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Name:
Uli Geißler Top 100 Rezensent
Ort:
Fürth
Rezensionen:
780 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 288

nicht hilfreich: 80

Rang:
24
Über mich:

lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Uli Geißlers Rezensionen

123

buch

Glow

Ned Beauman

EUR 22,00 *
auf Merkliste

40

20.10.2014

„Superdroge erzeugt Globalisierungskritik”

Superdroge erzeugt Globalisierungskritik
Es dauert, bis man in die skurril-absurde und ungewöhnliche Geschichte über den urbanen Lebensbewältiger, Drogentester und mit merkwürdiger Zirkadianer Schlaf-Wach-Rhythmusstörung behafteten Raf hinein findet. Anfangs will man den abgedrehten Roman vielleicht schon aus der Hand legen, tut aber gut daran, weiterzulesen. Mehr und mehr entfaltet der Autor trotz seiner bisweilen kruden Ideen eine spannende Geschichte.

Raf, der sich an sich am liebsten noch mehr mit seiner schönen Zufallsbekanntschaft Cherish aus dem Londoner Waschsalon befassen oder zumindest bei illegalen Raves herumtreiben würde, gerät in ein unglaublich wildes Entführungs- und Verschwörungsdrama, will er doch mehr über die geheimnisvolle Superdroge „Glow“ herausfinden. Die Verfolgung der weißen Kleinbusse, die Cherish vor seinen Augen entführten, zieht Raf immer weiter in die undurchschaubare Welt des sehr suspekten Minenkonzerns Lacebark, eines Drogenkartells und einer globalen Verschwörung hinein, getrieben immer auch von einem gewissen Anteil aufkeimender Liebe oder zumindest Sehnsucht nach Nähe zu der hübschen Halbburmesin.

Als schließlich Füchse in London auftauchen und Raf feststellen muss, dass diese bei der Produktion von „Glow“ eine Rolle spielen, weicht der erste Gedanke an einen vermutlich durch das Lesen des Buches übertragenen unbemerkten Eigen-Drogengenuss langsam der Erinnerung an den von der Schleichkatze Fleckenmusang produzierten Katzenkaffee „Kopi Luwak“.

Es zeigt sich im Verlauf der verwinkelten Zusammenhänge, dass die unterschwellig in der verrückten und doch höchst anregenden Geschichte auch aufkeimende Globalisierungskritik sich gewissermaßen als „Glow“, also ein sich hinter die Handlung legender Schein entfaltet. So bleibt trotz aller unglaublichen aber doch fesselnder Handlung ein Stück intelligenter Reflexion aktueller Lebensrealität.

buch

Voll eklig!

Bärbel Oftring

EUR 19,90 *
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50

25.09.2014

„Abscheu mit Interesse”

Kinder lernen erst mit etwa vier Jahren, sich vor etwas zu ekeln. Vorher haben sie selten Berührungsängste vor Würmern, Schleim oder unschönen Tierchen. Die so empfundenen unangenehmen Tiere, Gerüche oder Körperausscheidungen haben freilich alle ihre Bedeutung, was nicht heißt, dass man sie deswegen gleich mögen muss.

Die Autorin stellt immerhin 55 eklige Erscheinungen vor und erklärt diese toll illustriert und übersichtlich ansprechend. Dabei erläutert sie immer verständlich, was das anwidernde jeweils ist, woraus es besteht oder wie es dazu kommt, sie stellt interessante Quiz-Fragen, die am Ende des Buches aufgelöst werden, berichtet in den „Aha“-Kästen immer auch sehr neutral Wissenswertes und Nützliches und gibt „Nicht-mehr-ekeln“-Tipps.

