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10

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40

19.12.2014

„Der 4. Teil der Familiensaga um die Familie Wolkenrath”

„Der Wille zur Liebe“ ist der 4. Teil der Familiensage um die Familie Wolkenrath. Seit 2012 sind jetzt nach und nach alle 4 Bücher („Die Frauen der Wolkenraths“, „Die Träume der Töchter“ und „Die Wege der Wolkenraths“) als Fischer Taschenbuch erhältlich.

Der 3. Teil der Familiengeschichte endete 1939 mit dem Überfall Deutschlands in Polen und damit mit dem Beginn des 2. Weltkriegs. Der 4. Teil steigt 1941 mit der Doppel-Beerdigung von der allseits geliebten und geachteten Tante und dem Vater Alexander ein. Die Autorin erzählt teilweise in Rückblicken wie es der Familie seit dem letzten Band ergangen ist. In dem Haus in der Kippingstraße leben immer noch drei Partien. Oben wohnen Stella und ihr Mann Jonny, wenn er gerade einmal von See zurück ist. In der Mitte wohnen Cynthia und Eckhart, der durch eine Verletzung aus dem 1. Weltkrieg vom Kriegseinsatz befreit ist. Und im Souterrain wohnen Lysbeth und ihr jüdischer Ehemann Aaron. Hauptsächlich wird in diesem Band die Geschichte von Stella erzählt. Stella leidet sehr unter der Situation. Sie hat weder Kontakt zu ihrem Geliebten, dem britischen Autoren, noch zu ihrer Tochter und ihrer Enkelin, die ebenfalls nach England geflohen sind. Außerdem braucht sie den Schutz ihres Mannes, der sehr einflussreiche Freunde bei den Nazis hat, damit ihrer Schwester und deren jüdischen Ehemann nichts passiert. Wird die Familie diese schlimme Zeit heil durchstehen? Und hält die Liebe zwischen Stella und Anthony?

Wir erfahren in diesem Roman sehr viel wie sich das Leben der Bevölkerung in der Zeit von 1941 bis 1950 zugetragen hat. Lebensmittelknappheit, Angst vor Denunziation, Bombenangriffe, privilegierte Mischehen, Deportation von Juden sind genauso Themen wie der Einzug der Briten und die Situation nach der Kapitulation der Deutschen. Sehr geschickt baut die Autorin über Briefe und Berichte einige weitere kriegsrelevante Themen ein, wie z.B. die Bombardierung Dresdens und den Untergang der Cap Arcona. Für einen Roman hat sie meiner Meinung nach in diesem 4. Teil zu viele Fakten eingebaut. Dadurch erhält man zwar einen sehr guten Eindruck von dieser Zeit, verliert aber ein wenig die Lust an der Geschichte. Der Roman ist schließlich doch vorrangig eine Familiensaga in einer schlimmen Zeit und kein Geschichtswerk. Das Ende hat mich überrascht, denn es bleibt relativ offen, so dass Elke Vesper auch noch einen 5. Teil schreiben kann, der sich dann wahrscheinlich mit dem Wirtschaftswunder und dem kalten Krieg befassen wird.

Mein Fazit: Ein sehr guter Roman für Menschen, die gerne wissen möchten, wie es der Zivilbevölkerung in der Zeit zwischen 1941 und 1950 in Hamburg ergangen ist. Eine gelungene Mischung aus Fiktion und Fakten. Leider habe ich einige Protagonisten aus den vorherigen Teilen vermisst. Ich bin gespannt, wann die Geschichte fortgesetzt wird!

buch

Der Himmel so fern

Kajsa Ingemarsson

EUR 9,99 *
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50

11.12.2014

„Was passiert nach dem Tod?”

Kajsa Ingemarsson ist in Schweden eine ausgesprochen beliebte und anerkannte Autorin, die in Deutschland durch ihre beiden Bücher „Es ist nie zu spät für alles“ und „Das große Glück kommt nie allein“ (beide ebenfalls Fischer Taschenbuch) auch einen großen Fan-Kreis erobert hat. Mir persönlich war „Das große Glück kommt nie allein“ etwas zu leichte Lektüre, doch ich habe der Autorin noch einmal eine Chance gegeben und bin sehr positiv überrascht worden! Kajsa Ingemarsson hat dieses Mal ein sehr ungewöhnliches Thema, bzw. eine sehr ungewöhnliche Erzählperspektive ausgewählt.

