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10

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123

buch

Welt in Flammen

Benjamin Monferat

EUR 22,95 *
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40

22.09.2014

„Die letzte Fahrt des Simplon Orient Express”

Am 25. Mai 1940 bricht der Simplon Orient Express zu seiner letzten Fahrt nach Istanbul auf. An Bord des legendären Zuges befindet sich eine Reihe von Reisenden, die etwas anderes sind als sie erscheinen. Und auch der Zug selbst birgt ein Geheimnis, welches für die Reisenden eine Gefahr ist, von der sie zu Beginn der Reise nichts ahnen. Und so verfolgen wir als Leser diese 2 Tage dauernde Reise fast minutiös. Eingeschlossen sind einige Zwischenspiele, die weitere Informationen zum Geheimnis preisgeben. Doch wer sind die geheimnisvollen Gäste?

- Eva Heilmann, eine junge, deutsche Jüdin, die mit dem König im Exil Carol von Carpathien liiert war
- Lieutenant-colonel Claude Lourdan, der mit zwei Mitarbeitern einen ganz speziellen Wagon beschützen muss
- Gaston Thuillet, der Vertreter der Eisenbahngesellschaft, dem die Pünktlichkeit des Zuges oberstes Gebot ist
- Ingolf Helmbrecht, der unter dem Namen Ludvig Mueller vorgibt ein Amerikaner zu, aber ein deutscher Agent ist
- Raoul und George, die beiden Kabinenstewards
- Die Familie um den Großfürsten Constantin Romanow, bestehend aus seiner Frau Katharina Nikolajewna, dem Sohn Alexej und den Töchtern Xenia und Elena
- Der König im Exil Carol von Carpathien und sein Stab
- Der Selfmade-Öl-Millionär Paul Richards und seine blutjunge Ehefrau Vera
- Boris Petrowitsch Kadynow, ein Agent der Sowjetunion
- Betty Marshall, eine Hollywood-Diva, die ihre großen Zeiten als Stummfilmstar hatte
- Basil Algernoon Fitz-Edwards, fast schon eine Karikatur eines typisch Tweed-gewandeten Engländers
- Monsignore Pedro de la Rosa, ein Botschafter des Papstes

All diese Menschen treffen auf dieser Reise aufeinander. Sie beäugen sich skeptisch, denn jeder, der selbst Agent ist, ahnt, dass auch andere etwas anderes sind, als sie vorgeben. Aber alle Agenten verfolgen ganz unterschiedliche Ziele, die einander eigentlich gar nicht in die Quere kommen müssen. Und was planen der russische Großfürst und der carpathische König miteinander? Natürlich kommt zu dieser ausgesprochen spannenden Spionagegeschichte auch noch ein Hauch von Liebe, Leidenschaft und Verrat hinzu.

Aus dieser ganzen abenteuerlichen Mischung ergibt sich ein sehr spannender Spionageroman, der auf ein fulminantes Finale hinausläuft. Er enthält ein wenig Agatha Christie und ein wenig Ken Follett. Am Anfang ist es nicht ganz so einfach sich zwischen diesen vielen Personen zurechtzufinden, aber wenn man das erst einmal geschafft hat, stellt man schnell eigene Vermutungen an.

Am Ende des Buches befinden sich zum Glück eine Skizze zu den drei für die Handlung wichtigen Wagen und ein Personenverzeichnis, welches gerade am Anfang für die Leser durchaus wichtig sein kann.

Benjamin Monferat ist übrigens ein geschlossenes Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Autors und Historikers.


buch

Warte auf mich

Miriam Bach

EUR 9,99 *
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50

22.09.2014

„Sie lieben „Gut gegen Nordwind“?”

Dann lesen Sie „Warte auf mich“! Jetzt ist diese ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte als Taschenbuch beim Piper Verlag erschienen. Und wenn Sie sie gelesen haben, werden Sie sich fragen: Wer sind die beiden Autoren? Ist es eine wahre Geschichte und sind die Namen Pseudonyme? Oder ist es ein einfach unglaublich geschickt gemachter Roman?

