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50

10.04.2015

„Was für ein süßer Lausebengel”

Antje Szillat ist eine ausgesprochen erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin, die schon einige Buchreihen auf dem Markt hat. Eine davon ist die Reihe um den elfeinhalbjährigen Jungen Rick. Diese Reihe gibt es seit 2011, und bisher sind sechs Bände erschienen. Den ersten Band gibt es jetzt auch zusätzlich als Taschenbuch.

Rick ist ein typischer elfeinhalbjähriger Junge. Er lebt in Hannover, hat einen besten Freund und spielt leidenschaftlich gern Eishockey. Mit Büchern hat er es nicht so. Doch ganz so ein normaler Junge ist Rick dann doch nicht, denn er lebt nicht in einer klassischen Familie, sondern zusammen mit seinem Vater, dessen bestem Freund Wutz und dem ewig pupsenden Kater Gismo in einer WG. Häufiger Gast ist Ricks Oma Mary, aber die entspricht auch nicht dem klassischen Rollenbild einer Oma. Aber bevor sie nun denken, in welche Richtung geht dieses Buch, kann ich sie beruhigen. Ricks Vater und Wutz sind wirklich nur beste Kumpels seit Kindesbeinen an. Ricks Mutter ist kurz nach der Geburt verstorben und nun kümmern sich die beiden Männer um ihn.

Doch in diesem ersten Band gerät das gewohnte Leben von Rick aus den Fugen. Erst erfährt er fast schon zu spät, dass sein bester Freund ganz weit weg zieht. Und damit nicht genug, bringt sein Vater plötzlich mal wieder eine Frau mit nach Hause. Doch diesmal scheint es echt ernst zu sein. Doch Rick will keine Ersatz-Mama. Und schon gar nicht, wenn es eine Lehrerin seiner Schule ist, die dann auch noch die Mutter des Oberstrebers Finn ist. Kann es etwas Schlimmeres geben? Rick kann es sich auf jeden Fall nicht vorstellen. Und so versucht er alles, um Mutter und Sohn wieder loszuwerden. Doch dann geraten die beiden Jungs ungewollter Weise zusammen in ein Abenteuer.

Dieser Rick ist ein total süßer Lausebengel, den man sofort in sein Herz schließt. Aber auch sein Vater und dessen Kumpel Wutz sind absolut zum liebhaben. Man wünscht diesen dreien nur das Beste. Es ist eine absolut witzige Geschichte, bei der man mit dem Jungen mitfiebert, denn es ändert sich ja gerade sein ganzes Leben. Wie wird er damit zurechtkommen? Und sind seine Kunstlehrerin Linda und ihr Sohn wirklich so schrecklich? Oder täuscht sich Rick. Schließlich soll man ja nicht vorschnell urteilen.

Zusätzlich zu der witzigen Story gibt es am Anfang eines jeden Kapitels einen Comic von Kim Schmidt, damit wir uns Rick und den Rest der Bande auch richtig gut vorstellen können.

Auch wenn ich ausgesprochen selten Kinder- und Jugendbücher lese, haben es mir dieser Rick und seine Familie ausgesprochen angetan. Einzig Gismos Rolle empfinde ich als Katzenfan noch als ausbaubar, aber ich kenne bisher ja auch nur den ersten Band, hoffe aber, dass das sich ganz schnell ändern wird.

Diese Bücher sind für die Altersgruppe 10 bis 14 Jahren empfohlen, aber ich denke, auch bereits jüngere Kinder und auch als Erwachsener haben damit durchaus Ihren Spaß!

buch

Schwarzblende

Zoë Beck

EUR 9,99 *
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50

09.04.2015

„Dieser Thriller ist sowas von brisant!”

Diejenigen von Ihnen, die meine Buchbesprechungen öfters lesen, werden diesmal erstaunt sein, denn ich bespreche einen Thriller! Ich habe Zoe Beck vor kurzem in Hamburg auf einer Lesung erleben dürfen. Und da hat sie ihr aktuelles Buch so brillant vorgestellt, dass ich einfach nicht umhin kam und es lesen musste.

Erinnern Sie sich noch an die Schockmeldung vom 23.05.2013 in den Medien, wo über einen bestialischen Mord mit Beil und Machete an einem britischen Soldaten in London berichtet wurde? Dieser Mord hat die Autorin so beschäftigt, dass sie ihn als Ausgangsbild für ihren aktuellen Thriller genommen hat. Ihre Hauptperson ist Niall, ein Kameramann, der unfreiwillig Zeuge dieser bestialischen Bluttat wird. Ihm kamen diese beiden jungen Männer mit den Macheten gleich irgendwie verdächtig vor, und deshalb hat er sie mit seiner Handykamera gefilmt. Danach lässt ihn diese Tat nicht mehr los. Er bekommt den Auftrag, einen Film über die Hintergründe zu machen. Zusammen mit der toughen Beth, der ruhigen Laura und dem Kameramann Ken fängt er an die Hintergründe zu recherchieren. Doch dann verselbständigt sich die Suche, denn es geschehen weitere Verbrechen, die mit diesem im Zusammenhang zu stehen scheinen.

