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Uli Geißler aus Fürth

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Über mich:
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Bewertungen

 
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Verrückte Welt 2017

Uli Geißler aus Fürth , am 08.12.2016

Es gibt Sehenswürdigkeiten, die einem sofort bekannt vorkommen, selbst wenn man noch nie davor stand oder sie in Wirklichkeit gesehen hat.

Notre Dame in Paris, Canal Grande in Venedig, Schloss Neuschwanstein – sie alle zeichnen sich durch ihre Unverwechselbarkeit aus. Und doch gelingt es dem Fotografen und Kalendergestaltern völlig neue Ansichten zu erzeugen.

Geschickt steht da plötzlich eine Osterinsel-Skulptur mitten im Verkehrsmoloch von des New Yorker Times Square, die Londoner Tower-Bridge überspannt die Elbe in Dresden, der Canal Grande durchfließt ein Voralpenstädtchen und die Swedagon Pagode vergoldet das Ufer des klaren Königssee.

In gewohnt herausragender Qualität begeistern die perfekt inszenierten Montagen des fotografischen Ausgangsmaterials wieder jeden Monat aufs Neue.

Der neue, etwas ungewöhnliche und irgendwie verschmitzte Blick auf das vermeintlich Bekannte sorgt immer wieder für Erstaunen. Schon besuchte Orte und Gebilde erweitern ihre Bedeutung und ihren Reiz um die ganz neue Perspektive der Illusion.

So lässt sich das ganze Jahr über in doppelter Hinsicht von neuen Zielen träumen – jeweils vom einen oder vom anderen …

Verrückte Welt 2017 / Kalender
(1)
Kalender
29,95

Zu späte glücklose Befreiung

Uli Geißler aus Fürth , am 09.08.2016

Es war vermutlich nicht leicht, die unerträglichen Erfahrungen des Protagonisten zu dessen Kinderzeit ausgerechnet noch in Heiligsheim erträglich zu formulieren. Daher braucht sogar die fiktive Hauptperson Coelestin ("der Himmlische") ein Pseudonym. Als Ludwig Dragomir kehrt der ehemals missbrauchte Bub vierzig Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen im Gemeindewald in sein Heimatdorf zurück und lässt seiner Wut geplant, gezielt und doch unnachgiebig ihren Lauf. Menschen verschwinden, sterben, so wie der kleine Hans damals, der nach dessen Androhung, von dem ungezügelten und menschliche Werte außer Acht lassenden Treiben zu berichten, auf freier Strecke aus einem Auto ausgesetzt und dann mehrmals überrollt wurde.

Getrieben von eigenen Schuldgefühlen, seinen Altersgenossen damals nicht geholfen zu haben einerseits, seiner brennenden und nicht mehr zurück zu haltenden Wut andererseits setzt „Luggi“ wie er noch heute von den Widerlingen genannt wird, seinen unaufhaltsamen Genugtuungs- und Rachefeldzug um. Täter von damals sterben offiziell
als Unfälle wahrgenommen unerwartet und nicht mal die nach dem ersten Fall ermittelnde Kommissarin Anna kann dem Geheimnis wirklich auf die Spur kommen.

Der Roman fesselt thematisch, berührt schnell und tief. Fast unreflektiert und in gewisser Weise Gedankenlos folgt man den unweigerlichen Geschehnissen, bleibt ohne Emotion für die Getöteten, aber auch anfängliches Verständnis für den Akteur wandelt sich schnell. Unbefriedigt über den sinnlosen und tragischen Versuch Dragomirs, sich genugtuend von Schuld aber auch Erniedrigung zu befreien, entwickelt sich mehr und mehr das ungute Gefühl, dass nichts mehr geheilt werden kann. Es bleibt nur übrig, was grausam war und grausam ist.

