein wenig schwer getan. Es liegt vielleicht daran, dass ich mir bei diesem Thema die Protagonistin einfach älter vorgestellt habe. Ich finde, die Geschichte hätte viel besser zu einer Frau Ende vierzig bis Mitte fünfzig gepasst und nicht zu einer Frau Mitte dreißig. So konnte ich der Hauptperson die Gedanken und Gefühle nicht ganz so abnehmen. Hinzu kommt, dass die Autorin selbst ja auch schon etwas älter ist.

Es ist ein sehr ruhiges Buch, welches bei mir wie üblich die Sehnsucht nach dem Meer und den Orten an der Nordseeküste geweckt hat. Es ist ein Buch, welches zum Nachdenken anregen kann, wenn man selbst gerade vor einem Wendepunkt im Leben steht. Aber es ist für meinen Geschmack etwas zu seicht geraten. Ich hätte mir noch mehr lebensphilosophischen Hintergrund erhofft. So ist es einfach ein schöner Frauenroman geworden, den ich trotzdem eher Frauen ab Mitte vierzig empfehlen würde.

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50

26.07.2015

„Was für ein zeitloses, bzw. aktuelles Buch”

Was für eine Sensation! 2015 erscheint weltweit ein 2. Buch von Harper Lee. Die meisten von uns haben wohl „Wer die Nachtigall stört“ entweder gelesen und/oder als wundervollen Film mit Gregory Peck geguckt. Bei mir ist es beides schon etwas her, aber ich habe auch beides in sehr liebevoller Erinnerung behalten. Da erstaunt es doch, dass Harper Lee, die jetzt 89 Jahre alt ist, anscheinend schon vor „Wer die Nachtigall stört“ ein Buch geschrieben hat, welches von den Verlagen abgelehnt wurde. Wieso kommt es jetzt heraus? Wollte die Autorin es wirklich veröffentlicht sehen? Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich den wunderbaren Artikel von Felicitas von Lovenberg den sie am 23.07.2015 in der FAZ veröffentlich hat. Einen Link dieses Artikels finden Sie ansonsten auch auf der Facebook-Seite der Thalia Buchhandlung im Elbe Einkaufszentrum.

Harper Lees jetzt erschienener Roman (geschrieben 1957) spielt in den 50er Jahren in Maycomb County, dem Ort, in dem auch „Wer die Nachtigall stört“ gespielt hat. Scout, die Tochter des Anwalts Atticus Finch, ist inzwischen erwachsen und lebt in New York. Sie wird jetzt auch nicht mehr Scout genannt, sondern Jean Louise. Sie kommt zu einem Sommerurlaub nach Hause und macht dort eine erschreckende Entdeckung. Ihr Geburtsort ist ihr fremd geworden. Sie war ja schon immer anders als die anderen Kinder. Und dies hat sich durch ihr Leben in New York noch verstärkt. In Maycomb herrschen noch die alten Sitten und Gebräuche. Die Frauen kümmern sich um die drei Ks. Sie machen sich jeden Tag hübsch für ihre Männer und plappern brav nach, was diese so von sich geben. Jean Louises Tante Alexandra, die inzwischen für ihren Bruder den Haushalt führt, kritisiert andauernd Jean Louises Aussehen. Kein Lippenstift und Hosen! Und dann merkt Jean Louise, dass sich auch die Stimmung vor Ort geändert hat. Während sich die schwarzen und weißen Mitbürger einigermaßen freundlich miteinander abgegeben haben, herrscht jetzt eine strikte Trennung. Und es hat sich in Maycomb County ein Bürgerrat gebildet, dem sehr zu Jean Louise Entsetzens auch ihr Vater und ihr Freund aus Kindertagen, Henry, angehören. Sie sind gegen die Forderung des Obersten Bundesgerichts, die den Schwarzen die gleichen Bürgerrechte zubilligen wollen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit ihrem Vater.

Es ist dies ein ganz anderes Buch als „Wer die Nachtigall stört“. Bei dem zuerst erschienenen Buch wurde die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Sie war sehr versöhnlich erzählt. „Geh hin, stelle einen Wächter“ ist ganz anders erzählt. Harper Lee wechselt zwischen der Erzählung, wie Jean Louise nach Maycomb County zurückkehrt und den Gedanken, die sich Jean Louise macht. Es ist ein Buch, welches sich sehr intensiv mit der Zeit der Rassenkonflikte in den USA beschäftigt. Jean Louise kann einfach nicht verstehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt ticken. Es ist ein großartiges Buch, was sehr zum Nachdenken anregt. Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, ist ein Nachwort vom Verlag. Ich hätte gerne noch etwas mehr über die Entstehung des Buches, die Hintergründe und eine geschichtliche Einordnung der Zeit in den USA bekommen. Denn darüber weiß in Deutschland nicht jeder Bescheid.

