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Buechermaxe aus München

Gesamte Bewertungen 127 (ansehen)


Über mich:
habe beruflich mit dem Thema Buch zu tun ... und lese sehr viel und gern. Ich freue mich auch auf eine Email, gerne mit Anregungen, Hinweisen, Kritik usw.

Meine Bewertungen

Globalisierung und europäische Kultur - ein Wanderbericht ins Herz europäischer Kultur, von München nach Prag

Buechermaxe aus München , am 07.02.2010

Motto des Buchs: "Im Wesen des Herzens liegt Seele - und jener Quell, aus dem die Verwandlung der Welt entspringt"

Dieses Buch "Zu Fuß von München nach Prag" mit dem wunderschönen Motto "Im Wesen des Herzens liegt Seele - und jener Quell, aus dem die Verwandlung der Welt entspringt" setzt das erste Buch des Autors mit dem Titel "Zu Fuß von München nach Venedig" fort. Während im ersten Buch der Karrierist Dr. h.c. Franz von Frömeling durch die Liebe zu einer faszinierenden Frau beginnt, sein Leben von Grund auf zu überprüfen, es grundsätzlich zu ändern, indem er auf seinem Fußweg nach Venedig beginnt, ein neues Selbstverständnis in der Liebe zur Natur und den Menschen zu suchen, öffnet er in diesem Buch "Zu Fuß von München nach Prag" seinen Sinn für die eigene Heimat und Herkunft, für sein Salz der Erde.

Er öffnet sich auf seinem Weg nach Prag seinem eigenen Herkommen, seiner Geschichte in Bayern und Böhmen, in München und Prag. Frömeling erfährt sich in den Linien seines familiären Herkommens als geschichtlichen Menschen, also als echten Mitteleuropäer, der nach den katastrophalen kollektiven Erfahrungen seiner Vorväter im 20. Jahrhundert auf dem Hintergrund der eigenen Globalisierungsprobleme ein eigenes, neues Selbstverständnis zu finden sucht.

Frömeling begibt sich am Beispiel der Kultur- und Residenzstadt Prag in die Geschichte dieses Kontinents, erfährt und erleidet sie nochmals an sich und fragt nach den eigenen Wurzeln, nach jenem Herkommen, in dem sich die Vielfalt der europäischen Menschen und Kulturen als gemeinsame zukunftsfähige Erfahrung verbindet.

Das Buch ist auf dem Hintergrund einer scharfen Kritik an der Globalisierung eine Hommage an Europa, ein Versuch, sich angesichts globaler Chancen und Risiken über die Erwartungen und Möglichkeiten für ein gemeinsames Europa der kleinen und großen Völker und ihrer Kulturen und Traditionen besser bewusst zu werden.

Ob dieser Versuch des Autors gelungen ist, ob in diesem Buch nur allein schon die richtigen Fragen dazu gestellt werden, muss jeder, der das Buch liest, für sich selbst entscheiden. Jedenfalls kann dieses Buch zu größter Nachdenklichkeit über das eigene Selbstverständnis beitragen, nicht nur als Europäer und über Europa selbst. Und allein das ist ein großer Gewinn! - ganz abgesehen davon, dass es ein schöner Wanderbericht in schöner Sprache und mit sehr schönen Bildern ist.

Zu Fuß von München nach Prag
von Burkhard Wittek
(1)
Buch 19,80

Ressentiment, Ausgrenzung und Zerstörung - beginnend im kleinen Alltäglichen.

Buechermaxe aus München , am 07.02.2010

Das Buch der Amelie Fried über das Schuhhaus Pallas in Ulm der 30er und 40er Jahre ist ein erschütterndes Zeugnis der alltäglichen Zurücksetzung, perfiden Benachteiligung und systematischen Verfolgung von Menschen, die aus fadenscheinig ideologischen Gründen zum Sündenbock gemacht werden sollen.