Sie erzählt die Geschichte von dem Ehepaar Rebecka und Mikael. Rebecka ist eine äußerst erfolgreiche Bankerin. Allerdings werden wir im ersten Kapitel gleich Zeuge davon, dass sie sich das Leben nimmt. Zurück bleibt ihr Mann Mikael, der es nicht fassen kann, und der es überhaupt nicht geahnt hat. Auch der Abschiedsbrief von Rebecka hilft ihm nicht wirklich weiter. Rebecka hat ihren Selbstmord offensichtlich von langer Hand geplant. Sie hat lauter kleine Zettel mit Erinnerungen an Termine für Mikael hinterlassen und ihre eigenen Termine sogar rechtzeitig abgesagt. Warum hat Rebecka es getan? Warum hat niemand in ihrer Umgebung gemerkt, dass mit ihr etwas nicht gestimmt hat? Und wie wird Mikael mit der Situation umgehen?

Das hört sich eigentlich erst einmal nicht wirklich nach einem ungewöhnlichen Roman an, aber Kajsa Ingemarsson erzählt ihn außergewöhnlich. Der Roman wechselt nämlich regelmäßig die Perspektive. Einmal wird die Geschichte von dem trauernden Mikael erzählt, wie er mit der Situation umgeht und wieder ins Leben zurückfindet. Dann gibt es die Erinnerungen von Rebecka – wie ihre Kindheit war, wie sie Mikael kennen- und lieben gelernt hat und welche Ängste sie ausgestanden hat, speziell in Bezug auf die Liebe. Die dritte Erzählstufe ist eine etwas esoterische. Rebecka unterhält sich mit ihrem Schutzengel Arayan, wie es jetzt weitergeht. Rebecka hat ihren Tod eigentlich sofort bedauert. Einen Weg zurück gibt es aber nicht. Und während Rebecka mit ihrem „Leben“ nach dem Tod klarkommen muss, erfahren wir immer mehr über sie und ihre Beweggründe.

Als Leser muss man sich natürlich darauf einlassen können. Rebecka ist tot, aber wohin verschwindet ein Mensch, wenn er gestorben ist? Bei Kajsa Ingemarsson gelangt er erst einmal solange in ein Zwischenstadium, bis er mit sich selbst im Reinen ist. Und in dieser Zeit steht ihm sein persönlicher Schutzengel zur Seite, der überhaupt nicht richtet. Und gerade diese Sichtweise hat mich sehr fasziniert.

Eine sehr schöne, tragische Liebesgeschichte über einen zutiefst verunsicherten Menschen und eine beruhigende Vorstellung von dem, was nach dem Tod passiert.

buch

Ashford Park

Lauren Willig

EUR 9,99 *
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40

05.12.2014

„Schöner Schmöker”

Lauren Willig ist eine US-amerikanische Autorin, die ursprünglich Englische Geschichte und Rechtswissenschaften studiert hat. In den USA ist sie bereits mit ihrer Roman-Serie „Pink Carnation“, einer romantischen Serie über Detektive in der napoleonischen Zeit, sehr erfolgreich. Auf Deutsch ist „Ashford Park“ ihr erster Roman.

Darin erzählt sie die Geschichte der Familie Gillecote. Die Geschichte spielt, wie so gern für diese Art Romane, auf zwei Zeitebenen. Im Prolog, der 1926 in Kenia spielt, begegnen wir bereits drei der wichtigen Hauptakteure der Geschichte in der Vergangenheit. Bea, die mit ihrem Mann Frederick in Kenia eine Kaffeeplantage betreibt und Addie, die eine arme Cousine von Bea ist. Dann springt die Geschichte in die Gegenwart. 1999 feiert Addie in New York ihren 99. Geburtstag. Und es wird die wichtigste Person der Gegenwartshandlung, Clemmie, vorgestellt. Clemmie ist die Enkelin von Addie, ein später Nachzügler in der Familie. Sie ist Anwältin und kurz davor Partnerin in ihrer Kanzlei zu werden. Dafür hat sie fast komplett auf ihr Privatleben verzichtet. Als ihre Großmutter sie plötzlich immer öfter mit dem Namen Bea anspricht, ist sie irritiert. Dann zeigt ihre Großmutter ihr ein Bild von Bea und beginnt von der Vergangenheit zu erzählen. Doch sie kommt nicht mehr weit, und so versucht Clemmie selbst, der Vergangenheit auf die Schliche zu kommen. Ihre Mutter Majorie ist ihr dabei keine große Hilfe, aber ihre Tante Anna und Annas Stiefsohn Jon dafür umso mehr. Wer war Bea wirklich? Wie kommt es, dass die Familie anscheinend ihre Wurzeln in England hat? Und wird Clemmie endlich die Liebe finden?