Doch zum Inhalt: Eines Tages findet ein Verleger, der schon lange selbst nichts mehr mit Manuskripten zu tun hat, ein ominöses Päckchen auf seinem Schreibtisch. Darin ist ein Manuskript. Ein Teil wirkt wie ein auseinandergenommenes Buch, der andere ist ein Computerausdruck. Durch den ganz kurzen Begleitbrief wird er tatsächlich neugierig und beginnt zu lesen. Und er entdeckt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die wechselweise aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Die weibliche Hauptperson heißt Miriam Bach. Sie ist Autorin und lernt auf einer Verlagsveranstaltung den Autoren Philipp Andersen kennen. Es ist eine unglaubliche Anziehung auf den ersten Blick. Doch eigentlich hat diese Liebe keine Chance. Denn Miriam ist Ende Dreißig und lebt in Hamburg, während Philipp 55 Jahre alt ist, in Freiburg/Breisgau lebt und seit über Dreißig Jahren glücklich verheiratet ist. Doch sie können nicht voneinander lassen. Es beginnt eine unheimlich intensive Liebesgeschichte, bei der sie die heute möglichen Kommunikationsplattformen wie Facebook, What’s App und Handy voll ausnutzen. Am Anfang schreiben sie sich nur. Doch die Anziehung und Sehnsucht wird immer größer. Dabei ist von vorneherein klar, dass er seine Frau niemals verlassen wird. Wie wird diese Geschichte ausgehen? Und wie kommt das Manuskript in die Hände des Verlegers?

Mich hat diese Geschichte in der Art und Weise ein wenig an „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer erinnert. Die beiden Hauptpersonen leben eine große Liebe, aber in wie weit kennen sie sich wirklich. Das Ende des Buches überrascht, ist aber sehr stimmig. Und wenn man die Auflösung des Buches kennt und es noch einmal von vorne unter anderen Gesichtspunkten beginnt, funktioniert es auch! Nur eins wurmt mich – wer sind die Autoren wirklich???

ebooks

Welt in Flammen

Benjamin Monferat

EUR 19,99 *
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40

22.09.2014

„Die letzte Fahrt des Simplon Orient Express”

Am 25. Mai 1940 bricht der Simplon Orient Express zu seiner letzten Fahrt nach Istanbul auf. An Bord des legendären Zuges befindet sich eine Reihe von Reisenden, die etwas anderes sind als sie erscheinen. Und auch der Zug selbst birgt ein Geheimnis, welches für die Reisenden eine Gefahr ist, von der sie zu Beginn der Reise nichts ahnen. Und so verfolgen wir als Leser diese 2 Tage dauernde Reise fast minutiös. Eingeschlossen sind einige Zwischenspiele, die weitere Informationen zum Geheimnis preisgeben. Doch wer sind die geheimnisvollen Gäste?

- Eva Heilmann, eine junge, deutsche Jüdin, die mit dem König im Exil Carol von Carpathien liiert war
- Lieutenant-colonel Claude Lourdan, der mit zwei Mitarbeitern einen ganz speziellen Wagon beschützen muss
- Gaston Thuillet, der Vertreter der Eisenbahngesellschaft, dem die Pünktlichkeit des Zuges oberstes Gebot ist
- Ingolf Helmbrecht, der unter dem Namen Ludvig Mueller vorgibt ein Amerikaner zu, aber ein deutscher Agent ist
- Raoul und George, die beiden Kabinenstewards
- Die Familie um den Großfürsten Constantin Romanow, bestehend aus seiner Frau Katharina Nikolajewna, dem Sohn Alexej und den Töchtern Xenia und Elena
- Der König im Exil Carol von Carpathien und sein Stab
- Der Selfmade-Öl-Millionär Paul Richards und seine blutjunge Ehefrau Vera
- Boris Petrowitsch Kadynow, ein Agent der Sowjetunion
- Betty Marshall, eine Hollywood-Diva, die ihre großen Zeiten als Stummfilmstar hatte
- Basil Algernoon Fitz-Edwards, fast schon eine Karikatur eines typisch Tweed-gewandeten Engländers
- Monsignore Pedro de la Rosa, ein Botschafter des Papstes

All diese Menschen treffen auf dieser Reise aufeinander. Sie beäugen sich skeptisch, denn jeder, der selbst Agent ist, ahnt, dass auch andere etwas anderes sind, als sie vorgeben. Aber alle Agenten verfolgen ganz unterschiedliche Ziele, die einander eigentlich gar nicht in die Quere kommen müssen. Und was planen der russische Großfürst und der carpathische König miteinander? Natürlich kommt zu dieser ausgesprochen spannenden Spionagegeschichte auch noch ein Hauch von Liebe, Leidenschaft und Verrat hinzu.

