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Uli Geißler aus Fürth Unsere Top-Bewerter

Gesamte Bewertungen 297 (ansehen)


Über mich:
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Bewertungen

 
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Wahrheiten zu fiktiven Spekulationen

Uli Geißler aus Fürth , am 15.03.2016

Die Idee scheint gut: ein Zeitungsprojekt soll letztlich als Verhandlungsmasse für die eigene Karriere des eher fadenscheinigen Verlegers und Herausgebers Vimercate – mit nur wenig Phantasie als Silvio Berluscconi zu identifizieren - dienen. Chefredakteur Simei soll Nullnummern mit Enthüllungen und Bloßstellungen über mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten verfassen, welche dann durch erpresste Unterlassungsforderungen den Zugang in die Welt der bedeutenden Medienmacher, vor allem aber in höchste politische Kreise ermöglichen sollen. Eine perfide Idee, welche durchaus einen gewissen Lesereiz ausstrahlt.

So entwickelt der bislang nur mäßig erfolgreiche Journalist Colonna unterstützt von seinem Kollegen Braggadocio unter anderem eine wohl recherchiert scheinende Fiktion um die Ermordung des Benito Mussolini – als „Mythomane“ bezeichnet – und gleichzeitig arbeitet der „Enthüllungsjournalist“ an einem Buch, welches sich mit dem durch ihr eigenes Handeln versursachten Skandal beschäftigt.

Eine eingestreute Nebenhandlung einer Liebesbeziehung zu seiner Kollegin Maia lässt die Figur des Colonna etwas menschlich glaubhaft erscheinen, doch so wirklich lebendig wird der Roman auch dadurch nicht. Viel zu viel Details, viel zu viel Gerede ohne mitnehmende Dynamik quälen geradezu trotz vieler offenbar gut recherchierter Fakten und belegbarer Wahrheiten aus der Nachkriegsgeschichte. Viele Bezüge büßen allerdings als Bestandteil der erfundenen Geschichte gleich wieder an historischer Qualität ein oder wirken wie erdachtes Beiwerk plötzlich haarsträubend.

An sich ein Medienkritischer, auch ein geradezu satirischer Thriller, verwirkt die verfasste Vielschichtigkeit den Anspruch, „Nullnummer“ sei ein guter Roman. Es fehlt irgendwie der zündende Plot. Die kritische Darstellung eines korrupten Geschehens in der italienischen Gesellschaft gelingt nur bedingt. Es bleibt ein etwas durchwachsenes Gefühl für einen durchschnittlichen Roman.

Nullnummer
von Umberto Eco
3
Buch 21,90

Fragmente von Lebensweisheiten

Uli Geißler aus Fürth , am 16.02.2016

Wer die Romane „Der Riese“ und viel mehr noch „Das Seil“ des Autors gelesen hat, wird erwartungsvoll auch dieses Buch in die Hand nehmen und sich auf außergewöhnlichen Lesegenuss freuen.

Schon nach wenigen Abschnitten weicht die Vorfreude auf ein Eintauchen in eine neue Erlebenswelt dem etwas unruhigen Gefühl, immer nur einen kurzen Blick auf eine Begebenheit werfen zu können und eilig weiterhasten zu müssen.

Eben nur kurze Betrachtungen und Positionen sind es, der Autor weniger als Erkenntnis, denn als Meinung zu willkürlich gewählten Alltagsbereichen, -themen oder –ereignissen zur Disposition stellt. Mal gelingt es ihm humorvoll ein wenig Kulturkritik oder Staunen, ein anderes Mal fast Zustimmung heischend Plattitüden wohlfeil und eloquent formuliert als allgemein anerkannte Erkenntnis zu notieren.

Die kurzen Positionen und fein ziseliert beschriebenen Beobachtungen lassen einen mal schmunzeln, mal widersprechen oder zustimmen. Stets aber gelingt es dem Autor, dass die man als Leser (und sicher auch als Leserin) sich und das selbst Erlebte ins Verhältnis zueinander setzt. So sind seine Texte keine nachhaltig anhaltende Grundlegungen für das Leben, sondern beschriebene Augenblicke und ebenso kurze Empfindungen. Und doch lässt sich ein geradezu selbsttätiges Kopfnicken bei sich selbst wahrnehmen, egal, ob es Zumutungen des täglichen Lebens, der ersten und letzten Dinge, über Kunst und Künstler, Literatur und Schriftsteller, den falschen und unschönen Gebrauch der deutschen Sprache, Sport und Sportler oder einfach vermischte geht.