Die trotz aller Tragik gegebene Spannung stören eingestreute frei assoziative Aufzählungen von Ludwigs Gedanken den Lesefluss. Es sind einfach Gedanken, die ungefasst erscheinen und somit das „Eintauchen“ in die Geschichte mühsam machen. Irgendwie bleibt man draußen, liest weitestgehend distanziert fast wie einen Wochenmagazinartikel über die Geschehnisse. Zu weit weg und zu wenig nachvollziehbar entwickelt sich der Roman dann doch ohne ausreichend empathische Anknüpfungspunkte.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Nackter Mann, der brennt
von Friedrich Ani
(2)
Buch
20,00

Gesunde Gedanken über eine oft verkannte Krankheit

Uli Geißler aus Fürth , am 03.08.2016

Der Autor hat gleich zu Beginn zweierlei geschafft: erstens, dass er sich selbst heilend gewagt hat, seine eigenen Geschichte für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum anderen, dass er das Interesse der Öffentlichkeit wecken konnte, seine persönliche Geschichte erfahren zu wollen. Mag sein, dass der Titel – so wie bei mir – dazu beitrug, denn der darin enthaltene Optimismus trägt all diejenigen, welche von der beschriebenen Belastung und Krankheit nicht erfasst sind.

Matt Haig beschreibt in geradezu erstaunlich leichter Weise seine eigenen Erfahrungen, die sich langsam entwickelnde Erkrankung, seine Gedanken und Gefühle. So vermittelt er Erzählstil eine ganze Reihe von Fakten über das Wesen der Krankheit und informiert, ohne ein Fachbuch verfasst zu haben. Das ist authentisch und wer nicht selbst unter Depressionen leidet oder litt, kann sich zumindest besser in so eine Lage hineinversetzen.

Eine Verbindung zur Welt stellt er her, indem er auch über andere Erkrankte berichtet oder darstellt, wie die Krankheit sich unterschiedliche Erscheinungsweisen sucht und sich bei jeder und jedem Betroffenen sehr individuell zeigt.

Er stellt fest und legt offen, dass Depressionen oftmals längst da sind, bevor man sich dessen vielleicht bewusst ist, aber zum Glück benennt er auch immer wieder hilfreiche Möglichkeiten, damit umgehen zu können. Freilich kein Allheilmittel und sicher nicht die einzige oder starke Hilfe macht er doch deutlich, dass einen wesentlichen Anteil an einem Lebenserhaltenden Umgang mit der Krankheit gute Beziehungen und Kontakte zu und mit anderen Menschen beitragen können.

Ob das Buch von Depression gepeinigten Menschen helfen kann, wage ich zu bezweifeln, die enthaltenen Verhaltensweisen, Zusprüche, Lebensbejahenden Aspekte und Gründe und die vermittelte innere und äußere Haltung der Krankheit gegenüber im erlebten Alltag einer erkrankten Person, könnten es meiner Ansicht nach jedoch. Ein ermutigendes Buch über eine verkannte und vielfach im Verborgenen verbreiteten Krankheit mit einem angedeuteten Weg aus dem Dunkel ins lichte Leben.

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
von Matt Haig
(13)
Buch
18,90

Vegetarische Ermittlungen

Uli Geißler aus Fürth , am 19.07.2016

Das trifft den Eberhofer, ganz besonderer Kommissar aus Niederkaltenkirchen schon sehr: seine Cholesterin-Werte sind so hoch, dass ernährungsrelevante Konsequenzen auf den Fuß folgen und Oma plötzlich ganz anders kocht als bisher. Es ist auch noch ein grausiger Mord in Liesl Mooshammers Pension geschehen. Der ginge den Franz an sich nichts an, aber zum Einen geriet der örtliche angolische Fußballer als Mordverdächtiger ins Visier, zum anderen wurden die Ermittlungen an den Staatsbeamten übertragen. So macht er sich zusammen mit seinem alten Freund und Ex-Arbeitskollegen Rudi Birkenberger dann doch an die Arbeit.

Die Vaterpflichten für das samt Mutter Susi getrennt von ihm lebenden Söhnchen Paul bereiten ihm auch gelegentlich Sorgen und auch das Sohn-Dasein bei dem kiffenden und bisweilen liebesblind im „dritten Frühling“ handelnden Vater tragen nicht immer zur inneren Harmonie bei.

