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Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

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2. Herz = 2. Chance?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.08.2016

Vor fast genau zwei Wochen habe ich Ihnen Susanna Ernsts Buch „So wie die Hoffnung bleibt“ empfohlen. Es war ein Roman aus der aktuellen Werbekampagne des Knaur Verlags „Genau meins“ Und heute habe ich nun das zweite Buch aus dieser Kampagne für Sie. Ebenfalls wieder eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die mich begeistert hat.

Lily Oliver ist eine Münchner Autorin, die unter anderen Pseudonymen schon ganz unterschiedliche Bücher herausgebracht hat. Unter Lily Oliver ist es ihr erster Roman.

Endlich mal ein Klappentext, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Und dann noch das tolle Zitat von der großartigen Autorin Nina George, der ich nur zustimmen kann.

Lily Oliver erzählt die Geschichte von Gwen und Noah immer wieder abwechselnd aus den Perspektiven der beiden. Am Anfang eines jeden Kapitels steht ein Zitat aus dem Internetforum „jungundherzkrank, dem Forum, über das sich die beiden kennengelernt haben. So können wir die beiden jungen Protagonisten viel besser kennenlernen, denn so erfahren wir auch ihre Gedanken und Ängste. Die Autorin beschreibt diese Geschichte mit ganz viel Feingefühl, so dass man die Beweggründe von Gwen und Noah sehr gut nachvollziehen kann. Obwohl dieses Buch für Erwachsene geschrieben wurde, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das Buch schon etwas für Jugendliche ab 14 Jahren ist. Gerade dadurch, dass die Hauptpersonen so jung sind.

Mich hat sowohl die eigentliche Geschichte sehr fasziniert, als auch die Beziehung und die Kommunikation zwischen Gwen und Noah. Vor einiger Zeit habe ich das Buch von David Wagner „Leben“ gelesen. Das war seine ganz persönliche Geschichte über seine Lebertransplantation. Schon damals habe ich angefangen, nachzudenken, wie es mir persönlich wohl ginge, wenn ich auf eine Transplantation angewiesen wäre. Und Lily Oliver ist dieses Thema ganz anders angegangen. Niemand erkennt die Ängste und die Schuld, die das Mädchen Gwen durchlebt. Sie hat das Herz einer anderen Person. Das Herz einer Person, die nicht freiwillig gestorben ist. Sie hat eine große Verantwortung damit übernommen. Wie soll sie damit fertigwerden. Alle sagen ihr immer nur, wie toll es ist, dass es geklappt hat. Alle wollen, dass sie ihr Leben ganz normal weiterlebt. Aber niemand sieht, wie es ihr wirklich geht. Und diese Gefühle, die Gwen zu dieser gravierenden Entscheidung treiben, hat Lily Oliver großartig erfasst. Ich habe mir schon ziemlich früh während der Lektüre überlegt, ob 1. Patienten vor so einem Eingriff psychologisch betreut werden, damit sie sich der ganzen Thematik, die auf sie einströmt, bewusst werden? Und 2. ob Menschen, die zu Depressionen neigen, grundsätzlich mit so einem Thema umgehen können?

Aber nicht nur das Thema Organtransplantation hat mich zutiefst berührt, sondern auch das Thema Kommunikation. Gwen und Noah reden ganz viel miteinander. Aber sie behalten auch ganz viel für sich. Und dieses teilweise, weil sie den anderen nicht enttäuschen wollen, oder weil sie einfach annehmen, dass der andere den gleichen Gedanken hat. Und so entstehen Missverständnisse. Dadurch öffnet dieses Buch einem auch die Augen, dass man wirklich offen miteinander reden sollte. Denn wie soll der andere die eigenen Gedanken erkennen? Wenn Gwen und Noah viel offener miteinander gesprochen hätten, wäre das Buch viel kürzer gewesen. Zum Glück haben sie es aber nicht gemacht, denn somit haben wir ein wunderbares Buch geschenkt bekommen, dem ich ganz viele Leser und Leserinnen wünsche!

Mich hat dieses Buch total mitgerissen. Ich mochte gar nicht aufhören und war ganz traurig, dass ich es vorab lesen durfte, denn so konnte ich es noch nicht empfehlen.

Die Tage, die ich dir verspreche
von Lily Oliver
(6)
Buch
9,99

Grübeln Sie auch so viel?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 25.08.2016

Serge Marquis ist ein kanadischer Arzt, der sich in diesem Buch ganz speziell mit dem ewigen Grübeln beschäftigt. Er verspricht, dass wir nach der Lektüre „Das Grübeln beenden, gelassener leben“. Und da ich auch so eine Grüblerin bin, habe ich dieses Buch gelesen.