Ich habe mich bei dem Buch immer wieder gefragt, warum das so ist, wozu dieser Sündenbock gebraucht wird, warum im Dritten Reich gerade die jüdische Bevölkerung - und konnte es nicht begreifen. Aber das Buch zeigt für mich, wie der Mechanismus funktioniert, wie der Mitläufer und kleine Täter nolens volens mithilft, das große Rad einer negativen Geschichte mehr und mehr anzutreiben. Das Buch zeigt deutlich, worin die Mitschuld und Verantwortung aller liegt, die nach eigener Aussage mitmachen mussten, also mitgemacht haben, weil sie den sog. Sachzwängen nicht ausweichen konnten; die aber vielleicht gestoppt werden (wie hier im Buch) von Personen, die mutig sind, sich konfrontieren, die die Stirn bieten. Vielleicht zeigt das Buch, warum auch wir heute noch in vielen Punkten mitmachen, warum wir uns nicht konfrontieren, sondern es uns als Sachzwang vorkommt, was wir tun, was wir glauben tun zu müssen.

Das Buch ist für mich ein Appell an den zivilen Ungehorsam, an die Courage des Bürgers als Demokrat - und eine deutliche Studie, wie Ausgrenzung, Verfolgung und systematische Vernichtung von jedem Punkt einer politisch-gesellschaftlichen Maschinerie aus funktionieren kann; noch heute.

Das Buch wird damit zu einer Mahnung an die Menschlichkeit, an die Verantwortung jedes einzelnen mitzuhelfen, im eigenen Umkreis für die Zukunft solches in jeglicher Hinsicht zu verhindern. Genau in diesem Sinne ist mir dieses Buch sehr sehr nahe gegangen. Ich kann dieses Buch daher jedem ausnahmslos empfehlen, der wissen will, wie schon im Kleinen falsche Wege entstehen, die bis zur Zerstörung von Existenzen, ganzen Lebensgrundlagen führen.

Schuhhaus Pallas
von Amelie Fried
(2)
Buch 8,95

Deutsche zwischen Drang nach Osten und der Furcht vor den Horden aus dem Osten

Buechermaxe aus München , am 07.02.2010

Für die Deutschen war der Osten immer mehr als eine Himmelsrichtung gewesen, mehr als der Ort, wo die Sonne aufgeht und sie den Anfang in ihrem Lauf über den Tag bis zum Untergang im Westen nimmt. Der Osten war für Deutsche über viele Jahrhunderte Feindbild und Traumland zugleich, ein Land der Verheißung und der Angst.

Und das Buch erzählt heute wieder eine Geschichte von diesem fernen Land im Osten, das nach wie vor ideologisiert wird als Region des Bedrohlichen, von wo der islamistische Terrorismus, der Jihadismus herkommt oder wo der russische Bär, der chinesische Drachen wieder im Erwachen ist. Wippermanns Buch zeigt anhand deutscher Ängste der Vergangenheit, wie solche der Zukunft vermieden oder bewältigt werden können. Er hält uns den Spiegel vor, indem er in Bildern aus Fakten und Tatsachen dem Leser die Möglichkeit verschafft, die Dinge zu sehen, wie sie sind.

Das Buch hilft, einen unverstellten, klaren Blick auf den Osten, auch die durch Flucht und Vertreibung verloren gegangenen deutschen Ostgebiete zu werfen. Einen, der den Weg in eine unverkrampfte, unideologisierte Zukunft der Gemeinsamkeiten der europäischen Völker und Kulturen ebnet. Insofern ist dieses Buch ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem gemeinsamen, unverstellten Europa, geschaffen auf dem Untergrund eines nüchternen Blicks.

Die Deutschen und der Osten
von Wolfgang Wippermann
(1)
Buch 19,90

Terrorismus und politische Veränderung  links-romantisches Pop-Idol oder Jeanne d'Arc des Kalten Kriegs

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Die Edelgrüne Jutta Ditfurth zeichnet in ihrer Biografie zu Ulrike Meinhof das menschliche Bild einer Person, die zu einer ideologisch fehlgeleiteten Top-Terroristin der Alt-Bundesrepublik wurde. Ditfurths Buch mit seiner tiefgründigen sowie kenntnis- und detailreichen Recherche erlaubt ihr, mit Leichtigkeit Fakten in bisher nicht geahnter Breite und Tiefe zu präsentieren und ein Gesamtbild zu schaffen, das mehr Wert auf die menschlichen Seiten dieser Person auf dem Hintergrund zeithistorischer Fakten legt.

