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Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

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Der Marillenbaum und das Mädchen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 08.12.2016

Eigentlich dachte ich, ich müsste die Regensburger Autorin Beate Teresa Hanika durch einen Roman bereits kennen. Irgendwie kam mir den Name bekannt vor. Aber da habe ich mich getäuscht. Die 1976 geborene Autorin hat bisher einige Jugendbücher geschrieben, aber für Erwachsene ist der Roman „Das Marillenmädchen“ ihr Erstling. Ihr Jugendbuch „Rotkäppchen muss weinen“ (Fischer Taschenbuch) hat u.a. den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.

Bei dem aktuellen Buch haben mich zuerst das schöne Cover und der Klappentext angesprochen. Ich dachte, es sei ein relativ sinnlicher Familienroman, in dem es sehr viel um Gerüche und Geschmack geht. Aber da habe ich mich gehörig getäuscht. Es ist ein ganz zarter, feiner Roman, der sich mit den Erinnerungen einer alten Frau beschäftigt. Und diese alte Frau ist Elisabetta Shapiro.

Elisabetta ist das jüngste Kind von Baruch und Sarah-Jaris Shapiro. Sie wurde in Wien geboren. Ihr Vater war ein angesehener Arzt in einem Krankenhaus, ihre Mutter eine große Opernsängerin. Neben Elisabetta gehörten noch die beide älteren Schwestern Rahel und Judith zur Familie. Die Familie hat fast den ganzen 2. Weltkrieg einigermaßen unbeschadet überstanden. Doch kurz vor Ende wurde die Familie noch verschleppt und in Dachau ermordet. Nur Elisabetta blieb durch einen Zufall davon verschont. Sie bleibt in ihrem Elternhaus fast ganz alleine. Nur eine Schildkröte, die ihr Vater einmal gefunden und auf den Namen Hitler getauft hatte, leistet ihr Gesellschaft. Irgendwann einmal hat Elisabetta begonnen, Untermieterinnen aufzunehmen. Zumeist sind dies Balletttänzerinnen. Im Moment ist dies eine Deutsche.

Die Geschichte von Elisabetta wird nun aber nicht chronologisch erzählt. Sondern es sind die Erinnerungen, die ihr kommen. Sie geht kaum noch aus dem Haus und scheint in der Gegenwart auch keine Freunde oder Bekannten zu haben. Sie lebt ganz allein in ihrer Welt und unterhält sich mit den Geistern ihrer verstorbenen Schwestern. Gerade ihre älteste Schwester Rahel macht ihr große Vorwürfe, dass sie ein deutsches Mädchen aufgenommen hat. Doch irgendwie hat dieses Mädchen es ihr angetan, denn auch sie umgibt eine Aura von Traurigkeit und Einsamkeit. Eingebettet in die Geschichte wird allerdings noch die Geschichte von Pola und Rahel, zwei jungen Frauen, die sich kennen- und lieben lernen. Am Anfang habe ich mich gefragt, was es mit der Geschichte von Pola und Rahel auf sich hat. Doch nach und nach versteht man als Leser, worauf die Geschichte hinausläuft.

Nachdem ich mich eingelesen hatte, hat dieser Roman einen großen Sog entwickelt. Und das, obwohl er doch sehr zart und fast schon vorsichtig daherkommt. Über die Erinnerungen lernen wir die Familie Shapiro immer mehr kennen. Auch den Nachbarsjungen Franz, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird. Es ist kein klassischer Roman einer jüdischen Familie. Es ist kein Roman über die Verfolgung der Juden. Und es ist kein KZ-Roman. Aber es ist in ganz leisen Tönen ein Roman, der sich mit Antisemitismus auseinandersetzt. Und der im Laufe der Geschichte auch aufzeigt, dass dieser Antisemitismus noch nicht vorbei ist.

Dieser Roman ist Genuss und Arbeit in einem. Die Autorin hat eine ganz eigenartige Art ihre Geschichte zu erzählen. Die Sprache ist wunderschön, die Psychologie der einzelnen Personen gut herausgearbeitet. Doch die Erzählweise lässt einen immer wieder innehalten. Man muss aufpassen, dass man den Faden nicht verliert. Die Autorin ist eine Meisterin darin, etwas nur anzudeuten. Sie lässt uns Spielraum, uns unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Und es werden auch nicht alle Fragen, die im Laufe der Geschichte auftauchen, beantwortet. Für mich ist dies ein Buch, was sicherlich noch lange bei mir nachklingen wird!

Das Marillenmädchen
von Beate Teresa Hanika
(3)
Buch
19,99

Die Verwandlung einer Frau

Eine Kundin / Ein Kunde , am 03.12.2016

Sara Gruen ist Ihnen wahrscheinlich schon durch ihren Bestseller „Wasser für die Elefanten“ ein Begriff, denn dieser Titel ist sowohl als Buch als auch als Verfilmung sehr erfolgreich. Und ich habe es zu dem Zeitpunkt verpasst. Ihre nächsten beiden Bücher „Der Sonne entgegen“ und „Das Affenhaus“ hatten mich nicht angesprochen, aber ihr jetzt erschienenes „Die Frau am See“. Alle Bücher sind im Rowohlt Verlag erschienen.