Als ich dieses Buch schon relativ weit gelesen hatte, hab ich festgestellt, dass dieses Buch einfach zeitlos und damit immer aktuell ist. Denn immer wird es Menschen geben, die Angst vor Menschen haben, die anders sind. Sei es die Hautfarbe, die Religion, Die Nationalität, die sexuelle Orientierung oder die Gesundheit der Menschen. Was anders ist macht Angst. Der Mensch muss sich dagegen wappnen. Und je nach Temperament kämpft er für oder gegen diese andersartigen Menschen. Besonders schwierig sind aber die Menschen, die einfach ihr Fähnchen nach dem Wind hängen, die sogenannten Mitläufer. Sie sind nämlich eine Grauzone und sehr schwer zu enttarnen. Und sie stützen so manches Unrechtsregime. Und genau in diese Wunde hat Harper Lee schon sehr früh ihre Finger legt. Es war kein Wunder, dass das Buch nicht erschienen ist, als sie einen Verlag dafür gesucht hat. Es hätte nämlich zu vielen Menschen einen Spiegel vors Gesicht gehalten.

Dieses Buch ist einerseits eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser, die gerne durchaus kritische, aber liebevolle Bücher über den Süden der USA mögen. D.h. die gerne „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, „Grüne Tomaten“ von Fannie Flagg oder auch „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen haben. Allerdings ist dies Buch auch gerade jetzt sehr interessant für Menschen, die sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation beschäftigen, denn auch hier kommen wieder unsere Ängste durch.

buch

Abenteuerroman

Gerhard Henschel

EUR 12,90 *
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40

26.07.2015

„Martin Schlosser wird erwachsen”

Viele von Ihnen kennen vielleicht schon Martin Schlosser, diesen jungen Mann, der ursprünglich aus der Nähe von Konstanz stammt, aber durch den beruflichen Werdegang seines Vaters bei der Bundeswehr ins norddeutsche Meppen verschleppt wurde. Gerhard Henschel, 1962 geborener freier Schriftsteller und ständiger Titanic-Mitarbeiter, berichtet davon jetzt bereits in seinem 4. Band. Während im Oktober 2015 bereits der 6. Band dieser Reihe im Atlantik Verlag erscheint, sind die ersten vier Bände inzwischen alle als DTV-Taschenbuch lieferbar. „Bildungsroman“ (Band 5) ist im Moment noch nicht als Taschenbuch angekündigt. Den bekommen Sie aber immer noch als Hardcover bei Hoffmann & Campe.

Kindheitsroman
Jugendroman
Liebesroman
Abenteuerroman
Bildungsroman
Künstlerroman

In der Zwischenzeit ist Martin mit Heike liiert und hat seine Unschuld verloren. In der Schule ist er immer noch aktiv an der Schülerzeitung beteiligt. Wir begleiten Martin im Abenteuerroman durch den Abschluss seiner Schulzeit, seinem kurzen Intermezzo bei der Bundeswehr und später bei der AWO in Bielefeld beim Zivildienst. Politisch ist er nicht mehr so aktiv wie früher. Irgendwie weiß er nicht so Recht, was er zukünftig machen will. Studieren? Aber was? Eine Ausbildung beginnen? Martin lässt sich etwas treiben. Die besten Phasen in seinem Leben scheinen immer die zu sein, wo er mit seinem besten Freund aus Meppen per Anhalter auf Tour ist. Bier und Haschisch spielen eine große Rolle in dem Leben der beiden. Mit den Frauen kommen sie nicht so wirklich gut zurecht, obwohl sie doch beide ihre festen Freundinnen haben. Aber die ticken halt so ganz anders. Und große Liebe sieht irgendwie anders aus.

Von diesem 4. Band war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Im Klappentext steht etwas von Drogenexperimenten, Wohngemeinschaftsleben und Brokdorf. Klar, das kommt alles in diesem Roman drin vor, aber ich hab es mir einfach intensiver vorgestellt. Bisher war Martin Schlosser immer der Typ Junge/Mann gewesen, mit dem ich damals gerne zusammengekommen wäre. Aber jetzt ist er mir zu lasch geworden. Wo ist denn sein Kampfgeist hin?

