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Polar aus Aachen

Gesamte Bewertungen 336 (ansehen)


Meine Bewertungen

Aus der Traum

Polar aus Aachen , am 03.02.2009

Mit dem Seziermesser hat Arthur Schnitzler das gehobene Bürgertum wie die adelige Gesellschaft seiner Zeit beobachtet und beschrieben. Ihre geheimen Wünsche haben schon im Reigen auf den Bühnen für einen Skandal gesorgt. In der Traumnovelle geht der Autor subtiler vor. Der Seitensprung ist hier etwas, was erträumt, erdacht und zur Qual wird. Fridolin und Albertine geraten in Versuchung und setzen ihre Ehe aufs Spiel, indem sie ehrlich zueinander sind. Dass dies nicht unbedingt der beste Ratschlag ist, muss der Arzt feststellen, als seine Ehefrau ihm von einem Traum erzählt und unglücklich zu sein scheint, vor ihm noch nie mit einem Mann zusammen gewesen zu sein. Wegen eines Patientenbesuchs muss der Arzt aus dem Haus und streift von da an durch das nächtliche Wien, getrieben von dem Gedanken an Albertine und ihren Sehnsüchten. Er durchlebt seltsame Begegnungen, beinah kommt es zu einem Duell und landet schließlich auf einem erotisch aufgeladenen Kostümball, zu dem er sich die Parole erschlichen hat und als ungebetener Gast entlarvt wird. Schnitzler versteht sich darauf, die Demaskierung seines männlichen Helden als schlechtes Gewissen darzustellen, seine Entwurzelung durch einen einzigen Traum, als etwas zu beschreiben, was längst in ihm ruhte und nun ausgebrochen ist, ohne dass es sich wieder einfangen lässt. Als es gegen Ende zu einem Geständnis kommt, empfindet der Leser die mühselige Beibehaltung dieser Ehe wie die Vertreibung aus einem Paradies, das sowohl Albertine als auch der Arzt für sich maßgerecht geschneidert hatte. Außerhalb des Traums jedoch, im Alltag hat das Paradies nie existiert.

7 von 8 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Traumnovelle

Traumnovelle

von Arthur Schnitzl…

4,95

Auf dem Operationstisch

Polar aus Aachen , am 20.01.2009

Dieser Thriller ist nichts für jemanden, der nicht gerne zum Arzt geht und weißen Kitteln misstraut. Abseits der bewährten Serientäter, die Jane Rizzoli jagt, erzählt Tess Gerritsen in Kalten Herzen mitten aus dem Operationssaal, einem Bereich, in dem sie sich bestens auskennt. Und so führt die Autorin uns durch eine Welt, in der Entscheidungen über Leben und Tod gefällt werden, wo jegliche Moral am besten ausgeklammert wird, um Karriere zu machen und das Gewinnstreben zur obersten Maxime erklärt wird. Natürlich gibt es auch da Menschen, die sich einen Rest Mitgefühl bewahrt haben und Fragen stellen, die Kollegen unangenehm sind. Auch wenn gleich zu Beginn. der Plot um russischen Organhandel durchscheint, auf den Gerritsen ein Polizist aufmerksam gemacht haben soll, gelingt es ihr, der angehenden Chirurgin Abby zunehmend eine Schlinge um den Hals zu legen. Das Ganze beginnt, als sie sich entscheidet, einem Jungen zu helfen, der ohne Transplantation sterben würde, und die Erfahrung machen muss, dass man sich besser nicht gegen das eigene Krankenhaus stellen sollte, wenn ein reicher Ehemann auf Rache sind. Die Götter in Weiß sind nicht unangreifbar. Auch sie kann man mit fingierten Prozessen überhäufen. Brenzlig wird es erst wenn die Kollegen einen im Regen stehen lassen. Dem Plot fehlt es mitunter an Spannung, erinnert in ihrer Chefetagenkriminalität an Die Firma von Grisham doch die Innenansicht macht das platte Konstrukt wett. So abschreckend, dass man sich ernsthaft fragt, ob man seinen Spenderausweis noch bei sich tragen will. Als Ersatzteillager ohne Einfluss wandert eine Niere schon mal in den Müll, wenn sich zu gegebener Zeit kein Abnehmer findet, während vielleicht Herz und Leber auf Wanderschaft gehen. Allein der Gedanke, dass mit einem gehandelt wird, macht die Galle schon unbrauchbar.

4 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Kalte Herzen

Kalte Herzen

von Tess Gerritsen

9,99

Unter Söldnern

Polar aus Aachen , am 14.01.2009

Andy MacNab kennt sich aus. Er entwirft nicht irgendwo einen hochdramatischen Krieg auf der Welt, um unser aller Untergang zu beschreiben. Er zeigt das Sterben im Schatten, dort wo niemand hinsehen will. Der Tod versteckt sich in Afrika. Als Stellvertreterkrieg. Wenn MacNab davon erzählt, wie er um Rohstoffe geführt wird, damit die Zulieferindustrie für Handys andere Luxusprodukte weiterhin billige Produkte auf den Markt werfen kann, wird der Bogen überall dorthin gespannt, wo man sich am liebsten hinter Soaps versteckt und gleichzeitig mit dem besten Freund, der besten Freundin zum Flatrat-Tarif telefoniert. Gleichzeitig bekriegen sich in Afrika unterschiedliche Machthaber, teilen ein Land in Süden und Norden auf, kontrollieren es mit Hilfe von unter Drogen gesetzten Kindersoldaten und Minenarbeitern, die ihr Leben fristen. Es gilt, den Einfluss zu sichern. Wird ein Machthaber gestürzt, muss man den nächsten installieren. MacNabs Geschichte verlässt sich dabei auf den Abenteurer Nick Stone, der angewidert von einer misslungen Militäraktion sich ins Privatleben zurückgezogen hat. Wäre da nicht Silke, die sich berufen fühlt, in einem der härtesten Krisengebiete in einem Flüchtlingslager zu helfen, und Stone so in den Konflikt um eine Miene zieht, die Rebellen in die Hand zu fallen droht. Als ehemaliger SAS Agent kennt sich MacNab mit Waffen, mit Militäraktionen und dem Chaos gegenseitigen Abschlachtens aus. An manchen Stellen wuchert das Militärische allzu sehr, auch gehorcht das Ende dem Diktat des Genres, dass die Bösen gerichtet werden müssen, doch verliert der Autor sein Anliegen nicht aus dem Blick, die Not und das Elend von Kindern zu beschreiben, die Hass erfüllt, bewaffnet, blind Schrecken verbreiten und in den eigenen Tod rennen.

1 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Die Abrechnung

Die Abrechnung

von Andy McNab

8,95