Nachdem ich das Buch gelesen und genossen habe, habe ich geschaut, was hier schon für Rezensionen stehen und war sehr erstaunt, wie unterschiedlich sie sind! Vom inhaltlichen muss ich den anderen Rezensenten recht geben, aber wie die Autorin das Buch aufgebaut und die Geschichte entwickelt hat, hat mich schon sehr gefangengenommen. Doch nun zum Buch:

Das Buch spielt in einer kurzen Zeitspanne 1945. Es nimmt seinen Anfang Silvester 1944/1945. Die Ich-Erzählerin Maddie, ihr Ehemann Ellis und sein bester Freund Hank feiern ausgelassen eine Party bei Freunden. Die Party endet in einem Skandal, da die drei dermaßen betrunken sind und sich und ihre Familie lächerlich machen. Am Tag darauf kommt es zu einem großen Knall im Haus von Ellis Eltern, wo das junge Paar noch wohnt. Ellis beschließt zusammen mit seiner Frau und Hank nach Schottland zu reisen und den Beweis zu erbringen, dass es das Ungeheuer von Loch Ness gibt. (Im Buch wird natürlich geklärt, warum sie es überhaupt suchen wollen.) Dabei ist es ihm vollkommen egal, dass in Europa gerade der 2. Weltkrieg wütet. Er und Hank sind eh beide kriegsuntauglich, da der eine Farbenblind ist und der Andere Plattfüße hat. Und so nutzen sie die Verbindung eines anderen reichen Freundes und schaffen es tatsächlich nach Drumnadrochit, wo sie in dem einzigen Gasthaus absteigen. Dieses Gasthaus ist für die verwöhnten Amerikaner eine Zumutung, denn es gibt keine Elektrizität und auch der Komfort lässt sehr zu wünschen übrig. Doch Ellis und Hank lassen sich nicht von ihrem Abenteuer abbringen und überlassen Maddie immer mehr sich selbst. Doch nach anfänglicher Langeweile entwickelt sie sich von einer unsicheren Frau zu einem emanzipierten Wesen, welches ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Es stimmt – die Personen und die Landschaftsbeschreibungen bestehen aus vielen Klischees, doch finde ich die Handlung trotz alledem sehr gut und spannend erzählt. Am Anfang des Buches fühlte ich mich an die Geschichten von F. Scott Fitzgerald erinnert und hatte eher das Gefühl, dass die Geschichte in den 20er Jahren spielte. Aber für die verwöhnten reichen Amerikaner gestaltete sich das Leben wohl tatsächlich so. Der Krieg und all seine Gräuel waren weit weg. Nur dass die beiden jungen Männer kriegsuntauglich waren, war schon eine Schande. Maddie ist eine junge unsichere Frau, die durch ihre Schönheit glänzt. Ihr Vater ist zwar reich, aber ihre Mutter gehörte nicht zur Gesellschaft. Und so wird auch Maddie als unpassend angesehen. Im Laufe der Geschichte lernt man immer mehr ihre frühe Geschichte kennen. Und es ist keine glückliche Geschichte. Doch allein auf sich gestellt entdeckt sie, dass ihr bisheriges Leben nur Schein ist. Im Gegensatz zu Ellis und Hank versucht sie es zu ändern.

Der Krieg nimmt nur eine untergeordnete Rolle in diesem Buch ein. Es gibt vor allem Beschränkungen bei der Ernährung. Doch die Menschen haben gelernt, damit umzugehen. Des Nachts gibt es Bombenangriffe. Und in der Nähe ist das Anwesen Boleskine House, wo Spezialeinheiten der Armee ausgebildet werden. Außerdem sind einige Kanadier dort stationiert, die für einiges Aufsehen und Spaß bei den jungen Frauen sorgen.

Mir hat dieses Buch viel Spaß gemacht. Und obwohl ich nicht gerne Bücher aus der Ich-Perspektive lese, hat es mir dieses Mal gut gefallen. Maddie ist eine patente Frau, die sich entwickelt. Und das merkt man der Sprache des Buches an. Aus dem verwöhnten Mädchen wird eine tatkräftige Frau. Anfangs macht sie sich sehr viel über sich selbst lustig, aber nach und nach gewinnt sie an Stärke. Und natürlich gibt es in diesem Buch eine Liebesgeschichte, die sich erst langsam entwickelt. Bis es endgültig dazu kommt, gibt es viele dramatische Schwierigkeiten zu überwinden, die fast in einem Mord enden.

Eine schöne und gute Unterhaltung über eine starke Frau und einen wilden, mystischen Ort.

Die Frau am See
von Sara Gruen
(1)
Buch
9,99

Schon der Titel macht neugierig

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.11.2016

Wer mich und meine Buchbesprechungen kennt, weiß, dass ich eigentlich keine Krimileserin bin. Aber diesen Titel fand ich dann so interessant, dass ich mal wieder einen gelesen habe. Hier nun meine Besprechung, die aber sicherlich andere Maßstäbe anlegt als ein reiner Krimi- und Thrillerleser.

