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Eine Kundin / Ein Kunde

Gesamte Bewertungen 196 (ansehen)


Lieblingsautoren:
Sir Arthur Conan Doyle, Agatha Christie, John Dickson Carr, Ian Rankin, Eric Ambler, James Lee Burke, Dennis Lehane, John Connolly, Caleb Carr, Stieg Larsson (Fortsetzung folgt im Feld "An meinem Beruf gefällt mir")
Das beste Buch aller Zeiten:
"Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien

Meine Favoriten

  • 1.

    Der Herr der Ringe

    von J. R. R. Tolkien

    - Neuausgabe in rotem Leinen- in aufwendiger Ausstattung- enthält alle drei Teile des "Herrn der Ringe",... mehr

  • 2.

    Der Hund der Baskervilles

    von Arthur Conan Doyle

    Seit Jahren lastet ein Fluch auf den Baskervilles: Ein riesiger Hund treibt in Dartmoor sein Unwesen... mehr

  • 3.

    Der Name der Rose

    von Umberto Eco

    Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen... mehr

  • 4.

    Der Besuch

    von H. G. Wells

    Ein Engel, der eine friedliche Landschaft Großbritanniens überfliegt, wird von einem jagdlustigen Vikar... mehr

  • 5.

    Reise ans Ende der Nacht

    von Louis-Ferdinand Celine

    Erzählt wird die Lebensreise des Ferdinand Bardamu. Der Medizinstudent meldet sich zur Mobilmachung 1914... mehr

  • 6.

    Der Goldsucher

    von Jean-Marie Gustave Clezio

    Die Suche nach dem Schatz ist eine Reise in die Träume seiner Kindheit, was er sucht, entdeckt er schließlich... mehr

Meine Bewertungen

Tanner's Jagd

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Wie schon im Auftakt „Unendlichkeit“, so bedient sich Reynolds auch diesmal mehrerer Schauplätze und chronologisch verlagerter Handlungsstränge, um seine komplexe Geschichte zu erzählen. Im Gegensatz zum Erstling ist dieser Balanceakt diesmal jedoch auch vollends gelungen, stimmt die Gewichtung der einzelnen Rädchen, welche, immer mehr ineinander verzahnt, den Plot vorantreiben und ihn letztlich in einem mehr als stimmigen Finale abrunden. Auf dem Weg dorthin geizt Reynolds nicht mit Twists und Turns, die stets aufs Neue am Status Quo zweifeln und uns das soeben gelesene aus einem anderen Blickwinkel betrachten lassen. Auffällig dabei: Egal, welche Erzählebene man so eben betritt, der Rhythmus kommt an keiner Stelle aus dem Takt. Im Gegenteil: Ob im Dschungel von Sky's Edge, dem vor Dreck triefenden „Schlund“ oder in der Düsternis der Siedlerschiffe – jeder Handlungsstrang fasziniert auf seine Art, trägt eine weitere Facette zum Renyoldschen' Universum bei. „Chasm City“ ist, trotz mehr als 800 Seiten, durchgängig spannend, seine Figuren, wenngleich in ihren Fähigkeiten hier und da überzeichnet, unheimlich lebensecht.

Als Freund klassischer „Hardboiled“-Geschichten fielen mir persönlich da vor allem die „Privat-Eye“-Anleihen bei Tanner Mirabel ins Auge, welche sich allerdings mit dem Sci-Fi-Umfeld in keinster Weise beißen, sondern vielmehr zur Dynamik beitragen und „Chasm City“ mit dieser gewissen Portion Coolness versehen. Überhaupt lässt sich die Atmosphäre im Buch mit dem Messer schneiden. Hinter jeder dunklen Ecke lauert das Unbekannte, jeder neue Bekannte Tanners wird scharf und misstrauisch beäugt. Wo er kann, sät Reynolds die Saat des Zweifels aus, was die vielen Kehren in der Geschichte umso eindrucksvoller macht und zur Vielschichtigkeit des Ganzen genauso beiträgt, wie die undurchschaubaren und moralisch schwer einzuordnenden Charaktere. Übertroffen wird all dies nur noch von der Kulisse, die fast schon selbst eine eigenständige Figur darstellt und, trotz Anleihen aus anderen bekannten Werken (z.B. Dicks „Blade Runner“, „Shadowrun“ oder auch „Star Wars“), durchgehend fasziniert. Da verzeiht man es dem Autor sogar, dass die große Überraschung am Schluss wohl viele Leser nicht überraschen wird bzw. in Punkto Aha-Effekt nur mäßig zündet.

