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156

Rezensionen

ebooks

Kalter Süden

Liza Marklund

EUR 8,99 *
auf Merkliste

40

24.10.2010

„Sympathische Schwedin auf Mörderjagd in Spanien”

Als der schwedische Eishockey-Star Sebastian Söderström mitsamt seiner Familie in seinem spanischen Haus Opfer eines Giftgas-Anschlags wird, ist die schwedische Presse natürlich zur Stelle. Allen voran Annika Bengtzon, die vor Ort in Marbella recherchiert und in der Kommune der gutbetuchten Spanier-Schweden reichlich Staub aufwirbelt. Und Annika wäre nicht Annika, wenn sie nicht genau dort weitermachte, wo selbst die spanische Polizei schon längst resigniert hat. Dass die Morde dann mehr mit ihr und alten Fällen zu tun haben, als ihr lieb ist, sorgt für manche Überraschung und eine beständig hohe Spannungskurve.

Liza Marklund macht im Leben und Streben von Annika Bengtzon nahtlos dort weiter, wo sie im letzten Buch („Lebenslänglich“) aufgehört hat. Während sich also Marklund-Fans bequem zurücklehnen und alte Freunde treffen, werden sich Neueinsteiger an der einen oder anderen Stelle Bengtzonsche Vergangenheit und Beziehungen zurechtpuzzeln müssen. Dies aber tut dem Lesevergnügen nur wenig Abbruch, denn mit dieser sympathischen und sehr identischen Heldin begibt man sich gern unter spanischer Sonne auf Mörderjagd. Und während die Fans zum Schluss nun wohl wieder ein Jahr auf neuen Stoff warten müssen, greifen Neueinsteiger begeistert zu sieben wunderbaren früheren Fällen.

50

24.10.2010

„„...keines anderen Menschen Zeit“”

Kurt Wallander wird alt
– und seinem Vater immer ähnlicher. Ersteres ist Gewissheit, letzteres Befürchtung.
Anfang sechzig, mittlerweile leicht mürrischer Opa und belastet mit immer häufiger auftretenden Gedächtnislücken erleben wir einen Wallander, der sich intensiv mit seinem Alter und seinem Leben auseinandersetzt.
Als Håkan von Enke, der zukünftige Schwiegervater seiner Tochter Linda, verschwindet, macht sich Wallander natürlich auf die Suche nach dem ehemaligen U-Boot Kommandanten. Zugleich sucht er aber auch nach vergangenen Jahren, verlorenen Menschen und einem Ziel für den letzten Lebensabschnitt. So intensiv, dass die dramatischen Ereignisse und brisanten Enthüllungen des aktuellen Falles fast schon nebenrangig werden. Kalter Krieg, fremde U-Boote, Olof Palme, USA, Russland und schließlich das Verschwinden der Ehefrau von Enkes lassen ihn aber weder rasten noch rosten. Ein letztes Mal spielt Kurt Wallander auf der großen Bühne mit.

Henning Mankell macht Schluss.
Mankell und Wallander - zwei alte, vertraute Freunde gehen ein letztes Stück Weg gemeinsam. Zwei älter gewordene Herren, die sich nicht nur in einen letzten großen und privaten Fall stürzen, sondern zugleich Rückblick halten auf all die Fälle, die sie über die Jahrzehnte hinweg gelöst haben.
Wie bestimmte Weine mit jedem Jahr an Qualität zulegen, werden auch Mankell und Wallander mit jedem weiteren Lebensjahr und jedem neuen, gemeinsamen Abenteuer reifer und besser. Dabei entwickelt Mankell seinen Wallander auch im beginnenden Alter konsequent und schonungslos weiter und ergänzt wohl so manchen Gedanken und manches Zipperlein aus seinem eigenen Erfahrungsschatz.
Und doch sollte der Wein entkorkt, dekantiert und getrunken werden, bevor er kippt und ungenießbar wird. Mankell weiß das. Wallander hat seinen Höhepunkt erreicht. Höchste Qualität - besser geht es nicht mehr.
Wenn der letzte große Feind nicht nur im Schatten des Kalten Krieges, sondern auch im Schatten des Alters zu finden ist, werden wir als Leser am Ende höflich aber bestimmt ausgeladen. Der Wein ist genossen. Was bleibt, ist privat und eben „...keines anderen Menschen Zeit“.