Zoe Beck hat einen ausgesprochen fesselnden Thriller geschrieben, der hochaktuell und höchst brisant ist. In London bzw. Großbritannien ist die Situation mit den muslimischen Mitbürgern noch weitaus problematischer als in Deutschland, weshalb sie sich für London als Schauplatz entschieden hat. Sie beleuchtet in diesem Buch, was junge Menschen dazu bewegt, sich dem IS anzuschließen. Aber es kommen auch noch ganz andere Komponenten mit ins Spiel, die ich Ihnen hier nicht verraten will. Nur so viel – das Ende hat mich überrascht und total geschockt! Und ich befürchte, dass es leider weitaus mehr als eine reine Fiktion ist.

Ein hochaktueller Thriller, den ich nur jedem empfehlen kann, der sich mit der Problematik des Miteinanderlebens verschiedener Religionen beschäftigt. Diese Lektüre wird nicht jedem gefallen, aber das Buch regt eindeutig zu Diskussionen an.

Dieser Thriller ist der richtige Lesestoff für Fans von Matt Beyon Rees Krimis um Omar Jussuf und den Lesern von Martin Maurer „Terror“.

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50

09.04.2015

„Die Macht von Olympia”

Charlotte Roth hat mit ihrem ersten Roman „Als wir unsterblich waren“ einen fulminanten Start hingelegt. Umso gespannter war ich jetzt auf das zweite Buch von ihr. Optisch und vom Titel hat es der Knaur Verlag so nah an das erste Buch angelehnt, dass ich schon fast befürchte, vielen von Ihnen fällt gar nicht auf, dass es in der Zwischenzeit einen zweiten Titel gibt.

Auch „Als der Himmel uns gehörte“ spielt wieder auf zwei Zeitebenen. Es beginnt 2011 in London, wo sich intensiv auf die Olympischen Spiele vorbereitet wird. Jenny, eine Langstreckenläuferin, will unbedingt auf der 10.000 m Strecke teilnehmen. Doch immer wiederkehrende Panikattacken drohen diesen Traum zu zerstören. Eine Zufallsbekanntschaft aus dem Park schlägt ihr vor, dass sie darüber einmal mit ihrer Urgroßmutter Alberta sprechen soll. Jenny weiß kaum etwas über ihre Familiengeschichte und ist deshalb umso erstaunter als sie erfährt, dass ihre Urgroßmutter 1936 für Deutschland eine Medaille geholt hat. Und da sie sich keinen anderen Rat weiß, macht sie sich tatsächlich auf den Weg nach Mandeville, dem Landsitz der Familie, der allerdings inzwischen einer Stiftung für die Paralympics gehört, um mit ihrer fasst hundertjährigen Urgroßmutter zu reden. Und dann geht die Geschichte zurück in die Zeit von 1932 bis 1945. Alberta und ihre Zwillingsschwester Auguste leben mit ihrem Vater Radio-Bernhardt und seiner Schwester Käthe zusammen. Der Vater ist ein begnadeter Rundfunkmoderator. Von ihm hat seine Tochter Alberta die Lust am Sport geerbt. Sie ist Bogenschützin und liebt Pferde. 1932 reist der Vater mit seinen beiden Töchtern in die USA zu dem Olympischen Spielen in L.A. Und dort verliebt sich die 17jährige Alberta nicht nur in den Geist der Olympiade.

Dieser Teil der Geschichte hat noch einige spannende Hauptpersonen mehr, die ich Ihnen hier aber nicht alle vorstellen will. Das, was mich an diesem Buch so fasziniert hat, ist der Wille, unbedingt an der Olympiade teilnehmen zu wollen. Alberta als auch ihr Liebster Hannes stellen dafür fast alles zurück. Sie achten nicht wirklich darauf, was in Berlin vor sich geht. Sie verschließen mehr oder weniger die Augen, bzw. lassen sich sogar bewusst vor den Karren der Propaganda spannen, um sich ihren Traum zu erfüllen. Und so geraten sie zum Teil immer tiefer hinein, bzw. werden sogar teilweise erpressbar, denn in jeder Familie gibt es dunkle Flecken. Doch wenn die Sportler funktionieren so wie es der Staat will, kann auch über Juden oder Behinderte hinweggesehen werden. Doch irgendwann wacht wenigstens einer von beiden auf und versteht so langsam, was wirklich vor sich geht.