Wie immer macht es Spaß, das so aufgescheuchte Leben in der ländlichen Idylle zu verfolgen, sich anhand lokalgefärbter Beschreibungen, aber auch manchmal etwas banaler oder schlichter Unterhaltungen eines - in Wirklichkeit fiktiven – Alltags im Dorf hineinzuversetzen und gewissermaßen mit zu ermitteln, mit zu leiden und sich mittendrin zu fühlen.


Hilfreich für alle Dialekt-Unkundigen ist das kleine Bayrisch-Glossar am Ende des Buches und wer die Rezepte der Oma nachkochen möchte, findet einige davon – wie in jedem Band der Reihe – abgedruckt.

So ist der siebte Fall dieser Reihe wieder eine manchmal skurrile und unterhaltsame Lektüre, wenngleich die Spannung und Erzählkraft dieses Mal als etwas „flau“ zu bezeichnen sind und manchmal aufgrund des breit dargestellten komplexen Privatlebens des Protogonisten gewisse Längen erzeugt.

Leberkäsjunkie
von Rita Falk
(13)
Buch
15,90

Wahrheiten zu fiktiven Spekulationen

Uli Geißler aus Fürth , am 15.03.2016

Die Idee scheint gut: ein Zeitungsprojekt soll letztlich als Verhandlungsmasse für die eigene Karriere des eher fadenscheinigen Verlegers und Herausgebers Vimercate – mit nur wenig Phantasie als Silvio Berluscconi zu identifizieren - dienen. Chefredakteur Simei soll Nullnummern mit Enthüllungen und Bloßstellungen über mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten verfassen, welche dann durch erpresste Unterlassungsforderungen den Zugang in die Welt der bedeutenden Medienmacher, vor allem aber in höchste politische Kreise ermöglichen sollen. Eine perfide Idee, welche durchaus einen gewissen Lesereiz ausstrahlt.

So entwickelt der bislang nur mäßig erfolgreiche Journalist Colonna unterstützt von seinem Kollegen Braggadocio unter anderem eine wohl recherchiert scheinende Fiktion um die Ermordung des Benito Mussolini – als „Mythomane“ bezeichnet – und gleichzeitig arbeitet der „Enthüllungsjournalist“ an einem Buch, welches sich mit dem durch ihr eigenes Handeln versursachten Skandal beschäftigt.

Eine eingestreute Nebenhandlung einer Liebesbeziehung zu seiner Kollegin Maia lässt die Figur des Colonna etwas menschlich glaubhaft erscheinen, doch so wirklich lebendig wird der Roman auch dadurch nicht. Viel zu viel Details, viel zu viel Gerede ohne mitnehmende Dynamik quälen geradezu trotz vieler offenbar gut recherchierter Fakten und belegbarer Wahrheiten aus der Nachkriegsgeschichte. Viele Bezüge büßen allerdings als Bestandteil der erfundenen Geschichte gleich wieder an historischer Qualität ein oder wirken wie erdachtes Beiwerk plötzlich haarsträubend.

An sich ein Medienkritischer, auch ein geradezu satirischer Thriller, verwirkt die verfasste Vielschichtigkeit den Anspruch, „Nullnummer“ sei ein guter Roman. Es fehlt irgendwie der zündende Plot. Die kritische Darstellung eines korrupten Geschehens in der italienischen Gesellschaft gelingt nur bedingt. Es bleibt ein etwas durchwachsenes Gefühl für einen durchschnittlichen Roman.

Nullnummer
von Umberto Eco
(3)
Buch
21,90

Fragmente von Lebensweisheiten

Uli Geißler aus Fürth , am 16.02.2016

Wer die Romane „Der Riese“ und viel mehr noch „Das Seil“ des Autors gelesen hat, wird erwartungsvoll auch dieses Buch in die Hand nehmen und sich auf außergewöhnlichen Lesegenuss freuen.

Schon nach wenigen Abschnitten weicht die Vorfreude auf ein Eintauchen in eine neue Erlebenswelt dem etwas unruhigen Gefühl, immer nur einen kurzen Blick auf eine Begebenheit werfen zu können und eilig weiterhasten zu müssen.