Das Buch ist sicher kein literarischer Fünf-Sterne-Spitzentitel (siehe demgegenüber die beiden anfangs genannten Titel des Autors), auch ist es in keiner Weise wichtig, doch überflüssig ist es auch nicht, denn es ist anregend, interessant in seiner Mischung der Themen und Wahrnehmungen, humorvoll und geistreich, sprachlich sauber und durchgängig unterhaltsam und Zeitgemäß zudem, folgt es doch dem sicher von Herrn aus dem Siepen unleidigen Trend nach Knappheit. Daher ist es für die Leserinnen und Leser sicher nur eine geringe Zumutung, sich hin und wieder den Kulturkritischen Reflexionen auszusetzen. Wem es zu viel wird, macht einfach das Licht aus und schläft über das Gelesene hinweg.

Das Buch der Zumutungen
von Stefan aus dem Siepen
1
Buch 19,90

Grundlagen zum Einsatz der Olympus Systemkamera

Uli Geißler aus Fürth , am 14.02.2016

In edler Aufmachung reizt das Buch sich vertiefend und ausführlich mit der Spitzenkamera aus dem Hause Olympus zu beschäftigen. Das Inhaltsverzeichnis und die ersten Zeilen nähren die Vorfreude auf neue Erkenntnisse, technische Finessen des besonderen Systems und Hinweise für außergewöhnliche Aufnahmebeispiele.
Ein paar einführende Allgemeinplätze zur Kamera und deren Bedienelementen folgen einige Seiten zu einzelnen Bedienelementen und dann 50 (!) Seiten lang das eher überflüssige Kapitel „Wechselobjektive“, haben diese mit der Kamera nur bedingt etwas zu tun. Wer sich eine „E-M 1“ kauft, wird vermutlich kaum erfahren wollen, dass es unterschiedliche Objektive mit unterschiedlichen Wirkungen gibt.

Das interessanteste Kapitel des Buches - „Grundlagen der Bildgestaltung“ – enttäuscht schon im Titel, denn Grundlagen braucht ein E-M-1-Besitzer sicher auch nicht mehr. Vielmehr sind die unzähligen Besonderheiten und –funktionen der Kamera bedeutend und wie sich die technischen Möglichkeiten der Kamera(software) in außergewöhnliche Aufnahmen umsetzen lassen.

Hier hätte ich mir gewünscht, dass anhand bestimmter Kamera-Einstellungen wirklich besondere Bilder aufgenommen und exemplarisch dargestellt worden wären, so wie es wenigstens einmal auf Seite 139 (Live-Time/-Bulb) ansatzweise nachvollziehbar wird. Die vielfältigen Möglichkeiten des ART-Filters, aber auch anderer Gestaltungseinstellungen hätten umfangreicher Darstellung bedurft. Die gegebenen Tipps haben wenig mit der Spezifizität der E 1 zu tun. Auch die wirklich spezielle Handhabung und Wirkungsweisen des doch außergewöhnlichen AF der Kamera wurden kaum angeschnitten.
Der Eindruck, dass kein einziges Bild tatsächlich mit der E-M 1 aufgenommen wurde, lässt sich aufgrund der teilweise auch ohne Brille erkennbaren schlechten Qualität der Fotos vermuten.

Interessant und doch wieder unpassend sind die kurzen Erläuterungen (Kapitel ist zu hoch gegriffen) zum Olympus-Bildberarbeitungsprogramm „Viewer“, zum Drucken von Bildern oder dem kreativen Tipp, aus digitalen Aufnahmen ein Fotobuch zu gestalten. Also ehrlich – sind OM-D-Nutzerinnen und Nutzer doof ...!?

Das Kapitel „Das bewegte Bild“ verweist auf die Möglichkeit, mit der Kamera auch Videoaufnahmen zu erstellen, enttäuscht aber umgehend mit wenigen Plattitüden und Laienweisheiten, Zeilenfüllenden Willkürlichkeiten zu einem Stativ, einem „Dolly“ (Kamerawägelchen) und ein paar in einem „Glossar“ aufgezählten Fachausdrücken.