Aber Ditfurth lässt für mich zu wenig sehen, wo die wirklichen Abgründe der Ulrike Meinhof liegen, wo Fakten, Wirklichkeiten und falsche faktische Wirklichkeitswahrnehmung auseinander driften und einleiten, was der Deutsche Herbst auch bedeutete. Sie schafft aufgrund ihrer Detailverliebtheit und detailversessenen Erzähltiefe eine Vermischung von Fakten und Interpretationen, die für den Leser nicht mehr auseinander dividierbar ist. Man hat keine Chance zu prüfen, ob Ditfurth beschreibt oder interpretiert. Man sieht nicht mehr, in wieweit ihr Bild der Wirklichkeit (Ditfurth und Meinhof) mit der Wirklichkeit selbst übereinstimmt: Ob sie aus der beschriebenen Person ein Pop-Idol und eine edle Jeanne d'Arc des Kalten Krieges macht oder stets streng an den verlässlichen oder weniger verlässlichen Fakten entlang beschreibt.

Daher ist dieses Buch für mich viel mehr eine links-romantische Idealisierung einer Person, die weniger ein Idol, als eher ein persönlich und sozial schwieriger Mensch war, der Versuch einer Vermenschlichung, in der eine Schreibtischtäterin zur Gewaltmaschine wird und alles Maß für die politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten verloren hat.

Mir erscheint daher Ditfurths Buch zu Ulrike Meinhof als simplifizierend und beschönigend. Beschönigend in dem Sinne, dass dieses Buch leider nicht tut, was es aufgrund seiner Fakten- und Recherchetiefe tun könnte: zu zeigen, wo die Mechanismen liegen, die von einer falschen Weltwahrnehmung zu einem Umschwung in eine falsche Ideologie und schließlich einen nackten Terrorismus führen.

Daher halte ich das Buch für lesenswert, wenn man sich dafür interessiert, was damals geschah, wenn man sich für die Person Ulrike Meinhof interessiert, um sie irgendwo zwischen Biografien zu Kleopatra und Diana einzuordnen. Aber für die wichtigen Fragen unserer Zeit, zu Globalisierungsgefahren und weltweit eskalierendem Kapitalismus und Terrorismus gibt dieses Buch leider keine Antworten oder Hilfen. Daher ist dieses Buch für mich eine verpasste Chance.

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Ulrike Meinhof
von Jutta Ditfurth
(2)
Buch 9,95

Der Canossagangs als Wegscheid für die abendländische Entwicklung in Gesellschaft und Politik

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Weinfurter verbindet fachwissenschaftliche Meisterschaft mit der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zum Mittelalter und dem Ringen um feudal und religiös orientierte weltliche Macht in eine spannende und mit vielen Fakten ausgefüllte Erzählung zu gießen. Im Kern geht es ihm darum, die Scheidung von weltlicher und religiöser Macht im Abendland verständlich zu machen, die ein wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte Europas werden sollte. Und damit liefert dieses so kenntnisreiche Buch einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte des modernen Denkens in der Neuzeit aus den für viele doch noch offenen, ungeklärten Verhältnissen des Mittelalters heraus.

Die Spitze dieses Streits zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. markiert der Canossagang, der wegen der Exkommunikation des Herrschers mit dessen Unterwerfung in Canossa unter den Willen des Papstes endete und damit mit der Teilung der Macht im gesamten römischen Erdkreis zwischen Papsttum und weltlichen Herrschern, in Religion und Politik. Der Canossagang wurde somit zum entscheidenden Ereignis zur Trennung von weltlicher und religiös orientierter Macht für die den folgenden Jahrhunderte. Auf ihr basiert die Prosperität Europas, die die unteren Stände in Machtfragen souveräner und damit die politischen Machtverhältnisse zwar schwächer, aber auch entwicklungsfähiger machten. Nur dadurch konnte über einen Zeitverlauf von vielen Jahrhunderten der Weg zur Entwicklung demokratischer Lebensverhältnisse geöffnet werden.

Weinfurter hat mit diesem Buch auf dem Hintergrund seines einzigartigen Fachwissens eine spannende Geschichte der Anfänge politischen Denkens im Abendland geschrieben. Eine Geschichte, mit der erst viele Folgen in der abendländischen Geschichte, von denen wir oft als einfach Gegebenem und Vertrautem in Gesellschaft und Politik ausgehen, nicht wirklich verständlich wäre. Daher muss dieses Buch in jeder Weise denjenigen empfohlen werden, die an tiefergehender Einsicht in das Warum der abendländischen Gesellschaftsformen interessiert sind. Dieses Buch ist für alle an abendländischer Religions- und Politikgeschichte Interessierten ein absolutes Muss, nicht nur wegen seiner spannenden Erzählweise in einer einzigartigen Sprachlichkeit und Durchführung. Ich jedenfalls habe dieses Buch sehr genossen.

