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Name:
Uli Geißler Top 100 Rezensent
Ort:
Fürth
Rezensionen:
302 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 123

nicht hilfreich: 22

Rang:
61
Über mich:

lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Uli Geißlers Rezensionen

123

buch

Tödliche Ohnmacht

C. S. Forester

EUR 14,90 *
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50

21.04.2015

„Zwangsläufiger Racheplan”

Die Titelgestaltung in „Graphic Noir“ lässt die spontane Einordnung Kriminalroman aus den 30-50er-Jahren des letzten Jahrhunderts zu. In der Tat wurde dieser erst 2011 wieder entdeckte Roman von C. S. Forester schon 1935 erstmals veröffentlicht. Die lineare Kriminalgeschichte spielt in einer Vorstadt Londons und die knappen Beschreibungen des Alltags der handelnden Personen sind bildhaft genug, um sich das triste, oft lieblose Leben dort und zu dieser Zeit vorstellen zu können.

Dot, die Schwester der Hauptprotagonistin Marjorie liegt eines Abends tot in ihrer Küche, den Kopf im offenen Gasbackherd, scheinbar ein Suizid. Doch schon bald fügen sich ihre Vermutungen und vor allem die ihrer Mutter, Frau Clair, zu der Erkenntnis, dass es doch Mord war. Das noch mehr, als bei Obduktion der Toten eine Schwangerschaft festgestellt wird und zudem der vierjährige Derrick, auf welchen die Tante neben dessen siebenjähriger Schwester an dem Abend aufpasste, andeutete, wer an dem Abend noch seinen Spaß mit Tante Dot hatte. Geradezu unerträglich ahnen die beiden Frauen, dass als grausamer Täter einzig und allein der bürgerlich wirkende und doch so herrschsüchtige, jähzornige und übergriffige Ehemann Marjories infrage kommen kann.

Psychologisch ruhig baut der Autor die Geschichte ohne Nebenschauplätze oder verwirrende Seitenstränge linear auf, das Unvermeidliche bahnt sich unablässig an. Obgleich gar nicht sicher ist, ob der Ehemann Ted tatsächlich die Tat vollbrachte, entwickelt Marjories Mutter einen Plan zur Sühne der niederträchtigen Tat.

Konsequent und für die Lesenden unablässig spannend verfolgt Mrs. Clair das eine Ziel, den Schwiegersohn zu beseitigen. Dabei sorgt sie geschickt und perfide für einen Kontakt und arrangiert schließlich sogar einen gemeinsamen Urlaub mit dem Untergebenen des herrischen Ehemanns und ihrer Tochter sowie der beiden Enkel an der Küste. Die aufkeimende Liebelei zwischen Marjorie und George Ely ist dabei Teil des bösen Vorhabens.

Bei aller beschaulichen Erzählweise bleibt die Geschichte wirklich bis zum Schluss spannend und gut nachempfindbar. Die Atmosphäre der 1930er-Jahre lässt sich wunderbar nachempfinden und die sich langsam bis zum tragischen Ende aufbauende Tragik der Geschichte ergreift stark. Ein klasse geschriebener Kriminalroman in einer entschleunigenden aber nicht minder tragfähigen Erzähldichte begeistert trotz oder gerade wegen der zahlreichen konkurrierenden Hochgeschwindigkeits-Action-Thriller sehr.

(c) 4/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Veranda Junkies

Cornel Rüegg

EUR 34,90 *
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40

20.04.2015

„Stadtbegrünungsrevolution”

Eine Revolution ist es wohl nicht, was sich mehr und mehr in größeren und kleineren Städten auf Dächern, Balkonen, Vorgärten oder auch öffentlichen Grünflächen und –inseln zeigt: das urbane Gärtnern wächst im wahrsten Sinn des Wortes überall.