Wer sich also mal über Aas, Durchfall, Eiter, Kakerlaken, Körperwürmer, Erbrochenes (Kotze), Schleim, Spinnen, Merkwürdige Insektenmahlzeiten, Zecken und dergleichen mehr informieren möchte, wird in diesem Buch fündig und gut aufgeklärt.
Weil das Buch nicht nur passiv gelesen werden soll, gibt es auch einige Aktivaufgaben. Man kann anhand eines Ekel-Barometers das eigene Empfinden eintragen und es werden Ekel-Experimente angeregt. Mädchen und Jungen wird sicher am besten gefallen, einige der so genannten „Ekel-Rezepte“ zuzubereiten und zum Verzehr anzubieten. Diese Speisen sehen in der Regel gruselig aus, sind aber doch wohlschmeckend und harmlos. Am Ende gibt es auf drei Seiten die Möglichkeit, eine eigene Ekel-Hitparade mittels Ekel-Steckbriefen zu erstellen.

Ein wenig muss die Scheu vor diesem Buch wohl abgelegt werden, dann aber gibt es sehr schnell aufregend interessante, bisweilen sogar witzige, auf jeden Fall aber sehr aufklärende Informationen und geradezu wissenschaftliche Erkenntnisse über das eher verschmähte und selten besprochene, endlich aber einmal aufbereitete Thema.

(c) 9/2014. Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Hammer!

Marvon Weyland

EUR 14,99 *
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40

17.09.2014

„Geniale Sachen selber machen”

Auch ohne viel Geld lässt sich Sinnvolles und Praktisches mit wenig Aufwand selbst herstellen. Es macht Spaß, am Ende einer Tätigkeit tatsächlich ein Produkt, einen Gegenstand in Händen halten zu können. Dieses Buch ermutigt nicht nur auf anregende Weise dazu, sich an ein Werkstück zu wagen, ein interessantes Objekt für sich selbst herzustellen. Auch als Geschenk zu den unterschiedlichen Anlässen eignen sich die von richtigen Fachleuten vorgestellten 33 Gegenstände aus Holz (10), Tierischen Werkstoffen (5), Plastik (4), Metall (6), Ton oder Stein (8). Auch vier spannende elektronische Ideen sind dabei. Bei einigen anspruchsvolleren Dingen muss allerdings auch einmal Material zugekauft werden. Die Anzahl der Vorschläge reicht aus, um ein Jahr lang immer mal wieder kreativ Handgreiflich zu werden.

Jedes Werkstoff-Kapitel beginnt mit einer grundlegenden Übersicht. Werkzeuge werden da beschrieben und ein wenig erklärt, wie man damit umgeht. Auch worauf man aufpassen muss, um sich nicht zu verletzen, wenn man mit Bohrern, Hämmern, Sägen, scharfkantigen oder heißen Materialien umgeht.

Dann folgen die Erklärungen in der Reihenfolge mit nummerierten Fotos der einzelnen Arbeitsschritte dargestellt, wie eine Holzkatze, ein schöne Bilderrahmen, eine tolle Wassermühle, ein praktischer Hocker, ein lässiges Lederarmband oder ein weicher Webteppich entstehen.
Auch wie man schöne Kerzen, coole Armbänder, ein Kuper-Chamäleon oder attraktive Metallgirlanden, Siegermedaillen, ein Knatterboot, gravierte Trinkgläser, Scherbenmosaike, Türschilder aus Ton, eine Schale oder Buchstützen aus Beton und nicht zuletzt eine elektronische Alarmanlage herstellt, kann man leicht erlernen. Ganz hinten im Buch sind viele Vorlagen oder Baupläne abgedruckt, die man auf die Werkstoffe durchdrücken oder übertragen kann. Das erleichtert es bisweilen, die Dinge ansprechend zu gestalten.

Bei einigen Arbeiten ist es allerdings schon gut, jemand um das benötigte Werkzeug und überhaupt um Unterstützung beim Umgang mit Werkstoff und –zeug bitten zu können oder sich etwas erklären zu lassen. Einen wichtigen Hinweis haben die Autorinnen und Autoren auch nicht hervorgehoben – vermutlich, weil er selbstverständlich ist: Es braucht einen geeigneten Arbeitstisch und schützende Unterlagen für das eine oder andere Werkprojekt zum Schutz für das Mobilar und zur nicht zuletzt aus Gründen der Sicherheit für die Handwerkerinnen und Handwerker. Insgesamt ist „Hammer!“ ein Buch für Mädchen und Jungen, die aktiv und eigenständig selbst basteln, bauen und Handwerken wollen und die Möglichkeit dazu erhalten.