Aus dieser ganzen abenteuerlichen Mischung ergibt sich ein sehr spannender Spionageroman, der auf ein fulminantes Finale hinausläuft. Er enthält ein wenig Agatha Christie und ein wenig Ken Follett. Am Anfang ist es nicht ganz so einfach sich zwischen diesen vielen Personen zurechtzufinden, aber wenn man das erst einmal geschafft hat, stellt man schnell eigene Vermutungen an.

Am Ende des Buches befinden sich zum Glück eine Skizze zu den drei für die Handlung wichtigen Wagen und ein Personenverzeichnis, welches gerade am Anfang für die Leser durchaus wichtig sein kann.

Benjamin Monferat ist übrigens ein geschlossenes Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Autors und Historikers.


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50

07.09.2014

„Ein wunderbares Buch über eine Liebe, die nicht sein darf”

Bethan Roberts ist eine junge britische Autorin, die sich mit ihren beiden früheren Romanen „Stille Wasser“ (Antje Kunstmann) und „Köchin für einen Sommer“ (Diana Taschenbuch) bereits einen Namen gemacht hat. Sie hat das Geschick, immer wieder völlig verschiedene Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten zu erzählen.

Dieses Mal erzählt sie die Geschichte einer ungeplanten Dreiecksbeziehung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. 1957 - Marion und Patrick verlieben sich beide in den gleichen Mann – Tom. Doch Marion ahnt nicht, dass sie für Tom nicht die große Liebe ist wie sie denkt, obwohl ihre beste Freundin und Toms Schwester sie gewarnt hat. Denn Tom hat sich in den Kurator des Museums Patrick verliebt. Als Tom ihr endlich einen Heiratsantrag macht, ist sie überglücklich. Nach und nach merkt allerdings auch Marion, dass etwas an der Freundschaft zwischen Tom und Patrick nicht stimmt. Die Situation eskaliert und zerstört damit drei Leben.

Die Autorin hat ein schwieriges Thema mutig und sehr einfühlsam aufgegriffen. Homosexualität war in England in den fünfziger Jahren noch strafbar. Die Männer und Frauen haben sich im Geheimen getroffen und häufig ein Scheinleben aufgebaut. Sie wurden sie immer von der Angst beherrscht, entdeckt und denunziert zu werden. Bethan Roberts schreibt diese Geschichte aus zwei Perspektiven. Zum einen schreibt Marion ihre Sicht der Geschichte 1999 auf. Sie will sie Patrick, der inzwischen durch einen Schlaganfall ein Pflegefall geworden ist, vorlesen. Die zweite Perspektive ist ein Tagebuch, das Patrick 1957 begonnen hat, als er sich in Tom, seinen Polizisten verliebt hat. Diese beiden Geschichten wechseln sich ab und laufen so auf das große, tragische Finale zu.

„Der Liebhaber meines Mannes“ ist ein wundervoller Roman, der für Toleranz wirbt. Die Autorin verurteilt aber auch Marion nicht, die einfach in der damaligen Zeit mit der Situation überfordert war. Was bin ich glücklich, dass ich nicht damals gelebt habe. Denn heute sind wir zum Glück soweit, dass Homosexualität in großen Teilen von der Gesellschaft toleriert wird.

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50

07.09.2014

„Verlorene Generationen?”

2008 habe ich mich das erste Mal an den finnlandschwedischen AutorenKjell Westö gewagt. Damals habe ich Ihnen „Wo sie einst gingen“ (btb Taschenbuch) vorgestellt. Kjell Westö ist kein einfach zugänglicher Autor. Und anders als sein finnischer Autorenkollegen Arto Paasilinna schreibt er keine schrägen, skurrilen Romane, sondern klassische Gesellschaftsromane, für die er vielfach preisgekrönt wurde. Und gerade, wo sein neuer Roman „Das Trugbild“ als Hardcover erschienen ist, gibt es „Geh nicht einsam in die Nacht“ als Taschenbuch.

Der Buchtitel „Geh nicht einsam in die Nacht“ ist der Titel eines Musikstücks, welches für die Handlung dieses Romans ausgesprochen wichtig ist. Kjell Westö erzählt in diesem Roman die Geschichte von zwei Generationen. Da sind zum einen die Generation, die am Ende des 2. Weltkriegs und die Generation des Ich-Erzählers, die Anfang der sechziger Jahre geboren wurden.