Trotzdem hat Gerhard Henschel natürlich wie immer die Zeit und die entsprechende Gesellschaftsschicht wunderbar beschrieben. Ich hatte schon ganz vergessen, wie schwierig die Mann-Frau-Beziehungen in der Zeit gewesen sind. Immerzu mussten die armen Kerle über ihre Gefühle sprechen und konnten es den Mädels nicht Recht machen. Alles wurde am liebsten kaputtdiskutiert. Herrlich, wie er zwei Klassiker der damaligen Frauenliteratur aufs Korn nimmt: Svende Merian „Der Tod des Märchenprinzen“ und „Häutungen“ von Verena Stefan. Diese beiden Bücher konnte ich schon damals nicht leiden. Ich bin ja mal gespannt, wie es weitergeht. Ich freu mich drauf!

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40

26.07.2015

„Besuche in der Londoner Nationalgalerie”

„Bilder einer Ausstellung ist der ist der erste Roman der britischen Autorin Camilla Macpherson, der das richtige Lesefutter für Leserinnen von Judith Lennox ist, denn ein Teil des Romans spielt in London zur Zeit des 2. Weltkrieges. Er erschien bereits 2011 unter dem leider nichtssagenden deutschen Titel „Am Tag und in der Nacht“ beim List Verlag. Jetzt versucht es der Ullstein Verlag noch einmal mit der Übersetzung des Originaltitels „Pictures at an exhibition“. Der jetzige Titel trifft viel besser zu, da ein wichtiger Bestandteil der Handlung 14 Meisterwerke sind, die in der Londoner Nationalgalerie ausgestellt sind.

Camilla Macpherson erzählt die Geschichte von Claire, Rob und Dominic in der Gegenwart sowie Daisy, Charles und Richard während des 2. Weltkrieges. Claire hat gerade einen schrecklichen Verlust erlitten. Im sechsten Monat hat sie ihr ungeborenes Kind verloren und gibt ihrem Mann Rob die Schuld daran. Die ehemals sehr glückliche Ehe droht an diesem Schicksalsschlag zu zerbrechen, denn Daisy kann ihm einfach nicht verzeihen. Eines Tages erhalten die beiden ein Paket aus Kanada, welches u.a. Briefe an seine vor kurzem verstorbene Großmutter enthält. Diese Briefe wurden von Daisy, einer jungen Engländerin, während des 2. Weltkrieges an ihre Freundin Elizabeth, die nach Kanada geheiratet hat, geschickt. Daisy beschreibt darin ihr Leben während dieser Zeit. Da das Leben natürlich nicht viel Positives in dieser Zeit zu bieten hat, sind für Daisy ihre monatlichen Besuche in der Nationalgalerie ein Highlight, welches sie Elizabeth ausführlich beschreibt. Eigentlich sind während des Krieges die ganzen Kunstwerke sicher verwahrt worden, aber um die Moral der Zivilbevölkerung zu stärken, wird jeden Monat ein anderes Meisterwerk hervorgeholt und ausgestellt. Diese Bilder und ihre Empfindungen beschreibt Daisy ihrer Freundin. Und während sie jeden Monat in die Ausstellung geht, passiert etwas mit Daisy. Sie lernt einen jungen Mann kennen, obwohl sie bereits verlobt ist. Diese Geschichte fasziniert Claire so, dass sie sich diese Bilder ebenfalls anschaut. Und auch sie lernt einen Mann kennen. Sind die Briefe ein Wink des Schicksals für sie? Claire steigert sich immer weiter in die Geschichte von Daisy hinein. Wird sie durch Daisys Liebesgeschichte ihre eigene Ehe retten können oder findet sie eine neue Liebe? Und wie entscheidet sich Daisy?

Camilla Macpherson hat einen schönen und gleichzeitig traurigen Familienroman geschrieben. Sie hat die Trauer und die Wut von Claire sehr gut erfasst. Als Leserin habe ich mit ihr getrauert und gelitten, aber irgendwann wollte ich sie am liebsten treten, damit sie endlich mit ihrem Leben weitermacht. Wirklich schön sind die Beschreibungen und Empfindungen der beiden Frauen vor den Bildern in der Ausstellung. Durchaus eine schöne Lektüre für Leserinnen von guter Unterhaltung, die auch ein Interesse an Kunst haben.