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Canossa
von Stefan Weinfurter
(1)
Buch 19,90

Ein liebender Mann - ein schreibender Mann

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Martin Walser bleibt seinem Altersthema treu. Der vermeintliche Nationaldichter übt sich weiterhin in literarischer Einsilbigkeit und zeigt, dass ihm nicht mehr einfällt, als er schon (fast) immer getan hat: die senile Liebe zu den zu jungen Frauen literarisch zu fassen.

Doch diesmal nimmt er sich eines fast per se schon literarischen Themas an: Der Altersliebe des Nationaldichters Goethe. Mir scheint, dass er dabei zu hoch ausgreift und zu tief ansetzt: sprachlich wie bildlich. Ich hätte Walser mehr literarische Größe zugetraut. Aber sein Buch bleibt im Mainstream dessen zurück, was man von ihm kennt. Daher ist dieses Buch aus meiner Sicht nicht bemerkenswerter als all die anderen, die er in fast schon larmoyant bissiger Regelmäßigkeit von sich gibt. Ich hätte Martin Walser größeren literarischen Charakter zugetraut, vor allem nach seinem formidablen Buch "Das geschundene Tier", das mir sehr gefiel. Er bleibt aus meiner Sicht hinter seiner ihm möglichen Form zurück.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Ein liebender Mann
von Martin Walser
(2)
Buch 19,90

Emotionale Verwahrlosung - die Psychologie der Sexual- und Ausscheidungsorgane als verkümmerte Bastion emotional gesunden Lebens

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Emotionale Verwahrlosung - oder: Von der Psychologie der Sexual- und Ausscheidungsorgane als letzte, kümmerliche Bastion emotional gesunden Lebens.

Eine junge Frau, Scheidungskind, hat eine bigotte, sinnenfeindliche Katholikin als Mutter und einen gefühlskranken, kalt rationalen Mann als Vater. Sie aber träumt vom Angenommensein, von emotionaler Nähe, von Nestwärme einer intakten Familie, dem Bund fürs Leben dieser zwei ihr dennoch so nahe stehenden Menschen, um selber Bindungsfähigkeit zu erfahren.

Aber da sie spürt, dass das eine gesellschaftliche Norm ist, der sich noch ihre emotionstoten Eltern entziehen, zerstört sie auch den letzten Rest an elterlicher Legitimität, die Mutter und Vater aus dem letzten Rest noch anerkannter Fundamente ihres egoistischen, bürgerlich-sozialen Gefüges sich holen. Sie, die Tochter, korrumpiert diese widersprüchliche Verlogenheit ihrer nächsten Bezugsmenschen zur sexistischen Vergötterung ihrer eigenen Sexual- und Ausscheidungsorgane und zerstört in der Destruktion der elterlichen Doppelmoral neben den allerletzten Resten an Verlogenheit von der familiären Nestwärme auch gleich noch die der weiblichen Schamhaftigkeit, der partnerschaftlichen Monogamie und das ganze eingebildete Sammelsurium an Forderungen nach körperlicher Unversehrtheit durchrationalisierter Hygiene.

Und mehr noch: So wie ihre Eltern als einzelne ihr die emotionale kalte Schulter zeigen, schlägt sie mit äußerst destruktiver Kaltblütigkeit zurück: In ihrer Negation aller sexuellen Hygiene- und Moralansprüche verkümmert sie für sich als letztem und höchstem Identifikationspunkt, den sie noch spürt, zum unhygienischen, schmutzigen Sexual- und Ausscheidungsorgan, sie wird für sich selber der Schmutz, den sie in der verlogenen Doppelmoral der Eltern spürt. Und sie beweist, indem sie sich jedem Mann, der sie will, widerstandslos und selbst sexuell höchst erotisiert hingibt, dass dieses ganze soziale Gefüge selbst moralisch unhygienisch, selbst moralisch nur noch Sexual- und Ausscheidungsorgan sein kann. Sie erniedrigt sich und die, die sie noch wollen, ganz gleich ob Mann oder Frau, darin zum letzten Dreck.