Der erste Teil des Romans ist die Geschichte einer Jugendfreundschaft. Jouni und Ariel sind zwei junge Männer, die aus einfachsten Verhältnissen stammen. Obwohl sie extrem unterschiedlich sind, werden sie die besten Freunde. Jouni, der drei Jahre jünger ist, ist ein tougher, aber auch extrem intelligenter Bursche Ganz anders sein Freund Ariel. Ariel ist sehr sensibel, schmächtig und stottert in Stresssituationen. Seine einzige wirkliche Stärke ist die Musik. Zu dieser Jugendfreundschaft gehört noch Adriana. Adriana entstammt einer wohlhabenden Familie, steht altersmäßig zwischen den beiden Männern und ist mit beiden befreundet. Anfang der sechziger Jahre nehmen sie zu dritt eine Single auf, die leider kein Erfolg wird. Kurz danach trennten sich ihre Wege. Jounis bekommt ein Angebot, für einen Radiosender als Reporter zu arbeiten und wird darin sehr erfolgreich. Adriana wird ein erfolgreiches Fotomodell, doch dabei verliert sie sich immer mehr. Und Ariel versinkt immer tiefer in der Sucht nach Alkohol und Drogen, die er mit Kleinkriminalität finanziert.

Der zweite Teil des Buches ist dann Franks Geschichte, die er von 2009 rückblickend erzählt. Auch hier gibt es wieder eine ungewöhnliche Dreier-Freundschaft. Franks bester Freund ist Pete. Und ausgerechnet mit Pete geht Eva Mansnerus, die dreizehn Jahre jüngere Schwester von Adriana, in die Frank schon seit seinem 13. Lebensjahr heimlich verliebt ist. Frank erzählt die Geschichte dieser drei, die sich immer mal wieder verlieren und doch Zeit ihres Lebens befreundet bleiben. Doch wie gehören die beiden Teile zusammen? Am Ende des zweiten Teils wird dies aufgelöst und im dritten Teil werden die Lücken gefüllt. Daraus ergibt sich dann ein großartiges Porträt dieser beiden Generationen.

Am Anfang ist das Buch etwas sperrig, aber das Durchhalten lohnt sich, denn es entspinnt sich ein ausgesprochen interessanter und kluger Gesellschaftsroman. Finnland hat zwar eine ganz andere Geschichte als Deutschland, aber die grundsätzliche Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg und die Generationskonflikte verliefen offensichtlich doch ähnlich. Und der Autor schafft dieses hervorragend herauszuarbeiten und regt dabei mit seinen teilweise weisen und philosophischen Betrachtungen zum Nachdenken an. Bei diesem Roman ging es mir nach längerer Zeit mal wieder so, dass ich mir einige wirklich schöne Textstellen herausgeschrieben habe, um sie an anderer Stelle zu verwenden.

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40

07.09.2014

„Wer ist Gabriel Delacruz?”

Jordi Punti ist ein katalanischer Autor, Journalist und Übersetzer. Beim Kiepenheuer & Witsch Verlag ist bereits sein Band mit Erzählungen „Erhöhte Temperatur“ erschienen.

„Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz“ ist ein schwer zu erzählender Roman über vier Halbbrüder, die sich im erwachsenen Alter plötzlich auf die Suche nach ihrem Vater machen, den sie alle eine sehr lange Zeit nicht mehr gesehen haben. Alles beginnt damit, dass Cristofol eines Tages eine Benachrichtigung erhält, dass sein Vater schon seit einem Jahr spurlos verschwunden ist. Die Wohnungsverwaltung fragt bei ihm an, wie es mit der Wohnung und der ausstehenden Miete weitergehen soll. Cristofol ist völlig irritiert, schließlich hat er seit fast 30 Jahren nichts mehr von seinem Vater gehört. Er besucht die Wohnung und findet einen Zettel mit drei weiteren Namen und Adressen in Frankfurt, London und Paris. Er forscht nach und entdeckt, dass er noch 3 Halbbrüder in Europa hat. Er ermittelt sie alle und sie treffen in Barcelona zusammen. Und hier beginnt das Buch. Christof, der Deutsche, ist der älteste, dann kommt Christopher, der Brite, danach Christophe, der Franzose und zuletzt Christofol aus der Heimatstadt seines Vaters Barcelona. Sie alle stehen in der Zwischenzeit mitten im Leben und haben ihren Vater nur als kleine Kinder kennengelernt. Ihre Mütter wussten nichts voneinander und haben die Situation einfach als gegeben hingenommen. Aber wer ist dieser Gabriel, der in vier Ländern vier Söhne mit dem gleichen Namen hat? Es entspinnt sich ein spannender Roman über einen Mann, der als Findelkind von Nonnen aufgezogen wurde und per Zufall Fahrer und Möbelpacker einer Speditionsfirma wurde. Er reiste mit seinem besten Freund Bundo und einem weiteren Kollegen quer durch Europa. Sie erleben einige Abenteuer und haben ihre ganz eigene Lebensphilosophie. Doch eines Tages ist damit plötzlich Schluss. Was ist passiert? Langsam aber sicher basteln sich die vier Chris die Geschichte ihres Vaters zusammen. Und plötzlich scheint es, als ob etwas Unheimliches in Gabriels Wohnung vor sich geht. Lebt er noch? Werden die vier Chris ihn finden? Und falls ja, welche Geschichte hat er zu erzählen?