Eben nur kurze Betrachtungen und Positionen sind es, der Autor weniger als Erkenntnis, denn als Meinung zu willkürlich gewählten Alltagsbereichen, -themen oder –ereignissen zur Disposition stellt. Mal gelingt es ihm humorvoll ein wenig Kulturkritik oder Staunen, ein anderes Mal fast Zustimmung heischend Plattitüden wohlfeil und eloquent formuliert als allgemein anerkannte Erkenntnis zu notieren.

Die kurzen Positionen und fein ziseliert beschriebenen Beobachtungen lassen einen mal schmunzeln, mal widersprechen oder zustimmen. Stets aber gelingt es dem Autor, dass die man als Leser (und sicher auch als Leserin) sich und das selbst Erlebte ins Verhältnis zueinander setzt. So sind seine Texte keine nachhaltig anhaltende Grundlegungen für das Leben, sondern beschriebene Augenblicke und ebenso kurze Empfindungen. Und doch lässt sich ein geradezu selbsttätiges Kopfnicken bei sich selbst wahrnehmen, egal, ob es Zumutungen des täglichen Lebens, der ersten und letzten Dinge, über Kunst und Künstler, Literatur und Schriftsteller, den falschen und unschönen Gebrauch der deutschen Sprache, Sport und Sportler oder einfach vermischte geht.

Das Buch ist sicher kein literarischer Fünf-Sterne-Spitzentitel (siehe demgegenüber die beiden anfangs genannten Titel des Autors), auch ist es in keiner Weise wichtig, doch überflüssig ist es auch nicht, denn es ist anregend, interessant in seiner Mischung der Themen und Wahrnehmungen, humorvoll und geistreich, sprachlich sauber und durchgängig unterhaltsam und Zeitgemäß zudem, folgt es doch dem sicher von Herrn aus dem Siepen unleidigen Trend nach Knappheit. Daher ist es für die Leserinnen und Leser sicher nur eine geringe Zumutung, sich hin und wieder den Kulturkritischen Reflexionen auszusetzen. Wem es zu viel wird, macht einfach das Licht aus und schläft über das Gelesene hinweg.

Das Buch der Zumutungen
von Stefan aus dem Siepen
(1)
Buch
19,90

Grundlagen zum Einsatz der Olympus Systemkamera

Uli Geißler aus Fürth , am 14.02.2016

In edler Aufmachung reizt das Buch sich vertiefend und ausführlich mit der Spitzenkamera aus dem Hause Olympus zu beschäftigen. Das Inhaltsverzeichnis und die ersten Zeilen nähren die Vorfreude auf neue Erkenntnisse, technische Finessen des besonderen Systems und Hinweise für außergewöhnliche Aufnahmebeispiele.
Ein paar einführende Allgemeinplätze zur Kamera und deren Bedienelementen folgen einige Seiten zu einzelnen Bedienelementen und dann 50 (!) Seiten lang das eher überflüssige Kapitel „Wechselobjektive“, haben diese mit der Kamera nur bedingt etwas zu tun. Wer sich eine „E-M 1“ kauft, wird vermutlich kaum erfahren wollen, dass es unterschiedliche Objektive mit unterschiedlichen Wirkungen gibt.

Das interessanteste Kapitel des Buches - „Grundlagen der Bildgestaltung“ – enttäuscht schon im Titel, denn Grundlagen braucht ein E-M-1-Besitzer sicher auch nicht mehr. Vielmehr sind die unzähligen Besonderheiten und –funktionen der Kamera bedeutend und wie sich die technischen Möglichkeiten der Kamera(software) in außergewöhnliche Aufnahmen umsetzen lassen.