Schließlich gibt es 16 Seiten für das Kapitel „Zubehör“, doch leider ist auch das bekannt, dass es für Kamera weiteres Zubehör gibt. Daher tragen die Informationen, Speicherkarten oder einen Akkuhalter für längere Betriebszeiten der Kamera zu nutzen, eine Blitz einzusetzen oder mit einem Unterwassergehäuse abzutauchen, nur wenig zum Erkenntnisgewinn bei.

Es bleibt leider ein schwacher Eindruck des Buches über eine der Top-Kameras auf dem Markt übrig. Das ist umso tragischer, als von dem renommierten Verlag Hochwertiges zu erwarten gewesen wäre. Die erreichte Pole-Position mit dem ersten Buch zur Kamera war offensichtlich eher ein fachlich-inhaltlicher Fehlstart.

Sollte tatsächlich jemand aus Gründen vielleicht unsinniger „Zwischenkäufe“ einfacher oder mittlerer Kameras gleich mit der Spitzenklasse in das Abenteuer Fotografie starten, könnte das oben genannte entsprechende Kapitel zur Bildgestaltung unterstützend wirken, die ersten Aufnahmen hinzubekommen (iAuto). Dann aber wird das Buch vermutlich ebenso wenig genutzt werden, wie die stets unsäglichen pdf-Manuale der Hersteller. Denn mehr als eine etwas aufgelockerte Bedienungsanleitung und ein Werbeprospekt über das Portfolio käuflicher M.Zuiko-Digital-Objektive gibt das Buch leider nicht her.

Olympus OM-D E-M1 fotoguide
von Heiner Henninges
3
Buch 24,95

60 schöne Ideen zum kreativen Tun

Uli Geißler aus Fürth , am 10.11.2015

Selbstgebasteltes als Geschenk oder auch für das eigene Wohnumfeld hat wieder Konjunktur. Da kommt es ganz gelegen, dass dieses Buch 60 tolle Anregungen bietet, aus Papier, Perlen, Modelliermasse oder Holz reizvolle Deko-Objekte herzustellen. Für die unterschiedlichsten Geschmäcker lassen sich Anleitungen finden.

So kann man witzige Blumenstecker, eine wohlriechende Grußkarte, fröhliche Türschilder oder lustige Erdmännchen, glitzernde Schmuckstücke oder Aufstellfiguren, Geschenkanhänger, Aufbewahrungsdöschen, ein praktischer Serviettenkasten, Holzobjekte als Zaun- oder Gartenschmuck, Schlüsselanhänger oder Vogel-Nistkästen nachbasteln.

Vor aller Werkelei sollte man jedoch die erst am Ende des Buches zu findenden Allgemeinen Anleitungen zum Umgang mit den Werkstoffen samt erläuternder Illustrationen betrachten und sich aneignen. Da wird dargestellt, wie die Papiermotive gestaltet oder auch plastische Effekte erzeugt werden können oder wie die Aufsteckreihenfolge für die Papiersterne vorzunehmen ist. Weiter wird gezeigt, wie die Perlen aufzufädeln und die Bänder zu verknoten sind, damit die Ergebnisse stimmen, Hilfen für die verschiedenen Muster dargestellt, das Modellieren erklärt, wie Salzteig hergestellt wird und wie er zu bearbeiten oder was bei der Holzbearbeitung zu beachten ist. Abschließend finden sich für alle Beispiele im Buch die Vorlagen zum Durchpausen oder Abschauen.

Jeder Bastelvorschlag ist großzügig auf einer Doppelseite mit großformatigen Farbfotos und nötigen Illustrationen abgebildet, es gibt eine übersichtliche Materialleiste, den Hinweis auf die Größe des Objekts und die passende Vorlagenskizze oder den jeweiligen Vorlagenbogen. Das macht es allerdings gleichzeitig schwerer, völlig frei eigene Ideen umzusetzen, da der Hang, sich sehr eng an die Vorlagen zu halten, doch sehr stark sein wird. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Techniken anhand eines Beispiels vorgestellt und dann aber noch weitere Hinweise zur Entwicklung eigener Gestaltungsideen gegeben worden wären.

