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leserattebremen
Ort:
Bremen
Rezensionen:
21 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 4

nicht hilfreich: 0

Rang:
1979

leserattebremens Rezensionen

123

40

22.04.2012

„Ein netter Roman für den Sommerurlaub”

Falk Thomsen studiert im 13. Semester Soziologie in Hamburg und weiß eigentlich nicht, was er mit seinem Leben anfangen will. Als er überraschend der Strandkorbverleih seines Onkels Sten auf Heisterhoog erbt, fährt er erst einmal hin um sich alles anzugucken. Er ahnt noch nicht, in was er als neuer Besitzer eines umkämpften Strandabschnitts hineingezogen wird.

Kampf um ein Naturschutzgebiet

„Nackt unter Krabben“ ist locker geschrieben, lustig und unterhaltsam. Es gibt die klassischen Charaktere, die man in so einer Geschichte erwarten kann, die Naturschutzaktivisten, den Eigenbrödler der Insel, einen netten, aber nicht ganz so hellen Helfer im Strandkorbverleih und einen gewieften Geschäftsmann, der in den Dünen einen riesigen Hotelkomplex hochziehen will. Angenehm ist es, dass sich hier nicht immer nur Gut und Böse gegenüber stehen, sondern dass man Falk wirklich ganz gut abnehmen kann, wie er teilweise zwischen den Fronten steht und nicht weiß, was er machen soll. Ein paar Szenen fand ich sehr realitätsnah und nachvollziehbar, auch wenn die Geschichte wenig Überraschungen birgt und so verläuft, wie es von Anfang an zu erwarten war. Am Ende gibt es dann doch das zu erwartende Gut gegen Böse und die Seiten sind ziemlich klar.

Nicht überraschend, aber gut zu lesen

Die Liebesgeschichte, die die Autorin noch mit reingeschrieben hat, hätte man meiner Meinung nach gut weglassen können. Die Konstruktion passt nicht wirklich zu der restlichen Geschichte und liefert teilweise fadenscheinige Begründungen für Falks Verhalten, die mir nicht glaubwürdig für seinen Charakter erscheinen.
Das Ende nach einigem hin und her ist leider etwas sehr platt und vorhersehbar, trotzdem war das Buch eine ganz nette Lektüre, die sich besonders für den Sommerurlaub eignet.

50

20.04.2012

„Nachricht von dir”

Das Cover vermittelt den Eindruck, man halte einen Liebesroman in den Händen: Eine Frau blickt Sehnsuchtsvoll über Paris und scheint jemanden zu vermissen. Auch der Klappentext vermittelt etwas ähnliches, ein Mann und eine Frau vertauschen ihre Handys und so führt das Schicksal sie zusammen.

Auf der Jagd nach den Geheimnissen des Anderen
Doch bereits nach einigen Kapiteln wird aus dem Liebesroman ein spannender Krimi, denn eine gemeinsame Bekannte aus der Vergangenheit verbindet die beiden und über die Handys beginnen sie, über die bisher unbekannte Person, der dieses Handy gehört, übereinander zu recherchieren. Schnell kommen Geheimnisse ans Licht und die Neugier der beiden wird geradezu obsessiv. Gemeinsam beginnen sie, einen Mordfall, der bereits vor Jahren zu den Akten gelegt wurde, wieder aufzugreifen und auf eigene Faust zu ermitteln. Eine spannende Jagd beginnt.

Ein vielseitiges Meisterwerk von Guillaume Musso
Ich bin schlichtweg begeistert von dem Buch, das so viele Facetten und Genres aufgreift. Mal Liebesgeschichte, mal Krimi und am Ende sogar Action-Thriller. Guillaume Musso ist wirklich ein Meisterwerk gelungen. Die Personen sind sehr tiefgründig und komplex gestaltet, als Leser hat man dadurch nie das Gefühl, nur an der Oberfläche zu kratzen sondern kann ihnen in den unterschiedlichen Momenten ihres Lebens folgen. Rückblenden erleichtern es zudem, das Verhalten der Charaktere zu verstehen und glaubwürdig zu machen. Besonders passend für diesen Roman empfinde ich auch die verschiedenen Mittel, mit denen Musso die Geschichte transportiert: mal in erzählender Prosa, mal in abgedruckten Kurznachrichten und E-Mails fühlt man sich ein bisschen wie ein Detektiv, der mit den beiden auf Recherche ist.
Ich habe das Buch fast an einem Tag durchgelesen und kann es jedem nur empfehlen. Vielen Dank für dieses wundervolle Buch!

20

17.04.2012

„Leider nicht so gut wie erhofft”

Einsteins Versprechen

In der erste Hälfte seines Lebens war Einstein überdurchschnittlich produktiv, von der zweiten Hälfte hat man kaum Aufzeichnungen. Gibt es vielleicht ein letztes Geheimnis, die alles erklärende Formel, die der Wissenschaftler mit ins Grab genommen hat? Oder hat er sie vielleicht seiner Tochter Lieserl hinterlassen? Der Journalist Javier Costa und die Doktorandin Sarah Brunet werden auf eine Schnitzeljagd rund um die Welt geführt, auf der Suche nach Einsteins letztem Geheimnis.

Das klingt zunächst einmal sehr spannend, die beiden folgen unterschiedlichsten Hinweisen und man weiß nie, von wem diese Hinweise eigentlich kommen. Gleichzeitig wird ihr weg immer mehr von Leichen gesäumt, Menschen die ihnen weiterhelfen sollten oder etwas über Einstein herausgefunden haben, werden ermordet und so wird aus der Jagd der beiden auch schnell eine Flucht vor etwas Unbekanntem.