Dieser Roman ist ein wunderbarer Schmöker für Frauen. Das Cover des Buches hat mich persönlich ein wenig in die Irre geführt. Ich dachte, es sei ein Roman, der Anfang des 20. Jahrhundert in England spielt. Dies stimmt aber nur teilweise. Der Anfang der Geschichte bis 1926 spielt in England, dann geht es nach Kenia und endet in New York. Die Autorin verbindet die einzelnen Elemente ihres Romans sehr geschickt. Sie füttert einen immer an und wechselt dann die Zeit, so dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Es sind zwei spannende Liebesgeschichten, die am Rande ein wenig Zeitkolorit vermitteln: den Standesdünkel des englischen Adels vor dem 1. Weltkrieg, die Lost Generation in den 20er Jahren und die sehr lockeren Sitten der Ausländer in Kenia. Aber diese Dinge sind einfach nur Kulisse für die eigentliche Handlung. Ich hatte mir mehr etwas in der Richtung „Downton Abbey“ versprochen. Dafür ist es mir allerdings zu leicht und oberflächlich geblieben. Als Leserinnen sehe ich hier eher die Fans von Lucinda Riley, Barbara Taylor Bradford und Rosamunde Pilcher. Fazit: Gute leichte Unterhaltung

buch

Doitscha

Adriana Altaras

EUR 18,99 *
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50

27.11.2014

„Wie lebt es sich in einer gemischten deutsch-jüdischen Familie?”

Viele von Ihnen haben wahrscheinlich schon „Titos Brille“ von Adriana Altaras gelesen. Wie so oft hatte ich leider mal wieder den Anschluss verpasst und erst mit ihrem neuen Buch „Doitscha“ begonnen. Und als Einstimmung auf diese Rezension habe ich mir das Interview mit der Autorin in der NDR Talkshow vom 21.11.2014 angeguckt. Was für eine faszinierende Frau und was für ein Wirbelwind!

Adriana Altaras, geboren in Kroatien, mit ihren Eltern nach Deutschland gegangen, wo ihre Eltern in Gießen die jüdische Gemeinde aufgebaut haben, ist eine bekannte Schauspielerin und Regisseurin, die mit ihrem deutschen Mann (Westfale) und ihren beiden Söhnen in Berlin lebt. Bereits in ihrem ersten Buch „Titos Brille“ erzählt sie von ihrer eigenen Familie, aber auch von der Geschichte ihrer Eltern. In dem aktuellen Buch geht es hauptsächlich um das Zusammenleben in ihrer eigenen kleinen Familie. Der große Sohn, David, ist in der Pubertät und liefert sich einige, zum Teil handfeste, Konflikte mit seinem Vater. Für ihn ist er der „Doitscha“ und damit ein Nachfahr der Tätergeneration. David ist auf der Suche, was er nach dem Abitur machen soll. Soll er nach Israel gehen und dort für sein Land kämpfen, oder soll er in Deutschland bleiben und sich hier eine Existenz aufbauen? Der jüngere Sohn, Sammy, sieht das Ganze etwas relaxter. Er geht allerdings auch auf eine ganz normale Schule, während sein großer Bruder eine jüdische Schule besucht hat. Der kleinere hat bisher anscheinend weniger von den jüdischen Wurzeln mitbekommen. Zu den Problemen in der Familie kommt dann auch noch, dass der Vater als Komponist und Musiker zum Teil sehr zurückgezogen lebt und die Mutter als Regisseurin und Autorin viel unterwegs ist.