(c) 9/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Spielwaren

Camel Up

bisher EUR 24,95 EUR 17,99 *
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50

16.09.2014

„Wüste Höcker Wette”

Kamelrennen gehören zur Wüste, wie die Höcker zum Kamel. In dem diesjährigen „Spiel des Jahres“ gilt es während eines derartigen Lasttierrennens auf das richtige Kamel zu wetten. Wer im Rennverlauf öfter mal richtig tippt, wird am Ende damit das meiste Geld und somit auch das ganze Spiel gewonnen haben.

Auf einem Rundkurs bewegen sich die Besitzerlosen Kamele und werden anhand von Würfeln, welche auf geheimnisvolle Weise aus einer gerüttelten und mit einem kleinen aber gut funktionierenden Auswurfmechanismus versehen heraus kullern. 1-3 Felder kann ein Kamel dann ziehen wobei es auch mal auf den Rücken eines anderen Kamels aufspringt, wenn dieses auf dem jeweiligen Zielfeld steht. Da kann auch mal ein ganzer Kamelturm entstehen.

Als Spielzüge kann man auf den Runden- oder Gesamtsieg eines Kamels wetten, würfeln und aufgrund einer gezogenen Fortbewegungskarte (Farbe) eines der „Wüstenschiffe“ ein Feld weiter ziehen oder auch ein Oasen- oder Wüstenplättchen (+1 Feld / -1 Feld) legen.

Sobald alle fünf Kamele gezogen wurden, endet jeweils eine Runde und es erfolgt eine Wertung samt Auszahlung der Gewinnmünzen oder Ahndung der falschen Reihenfolgevermutungen. Dann geht es in die nächste Wett- und Zugrunde. Sobald ein Kamel die Ziellinie übertrampelt, endet das Wettrennen, die Platzierungen werden festgestellt, entsprechende Wettgewinne ausbezahlt und die Siegerin oder der Sieger des "Camel Cup" gekürt.

Das reizvolle und funktionale Material zeigt gestalterisch schon in die Richtung Familienspiel, was es ohne Zweifel darstellt. Das Spiel gefällt sowohl Älteren, ohne dass es für sie zu kindlich wird und für Jüngere ist der Spaß auch ausreichend gegeben, da das Spiel auch nicht zu komplex oder schwierig ist.

Die geringe Beeinflussbarkeit und der immer präsente Glücksfaktor ist zwar für strategisch denkende Vielspieler wenig motivierend, doch gerade diese unvorhersehbaren Wendungen im Spiel bringen in der Spielrunde oft den Spaß, zumal alles sehr schnell gehen kann, dass Zurückliegende plötzlich doch wieder eine Chance erhalten oder Führende den sicher gewähnten Sieg auf einmal wieder gefährdet sehen.

Das sorgt für ein in der Regel vernehmliches Abwägen und Überlegen, überraschte Ausrufe, kluge Kommentare oder hundertprozentige Vorhersagen, die flugs dann doch wieder mit einem süffisant gelegten Wüstenplättchen hinfällig gemacht werden. Ein bisschen gemein darf sein …

Da im Prinzip bis zu zwei Spielgruppen gleichzeitig mitspielen können (8 Kameltreibende), die Spielregeln einfach sind, das Material geradezu zum Spielen auffordert, eignet sich „Camel up“ fast schon als Partyspiel für die unterschiedlichsten Anlässe. Sehr gute Qualitäten als „normales“ Familienspiel für 3-4 Personen birgt es ohnehin. Also: Auf in die Wüste …

(c) 9/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

buch

Sauerkrautkoma

Rita Falk

EUR 14,90 *
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40

15.09.2014

„Stadtluft für den Landkommissar ”

Normalerweise wird man von der Stadt aufs Land strafversetzt, doch für den Landkommissar Eberhofer aus Niederkaltenkirchen ist das genau anders herum. Er wird wegen guter Leistung in die Metropole beordert, was allerdings nicht heißen soll, dass er dort bleiben wird. Dazu hat er schließlich so gar keine Lust. Nicht mal das über Beziehungen zu seinem alten Spezi Rudi Birkenhofer vermittelte Zimmer ist dem Franz genehm. So pendelt er lieber die Strecke hin und her, zumal daheim ohnehin mehr los zu sein scheint, als in der Millionenstadt – vor allem privat.