15 solcher „Urban Gardener“ beschreiben in dem Buch ihre Erfahrungen als Stadtgärtnernde sowie wo und wie sie ihren „grünen Daumen“ einsetzen, Pflanzkübel und –gefäße mit Erde und Sämlingen bestücken und sich so ein wenig autarkes Leben mit der Natur in städtischer Umgebung schaffen.

Da gießt Marcel seine Kräuter und Sträucher auf seinem Dachgarten in Bahnhofsnähe und erzeugt eigenen Zitronenmelissensirup, Andrea genießt den Duft von Lavendel auf ihrem Südbalkon in der Vorstadt, Karel erfreut sich an Salaten und sogar Kartoffeln aus Pflanzsäcken, welche er auf der Dachterrasse seiner Altbauwohnung platziert hat.
Madeleine wagte sich sogar an Hopfen und will später mal eigenes Bier daraus brauen, Giorgio widmete seinen Parkplatz zum Minigarten um und findet neben dem Gefallen an seiner Duftgeranie auch gelegentlich Anerkennung als Pflanzendoktor für Problemgewächse von Nachbarn oder Freunden.

So geht es weiter in der Anthologie der Pflanzideen weiterer Gartenbegeisterten. Beeren, Kräuter, Tomaten, Erbeeren, Bohnen, Mangold, Kapuzinerkresse, verschiedenste Blumen, sogar Apfel- und Feigenbäume finden sich da in luftiger Höhe oder auch auf engstem Raum in Kästen, Boxen, Schalen, Tüpfen, Bechern, Eimern und Tüten.

Es gibt Tipps zur Bewässerung mit Solarpumpe ausgesprochen Umweltschonend oder mittels Tonkegel. Einkaufslisten für den Balkongarten oder wichtige Gartenwerkzeuge finden sich ebenso, wie Anleitungen für einen Kräuterturm, Hinweise auf essbare Blüten oder die Beschreibung der Funktion eines Wurmkomposter.

Am Ende des Buches hilft eine Art Lexikon wesentliche Fehlerquellen bei der Versorgung der Pflanzen zu vermeiden und das Glossar erläutert wichtige Fachbegriffe. Hilfreich ist der „Veranda Junkie Kalender“ mit den Monat für Monat anfallenden Aufgaben für echte „Urban Gardener“. Zahlreiche großformatige Fotos wecken die Lust zur Nachahmung.

Eine durchgängige Bepflanzungsanleitung oder Hilfen bei der Auswahl von Pflanzen in sachgerechter Reihung oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen fehlen zwar, doch wirkt die sehr vielfältige Präsentation der unterschiedlichen Menschen mit ihren Ideen und kleinen Lebensphilosophien und persönlichen Tricks niedrigschwellig einladend. Es zeigt sich, dass die neue Art zu Gärtnern immer individuell und sehr Persönlichkeitsabhängig ist, so dass jede und jeder selbst entscheiden kann und wird, von welcher Art der Begrünungskultur sie oder er sich ansprechen lässt.

Ein in gewisser Weise doch revolutionäres Buch mit vielen Tipps und einigen Anleitungen für all diejenigen, welche sich mit ihren Händen in die Erde der Begeisterung wühlen wollen.

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40

14.04.2015

„Gekritzel mit künstlerischem Wert”

Etwas Gedankenverloren beim Telefonieren oder während einer Wartezeit ein paar Striche, Linien, Kringel auf Papier kritzeln, die blassen Linien eines karierten Blocks zu einem Muster nachfahren – es gibt wohl kaum jemand, die oder der sich nicht schon einmal selbst bei dieser beiläufigen Anti-Stress-Beschäftigung ertappte.

Zen als stille Meditation und das gekritzelte Durcheinander und Gewirr von Linien, Zeichen oder Mustern finden im „Zentangle“ harmonisch zusammen. So entstehen aus nervösen und eher belanglosen Dahingekritzelten durch das bewusste Gestalten bei diesem aktuellen Kreativitätstrend kleine und feine Kunstobjekte.