Katrin Lachmann ist eine Autorin, die selbst aus Görlitz stammt und deshalb natürlich diesen Ort in der Oberlausitz gut kennt. Wie man ihrem kleinen Lebenslauf entnehmen kann, ist sie beruflich in der Altenpflege tätig, schreibt aber schon seit einiger Zeit zu verschiedensten Themen. Hier bei uns ist noch ihr Jugendbuch „Agathe und der Rat der Sieben“ als e-book erhältlich. „Jack the Ripper und der Erbe in Görlitz“ ist ihr erster Krimi. Doch nun zum Buch:

Die Hauptperson dieses Krimis ist Marco Petzold, einer junger Mann, der als Fahrradkurier in Görlitz arbeitet. Bisher hat es sein Leben nicht gut mit ihm gemeint, doch jetzt hat er endlich eine Perspektive für die Zukunft gefunden. Dann passiert etwas, was sein Leben gehörig durcheinanderwirbelt. Er bekommt einen Brief, einen Brief von einem Robert J. Wilson; Lawyer; London; Harley Street. Und darin steht, dass er der Alleinerbe der vor kurzem verstorbenen Mrs. Abigail Smith ist und dass er deshalb extra nach London kommen muss. Sehr merkwürdig, denn er kennt niemanden in England. Und auch Abigail Smith sagt ihm nichts. Zum Glück kennt er durch seine Tätigkeit einen Rechtsanwalt, der sich auch so um ihn kümmert und ihm helfen will, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Und so geht er mit diesem Brief zu diesem Anwalt, der mit seinem Kollegen in England abklärt, was Sache ist. Das Ende vom Lied ist, dass Marco Petzold sich plötzlich in Begleitung der attraktiven Assistentin des Anwalts Carolin auf den Weg nach London macht. Was erbt Marco? Und was hat Jack the Ripper mit diesem Erbe zu tun?

Es ist für mich ein sehr ungewöhnlicher Krimi gewesen. Er liest sich gut und flüssig weg, fängt aber erst langsam an. Marco und Carolin reisen nach London und nehmen das Erbe an. Und während sie noch unschlüssig sind, was sie von der ganzen Situation halten sollen, fühlen die beiden sich plötzlich verfolgt. Es gibt den 1. Toten und ihre Hotelzimmer wurden durchsucht. Ein Inspektor Johnson vom Scotland Yard übernimmt die Ermittlungen. Doch nach kurzer Zeit reisen die beiden zurück nach Görlitz. Aber das Erbe verfolgt sie, und so beginnt eine ungewöhnliche Geschichte um die Unterlagen, die offensichtlich etwas mit den Morden von Jack the Ripper zu tun haben. Was macht diese Unterlagen so interessant? Können Marco und Carolin diesen alten Fall lösen? Und wer sind ihre unheimlichen Verfolger?

Der Krimi bleibt zumeist in der Gegenwart. Während die beiden in den Unterlagen lesen, driftet die Autorin teilweise in der Zeit zurück, und wir geraten in das Umfeld der Morde. Carolin und Marco lassen sich dann auf ein gefährliches Spiel ein, schließlich wird ihnen von zwei unterschiedlichen Seiten Geld für die Unterlagen geboten. Können die beiden das Spiel gewinnen? Und werden sie dabei auch noch diesen alten Mordfall klären?

Ich fand das Buch sehr spannend und ungewöhnlich. Und besonders das Ende hat mich überrascht. Wenn Sie einmal Lust auf eine andere Art von Krimi haben, in dem es weniger um Mord geht als um die brisanten Unterlagen geht, werden Sie Ihren Spaß damit haben.

Jack the Ripper und der Erbe in Görlitz
von Katrin Lachmann
(3)
Buch
12,00

Ein Buch, das glücklich macht

Eine Kundin / Ein Kunde , am 21.11.2016

Manchmal muss man doch dem Schicksal danken. Wenn ich nicht im April 2016 bei der Preisverleihung der DeLiA in Iserlohn gewesen wäre, hätte ich dieses Buch nie gelesen. Alleine das Cover und der Klappentext ließen mich denken, dass es sich um einen ganz schrecklichen Schmachtfetzen handeln müsste. Doch dann hat ausgerechnet dieser Roman von Fiona Blum gewonnen. Und als die Autorin dann daraus vorgelesen hat, war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Trotzdem hat es noch bis zum Herbst gedauert. Irgendwie hatte ich Angst vor dem Buch. Völlig unbegründet, denn es ist einer der schönsten Romane, die ich in der letzten Zeit gelesen habe!