Hier hätte ich mir gewünscht, dass anhand bestimmter Kamera-Einstellungen wirklich besondere Bilder aufgenommen und exemplarisch dargestellt worden wären, so wie es wenigstens einmal auf Seite 139 (Live-Time/-Bulb) ansatzweise nachvollziehbar wird. Die vielfältigen Möglichkeiten des ART-Filters, aber auch anderer Gestaltungseinstellungen hätten umfangreicher Darstellung bedurft. Die gegebenen Tipps haben wenig mit der Spezifizität der E 1 zu tun. Auch die wirklich spezielle Handhabung und Wirkungsweisen des doch außergewöhnlichen AF der Kamera wurden kaum angeschnitten.
Der Eindruck, dass kein einziges Bild tatsächlich mit der E-M 1 aufgenommen wurde, lässt sich aufgrund der teilweise auch ohne Brille erkennbaren schlechten Qualität der Fotos vermuten.

Interessant und doch wieder unpassend sind die kurzen Erläuterungen (Kapitel ist zu hoch gegriffen) zum Olympus-Bildberarbeitungsprogramm „Viewer“, zum Drucken von Bildern oder dem kreativen Tipp, aus digitalen Aufnahmen ein Fotobuch zu gestalten. Also ehrlich – sind OM-D-Nutzerinnen und Nutzer doof ...!?

Das Kapitel „Das bewegte Bild“ verweist auf die Möglichkeit, mit der Kamera auch Videoaufnahmen zu erstellen, enttäuscht aber umgehend mit wenigen Plattitüden und Laienweisheiten, Zeilenfüllenden Willkürlichkeiten zu einem Stativ, einem „Dolly“ (Kamerawägelchen) und ein paar in einem „Glossar“ aufgezählten Fachausdrücken.

Schließlich gibt es 16 Seiten für das Kapitel „Zubehör“, doch leider ist auch das bekannt, dass es für Kamera weiteres Zubehör gibt. Daher tragen die Informationen, Speicherkarten oder einen Akkuhalter für längere Betriebszeiten der Kamera zu nutzen, eine Blitz einzusetzen oder mit einem Unterwassergehäuse abzutauchen, nur wenig zum Erkenntnisgewinn bei.

Es bleibt leider ein schwacher Eindruck des Buches über eine der Top-Kameras auf dem Markt übrig. Das ist umso tragischer, als von dem renommierten Verlag Hochwertiges zu erwarten gewesen wäre. Die erreichte Pole-Position mit dem ersten Buch zur Kamera war offensichtlich eher ein fachlich-inhaltlicher Fehlstart.

Sollte tatsächlich jemand aus Gründen vielleicht unsinniger „Zwischenkäufe“ einfacher oder mittlerer Kameras gleich mit der Spitzenklasse in das Abenteuer Fotografie starten, könnte das oben genannte entsprechende Kapitel zur Bildgestaltung unterstützend wirken, die ersten Aufnahmen hinzubekommen (iAuto). Dann aber wird das Buch vermutlich ebenso wenig genutzt werden, wie die stets unsäglichen pdf-Manuale der Hersteller. Denn mehr als eine etwas aufgelockerte Bedienungsanleitung und ein Werbeprospekt über das Portfolio käuflicher M.Zuiko-Digital-Objektive gibt das Buch leider nicht her.

Olympus OM-D E-M1 fotoguide
von Heiner Henninges
(3)
Buch
24,95

60 schöne Ideen zum kreativen Tun

Uli Geißler aus Fürth , am 10.11.2015

Selbstgebasteltes als Geschenk oder auch für das eigene Wohnumfeld hat wieder Konjunktur. Da kommt es ganz gelegen, dass dieses Buch 60 tolle Anregungen bietet, aus Papier, Perlen, Modelliermasse oder Holz reizvolle Deko-Objekte herzustellen. Für die unterschiedlichsten Geschmäcker lassen sich Anleitungen finden.

So kann man witzige Blumenstecker, eine wohlriechende Grußkarte, fröhliche Türschilder oder lustige Erdmännchen, glitzernde Schmuckstücke oder Aufstellfiguren, Geschenkanhänger, Aufbewahrungsdöschen, ein praktischer Serviettenkasten, Holzobjekte als Zaun- oder Gartenschmuck, Schlüsselanhänger oder Vogel-Nistkästen nachbasteln.