50

24.10.2010

„Eschbach for President!”

US-Amerikaner Vincent Merrit ist nicht nur ein begnadeter Programmierer, er ist auch das Ergebnis eines Jahrzehnte zurückliegenden Seitensprungs von Simon König, einem deutschen Geschichtslehrer.
Als Programmierer geht Vincent gern schon mal an die Grenzen des Erlaubten und – mit ein wenig Druck – auch darüber hinaus. So ist ein Programm zur Manipulation von Wahlmaschinen nicht nur illegal, sondern auch eine respektable Herausforderung für ihn.
Als Sohn aber erinnert sich Vincent seines fernen Vaters als ihm der Druck zu groß wird und zieht ihn mit hinein in seine programmierten Manipulationen.
So kommt ein Zufall zum nächsten und Simon König wird schließlich gezwungen, seinen Nachnamen immer ernster zu nehmen. Wie wäre es denn mit der Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland? Mit manipulierten Wahlmaschinen ist auch so etwas möglich...

Andreas Eschbach beglückt uns mit einer wahrhaft bösen Gesellschaftssatire, bei der uns unser Lachen so manches Mal königlich im Halse stecken bleibt.
Allein schon für die Idee, Live-Action-Rollenspieler zu Gründungsmitgliedern einer Volkspartei zu rekrutieren, gebührt ihm der Orden wider den tierischen Ernst.
Und für seinen ebenso ernst gemeinten wie Leser-erschütternden Kampf gegen Wahlmaschinen aller Art solle er zum Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs ernannt werden.

40

24.10.2010

„9783570100134”

Er ist ein Ex-Hollywoodstuntman, sieht ein bisschen aus wie Robert Mitchum und hat einen etwas seltsamen Nachnamen. Außerdem ist David Spandau Privatdetektiv und als solcher sehr erfolgreich.
Als er aber den ebenso naiven wie talentierten Hollywood-Jungstar Bobby Dye als Bodyguard beschützen soll, läuft nach und nach alles ein wenig aus dem Ruder. Schließlich ist mit keinem Gangster zu scherzen. Erst recht nicht mit Clubbesitzer und Dealer Richie Stella, der sich nichts sehnlicher wünscht als selbst einen Film zu produzieren – mit Bobby Dye.
Doch Achtung, Mr. Spandau, einen Filmset in Hollywood hat noch keiner unbeschadet wieder verlassen. Denn die Filmindustrie ist ein grober Fleischwolf, die einen, wenn man sich zu tief hineinwagt, in kleinen Bröckchen wieder ausspuckt.

Herrlich verrückt wie „Schnappt Shorty“ mit einer Prise Kinky Friedman, einem Schuss Carl Hiaasen und einem Hauch Tarantino ist Daniel Depps Roman-Debut ein grandioser Spaß für alle, die einen ehrlich-brutalen PI-Krimi ebenso mögen wie einen selbstironischen Hollywood-Streifen.
Selbstredend, dass Drehbuchschreiber Depp schon den größten Teil des Casts beim Schreiben fest im Hirn hatte. Wie sonst hätte er seine Dialoge so geschärft und seine Pointen so passgenau setzen können.
Bis zum überraschend-schonungslosen Ende ist also begeisternde Kurzweil angesagt. Wie schön, dass Depp schon an seinen nächsten Spandau-Thriller schreibt.

50

24.10.2010

„Mafiös-unsteril”

Pietro „Bärentatze“ Brnwa war Auftragskiller der Mafia in New York: Eiskalt, kreativ und effektiv.
Dr. Peter Brown ist Assistenzarzt am Manhattan Catholic Hospital: Überlastet, fähig und beherzt.
Beide sind ein und dieselbe Person, denn Pietro durchlief ein Zeugenschutzprogramm des FBI und wurde zu Peter.
Doch eines Tages wird ein alter Bekannter eingeliefert - und der erkennt die „Bärentatze“ wieder. So sind die Arzt-Stunden des Ex-Killers also gezählt.
Was folgt ist eine Tour de force durch die Erinnerung, eine pervertierte Krankenhauswelt, medizinische Schilderungen krimineller Handlungen, Körperflüssigkeiten, von denen man nun wahrlich nichts gehört haben möchte, Leser verspottende Fußnoten des Autors und die originellste Waffe in der Geschichte der Kriminalliteratur.