Wie man dem kurzen Lebenslauf der Autorin entnehmen kann, kennt sie Italien, weil sie dort sowohl studiert als auch eine Zeit gelebt hat. Ihre Geschichte spielt in der Gegenwart in Rom. Aber nicht in einem Viertel, welches für die Touristen interessant ist, sondern im Testaccio, einem in die Jahre gekommenen Viertel, wo ehemals der Schlachthof war. Die Hauptperson, die die ganze Geschichte am Laufen hält, ist Federica, eine junge Frau, die aus einem kleinen Dorf südöstlich von Rom kommt. Federica ist anders als die anderen Römer oder Italiener. Sie ist hellhäutig, zart und hellblond. Und sehr schüchtern und zurückhaltend. Ihre Liebe gilt den Büchern und den Geschichten. Und so versucht sie in ihrem Stadtteil eine kleine Bücherei ganz privat, nur mit Hilfe von Freunden in Gang zu bekommen. Dies klappt mehr schlecht als recht, denn es kommt niemand zu ihr, um Bücher auszuleihen. Dies ändert sich erst, als eines Tages eine alte Katzenlady völlig unterwartet ein schwerverletztes, dreibeiniges Kätzchen bei ihr lässt. Da Federica an die Macht des Schicksals glaubt, nimmt sie sich dieses Würmchens an. Und so ändert ein Sommer plötzlich ein ganzes Leben. Und das nicht nur für Federica, sondern auch für einige andere Bewohner des Viertels.

Fiona Blum hat einen ganz wunderbar warmherzigen Roman geschrieben, der mich im Laufe der Geschichte an Nina Georges „Das Lavendelzimmer“ und Joane Harris Buch „Chocolat“ erinnert. Bücher haben Kraft. Bücher spenden Freude. Und Bücher können Leben verändern. Doch damit dies klappt, braucht man Autoren, die sie schreiben, Verlage, die sie verlegen und Leser. Und damit die richtigen Geschichten bei den richtigen Menschen ankommen, braucht man Buchhändler, Bibliothekare und andere bibliophile Menschen. Und wie Jean Perdu im Lavendelzimmer ist Federica so eine Person. Beiden gemein ist auch, dass sie etwas Angst vor Menschen haben und manchmal einfach den richtigen Moment brauchen, um im Leben so richtig anzukommen.

Der Roman spielt in den Monaten Juni bis Ende August. In dieser Zeit ist es in Rom so heiß, dass jeder, der es sich leisten kann, Rom verlässt. Und mit einem Unwetter ist es denn vorbei. Und so endet auch dieses Buch mit einem Unwetter. Aber seit diesem Sommer ist für viele Menschen etwas anders geworden im Testaccio. Und daran ist ein kleiner Kater nicht ganz unschuldig. Und das erinnerte mich an Chocolat, denn als der Wind dreht, verließen Viviane und ihre Töchter den Ort Lansquenet-sous-Tannes, in dem sie vorher magisches bewirkt haben.

Manchmal ist es etwas ganz kleines, was dem Leben eine ganz andere Richtung bringt. Wie der Schmetterling in dem Schmetterlingseffekt, der mit seinem Flügelschlag einen Tornado auslösen kann, so ändert in diesem Roman eine kleine, halbtote Katze das Leben von vielen, ganz verschiedenen Personen, die nicht alle etwas mit dieser Katze zu tun haben. Es ist kein klassischer Katzenroman. Und es ist auch ein klassischer Liebesroman. Es ist vielmehr so eine Art Märchen, die eine ganz wunderbare Geschichte erzählt. Mich hat dieses Buch total verzaubert. Ich war so glücklich, dass ich es nun doch endlich gelesen habe. Und am Ende musste ich fast weinen, weil es einfach so schön ist. Auch wenn es in einem heißen Sommer spielt, ist es eine wunderbare Lektüre für den Herbst und Winter, denn sie wärmt das Herz!

Liebe auf drei Pfoten
von Fiona Blum
(1)
Buch
8,99

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Eine Kundin / Ein Kunde , am 10.11.2016

Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem uns Gabriella Engelmann gleich zwei Romane geschenkt hat. Nachdem im Mai ihr wunderbares Buch „Wildrosensommer“ erschienen ist, welches ich Ihnen bereits an dieser Stelle vorgestellt habe, ist im September ihr Winter-/Weihnachtsroman erschienen.

Und das Tolle an diesem Roman ist, dass es ein Wiedersehen mit den Protagonisten der beiden Sylt-Romane „Inselzauber“ und „Inselsommer“ gibt. So treffen wir wieder auf die Crew des Büchernests Bea und Larissa, Vero und Olli. Nur Paula glänzt in diesem Roman durch Abwesenheit. Sie ist mit ihrem Mann auf Reisen. Dafür ist allerdings die Künstlerin Nele mal wieder auf der Insel. Und das ist auch gut so, denn Larissa plagen in dieser Geschichte so einige Probleme. Da braucht sie den Beistand ihrer besten Freundin. Zum einen verhält sich ihre Großtante Bea sehr merkwürdig. Und dann kommt es auch noch zu einem Wasserschaden im Büchernest. Und das kurz vor dem Weihnachtsgeschäft.

Wie immer schafft es Gabriella Engelmann ganz wunderbar eine ganz bestimmte, zum Roman passende Atmosphäre aufzubauen, auch wenn der Hauptfigur Larissa so gar nicht Weihnachtsstimmung ist. Persönlich empfand ich diesen Roman nicht ganz so leicht, wie die beiden vorherigen Sylt-Romane. Die Dramen schlagen sich schon etwas aufs Gemüt. Aber ein Gabriella Engelmann Roman wäre kein Gabriella Engelmann Roman, wenn sik passend zum Fest nicht allens torecht löppt. Aber wie, das verrate ich hier natürlich nicht.