Vor aller Werkelei sollte man jedoch die erst am Ende des Buches zu findenden Allgemeinen Anleitungen zum Umgang mit den Werkstoffen samt erläuternder Illustrationen betrachten und sich aneignen. Da wird dargestellt, wie die Papiermotive gestaltet oder auch plastische Effekte erzeugt werden können oder wie die Aufsteckreihenfolge für die Papiersterne vorzunehmen ist. Weiter wird gezeigt, wie die Perlen aufzufädeln und die Bänder zu verknoten sind, damit die Ergebnisse stimmen, Hilfen für die verschiedenen Muster dargestellt, das Modellieren erklärt, wie Salzteig hergestellt wird und wie er zu bearbeiten oder was bei der Holzbearbeitung zu beachten ist. Abschließend finden sich für alle Beispiele im Buch die Vorlagen zum Durchpausen oder Abschauen.

Jeder Bastelvorschlag ist großzügig auf einer Doppelseite mit großformatigen Farbfotos und nötigen Illustrationen abgebildet, es gibt eine übersichtliche Materialleiste, den Hinweis auf die Größe des Objekts und die passende Vorlagenskizze oder den jeweiligen Vorlagenbogen. Das macht es allerdings gleichzeitig schwerer, völlig frei eigene Ideen umzusetzen, da der Hang, sich sehr eng an die Vorlagen zu halten, doch sehr stark sein wird. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Techniken anhand eines Beispiels vorgestellt und dann aber noch weitere Hinweise zur Entwicklung eigener Gestaltungsideen gegeben worden wären.

Die Motive und Objekte gefallen sowohl Eltern als auch Kindern und das gemeinsame Basteln bereitet auf jeden Fall Freude. Das Buch wird vor allem diejenigen ansprechen, welche möglichst perfekt und getreu den Vorgaben ihre Kreativität umsetzen wollen.

Das ultimative Bastelbuch
(1)
Buch
12,99

So hat man die Hauptstadt noch nie betrachtet

Uli Geißler aus Fürth , am 09.11.2015

Stadt- und Reiseführer sind sachlich, informativ und umfangreich voller Daten, Zeiten, Adressen und Nummern. Praktisch und manchmal ein Anker im Trubel der Entdeckungsmöglichkeiten.

Dieser Reiseführer ist das nicht. Es ist ja auch kein Reiseführer, obwohl er von außen ein bisschen so aussieht. Vielmehr ist es ein – naja, irgendwie – Bekenntnis. Das Bekenntnis zur Unzulänglichkeit aber eben auch zur ehrlichen Eigensicht. Objektivität ist hier auf keinen Fall das Ziel des Autors, auch nicht Vollständigkeit.

Es geht vielmehr um einen ganz subjektiven Eindruck über die eigenen Zugänge und Einordnungen dessen, was diese Stadt für ihn ausmacht. Dabei bekommt man ein wenig von dem Hintersinn des Berliner Humors mit, entdeckt die Vorzüge übrig gebliebener Ost-Besonderheiten, bekommt ein Gespür für die jüngere Historie zwischen Zerfall, Hausbesetzungen, Rechtsfreiheit, Traditionalismus und Gentrifizierung, entdeckt ein Insider-Bier und wirklich unbekannte Orte. Die eingestreuten Szene bei der Polizei, die zitierten Sprüche oder die zu jedem vorgestellten Stadtteil-Kapitel angegebenen wenigen „Geheim“-Tipps lassen schmunzeln, letztere schüren die Vorfreude auf das individuelle Erforschen eines ganz anderen Berlins.

All das formuliert der Autor mit einem unterschwellig kabarettistischen Hintersinn ohne unverschämt, herablassend oder albern zu werden und doch hört man das typische Berlinerische zwischen den Zeilen heraus, nimmt die eine oder andere kritische Distanz wahr, ist dankbar für die ehrliche Klarheit und findet am Ende die Stadt trotzdem gut, so wie ist.
Eine schöne Idee sind die über eingestreute QR-Codes abrufbaren Original-Lesungen des Autors, so dass man mit diesem Hybrid-Angebot sich auch mal entspannt zurücklehnen und genüsslich ein Kapitel vorlesen lassen kann.