Insgesamt ist „Chasm City“ eine hervorragende Mischung aus knallharten „Noir“, visionärer „Space Opera“ und dystopischen „Cyberpunk“, die mich über mehrere Tage mit Erfolg in meinen Schlaf- und Essensgewohnheiten gestört und über die volle Distanz bestens unterhalten hat. Ein ganz starker, eindrucksvoller Roman, der viele Fragen beantwortet, aber noch genug offen lässt, um nach den weiteren Bänden des „Revelation-Space“-Zyklus gieren zu lassen.

Chasm City

Chasm City

von Alastair Reynol…

10,99

Der Fisch stinkt vom Kopfer her

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Was ist heute noch wirklich die Wahrheit? Und durch wie viele und welche Filter wird diese mittlerweile gepresst, bis sie uns als solche verkauft wird? Zwei zentrale Fragen des Romans, der, ganz im Stile von John Le Carrés „Der ewige Gärtner“, literarische Mittel nicht nur nutzt, um Missstände anzuprangern, sondern auch um ein klareres Bild der gegenwärtigen Situation zu vermitteln. Im Wissen, dass die Realität stets schlimmer ist, als die Fiktion, lässt Stoll uns seine bitteren Pillen auf leeren Magen schlucken. Seine Figuren, allen voran Mara Podolski, sind scharf gezeichnet, sperrig und echt, wodurch recht früh die üblichen Schranken zwischen Leser und Protagonisten fallen. Erstaunlich, dass es hier besonders die weiblichen Charaktere sind, welche Stoll als „Ermittler“ und damit letztlich als Triebfeder seiner Handlung nutzt, wohingegen den Männern in den meisten Fällen die Rolle des zu bekämpfenden Gegenparts zufällt. Trotz dieser Gewichtung verweigert sich der Autor jedoch jeglichem Schwarz-Weiß-Denken. Ganz im Gegenteil: Selbst die „Bösewichte“ in „Victoria-Report“ sind auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Mit manch einem, wie zum Beispiel dem Opportunisten Kaprolat, beginnt man, trotz fester moralischer Grundsätze, gar unwillkürlich zu sympathisieren. Zu schmal der Grat zwischen Idealismus und Machterhaltungskämpfen, zwischen wohlwollenden Absichten und schlechten Taten. Gerade diese vielen Ecken und Kanten der Figuren sind es, die den Roman abrunden.

Stolls Sprache ist dabei nicht ohne einen gewissen Zynismus, der uns, oftmals ätzend und triefend, den Spiegel vors Gesicht hält und dabei die Komplexität der Handlung unterstreicht. Überhaupt kommt „Victoria-Report“ erstaunlich stilsicher daher. Obwohl eindeutig auf reale Begebenheiten bezogen, baut der Autor sein Wissen äußerst subtil ein und verschont den Leser mit längeren Vorträgen. Dadurch bleibt das Tempo durchgehend hoch, was insofern bedeutsam ist, da es an anderer Stelle leider hapert. Und zwar beim Spannungsbogen.

Dieser wird dem Anspruch eines Thrillers bzw. Kriminalromans nur gegen Ende gerecht, reicht doch die Brisanz der Thematik allein nicht aus, um den Leser die Seiten fester packen zu lassen. Mögliche Bedrohungsmomente werden zugunsten gutgemeinter, aber wenig schlagkräftiger Wendungen verschleppt. Der Erfolg von Podolskis Ansinnen steht, trotz des völlig unausgeglichenen Kräfteverhältnisses, nie wirklich außer Frage. Hinzu kommt, dass das Verschwinden ihres Sohnes Clive einfach zu lange keinerlei Rolle im Gefüge der Handlung spielt. Dies ist auch der einzige Punkt, in dem die Authentizität ein wenig ins Wanken gerät. Das sich eine Mutter, die nach längerer Zeit in Afrika nach Hause zurückkehrt und trotz mehrmaliger Versuche Lebensgefährten und Sohn nicht erreicht, einfach in die Arbeit stürzt, wirkt, auch angesichts ihrer späteren Reaktionen in Bezug auf ihr Kind, schlicht unglaubwürdig.