Die Motive und Objekte gefallen sowohl Eltern als auch Kindern und das gemeinsame Basteln bereitet auf jeden Fall Freude. Das Buch wird vor allem diejenigen ansprechen, welche möglichst perfekt und getreu den Vorgaben ihre Kreativität umsetzen wollen.

Das ultimative Bastelbuch
1
Buch 12,99

Starke Wirkungen mit dem Objektiv betrachtet

Uli Geißler aus Fürth , am 09.11.2015

Der Fotograf Stefan Hefele lässt wieder mal ein Jahr lang staunen, was für eine grandiose Wirkung doch perfektes Licht erzeugt, selbst bei einem Motiv wie dem Mont St. Michel in Nordwesten Frankreichs. Aber auch das Matterhorn und die zahlreichen namenlosen Landschaften lassen einen kurz innehalten und die Schönheit der Natur in ihrer Farbigkeit und gewissermaßen auch fast mystischen Stimmung aufnehmen.

Mal ist es der Blick über Palmenwipfel auf das dahinter liegende Meer, die Hundskamille vor der Unendlichkeit goldener Weizenfelder, der geradezu unwirklich wirkenden Abendschein vom weißen Sand zwischen schwarzen Felsen hindurch, das zart schimmernde Grün und tauglitzernde Spinnweben im Morgenlicht oder der Blick in die Lichtdurchflutenden Baumwipfel, welche einen tief atmen und ruhig werden lassen.

Zwölf Monate lang wird man immer wieder mit der immer wieder ersehnten Schönheit, Ruhe und geheimnisvollen Wirkung der uns umgebenden Natur in Dialog gebracht. Schön, dass ein Kalender das kann.

Mystisches Licht 2016 PhotoArt Panorama Kalender
1
Kalender 19,95

So hat man die Hauptstadt noch nie betrachtet

Uli Geißler aus Fürth , am 09.11.2015

Stadt- und Reiseführer sind sachlich, informativ und umfangreich voller Daten, Zeiten, Adressen und Nummern. Praktisch und manchmal ein Anker im Trubel der Entdeckungsmöglichkeiten.

Dieser Reiseführer ist das nicht. Es ist ja auch kein Reiseführer, obwohl er von außen ein bisschen so aussieht. Vielmehr ist es ein – naja, irgendwie – Bekenntnis. Das Bekenntnis zur Unzulänglichkeit aber eben auch zur ehrlichen Eigensicht. Objektivität ist hier auf keinen Fall das Ziel des Autors, auch nicht Vollständigkeit.

Es geht vielmehr um einen ganz subjektiven Eindruck über die eigenen Zugänge und Einordnungen dessen, was diese Stadt für ihn ausmacht. Dabei bekommt man ein wenig von dem Hintersinn des Berliner Humors mit, entdeckt die Vorzüge übrig gebliebener Ost-Besonderheiten, bekommt ein Gespür für die jüngere Historie zwischen Zerfall, Hausbesetzungen, Rechtsfreiheit, Traditionalismus und Gentrifizierung, entdeckt ein Insider-Bier und wirklich unbekannte Orte. Die eingestreuten Szene bei der Polizei, die zitierten Sprüche oder die zu jedem vorgestellten Stadtteil-Kapitel angegebenen wenigen „Geheim“-Tipps lassen schmunzeln, letztere schüren die Vorfreude auf das individuelle Erforschen eines ganz anderen Berlins.

All das formuliert der Autor mit einem unterschwellig kabarettistischen Hintersinn ohne unverschämt, herablassend oder albern zu werden und doch hört man das typische Berlinerische zwischen den Zeilen heraus, nimmt die eine oder andere kritische Distanz wahr, ist dankbar für die ehrliche Klarheit und findet am Ende die Stadt trotzdem gut, so wie ist.
Eine schöne Idee sind die über eingestreute QR-Codes abrufbaren Original-Lesungen des Autors, so dass man mit diesem Hybrid-Angebot sich auch mal entspannt zurücklehnen und genüsslich ein Kapitel vorlesen lassen kann.

Das Glossar zum Schluss ist eine hilfreiche Ergänzung für einen nächsten – nun klar vorbereiteten und viel souveräner zu gestaltenden – Besuch unserer Hauptstadt.