Adriana Altaras hat ein sehr humorvolles Buch über das Leben von Juden in Deutschland und vom Leben eines Deutschen in einer jüdischen Familie geschrieben. Sie lässt in den einzelnen Kapiteln die ganze Familie als auch Freunde zu Wort kommen. Wenn man dieses Buch oberflächlich liest, ist es eine sehr unterhaltsame Lektüre, die gängige Vorurteile gegen Juden aufrecht erhält. Aber wenn man ein wenig drüber nachdenkt, erkennt man, dass Adriana Altaras die Geschichten überzeichnet hat, um die aktuelle Situation für Juden in Deutschland darzustellen. Im Prinzip ist es eine ganz andere Art und Weise sich dem Thema Kriegstraumata zu nähern. Sie hat als Tochter von Holocaust-Überlebenden sehr viel von den Ängsten und Vorurteilen ihrer Eltern übernommen und ganz unbewusst auch an ihre Kinder weitergegeben. Dadurch, dass sie sich für einen Deutschen als Partner entschieden hat, kommt Bewegung in die Beziehung zwischen Juden und Deutschen. Doch das will erst einmal verarbeitet werden.

Herausgekommen ist ein wunderbares Plädoyer für ein friedliches Miteinander.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

ebooks

Kinder des Meeres

Charlotte Lyne

EUR 15,99 *
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50

27.11.2014

„Eine starke Freundschaft zu Zeiten Henry VIII”

Charlotte Lyne ist ein Phänomen unter den Autorinnen. Sie schreibt unter drei Namen und arbeitet außerdem auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Charlotte Lyne ist ihr Name für historische Stoffe, die häufig in England spielen. Ich selbst habe von ihr bereits „Die zwölfte Nacht“ gelesen welches mir unglaublich gut gefallen hat. Dieses Buch wurde übrigens gerade als e-book wiederaufgelegt. Mit diesen Büchern ist sie eine wunderbare Alternative für Rebecca Gablé Leser/innen. Als Charlotte Roth kennen einige von Ihnen sie vielleicht auch bereits, denn da hab ich Ihnen „Als wir unsterblich waren“ ans Herz gelegt. Unter diesem Namen schreibt sie Bücher, die die jüngere deutsche Vergangenheit betreffen. Im April 2015 kommt ihr neues Buch „Als der Himmel uns gehörte“, welches u.a. von der Olympiade 1936 in Berlin handelt. Ich freue mich schon sehr darauf und werde an dieser Stelle darüber berichten. Und der dritte Name ist Carmen Lobato. Doch unter diesem Namen habe ich noch keine Bücher von ihr gelesen. Im Februar 2015 erscheint unter diesem Namen “Die Stadt der schweigenden Berge“ Doch nun zu ihrem aktuellen Roman:

„Kinder des Meeres“ spielt im England von Henry VIII. Die Hauptpersonen sind die drei Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella, die zusammen aufwachsen, und die eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Das Buch beginnt 1511, wo in Portsmouth das neue Kriegsschiff Mary Rose vom Stapel läuft. Anthony liebt Schiffe über alles und hat dafür auch ein Händchen. Doch er wird von seinem Vater immer wieder zurückgesetzt, weil sein älterer Bruder Ralph in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Außerdem hat Anthony ein Handicap, sein eines Bein ist verkrüppelt. Fenella ist ein Einzelkind, welches von ihrem Vater nicht gewollt wurde. Und Sylvester, der noch eine Zwillingsschwester namens Geraldine hat, ist ein musisch begabter Junge, der sich immer wieder Geschichten und Lieder für die drei ausdenkt. 1511 beim Stapellauf kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Dieser Unfall wird die drei Werftkinder ihr Leben lang verfolgen. Und so verfolgen wir das Leben und die Liebe der drei bis ins Jahr 1545, wo die Mary Rose mit ca. 700 Seeleuten und Soldaten untergeht. Mit an Bord sind Sylvester und Anthony, aber nur einer wird dieses Unglück überleben. Fenella liebt Anthony, aber auch Sylvester. Und Sylvester tut alles für seinen Freund Anthony. Anthony hingegen ist ein sehr eigensinniger Bursche, der sich an keine Regeln hält. Er lebt für den Schiffbau und seine größte Liebe neben Fenella ist die Mary Rose.

Natürlich spielt die ganze Geschichte nicht nur im Schifffahrtsmilieu, sondern auch am Hofe Henry VIII., wohin es Geraldine, Sylvesters Zwillingsschwester, geschafft hat. Es ist ein bis zur letzten Seiten ausgesprochen spannender Roman, indem wie bei Rebecca Gablé Liebe, Intrige und großartig recherchierter historischer Hintergrund sich zu einem großen Ganzen vereinen. Die Zeit ist natürlich auch ausgesprochen spannend. Es ist die Zeit der Renaissance, in der ganz viel Neues passiert. Geistliche greifen die Katholische Kirche an, Bibeln werden in verschiedene Sprachen übersetzt und Ketzer werden verbrannt. Henry VIII legt den Grundstein für die englische Seemacht, die unter seiner Tochter erst richtig groß wird. Sehr interessant ist die Darstellung von Henry VIII als auch von Anne Boleyn, die ich mir bisher anders vorgestellt hatte. Und die Mary Rose gab es wirklich, und man kann heute in Portsmouth noch Teile von ihr besichtigen. 1982 wurde sie aus dem Uferschlamm des Solent gehoben und seit 2013 gibt es ein neues Museum, im welchem sie zu sehen ist.