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50

23.07.2015

„Was für ein zeitloses, bzw. aktuelles Buch”

Was für eine Sensation! 2015 erscheint weltweit ein 2. Buch von Harper Lee. Die meisten von uns haben wohl „Wer die Nachtigall stört“ entweder gelesen und/oder als wundervollen Film mit Gregory Peck geguckt. Bei mir ist es beides schon etwas her, aber ich habe auch beides in sehr liebevoller Erinnerung behalten. Da erstaunt es doch, dass Harper Lee, die jetzt 89 Jahre alt ist, anscheinend schon vor „Wer die Nachtigall stört“ ein Buch geschrieben hat, welches von den Verlagen abgelehnt wurde. Wieso kommt es jetzt heraus? Wollte die Autorin es wirklich veröffentlicht sehen? Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich den wunderbaren Artikel von Felicitas von Lovenberg den sie am 23.07.2015 in der FAZ veröffentlich hat. Einen Link dieses Artikels finden Sie ansonsten auch auf der Facebook-Seite der Thalia Buchhandlung im Elbe Einkaufszentrum.

Harper Lees jetzt erschienener Roman (geschrieben 1957) spielt in den 50er Jahren in Maycomb County, dem Ort, in dem auch „Wer die Nachtigall stört“ gespielt hat. Scout, die Tochter des Anwalts Atticus Finch, ist inzwischen erwachsen und lebt in New York. Sie wird jetzt auch nicht mehr Scout genannt, sondern Jean Louise. Sie kommt zu einem Sommerurlaub nach Hause und macht dort eine erschreckende Entdeckung. Ihr Geburtsort ist ihr fremd geworden. Sie war ja schon immer anders als die anderen Kinder. Und dies hat sich durch ihr Leben in New York noch verstärkt. In Maycomb herrschen noch die alten Sitten und Gebräuche. Die Frauen kümmern sich um die drei Ks. Sie machen sich jeden Tag hübsch für ihre Männer und plappern brav nach, was diese so von sich geben. Jean Louises Tante Alexandra, die inzwischen für ihren Bruder den Haushalt führt, kritisiert andauernd Jean Louises Aussehen. Kein Lippenstift und Hosen! Und dann merkt Jean Louise, dass sich auch die Stimmung vor Ort geändert hat. Während sich die schwarzen und weißen Mitbürger einigermaßen freundlich miteinander abgegeben haben, herrscht jetzt eine strikte Trennung. Und es hat sich in Maycomb County ein Bürgerrat gebildet, dem sehr zu Jean Louise Entsetzens auch ihr Vater und ihr Freund aus Kindertagen, Henry, angehören. Sie sind gegen die Forderung des Obersten Bundesgerichts, die den Schwarzen die gleichen Bürgerrechte zubilligen wollen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit ihrem Vater.

Es ist dies ein ganz anderes Buch als „Wer die Nachtigall stört“. Bei dem zuerst erschienenen Buch wurde die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Sie war sehr versöhnlich erzählt. „Geh hin, stelle einen Wächter“ ist ganz anders erzählt. Harper Lee wechselt zwischen der Erzählung, wie Jean Louise nach Maycomb County zurückkehrt und den Gedanken, die sich Jean Louise macht. Es ist ein Buch, welches sich sehr intensiv mit der Zeit der Rassenkonflikte in den USA beschäftigt. Jean Louise kann einfach nicht verstehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt ticken. Es ist ein großartiges Buch, was sehr zum Nachdenken anregt. Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, ist ein Nachwort vom Verlag. Ich hätte gerne noch etwas mehr über die Entstehung des Buches, die Hintergründe und eine geschichtliche Einordnung der Zeit in den USA bekommen. Denn darüber weiß in Deutschland nicht jeder Bescheid.

Als ich dieses Buch schon relativ weit gelesen hatte, hab ich festgestellt, dass dieses Buch einfach zeitlos und damit immer aktuell ist. Denn immer wird es Menschen geben, die Angst vor Menschen haben, die anders sind. Sei es die Hautfarbe, die Religion, Die Nationalität, die sexuelle Orientierung oder die Gesundheit der Menschen. Was anders ist macht Angst. Der Mensch muss sich dagegen wappnen. Und je nach Temperament kämpft er für oder gegen diese andersartigen Menschen. Besonders schwierig sind aber die Menschen, die einfach ihr Fähnchen nach dem Wind hängen, die sogenannten Mitläufer. Sie sind nämlich eine Grauzone und sehr schwer zu enttarnen. Und sie stützen so manches Unrechtsregime. Und genau in diese Wunde hat Harper Lee schon sehr früh ihre Finger legt. Es war kein Wunder, dass das Buch nicht erschienen ist, als sie einen Verlag dafür gesucht hat. Es hätte nämlich zu vielen Menschen einen Spiegel vors Gesicht gehalten.