So schonungslos hat bislang niemand die soziale Lage von Jugendlichen, vielleicht sogar die dunklen Niederungen einer Gesellschaft dargestellt wie Charlotte Roche. Ob sie damit recht hat oder gnadenlos überzieht, weiß ich nicht. Jedenfalls kann man dieses Buch so lesen, oder einfach nur als ein verzweifelter Hilfeschrei nach Liebe in einer emotionslos effizient durchrationalisierten Warenwelt, wo Liebe selber zum abstrakten Gut abstrakter Wünsche und Triebe geworden ist, in der Liebe und emotionale Nähe nach dem Prinzip funktioniert, was es kostet, ob man es sich leisten kann - ob man über Macht- und Geldmittel verfügt, die diese Ware Mensch, diese Ware mit Namen Angenommensein, verfügbar halten, noch geben kann. In der es oftmals so sehr an psychischer oder emotionaler, an humanitärer oder kultureller Kraft fehlt.

Das Buch ist aus meiner Sicht eine psychisch-soziale Fallstudie einer Borderlinerin. Sie zeigt in der physisch emotionalen Selbstzerstümmelung die Brutalität eines rationalistischen antiemotionalen Sozialgefüges, die sie an sich selbst zelebriert, in dem sie zum Opfer wird und im Gegenschlag andere zu Opfern macht, zurückschlägt, auch gegen sich selbst. Und gerade deshalb tut dieses Buch, tun seine Schilderungen dem Leser so weh; lösen bei ihm Schmerzen aus, nicht nur Gefühle des Ekels, der Unbehaglichkeit. Ein schonungslos böses, niederträchtig skrupelloses Buch. Und vielleicht liegt darin die einzige Qualität, die es hat.

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Feuchtgebiete
von Charlotte Roche
(133)
Buch 14,90

Adalbert Stifters Romanerzählung Witiko als Historiendrama vom Aufstieg einer mitteleuropäischen Macht

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Der Roman von Adalbert Stifter erzählt die Geschichte des Geschlechts der Witigonen, die im beginnenden Mittelalter den Aufstieg Böhmens und Prags zur zentralen Macht in Mitteleuropa mit ihren südböhmischen Waldleuten mithalfen einzuleiten. Die Romanerzählung aus der Zeit des 19. Jahrhunderts bringt uns viele Aspekte einer naturnahen, wilden Landschaft zurück, eines Aufbruchs aus den Wäldern in eine neue Zivilisation, in den Goldenen Steig oder Salzsteig zwischen Bayerischem und Böhmerwald, in der in romantischer Einkleidung der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zelebriert wird, sein Aufstieg zum Kultur- und Zivilisationswesen.

Damit wird Adalbert Stifter in seinen Schilderungen zum Chronisten einer Zeit im Umbruch, einer Zeit, die in neue historische Umbrüche hineingeht und die Herausforderungen, die sich im Übergang zu einer ganz anderen Welt stellen, zu bewältigen. Insofern ist Stifters Werk interessanter und signifikanter als jemals zuvor. Es kann ein Leitfaden sein, ein Hinweis, wie die herausforderungen an den einzelnen, die bis in sein persönlichen Leben hineinwirken, zu bewältigen sind.

Aldalbert Stifters Romanerzählung zählt zu den ganz großen Werken der Weltliteratur, weil er beispielhaft und mit großer Symbolkraft zeigt, was immer wieder in der Geschichte geschieht, das, was große Bedeutung für Mitteleuropa und Europa hat und immer und immer wieder unterschätzt wurde.

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Witiko
von Adalbert Stifter
(1)
Buch 52,00

Afrikaerfahrungen in Briefromanform: Vom Mitleben in einem Kenianischen Krankenhaus

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Reiseerfahrungen in Briefform zu schildern, ist kein einfaches Unterfangen. Denn die Form des Reiseberichts in Briefform ist ein altes literarisches Genre, das im Versuch, es nach  sagen wir einmal  zweihundert Jahren wieder aufleben zu lassen, nicht ohne weiteres zu schultern möglich sein wird. Denn man muss gewahr sein, auf dem Hintergrund solcher Dichter und Literaten wie Goethe, Heine und Mörike gelesen zu werden. Aber vielleicht verlangt die heutige Zeit auf dem Hintergrund neuer Kommunikationsmittel wie Internet, E-Mail und SMS nach einer neuen Form des Briefromans. Vielleicht hilft der Versuch, Reiseerlebnisse so in ein Buch zu gießen, der Schnelllebigkeit unserer Zeit ein gewisses Maß an Ruhe und Verstetigung zurückzugeben.