ebooks

Doitscha

Adriana Altaras

EUR 16,99 *
auf Merkliste

50

27.11.2014

„Wie lebt es sich in einer gemischten deutsch-jüdischen Familie?”

Viele von Ihnen haben wahrscheinlich schon „Titos Brille“ von Adriana Altaras gelesen. Wie so oft hatte ich leider mal wieder den Anschluss verpasst und erst mit ihrem neuen Buch „Doitscha“ begonnen. Und als Einstimmung auf diese Rezension habe ich mir das Interview mit der Autorin in der NDR Talkshow vom 21.11.2014 angeguckt. Was für eine faszinierende Frau und was für ein Wirbelwind!

Adriana Altaras, geboren in Kroatien, mit ihren Eltern nach Deutschland gegangen, wo ihre Eltern in Gießen die jüdische Gemeinde aufgebaut haben, ist eine bekannte Schauspielerin und Regisseurin, die mit ihrem deutschen Mann (Westfale) und ihren beiden Söhnen in Berlin lebt. Bereits in ihrem ersten Buch „Titos Brille“ erzählt sie von ihrer eigenen Familie, aber auch von der Geschichte ihrer Eltern. In dem aktuellen Buch geht es hauptsächlich um das Zusammenleben in ihrer eigenen kleinen Familie. Der große Sohn, David, ist in der Pubertät und liefert sich einige, zum Teil handfeste, Konflikte mit seinem Vater. Für ihn ist er der „Doitscha“ und damit ein Nachfahr der Tätergeneration. David ist auf der Suche, was er nach dem Abitur machen soll. Soll er nach Israel gehen und dort für sein Land kämpfen, oder soll er in Deutschland bleiben und sich hier eine Existenz aufbauen? Der jüngere Sohn, Sammy, sieht das Ganze etwas relaxter. Er geht allerdings auch auf eine ganz normale Schule, während sein großer Bruder eine jüdische Schule besucht hat. Der kleinere hat bisher anscheinend weniger von den jüdischen Wurzeln mitbekommen. Zu den Problemen in der Familie kommt dann auch noch, dass der Vater als Komponist und Musiker zum Teil sehr zurückgezogen lebt und die Mutter als Regisseurin und Autorin viel unterwegs ist.

Adriana Altaras hat ein sehr humorvolles Buch über das Leben von Juden in Deutschland und vom Leben eines Deutschen in einer jüdischen Familie geschrieben. Sie lässt in den einzelnen Kapiteln die ganze Familie als auch Freunde zu Wort kommen. Wenn man dieses Buch oberflächlich liest, ist es eine sehr unterhaltsame Lektüre, die gängige Vorurteile gegen Juden aufrecht erhält. Aber wenn man ein wenig drüber nachdenkt, erkennt man, dass Adriana Altaras die Geschichten überzeichnet hat, um die aktuelle Situation für Juden in Deutschland darzustellen. Im Prinzip ist es eine ganz andere Art und Weise sich dem Thema Kriegstraumata zu nähern. Sie hat als Tochter von Holocaust-Überlebenden sehr viel von den Ängsten und Vorurteilen ihrer Eltern übernommen und ganz unbewusst auch an ihre Kinder weitergegeben. Dadurch, dass sie sich für einen Deutschen als Partner entschieden hat, kommt Bewegung in die Beziehung zwischen Juden und Deutschen. Doch das will erst einmal verarbeitet werden.