Jordi Punti hat einen sehr unterhaltsamen Roman über einen charmanten Lebenskünstler geschrieben. Es ist ein Roman voller erstaunlicher Geschichten, und er spiegelt sehr schön die Historie Europas in den sechziger Jahren wieder. In Spanien herrscht der Diktator Franco, aber in Paris demonstrieren die Studenten gegen das etablierte System. Und so außergewöhnlich wie das Leben von Gabriel war, so überraschend löst der Autor die Geschichte auf.

Ein unterhaltsamer, gut geschriebener Roman für Leser, die gerne einmal eine ungewöhnliche Geschichte lesen möchten.

auf Merkliste

50

07.09.2014

„Ein wunderbares Buch über eine Liebe, die nicht sein darf”

Bethan Roberts ist eine junge britische Autorin, die sich mit ihren beiden früheren Romanen „Stille Wasser“ (Antje Kunstmann) und „Köchin für einen Sommer“ (Diana Taschenbuch) bereits einen Namen gemacht hat. Sie hat das Geschick, immer wieder völlig verschiedene Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten zu erzählen.

Dieses Mal erzählt sie die Geschichte einer ungeplanten Dreiecksbeziehung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. 1957 - Marion und Patrick verlieben sich beide in den gleichen Mann – Tom. Doch Marion ahnt nicht, dass sie für Tom nicht die große Liebe ist wie sie denkt, obwohl ihre beste Freundin und Toms Schwester sie gewarnt hat. Denn Tom hat sich in den Kurator des Museums Patrick verliebt. Als Tom ihr endlich einen Heiratsantrag macht, ist sie überglücklich. Nach und nach merkt allerdings auch Marion, dass etwas an der Freundschaft zwischen Tom und Patrick nicht stimmt. Die Situation eskaliert und zerstört damit drei Leben.

Die Autorin hat ein schwieriges Thema mutig und sehr einfühlsam aufgegriffen. Homosexualität war in England in den fünfziger Jahren noch strafbar. Die Männer und Frauen haben sich im Geheimen getroffen und häufig ein Scheinleben aufgebaut. Sie wurden sie immer von der Angst beherrscht, entdeckt und denunziert zu werden. Bethan Roberts schreibt diese Geschichte aus zwei Perspektiven. Zum einen schreibt Marion ihre Sicht der Geschichte 1999 auf. Sie will sie Patrick, der inzwischen durch einen Schlaganfall ein Pflegefall geworden ist, vorlesen. Die zweite Perspektive ist ein Tagebuch, das Patrick 1957 begonnen hat, als er sich in Tom, seinen Polizisten verliebt hat. Diese beiden Geschichten wechseln sich ab und laufen so auf das große, tragische Finale zu.

„Der Liebhaber meines Mannes“ ist ein wundervoller Roman, der für Toleranz wirbt. Die Autorin verurteilt aber auch Marion nicht, die einfach in der damaligen Zeit mit der Situation überfordert war. Was bin ich glücklich, dass ich nicht damals gelebt habe. Denn heute sind wir zum Glück soweit, dass Homosexualität in großen Teilen von der Gesellschaft toleriert wird.

buch

Geld oder Liebe

Lilli Beck

EUR 9,99 *
auf Merkliste

40

31.08.2014

„Eine Senioren-WG auf Abwegen”

Sie mögen humorvolle Romane, bei denen die Protagonisten schon zu den sogenannten Golden oder Best Agern gehören? Dann sind sie bei Lilli Beck genau richtig, denn ihre Hauptpersonen sind zumeist schon jenseits der Fünfzig. Ich habe jetzt ihren aktuellen Roman „Geld oder Liebe“ gelesen und mich dabei häufiger mal bei einem Schmunzeln ertappt.