Charlotte Roth ist es auch dieses Mal wieder gelungen einen ausgesprochen spannenden Roman mit viel geschichtlichem Hintergrundwissen zu schaffen. Auch wenn ich eigentlich gar kein Sportfan bin, so hat die Geschichte mich doch so richtig gepackt. Diese Intensivität mit der sie beschrieben hat, wie leicht die Menschen sich manipulieren ließen, wie leicht sie immer tiefer in die Täterrolle hineinschlüpften, hat mich ungemein erschreckt. Und die Perfidität mit welcher es die Staatsführung geschafft hat, einem Boykott zu entgehen, war mir in dieser Form noch gar nicht bewusst gewesen.

Auch dieses Mal hat Charlotte Roth wieder einen sehr lesenswerten Roman der gehobenen Unterhaltungsliteratur geschrieben.

ebooks

Schwarzblende

Zoë Beck

EUR 8,99 *
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50

09.04.2015

„Dieser Thriller ist sowas von brisant!”

Diejenigen von Ihnen, die meine Buchbesprechungen öfters lesen, werden diesmal erstaunt sein, denn ich bespreche einen Thriller! Ich habe Zoe Beck vor kurzem in Hamburg auf einer Lesung erleben dürfen. Und da hat sie ihr aktuelles Buch so brillant vorgestellt, dass ich einfach nicht umhin kam und es lesen musste.

Erinnern Sie sich noch an die Schockmeldung vom 23.05.2013 in den Medien, wo über einen bestialischen Mord mit Beil und Machete an einem britischen Soldaten in London berichtet wurde? Dieser Mord hat die Autorin so beschäftigt, dass sie ihn als Ausgangsbild für ihren aktuellen Thriller genommen hat. Ihre Hauptperson ist Niall, ein Kameramann, der unfreiwillig Zeuge dieser bestialischen Bluttat wird. Ihm kamen diese beiden jungen Männer mit den Macheten gleich irgendwie verdächtig vor, und deshalb hat er sie mit seiner Handykamera gefilmt. Danach lässt ihn diese Tat nicht mehr los. Er bekommt den Auftrag, einen Film über die Hintergründe zu machen. Zusammen mit der toughen Beth, der ruhigen Laura und dem Kameramann Ken fängt er an die Hintergründe zu recherchieren. Doch dann verselbständigt sich die Suche, denn es geschehen weitere Verbrechen, die mit diesem im Zusammenhang zu stehen scheinen.

Zoe Beck hat einen ausgesprochen fesselnden Thriller geschrieben, der hochaktuell und höchst brisant ist. In London bzw. Großbritannien ist die Situation mit den muslimischen Mitbürgern noch weitaus problematischer als in Deutschland, weshalb sie sich für London als Schauplatz entschieden hat. Sie beleuchtet in diesem Buch, was junge Menschen dazu bewegt, sich dem IS anzuschließen. Aber es kommen auch noch ganz andere Komponenten mit ins Spiel, die ich Ihnen hier nicht verraten will. Nur so viel – das Ende hat mich überrascht und total geschockt! Und ich befürchte, dass es leider weitaus mehr als eine reine Fiktion ist.

Ein hochaktueller Thriller, den ich nur jedem empfehlen kann, der sich mit der Problematik des Miteinanderlebens verschiedener Religionen beschäftigt. Diese Lektüre wird nicht jedem gefallen, aber das Buch regt eindeutig zu Diskussionen an.

Dieser Thriller ist der richtige Lesestoff für Fans von Matt Beyon Rees Krimis um Omar Jussuf und den Lesern von Martin Maurer „Terror“.

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50

07.04.2015

„Die Macht von Olympia”

Charlotte Roth hat mit ihrem ersten Roman „Als wir unsterblich waren“ einen fulminanten Start hingelegt. Umso gespannter war ich jetzt auf das zweite Buch von ihr. Optisch und vom Titel hat es der Knaur Verlag so nah an das erste Buch angelehnt, dass ich schon fast befürchte, vielen von Ihnen fällt gar nicht auf, dass es in der Zwischenzeit einen zweiten Titel gibt.