Wer auch die Jugend- und Kinderbücher von Gabriella Engelmann kennt, wird hier in einer kleinen Nebenrolle sogar eine Bekannte aus dem Roman „Sturmgeflüster“ wiederfinden. Nun warte ich darauf, dass irgendwann auch Jolanda und ihre Familie Urlaub auf Sylt machen. Mal sehen, ob die Autorin diese Anregung aufgreift. Eingefleischte Gabriella Engelmann Fans würde es sicherlich sehr freuen.

Neben einer sehr schönen Vorweihnachtsgeschichte (nur 22 statt 24 Kapitel), bietet der Roman auch noch einen eigenen Adventskalender, in dem uns die Autorin Anregungen, Rezepte, Gedichte, Bräuche und ähnliches schenkt. Den Adventskalender habe ich allerdings noch nicht genauer in Augenschein genommen. Den spare ich mir für den Dezember auf. Dann kann ich mich an jedem Tag bis Heiligabend an ein wenig nordfriesischer Adventsstimmung erfreuen.

Wintersonnenglanz / Inselgeschichten Bd. 3
von Gabriella Engelmann
(4)
Buch
9,99

Ein großer Deutschlandroman von 1948 bis jetzt

Eine Kundin / Ein Kunde , am 04.11.2016

Kennen Sie den deutschen Autor Peter Prange? Vielleicht durch seinen Erfolgsroman „Das Bernstein-Amulett“, welches bereits verfilmt wurde? Oder durch seine wunderbaren historischen Romane? Falls Sie „Das Bernsteinamulett“ bereit kennen, können Sie sich unbedingt auf seinen neuen Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ freuen, denn auch das ist wieder ein Roman, der sich sehr intensiv mit unserer Geschichte seit 1948 beschäftigt. Aber wenn Sie „Das Bernstein-Amulett“ noch nicht kennen, würde ich Ihnen empfehlen, dies zuerst zu lesen. „Unsere wunderbaren Jahre“ ist zwar nicht die Fortsetzung davon, aber die beiden Bücher passen hervorragend zusammen.

In diesem neuen Roman führt uns Peter Prange durch unsere deutsche Geschichte seit 1948. Ort der Handlung ist seine Geburtsstadt Altena, einer Kleinstadt im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen, die u.a. für die Drahtherstellung bekannt ist. Und so hat Peter Prange seine Hauptpersonen auch genau in diesem Umfeld angesiedelt. Da bei diesem Buch die Inhaltsangabe einmal sehr gelungen ist, will ich hier an dieser Stelle gar nicht weiter darauf eingehen.

Als ich dieses Buch begonnen hatte, hatte ich eigentlich den ehrgeizigen Ansatz, 3 Bücher parallel zu lesen, damit ich Ihnen bei uns im Laden ganz schnell erste Eindrücke zu den geplanten Büchern geben kann. Das hat leider nicht so geklappt wie geplant, denn nachdem ich das Buch von Peter Prange angefangen hab, gab es für mich einfach kein anderes Buch mehr. Ich habe gelesen, wann immer es ging! Das Buch liest sich einfach großartig. Peter Prange lässt unsere deutsche Nachkriegsgeschichte lebendig werden. Seine Protagonisten sind so verschieden, wie es die Menschen nun mal sind. Da gibt es große Träume. Manche werden verwirklicht, manche zerplatzen. Da gibt es Menschen, die im 3. Reich durchaus mehr als Mitläufer waren, die es aber immer wieder geschafft haben, dass sie dafür nicht behelligt werden. Es gibt Menschen, die von der BRD enttäuscht sind und freiwillig in die DDR geflohen sind. Und es gibt die Mitläufer, die immer ihr Fähnchen nach dem Wind hängen. Besonders schön fand ich die Jugendlichen, die Ende der 60er Jahre jung waren, und was dann später aus ihnen geworden ist. Für mich ist dies ein wenig ein Roman meiner Großeltern, Eltern und mir. Ganz passt es nicht, denn der Autor ist knappe 10 Jahre älter als ich. Und dementsprechend ist auch das Personal immer etwas älter als meine Familie. Trotzdem habe ich einen wunderbaren Einblick in diese Zeit und die Entwicklung Deutschlands bekommen.

Sehr gut hat mir der Teil gefallen, der sich mit der DDR auseinandersetzt. Peter Prange zeigt hierbei, mit welchen Träumen und Hoffnungen die jungen Menschen in der frühen DDR für ihr Land gekämpft haben. Und wie viele erst nach der Wende gemerkt haben, wie der Staat sie systematisch hintergangen hat. Auch die Menschen, die für die Wende gesorgt haben, werden sehr gut dargestellt. Und wenn man diese Kapitel gelesen hat, kann man die Unzufriedenheit, die heute in den neuen Bundesländern herrscht, viel besser verstehen.