Die Idee des Autors ist ausgesprochen interessant. Der Grübler in uns ist unser Ego. Und dies stellt er sehr bildhaft als einen Hamster in einem Hamsterrad dar. Da ich mich grad auch sehr viel mit den Themenkomplexen „Positives Denken“ und „Achtsamkeit“ beschäftige, hatte ich am Anfang etwas Schwierigkeiten mit diesem Buch. Da rät der Autor, sich zurückzunehmen. Für mich war es am Anfang ein Widerspruch zu den anderen Themenkomplexen. Doch nach der Lektüre denke ich anders darüber und meine, dass sich dies alles miteinander kombinieren lässt. Denn alle Themenkomplexe eint, dass wir im Hier und Jetzt leben sollen. Meditationen, die den Kopf lehren sollen, spielen sowohl bei der Achtsamkeit als auch bei diesem Buch eine essentielle Rolle. Und auch wenn ich verstärkt auf meine Gefühle und meinen Körper achten soll, so ist das doch etwas anderes als das Ego im Hamsterrad, was Serge Marquis beschreibt.

Mir hat dieses Buch geholfen, wobei ich natürlich immer noch daran arbeite, mich zurückzunehmen. Aber es klappt immer öfter. Und ich erkenne die Falle immer früher, so dass ich immer seltener hineintappe.

Der Autor beschreibt seinen Stoff sehr verständlich und mit Humor. Die Beispiele, die er bringt, sind auf jeden Fall nachvollziehbar. Da werden sich die meisten Menschen wiederfinden. Und da das Buch nur 144 Seiten umfasst, hat man es schnell durchgelesen.

Ich muss nicht alles glauben, was ich denke
von Serge Marquis
(1)
eBook
11,99

Hat diese Liebesgeschichte eine Chance?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 23.08.2016

Wer meine Buchbesprechungen regelmäßig liest, weiß, dass ich ein großes Interesse an dem Staat Israel und an der Nahost-Problematik habe. Da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass mich gerade dieses neue Buch von Dorit Rabinyan angesprochen hat, denn es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Jüdin und einem jungen Palästinenser. Zusätzlich hat mich der Hinweis des Verlages extra neugierig gemacht: „Das Buch wurde vom israelischen Erziehungsminister von der Lektüreliste der Oberstufe gestrichen, was auch in Deutschland ein starkes Presseecho hervorrief.“ Denn ich fragte mich – und frage mich immer noch – warum denn bloß?

Die eigentliche Geschichte ist kurz erzählt. In New York lernt die Übersetzerin Liat, wohnhaft in Tel Aviv, per Zufall den Maler Chilmi kennen. Sie finden sich beide ausgesprochen sympathisch und verbringen gleich den ganzen restlichen Tag zusammen. Doch es gibt hierbei ein großes, unüberwindlich erscheinendes Hindernis: Chilmi ist ein Palästinenser aus Ramallah. Gegen ihren Willen verliebt sich Liat in ihn. Und auch Chilmi liebt Liat. Doch welche Chance hat diese Liebe? Für Liat ist von vorne herein klar, dass sie nur für die Zeit ihres 6-monatigen Aufenthalts in New York Bestand haben kann. Und so verfolgen wir diese Liebesgeschichte über die 6 Monate in New York, aber wir folgen den beiden auch danach, wo sie wieder in ihrer jeweiligen Heimat angekommen sind.

Dorit Rabinyan besticht durch ihre ausdrucksstarke Erzählweise. Besonders die wunderschön geschriebene Liebesszene im Kapitel 7 ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Sie malt Bilder, sie sieht ganz tief in die Seele hinein und hat es geschafft, mich ganz tief in diese Geschichte hineinzuziehen. Was ist dies für eine Zeit, in der sich zwei Menschen nicht lieben dürfen, weil ihre Nationen keinen Frieden miteinander finden. Immer wieder flackern in den Gesprächen zwischen Liat und Chilmi Themen auf, die auch sie sehr unterschiedlich wahrnehmen, z.T. sich sogar nicht einigen können. Aber ihrer Liebe tut es keinen Abbruch. Und dann kommt das Ende, was mich vollkommen umgehauen hat! Aber lesen Sie dieses Buch selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Ein Aspekt dieses Buches hat mich besonders berührt. Und das ist die Angst, von bekannten Menschen entdeckt zu werden, die von dieser Liebe nichts wissen dürfen. Da liebt man einen Menschen und hat trotzdem Angst zu seiner Liebe zu stehen. Wie sieht dies für den anderen aus. Ist man die Liebe nicht wert? Schämt sich der eine für die Liebe? Und diese Thematik betrifft nicht nur die Liebesgeschichten zwischen Juden und Palästinensern, sondern auch homosexuelle Paare, Paare mit verschiedenen Hautfarben oder verschiedener Religionen. Und damit ist dieses Buch für mich auch noch einmal ein ganz spezieller Augenöffner.