Dieses Buch ist einerseits eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser, die gerne durchaus kritische, aber liebevolle Bücher über den Süden der USA mögen. D.h. die gerne „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, „Grüne Tomaten“ von Fannie Flagg oder auch „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen haben. Allerdings ist dies Buch auch gerade jetzt sehr interessant für Menschen, die sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation beschäftigen, denn auch hier kommen wieder unsere Ängste durch.

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50

23.07.2015

„Ein neuer Fall für Zadira und Commissaire Mazan”

2013 ist der erste Fall des Autoren-Duos Nina George und Jo Kramer unter dem Pseudonym Jean Bagnol erschienen. Und schon damals habe ich Ihnen das Buch „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ sehr ans Herz gelegt. Jetzt ist der 2. Fall erschienen, und ich war natürlich sehr neugierig darauf, ob 1. alle liebgewonnenen Protagonisten wieder mit dabei sind und 2. es den beiden noch einmal gelungen ist, so einen packenden Krimi zu schreiben. Hier nun meine Bewertung:

Auch dieser Krimi spielt selbstverständlich wieder in dem kleinen beschaulichen Dorf Mazan im Departement Vaucluse. Der schwarze Kater Commissaire Mazan lebt immer noch bei Lieutenant Matéo, die ihm allerdings alle Freiheit gibt, die er braucht. Der attraktive Tierarzt Jules Parceval und sein großer, sabbernder Hund Atos, die Reporterin Blandine, der sympathische Sergeant Lucien Brell und der Engländer Jeffrey Spencer sind genauso wieder mit dabei wie die Katzengang von Mazan. Die Mordfälle, um die es in diesem Fall geht, sind allerdings gar nicht vor Ort geschehen, sondern im fernen Paris. Von dort wird Zadira um Amtshilfe gebeten. Es hat bereits zwei bizarre Morde gegeben. Wie die Opfer so künstlerisch drapiert wurden, weist eine erschreckende Ähnlichkeit mit Bildern des blinden Malers Etienne Idka auf. Sie entsprechen 2 Bildern seines aktuellen Zyklus „Tod und Erlösung“, der insgesamt aus 12 Bildern besteht. Ist das etwa der Auftakt eines Serienmörders? Werden noch 10 weitere Morde folgen? Da der Maler inzwischen mitsamt seiner Haushälterin in Mazan lebt, soll Zadira bei den Ermittlungen helfen.

Dies ist in diesem Krimi allerdings nicht der einzige Kriminalfall. Commissaire Mazan vermisst seine Freundin Manon und macht sich mit den anderen Katzen auf die Suche nach ihr. Und auch Segeant Brell ist diesmal einem eigenen Fall auf der Spur. Gibt es zwischen diesen Fällen Zusammenhänge?

Beim 1. Fall haben Jean Bagnol den Mörder innerhalb des Krimis immer mal wieder zu Wort kommen lassen. D.h. wir Leser wussten, dass es der Mörder ist, aber wir wussten nicht, wer er ist. Dies ist in diesem Fall anders. Wir tappen genauso wie die Ermittler im Dunkeln umher. Herausgekommen ist wieder ein ausgesprochen spannender Krimi, der mich so richtig hineingezogen hat. Ich hatte Gänsehaut und hab richtig Angst gehabt, was noch passieren wird. Und das, obwohl der Krimi total auf richtig fiese, blutige Szenen verzichtet. Es wird einfach ganz geschickt mit den Ängsten der Leser gespielt. Das können Jean Bagnol richtig gut.

Natürlich spielen die Katzen auch dieses Mal wieder eine wichtige Rolle, aber sie helfen den Menschen nicht bewusst bei deren Fällen, sondern sie lösen ihre eigenen. Die Katzen werden wie Katzen dargestellt mit all ihren Eigenarten. Natürlich werden sie teilweise etwas an der Realität vorbei idealisiert, aber immer so, dass es durchaus glaubhaft rüberkommt. Und darum können diese Krimis um Commissaire Mazan von allen Krimiliebhabern gelesen werden, egal wie sie zu Katzen stehen.

Fazit: Ein extrem spannender Krimi, der wieder wunderbar das französische Flair des südlichen Frankreichs einfängt mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Ein toller Krimi für Liebhaber von spannenden Fällen, die ohne Blut auskommen, für Frankreich-Liebhaber und Katzenfans.