Auch „Als der Himmel uns gehörte“ spielt wieder auf zwei Zeitebenen. Es beginnt 2011 in London, wo sich intensiv auf die Olympischen Spiele vorbereitet wird. Jenny, eine Langstreckenläuferin, will unbedingt auf der 10.000 m Strecke teilnehmen. Doch immer wiederkehrende Panikattacken drohen diesen Traum zu zerstören. Eine Zufallsbekanntschaft aus dem Park schlägt ihr vor, dass sie darüber einmal mit ihrer Urgroßmutter Alberta sprechen soll. Jenny weiß kaum etwas über ihre Familiengeschichte und ist deshalb umso erstaunter als sie erfährt, dass ihre Urgroßmutter 1936 für Deutschland eine Medaille geholt hat. Und da sie sich keinen anderen Rat weiß, macht sie sich tatsächlich auf den Weg nach Mandeville, dem Landsitz der Familie, der allerdings inzwischen einer Stiftung für die Paralympics gehört, um mit ihrer fasst hundertjährigen Urgroßmutter zu reden. Und dann geht die Geschichte zurück in die Zeit von 1932 bis 1945. Alberta und ihre Zwillingsschwester Auguste leben mit ihrem Vater Radio-Bernhardt und seiner Schwester Käthe zusammen. Der Vater ist ein begnadeter Rundfunkmoderator. Von ihm hat seine Tochter Alberta die Lust am Sport geerbt. Sie ist Bogenschützin und liebt Pferde. 1932 reist der Vater mit seinen beiden Töchtern in die USA zu dem Olympischen Spielen in L.A. Und dort verliebt sich die 17jährige Alberta nicht nur in den Geist der Olympiade.

Dieser Teil der Geschichte hat noch einige spannende Hauptpersonen mehr, die ich Ihnen hier aber nicht alle vorstellen will. Das, was mich an diesem Buch so fasziniert hat, ist der Wille, unbedingt an der Olympiade teilnehmen zu wollen. Alberta als auch ihr Liebster Hannes stellen dafür fast alles zurück. Sie achten nicht wirklich darauf, was in Berlin vor sich geht. Sie verschließen mehr oder weniger die Augen, bzw. lassen sich sogar bewusst vor den Karren der Propaganda spannen, um sich ihren Traum zu erfüllen. Und so geraten sie zum Teil immer tiefer hinein, bzw. werden sogar teilweise erpressbar, denn in jeder Familie gibt es dunkle Flecken. Doch wenn die Sportler funktionieren so wie es der Staat will, kann auch über Juden oder Behinderte hinweggesehen werden. Doch irgendwann wacht wenigstens einer von beiden auf und versteht so langsam, was wirklich vor sich geht.

Charlotte Roth ist es auch dieses Mal wieder gelungen einen ausgesprochen spannenden Roman mit viel geschichtlichem Hintergrundwissen zu schaffen. Auch wenn ich eigentlich gar kein Sportfan bin, so hat die Geschichte mich doch so richtig gepackt. Diese Intensivität mit der sie beschrieben hat, wie leicht die Menschen sich manipulieren ließen, wie leicht sie immer tiefer in die Täterrolle hineinschlüpften, hat mich ungemein erschreckt. Und die Perfidität mit welcher es die Staatsführung geschafft hat, einem Boykott zu entgehen, war mir in dieser Form noch gar nicht bewusst gewesen.

Auch dieses Mal hat Charlotte Roth wieder einen sehr lesenswerten Roman der gehobenen Unterhaltungsliteratur geschrieben.

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Apfelblütenzauber

Gabriella Engelmann

EUR 9,99 *
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40

01.04.2015

„Ein Buch voller Aufbrüche”

Eingefleischte Gabriella Engelmann Fans kennen wahrscheinlich noch das Buch „Eine Villa zum Verlieben“, das ursprünglich 2008 erschienen ist. Und da wir Leserinnen jetzt das Glück haben und den drei Protagonistinnen Leonie, Nina und Stella im „Apfelblütenzauber“ sechs Jahre später wieder folgen dürfen, legt der Knaur Verlag auch das erste Buch neu auf.