Herausgekommen ist ein wunderbares Plädoyer für ein friedliches Miteinander.

buch

Stoner

Mark Williams

EUR 9,90 *
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50

25.11.2014

„Was für ein Leben”

Vielen von Ihnen ist dieses Buch wahrscheinlich schon bekannt, denn es ist ja schon lange ein Bestseller. Ich persönlich hatte mich bisher immer von dem sehr düsteren Cover abschrecken lassen. Doch nachdem ich nun schon von einigen guten Freundinnen gehört habe, dass es so ein fantastisches Buch sein soll, habe ich es endlich auch gelesen. Und ich muss zugeben, sie hatten eindeutig Recht – was für ein großartiges Buch! Sehr überrascht hat mich, als ich am Ende des Buchs gelesen habe, dass „Stoner“ ursprünglich bereits 1965 veröffentlich und erst 2006 wiederentdeckt wurde. Danach habe ich dann auch verstanden, warum mir dieses Buch vorkam wie ein Buch aus einer anderen Zeit.

Doch nun ein wenig zum Inhalt des Buchs. Es wird die Geschichte von William Stoner erzählt. Geboren wurde er 1891 als Sohn eines Farmers im tiefsten Missouri. Durch einen zufälligen Hinweis, dass es ein neuartiges Institut an der Universität in Columbia geben sollte, bei dem man Landwirtschaft studieren kann, wird Stoner von seinen Eltern dorthin geschickt. Seinen Lebensunterhalt muss er sich selbst bei einem Vetter seiner Mutter verdienen. Doch es kommt ganz anders als von der Familie geplant. Stoner besucht einen Pflichtkurs zum Thema Einführung in die englische Literatur. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten hat ihn dieses Thema dermaßen fasziniert, dass er beschließt fortan auf englische Literatur umzusatteln. Und so bleibt er bis zu seinem Tod 1956 an dieser Universität. Er verliebt sich und heiratet. Er bekommt eine Tochter. Er unterrichtet leidenschaftlich gern und hat auch einen guten Ruf bei seinen Studenten. Doch obwohl er eigentlich ein unauffälliger Mensch ist, schafft er es einen Kollegen gegen sich aufzubringen. Und dieser versucht sein Leben zu zerstören.

Es ist ein wunderbares Buch, welches sich sehr schwer beschreiben lässt. Es wird das Leben eines Menschen erzählt, der eigentlich einen unglaublichen gesellschaftlichen Sprung geschafft hat, doch aber irgendwie nie angekommen ist. Es ist ein Leben, bei dem ich überlegt habe, ob es ein glückliches oder ein unglückliches Leben ist. Was ist wichtiger und erfüllender? Eine glückliche Beziehung oder ein Beruf, der einen ausfüllt?

Stilistisch und vom Thema erinnert mich dieses Buch sehr an die Bücher des ebenfalls spät wiederentdeckten Autors Richard Yates. Ich kann es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Lassen Sie sich nicht von dem Cover abschrecken. Es ist ein tolles Buch, welches einfach verdient, dass es möglichst viele Menschen lesen.

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50

25.11.2014

„Drei schicksalsschwere Jahre”

Was wissen Sie über den spanischen Bürgerkrieg? Meine Kenntnisse beschränken sich hauptsächlich auf die Spanne von 1936 bis 1939. Doch was geschah nachdem Franco gesiegt hatte? Viele seiner Gegner sind ins Ausland geflohen, aber gerade in den ländlichen Gegenden ging der Krieg weiter. Einige Widerstandskämpfer sind in den Untergrund gegangen und wurden von einem Gutteil der Bevölkerung unterstützt. Die Guardia Civil sollte diese Widerstandsnester ausheben und ging dabei brutal vor. Und hier setzt der neue Roman von Almudena Grandes an.

Ort des Geschehens ist ein kleiner, fiktiver Ort in Andalusien. Der Roman beginnt 1947, die Haupthandlung endet 1949. In diesem kleinen Bergdorf lebt der Junge Nino, der zu Beginn des Romans 9 Jahre alt ist. Nino ist der Sohn eines einfachen Guardia Civils und lebt mit seiner Familie in der Kaserne. Er bekommt schon mit, dass die Menschen den Bewohnern der Kaserne ablehnend gegenüberstehen. Und er bekommt auch mit, dass nachts etwas in der Kaserne vorgeht, was er sich nicht erklären kann. Eines Tages lernt er einen jungen Mann Pepe, genannt „der Portugiese“ kennen, der einsam in einer Mühle wohnt. Sie freunden sich an. Doch der Portugiese ist noch viel mehr als ein guter Freund. Er erklärt ihm einiges über seine eigene Familie und die Zusammenhänge in dem Dorf. Irgendwann muss Nino sich entscheiden, für wen er ist, denn der Kampf zwischen der Guardia Civil und den in die Berge geflohenen Freiheitskämpfer nimmt an Härte zu. Auf welcher Seite steht eigentlich der Portugiese? Und was denkt Ninos Familie wirklich? Wenn man die damalige Zeit unbeschadet überstehen wollte, „musste man sich dem Terror beugen, das Leben auf ein Minimum beschränken und nichts tun, nichts wissen, nichts sagen, musste man sehen, ohne etwas zu erkennen, hören, ohne etwas zu verstehen. So lautete die goldene Regel.“