Schön skurril kommt die Geschichte dieses Mal in Schwung. Eberhofers Vater und Oma kommen im alten Opel Admiral zu Besuch nach München. Dann wird der Oldtimer auf einmal geklaut und wenig später mit einer schwangeren Leiche im Kofferraum beladen im Dachauer Forst wieder gefunden. Der Franz Eberhofer ist der einzige, der sich des Falls annimmt, da sonst ja niemand zuständig zu sein scheint (besser: will). Dabei zeigt sich schon bald, dass eigentlich ganz andere – private – Herausforderungen Aufmerksamkeit bräuchten: die knisternde Spannung mit der neuen Kollegin in der neuen Dienststelle, der Kampf gegen Susis alten neuen Verehrer Karl-Heinz - der ein alter Schulfreund Leopolds ist – und der sich dadurch ergebene Verlobungsdruck und Hochzeitsdrang sowie nicht zuletzt die Belastung durch den Wiedereinzug seines ungeliebten Bruders Leopold in das elterliche Heim und die gemütliche Landidylle aufgrund dessen Ehekrise.

Wieder einmal gelingt es der Autorin, die heimelig-spannende Welt des ländlichen Verbrechens ansprechend, regional und doch allgemein lesbar darzustellen und durch die Zutaten Großstadt und die sich aufdrängenden privaten Belastungen einerseits so zu bereichern, dass die Serie einen neuen Impuls erhält und eine spannende, realistisch wirkende Geschichte zu lesen ist. Andererseits erscheint das Private dieses Mal aber fast zu intensiv und Detailfreudig erzählt, so dass der Kriminalfall stark im Hintergrund bleibt, was man im Kontext der Serie gerne in Kauf nimmt, als Einzelgeschichte das Genre dann aber doch verblassen lässt.
Wie immer runden ein paar Originalrezepte aus der Region das unterhaltsame Buch gut ab.

buch

Vegetarisch kreativ

Dusko Fiedler

EUR 29,99 *
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50

08.09.2014

„Flottes Gemüse, schnell und richtig gut”

Dieses Buch macht schon beim Durchblättern Lust aufs Kochen und vor allem dann aufs Genießen. Alle Rezepte sind erkennbar erprobt und das Einstiegsinterview mit dem Autor Duško Fiedler lässt auf Erfahrung und Freude beim Kochen schließen. Gute Voraussetzungen, das Nachkochen zu wagen.

Alle Gerichte scheinen mit einer gewissen Leichtigkeit herzustellen zu sein, auch die Zutatenlisten enthalten kaum teure oder extrem exotische Bestandteile. Einzig Walnußöl und Chiliflocken sind als die außergewöhnlichen Zutaten hier zu nennen.

Das größte Geheimnis des versierten Kochs ist sicher seine so einfach wirkende „1-2-3“-Regel, wobei diese Zahlen lediglich Symbole für die Geschmackskombinationen süß/sauer, neutral sowie bitter/würzig stehen. Nachvollziehbar verständlich und übersichtlich durch ausführliche aber geordnete Tabellen erläutert der Autor die Zuordnungen und möglichen Kombinationen von Gewürzen und Kräutern, erklärt, welche Elemente für ein Gericht nötig sind und welche Nährstoffe worin enthalten sind. Beispielhaft zeigt er an einem Gericht auf, auf welche drei unterschiedliche Weise es gekocht und dargeboten werden kann, womit seine 1-2-3-Regel verständlich wird.