Ansonsten stellt Mara Podolski allerdings C. B. Stolls Faustpfand dar. Auch weil ihm mit ihr eine Figur gelungen ist, die genug Facetten aufweist, um über mehrere kommende Geschichten interessant zu sein. Diese sind, wie auf der Internetseite des Autors zu sehen, bereits in Planung.

Am Ende ist „Victoria-Report“ vor allem eins: Eine äußerst erhellende, informative und mit knallharten Fakten gespickte Lektüre, dessen schwer verdauliche Botschaft den Magen nachhaltig grummeln lässt, in Punkto Spannung aber (noch!) nicht wirklich satt macht.

Victoria-Report

Victoria-Report

von C. B. Stoll

22,90

Some Things Really Never Change ...

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Seien wir ehrlich: Würde man „Kerzenlicht für eine Leiche“ nach den normalen Gesichtspunkten des Kriminalroman-Genres beurteilen – der Roman würde wohl mit fliegenden Fahnen untergehen und wäre ein Festschmaus für jeden Berufskritiker. Ann Granger bemüht hier, wie bereits von den Vorgängern gewohnt, den Zufall ein paar Mal zu oft und biegt die Handlung bis an ihre Belastungsgrenze, um die gute Meredith im Umfeld der Mordermittlungen unterbringen zu können. Zufällig ist man an dem Tag am Friedhof, wo die Leiche gefunden wird. Zufällig wohnt eine Zeugin früherer Vorkommnisse direkt nebenan. Zufällig erweist sich eine im Heim besuchte Dame als damalige Hebamme der Toten. Und überhaupt ist man zufällig immer zur richtigen Zeit am richtigen (oder manchmal dann leider auch falschen) Ort. Jedem analytisch vorgehenden Krimi-Leser stehen da die Haare zu Berge, wird angesichts dieser künstlich inszenierten Vorgänge der Hals schwellen. Zu Recht, denn geht man mit den typischen Erwartungen an einen Spannungsroman in die Lektüre von Grangers Büchern, wird man zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Trotz Mord und Totschlag – die britische Autorin benutzt lediglich den Rahmen dieses literarischen Genres, um darin ihr Bild zu malen.

Beschaulichkeit, Wohlgefühl und Atmosphäre stehen im Mittelpunkt der Mitchell & Markby-Romane – und hier hat Ann Granger ihre Hausaufgaben gemacht. Auch in „Kerzenlicht für eine Leiche“ lebt die Geschichte wieder mal von ihren Schauplätzen und den herrlich kauzigen Exemplaren der typisch britischen Landbevölkerung (Highlight diesmal: Der versoffene, alte Totengräber Nat Bullen). Ganz im Stile der von Rutherfurd verkörperten Miss Marple kokettiert die Serie mit dem englischen Humor, präsentiert sie die Suche nach dem Mörder als sportliche Aufgabe, welche, trotz teils grausiger Verbrechen, immer doch fair und sauber bleibt. Pistolen bleiben hier stets im Holster. Und auch den Gang zur Pathologie muss der Leser eher selten antreten. Granger will ihr Publikum, das sich wohl in größeren Teilen aus der älteren Leserschicht zusammensetzt, nicht übermäßig schockieren. Dies wird ebenfalls in der Geschwindigkeit der detektivischen Nachforschungen deutlich, die gleich des Öfteren von einer gemütlichen Tasse Tee oder einem feuchtfröhlichen Pubbesuch unterbrochen werden.

Dass Grangers Romane sich bei all der augenscheinlich biederen Harmonie dann trotzdem nicht zäh wie Kaugummi lesen, liegt, neben der gelungenen Zeichnung der Figuren, vor allem an der gut getimten Schreibe. Wann immer sich die Handlung einen gewissen Schlenker erlaubt, wird sogleich darauf der rote Faden wieder aufgenommen, kommt ein weiteres Detail zum Vorschein, welches es dem Leser erlaubt, neue Theorien beim eigenen Rätselraten aufzustellen. Wie bei einer Kutschfahrt schaut man hier gern nach links oder rechts, während man gleichzeitig beharrlich dem Ende entgegen trabt, in dem, trotz erneuter Zufälle, die vorherigen Fragen schlüssig und logisch aufgelöst werden. Kleinere Überraschungen inklusive.