Köstlich finde ich, dass der Autor einer nicht unwesentlichen Nebenfigur seinen Namen gegeben hat. In seinen Vorbemerkungen erklärt er, dass diese Figur reine Fiktion ist. Aber irgendwie kann ich das nicht glauben. Und dann das Ende – einfach köstlich! Aber lesen sie es selbst und lassen Sie sich überraschen.

Unsere wunderbaren Jahre
von Peter Prange
(3)
Buch
22,99

Es leben die Klischees

Eine Kundin / Ein Kunde , am 30.10.2016

Alexandra Fröhlich ist eine Journalistin, die auch im wirklichen Leben mit einem Russen verheiratet war. Laut der Kurzbiografie in ihrem Buch hat sie immer noch einen guten Draht zum ihm.

In ihrem Roman beschreibt die Autorin den holperigen Start in das Eheleben ihrer Protagonistin Paula und die Schwierigkeiten, die sie mit ihrer russischen Verwandtschaft hat. Das Buch startet gleich fulminant. Paula wird mit ihrer Schwiegermutter Darya auf dem Ohlsdorfer Friedhof von der Polizei erwischt, als die beiden versuchen den verstorbenen Neufundländer zu beerdigen. Paula ist eine junge Anwältin, die sich gerade von ihrem Freund getrennt hat. Da sie mit ihrem Freund ursprünglich eine gemeinsame Kanzlei hatte, musste sie auch gleichzeitig den Sprung in die Selbständigkeit wagen. Die Geschäfte laufen schlecht. Da kommt ihr ein Auftrag des russischen Ehepaares Polyakow gerade recht. Sie soll die beiden in einer Klage gegen ihren ehemaligen Vermieter unterstützen. Da die beiden schlecht Deutsch sprechen, ist ihr Sohn Artjom als Dolmetscher mitgekommen. Und damit beginnen die Katastrophen. Die Autorin beschreibt, wie es dazu kam, dass sie sich in Artjom verliebt hat. Dank des ersten Auftrags mit der Familie erhält sie immer neue Aufträge von anderen Russen. Nicht immer sind es Aufträge, die sie als Rechtsanwältin fordern. Häufig muss sie auch nur als Mediatorin agieren. Es sind schon recht skurrile Aufträge dabei. Ihre Eltern sind mit der neuen Situation nicht zufrieden. Immerhin war ihr Vater ein anerkannter Richter, der typisch hanseatisch steif ist.

Der Roman ist herrlich witzig, wenn man als Leser damit leben kann, dass die gängigen Klischees bedient werden. Paula ist eine sehr naive Frau. Bis zum Ende der Geschichte wissen weder Paula noch der Leser, womit die Familie eigentlich wirklich ihr Geld verdient. Sind es legale Geschäfte oder doch kriminelle? Sowohl die Russen als auch die Hanseaten werden überzeichnet. Wenn man darüber hinwegsehen kann, wird man von diesem Roman kurzweilig unterhalten. Es gibt schon einige sehr köstliche Episoden. Wer das nicht kann, sollte diesen Roman lieber nicht lesen. Da ich eher zu letzteren gehöre, hat das Buch von mir nur 3 Sterne erhalten. Halbe kann ich ja leider nicht vergeben.

Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen
von Alexandra Fröhlich
(1)
Buch
9,99

Ein deutscher Weihnachtsmarkt in Barnbarrow

Eine Kundin / Ein Kunde , am 28.10.2016

Kathryn Taylor ist einigen von Ihnen wahrscheinlich schon durch ihre erfolgreichen Reihen „Daringham Hall“ und „Colours of Love“ bekannt. In diesem Jahr gibt es jetzt von ihr auch eine kleine Weihnachtsgeschichte. Der Bastei Lübbe Verlag hat diese 208 Seiten sehr schön in ein gebundenes Buch mit einem silberfarbenen Umschlag auf dem ein Mistelkranz prangt verpackt. Doch nun zur Geschichte:

Lilly, eine junge 29 jährige Frau wurde ausgerechnet kurz Weihnachten von ihrem langjährigen Freund zutiefst verletzt. Statt ihr den erwarteten Heiratsantrag zu machen, verlässt er sie für eine andere Frau. Da er außerdem auch noch ihr Chef ist, kündigt sie kurzentschlossen und fährt zu ihrer Tante Caroline nach Barnbarrow im Lake District, die ihre Hilfe grad gut gebrauchen kann. Ihre Tante führt dort eine kleine Pension. Und dann ist sie mitten in den Vorbereitungen, einen Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild zu organisieren. Allerdings ist sie grad extrem eingeschränkt, denn sie hat sich bei einem Unfall ihr Bein gebrochen. Dort angekommen fällt Lilly buchstäblich einem attraktiven Mann in die Arme – Tom Lewis – der eigentlich ein Pensionsgast ist, sich in der Zwischenzeit aber sehr nützlich macht. Lilly fühlt sich einerseits stark von ihm angezogen, aber andererseits misstraut sie ihm. Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht. Wer ist dieser Tom Lewis? Was verbirgt er?