Lilli Beck lässt ihre Hauptperson Mimi erzählen. Mimi ist eine Operettensängerin in Ruhestand mit rosa getönten Haaren und einem Faible für divenhafte Auftritte. Sie war mit dem Russen Igor verlobt, dem eine Villa am Starnberger See gehört. Da die Villa für die beiden zusammen viel zu groß war, haben sie sich einen Traum erfüllt und daraus eine Seniorenvilla gemacht, in der neben noch 9 weitere Rentner wohnen. Doch dann ist Igor leider verstorben bevor er sein Testament zugunsten seiner Verlobten ändern konnte. Und die Bewohner müssen mit Entsetzen erkennen, dass sie die Villa verlieren werden, wenn sie nicht kurzfristig 3 Millionen Euro aufbringen, um sie Igors Bruder Sergej abzukaufen. Von diesem Bruder hat bisher keiner etwas gehört. Und er ist leider auch nicht aufzufinden, so dass sie mit ihm verhandeln könnten. Aber das Geld muss her, und so versucht die Rentner-WG alles Mögliche, um ihr arg renovierungsbedürftige Zuhause zu behalten. Auch vor leicht kriminellen Handlungen schrecken sie nicht zurück.

Lilli Beck hat einen ausgesprochen unterhaltsamen Roman geschrieben, in dem es nur von schrägen Vögeln und irrwitzigen Ideen und Situationen wimmelt. Da gibt es diesen wunderbar tuntigen ehemaligen Regisseur Roderich von Haidlbach, der gerne einmal den Verrückten mimt, wenn es die Situation erfordert, und der ansonsten immer noch am liebsten das Kommando in der Hand hat. Bei besonders brenzligen Situationen will die ehemalige Schützenkönigin und Witwe eines Jägers Pistolen-Penny gerne ihre Schießkünste umsonst zur Verfügung stellen. Die einzig wirklich normale in dieser verrückten Truppe ist Margot, die Cousine von Mimi, die ein Händchen für Zahlen und alles Kaufmännische hat.

Dieser Roman ist ein köstlicher Spaß für all diejenigen, die gerne witzige Büchern in der Art von Dora Heldt und Ellen Berg lesen. Und die Idee einer Senioren-WG in komfortabler Umgebung ist sicherlich der Traum vieler Menschen, die ihren Lebensabend nicht allein oder in einem herkömmlichen Heim verbringen möchten. Vielleicht kommt ja manch Leser bei diesem Buch noch auf eine Idee, wie dies umgesetzt werden kann. ;-)

ebooks

Herbstvergessene

Anja Jonuleit

EUR 11,99 *
auf Merkliste

50

31.08.2014

„Enkelin, Mutter, Großmutter – eine Spurensuche”

Anja Jonuleit hat einen unglaublich spannenden Roman über drei starke Frauen aus drei Generationen geschrieben. Erzählt wird die Geschichte von Maja Sternberg, die sich auf den Weg zu ihrer Mutter Lilli nach Wien macht. Eigentlich herrscht seit zehn Jahren Funkstille zwischen diesen beiden Frauen. Außer belanglosen Weihnachts- und Geburtstagskarten besteht kein Kontakt mehr zwischen ihnen, doch plötzlich bittet ihre Mutter um ein Treffen, da sie ihr etwas Wichtiges mitzuteilen hat. In Wien angekommen, erfährt Maja, dass ihre Mutter an gerade diesem Morgen Selbstmord begangen hat. Maja ist erschüttert und kann es einfach nicht glauben. Ihre Mutter war eine so starke und unabhängige Frau, dass ein Selbstmord so gar nicht zu ihr passt. Als sie in der Wohnung ihrer Mutter nach Anhaltspunkten für diesen Selbstmord sucht, fallen ihr Dinge in die Hände, die die ganze Familiengeschichte zu verändern drohen. Sie versucht diese Dinge wie ein Puzzle zu lösen und stößt dabei auf Unglaubliches. Hatte ihre Großmutter Charlotte noch ein weiteres Kind? Warum steht kein Vater in der Geburtsurkunde ihrer Mutter? Wer ist dieser ominöse Dr. Sartorius? Und was ist in Hohehorst vorgefallen? Langsam begreift sie die Geschichte ihrer Großmutter und Mutter und gerät dadurch selbst in Gefahr.