„Kerzenlicht für eine Leiche“ ist nichts für Freunde von hochkarätiger Spannung und Nervenkitzel. Wer jedoch ein gewisses Faible fürs ländliche England und seine kauzigen Bewohner hat oder bei schlechtem Wetter eine Lektüre zum Earl Grey und Butterkeksen sucht, dem sei auch Band acht der Serie ans Herz gelegt.

Kerzenlicht für eine Leiche

Kerzenlicht für eine Leiche

von Ann Granger

8,95

Hey! Hier kommt Alex ...

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Vorneweg: Um Burgess' „Clockwork Orange“ erfassen (von „genießen“ will ich in diesem Fall lieber nicht sprechen) zu können, braucht es zu Beginn vor allem eins: Geduld. Der im Stil eines Berichts und in „Nadsat“, ein auf Basis der russischen Sprache konstruierter Jugendslang, vorgetragene Roman, macht den Einstieg alles andere als leicht. Stil und Wortwahl sind vom Fleck weg scharf, kantig, unverdaulich. Nur dank des Glossars am Ende des Buches, in dem man die Bedeutung der einzelnen Begriffe nachschlagen kann, kommt man überhaupt über die ersten Seiten. Hat man die jedoch schließlich im wahrsten Sinne des Wortes überstanden, stellt sich recht bald ein Leserhythmus ein. Und mehr noch: Burgess' Gebrauch des Nadsat verfremdet nicht nur nur die beschriebenen Gewaltdarstellungen – er verleiht dem Erzählten zugleich dieses Quäntchen mehr Authentizität, welches es uns ermöglicht, die Welt von „Clockwork Orange“ besser zu begreifen. In gewissem Sinne ist hier also eher die Sprache als letztlich der Inhalt Informationsträger, weshalb sich wohl der Autor auch eine längere Einleitung gespart hat.

Neben der anfänglichen Geduld verlangt Burgess dem Leser zudem ein gewisses dickes Fell ab, da Alex und seine „Droogs“ Gewalt nicht einfach nur ausüben, sondern diese mit voller Freude und Euphorie zelebrieren. Brutal und grausam werden Frauen vergewaltigt, Wehrlose bis zur Bewusstlosigkeit und darüber hinaus geprügelt. Je mehr Angst das Opfer hat, je mehr Schmerzen es leidet, um so mehr ergötzen sich die Täter an ihrem Spiel. Zartbesaitete werden hier bereits recht früh ausgesiebt und das Buch wohl an die Seite legen. Doch Burgess' detaillierte Schilderungen des Zerstörungsrausches sind mehr als nur ein zweckfreies Stilmittel. Besonders im Hinblick auf die zweite Hälfte des Romans gewinnen die von Alex' verübten Gewalttaten eine tiefere Bedeutung.

Zentrale Frage ist nämlich schließlich, was schlechter ist: Den Menschen zum Gutsein zu konditionieren oder ihm die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, ob er gut oder böse sein will. Wie weit sollte und darf ein Staat überhaupt gehen, um die asozialen, nicht zu integrierenden Elemente in der Gesellschaft so weit medizinisch zu behandeln, damit sie keine Bedrohung mehr darstellen? Und wenn die Würde des Menschen unantastbar ist – gilt dies nicht auch für den Täter? Im Anschluss an Alex' „Heilung“ muss sich der Leser diesen Fragen unausweichlich stellen. Und es ist der Genialität des Autors zu verdanken, dass es ihm gelingt, trotz Alex' vorangegangener Taten, Mitleid für diesen zu erwecken. Plötzlich begreift man, nicht zuletzt auch durch die Handlungen der Eltern, dass er auch schon vor dem medizinischen Eingriff ebenfalls in gewisser Art und Weise ein Opfer war. Ihm nun seine Entscheidungsfähigkeit zu nehmen, sogar die Freude an der Musik, stellt somit letztlich genauso ein Verbrechen dar. Nur halt diesmal verübt vom Staat.