Schnell klärt die Autorin auf, woher die an sich unspektakuläre Gestaltungsidee kommt und was die Kennzeichen dieser künstlerischen „Krakelei“ – ähnlich dem Ausmalen von Mandalas - sind. Aufgrund der dann doch etwas methodisierten und normierten Herangehensweise an das abstrakte Zeichnen auf Papierquadrate entsteht der Eindruck von Professionalität.

Schon nach kurzer Zeit ist das Grundprinzip des Zentangle® klar. Die Autorin gibt an, welche Materialien sinnvoll und nötig sind und die großzügigen Illustrationen der einzelnen Zeichenschritte helfen wunderbar, schnell loslegen zu können. Eine Vielzahl an Vorschlägen für Muster, Strukturen, Symbole und Elemente werden in Entstehungsphasen vorgestellt, was wirklich hilfreich ist, da gut nachvollziehbar. Die fertigen Beispiele wecken die Freude am Gestalten und machen Lust, auch eigene Muster zu entwickeln. Auch Tipps, wie ein Muster plastischer und ansprechender wirkt, sorgen für tolle Ergebnisse. So sorgen Wölbungen, Schraffuren oder Schattenverwischungen für geradezu dreidimensionale Wirkungen.

Dennoch bleibt dieses Zeichnen mit dem feinen Stift ein leicht zugängliches, durchaus meditatives Stricheln und Ausmalen abstrakter selbst erdachter Muster. Hat man einmal eine so genannte Kachel begonnen, gerät man fast in einen meditativen „Flow“, versinkt man in der Tätigkeit und vergisst nahezu alles um sich herum, so sehr konzentriert gestaltet man die kleine Fläche. Knapp eine halbe Stunde später kann man angenehm entspannt das faszinierende kunstvolle Ergebnis betrachten. Eine tolle Beschäftigungsidee für eine entspannte Seele.

(c) 4/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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50

19.03.2015

„Kompakter Schatz im edlen Schuber”

Die atmosphärischen Erzählungen von Siegfried Lenz sprechen in mehrfacher Hinsicht an. Es sind die eher nebensächlichen, alltäglichen und doch so besonderen Ereignisse und Empfindungen, welche die von ihm als Protagonisten gewählten Menschen bewegen und erleben. Trotz bedächtiger, aber stets treffender Formulierungen gelingt dem Meister der Erzählkunst Lesende in den Bann seiner Geschichten zu ziehen, egal, ob es sich dabei um die Gedanken des Jugendlichen in der Anstalt für Schwererziehbare, die bisweilen witzige, immer erfundene und doch so wahr wirkende Alltäglichkeit und Seelenbeschreibung vergangenen osteuropäischen Landlebens in der Erinnerung des Großvaters oder die so unmögliche, tragische und doch so verträumte Liebesbeziehung des Schülers und seiner Lehrerin, welche in der Erinnerung ihre Kraft entwickelt, handelt.

Die drei so unterschiedlichen Themen werden in faszinierend gekonnt gesetzter Sprachpräzision und dennoch beschwingt erzählt und es ist ein Verdienst des Verlages, diesen Schatz deutscher Literatur aktuell in einem praktischen und schönen Pappschuber zu vereinen und die Lesenden damit erfreut.

(c) 3/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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40

19.03.2015

„Liebeserklärung an ein Forschungsschiff”

Liebeserklärung an ein Forschungsschiff

In Tasmaniens Hauptstadt Hobart landet Isla samt ihrem Bruder, weil sich ihre Mutter von Islas herrischem Vater trennte und hierher zog. Wie sie das alles verkraften soll und kann, bleibt etwas unklar, doch ganz sicher zieht sie immense Lebensperspektive aus den Erzählungen des von der Insel Bornholm stammenden Schiffskochs Bo, welcher zwei Jahre lang bei ihnen wohnt, vielleicht auch, weil er sich in die Mutter verguckte. Doch das bleibt verborgen und wird nicht weiter thematisiert. Bo jedenfalls weckt in Isla nicht nur das Gefühl von Geborgenheit und eine innere Nähe zu ihm, sondern auch das Interesse sowie eine schier ungestillte Wehmut nach der Ferne und eine nachhaltige Liebe für das Versorgungsschiff antarktischer Forschungsexpeditionen „Nella Dan“ mit dessen leuchten roten Bug.