Bereits 2010 habe ich Ihnen einen Roman der großen spanischen Autorin Almudena Grandes vorgestellt – „Das gefrorene Herz“ (Rowohlt Verlag). Jetzt ist ein neues Buch dieser Autorin im Hanser Verlag erschienen. Beide Bücher beschäftigen sich mit dem spanischen Bürgerkrieg, aber sie sind sowohl stilistisch als auch in der Handlung extrem unterschiedlich. In ihrem aktuellen Roman beschreibt die Autorin sehr einfühlsam die Situation eines Jungen, der in die Wirren der damaligen Zeit ungewollt mit hineingezogen wird. Herausgekommen ist dabei ein sehr facettenreicher Roman. Er eint ganz unterschiedliche Genres. Man kann ihn als Abenteuerroman lesen, denn Nino bewundert den Freiheitskämpfer Cencerro und wird ganz ungewollt in den Kampf mit hineingezogen. Es ist ein politischer Roman, der die damalige Zeit sehr gut beschreibt. Und es ist ein sehr poetischer Roman über das Erwachsenwerden und die Freundschaft.

Ich habe die Lektüre dieses Romans sehr genossen. Man muss sich allerdings ein wenig Zeit dafür nehmen, denn Almudena Grandes schweift wie andere spanische und lateinamerikanische Autoren gerne mal etwas von ihrer eigenen Handlung ab. Und so kann man leicht den Überblick verlieren.

buch

Kinder des Meeres

Charlotte Lyne

EUR 19,99 *
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50

22.11.2014

„Eine starke Freundschaft zu Zeiten Henry VIII”

Charlotte Lyne ist ein Phänomen unter den Autorinnen. Sie schreibt unter drei Namen und arbeitet außerdem auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Charlotte Lyne ist ihr Name für historische Stoffe, die häufig in England spielen. Ich selbst habe von ihr bereits „Die zwölfte Nacht“ gelesen welches mir unglaublich gut gefallen hat. Dieses Buch wurde übrigens gerade als e-book wiederaufgelegt. Mit diesen Büchern ist sie eine wunderbare Alternative für Rebecca Gablé Leser/innen. Als Charlotte Roth kennen einige von Ihnen sie vielleicht auch bereits, denn da hab ich Ihnen „Als wir unsterblich waren“ ans Herz gelegt. Unter diesem Namen schreibt sie Bücher, die die jüngere deutsche Vergangenheit betreffen. Im April 2015 kommt ihr neues Buch „Als der Himmel uns gehörte“, welches u.a. von der Olympiade 1936 in Berlin handelt. Ich freue mich schon sehr darauf und werde an dieser Stelle darüber berichten. Und der dritte Name ist Carmen Lobato. Doch unter diesem Namen habe ich noch keine Bücher von ihr gelesen. Im Februar 2015 erscheint unter diesem Namen “Die Stadt der schweigenden Berge“ Doch nun zu ihrem aktuellen Roman:

„Kinder des Meeres“ spielt im England von Henry VIII. Die Hauptpersonen sind die drei Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella, die zusammen aufwachsen, und die eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Das Buch beginnt 1511, wo in Portsmouth das neue Kriegsschiff Mary Rose vom Stapel läuft. Anthony liebt Schiffe über alles und hat dafür auch ein Händchen. Doch er wird von seinem Vater immer wieder zurückgesetzt, weil sein älterer Bruder Ralph in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Außerdem hat Anthony ein Handicap, sein eines Bein ist verkrüppelt. Fenella ist ein Einzelkind, welches von ihrem Vater nicht gewollt wurde. Und Sylvester, der noch eine Zwillingsschwester namens Geraldine hat, ist ein musisch begabter Junge, der sich immer wieder Geschichten und Lieder für die drei ausdenkt. 1511 beim Stapellauf kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt. Dieser Unfall wird die drei Werftkinder ihr Leben lang verfolgen. Und so verfolgen wir das Leben und die Liebe der drei bis ins Jahr 1545, wo die Mary Rose mit ca. 700 Seeleuten und Soldaten untergeht. Mit an Bord sind Sylvester und Anthony, aber nur einer wird dieses Unglück überleben. Fenella liebt Anthony, aber auch Sylvester. Und Sylvester tut alles für seinen Freund Anthony. Anthony hingegen ist ein sehr eigensinniger Bursche, der sich an keine Regeln hält. Er lebt für den Schiffbau und seine größte Liebe neben Fenella ist die Mary Rose.