Auf diesem Hintergrund ist Alexander Dünnebeils Buch kein schlechter Versuch, der schnellen Kommunikation im Internet Linie und Aussage in Buchform aufzuerlegen. Er schildert seinen Aufenthalt für ein Praktikum in einem Krankenhaus in Kenia und hält dazu viele interessante Informationen und Details zum Leben der Menschen dort, seinen und ihren Erfahrungen bereit. Und zuletzt gibt er eine große Zahl wichtiger Eindrücke an den Leser weiter: z.B. was die medizinische Versorgung der Bevölkerung und des einzelnen Patienten in Kenia betrifft, viele Aspekte vor Ort zu HIV und der medizinischen Versorgung, von leichteren und schweren Krankheiten in einem von Armut gezeichneten Kontinent. Was mich besonders beeindruckt hat, war die menschliche Seite der porträtierten Afrikaner, die trotz ihres geringen Wohlstands und schwierigen Auskommens ihre Form des persönlichen Glücks gefunden haben.

Auch wenn ich mir manchmal im Buch die direkte Wiedergabe von Dialogen und eine noch ungeschminktere direkte Schilderung von Menschen und Zuständen gewünscht hätte, so ist doch klar, dass ein Roman in Briefform solches nicht unbedingt bieten muss. Wenn es den geschilderten Erlebnissen auch noch mehr Unmittelbarkeit und Dichte gegeben hätte, so halte ich das Buch doch für eine sehr gelungene Reisebeschreibung, insbesondere für Leser, die medizinisch oder einfach nur als zukünftige Afrikareisende am Buch interessiert sind.

Lala salama
von Alexander Dünnebeil
(1)
Buch 15,90

Ein spirituell-literarischer Gedichtband zur Welt des Liebens und Leidens, eingefügt in Horizonte aus Philosophie und Literatur

Buechermaxe aus München , am 10.09.2008

Dieser Band enthält als Sammellyricum Liebesgedichte aus drei Jahrzehnten, die über sich hinaus verweisen. Sie stehen - sehr unterschiedlich in Reim, Metrik und Ton - unter dem Motto der Liebe und des Leids, dem Finden und Sich-Trennen, dem Kommen und Gehen, der Wiederkunft und dem Abschied.

Und sie werden durch Prolog und Epilog in einen größeren Horizont eingebunden, der über das eine, singuläre Leben hinaus verweist - zwar vielleicht nicht in einem klaren Wissen, aber in einer Ahnung, einem Spüren und Fühlen, vielleicht einer erahnten Utopie, die jedem Einzelnen auf seine eigene Art immer schon zu eigen ist.

Burkhard Wittek, Jahrgang 1957, ist in den letzten zwei Jahrzehnten durch umfangreiche fachliche und literarische Veröffentlichungen hervorgetreten. Die hier versammelten Gedichte stammen zum Teil aus seiner Jugendzeit und wurden durch Gedichte der letzten Jahre weiter ergänzt. Der Autor lebt heute in München.

Kürzlich erschien im Wiesenburg Verlag der Reise- und Erlebnisbericht vom Traumpfad über die Alpen mit dem Titel "Zu Fuß von München nach Venedig", in dem der Weg und Werdegang des Dr. h.c. Franz von Frömeling geschildert wird. Im März 2008 erscheint vom selben Autor der Reise- und Erlebnisbericht "Zu Fuß von München nach Prag", der die Geschichte de Wanderung von München nach Venedig fortsetzt.

Andrea Mößner, geboren im Jahre 1957, ist freie Künstlerin. Ihre Techniken sind Acryl auf Leinwand sowie Tusche oder Aquarell auf Papier. Nach einem längeren Aufenthalt auf Teneriffa kehrte sie kürzlich nach Deutschland zurück. Sie lebt heute in München.

Die in diesem Gedichtband wiedergegebenen Aquarelle stammen aus der Serie "stolpersteinweise", die in den beiden Jahren 2006 und 2007 entstanden sind.

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Liebe- und Leidewelten - Trennung und Treusein
von Burkhard Wittek
(1)
Buch 15,90