Ein fantastisches Buch, was für Liebe und die Toleranz zwischen den Menschen wirbt!

Wir sehen uns am Meer
von Dorit Rabinyan
(35)
Buch
19,99

Einfach eine ganz ungewöhnliche und sehr bewegende Geschichte

Eine Kundin / Ein Kunde , am 12.08.2016

Heute habe ich mal wieder eine ungewöhnliche Geschichte für Sie. Und dies auch noch gleich in zweierlei Hinsicht. Zum ersten deshalb, weil in diesem Fall einmal die Werbung des Knaur Verlags „Genau meins“ mich so richtig neugierig gemacht hat. Und zum anderen, weil es wirklich eine ganz und gar ungewöhnliche Geschichte ist, die ich wirklich empfehlen kann.

Susanna Ernst ist eine deutsche Autorin, die bereits einige Bücher für Erwachsene im Knaur Verlag und für Kinder im Ravensburger Verlag veröffentlicht hat. Bisher hatten mich die Bücher nicht angesprochen, aber durch die oben erwähnte Kampagne bin ich nun doch neugierig auf den aktuellen Roman geworden. Und gerade das Thema Mutismus, das in diesem Roman eine große Rolle spielt, interessiert mich sehr.

Susanna Ernst erzählt die Geschichten von Katie und Jonah. Der erste Teil des zweigeteilten Buchs ist ein Rückblick auf die Jahre 1992 bis 1998. 1992 ist Katie acht Jahre alt und erleidet einen schweren Schicksalsschlag. 1995 trifft sie auf Jonah, der zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt ist. Beide haben ihre Familie verloren, so dass sie in eine Art Kinderheim zu Julius und Tammy kommen. Dieses Kinderheim ist aber anders als andere Kinderheime, denn hier leben nur einige Kinder, die etwas sehr schweres durchgemacht haben. Die beiden Betreuer unterrichten die Kinder selbst und versuchen möglichst individuell auf die einzelnen Bedürfnisse einzugehen. Katie hat nach dem Verlust ihrer Familie, der sehr traumatisch für sie war, ihre Stimme verloren. Erst als Jonah, der sehr intelligent und künstlerisch begabt ist, ebenfalls in das Heim kommt, öffnet sich Katie nach und nach. Es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden. Doch dann passiert am 15.September 1998 etwas, womit niemand gerechnet hat. Und dann beginnt der zweite Teil des Buches, der gänzlich anders ist. Denn in diesem Teil, der 2015 spielt, geht es um eine Suche. Und es geht um eine Liebe, die einfach nicht zerstört werden darf. Doch diese Liebe scheint unter einem Fluch zu stehen. Und so müssen die Hauptpersonen des zweiten Teils einiges auf sich nehmen, um ans Ziel ihrer Wünsche zu gelangen.

Diese Geschichte ist sehr schwierig zu erzählen, wenn man nicht den Überraschungsmoment vorwegnehmen möchte. Aber lassen Sie sich gesagt sein, dieser Roman ist keine kitschige Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über Menschen, die für ihr Glück kämpfen und dafür auch Risiken auf sich nehmen. Es sind ungewöhnliche Menschen mit ungewöhnlichen Schicksalen. Und es sind Menschen, die sehr verschieden mit den Schicksalsschlägen umgehen. Der zweite Teil entwickelt sich fast zu einem Krimi, der ausgesprochen spannend ist. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich einfach nicht mehr aufhören zu lesen und hab einfach einen kompletten Lesetag eingelegt. Nachdem ich dieses Buch dann ausgelesen hab, ist mir klargeworden, dass es sicherlich nicht mein letztes Buch von Susanna Ernst gewesen sein wird.

Am Anfang war ich etwas irritiert, warum dieses Buch ausgerechnet in den USA spielt. Und diese Frage habe ich dann an die Autorin weitergegeben. Sie meinte, dass es sich bei ihrem ersten Roman so ergeben hat. Und da aus vorherigen Romanen manche Figur auch in späteren Romanen wieder auftaucht, blieben ihre Geschichten also in den USA hängen. In diesem Roman trifft man z.B. Mary und Jeremy aus „Immer wenn es Sterne regnet“ wieder. Und das hat mich überzeugt, denn ich liebe es, wenn ich liebgewonnene Charaktere in späteren Romanen wiederentdecken kann.