Bei all der drastischen Gewalt, den brutalen Schilderungen, der erbarmungslosen Härte - „Clockwork Orange“ ist, besonders gegen Ende hin, ein Roman, welcher zur Reflexion anregt, nachdenklich stimmt. Ein in seinen Mitteln vielleicht ungewöhnlicher und sperriger, aber in der Wirkung äußerst treffsicherer Klassiker, dessen Vision in großen Teilen bereits ernüchternde Wirklichkeit ist.

Clockwork Orange

Clockwork Orange

von Anthony Burgess

7,95

Zweischneidiges Schwert

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

„Die Günstlinge der Unterwelt“ beginnt so, wie auch die beiden Vorgänger begonnen haben – mit einer ellenlangen Einleitung, in welcher die Charaktere nicht nur die bisherigen Ereignisse in Gesprächen zusammenfassen, sondern sich auch mit dem Status Quo analytisch auseinandersetzen. Auch wenn diese Art Kurzzusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse wohl hinzugekommenen Lesern den Neueinsteig erleichtern soll, bleibt die Frage, ob Terry Goodkind diese Rückblicke stets in solchem Umfang vortragen muss. Dialoglastige Fantasy hin und her. Hier wird über Seiten nur geredet, ohne dass der Plot dadurch ein Jota vorankommt. Kennern der Serie nimmt man hiermit gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln. Das ist auch insofern schade, da im vorangegangenen Buch das Finale einige dramatische Momente geboten hat. Diesen Schwung hätte der Autor mitnehmen sollen, anstatt ihn gleich wieder zu Beginn versanden zu lassen. Ein Fehler, der übrigens im vierten Band noch weit schlimmer zum tragen kommen wird.

Hat man sich jedoch erst mal durch den „In-der-letzten-Folge-sahen-sie“-Teil durchgekämpft, erwartet den Leser erneut ein durchaus kurzweiliges Fantasy-Spektakel, das in Punkto Heldenpathos und Liebelei zwar oft nah am Rand des Kitsches vorbeirauscht, trotzdem aber stets einen gewissen Spannungslevel aufrechterhält, welcher den Beobachter vorantreibt. Zudem schärft Goodkind das Profil der Serie, in dem er endlich mehr auf gewisse, vorher unerklärte Details angeht. So kann man nun die diplomatischen Verwicklungen innerhalb der Midlands weit besser nachvollziehen. Die vorher lediglich zur Betrachtung abgedruckte Karte wird jetzt mit Leben gefüllt. In der Art und Weise, dies zu beschreiben, bleibt Goodkind in seinen schriftstellerischen Fähigkeiten aber weiterhin limitiert. Neben Schwarz und Weiß scheint es bei ihm keinerlei andere Farben zu geben. Die Guten sind so gut, dass es einem schon pappig und pelzig im Mund wird. Und die Bösen agieren mit einer Grausamkeit, die sich an manchen Punkten schon fast selbst karikiert. Anti-Helden oder „graue“ Charaktere sucht man schlicht vergebens, obwohl einige durchaus das Potenzial dafür geboten hätten. So würde Tobias Brogan einen perfekten „Puppenspieler“ im Hintergrund abgeben. Stattdessen entpuppt sich aber auch er bald als mordender und vergewaltigender Soziopath. Goodkind hält, ob im Umfang der Dialoge, in den Gewaltakten seiner Bösewichte oder in der Darstellung der Liebesszenen, einfach kein Maß.

An diesem „Viel hilft viel“-Denken krankten bereits die Vorgänger und, soviel sei verraten, werden auch die kommenden Bände zu leiden haben. Mit einem etwas besseren Lektor und ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, könnte die „Schwert der Wahrheit“-Reihe vielleicht weit mehr sein, als sie letztlich ist: Ein kurzweiliges, actionreiches, aber auch wenig tiefgründiges Fantasy-Epos, dem dies Quäntchen Würze fehlt, um in dem riesigen Meer der Konkurrenz einen exponierteren Platz zu besetzen bzw. das Niveau zumindest in Sichtweite von Tolkien, Martin, Erikson und Co. zu heben.

Auch wenn mir „Die Günstlinge der Unterwelt“ im Großen und Ganzen noch gefallen hat – die große Gier, weitere Bände zu lesen, sie bleibt aus.