Das im Wechsel aus der Ich-Perspektive des Mädchens Isla und des seit seinem sechzehnten Lebensjahr angeheuerten Schiffkochs Bo sehr „leise“ erzählte Buch kommt ohne aufregend beschriebene Ereignisse aus, wenngleich all die so ruhig erzählten Vorkommnisse an Bord, die Wettergebeutelten Fahrten des Schiffes, die Gemeinschaft auf der „Nella Dan“ doch Leben bestimmendes Gewicht haben. Jedes Ablegen vom heimischen Hafen erklingt für den Sohn seines früher ebenfalls auf dem Schiff tätigen Vaters wie Musik in seinem Kopf, mal von den Dire Straits, dann von Pink Floyd und anderen. Am Ende des Buches sind diese Stücke aufgelistet, so dass man die unterschiedlichen Stimmungen selbst nachklingen lassen kann.

Obwohl nichts reißerisch oder aufwühlend beschrieben wird, ergreifen einen die oftmals doch dramatischen Ereignisse. Da sind der schreckliche Unfalltod des Freundes von Islas Bruder, der Todessturz Sörens, einem Freund von Bo, die Stürmischen Nächte an Bord des Schiffes oder auch die unsäglich langen, aber auch in der Not gut genutzten Aufenthalte im Eis, als die „Nella Dan“ festsitzt und sich die Mannschaft mit Fußballspielen die Zeit vertreibt. Immer wieder jedoch wird das Hauptgefühl Bos augenfällig: die absolute und kaum erträgliche Einsamkeit in der Unendlichkeit des Meeres und der Antarktis. Glück lässt sich nur selten erleben, sowohl für Bo, als auch für Isla. Nur wenige solcher kaum merklichen Momente lassen sich als Leserin oder Leser wahrnehmen.

Die wirklich existierende Protagonistin des melancholischen Beziehungsromans der besonderen Art wurde am 3. Dezember 1987, nachdem sie auf ein Riff auflief und später befreit wurde vor der Insel Macquarie wegen Unrentabilität der Reparatur versenkt.

(c) 3/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

buch

Light & easy

Hugh Fearnley-Whittingstall

EUR 24,90 *
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50

14.03.2015

„Kochen ohne Weizen und Milch”

Einführend erläutert der Autor Hugh Fearnley-Whittingstall, dass er den Verzicht auf Weizen und Milch sinnvoll findet, da immer häufiger auftretende Beschwerden oder Probleme bei – vor allem – übermäßigen Genuss dieser Nahrungsbestandteile gibt. Dabei gefällt, dass er keineswegs sklavisch oder dogmatisch verteufelt, sondern angenehm locker empfehlend den Verzicht auf diese Inhaltsstoffe befürwortet.

Jedem Kapitel vorangestellt hilft der Autor mit seiner dargelegten Überzeugung besser nachvollziehen zu können, weshalb auf bestimmte Zutaten verzichtet oder weshalb ausgewählte Zubereitungsarten und Bestandteile von ihm bevorzugt werden.
Die erprobten Gerichte glänzen durch in der Regel einfache Zubereitung und schmackhafte Ergebnisse und es sind eine ganze Reihe an bisher unbekannten oder in neuen Kombinationen interessant wirkenden Rezepte zusammengefasst.

