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Die Struktur der modernen Lyrik

Die Struktur der modernen Lyrik

Von der Mitte des neunzehnten bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts

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Artikeldetails zu Die Struktur der modernen Lyrik

AutorHugo Friedrich

Untertitel Von der Mitte des neunzehnten bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts

Abbildungsvermerk 19 cm

  • ISBN-103-499-55683-9
  • ISBN-139783499556838
  • Verlag Rowohlt Taschenbuch
  • Reiherororo Enzyklopädie
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten331
  • VeröffentlichtNovember 2006
  • Gewicht290g
  • SpracheDeutsch

Kurzbeschreibung zu Die Struktur der modernen Lyrik

Aufgezeigt werden die überpersönlichen, überrationalen und über die Jahrzehnte hinwegreichenden Symptome der modernen Lyrik. Unter 'modern' wird die gesamte Epoche seit Baudelaire verstanden, unter 'Struktur' ein organisches Gefüge, eine typenhafte Gemeinsamkeit lyrischen Dichtens. Das kritische Bewußtsein, die intellektuelle Phantasie und die analytische Sprachkraft Hugo Friedrichs gelten als vorbildlich für jede Stiluntersuchung und Werkinterpretation.

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40

31.05.2012

„"Das Gedicht bedeutet nicht, sondern ist."”

von Zitronenblau Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Friedrichs Buch zur Struktur der modernen Lyrik ist selbst mittlerweile ein lesenswerter Klassiker geworden.

Ausgehend von den Wegbereitern wie Poe, Rousseau, Diderot und Novalis ("[Das] Wort ist nicht menschliches Zufallsereignis, sondern entspringt dem kosmischen Ur-Einen; sein Aussprechen bewirkt magischen Kontakt des Sprechers mit solchem Ursprung; als dichterisches Wort taucht es die trivialen Dinge wieder in das Geheimnis ihrer metaphysischen Herkunft und stellt die verborgenen Analogien unter den Seinsgliedern ins Licht.") umreißt er das neue, moderne Wesen einer Lyrik, die die alten klassischen und romantischen Grundmauern einreißt. Friedrich zeigt dies in besonderer Weise an den Franzosen Baudelaire, Rimbaud und Mallarmé. Natürlich kann ich an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Dichter eingehen, und will es auch. In nuce zeigt sich eine Veränderung in der Ästhetik des Gedichts. Eines der Hauptmerkmale ist die Negativität (negative Kategorien), die aufgegriffen wird. Man wendet sich ab von der "Gemütspoesie". Moderne Lyrik verlangt nach "[neutraler] Innerlichkeit statt Gemüt, Phantasie statt Wirklichkeit, Welttrümmer statt Welteinheit, Vermischung des Heterogenen, Chaos, Faszination durch Dunkelheit und Sprachmagie, aber auch ein in Analogie zur Mathematik gesetztes kühles Operieren, das Vertrautes entfremdet". Mehr Hässliches! Mehr Groteskes! erwächst aus des Dichters Hand in der Moderne.

Friedrich erfasst neue Eigenschaften der Lyrik: Entpersönlichung/Enthumanisierung, Abstraktion und Arabeske, Stadtpoesie, Grenzsprengung, Irrealität und Hässlichkeit, auch neue Techniken wie Einblenden, Nominalismus, monologische Dichtung, Bewegungsdynamik: "Im Wort werden alogische Kräfte entbunden, welche die Aussagen lenken und mittels ungewöhnlicher Klangabfolgen einen ungewöhnlichen Zauber ausüben." Bei Mallarmé entdeckt Friedrich die Nähe des Schweigens, ein ontologisches, an Hegel erinnerndes Schema, und die Kraft der dichterischen Suggestion: "Ein Ding nennen, heißt dreiviertel des Genusses an einer Dichtung verderben; das Genießen besteht im allmählichen Erraten; das Ding suggerieren, hier liegt das Ziel." "Suggestion ist der Augenblick, wo das intellektuell gesteuerte Dichten magische Seelenkräfte entbindet und Strahlen aussendet, denen sich der Leser nicht entziehen kann, auch wenn er nichts 'versteht'."

Moderne Lyrik: Einsamkeit und Dissonanz und Hermetismus. Salinas meint, die Voraussetzung der "reinen Dichtung" sei, dass sie soweit wie möglich von den Dingen entlastet bleibt von Dingen und Themen, weil erst dann die kreative Bewegung der Sprache freien Raum hat.

Und wir lernen weitere Dichter kennen: Lorca, Ungaretti, Benn, Valéry ("Das Wort aber ist das Mittel des Geistes, sich im Nichts zu vervielfachen."), Guillen, Eliot, Perse, Apollinaire, Quasimodo, Krolow, Kaschnitz... Wer bekommt da nicht Lust, sie alle zu lesen, zu entdecken, zu "suggerieren", vor allem die beiden Großen, nach Baudelaire: Rimbaud und Mallarmé.

Friedrich meistert mit Bravour den hohen analytischen Anspruch an sich selbst hinsichtlich einer Erfassung der Struktur der modernen Lyrik. Er wird allen Erwartungen gerecht und wir freuen uns sehr, wenn das Buch sogar endet mit einer Auswahl von Gedichten und vier Interpretationen. Ein Muss für jeden Lyrikbegeisterten.

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