Berlin - Satirisches Reisegepäck
von Tilman Birr
1
Buch 12,90

Doppelte Leidenschaft - hilfreich und gut aufbereitet

Uli Geißler aus Fürth , am 05.10.2015

Der leidenschaftlich reisende Fotograf bietet ein sehr Praxisgerechtes Buch für alle, die es ihm gleich tun wollen: die Welt zu entdecken, Motive sehen und in bester Weise fotografisch festhalten.

Klasse ist, dass man den Ratgeber dort aufschlagen kann, wo man sich von einem Thema angesprochen fühlt. Man muss sich also nicht erst mühsam durch die Grundlagen der Fotografie durchkämpfen, bevor man loslegen kann. Die Bedienung der eigenen Kamera hingegen sollte man schon beherrschen, um die vielen Tipps auch beherzigen und umsetzen zu können.

Ein großes Plus sind die jeweiligen aktuellen mehr als 120 Beispielbilder. Es ist einfach schneller und leichter zu verstehen, was da im Text erklärt wird, wenn ich ein Bild in zwei Varianten betrachten und so viel leichter selbst wahrnehmen, kann, weshalb das optimierte Bild besser wirkt – man sieht es einfach. Das ist vielleicht einer der wichtigsten Vorteile dieses Buches.

Die technischen Angaben zu jedem Bild sind nicht nur für Tabellenfreaks interessant, sondern auch ein Hinweis darauf, wie die Kamera einzustellen ist, selbst wenn oftmals zunächst per Automatik fotografiert wird. Durch die Objektiv-, Blenden- und Zeitangaben bekommt man aber doch ein Gefühl dafür, wovon bei einer Aufnahme die Schärfe und Aussagekraft herkommen.

Der erfahrene Fotograf ist ein guter Erklärer, denn wie selbstverständlich und wirklich gut nachvollziehbar kann man anhand seiner für nahezu jede Fotografiersituation erstellte Doppelseite samt oftmals großformatigen Bildbeispielen verstehen, weshalb ein Bild besser aussieht und nach welcher Vorgehensweise es aufgenommen wurde. Die Fotos sind also nicht zufällig, sondern eben begründet gut. Fast wie nebenbei bekommt man mit, wann es sich lohnt, einen Filter einzusetzen, wie ein Foto aufgebaut sein sollte oder welche Perspektive und welcher Standpunkt gewählt werden könnten, um die Bildwirkung zu verstärken.

In die Texte eingestreut finden sich viele Tipps für das Fotografieren auf Reisen und auch Ausrüstungshinweise. Das hätte sicher auch etwas strukturierter in einem eigenen Kapitel oder als Tabelle geschehen können, doch im Fließtext eingearbeitet kommt es einfach authentischer auf die jeweilige Aufnahmesituation bezogen daher. Überhaupt ist das ganze Buch eher ein lehrreiches Gespräch mit einem Fotografierkumpel denn ein lexikalisches Lehrbuch. Es ist, als wäre man mit dem Autor unterwegs – was man übrigens auf den von ihm angebotenen Fotoreisen tatsächlich machen kann – und lernt ganz nebenbei alles, was man zum Fotografieren braucht oder einiges zu dem schon Bekannten hinzu. Der sehr ausführliche Stichwortindex lässt kaum ein Thema aus und führt schnell zur gewünschten Erklärung.

Das Buch eignet sich sowohl für Fotografieranfänger/innen als auch für schon erfahrenere Lichtbildner/innen, welche sich und vor allem ihre Aufnahmen auf Reisen oder auch daheim verbessern wollen.

10/2015, Redaktionsbüro Uli Geißler, Freier Journalist und Fotograf, Fürth/Bay.

Die Fotoschule in Bildern. Fotografieren auf Reisen
von Stefano Paterna
2
Buch 34,90

Business-Plan tödlicher Intrigen

Uli Geißler aus Fürth , am 05.10.2015

Bislang glaubte ich wohl sehr naiv, dass es zwar schärfsten Wettbewerb zwischen Unternehmen und Konzernen gibt, dass Korruption und andere Machenschaften durchaus üblich sind, aber ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass es so etwas Bösartiges gibt, wie Firmen, deren einziges Geschäftsmodell ist und dieses zudem auch noch genutzt wird, andere Firmen zu diskreditieren, in den Ruin zu treiben, komplette zu vernichten und dabei auch Mord als Option einkalkuliert wird.