Geradezu witzig wirkt die Minimalausrüstung für die leichten Rezepte, denn Topf, Pfanne, Messer und Löffel sind wohl in jedem noch so kleinen Haushalt zu finden. Für die schmackhafte und raffinierte Gemüseküche sind dann allerdings doch noch ein paar Zusatzgerätschaften erforderlich, was jedoch ebenfalls keine allzu großen Probleme darstellen sollte. Auch das Bestücken einer Vorratskammer ist als Empfehlung zu verstehen, sollen die im Buch folgenden Gerichte erfolgreich gelingen.

Alle Rezepte werden in einer Kurzübersicht vorgestellt, verschiedene Kombinationsmöglichkeiten benannt und dann samt Informationsblock mit Zubereitungszeit und Zutaten in einzelnen Arbeitsschritten erläutert. Ein Foto hilft, sich das Ergebnis vorzustellen und regt schon bei der Auswahl den Geschmack an. Für viele Rezepte beschreibt der Gemüsekoch eine „Schnellversion“. Klasse ist auch die Zusammenstellung der optimalen Herstellung der Mahlzeiten in einer Gesamtschau der 15 Gerichte in je zwei Varianten am Ende des Buches. So ist klar, welche Reihenfolge von vorbereitenden Tätigkeiten es in der Küche geben sollte.

Basmati mit knusprigen Feta und Aubergine, Semmelknödel mit Curry, Krosse Kartoffelrösti mit Kräutern auf Apfelpürree, Gnocchi mit Früchten und Paprika, Pfannkuchen mit Gemüse und Nuss, Gebratene Spätzle mit Steckrüben und Cranberrys oder auch Kekse für den Biss und andere Mahlzeiten mehr können nun selbst ausprobiert werden. Übrigens steht zu lesen, dass der Autor auf dem Hamburger Wochenmarkt den „Foodtruck SOSUMI“ betreibt – da lassen sich sicher seine Mahlzeiten mal probieren.

(c) 9/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Göttlich versumpft

Juha Vuorinen

EUR 14,99 *
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0

30.08.2014

„Hirnloses Tagebuch eines Saufkopfs”

Hirnloses Tagebuch eines Saufkopfs

Hatte der Titel noch eine etwas außergewöhnliche, vielleicht banalphilosophische und eventuell sogar lustige Geschichte vermuten lassen, so entpuppte sich das Gelesene schließlich als das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe.

Ein offenbar nicht dauerhaft Beschäftigter hängt zu Hause rum, betrinkt sich im Glauben, das sei ein wesentlicher Leistungserfolg und Alkohol ein Lebenselixier und ergeht sich der Protagonist in aufmunternd scheinendem Selbstmitleid.
Das Ganze mixt der finnische „Autor“ mit einfachen, unter fiktive Tagesdaten gesetzte, Satzfolgen plump angedeuteter Alkoholexzessen und den sich daraus ergebenen Folgen, wobei „K..z.n“ die Kernkonsequenz beschreibt. Ergänzt wird die - vermutlich autobiographische - „Lebenserzählung“ mit dem Versuch, Langeweile und Lebensniederlagen als hervorgehobenes Lebenselixier umzudeuten.

Kern des in kleinste Abschnitte wenig eventuell witzig gemeinter, eher jedoch sinnlos abstruse Handlungssequenzen unterteilten Tagebuchs sind die sich wiederholenden peinlich schlichten Postpubertären und pornographischen Sexualphantasien in eingeschränkt simpler Primitivsprache. Häufigste Begriffe dabei sind „F…..n“, „Sch…z“ und „A…h“.

Es gibt keinerlei Anlass, dieses Buch aus irgendeinem Grund zu empfehlen. Wer Humor sucht, findet Besseren, wer Erotik sucht, findet Anregenderes, wer Lebenserkenntnis sucht, findet Bedeutendere und wer überhaupt ein Buch sucht, findet Besseres.

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40

24.08.2014

„Grundlagen des Selber machens”

Handwerk hat nicht nur goldenen Boden, sondern es befriedigt auch zutiefst das Selbstwertgefühl, wenn man durch eigener Hände Werk etwas Brauchbares oder Nützliches geschaffen hat. Nicht umsonst gehören Baumärkte sicher zu den erfolgreichsten Branchen des Handels.