Für mich war dieser Roman eine großartige Entdeckung. Ich hoffe, Sie sind jetzt neugierig geworden und wollen ihn auch unbedingt lesen!

So wie die Hoffnung lebt
von Susanna Ernst
(44)
Buch
9,99

Turbulente Familiengeschichte trifft auf griechische Mythen

Eine Kundin / Ein Kunde , am 12.08.2016

Ich habe Vea KaisersErstling „Blasmusikpop“ geliebt. So eine wahnwitzige Story, die in einer ganz eigenwilligen und einzigartigen Weise geschrieben wurde. Als nun das neue Buch der jungen österreichischen Autorin erschien, musste ich es gleich haben. Ich war sehr neugierig, ob sie noch einmal so etwas Witziges und Intelligentes schafft.

Makarionissi? Am Anfang war ich schon sehr irritiert. Was ist Makarionissi? Zuerst habe ich an Italien und Makkaroni gedacht. Aber warum stand denn auf dem Klappentext etwas von Griechenland? Und warum schreibt die Autorin, die doch Österreicherin ist, etwas über Griechenland? Die letzte Frage war sehr schnell geklärt! Vea Kaiser studiert Altgriechisch in Wien. Da liegt es nahe, dass man sich mit dem Land beschäftigt. Und was Makarionissi ist, erklärt sich im Laufe des Buches.

Vea Kaiser erzählt die Geschichte einer griechischen Familie von 1956 bis in die Gegenwart. Oberhaupt der Familie ist die Yiayia (Großmutter) Maria. Da sie leider nur zwei Töchter zur Welt gebracht hat, wird es schwierig für den Fortbestand der Familie zu sorgen. Die eine Tochter hat ebenfalls schon 2 Töchter bekommen, als die zweite endlich einen Sohn (Lefti) bekommt. Yiayia Maria beschließt, dass die erste Tochter noch eine weitere Tochter bekommen muss, und dass die beiden Enkel dann später heiraten werden. Und tatsächlich kommt noch eine weitere Tochter (Eleni). Doch die Heiratspläne gestalten sich schwierig, denn während Lefti ein ruhiger Junge ist, ist Eleni ein absoluter Wildfang, der schon relativ früh beschließt, dass er nie heiraten wird. Doch die Zeiten in Griechenland ändern sich. Die politische Situation wird härter. Da kommt es nicht gut, wenn man sich den Kommunisten anschließt und immer das sagt, was man denkt. Eleni kommt ins Gefängnis. Und sie kommt nur mit Glück wieder raus, weil Lefti versprochen hat, sie zu heiraten und dafür zu sorgen, dass sie in Zukunft nicht mehr auffällig wird. Das junge Paar geht nach Deutschland und entwickelt sich in völlig unterschiedliche Richtungen. Und so verfolgen wir die beiden Protagonisten weiter in ihrem Leben bis in die Gegenwart. Die spannende und humorvolle Reise führt über Hildesheim nach Stankt Pölten in Österreich, nach Zürich und in die USA. Und dann endet doch alles wieder in Griechenland und läuft auf ein furioses Finale hinaus.

Die Autorin hat eine unglaublich Lust und Begabung verrückte Familiengeschichten zu erzählen. Es macht absolut Spaß ihrer Fabulierkunst zu folgen. Und so witzig die Geschichte auch ist, so hat sie doch durchaus auch die wechselhafte Situation in Griechenland eingefangen. Es geht um Gastarbeiterleben in Deutschland. Es geht um griechische Auswanderer in die USA, die doch lieber unter sich bleiben. Es geht um den Wirtschaftsaufschwung und dem dazugehörigen Reiseboom in fremde Länder, woran auch Griechenland sehr viel partizipiert hatte. Und es geht um die immer wieder wechselnde politische und wirtschaftliche Situation in Griechenland. Aufgebaut ist das ganze wie ein altgriechisches Theaterstück. Es gibt verschiedene Gesänge, an deren Anfang schon kurz der Inhalt zusammengefasst wird. Und in die Geschichte werden immer mal wieder griechische Mythen erzählt, die sich anscheinend auch heute noch wiederholen.

Ich kann dieses Buch wieder nur wärmstens empfehlen, denn es ist witzig, intelligent und anders als andere Bücher! Ich freue mich schon jetzt auf ein nächstes Buch von Vea Kaiser und hoffe, dass es nicht allzu lange dauert!