„Mission Mistelzweig“ ist eine schöne, romantische Lektüre für die dunkle und kalte Jahreszeit. Natürlich ist von vorneherein klar, dass es am Ende zu einem Happy End kommen wird. Aber dazwischen liegen noch einige Verwicklungen. Mir persönlich hat die Atmosphäre, die Kathryn Taylor mit ihrer Beschreibung des Ortes, deren Bewohnern und der kleinen Pension geschaffen hat, gefangen genommen. Das ist genau das England, was in meiner Phantasie existiert. Das England, in dem ich in einer schnuckeligen kleinen Buchhandlung eigenwillige, teils schrullige, aber liebenswerte Menschen zu schönen Büchern verhelfen möchte und am Abend zu meinen Tieren in ein kuscheliges, verplüschtes Zuhause heimkomme würde. Und dann schneit es auch noch ausgerechnet zu der richtigen Zeit! Einfach herrlich.

Genau die richtige leichte Lektüre für Fans von James Herriot, Rosamunde Pilcher von Co. Einfach einmal abtauschen und die Realität vergessen!

Mission Mistelzweig
von Kathryn Taylor
(2)
Buch
12,00

Amnon Weinstein und die „Violins of Hope“

Eine Kundin / Ein Kunde , am 20.10.2016

Kennen Sie Amnon Weinstein? Oder die „Violins of Hope“? Ich kannte sie bis zu diesem Buch noch nicht. Auf das Buch bin ich durch einen Newsletter des Autors Titus Müller, den ich abonniert habe, aufmerksam geworden. Allerdings hatte ich es so verstanden, dass es sich um einen Roman handelt. Dieser hatte mich so interessiert, dass ich mir gleich das e-book gekauft habe. Und dann habe ich begonnen zu lesen. Irgendwann im ersten Kapitel kam ich ins Stutzen. Wer erzählte da plötzlich? Und dann habe ich den Namen Amnon Weinstein gegoogelt und musste feststellen, dass dieses Buch eine ausgesprochen interessante Symbiose zwischen Sachbuch kombiniert mit einer Fiktion ist. Denn Amnon Weinstein und die „Violins of Hope“ gibt es tatsächlich. Und über diese beiden handelt der Sachbuchteil des Buches.

Christa Roth ist eine freie Journalistin, die das Glück hatte, Amnon Weinstein in Tel Aviv besuchen und seine Geschichte erzählen zu dürfen. Amnon Weinstein ist ein Israeli der 2. Generation. Seine Eltern haben es noch rechtzeitig geschafft nach Israel zu immigrieren. Und dort konnte sein Vater Moshe auch relativ schnell wieder seinen Beruf als Geigenbauer ausüben. Im Laufe der Jahre hat er viele Geigen von anderen Immigranten abgekauft, die damit nichts mehr zu tun haben wollten, weil entweder die Geigen in Deutschland gebaut wurden, oder sie sehr schlimme Erinnerungen damit verknüpfen. Moshe hat seinem Sohn nie viel aus der Zeit vor Israel erzählt. Und Amnon hat auch nicht wirklich nachgefragt. Doch nachdem Amnon in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, hat ausgerechnet ein deutscher Bogenbaumeister namens Daniel Schmidt mit seinen häufigen Nachfragen nach den Geschichten hinter den Geigen dafür gesorgt, dass Amnon sich um diese Geschichten bemüht hat. Und Amnon Weinstein ist sogar noch weiter gegangen. Er hat diese Geigen repariert und reist jetzt mit ihnen zu speziellen Konzerten, wo bekannte Orchester mit diesen Geigen dafür sorgen, dass die Geschichten der Menschen, denen sie gehörten, nie vergessen werden.

Das relativ schmale Buch (208 Seiten) gliedert sich in 3 Hauptabschnitte:

- Erinnerungsorte
- Amnons Reich
- Triumph über die Nazi-Barbarei

Zu jedem Sachbuchabschnitt erzählt Titus Müller die Geschichte von 2 fiktiven jüdischen Brüdern aus Polen, die aus dem Ghetto in Lodz in das KZ Dachau verbracht werden bis zur Befreiung des KZs durch die Amerikaner. Marek, der ältere, der seine Geige dabei hat, versucht seinen jüngeren Bruder Stani zu schützen. Dabei verliert er seine geliebte Geige und gerät in das Visier des SS-Oberscharführers Köcher, der daraufhin versucht, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Titus Müller beschreibt das brutale Lagerleben der beiden Juden sehr genau und anschaulich. Einige Personen, die eine wichtige Nebenrolle spielen, sind reale Persönlichkeiten, andere sind fiktive Charaktere, die allerdings realen Menschen nachempfunden sind. Wer dies im Einzelnen sind, wird im Nachwort erklärt.

Mich haben beide Aspekte dieses Buches zutiefst berührt und ich bin traurig, dass ich bisher nicht von diesen Geigen und ihrem „Retter“ gehört hatte. Schließlich war Amnon Weinstein erst am 27. Januar 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, in Berlin in der Senatskanzlei, wo die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle ein Konzert mit diesen Violinen gegeben haben, und der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Begrüßungsrede gehalten hat. Besonders die fiktive Geschichte der beiden Brüder hat mich zutiefst verstört zurückgelassen. Ich lese immer wieder Bücher zu diesem Thema und bin auch der Meinung, dass wir diese barbarische Zeit niemals vergessen dürfen, aber diese Brutalität und Perfidität war mir immer noch nicht so bewusst gewesen. Ich hätte andauernd heulen können. Und ich habe mich mal wieder geschämt, dass ich ein Enkel der Erwachsenen dieser Zeit bin.