Dieses Mal erzählt Leonie die Geschichte aus ihrer Sicht. Das Buch beginnt mit ihrem 41sten Geburtstag. Sie hat ihre Eltern und ihre besten Freunde eingeladen. Als ihre Freundinnen sie fragen, was sie sich für ihr neues Lebensjahr wünscht, antwortet sie „Im Grunde nur, dass alles so bleibt, wie es ist, und dass es euch, meinen Lieben, gut geht.“ Doch dieser Wunsch soll sich leider nicht erfüllen, denn in diesem Jahr wird es in der Villa in Hamburg Eimsbüttel rundgehen. Es fängt schon damit an, dass Leonie bei ihren Eltern ein ungutes Gefühl hat, welches sich bewahrheitet. Ihre Mutter hat genug von ihrem langweiligen Leben im Alten Land und meint, sie braucht eine Auszeit von Mann, Hofladen und den Pensionsgästen. Dann erfährt Leonie von ihrem Chef Alexander, der der langjährige Liebste von Nina ist, dass er leider sein Lokal schließen muss, in dem sie als Restaurantleiterin arbeitet, da das Gebäude abgerissen werden soll. Und er wird es auch nicht an anderer Stelle wieder neueröffnen, sondern die Gunst der Stunde nutzen, etwas Neues zu wagen. Doch dies bleiben in dem Jahr nicht die einzigen Veränderungen. Es tut sich bei allen drei Frauen etwas, und sie müssen ihr Leben und ihre Freundschaft neu sortieren. Da die drei Frauen jedoch nach wie vor sehr unterschiedlich sind, können sie sich gegenseitig besonders gut helfen, auch wenn es zwischendrin ein wenig knirscht. Denn Leonie scheut noch immer Konflikte und will es allen Recht machen, Nina hat Angst ihre Unabhängigkeit zu verlieren und Stella ist in der Zwischenzeit nicht mehr nur Freundin sondern auch Ehefrau und Mutter. Doch ihre Freundschaft hilft ihnen über die schwierige Zeit hinweg. Und am Ende können wir uns mit Leonie, Nina und Stella freuen, dass doch alles ein gutes Ende gefunden hat, wenn auch anders als erwartet.

Gabriella Engelmann hat wieder ein wunderschönes Wohlfühlbuch geschrieben. Ihre Bücher lese ich am liebsten dann, wenn es mir gerade selber nicht so gut geht. Denn in ihren Büchern fühle ich mich geborgen. Mit ihren Hauptpersonen möchte ich gerne befreundet sein. Und wer das Glück hatte, die Autorin persönlich kennenzulernen, weiß, dass sie selbst genau so ein warmherziger, chaotischer, verrückter und liebevoller Mensch ist. In diesem Buch beschreibt sie, das Umbrüche im Leben immer auch Chancen sind, etwas Neues zu beginnen. Umbrüche müssen nicht immer etwas schlechtes sein, sondern sie bergen auch einfach die Möglichkeit, etwas anderes auszuprobieren. Und das ist für mich das besondere an ihren Büchern. Sie sind schöne Unterhaltungsromane, doch ich kann mir auch etwas daraus mitnehmen in mein eigenes Leben!

Und dann hat sie auch noch die Gabe, die Umgebung ihrer Bücher immer so wunderschön zu beschreiben, dass man Lust bekommt, genau dorthin zu fahren. Dieses Mal ist es keine nordfriesische Insel, sondern das Alte Land – das Obstanbaugebiet an der Elbe vor den Toren Hamburgs. Und ich werde dieses Jahr sicherlich einmal mit dem Rad und der Bahn dorthin fahren und mich dort umschauen.

buch

Jakobs Mantel

Eva Weaver

EUR 9,99 *
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50

29.03.2015

„Die Kraft der Puppen”

Eva Weaver ist eine in Deutschland geborene britische Autorin, die ursprünglich als Trauma- und Kunsttherapeutin gearbeitet hat. Mit diesem beruflichen Hintergrund passt die Geschichte des Romans „Jakobs Mantel“ hervorragend.

Denn Eva Weaver erzählt die Geschichte eines jungen Juden, der im Warschauer Ghetto als Puppenspieler die Menschen wenigstens kurzzeitig von ihrer Situation ablenken kann. Mika hat ursprünglich mit seiner Mutter und seinem Großvater, einem allseits beliebten Universitätsprofessor, in guten Verhältnissen gelebt. An seinen Vater kann er sich kaum erinnern. Dann marschieren die Deutschen in Polen ein. Für die Juden verschlechtert sich die Lebenssituation dramatisch und endet 1940 vorerst im Warschauer Ghetto. Doch es wird noch schlimmer. Mikas Großvater wird von den Deutschen erschossen, als er einer Frau helfen will. Mika erbt seinen Mantel und macht in den diversen geheimen Taschen dieses Mantels eine ungeheuerliche Entdeckung – sein Großvater hat Puppen gebastelt und diese in den Taschen versteckt. Mika ist davon fasziniert und entdeckt, dass er Talent als Puppenspieler hat. Erst führt er nur im kleinen Kreis Stücke auf, doch denn spricht sich sein Talent im Ghetto herum, und er spielt vor immer größerem Publikum. Eines Tages macht er einen Fehler, und plötzlich will der deutsche Wehrmachtssoldat Max, dass er für die Deutschen spielt. Mika ist entsetzt, kann dadurch aber auch etwas für die anderen Juden im Ghetto tun. Dies alles und noch viel mehr erzählt der alte Mika 2009 seinem Enkel Danny in New York nachdem er ein Plakat entdeckt hatte, dass ein Puppenspiel über den Puppenspieler des Warschauer Ghettos ankündigt. Im zweiten Teil wird die Geschichte des Soldaten Max erzählt. Wie geht sein Leben weiter, nachdem Deutschland den Krieg verloren hat. Auch hier spielt wieder eine der Puppen aus dem Ghetto eine zentrale Rolle.