Makarionissi oder Die Insel der Seligen
von Vea Kaiser
(1)
Buch
10,99

Lang erwartet und genauso gut?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 07.08.2016

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war ja ein totaler Überraschungserfolg des schwedischen Newcomers Jonas Jonasson. 2011 erschienen stieg er gleich im ersten Jahr in die Spiegelliste ein und hat sie ewig nicht verlassen. 2 Jahre später – erschien endlich das neue Buch von dem Autor, was es jetzt auch als Taschenbuch gibt. Aber kann er noch einmal so einen Knaller hinlegen?

Was haben eine südafrikanische Asylbewerberin, der schwedische Ministerpräsident und der schwedische König zusammen mit einer Atombombe auf der Ladefläche eines LKWs verloren? Wenn Sie diesen Roman lesen, werden Sie es erfahren. Und Sie sehen, dass der Autor sich wieder eine sehr schräge Geschichte ausgedacht hat. Der Zeitrahmen dieser Geschichte beträgt dieses Mal nur ca. 50 Jahre. Und sie spielt dieses Mal auch nur in zwei Ländern. Überraschenderweise nimmt sie ihren Anfang in Südafrika. Dort wird nämlich Anfang der sechziger Jahre Nombeko geboren. Nombeko ist eine junge Frau, die aus Soweto stammt und schon sehr früh als Latrinentonnenträgerin arbeiten muss. Natürlich hatte sie keine Gelegenheit zur Schule zu gehen, doch überraschenderweise ist sie ein Rechengenie. Und sie lernt auch noch lesen, doch für die weißen Südafrikaner sind alle Schwarzen gleich automatisch Analphabeten. Dieses Mädchen macht eine beispiellose Karriere, die sie irgendwann und irgendwie nach Schweden bringt. Und dorthin verfolgt sie eine Atombombe, die es eigentlich gar nicht geben darf. In Schweden lernt sie per Zufall Holger kennen. Und Holger nimmt sich ihrer und der Atombombe an. Doch auch Holgers Leben ist nicht so ganz normal verlaufen. Er ist einer von zwei Zwillingen, die beide Holger heißen. Von seinen Eltern angemeldet wurde aber nur sein Zwillingsbruder Holger 1. Und somit existiert Holger 2 eigentlich gar nicht. Gemeinsam versuchen Holger 2 und Nombeko die Atombombe ohne irgendjemanden in Gefahr zu bringen loszuwerden. Dies gestaltet sich aber ausgesprochen schwierig.

Jonas Jonasson hat wieder eine total irrwitzige Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen geschrieben. Die Geschichte ist aber nicht nur witzig, sondern es ist auch wieder eine, die unsere Weltpolitik aufs Korn nimmt. Er beschreibt wie gewohnt sehr lakonisch z.B. die Geschichte Südafrikas zur Zeit der Apartheid. „Dreiundzwanzig Demonstranten starben mehr oder weniger sofort. Am nächsten Tag hob die Polizei den Austausch der Argumente auf ein ganz neues Niveau, indem sie Helikopter und Panzer mitbrachte. Noch bevor der Rauch verfolgen war, waren mehrere hundert Menschenleben ausgelöscht. Das Schulamt von Johannesburg konnte daraufhin den Budgetplan für Soweto revidieren, alldieweil die Schülerzahlen plötzlich stark zurückgegangen waren.“ (Seite 40 e-book). Er nimmt aber auch Bezug auf aktuelle Dinge wie z.B. die sexuellen Abenteuer des schwedischen Königs.

Herausgekommen ist eine Burleske, über die man wieder genauso gut lachen kann wie beim ersten Buch des Autors. Gleiche Machart und doch eine ganz andere Geschichte, die wie üblich lakonisch und bitterböse erzählt wird.

Die Analphabetin, die rechnen konnte
von Jonas Jonasson
(1)
Buch
10,00

Oder mehr?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 31.07.2016

Vor zwei Jahren habe ich Ihnen den Erstling „Nenn mich nicht Hasi“ der Journalistin Sandra Girod vorgestellt. Nun ist in diesem Jahr ihr zweiter Roman „Manchmal will man eben Meer“ erschienen. Und ein zweiter Roman hat es häufig sehr schwer. Hält er das, was der erste Roman versprochen hat, konnte die Autorin sich steigern, oder war es ein One-Hit-Wonder? Ich war sehr gespannt, wie es sich in diesem Fall verhalten würde. Das Cover und der zweideutige Titel haben mich auf jeden Fall schon einmal neugierig gemacht.