Das Glossar zum Schluss ist eine hilfreiche Ergänzung für einen nächsten – nun klar vorbereiteten und viel souveräner zu gestaltenden – Besuch unserer Hauptstadt.

Berlin - Satirisches Reisegepäck
von Tilman Birr
(1)
Buch
12,90

Doppelte Leidenschaft - hilfreich und gut aufbereitet

Uli Geißler aus Fürth , am 05.10.2015

Der leidenschaftlich reisende Fotograf bietet ein sehr Praxisgerechtes Buch für alle, die es ihm gleich tun wollen: die Welt zu entdecken, Motive sehen und in bester Weise fotografisch festhalten.

Klasse ist, dass man den Ratgeber dort aufschlagen kann, wo man sich von einem Thema angesprochen fühlt. Man muss sich also nicht erst mühsam durch die Grundlagen der Fotografie durchkämpfen, bevor man loslegen kann. Die Bedienung der eigenen Kamera hingegen sollte man schon beherrschen, um die vielen Tipps auch beherzigen und umsetzen zu können.

Ein großes Plus sind die jeweiligen aktuellen mehr als 120 Beispielbilder. Es ist einfach schneller und leichter zu verstehen, was da im Text erklärt wird, wenn ich ein Bild in zwei Varianten betrachten und so viel leichter selbst wahrnehmen, kann, weshalb das optimierte Bild besser wirkt – man sieht es einfach. Das ist vielleicht einer der wichtigsten Vorteile dieses Buches.

Die technischen Angaben zu jedem Bild sind nicht nur für Tabellenfreaks interessant, sondern auch ein Hinweis darauf, wie die Kamera einzustellen ist, selbst wenn oftmals zunächst per Automatik fotografiert wird. Durch die Objektiv-, Blenden- und Zeitangaben bekommt man aber doch ein Gefühl dafür, wovon bei einer Aufnahme die Schärfe und Aussagekraft herkommen.

Der erfahrene Fotograf ist ein guter Erklärer, denn wie selbstverständlich und wirklich gut nachvollziehbar kann man anhand seiner für nahezu jede Fotografiersituation erstellte Doppelseite samt oftmals großformatigen Bildbeispielen verstehen, weshalb ein Bild besser aussieht und nach welcher Vorgehensweise es aufgenommen wurde. Die Fotos sind also nicht zufällig, sondern eben begründet gut. Fast wie nebenbei bekommt man mit, wann es sich lohnt, einen Filter einzusetzen, wie ein Foto aufgebaut sein sollte oder welche Perspektive und welcher Standpunkt gewählt werden könnten, um die Bildwirkung zu verstärken.

In die Texte eingestreut finden sich viele Tipps für das Fotografieren auf Reisen und auch Ausrüstungshinweise. Das hätte sicher auch etwas strukturierter in einem eigenen Kapitel oder als Tabelle geschehen können, doch im Fließtext eingearbeitet kommt es einfach authentischer auf die jeweilige Aufnahmesituation bezogen daher. Überhaupt ist das ganze Buch eher ein lehrreiches Gespräch mit einem Fotografierkumpel denn ein lexikalisches Lehrbuch. Es ist, als wäre man mit dem Autor unterwegs – was man übrigens auf den von ihm angebotenen Fotoreisen tatsächlich machen kann – und lernt ganz nebenbei alles, was man zum Fotografieren braucht oder einiges zu dem schon Bekannten hinzu. Der sehr ausführliche Stichwortindex lässt kaum ein Thema aus und führt schnell zur gewünschten Erklärung.

Das Buch eignet sich sowohl für Fotografieranfänger/innen als auch für schon erfahrenere Lichtbildner/innen, welche sich und vor allem ihre Aufnahmen auf Reisen oder auch daheim verbessern wollen.

10/2015, Redaktionsbüro Uli Geißler, Freier Journalist und Fotograf, Fürth/Bay.

Die Fotoschule in Bildern. Fotografieren auf Reisen
von Stefano Paterna
(2)
Buch
34,90

 
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