Eva Weaver hat eine unglaublich ergreifende Geschichte erzählt. Sie beschreibt das Grauen des Ghettos sehr genau. Unter diesen schrecklichen Lebensumständen muss Mika erwachsen werden. Er wächst wie viele andere Menschen in dieser Situation über sich hinaus. Dabei helfen ihm die Puppen. Und diese Puppen lenken die Menschen von ihrer Situation, ihrem Hunger, ihrer Angst ab. Sie geben ihnen einen kleinen Moment Glück und Normalität. Aber sie beschreibt nicht nur die Situation der Opfer, sondern sie beschreibt auch sehr genau, wie es dem deutschen Soldat ergeht. Und sie zeigt auf, wie schmal der Grat ist, auf dem sich die Menschen im 3. Reich bewegt haben. Grundsätzlich steht der Soldat Max hinter der Politik von Adolf Hitler, aber in Mika erkennt er einfach einen Jungen, der im Alter seines Sohnes ist. Und dieser Junge ist gar nicht so anders. Gleichzeitig zeigt sie auch auf, wie schwierig die Situation für die Kriegskinder und -enkel ist. Es dauert lange, bis die Menschen wirklich darüber sprechen können.

Ein großartiger und beeindruckender Roman über die Kraft der Menschen in Extremsituationen. Und es ist gleichzeitig auch ein versöhnlich stimmender Roman. Er hat mich ähnlich beeindruckt wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne.

buch

Apfelblütenzauber

Gabriella Engelmann

EUR 9,99 *
auf Merkliste

40

27.03.2015

„Ein Buch voller Aufbrüche”

Eingefleischte Gabriella Engelmann Fans kennen wahrscheinlich noch das Buch „Eine Villa zum Verlieben“, das ursprünglich 2008 erschienen ist. Und da wir Leserinnen jetzt das Glück haben und den drei Protagonistinnen Leonie, Nina und Stella im „Apfelblütenzauber“ sechs Jahre später wieder folgen dürfen, legt der Knaur Verlag auch das erste Buch neu auf.

Dieses Mal erzählt Leonie die Geschichte aus ihrer Sicht. Das Buch beginnt mit ihrem 41sten Geburtstag. Sie hat ihre Eltern und ihre besten Freunde eingeladen. Als ihre Freundinnen sie fragen, was sie sich für ihr neues Lebensjahr wünscht, antwortet sie „Im Grunde nur, dass alles so bleibt, wie es ist, und dass es euch, meinen Lieben, gut geht.“ Doch dieser Wunsch soll sich leider nicht erfüllen, denn in diesem Jahr wird es in der Villa in Hamburg Eimsbüttel rundgehen. Es fängt schon damit an, dass Leonie bei ihren Eltern ein ungutes Gefühl hat, welches sich bewahrheitet. Ihre Mutter hat genug von ihrem langweiligen Leben im Alten Land und meint, sie braucht eine Auszeit von Mann, Hofladen und den Pensionsgästen. Dann erfährt Leonie von ihrem Chef Alexander, der der langjährige Liebste von Nina ist, dass er leider sein Lokal schließen muss, in dem sie als Restaurantleiterin arbeitet, da das Gebäude abgerissen werden soll. Und er wird es auch nicht an anderer Stelle wieder neueröffnen, sondern die Gunst der Stunde nutzen, etwas Neues zu wagen. Doch dies bleiben in dem Jahr nicht die einzigen Veränderungen. Es tut sich bei allen drei Frauen etwas, und sie müssen ihr Leben und ihre Freundschaft neu sortieren. Da die drei Frauen jedoch nach wie vor sehr unterschiedlich sind, können sie sich gegenseitig besonders gut helfen, auch wenn es zwischendrin ein wenig knirscht. Denn Leonie scheut noch immer Konflikte und will es allen Recht machen, Nina hat Angst ihre Unabhängigkeit zu verlieren und Stella ist in der Zwischenzeit nicht mehr nur Freundin sondern auch Ehefrau und Mutter. Doch ihre Freundschaft hilft ihnen über die schwierige Zeit hinweg. Und am Ende können wir uns mit Leonie, Nina und Stella freuen, dass doch alles ein gutes Ende gefunden hat, wenn auch anders als erwartet.