Sandra Girod lässt in ihrem neuen Roman Yolanda, genannt Yola, ihre Geschichte selbst erzählen. Yola ist eine Journalistin aus Hamburg, die mit ihrer vierjährigen Tochter Janelle, genannt Wölkchen, in eine Mutter-Kind-Klinik nach Cuxhaven fährt, da ihre Tochter unter einer Atemwegserkrankung leidet. Sie selbst ist darüber ziemlich genervt, aber für ihre Tochter würde sie alles tun. Und auch der Anfang ist alles andere als erbaulich für Yola. Erst der Stress auf dem Weg nach Cuxhaven und dann die ganzen anderen Mütter mit ihren aufgedrehten Kindern. Sie sind ein Albtraum für Mutter und ihr etwas scheues Kind. Es sind dort die unterschiedlichsten Müttertypen von übervorsichtig, bis total desinteressiert vertreten. Und dementsprechend unterschiedlich sind auch die Kinder. Doch nach und nach lernt Yola einige sehr nette Frauen kennen und auch Wölkchen fühlt sich wohl. Die Frauen besuchen ihre Kurse und verbringen die freie Zeit zusammen. Sie lernen sich, ihre privaten Situationen und ihre Ängste und Sorgen immer mehr kennen. Und Yola, die für eine Frauenzeitschrift arbeitet, hat eine grandiose Idee, die sie mit den anderen Frauen umsetzt. Und so kommt es, dass die Frauen nach der drei-wöchigen Kur viele neue Ideen für ihren weiteren Lebensweg mitbekommen haben. Zwischendrin haben sie viel Spaß und es passieren auch einige Dinge, die so nicht geplant waren.

Mir hat das zweite Buch von Sandra Girod noch viel besser gefallen als das erste. Das erste fand ich sehr witzig, aber mir fehlte etwas an der Handlung. Dieses neue Buch hat aber eine wirkliche Geschichte zu erzählen. Es ist ein Buch, welches Frauen durchaus Mut machen kann. Denn jede Frau hat nicht nur ihre Schwächen, sondern auch Stärken, die sie nur erkennen und sinnvoll einsetzten muss. Und dies erzählt die Autorin sehr warmherzig und mit einem guten Sinn für Situationskomik und einer wunderbar witzigen Sprache. Natürlich sind die einzelnen Frauen sehr stereotyp. Aber genau von so etwas leben ja diese Art von Romanen. Etwas traurig war ich über das Ende, was für mich etwas abrupt kam. Denn es ist ein offenes Ende, was bei mir allerdings die Hoffnung geweckt hat, dass wir uns vielleicht noch auf einen weiteren Roman mit Yola und Wölkchen freuen können.

Fazit: Ein wunderbarer, humorvoller Frauenroman, der mehr als einfach nur gute Unterhaltung zu bieten hat. Ich freue mich schon auf weitere Bücher dieser Autorin.

Manchmal will man eben Meer
von Sandra Girod
(4)
Buch
14,99

Wer ist Mister Right?

Eine Kundin / Ein Kunde , am 24.07.2016

Der Droemer Knaur Verlag hat eine neue e-book-Reihe auf den Markt gebracht – feelings – emotional e-books. Dies sind Bücher speziell für junge Mädchen und Frauen, die gerne einen leichten Lesegenuss mit viel Liebe und Romantik, gewürzt mit einer Prise Erotik lesen möchten. Ich habe als Test einmal den Titel von Laura Albers „Licht über den Reben“ gelesen. Hier nun meine Einschätzung dazu.

In Laura Albers Roman erzählt die Protagonistin Leah Bonnet ihre Geschichte selbst. Leah ist eine Übersetzerin, die sich auf Texte spezialisiert hat, die etwas mit dem Thema Wein zu tun haben. Kurz nach ihrem zweiunddreißigsten Geburtstag bekommt sie von ihrer besten Freundin ein Wochenende in einem Wellness-Hotel im Elsass geschenkt. Und obwohl sie gerade einen Auftrag an Land gezogen hat, der sehr dringend ist, reist sie nach Eguisheim. Mit ihrer Arbeit ist sie schließlich sehr flexibel und ortsungebunden. Außerdem ist es ihr gerade recht, Freiburg zu verlassen, denn ihr Ex-Freund Tom, der sie betrogen hatte, nervt sie sehr, da er nicht einsehen will, dass es endgültig vorbei ist. Leah hat sich seit 2 Jahre sehr gemütlich in ihrem Singledasein eingerichtet. Doch dann lernt sie in ihrem Hotel gleich zwei charmante und extrem unterschiedliche junge Winzer kennen. Der eine ist ausgerecht ihr Auftraggeber Marc Wolfler, ein dunkler Typ, der anscheinend ein dunkles Geheimnis verbirgt. Leah fühlt sich vom ersten Moment an extrem von diesem geheimnisvollen Mann angezogen. Es prickelt gehörig zwischen den beiden. Aber irgendetwas stimmt einfach nicht. Und dann ist da noch der helle, lebenslustige und unkomplizierte André Kern. Beide Männer machen ihr den Hof. Für welchen der beiden soll sie sich entscheiden? Oder ist doch Tom der richtige für sie?