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50

23.07.2015

„Was für ein zeitloses, bzw. aktuelles Buch”

Was für eine Sensation! 2015 erscheint weltweit ein 2. Buch von Harper Lee. Die meisten von uns haben wohl „Wer die Nachtigall stört“ entweder gelesen und/oder als wundervollen Film mit Gregory Peck geguckt. Bei mir ist es beides schon etwas her, aber ich habe auch beides in sehr liebevoller Erinnerung behalten. Da erstaunt es doch, dass Harper Lee, die jetzt 89 Jahre alt ist, anscheinend schon vor „Wer die Nachtigall stört“ ein Buch geschrieben hat, welches von den Verlagen abgelehnt wurde. Wieso kommt es jetzt heraus? Wollte die Autorin es wirklich veröffentlicht sehen? Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich den wunderbaren Artikel von Felicitas von Lovenberg den sie am 23.07.2015 in der FAZ veröffentlich hat. Einen Link dieses Artikels finden Sie ansonsten auch auf der Facebook-Seite der Thalia Buchhandlung im Elbe Einkaufszentrum.

Harper Lees jetzt erschienener Roman (geschrieben 1957) spielt in den 50er Jahren in Maycomb County, dem Ort, in dem auch „Wer die Nachtigall stört“ gespielt hat. Scout, die Tochter des Anwalts Atticus Finch, ist inzwischen erwachsen und lebt in New York. Sie wird jetzt auch nicht mehr Scout genannt, sondern Jean Louise. Sie kommt zu einem Sommerurlaub nach Hause und macht dort eine erschreckende Entdeckung. Ihr Geburtsort ist ihr fremd geworden. Sie war ja schon immer anders als die anderen Kinder. Und dies hat sich durch ihr Leben in New York noch verstärkt. In Maycomb herrschen noch die alten Sitten und Gebräuche. Die Frauen kümmern sich um die drei Ks. Sie machen sich jeden Tag hübsch für ihre Männer und plappern brav nach, was diese so von sich geben. Jean Louises Tante Alexandra, die inzwischen für ihren Bruder den Haushalt führt, kritisiert andauernd Jean Louises Aussehen. Kein Lippenstift und Hosen! Und dann merkt Jean Louise, dass sich auch die Stimmung vor Ort geändert hat. Während sich die schwarzen und weißen Mitbürger einigermaßen freundlich miteinander abgegeben haben, herrscht jetzt eine strikte Trennung. Und es hat sich in Maycomb County ein Bürgerrat gebildet, dem sehr zu Jean Louise Entsetzens auch ihr Vater und ihr Freund aus Kindertagen, Henry, angehören. Sie sind gegen die Forderung des Obersten Bundesgerichts, die den Schwarzen die gleichen Bürgerrechte zubilligen wollen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit ihrem Vater.

Es ist dies ein ganz anderes Buch als „Wer die Nachtigall stört“. Bei dem zuerst erschienenen Buch wurde die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Sie war sehr versöhnlich erzählt. „Geh hin, stelle einen Wächter“ ist ganz anders erzählt. Harper Lee wechselt zwischen der Erzählung, wie Jean Louise nach Maycomb County zurückkehrt und den Gedanken, die sich Jean Louise macht. Es ist ein Buch, welches sich sehr intensiv mit der Zeit der Rassenkonflikte in den USA beschäftigt. Jean Louise kann einfach nicht verstehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt ticken. Es ist ein großartiges Buch, was sehr zum Nachdenken anregt. Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, ist ein Nachwort vom Verlag. Ich hätte gerne noch etwas mehr über die Entstehung des Buches, die Hintergründe und eine geschichtliche Einordnung der Zeit in den USA bekommen. Denn darüber weiß in Deutschland nicht jeder Bescheid.

Als ich dieses Buch schon relativ weit gelesen hatte, hab ich festgestellt, dass dieses Buch einfach zeitlos und damit immer aktuell ist. Denn immer wird es Menschen geben, die Angst vor Menschen haben, die anders sind. Sei es die Hautfarbe, die Religion, Die Nationalität, die sexuelle Orientierung oder die Gesundheit der Menschen. Was anders ist macht Angst. Der Mensch muss sich dagegen wappnen. Und je nach Temperament kämpft er für oder gegen diese andersartigen Menschen. Besonders schwierig sind aber die Menschen, die einfach ihr Fähnchen nach dem Wind hängen, die sogenannten Mitläufer. Sie sind nämlich eine Grauzone und sehr schwer zu enttarnen. Und sie stützen so manches Unrechtsregime. Und genau in diese Wunde hat Harper Lee schon sehr früh ihre Finger legt. Es war kein Wunder, dass das Buch nicht erschienen ist, als sie einen Verlag dafür gesucht hat. Es hätte nämlich zu vielen Menschen einen Spiegel vors Gesicht gehalten.