Das Schwert der Wahrheit 03. Die Günstlinge der Unterwelt

Das Schwert der Wahrheit 03. Die Günstlinge der Unterwelt

von Terry Goodkind

10,00

Das Wüste lebt

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

So, da ist sie, die erste literarische Entdeckung des noch jungen Jahres 2013. Und irgendwie sollte es mich selbst weniger überraschen, dass diese wieder mal aus dem Hause des Weissbooks-Verlags kommt, welcher zuletzt bereits mit der Wiederentdeckung von Breece D'J Pancakes „Stories“ und Pia Solèrs „Die Weite fühlen“ zu begeistern wusste. Und begeistert war der Rezensent auch diesmal, denn was immer man sich dem Titel nach von Britta Schröders Debütroman „Zwölfender“ erwartet hatte – das letztlich zwischen den Buchdeckeln prangende jedenfalls nicht. Auf äußerst großzügig bedruckten, knapp 160 Seiten überrascht die Autorin, die sonst als freie Lektorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Haus Konstruktiv in Zürich tätig ist, mit einer irritierend rätselhaften, aber auch vollkommenen in den Bann nehmenden Handlung. Und wo sonst eine kurzer Anriss des Inhalts in den Rezensionen als Appetitanreger dient, erweist sich dies im vorliegenden Fall als unmöglich – gerade die Frage, worum es geht, wohin die Reise, auf welche uns die Erzählerin mitnehmt, hinführen soll, ist für jeden Leser anders zu beantworten.

„Mein Vater öffnete den Kühlschrank und griff nach einer Flasche Wein.
"Ich …", sagte ich.
Er drehte sich zu mir um.
Ich nahm das Küchenmesser von der Anrichte und schob es in seinen Körper.
Er sackte zu Boden, es floss wenig Blut.“

„Jetzt lieber Leser, weißt du wo es langgeht“, scheint dieser Auftakt zu sagen, welcher den Rezensenten vollkommen überrumpelt, aber auch im selben Zug für Schröders Roman gewonnen hat. Dieser führt im weiteren Verlauf über Florida und Chile bis zurück nach Frankfurt am Main, und lässt dabei, einer zügig vorgetragenen Diashow gleich, die Bilder und Eindrücke auf uns nur so niederprasseln. Unwillkürlich liest man sich in einen Rauschzustand, übernimmt Schröders karge, aber doch so intensive Poesie das Ruder, um uns damit zu lenken, wohin sie will. Es ist eine Reise voller ungewöhnlicher Begegnungen, von unerwarteter Schönheit und ungewohnter Ehrlichkeit. Wo sonst Autoren hierzulande jeden Stein und jedes Blatt beschreiben müssen, sich in seitenlangen schwermütigen Elegien auswalzen, reduziert „Zwölfender“ die Botschaft auf seinen Kern. Und dieser heißt Gefühl.

Trotz des hohen Tempos der Geschichte, der schnellen Szenen- und Schauplatzwechsel, lässt diese schmale Novelle uns immer wieder innehalten und nachdenklich werden. Die Sehnsüchte, Hoffnungen, aber besonders das Verzweifelte und Fehlerbehaftete der Erzählerin zwingen förmlich zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Es ist dieser Wiedererkennungseffekt, dieses zutiefst Menschliche in der Wiedergabe der Erlebnisse, welches „Zwölfender“ zu dem Literaturjuwel macht, das es ist.

Britta Schröders erster Schritt in die Belletristik hinterlässt tiefe Spuren im Sand, denen wir hoffentlich noch lange als Leser folgen dürfen. Ein ganz dicke Empfehlung für all die Leser, welche im trägen Fluss von Long- und Bestseller-Listen ein Buch herausfischen wollen, dass nicht für Preise oder Auszeichnungen, sondern aus der Seele geschrieben worden ist.