Nach diesem Buch aber wird man lieber der Mafia beitreten als sich in einem New Yorker Krankenhaus einliefern zu lassen. Warum? Die Geschäfte sind sauberer und es gibt nicht ganz so viele Tote.
„Der Pate“ trifft auf „Emergency Room“ – ein mafiös-unsteriles Thriller-Angebot, das man nicht ablehnen kann.

ebooks

Die Saat

Guillermo Del Toro

EUR 8,99 *
auf Merkliste

50

24.10.2010

„Sie haben unter uns gewartet”

Was passiert, wenn ein oscarprämierter Hollywood-Regisseur und Drehbuchautor („Pans Labyrinth“, „Hell Boy“) mit Hang zu Fantasy und Horror und ein begnadeter Bestseller-Autor mit Vorliebe fürs Blutige und Gemeine zusammen ein Buch schreiben?
Alle Stephen Kings und Dean Koontz’ dieser Welt müssen sich künftig warm anziehen.
Warum? Deshalb:
New York, John-F.-Kennedy-Flughafen – eine Boing 777, Flug 753 von Berlin Tegel, landet, rollt noch ein paar Meter, bleibt dann stehen, der Funkverkehr bricht ab, alle Lichter gehen aus und alle System fahren runter. Totenstille.
Ephraim Goodweather, Chef der New Yorker Seuchenschutzbehörde, ist mit seinem Team schnell zur Stelle, und sie betreten das Flugzeug. Alle Passagiere sitzen aufrecht und entspannt in ihren Sitzen und bewegen sich nicht mehr. Sind alle tot? Was aber hat sie dann in Sekundenbruchteilen getötet? Oder zuckt da doch noch jemand?
In dieser Nacht wird alles anders – im Leben von Ephraim Goodweather, auf dem JFK International Airport, in New York.
Wo kommt die Erde im Flugzeug her? Wohin ist der geheimnisvolle Sarg verschwunden? Und was passiert mit den „Überlebenden“?
Wenn Sie also neben Brown und Schätzing nur noch Zeit für ein einziges Buch haben...

50

24.10.2010

„Haste jut jemacht, Toni!”

Tach Toni!
Haste jut jemacht! Ne, wirklich – sehr jut! Selten so jelacht!
Aber’n paar Dinge muss ich Dir noch sagen:
1. Ick liebe Berlin. Rügen und Rom sind aber auch nich schlecht.
2. Ick esse nie wieder Häppchen im KaDeWe.
3. Während des Lesens (Ha! Genitiv!) hat sich mein Fleischkonsum jesteigert.
4. Ick sehe Störche nun mit andern Augen.
5. Tja, und dann dit andere Jeflügel: weiße Hühner, Weihnachtsgänse, Speckhühnchen – wat sollste essen, wat kannste lieb haben?
6. Und die Katholiken, Mahoni! Die armen Katholiken!
7. Es is echt vollpeinlich, in der S-Bahn laut lachen zu müssen.
Soll erstma reichen - also: Grandioses Buch, Toni! Musste mal wieder machen sowat, weeßte...

PS: An alle da draußen: Wat dem Ruhrpott sein Frank Goosen, is uns Berlinern unsa Toni! Allet klar?! Na denn: Buch koofen und allet wird jut!

