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Name:
Buechermaxe Top 100 Rezensent
Ort:
München
Rezensionen:
416 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 296

nicht hilfreich: 156

Rang:
73
Über mich:

habe beruflich mit dem Thema Buch zu tun ... und lese sehr viel und gern. Ich freue mich auch auf eine Email, gerne mit Anregungen, Hinweisen, Kritik usw.

Buechermaxes Rezensionen

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auf Merkliste

50

02.09.2010

„Eine Reise auf hohem gesellschaftspolitischen und literarischem Niveau nach Masuren.”

Das Buch beschreibt in leidenschaftlicher Sprache die Reise des Autors nach Masuren, in die ehemalige Heimat seiner väterlichen Vorfahren, zeigt anhand einer bürgerlichen Familie, was dort geschehen ist in Aspekten von derem Leben über viele Jahrhunderte. Er tut dies in der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, mit Kaiserreich, zwei Weltkriegen und dem Nationalsozialismus. Das Buch ist insofern historisch und gesellschaftspolitisch ausgerichtet, sehr leidenschaftlich und bestimmt. Dabei ist es eingebettet in eine Fülle literarischer Bezüge, in Darstellungen und Auseinandersetzungen zeitgenössischer Literatur, z.B. am Buch Christa Wolfs über Günderode und Kleist, an einer Nachdenklichkeit anlässlich der Wolfsschanze über Graf Stauffenberg, den feudalen Attentäter, am Irrewerden Kleists an seiner eigenen preußisch geprägten Zeit.

So schlägt das Buch einen großen Bogen und zeigt Ideen und Gedanken auf, die wichtig sind, wenn man Deutschland aus seiner Geschichte heraus verstehen will, seinen Weg nach 1945 zur Verwirklichung demokratischer Werte in einer republikanischen Zukunft, um nicht selbst an diesem Land und seiner tragischen Geschichte irre zu werden.

Das Buch hat mir sehr viel Nachdenkenswertes aufgegeben. Es ist nicht leicht zu lesen, aber es lohnt sich. Denn der Autor hat seinen Lesern viel aufgegeben. Er hat es sich selbst - und seinen Lesern nicht leicht gemacht. Eine anspruchsvolle Lektüre also erwartet ihn. Aber die lohnt sich!

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50

07.02.2010

„Globalisierung und europäische Kultur - ein Wanderbericht ins Herz europäischer Kultur, von München nach Prag”

Motto des Buchs: "Im Wesen des Herzens liegt Seele - und jener Quell, aus dem die Verwandlung der Welt entspringt"

Dieses Buch "Zu Fuß von München nach Prag" mit dem wunderschönen Motto "Im Wesen des Herzens liegt Seele - und jener Quell, aus dem die Verwandlung der Welt entspringt" setzt das erste Buch des Autors mit dem Titel "Zu Fuß von München nach Venedig" fort. Während im ersten Buch der Karrierist Dr. h.c. Franz von Frömeling durch die Liebe zu einer faszinierenden Frau beginnt, sein Leben von Grund auf zu überprüfen, es grundsätzlich zu ändern, indem er auf seinem Fußweg nach Venedig beginnt, ein neues Selbstverständnis in der Liebe zur Natur und den Menschen zu suchen, öffnet er in diesem Buch "Zu Fuß von München nach Prag" seinen Sinn für die eigene Heimat und Herkunft, für sein Salz der Erde.

Er öffnet sich auf seinem Weg nach Prag seinem eigenen Herkommen, seiner Geschichte in Bayern und Böhmen, in München und Prag. Frömeling erfährt sich in den Linien seines familiären Herkommens als geschichtlichen Menschen, also als echten Mitteleuropäer, der nach den katastrophalen kollektiven Erfahrungen seiner Vorväter im 20. Jahrhundert auf dem Hintergrund der eigenen Globalisierungsprobleme ein eigenes, neues Selbstverständnis zu finden sucht.

Frömeling begibt sich am Beispiel der Kultur- und Residenzstadt Prag in die Geschichte dieses Kontinents, erfährt und erleidet sie nochmals an sich und fragt nach den eigenen Wurzeln, nach jenem Herkommen, in dem sich die Vielfalt der europäischen Menschen und Kulturen als gemeinsame zukunftsfähige Erfahrung verbindet.

Das Buch ist auf dem Hintergrund einer scharfen Kritik an der Globalisierung eine Hommage an Europa, ein Versuch, sich angesichts globaler Chancen und Risiken über die Erwartungen und Möglichkeiten für ein gemeinsames Europa der kleinen und großen Völker und ihrer Kulturen und Traditionen besser bewusst zu werden.

Ob dieser Versuch des Autors gelungen ist, ob in diesem Buch nur allein schon die richtigen Fragen dazu gestellt werden, muss jeder, der das Buch liest, für sich selbst entscheiden. Jedenfalls kann dieses Buch zu größter Nachdenklichkeit über das eigene Selbstverständnis beitragen, nicht nur als Europäer und über Europa selbst. Und allein das ist ein großer Gewinn! - ganz abgesehen davon, dass es ein schöner Wanderbericht in schöner Sprache und mit sehr schönen Bildern ist.

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