Laura Albers erzählt eine spannende Liebesgeschichte, in der es gewaltig prickelt. Für meinen Geschmack kam die Handlung etwas spät in Gang, aber zum Schluss wurde es noch extrem spannend, so dass ich das Ende kaum erwarten konnte. Für mich war es ein wenig zu viel Liebesgeplänkel und zu wenig Handlung. Ich hätte auch gerne noch mehr von der wunderbaren Landschaft des Elsass gelesen, aber ich denke, dass dies nicht das Ziel dieser neue Reihe ist. Mir persönlich war es ein wenig zu viel Erotik. Wer allerdings ein Fan von richtiger Erotik ist, wird von diesem Buch wiederum enttäuscht sein, denn die prickelnden Stellen gehen nicht ins Detail. Daher ist diese Reihe auch gut für junge Mädchen geeignet.

Wer auf eine leichte Liebesgeschichte mit Romantik, Spannung und prickelnder, aber angedeuteter Erotik steht, wird in diesem Buch fündig!

Licht über den Reben - Ein Sommer im Elsass
von Laura Albers
(5)
eBook
4,99

Die vergessenen Kinder

Eine Kundin / Ein Kunde , am 09.07.2016

Kennen Sie Annette Dutton und ihre Bücher? Ich bin zum einen über die DeLiA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und –autorinnen) auf sie aufmerksam geworden, denn dort hat sie 2015 die DeLiA (Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman) für ihren Roman „Das geheime Versprechen“ gewonnen. Und zum anderen wurde genau dieses Buch mir in einer Lesegruppe zu Carmen Lobatos Buch „Und sie werden nicht vergessen sein“ empfohlen.
Die Bücher dieser Autorin spielen in Australien, denn seit 2001 lebt Annette Dutton dort. Die Liebe hat sie dorthin verschlagen. Was gibt es also für bessere Voraussetzungen als deutsche Autorin über Australien zu schreiben.

„Das geheime Versprechen“ erzählt zwei Geschichten. Zum einen die, die auf dem Klappentext steht. Zum anderen aber auch die von Leah und Michael. Leah und Michael sind zwei jüdische Kinder, die 1938 mit den Kindertransporten nach England geschickt werden. Die Voraussetzung für beide ist sehr unterschiedlich. Für Leah gibt es bereits eine Pflegefamilie. Michael muss hoffen, dass er in England eine findet. Beide wollen in England versuchen, Visa für ihre Familien zu bekommen und so schließen sie ein geheimes Versprechen. Und so wechselt die Geschichte zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel im Detail verraten. Aber ich kann Ihnen sagen, dass dieser ausgesprochen spannende und teilweise erschütternde Roman mir noch einige Aspekte aus der Zeit des 2. Weltkriegs aufgezeigt hat, die ich noch nicht kannte. Sagen Ihnen die Stichworte „Die vergessenen Kinder“, „Nakam“ und „Dunera“ etwas? Mir sagte nur eins der drei etwas.

Ich habe diesen Roman verschlungen! Am Anfang des Buches hatte ich mal wieder ein für mich übliches Problem. Ich fing das Buch an, war zwar gefesselt, aber stellte mir die Frage, was hat diese Geschichte mit dem Klappentext zu tun. Doch dies löste sich dann doch relativ schnell auf. Und so eröffnete sich mir eine völlig neue Welt voller Verrat, Leid und Trauer, aber auch Glück und Liebe. Was wurde diesen Menschen in dieser dunklen Zeit nur angetan? Und das nicht nur in Deutschland!

Dieser Roman ist wieder ein typisches Beispiel dafür, dass gute Unterhaltungsromane eben nicht nur unterhalten, sondern auch wirklich interessante und lehrreiche Geschichten zu erzählen haben. Für mich gehört dieses Buch in die gleiche Kategorie wie die Bücher von Charlotte Roth, Carmen Lobato und Judith Lennox. Mir hat dieses Buch hervorragend gefallen und ich werde sicherlich noch weitere Bücher von Annette Dutton lesen.