Ist „Upcycling“ nach dem „Recycling“ sicher ein aktueller Trend, so muss konstatiert werden, dass ein „Selbst-ist-der-Mann“ nicht nur ein Überbleibsel „Genderfreier“ Zeiten darstellt, sondern möglicherweise grundlegend für das „Sachen-selber-machen“ war und ist.

In diesem Buch werden in vierundzwanzig praktischen Kapiteln Frau und Mann in nachvollziehbarer und gut verständlicher Weise vermittelt, wie häufige und alltägliche „Do-it-yourself“-Aufgaben erledigt werden können. Holzbearbeitung und –arbeiten wie Sägen, Verbinden, Leimen oder Verschrauben, Malen und Lackieren, Mauern, Verputzen, Wände bearbeiten, Tapezieren, Fliesen legen oder Elektroinstallationen werden von der Beschreibung des erforderlichen Werkzeugs über die nötigen Vorbereitungen bis zu den einzelnen Arbeitsschritten von Handwerksprofis dargestellt. So lassen sich Schritt-für-Schritt auch komplexere Arbeiten selbst erledigen wie beispielsweise das Anbringen eines Leuchtsystems im Wohnzimmer, das Verlegen eines Laminatbodens, der Ausbau und das Abdämmen des Dachbodens, das Mauern eines Grillkamins, die Befestigung einer Terrassenmarkise oder das Installieren und der Aufbau von Sonnenkollektoren.

Bei aller Leichtigkeit in den Beschreibungen braucht es aber dennoch eindeutig Erfahrung und Handwerklichen Geschick, mindestens jedoch eine gehörige Portion Mut, um die teilweise doch aufwändigen und komplexen Aufgaben fachgerecht in die Tat umzusetzen. Das Buch sorgt gut bebildert und mit zahlreichen ergänzenden Tabellen, Material erläuternden Informationen und detaillierten Beschreibungen einzelner Arbeitsweisen und nicht zuletzt sehr konkreten Tipps aus der Praxis für eine gute theoretische Grundlage. Es ermutigt anhand der dargestellten Beispiele, einiges davon auch selbst in die Tat umzusetzen. Für das konkrete Handeln aber auch Lernen am Modell ist es eindeutig sinnvoll, in Begleitung einer erfahrene Fachfrau oder eines erfahrenen Fachmanns ein eigenes Projekt zu verwirklichen. Mit so einer Absicherung wächst das Vertrauen in die eigene Kompetenz und bald heißt es bei nötigen Aufgaben in Wohnung und Haus: „Do-it-yourself“.

(c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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50

23.08.2014

„Anleitungen zum kreativen Spiel für Kleinkinder”

Mit Kleinkindern zu spielen gehört unwidersprochen und selbstverständlich zur Erziehungsaufgabe von Eltern, Großeltern oder pädagogischen Mitarbeitenden in der Kinderkrippe. Zur Ergänzung eigener Spiel- und Beschäftigungsideen, aber auch, um besser vielseitigere und reflektierte Bildungsangebote machen zu können, gibt es dieses Buch.

Die Autorinnen stellen neben einer knappen Einführung in die Entwicklung der Kinder und den jeweiligen Anforderungen an Bildungsinhalte dar, wie ihr Konzept die jeweiligen Phasen unterstützt. Sie beschreiben, wie die Spieleinheiten vorbereitet, begleitet und abgeschlossen werden können, welche Spielformen umgesetzt werden und welche Materialien sich für das eigenständige Forschen der Kinder eignen. Dieser Ansatz, dass Kinder selbst ihre Erfahrungen machen können und lediglich angeregt und begleitet werden, gefällt.

Besonders wichtig ist der Absatz über die Gefahren der Spielmittel. Da Alltagsgegenstände genutzt werden, greifen bei Produkten der Spielwarenindustrie geltende Sicherheitsstandards nicht, was erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht bei der Bereitstellung von Materialien erforderlich macht. Auf diese Weise entdecken Mädchen und Buben aber frühzeitig, welche Gefährdungen es bei einzelnen Spielmitteln geben kann.