Es gibt für alle Anlässe Rezeptvorschläge wie zum Beispiel Frühstück (sehr wohlschmeckende Tageseinstiege), Backen, Suppe, Salat, Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst und Süsses. Gut finde ich das Kapitel „Zutaten“, da dort die verschiedenen, bisweilen auch eher „exotischen“ Gewürze oder Zutaten ausführlich vorgestellt und deren Verwendung erklärt werden. Eine Auflistung Glutenfreier Backwaren ist gut für von Zöliakie Betroffene. Das schlussendliche Register ist selbstverständlich, so dass nach Stichworten die jeweiligen Seiten im Buch gefunden werden können.

Simon Wheeler fotografierte nahezu jedes Rezept und einige Illustrationen von Mariko Jesse lockern das gut gesetzte Buch angenehm auf. Jede neue Seite weckt die Lust zu lesen, vor allem aber auch das vorgestellte Rezept auszuprobieren und schließlich das Ergebnis auch zu verspeisen.

Selbermachen aus frischen Zutaten ist Prinzip aller Kochempfehlungen des erfahrenen Lebensmittelaktivisten und Journalisten und das beginnt beim Frühstück – sehr schmackhaft Pelenta mit Honig -, geht über das Backen (Knabbervergnügen Roggen-Grissini) und Suppen (Geschmorte Champignonsuppe), Salate wie den mit Birnen, Heidelbeeren, Thymian und Datteln, Fisch, Fleisch (Rindfleisch Thai-Art), Gemüse – toll: Grüne Bohnen mit Nuss und Orange -, Früchte (Cobbler mit Birne und Schokolade) bis hin zu Süßem wie die verführerischen Erdnuss-Frucht-Kugeln.

Jedes Rezept weist übersichtlich alle Zutaten aus, beschreibt in Arbeitsschritten nachvollziehbar die Herstellung und bietet oft auch noch weitere Varianten der Zubereitung an. Ein kleines Symbol hilft beim Auffinden veganer Rezepte und eine gezeichnete Uhr markiert die ganz fixe Zubereitung.

Dieses Kochbuch mit einem hohen Anteil an vegetarischen und teilweise sogar veganen, vor allem aber wohlschmeckenden und nicht zu komplizierten Rezepten sind eine Bereicherung für jede Küche.

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40

12.03.2015

„Geniale Vertuschung oder vertuschte Genialität”

Schon nach wenigen Zeilen taucht man in eine Geschichte ein, welche spekulative und geheimnisvolle Entwicklung erwarten lässt. Das Auffinden einer bewusstlosen jungen Frau 1932 in einem Wald bei Potsdam, ganz in der Nähe des Einstein-Wohnhauses in Caputh ist ein gelungener Einstieg. Ein bei ihr gefundener Zettel mit den Angaben zu einem Vortrag des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein „Der gegenwärtige Stand der Quantentheorie“ und ihre sich nach dem Aufwachen zeigende Amnesie, unterstreicht die Erwartungshaltung mysteriösen Geschehens. Schnell wird sie mit dem Titel „Das Einstein-Mädchen“ behaftet.

Etwas unübersichtlich in der Erzählweise aus Sicht wechselnder Protagonistinnen und Protagonisten verblüfft doch die gelungene Verknüpfung historischer Wahrheit und spannender Fiktion. So erfährt man zunächst einiges über Alma Siegel, die Verlobte des Psychiaters Dr. Martin Kirsch an der Berliner Charité, dann beginnt die aus der Bewusstlosigkeit erwachte, jedoch noch kaum ansprechbare Marija Dragonovic an Erzählgewicht. Kirsch erinnert sich an eine Begegnung in einer Bar mit eben dieser Frau, als sie sich jedoch als Elisabeth vorgestellt hatte, und empfindet über die Zeit mehr als rein medizinisches Interesse an dieser Person. Er startet sozusagen auch private Recherchen, um mehr über die Identität und Herkunft Marijas herauszufinden. Gleichzeitig steht er jedoch auch in einer fachlichen Auseinandersetzung mit einem Kollegen, dessen Behandlungsmethoden er in höchstem Maße kritisch sieht und beurteilt.