Zwölfender

Zwölfender

von Britta Schröder

16,90

Bröker studiert den Tod

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Die Lektüre von „Campus-Mord in Bielefeld“ war für den Rezensenten auch fast so etwas wie ein persönlicher Blick in die Vergangenheit, kennt er doch die im Buch beschriebenen Örtlichkeiten als Kind der Stadt äußerst genau. Zudem hat er einige Semester am Tatort studiert. Das ist im Falle dieser Rezension Fluch und Segen zugleich, da man den zweiten Fall Brökers aus der Sicht des Zielpublikums, nämlich der Bielefelder und Ostwestfalen, wahrnimmt und somit die Objektivität, welche bei der Bewertung eines Romans ohnehin nie gewährleistet werden kann, unbewusst darunter leidet. So steht am Ende die Frage: War es wirklich die Handlung des Kriminalromans oder nur der „Ach-das-kenn-ich-doch-auch“-Effekt, der hier unterhalten hat?

Fakt ist jedenfalls: Das Autorenduo Lisa Glauche und Matthias Löwe hat sich gegenüber dem doch arg zähen Vorgänger steigern können und endlich in den Rhythmus gefunden. „Campus-Mord in Bielefeld“ wirkt, trotz größeren Umfangs, wesentlich zielgerichteter, die Schreibweise ökonomischer. Wenngleich der Leser auch im zweiten Band einige Wiederholungen erdulden muss, so sind diese nun besser dosiert. Statt immer wieder auf dieselben Dinge hinzuweisen und damit die eigentlichen Ermittlungen zu bremsen, kommt man endlich öfters auf den Punkt. Diesmal schläft Bröker während eines Einbruchs nicht plötzlich ein oder lässt sich durch Fußballspiele von seinen Nachforschungen abhalten. So amüsant diese Verbindungen mit der heimischen Arminia waren – in „Tod an der Sparrenburg“ war das der Ballsport-Anekdoten ein bisschen zu viel. Das scheinen auch Glauche und Löwe erkannt und sich stattdessen besonders der Zeichnung der Figuren gewidmet zu haben.

Hauptprotagonist Bröker, der im Erstling vor allem eins, nämlich ziemlich einschläfernd und langweilig war, kommt nun weit besser ausgearbeitet daher. Zwar immer noch behäbig und trottelig, zeigt er jetzt endlich Einsatz und Ideenreichtum. Wo zuvor Mitbewohner Gregor mittels Internetrecherche für Fortschritte im Mordfall sorgte, lässt sich diesmal Bröker höchstpersönlich vom Verdächtigen durch die Vorgärten Werthers jagen. Anschließende Flucht auf einem Kinderroller inklusive. Und das liest sich in „Campus-Mord in Bielefeld“ sogar richtig komisch, da Glauche und Löwe in Punkto Timing inzwischen ihre Hausaufgaben machen. Das wirkt sich letztlich dann auch auf die Authentizität der Figuren aus. Es „menschelt“ plötzlich, schmeckt „ostwestfälisch“ – und das tut der Reihe richtig gut.

Auch in Bezug auf den Spannungsaufbau legen die Autoren einen Zahn zu. Die Nachforschungen Brökers sind wesentlich aktionsreicher geworden, die Auflösung gelingt diesmal schlüssig und plausibel. Richtige Sogkraft kann „Campus-Mord in Bielefeld“ dann aber trotzdem wieder nicht entwickeln, was schlichtweg daran liegt, dass es bis zum Ende bei einem einzigen Verdächtigen bleibt. Die „Wer-ist-es-gewesen“-Frage wird somit obsolet. Und das letztliche „Warum“ ist zwar wie erwähnt nachvollziehbar, bietet jedoch auch wenig Neues oder gar ein Überraschungsmoment. Hinzu kommt das weiterhin sehr „ostwestfälische“ Tempo der Geschichte, welches mögliche dramaturgische Höhepunkte immer wieder verschleppt.

Am Ende muss man konstatieren: Wer einen richtig spannenden, literarisch runden Kriminalroman sucht, sollte sich beim Verlag Pendragon lieber die Namen Mechtild Borrmann, Frank Göhre oder David Osborn näher anschauen. Freunde regionaler, kurzweiliger Unterhaltungsliteratur aus dem Raum Bielefeld und Umgebung dürfen sich jedoch diesen Blick auf ihre Heimat auf keinen Fall entgehen lassen.

Campusmord in Bielefeld

Campusmord in Bielefeld

von Lisa Glauche

12,95

It's The End Of The World As We Know It ...