Anja Jonuleit hat diesen Roman sehr geschickt aufgebaut. Am Anfang erscheint er einem gar nicht als Krimi. Man denkt, dass die Ich-Erzählerin etwas neurotisch ist und sich einiges einfach nur einbildet, da sie mit ihren eigenen Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Aber nach und nach wird man immer weiter hineingezogen und kommt selber immer mehr ins Grübeln. Wer sind die Guten und wer sind die Schlechten? Wem soll Maja noch vertrauen? Besonders erschütternd sind die Aufzeichnungen von ihrer Großmutter. Diese Aufzeichnungen stellt die Autorin immer wieder an den Anfang eines neuen Kapitels. Damit sind wir zwar immer schon einen Schritt weiter als Maja, aber es hilft uns auch nicht wirklich weiter. Ein ausgesprochen packendes Buch über ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Mich hat es extrem berührt. Und wieder einmal mehr bin ich traurig, dass ich mit meiner Großmutter nicht mehr über diese Zeit damals gesprochen habe.

ebooks

Geld oder Liebe

Lilli Beck

EUR 7,99 *
auf Merkliste

40

31.08.2014

„Eine Senioren-WG auf Abwegen”

Sie mögen humorvolle Romane, bei denen die Protagonisten schon zu den sogenannten Golden oder Best Agern gehören? Dann sind sie bei Lilli Beck genau richtig, denn ihre Hauptpersonen sind zumeist schon jenseits der Fünfzig. Ich habe jetzt ihren aktuellen Roman „Geld oder Liebe“ gelesen und mich dabei häufiger mal bei einem Schmunzeln ertappt.

Lilli Beck lässt ihre Hauptperson Mimi erzählen. Mimi ist eine Operettensängerin in Ruhestand mit rosa getönten Haaren und einem Faible für divenhafte Auftritte. Sie war mit dem Russen Igor verlobt, dem eine Villa am Starnberger See gehört. Da die Villa für die beiden zusammen viel zu groß war, haben sie sich einen Traum erfüllt und daraus eine Seniorenvilla gemacht, in der neben noch 9 weitere Rentner wohnen. Doch dann ist Igor leider verstorben bevor er sein Testament zugunsten seiner Verlobten ändern konnte. Und die Bewohner müssen mit Entsetzen erkennen, dass sie die Villa verlieren werden, wenn sie nicht kurzfristig 3 Millionen Euro aufbringen, um sie Igors Bruder Sergej abzukaufen. Von diesem Bruder hat bisher keiner etwas gehört. Und er ist leider auch nicht aufzufinden, so dass sie mit ihm verhandeln könnten. Aber das Geld muss her, und so versucht die Rentner-WG alles Mögliche, um ihr arg renovierungsbedürftige Zuhause zu behalten. Auch vor leicht kriminellen Handlungen schrecken sie nicht zurück.

Lilli Beck hat einen ausgesprochen unterhaltsamen Roman geschrieben, in dem es nur von schrägen Vögeln und irrwitzigen Ideen und Situationen wimmelt. Da gibt es diesen wunderbar tuntigen ehemaligen Regisseur Roderich von Haidlbach, der gerne einmal den Verrückten mimt, wenn es die Situation erfordert, und der ansonsten immer noch am liebsten das Kommando in der Hand hat. Bei besonders brenzligen Situationen will die ehemalige Schützenkönigin und Witwe eines Jägers Pistolen-Penny gerne ihre Schießkünste umsonst zur Verfügung stellen. Die einzig wirklich normale in dieser verrückten Truppe ist Margot, die Cousine von Mimi, die ein Händchen für Zahlen und alles Kaufmännische hat.

Dieser Roman ist ein köstlicher Spaß für all diejenigen, die gerne witzige Büchern in der Art von Dora Heldt und Ellen Berg lesen. Und die Idee einer Senioren-WG in komfortabler Umgebung ist sicherlich der Traum vieler Menschen, die ihren Lebensabend nicht allein oder in einem herkömmlichen Heim verbringen möchten. Vielleicht kommt ja manch Leser bei diesem Buch noch auf eine Idee, wie dies umgesetzt werden kann. ;-)

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