Dieses Buch ist einerseits eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser, die gerne durchaus kritische, aber liebevolle Bücher über den Süden der USA mögen. D.h. die gerne „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, „Grüne Tomaten“ von Fannie Flagg oder auch „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen haben. Allerdings ist dies Buch auch gerade jetzt sehr interessant für Menschen, die sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation beschäftigen, denn auch hier kommen wieder unsere Ängste durch.

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50

19.07.2015

„Ein neuer Fall für Zadira und Commissaire Mazan”

2013 ist der erste Fall des Autoren-Duos Nina George und Jo Kramer unter dem Pseudonym Jean Bagnol erschienen. Und schon damals habe ich Ihnen das Buch „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ sehr ans Herz gelegt. Jetzt ist der 2. Fall erschienen, und ich war natürlich sehr neugierig darauf, ob 1. alle liebgewonnenen Protagonisten wieder mit dabei sind und 2. es den beiden noch einmal gelungen ist, so einen packenden Krimi zu schreiben. Hier nun meine Bewertung:

Auch dieser Krimi spielt selbstverständlich wieder in dem kleinen beschaulichen Dorf Mazan im Departement Vaucluse. Der schwarze Kater Commissaire Mazan lebt immer noch bei Lieutenant Matéo, die ihm allerdings alle Freiheit gibt, die er braucht. Der attraktive Tierarzt Jules Parceval und sein großer, sabbernder Hund Atos, die Reporterin Blandine, der sympathische Sergeant Lucien Brell und der Engländer Jeffrey Spencer sind genauso wieder mit dabei wie die Katzengang von Mazan. Die Mordfälle, um die es in diesem Fall geht, sind allerdings gar nicht vor Ort geschehen, sondern im fernen Paris. Von dort wird Zadira um Amtshilfe gebeten. Es hat bereits zwei bizarre Morde gegeben. Wie die Opfer so künstlerisch drapiert wurden, weist eine erschreckende Ähnlichkeit mit Bildern des blinden Malers Etienne Idka auf. Sie entsprechen 2 Bildern seines aktuellen Zyklus „Tod und Erlösung“, der insgesamt aus 12 Bildern besteht. Ist das etwa der Auftakt eines Serienmörders? Werden noch 10 weitere Morde folgen? Da der Maler inzwischen mitsamt seiner Haushälterin in Mazan lebt, soll Zadira bei den Ermittlungen helfen.

Dies ist in diesem Krimi allerdings nicht der einzige Kriminalfall. Commissaire Mazan vermisst seine Freundin Manon und macht sich mit den anderen Katzen auf die Suche nach ihr. Und auch Segeant Brell ist diesmal einem eigenen Fall auf der Spur. Gibt es zwischen diesen Fällen Zusammenhänge?

Beim 1. Fall haben Jean Bagnol den Mörder innerhalb des Krimis immer mal wieder zu Wort kommen lassen. D.h. wir Leser wussten, dass es der Mörder ist, aber wir wussten nicht, wer er ist. Dies ist in diesem Fall anders. Wir tappen genauso wie die Ermittler im Dunkeln umher. Herausgekommen ist wieder ein ausgesprochen spannender Krimi, der mich so richtig hineingezogen hat. Ich hatte Gänsehaut und hab richtig Angst gehabt, was noch passieren wird. Und das, obwohl der Krimi total auf richtig fiese, blutige Szenen verzichtet. Es wird einfach ganz geschickt mit den Ängsten der Leser gespielt. Das können Jean Bagnol richtig gut.

Natürlich spielen die Katzen auch dieses Mal wieder eine wichtige Rolle, aber sie helfen den Menschen nicht bewusst bei deren Fällen, sondern sie lösen ihre eigenen. Die Katzen werden wie Katzen dargestellt mit all ihren Eigenarten. Natürlich werden sie teilweise etwas an der Realität vorbei idealisiert, aber immer so, dass es durchaus glaubhaft rüberkommt. Und darum können diese Krimis um Commissaire Mazan von allen Krimiliebhabern gelesen werden, egal wie sie zu Katzen stehen.

Fazit: Ein extrem spannender Krimi, der wieder wunderbar das französische Flair des südlichen Frankreichs einfängt mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Ein toller Krimi für Liebhaber von spannenden Fällen, die ohne Blut auskommen, für Frankreich-Liebhaber und Katzenfans.

buch

Spiel der Zeit

Jeffrey Archer

EUR 9,99 *
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50

16.07.2015

„Auftakt einer spannenden Familiengeschichte”

Bevor ich Ihnen etwas zu diesem neuen Buch von Jeffrey Archer erzählen möchte, musste ich erst einmal schauen, ob dieser Jeffrey Archer der Jeffrey Archer ist, an den ich mich schon aus meiner Lehrzeit erinnere. Denn der damalige Jeffrey Archer ist ein Autor spannender Polit-Thriller gewesen! Und ja, es ist derselbe Autor. Ein Autor, der eine durchaus abenteuerliche Biografie hat, die man wunderbar bei Interesse bei Wikipedia nachlesen kann. Jetzt hat er das Genre ein wenig gewechselt, schreibt aber nach wie vor sehr spannend und zieht einen in seine Geschichte rein.