Ausgesprochen nachvollziehbar sind die gesellschaftlichen und alltäglichen Umstände eines 30er-Jahre Berlins wenige Monate vor der Machtübernahme durch die Nazis beschrieben. Auch die Arbeit in den psychiatrischen Einrichtungen damaliger Zeit kann man sich gut vorstellen. Die eigentliche Spannung der Geschichte begründet sich in der Idee, die gefundene Frau könnte Einsteins Tochter aus erster Ehe sein. Über die Existenz und den Verbleib dieser „Lieserl“ gelangten jedoch nie konkrete Informationen an die Öffentlichkeit. Auch die von Dr. Kirsch ausfindig gemachte ehemalige Ehefrau Einsteins, mit Mileva Einstein-Maric schweigt hartnäckig. Erst Eduard, einer der Einstein-Söhne könnte Hinweise auf die mögliche (Halb)Schwester geben. Doch die Tatsache, dass dieser in der Nervenheilanstalt „Burghölzli“ untergebracht ist und wohnt, erschwert auch diese Nachforschungen. Nicht zuletzt steht der Forscher in Sachen Familiengeschichte Einsteins unter der Belastung seiner fortschreitenden Erkrankung aus dem 1. Weltkrieg.

Der britische Historiker und Autor schafft es, mit seinem eher bedächtigen Roman ausreichend Spannung um das Geheimnis der Hauptperson zu erzeugen. Manchmal jedoch verliert er sich und den „roten Faden“ seiner sehr vielschichtigen Recherche in zu langwierigen aber dadurch bisweilen auch etwas verwirrenden Gedankenspiele seiner Handelnden.
Die ausgezeichnete Recherche und die oft sehr nahe die Wahrscheinlichkeit tangierende Geschichte fesselt dennoch und ist auf jeden Fall eine gute Leseempfehlung für alle, welche sich mit Person Einsteins einerseits sowie der Lebenskraft einer bewegenden menschlichen Beziehung andererseits befassen möchten.

buch

Werkstatt Holz

Antje Rittermann

EUR 24,90 *
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50

03.02.2015

„Künstlerische Impulse für aktive Werkbegeisterte”

Einer der schönsten und vielseitigsten Werkstoffe kommt hier zu seinem Recht. Die beiden Autorinnen Unterteilt in die sehr anregenden Kapitel Schnitzen, Holzwerken, Sägen, Bohren, Raspeln und Schleifen, Leimen, Nageln, Schrauben sowie Alleskönner und Holzbildhauen bieten sie eine unglaubliche künstlerische Aufgabenfülle zum Nachwerken für Mädchen und Jungen an.

Wunderbar und gut verständlich erklären sie geradezu behutsam die zu verwendenden Materialien vom Holz bis zu den einzusetzenden Werkzeugen. Alle Arbeitsgänge werden gut erklärt und durch zahllose Illustrationen und Farbbilder dargestellt. Da es sich zudem um künstlerisches Schaffen handelt, kann auch niemand etwas „falsch“ machen – außer sich versehentlich in den Finger schneiden. Doch selbst hierzu gibt es Hinweise, wie das Schnitzmesser zu führen, die Säge zu führen oder der Bohrer zu halten ist.

Manche Projekte erfordern elektrische Geräte wie Bohrmaschine, Stichsäge oder Akkuschrauber, auch eine Hobel- oder Werkbank sind manchmal sehr hilfreich. Insofern sind die Möglichkeiten für diese Objekte doch etwas eingeschränkt. Auch die nicht Stromabhängigen Werkzeuge sind nicht gerade Haushaltsstandard – da braucht es ehrlich gesagt schon eine gut sortierte Werkstatt oder zumindest den Bastelkeller mit wesentlichen Werkzeugen. Das ist allerdings ein Manko des sehr die Kreativität heraus fordernden Praxisbuches.