Das geheime Versprechen
von Annette Dutton
(1)
Buch
9,99

Balsam für die Seele

Eine Kundin / Ein Kunde , am 01.07.2016

Gabriella Engelmann habe ich Ihnen ja nun schon mehr als einmal vorgestellt – sei es als Kinder-, Jugend- oder Unterhaltungsroman-Autorin. Ich liebe einfach ihre Bücher und freue mich, dass sie es eigentlich immer wieder pünktlich zum Sommer schafft, uns ein neues Buch zu schenken. Dieses Jahr habe ich es nicht sofort verschlungen, sondern auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Und der war vorgestern. In nur zwei Tagen habe ich dieses Buch inhaliert. Ich konnte einfach nicht aufhören, bis ich es endlich ausgelesen hatte.

Die Wahlhamburgerin Gabriella Engelmann erzählt in diesem Roman die Geschichte von Aurelia, der Anfang Vierzigjährigen, die in München mit ihren beiden Töchtern Louisa (15 ½ Jahre alt) und Molly (11 Jahre alt) und der Katze Momo lebt. Sie arbeitet bei ihrer besten Freundin Coco als Floristin auf dem Viktualienmarkt. Seit zwei Jahren ist sie alleinerziehend, denn ihr Lebensgefährte Nic verschwand einfach spurlos aus ihrem Leben. Aurelia hat mit dieser Situation immer noch nicht abgeschlossen. Sie versucht verzweifelt herauszubekommen, was geschehen ist. Und dann fällt ihr eines Tages ein Bildband in die Hände, in dem ein wunderschönes Hausboot in Hamburg in den Vierlanden abgebildet ist. Und anscheinend hatte Nic an diesem Hausboot einen Narren gefressen. Als Aurelia zusammen mit ihrer Freundin ein Wochenende in Hamburg verbringt, will sie sich dieses Hausboot einmal näher angucken. Doch beim Angucken bleibt es nicht. Durch eine zufällige Fügung steht das Hausboot zum Verkauf. Und es ist auch noch spottbillig zu haben. Aurelia entscheidet, dass sie in Hamburg noch einmal einen Neuanfang wagen will und verpflanzt ihre kleine Familie auf das Hausboot Luna.

Wer hat diesen Traum nicht? Einfach einmal neu anfangen. Das Alte alles hinter sich lassen. Gabriella Engelmann hat einen typischen Gabriella-Engelmann-Roman geschrieben, und doch ist er dieses Mal etwas anders geworden. Bisher waren ihre Romane immer wunderbar kuschelig und lasen sich einfach so weg. Hinterher war man glücklich und seufzte, weil es einfach wunderschön war und man liebe Freundinnen gefunden hatte, die man wieder freilassen musste. Wenn man Glück hat, trifft man sie später noch einmal in einem anderen Roman wieder. Doch seitdem im letzten Jahr ihr Jugendbuch „Sturmgeflüster“ erschienen ist, hat sie etwas Neues für sich entdeckt. Ihre Bücher sind zum Teil ernster geworden, es verstecken sich darin Themen, die man in einem leichten Unterhaltungsroman nicht unbedingt erwartet. Und ihre Bücher sind ein ganz klein wenig unheimlich geworden. Und so ist eine ausgesprochen spannende Geschichte entstanden. Wie wird es der kleinen Familie in Hamburg ergehen. Werden sie sich alle so einleben, wie sie es sich erhoffen? Wird sich das Rätsel um Nic lösen? Und findet Aurelia die Liebe wieder?

Dieser Roman hat mich auf ganz vieles neugierig gemacht. So muss ich jetzt unbedingt einmal die Vier- und Marschlande besuchen, die von der Autorin einfach nur schön beschrieben wurden. Wie immer gibt sie in ihrem Nachwort noch Tipps, was man dort besuchen sollte. Dann nehmen in diesem Buch Rosen in allen Facetten einen großen Raum ein. Es geht um Blumen, es geht um Naturkosmetik und es geht um Aromatherapie. Und gerade das letzte Thema wurde von ihr so interessant dargestellt, dass ich mich mit diesem Thema jetzt auch beschäftigen möchte. Das erste Buch dazu ist bereits bestellt. Und wer gerne kocht und backt, findet am Ende noch einige Rezepte, die aus der Region stammen und z.T. sogar Rosen als Zutaten beinhalten.

Die Autorin hat es für mich wieder einmal geschafft, mich komplett gefangen zu nehmen. Ich musste bei diesem Buch lachen, aber auch weinen. Sie hat ein wichtiges Thema angesprochen, was leider heute immer mehr Menschen betrifft. Und sie hat es wieder mit ganz viel Herz gemacht. Aber das Buch ist auch ausgesprochen spannend, denn es gibt mehr als ein ungelöstes Geheimnis. Wenn Sie also wieder einmal Balsam für die Seele brauchen, sind sie bei Gabriella Engelmann genau richtig!


Wildrosensommer
von Gabriella Engelmann
(9)
Buch
9,99

 
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