Bevor es dann mit der konkreten Forschungs- und Spielpraxis los geht, folgen noch Erläuterungen zur Struktur der vorgestellten Spielangebote sowie Beobachtungen und Erfahrungen aus der Praxis. Der sich wiederholende Ablauf der Spielphasen findet im Spiel mit knapp über 40 verschiedenen Alltagsmaterialien seine Umsetzung. Die Bildungsmöglichkeiten und Förderbereiche, Pädagogischen Anmerkungen und Hinweise, Voraussetzungen und Vorbereitungen, Material, Motivationstipps, Spielimpulse, Abschluss und weitere Praxistipps sind verständlich verfasst, so dass sie eine gute Grundlage bieten, Kinder zur Entdeckung anzuregen.

Das übersichtliche Material-Register hilft, zu vorhandenen Spielmitteln schnell die passende Seite in dem sehr anregenden Büchlein zu finden und die Literaturliste ermuntert, selbst auch ein wenig weiter zu forschen.

(c) 8/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge

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40

23.08.2014

„So morden sie hoch im Hohen Norden”

Wer dort lebt oder wenigstens schon mal ein paar Tage im Norden der Republik verbracht hat, kann sich schnell hinein versetzen in die Stille der Landschaft, die Gemächlichkeit der Lebensweise und die normalen und doch sehr individuellen Typen und Gestalten in dem kleinen Dorf Fredenbüll in Nordfriesland.

Es gibt mehr dreimal mehr Schafe als Einwohner (176). Kriminalistisch eher Brachland kämpft der einzige Polizist des Ortes wenigstens um das Überleben seiner durch ihn allein besetzten Dienststelle. Wäre es nicht so ein abstruser Gedanke, dann müsste einfach die Kriminalitätsrate ansteigen, dann käme vermutlich niemand in Kiel auf die Idee, die Polizeistelle zu schließen und nach Bredstedt oder gar Husum zu verlegen.

Doch dann ergibt sich für den (über)engagierten Dorfpolizist Thies Detlefsen ein vermeintlicher Entführungsfall, der in der Folge auch noch Mordermittlungen nötig macht. Auf einmal braucht er nicht mehr aus einem toten Schaf einen Anschlag von Ökoaktivisten konstruieren. Eines Tages ist Swaantje Ketels, Gattin des sehr aktiven Versicherungsvertreters Leif Ketels, verschwunden und als kurz darauf ihr heimlicher Geliebter, der Bio-Bauer Jörn Brodersen grausig zugerichtet auf Einzugsschnecke, Messerbalken, Dreschtrommel und Kornschnecke seines Mähdreschers verteilt gefunden wird, ist klar: das Verbrechen ist in Fredenbüll angekommen.

Nun muss Thies sogar Verstärkung aus Kiel anfordern, welche schon bald als die bei Heike, Thies‘ Frau durchaus Eifersucht provozierende, blonde Kommissarin Nicole Stappenbeck im Dorflokal „Hidde Kist“ ein Zimmer bezieht. Das ist für Antje neben ihrer steten Bemühung, ihr Traditionslokal mit ihrer Spezialität „Rote Grütze mit Schuss“ sowie einem erweiterten Speisen- und Getränkeangebot wie „Coffee-to-go“ und überbackenen Weißbrotstangen in die Neuzeit zu führen („Croque Lagune“) auch noch die Chance, als Beherbergungsbetrieb zu bestehen.

Auch wenn die Zusammenhänge und Hintergründe der sich nun drastisch entwickelnden Falles etwas sehr konstruiert wirken, gelingt es dem Autor gut, die Spannung durch die Detailfreudige Beschreibung der Protagonistinnen und Protagonisten und immer wieder neue Wendungen hoch hält. Der Plot ist unterhaltsam und die auch irgendwie witzigen Ereignisse sorgen für gute Unterhaltung.

(c) 8/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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