Alle Figuren, Tiere, Objekte, Häuschen, Fahrzeuge, Spielgeräte, Gestaltungs- und Funktionsobjekte werden sowohl im Text als auch durch Illustrationen und Farbfotos gut dargestellt, so dass die Kinder sich wunderbar vorstellen können, wie die einzelnen Stücke aussehen könnten, dabei aber genug Schöpfungsfreiraum haben, ihre eigenen Phantasien umzusetzen. Trotzdem sind Geübtheit im Umgang mit den Werkzeugen und handwerkliches Geschick eine wichtige Voraussetzung, die schönen Vorschläge der beiden Künstlerinnen umzusetzen.

Mit etwas Unterstützung (Gerätebereitstellung, Begleitung) werden Mädchen und Jungen sicher viel Spaß an dem aktiven künstlerischen Tun haben.

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40

03.02.2015

„Experimente und Projekte zum Nachbauen”

Experimente und Projekte zum Nachbauen

Die Elektronik hat das Leben auch von Kindern längst umfassend erreicht. Smartphones und Tablets, wenigstens Notebooks gehören zur Grundausstattung eine Kinderlebens.

Da tut es gut, wenn so ein Experimentier-Buch ganz praktisch sozusagen handgreifliche Impulse anregt. Mädchen und Jungen können so Technik und Elektronik spielend erfahren und sogar noch eine Menge Spaß mit Freundinnen und Freunden dabei erleben. Dazu ist es sogar richtig spannend, was dieses Werkset samt Erklärbuch alles zum Nachbauen anbietet.

Unter dem geheimnisvollen Thema Spione und Agenten bietet der Baukasten-Teil des Elektronik-Sets einige elektronische Bauteile wie zwei Glühbirnchen, einen Summer, einen Schalter, eine Lüsterklemme, zwei Lämpchenfassungen, einen Batteriehalter, zwei Kabel, eine Blink-LED, einen Minitransistor und einen Widerstand sowie das Erklärbuch.

Um bestimmte Geräte nachbauen zu können, braucht es allerdings noch einige weitere Materialien, welche allerdings nicht unbedingt in jedem Haushalt vorrätig sind wie zum Beispiel einen Wok oder eine Plastikschüssel, ein Mikrofon, einen Kopfhörer, eine Heißklebepistole, Nylonschnur, Briefklammern, einen Taschenrechner (nein, nicht der auf dem Smartphone), blaue und rote Folie oder eine Infrarotlicht sensible Kamera. Das schränkt die Machbarkeit der Bastelvorschläge leider deutlich ein.

Dieses ist nicht nur großzügig und Lust weckend illustriert und bebildert, sondern alle darin enthaltenen Anleitungen sind klasse präsentiert und gut beschrieben. Zunächst gibt es eine Einführung zu den beigefügten Bauteilen, so dass man schnell weiß, wozu die einzelnen Dinge zu nutzen sind oder wie man damit umgeht. Dann folgen die einzelnen Projekte von der Leuchtsturmhaube und der witzigen Tarntaschenlampe über den einfachen Metalldetektor, das blinkende Verfolgungslicht, ein Periskop bis zum Fußmattenalarm.
Auch eine Alarmanlagenfalle, eine Diebstahlsicherung für das Tagebuch oder die Spardose, eine Fahrrad-Wegfahrsperre oder eine Abhöranlage kann man nachbauen. Klasse ist auch das kleine Morsegerät zum Senden von Geheimnachrichten oder die Lichtfunkstation gehören zum Agenten-Standard.

Ohne elektronische Hilfsmittel kann man Spuren lesen, eine Haar-Falle einrichten, Geheimtinte und einen Agentinnen- oder Agentenausweis herstellen oder mittels einer Code-Tabelle Nachrichten chiffrieren.

Für jedes Projekt ist eine Materialliste abgedruckt und dann wird in logischer Reihenfolge beschrieben, was mit den einzelnen Bauteilen zu tun ist. In einem kleinen Glossar am Ende des Buches lassen sich fachspezifische Begriffe nachschlagen.