Ein ausgesprochen wichtiges Buch zu einem Thema, was nie vergessen werden darf!

Geigen der Hoffnung
von Christa Roth
(5)
Buch
17,99

Was für eine spannende Familiengeschichte

Eine Kundin / Ein Kunde , am 20.10.2016

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die bisher etwas andere Romane geschrieben hat. Da dies ein geschlossenes Pseudonym ist, werde ich Ihnen auch nicht verraten, wer dahinter steckt. Nur so viel, ich hab ihre Bücher sehr gerne gelesen, denn es sind für mich sehr gelungene Schmöker, die einen mitreißen, die Zeit vergessen lassen und sogar etwas über die Vergangenheit erzählen. Aber keine Angst – dies ist nicht schon wieder eine Buchbesprechung von mir, in der es um das 3. Reich oder die Judenverfolgung geht – obwohl ein Teil der Handlung in dieser Zeit spielt! ;-)

Hanna Caspian erzählt die Geschichte einer Familie aus Köln-Rheinkassel in zwei Zeitebenen. Sie beginnt ihren Roman gleich mit einem erschütternden Ereignis: Am 27. Juli 1926 haben anscheinend die fünf Geschwister Clementine, Magnus, Gustav, Josefine und Oskar jemanden umgebracht und im Rhein verschwinden lassen. Damit haben wir schon einmal das dunkle Geheimnis, um das es sich in diesem Buch dreht. Im 2. Kapitel springt die Geschichte in den 2. Handlungsstrang. Wir sind wiederum in Köln-Rheinkassel, aber im Jahr 2014. Isabell, eine Frau in den Dreißigern, hat ihre Großmutter Pauline abgeholt. Sie sind auf dem Weg zum Notar, denn Pauline hat von ihrem Bruder, dem letzten ihrer Geschwister, eine Erbschaft bekommen. Auf der Fahrt zum Notar erfahren wir schon einiges über die Familiengeschichte von Pauline, denn sie ist das jüngste der Geschwister, die 1926 jemanden ermordet haben. Allerdings kam Pauline erst danach zur Welt. Pauline erbt ihr Geburtshaus – die Kirschvilla – von der sie dachte, dass sie im Krieg zerstört worden sei. Dieses Erbe setzt bei Pauline Erinnerungen frei, auf die sie gerne verzichtet hätte. Bevor Pauline und ihre Enkelin Isabell sich entscheiden, ob sie das Erbe überhaupt antreten, bekommen sie einen jungen Notar an die Seite gestellt, der ihnen alles vor Ort genauer zeigt und erläutert. Isabell und der junge Notar fühlen sich sofort sehr stark zueinander hingezogen.

Und so springt die Geschichte zwischen der sich anbahnenden Liebesgeschichte in der Gegenwart und der dunklen, erschütternden Geschichte in der Vergangenheit hin und her. Ich habe hier an dieser Stelle schon Kritiken gelesen, in denen steht, dass die Geschichte in der Vergangenheit zu konfus erzählt wird, da die Autorin sehr viele Zeitsprünge hin und her macht. Mir persönlich gefiel es allerdings sehr gut, denn so bekam man immer wieder andere Aspekte der düsteren Familiengeschichte häppchenweise serviert. Einiges hat man schon vermutet. Und es ist auch sehr früh klar, wer ermordet wurde, aber was genau geschah, bleibt bis zum Ende offen. Die Autorin hat, finde ich, eine sehr interessante Erzählform gefunden. Sie erzählt die Geschichte in der Gegenwart ganz stringent. Allerdings kommen dabei auch Erinnerungen bei Pauline hoch, die uns immer schon einen kleinen Einblick geben. Aber da sie die Familiengeschichte vor ihrer Geburt nicht kennt, ist es in Wirklichkeit natürlich ganz anders. Dann gibt es einen eigenen Handlungsstrang in der Vergangenheit, Tagebucheinträge aus zwei Tagebüchern, die Clementine geschrieben hat und Briefe, Zeitungsartikel, Erinnerungen und Unterlagen, die von verschiedenen Personen beigebracht werden. Und so setzt sich langsam ein Puzzle zusammen, dessen Ende immer erschütternder wird.

Ich war von diesem Buch ausgesprochen gefesselt. Die Familiengeschichte hat mich tief berührt und erschüttert. Sie hat schon ein wenig auch von der damaligen Zeit in unsere transportiert. Vielleicht hat die Autorin ein wenig zu viele Dramen eingeflochten, aber trotzdem hat mich dieses Buch ausgesprochen gut unterhalten und gleichzeitig gegruselt. Es taten sich Abgründe auf. Und da ich dieses Buch als Schmöker gelesen und genossen habe, war es für mich so sehr stimmig, und ich kann es guten Gewissens empfehlen!

Die Kirschvilla
von Hanna Caspian
(14)
Buch
9,99

 
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