Gabriella Engelmann hat wieder ein wunderschönes Wohlfühlbuch geschrieben. Ihre Bücher lese ich am liebsten dann, wenn es mir gerade selber nicht so gut geht. Denn in ihren Büchern fühle ich mich geborgen. Mit ihren Hauptpersonen möchte ich gerne befreundet sein. Und wer das Glück hatte, die Autorin persönlich kennenzulernen, weiß, dass sie selbst genau so ein warmherziger, chaotischer, verrückter und liebevoller Mensch ist. In diesem Buch beschreibt sie, das Umbrüche im Leben immer auch Chancen sind, etwas Neues zu beginnen. Umbrüche müssen nicht immer etwas schlechtes sein, sondern sie bergen auch einfach die Möglichkeit, etwas anderes auszuprobieren. Und das ist für mich das besondere an ihren Büchern. Sie sind schöne Unterhaltungsromane, doch ich kann mir auch etwas daraus mitnehmen in mein eigenes Leben!

Und dann hat sie auch noch die Gabe, die Umgebung ihrer Bücher immer so wunderschön zu beschreiben, dass man Lust bekommt, genau dorthin zu fahren. Dieses Mal ist es keine nordfriesische Insel, sondern das Alte Land – das Obstanbaugebiet an der Elbe vor den Toren Hamburgs. Und ich werde dieses Jahr sicherlich einmal mit dem Rad und der Bahn dorthin fahren und mich dort umschauen.

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Alles was ich bin

Anna Funder

EUR 9,99 *
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40

26.03.2015

„Was ist wirklich 1935 in London passiert?”

Anna Funder ist eine 1966 geborene australische Autorin, Anwältin und Dokumentarfilmerin. Ihr Erstling „Stasiland“ (Fischer Taschenbuch), eine Reisereportage in die ehemalige DDR, erhielt den Johnson Award. Durch ihre ungewöhnliche Freundschaft mit der zuletzt in Australien lebenden Deutschen Ruth Blatt (vormals Wesemann, 1906 - 2001) ist ihr die Idee zu diesem Roman gekommen.

Sie erzählt darin die Geschichte von Deutschen, die aus politischen Gründen Deutschland verlassen mussten und in England Zuflucht gefunden haben. Hauptsächlich ist es die Geschichte von Dora Fabian und Ernst Toller. Die Geschichte wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Da ist zum einen Ruth und zum anderen Ernst Toller. Nach einem kurzen Kapitel, der vom Abend der Machtergreifung Hitlers erzählt, beginnt der Roman 2001 in Australien. Die 95jährige Ruth erhält überraschenderweise einen Brief von einem Hotel aus New York. Dieser Brief enthält Notizen und das überarbeitete Manuskript von Ernst Toller. Während sie darin liest, erinnert sie sich zurück an die Zeit vom 1. Weltkrieg bis 1935. Sie erzählt von ihrem Leben als junge, politische Frau, die immer zu ihrer etwas älteren Cousine Dora Fabian aufschaut. Beide Frauen sind Pazifistinnen und gehören der USPD an. Dadurch lernen sie auch den Autor Ernst Toller kennen. Dora arbeitet für ihn als Sekretärin und ist auch gleichzeitig seine Geliebte. Als Hitler an die Macht kommt, müssen sie fliehen. Sie alle landen in London, wo ihnen politische Agitation verboten ist, was sie aber nicht daran hindert, diese weiter zu betreiben. Gerade Dora Fabian ist hierbei sehr aktiv und steht dadurch sehr weit oben auf der Liste der Nationalsozialisten, die auch ihre Agenten in London haben. An Hand des Klappentextes wissen wir, dass sie angeblich 1935 mit ihrer Parteigenossin Mathilde Wurm Selbstmord begangen haben soll. Aber stimmt dies wirklich? Ruth Blatt hat dazu ihre berechtigen Zweifel.

Der zweite Erzählstrang spielt in einem Hotelzimmer in New York, wo Ernst Toller mit seiner Sekretärin Clara versucht, seine Erinnerungen „Eine Jugend in Deutschland“ zu überarbeiten. Er möchte darin die Rolle, die Dora Fabian in seinem Leben und in der Politik gehabt hat, stärker herausarbeiten. Und dadurch erfahren wir viel über das Leben von den beiden. Dieser Erzählstrang endet mit dem Selbstmord von Ernst Toller.