50

24.10.2010

„Ein allerbestes Buch”

Jesse geht in die zehnte Klasse – ein sanfter, umgänglicher Junge, jedoch völlig außerstande zu lernen. Absolute Sperre! Es geht einfach nicht.
David ist Mitte Vierzig, Autor, Journalist, Filmkritiker und außerdem Jesses Vater.
Als er das Elend nicht mehr mit ansehen kann, macht er einen mutigen Vorschlag: Jesse geht von der Schule und hat ein Jahr lang Kost und Logis bei seinem Vater frei.
Zwei Bedingungen: Zum einen keine Drogen und zum anderen sehen sich Vater und Sohn jede Woche drei Filme zusammen an. Jesses Reaktion: „Du machst Witze.“
Und doch lassen sich die beiden auf dieses Experiment und auf einander ein. Aus einem werden drei Jahre, und sie erleben die intensivste und wichtigste Zeit ihrer Vater-Sohn-Beziehung. Eine Zeit mit Truffaut und Hitchcock, mit „Basic Instinct“ und „Chungking Express“. Aber auch eine Zeit voller Gespräche über Liebe, Fehler, Leidenschaft und das Leben selbst.

Dies ist eine wahre Geschichte, ein Stück Leben, das wir mit David und Jesse teilen dürfen.
Dies ist eine Geschichte für alle Eltern – besonders für Väter – und auch für Söhne.
Dies ist – mit ihren wunderschönen Filmkritik-Miniaturen – auch eine Geschichte für Film-Freaks.
Zuerst und zuletzt aber ist dies eines der wundervollsten und anrührendsten Bücher der letzten Jahre.
Wenn Sie das Leben lieben, lesen Sie dieses Buch – und wenn nicht, erst recht!

buch

Warlord 01

Mike Grell

EUR 22,00 *
auf Merkliste

50

18.10.2010

„Only the strong survive...”

„The Warlord! Ein Name, geschrieben in Blut und Feuer, in einer wilden Welt, in der nur die Starken überleben! In einer anderen Welt, in einem anderen Leben war dieser Mann Lt. Colonel Travis Morgan von der US Air Force! Doch nun ist er ... eine Legende!“ (S. 86)

Achtung! Alle Frauen wegschauen!
Ein muskelbepackter, bärtiger Heroe steigt aus den 80ern zu uns in die Gegenwart und kommt mit stolzgeschwellter Brust als eine Mischung aus „Green Arrow“ und „Conan, der Barbar“ daher. Die Story noch mit einem Schuss Urzeit-Flair und einer Prise Science Fiction versehen, sind dann die Abenteuer des Warlords alias Travis Morgan so sehr auf archetypische Männlichkeit reduziert, dass man(n) zum Lesen besser ein wenig selig-nostalgische Selbstironie mitbringt. Gerade dann aber funktioniert die heroische Hack’n’Slay-Tour-de-force durch die Welt Skartaris im Inneren unserer Erde vortrefflich.
Bis zum Ziel und zur Vollendung des Warlords werden allerdings noch einige Köpfe mehr abzutrennen und so manches weitere leichtbeschürzte Weib zu befreien sein. Denn von den insgesamt 133 Heften plus sieben Specials sind auf den 224 Seiten hier gerade mal elf Hefte enthalten.
Genügend zukünftige Gelegenheiten also für alle echten Kerle unter den Comic-Fans, die eigene Männlichkeit zu schulen und zu stählen und allen Barbarellas, Modestys und Frankas dieser Welt die muskelbepackte, kalte Schulter zu zeigen.

50

18.10.2010

„Retro-nostalgische Abenteuerlust”

Man kann es einfach nicht oft genug erwähnen:
Unter all den wunderbar nostalgischen Wiederveröffentlichungen klassischer und beliebter Comic-Serien ist die „Roland, Ritter Ungestüm“-Werkausgabe des Cross Cult-Verlags die in Ausstattung, Qualität und redaktioneller Betreuung liebevollste und herausragendste.
Band zwei bestätigt und festigt nun diesen schon durch den ersten Band schwärmerisch gewonnenen Eindruck. Erneut ersteht man drei komplette Alben und einen sachkundigen, reich bebilderten Anhang mit diesem Sammelband und folgt Roland einmal, pardon, dreimal mehr durch ferne Länder und nahe Intrigen. So wecken die Begegnungen mit Wikingern und Iren und das Geheimnis um König Artus’ Tochter pure Abenteuerlust und bringen so manches Retro-Gen zum Schwingen.
Zurück bleiben schließlich tiefste Lesebefriedigung und die Vorfreude auf den nächsten Band.