Mit dem Aktiv-Set können Mädchen und Jungen ab etwa 8 Jahren selbst aktiv den Geheimnissen der Elektronik etwas annähern, konkrete Objekte nachkonstruieren und dann im gemeinsamen Spiel miteinander kleine Abenteuer erleben.

(c) 1/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

buch

Kunkku

Tuomas Kyrö

EUR 25,00 *
auf Merkliste

20

25.01.2015

„Skurriler Unsinn mit authentischen Zügen”

Glaubt man anfänglich noch, sich selbst bei der eigenen Unkenntnis über das nordische Land ertappt zu haben, wird im Verlauf der skurrilen Geschichte des – eben fiktiven – letzten finnischen Königs König Kalle Penttinen XIV. – doch schnell klar, dass hier eine Quatschgeschichte ein Lektorat und schließlich die Belletristik-Regale der Buchhandlungen erreichte.

Der Hauptwitz der „Lebensgeschichte“ eines gefallenden, geschiedenen, von seinen Kindern getrennten und aus dem Schloss vertriebenen Kunkku, wie er auch genannt wird, besteht darin, dass er sich im geregelten Alltag des Lagerarbeiters Pena Penttinen, wie er sich nun nennt, im Elektronikhandel wieder findet aber an sich glücklich über das Ende seines Herrscherdaseins ist. Ein wenig mag da Gesellschaftskritik mitschwingen, aber das wirkt doch sehr „hergeholt“.

Immer wieder lässt der Autor seinen Protagonisten sich an vergangene Zeiten als König erinnern, mischt Begegnungen mit Figuren der Zeitgeschichte des letzten Jahrhunderts in erdachte historische Zusammenhänge und findet zum Beispiel Spaß daran, die Königinmutter Überlegungen zur Olof Palmes anstellen zu lassen. Sehr witzig … ?!?

Einige satirische Versuche, skandinavische Lebensart zu karikieren, bleiben schwach und auch die doch sehr (post)pubertären Liebhabereien des Schreib- und Leseunfähigen Kokainschnupfenden Zwangssingles wie große Brüste, schnelle Autos, Konsolen-Tennis oder alte Schwarzweißfilme mit „Dick & Doof“ verhelfen dem Buch nicht zu mehr Tiefe.

Ein wenig ergreift einen der vermeintlich entlarvende Blick hinter die Kulissen von Macht und Reichtum. Auch fühlt man mit Kunkku-Pena mit, wenn aufgezeigt wird, wie wichtig für Kunkku die Familie und der Wert der Freundschaft sind, selbst wenn die Familie ihn längst nicht mehr ernst nimmt und nichts mit ihm zu tun haben will. Seine Tochter ist depressiv, der Sohn sitzt im Gefängnis und seine Frau Sofi verließ ihn. Selbst die alten Freunde stellen inzwischen fragwürdige Existenzen dar. Als völlig unselbstständiger und stets vom Hofmarschall bevormundeter König gesellt sich die Lebenspraktische Helen an seine Seite und unterstützt Pena, sich kulturell zu entwickeln sowie den komplexen Alltag zu bewältigen. So wird die tragische und bedauernswerte Figur an manchen Stellen sympathisch und vor allem menschlich. Für diese einzige Botschaft des Buches ist ehrlich gesagt zu viel Nonsens herum geschrieben.

Eventuell kann man darüber schmunzeln, dass die Finnen ein bedeutendes Raumfahrtprogramm hätten oder Schweden Finnland beitritt. Und etwas empathisch kann man auch die neue Verliebtheit des so einsamen Ex-Königs nachvollziehen. Aber wirklich zündend oder gar ein Lachen provozierend ist leider nichts in dem Buch. Dabei war es doch als lustigstes Buch Finnlands beworben worden. So bleibt am Ende als Wert des Buches ausschließlich die Erkenntnis: Finnen lachen über andere Dinge.

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