Jeffrey Archer erzählt die Geschichte des jungen Harry Clifton. Angesiedelt ist die Geschichte hauptsächlich in Bristol im Zeitraum von 1919 bis 1939. Harr Clifton wird 1919 als Sohn von Maisie und Arthur Clifton in der Still House Lane geboren. Er lebt dort zusammen mit seiner Mutter, seinen Großeltern mütterlicherseits und seinem Onkel Stan. Seine Mutter versorgt die Familie als Kellnerin in einem Teehaus, und sein Onkel arbeitet im Hafen als Schauermann bei der Reederei Barrington. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Ihm wurde erzählt, dass sein Vater im großen Krieg gefallen ist, doch als er alt genug ist, ist ihm klar, dass das nicht stimmen kann. Doch niemand will ihm die Wahrheit über den ominösen Tod seines Vaters verraten. Harrys Lebensweg scheint vorgezeichnet zu sein. Ihm bleibt wohl keine andere Möglichkeit als später auch im Hafen zu arbeiten. Doch sein Schicksal meint es anders. In der Schule, die er zuerst nur sehr widerwillig besucht, entdecken seine Lehrer seine besondere Begabung. Und dadurch erhält er als Sohn eines einfachen Hafenarbeiters und als Waise die außergewöhnliche Möglichkeit an einer weiterführenden Schule als Stipendiat angenommen zu werden. Dort ist er der absolute Außenseiter, denn seine Mitschüler stammen zumeist aus der Oberschicht und sehen auf ihn herunter und mobben ihn. Doch er gewinnt zwei Freunde fürs Leben – Deakins und Barrington. Da weiß Harry noch nicht, wie dicht seine Familiengeschichte mit der Familiengeschichte seines besten Freundes Giles Barrington verbunden ist.

Der Roman ist ausgesprochen spannend erzählt. Der Autor stellt sehr gut die Gegensätze und Vorurteile der verschiedenen Gesellschaftsschichten zu einander dar. Es gibt einige Nebenfiguren, die der Geschichte eine besondere Würze geben. So gibt es da den etwas kauzigen Mann Old Jack Tar, der in einem ausrangierten 1. Klasse Waggon der Eisenbahn auf dem Reederei-Gelände lebt. Bei den Hafenarbeitern gilt er als harmlos und verwirrt. Aber für Harry, den ihn näher kennenlernt, wird er ein ausgesprochen wichtiger Mensch. Wer ist dieser Mann? Und was weiß er über die Familiengeschichten der Barringtons und Cliftons? Warum hasst Giles Vater Harry so? Kurz vor dem Ende von Band 1 kommt es zu einem großen Knall und dann endet das Buch 50 Seiten später mit einem ganz gemeinen Cliffhanger, so dass ich jetzt sehnsüchtig auf den 2. Band „Das Vermächtnis des Vaters“ warte, der im November 2015 erscheinen soll. Der 3. Band „Erbe und Schicksal“ ist dann für Mai 2016 angekündigt.

Das extra spannende an dieser Geschichte ist, dass sie immer wieder aus einer anderen Perspektive erzählt wird. Mal von der Hauptperson selbst und dann wieder von immer einer anderen wichtigen Nebenpersonen. Dadurch bekommen wir als Leser einen sehr guten Einblick in die Hintergründe der Handlung, die der Hauptperson Harry selbst natürlich verborgen bleiben. Ich habe schon Vergleiche mit Ken Folletts Jahrhundert-Trilogie gesehen. Damit gehe ich persönlich aber nicht konform. Denn Ken Follett bindet sehr geschickt spannende Familiengeschichte in den großen politischen und historischen Zusammenhang ein. Das macht Jeffrey Archer in dieser Trilogie nur bedingt. Was beide allerdings eint, ist, dass beide es großartig verstehen, packende Familiengeschichten zu erzählen, die sowohl etwas für Männer und Frauen sind. Und für mich ist auch keine Altersbegrenzung erkennbar.

Eine wunderbare, spannende Familiengeschichte, mit vielen unerwarteten Wendungen!

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