Mag sein, dass das auch nur der von den politischen Ereignissen der späten 90er-Jahre befeuerten Phantasie des inzwischen Global-Writer Jussi Adler-Olsen entsprang, aber immerhin nimmt er einen in diese krude Geschäftsidee so hinein, dass man zunächst angeregt seiner beschriebenen Wirklichkeit folgt.

Die Geschichte müht sich dann allerdings labyrinthisch und verwirrend durch zahlreiche Handlungsstränge von der touphen Halbindonesierin Frau aus problematischen Milieu, geheimnisvollen magischen Püppchen aus Indonesien, skrupellosen Geschäftsleuten und Erpressern über die halbherzige Pflege einer Exgeliebten, den Machtkampf zweier Halbbrüder, Liquidierungspläne gegen eine kuwaitische Ölfirma um nachrangig Saddam Hussein zu schaden und dessen Kampf gegen die Kurden einzudämmen, die zaghaften Liebeständeleien zwischen dem niederländischen Chef des Vernichtungsunternehmens Peter de Boer und besagter von ihm einer Laune folgend als Trainee eingestellten und völlig unglaubwürdig gleich mit höchst brisanten und gefährlichen Aufgaben betrauten Indonesierin Nicky Landsaat bis hin zu irakischen und israelischen Geheimdienstaktivitäten nach dem Absturz einer El-Al-Maschine samt höchst tödlicher Fracht bis hin zum geradezu romantischen Finale.

So abstrus die Auflistung der wesentlichen Bestandteile des Thrillers auch sein mag, das Buch ist trotz hinzunehmender Längen unterhaltsam und in Teilen spannend. Allerdings – und das ist die Hauptkritik – addieren sich die etwas dick aufgetragenen Zusammenhänge der Geschichte wenig glaubhaft und es gelingt dem Autor nur sehr bemüht, das Ganze in einer gemeinsamen Beziehung zueinander zu fassen.

Redaktionsbüro Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

TAKEOVER. Und sie dankte den Göttern ...
von Jussi Adler-Olsen
7
Buch 19,90

Umkehr zum gefährlichen Überlebenskampf

Uli Geißler aus Fürth , am 26.09.2015

Der erfolgreiche und geschickte Taschendieb Marco hat es gelernt, im Dschungel der Großstadt zu überleben, nicht zuletzt durch Unterstützung und Anleitung seines kriminellen und skrupellosen Onkels Zola, Chef eines Roma-Clans. Als dieser ihn allerdings für bessere Bettelergebnisse verkrüppeln will und Marco auf seiner Flucht in einem schnell gegrabenen Erdloch eine Leiche entdeckt und zudem erkennt, dass auch sein Vater mit diesem verscharrten toten Mann zu tun hat, reift ein neues Lebensziel in ihm. Er vollzieht eine innere Kehrtwende, will herausfinden, was sein Vater mit dem Toten zu tun hat und außerdem möchte der Fünfzehnjährige künftig ein ehrliches Leben führen. Gleichzeitig will er aber nicht in den Fokus der Gesetzeshüter geraten, da seine doch kriminelle Vergangenheit ihn schnell hinter Gitter bringen könnte. Der Hass seiner bisherigen Kumpane auf ihn als Unsicherheitsfaktor und vielleicht sogar Verräter kanalisiert sich in einer gnadenlosen Jagd auf ihn an deren Ende seine Tötung stehen soll.

Carl Mørck und sein Team Rose, Assad und Student und Hospitant Gordon versuchen Licht in das Ganze zu bringen. Dabei entdecken sie nicht nur durch Roses Aufmerksamkeit eher zufällig einen interessanten Vermisstenfall, welcher sich im Verlauf des Kriminalromans mit Marcos gefundener Leiche sowie den undurchsichtigen Verbindungen von Politikern zu einem Entwicklungshilfe-Projekt in Kamerun, aber auch zur Kopenhagener Unterwelt für das Ermittlerteam mehr und mehr verknüpft. So liest man doch angespannt weiter, um erfahren, wie denn nun alles zusammenhängt.