Natürlich spielt die ganze Geschichte nicht nur im Schifffahrtsmilieu, sondern auch am Hofe Henry VIII., wohin es Geraldine, Sylvesters Zwillingsschwester, geschafft hat. Es ist ein bis zur letzten Seiten ausgesprochen spannender Roman, indem wie bei Rebecca Gablé Liebe, Intrige und großartig recherchierter historischer Hintergrund sich zu einem großen Ganzen vereinen. Die Zeit ist natürlich auch ausgesprochen spannend. Es ist die Zeit der Renaissance, in der ganz viel Neues passiert. Geistliche greifen die Katholische Kirche an, Bibeln werden in verschiedene Sprachen übersetzt und Ketzer werden verbrannt. Henry VIII legt den Grundstein für die englische Seemacht, die unter seiner Tochter erst richtig groß wird. Sehr interessant ist die Darstellung von Henry VIII als auch von Anne Boleyn, die ich mir bisher anders vorgestellt hatte. Und die Mary Rose gab es wirklich, und man kann heute in Portsmouth noch Teile von ihr besichtigen. 1982 wurde sie aus dem Uferschlamm des Solent gehoben und seit 2013 gibt es ein neues Museum, im welchem sie zu sehen ist.

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40

07.11.2014

„Der schwierige Weg einer starken Frau”

Beate Sauer ist eine deutsche Autorin, die sich auf historische Themen spezialisiert hat. „Die Rache der Heilerin“ ist die Fortsetzung von „Am Hofe der Löwin“, die beide im Goldmann Taschenbuchverlag erschienen sind. Man kann allerdings beide Bücher für sich alleine lesen. Mir ist vor der Lektüre nicht bewusst gewesen, dass ich erst mit dem 2. Band begonnen habe.

Beate Sauer erzählt in „Die Rache der Heilerin“ die Geschichte der jungen Adela. Adela lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Francis, einem Ritter, und ihrem Sohn Luce in der Normandie. Als Richard Löwenherz zusammen mit seinem Bruder einen Aufstand gegen ihren Vater Henry II. anzettelt, muss Francis auf ihrer Seite in den Krieg ziehen. Dort verliert er sein Leben, und Adela bleibt alleine zurück. Doch damit beginnt erst ihr Leiden, denn eine Familienfehde aus dem Buch „Am Hofe der Löwin“ bricht wieder aus. William de Thorigny will endlich Rache dafür, dass seine Familie damals das Anwesen Adelas Eltern abtreten musste. Er stöbert Adela auf und rächt sich auf brutalste Weise an ihr. Dann brennt er das Anwesen ab. Doch Adela und ihr Sohn überleben. Und so beginnt eine Flucht nach England, bei der Adela immer wieder um ihr Leben und das ihrer Liebsten fürchten muss. Doch es kommt der Tag der Rache.

Dieser Roman liest sich sehr spannend. Die Autorin erzählt nicht nur die Geschichte von Adela und Luce, sondern auch von ihrer Schwester Ann, die als Nonne in einem Kloster in der Normandie lebt. Eine weitere wichtige Rolle nimmt Simon de Bohun ein, der der beste Freund von Francis war und jetzt als adeliger Spielmann die Herzen der Frauen erobert. Er hat von Francis die Aufgabe bekommen, sich nach dessen Tod um Adela und Luce zu kümmern. Doch dafür muss er sie erst einmal finden. Und im Hintergrund versuchen Richard Löwenherz und seine Stiefschwester Matilda einige Fäden zu ziehen und Ränke zu schmieden.

Herausgekommen ist ein sehr spannender Roman, der in einer turbulenten Zeit spielt. Durch den häufigen Wechsel der unterschiedlichen Hauptpersonen bleibt die Spannung extra lange bestehen. Dies ist das richtige Lesefutter für Fans von den Romanen um „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz.

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