Die Autorin setzt das Leben dieser Menschen wie eine Kollage zusammen. Nach und nach erfährt man immer mehr über sie und das Leben in Deutschland von 1918 bis 1933. Mir war bis dahin z.B. nicht bewusst, dass die Deutschen in England nicht politisch aktiv sein durften und damit den Widerstand in Deutschland nicht unterstützen konnten. Und ich wusste auch nicht, dass Deutschland ins vermeintlich sichere Ausland geflohene Regimegegner dort hat umbringen lassen oder zurück ins Reich entführt hat. Da die Umstände um den Tod von Dora Fabian und Mathilde Wurm bis heute nicht eindeutig geklärt sind, hat sich die Autorin bewusst für die Romanform entschieden. Interessanterweise findet man im deutschsprachigen Internet kaum etwas über dieses Thema, wohl aber im englischsprachigen.

Ein sehr interessanter, spannender Roman, mit dem man einmal wieder Geschichtslücken auf angenehme Weise schließen kann.

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50

24.03.2015

„Eine Geschichte, die unter die Haut geht”

Anna McPartlin habe ich Ihnen an dieser Stelle bereits des Öfteren vorgestellt. Sie ist eine wunderbare irische Autorin, die inzwischen auch hier ihre Leserinnen gefunden hat. Bisher gehörten ihre Bücher immer zu den sogenannten blauen Büchern, die gerne in die Richtung von Cecilia Ahern gerückt wurden. Dort gehörte sie aber meiner Meinung nach nie hin. Bei dem neuen Buch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ hat der Rowohlt Verlag diesmal ein ganz anderes, wunderschönes Cover gewählt, welches auf jeden Fall ins Auge fällt und sich wohltuend von den üblichen Buchumschlägen abhebt. Auch die Geschichte ist diesmal anders als ich sie bisher von der Autorin gewohnt war, aber wieder absolut toll!

Anna McPartlin erzählt die Geschichte der irischen Familie Hayes, wobei die eigentliche Hauptperson des Romans Mia Rabbit Hayes ist. Der Roman beginnt gleich mit einem Schlag. Molly, die 72jährige Mutter von Rabbit, bringt ihre Tochter in ein Hospiz. Es ist klar, dass Rabbit sterben wird. Die besondere Dramatik dieser Geschichte ist, dass Rabbit erst 40 Jahre alt ist, eine 12 jährige Tochter hat und alleinerziehend ist. Rabbit hat Brustkrebs, der inzwischen leider so weit gestreut hat, dass dieses Mal keine Chance mehr für sie besteht. Und so erleben wir die letzten Tage mit. Wie geht die Familie damit um? Wie geht Rabbit mit der Situation um, die für sie besonders schwierig sein muss. Wann sagt sie es ihrer Tochter? Und wer soll sich nach ihrem Tod um das Mädchen kümmern? Doch es ist nicht nur eine traurige und trübselige Geschichte. Die Autorin versteht es auch dieses Mal wieder meisterhaft eine weitere Geschichte mit einzubinden.

Als die drei Hayes Kinder 12, 16 und 18 Jahre alt waren, war das Leben der Familie sehr spannend. Davey, der Sohn war Schlagzeuger in einer Band. Und sein bester Kumpel Johnny ist der charismatische Sänger. Die Band ist so gut, dass sie sogar die Chance auf einen Plattenvertrag hat. Doch dann passiert etwas, was die Zukunft für alle verändert. Und an diese Zeit erinnert sich Rabbit zurück, wenn sie dank der Medikamente in Schlaf versinkt.

Herausgekommen ist ein wunderbarer Roman, der zugleich humorvoll, sensibel und traurig ist. Die Autorin schafft es, dass man sich selbst mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Und dazu kommen natürlich noch ganz viele Elemente aus dem Leben der unterschiedlichen Personen zum Tragen. Wie gehen die einzelnen Familienmitglieder mit der Situation um. Wo finden sie Halt. Wie können sie sich gegenseitig helfen. Und wer trifft Entscheidungen, die durchaus auch die sterbende Person betreffen. Gleichzeitig ist es eine wunderschöne Geschichte über eine Familie, wie sie sicherlich jeder gerne hätte. Eine Familie, die zusammenhält und auch immer für die Freunde da ist. Natürlich gibt es auch in dieser Familie unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Aber die Familie hält es aus, da sie immer füreinander da sind und sich gegenseitig so akzeptieren, wie sie sind.

Dieses Buch gehört für mich in eine Liga der Bücher von Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“, Ka Hancock „Tanz auf Glas“ und Annette Hohberg „Das unendliche Blau“. Es ist ein großartiges Buch, von welchem man sich umarmt fühlt. Es bietet ganz viel Gefühl und ist einfach großartig!

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