Eine Kundin / Ein Kunde , am 02.03.2013

Nimmt man Wells Klassiker heute zur Hand, fällt einem sogleich die Sprache auf, welche, im Gegensatz zu vielen seiner zeitgenössischen Kollegen, keinerlei Staub angesetzt hat und sich auch nicht in altertümlich wirkenden Formulierungen verliert. Das liegt in erster Linie am Erzählstil, der, einer Berichterstattung gleich, rückblickend von den Ereignissen des Krieges berichtet und der fiktiven Geschichte einen dokumentarischen, und damit glaubhaften Charakter verleiht. Trotz des wissenschaftliche Tons, den Wells mit Fakten und Theorien seiner Zeit äußerst autoritär untermauert, fühlt sich der Leser mittendrin im Geschehen, da uns der Autor stets Zugang zu den Empfindungen und Erfahrungen des Erzählers lässt. Und diese werden, besonders für damalige Verhältnisse, äußerst plastisch und vor allem drastisch, geschildert. Nach einem noch recht nachdenklichen und poetischen Beginn wird der Leser direkt in die Feuer eines gänzlich ungleichen Krieges geworfen. Von jetzt auf gleich ist der überlegene Mensch zur gejagten Beute geworden, wird die Idylle des ländlichen Englands zu einer verwüsteten Ebene und die Millionenstadt London zu einem brennenden Trümmerhafen. Neben seiner sprachlichen Brillanz künden diese Bilder auch von Wells' visionärem Geist, beschreibt er hier doch beinahe exakt die Verheerungen der beiden späteren, realen Weltkriege.

Einfach, verständlich und doch prägnant und eindringlich, versteht es Wells mit dem richtigen Wort die richtige Stimmung zu erzeugen, die Handlung dem Leser zugänglich zu machen. Mit feiner Hand skizziert er die Reaktionen der Menschen auf die Invasion, deren starrköpfiger Hochmut bald egoistischer Panik weicht. So abstrakt das Szenario ist – Wells nutzt genau dieses für seine Gesellschaftskritik. Unbarmherzig stößt er die Menschheit, welche den Waffen der Marsmenschen nichts entgegenzusetzen hat und zu tausenden in Hitzestrahlen sowie tödlichen Gaswolken jämmerlich verreckt, vom Thron. Selbst der Stolz des Empire, die britische Flotte, versagt im Angesicht der Feinde. Ehemals prächtige Schlachtschiffe werden in der Verzweiflung sogar für Kamikaze-Angriffe verwendet. Der damals selbstverständlichen Vorstellung vom Menschen als Krone der Evolution wird durch Wells Geschichte gänzlich der Boden entzogen, (Achtung, Spoiler!) sind es am Ende doch ausgerechnet die kleinsten Lebewesen, die für den Fall der feindlichen Invasoren sorgen.

„Krieg der Welten“, auf dem Höhepunkt des imperialistischen Zeitalters entstanden, zeigt, dass der überhebliche weiße Bürger des mächtigsten Reiches der Erde sich seiner Überlegenheit nicht zu sicher sein sollte – und nicht sicher sein kann. (Am Schluss wird gar eine mögliche Rückkehr der Marschmenschen in Aussicht gestellt: „Und wer kann wissen, ob die Vernichtung der Marsleute nicht nur einen kurzen Aufschub bedeutet? Vielleicht gehört ihnen und nicht uns die Zukunft.“) Der unbarmherzige Feldzug der Marsmenschen gegen die Menschen ist Wells' Art, seinen Landsleuten den Spiegel, und damit ihre Fehler, vors Gesicht zu halten. Er weist auf die Gefahren des falschen Stolzes hin und lässt uns schließlich auch den Umgang mit den vermeintlich Schwächeren überdenken. Eine zeitlose Botschaft, die diesem spannenden und oft auch sehr berührenden Buch, Nachhaltigkeit verleiht und es letztlich über viele andere Titel des Genres erhebt.

An „Krieg der Welten“ von H. G. Wells führt kein Weg vorbei. Auch mehr als ein Jahrhundert nach seiner Veröffentlichung hat dieses Werk nichts von seiner Faszination verloren.

Krieg der Welten

Krieg der Welten

von H. G. Wells

12,00