Die sich ergebenden mehreren Handlungsansätze der Recherche und gleichzeitig Flucht Marcos, des in Panik geratenen Politikers und dessen eigenen Häscher, aber auch der am korrupten und mörderischen Vorgehen beteiligten Verantwortlichen der Hilfsorganisation sorgen bisweilen für einen etwas unscharfen Plot. Auch wenn alles miteinander zu tun hat, ist es nicht immer einfach, der Geschichte zu folgen, was nicht zuletzt durch Komplikationen mit Carl Mørcks Vorgesetzten Lars Bjorn in der Dienststelle oder auch seine privaten Beziehungsprobleme unterstützt wird. Manchmal scheint es, dass der Autor etwas verkrampft Privates und Persönliches einstreuen wollte, um den Unterhaltungswert seiner Geschichte zu erhöhen, was jedoch die Glaubhaftigkeit der Vorgänge etwas strapaziert.

Insgesamt bereitet das Buch durchaus flüssiges Lesevergnügen und unterhält spannend. Im Vergleich zu den bisherigen Bänden um den Leiter des Sonderdezernats Q Carl Mørck fällt es etwas ab. Betrachtet man das im Gesamtzusammenhang des Lebens und Arbeitens eines Ermittlers könnte das als eine völlig normale Ermittlererfahrung eingestuft werden, denn nicht jeder Fall ist gleich Nervenzerfetzend aufregend. Insofern war das ein im Bewertungsraster eher ein 3-von-5-Sterne Fall.

Erwartung
von Jussi Adler-Olsen
19
Buch 19,90

Zugüberfall als Zeitvertreib

Uli Geißler aus Fürth , am 24.09.2015

Im so genannten Wilden Westen sind scheinbar immer noch die alten Dampfbetriebenen und sich mit schrillem Pfeifsignal ankündigenden historischen Lokomotiven samt klappriger Waggons durch wüste Landstriche zuckelnd mit oftmals wertvoller Fracht unterwegs.
Die logische Konsequenz vergangener und auch heutiger Tage scheint daher ganz klar die Überfalllust marodierender Banditenbanden zu sein und so ist es auch das Ziel in diesem „Spiel des Jahres“, genau das – allerdings im Wettstreit mit anderen Gaunerbanden - zu versuchen.
Das erste Vergnügen beginnt mit dem Eintauchen in die Welt des alten Amerikas, in dem ein dreidimensionaler Papp-Zug zusammengesteckt und mit der späteren „Beute“ (Geldsäcke, Edelsteine und Geldkassette) beladen werden muss. Klar gewinnt am Ende schließlich, wer am das meiste Geld ergattern konnte.
Mittels Aktionskarten bewegen in insgesamt fünf Runden alle Mitspielenden ihre Gaunerfiguren durch den Zug, nehmen Beute auf, prügeln sich oder schießen auf gegnerische Räuber oder vertreiben diese und erschweren deren Handlungsmöglichkeiten. Dabei ist etwas Vorausplanung nötig, denn anhand von Rundenkarten sind einige Rahmenbedingungen zum Ausspielen der Aktionskarten festgelegt. Der Reihe nach werden dann die vorgeplanten Spielzüge durchgeführt und dabei kommt es durchaus zu einigen Überraschungen, wenn beispielsweise bei einer Tunnelfahrt plötzlich geschossen wird, der Marshall auftaucht oder eine wilde Schlägerei beginnt.
Interessant sind auch die Sonderfähigkeiten der einzelnen Spielerfiguren, welche taktisch im Spiel eingesetzt werden können.
Wer gerne etwas taktischer spielen möchte, kann die entsprechende Spielvariante anwenden. Das Zweierspiel ist zwar möglich, allerdings müssen dabei je zwei Spielfiguren geführt werden, was eher etwas unübersichtlich wird und zudem nur in der taktischen Variante gespielt werden kann und somit der Spielspaß etwas eingeschränkt wird.
Das sehr atmosphärische Spiel ist mit sehr stimmigen und schönem Material ausgestattet. Die pfiffige Spielregel sorgt für ein spaßiges Spielerleben mit hohem Wiederspielreiz und hebt „Colt Express“ aus der Masse des aktuellen Spielejahrgangs hervor, was zu recht mit dem Hauptpreis „Spiel des Jahres“ gewürdigt wurde.

9/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Colt Express - Spiel des Jahres 2015
von Christophe Raimbault
3
Spielwaren 21,99 bisher 24,95

 
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