Der Anfang des Romans ist daher auch sehr packend und spannend, die einzelnen Figuren werden eingeführt, Sarah und Javier auf die Fährte gelockt, zunächst alleine, später zusammen. Sie reisen durch Europa, dann durch Amerika. Leider fällt die Spannung ab der Mitte des Buches völlig in sich zusammen, die gesamte Geschichte wird wirr und undurchsichtig, viele mögliche Handlungsoptionen angedeutet, aber keine wirklich bis zum Ende durchgespielt. Am Ende fand ich die Handlung nur noch platt und uninspiriert. Man muss den Autoren zugute halten, dass sie eine wirklich gute Idee hatten, die Umsetzung war leider nicht so gelungen wie erhofft. Alles in allem ein eher enttäuschendes Buch.

50

16.04.2012

„Historischer Roman der Extraklasse”

Am 1. November 1755 erschüttert ein Erdbeben Sevilla, das als „Erdbeben von Lissabon“ in die Geschichte eingeht, da es dort die schlimmsten Schäden verursacht. In Sevilla fällt dabei der Schlussstein aus Kathedrale und gibt einen Hinweis auf ein Rätsel frei, dass den christlichen Orden in San Juan de Acre seit Jahrhunderten beschäftigt. Bereits im Jahre 1248 wurde zwischen dem spanischen König und dem maurischen Herrscher ein Kapitulationsvertrag geschlossen, der den Umgang mit der Giralda in Sevilla regeln sollte. Zwischen den Herrschern sollten fünf Schachpartien gespielt werden, der mit den meisten Siegen sollte entscheiden, ob der Turm stehen bleiben oder zerstört werden sollte. Vier Partien waren bereits gespielt, als der Kapitulationsvertrag verschwand, es stand unentschieden. de Montenegro ist die ganze Hoffnung des Ordens, er soll die letzte Partie für die Christen spielen, doch zunächst einmal muss der Vertrag gefunden werden, der den aktuellen Spielstand anzeigt. In Julia de Haro findet Léon seine große Liebe, doch seine Verpflichtungen werfen einen Schatten auf ihr gemeinsames Schicksal. Auch die nachfolgenden Generationen bleiben im Bann dieses Spiels gefangen, das ihr Leben unweigerlich beeinflusst, ohne dass sie sich im entziehen können.
Der Roman von Nerea Riesco beschreibt die Lebensgeschichte der Familie Montenegro über mehrere Generationen vor dem Hintergrund Spaniens im 18. und frühen 19. Jahrhundert, zur Zeit der Revolution in Frankreich und unter dem Bruder Napoleon Bonapartes, Joseph I. Die Figuren des Romans sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können, einige sind große Idealisten, einige kühl und berechnend, einige stark, andere schwach oder bösartig, und doch alle unweigerlich miteinander verbunden durch den Ausgangspunkt der Geschichte, der Liebe von Julia und Léon und der Suche nach dem 500 Jahre alten Dokument.
Der Autorin ist ein fesselnder historischer Roman gelungen, der den Leser mitnimmt auf eine Reise in die Vergangenheit. Langeweile kommt an keiner Stelle auf, da die Geschichte zügig vorangetrieben wird. Der Verlauf von zehn Jahren wird in zwei Sätzen zusammengefasst, wenn in dieser Zeit nichts für die Haupthandlung relevantes geschieht und Vorausdeutungen an wichtigen Stellen der Geschichte lassen einen gespannt umblättern, gebannt folgt man als Leser den Figuren durch das historische Sevilla, immer gespannt, was das Schicksal noch für sie bereit hält.
Unterstützt wird die ganze Stimmung des Romans durch schöne Illustrationen und einen historischen Stadtplan Sevillas, der im Umschlag des Buches versteckt ist. Dem Fischer Verlag ist eine großartige Ausgabe des Romans gelungen!

50

16.04.2012

„Liebevolle Geschichte”

Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Bea ist verheiratet mit dem Unternehmer Marty, hat drei Kinder, die bereits erwachsen sind und führt ein von Außen betrachtet glückliches unbeschwertes Leben. Ginny hingegen ist zwar auch verheiratet, aber sie und ihr Mann Adam haben gerade ihr Kind verloren. Ihr Sohn starb an einem Herzfehler, als er erst wenige Tage alt war. Das Paar fährt nach Italien, in der Hoffnung, das Geschehene zumindest eine zeitlang hinter sich zu lassen. Dort treffen sie auf Bea und ihre Familie, die einen letzten großen Familienurlaub machen. Danach will Bea ihren Mann verlassen, was aber außer ihr keiner weiß. Als dann plötzlich ein junger Mann auftaucht, der sich mit Beas Tochter Pippi anfreundet, aber eigentlich etwas ganz anderes sucht als diese Freundschaft, ist das Personenchaos perfekt und eine abwechslungsreiche Geschichte nimmt ihren Lauf.
Ich war am Anfang sehr skeptisch, ob dieses Buch nicht nur eine seichte Geschichte über eine Frau ist, die ihr Kind verloren hat und dann wieder ins Leben zurück findet. Doch der Derbutroman von Louise Candlish besticht durch die eigenwilligen Personenkonstellationen, die immer wieder neu kombiniert werden. Die Geschichte hat eigentlich nicht viel Handlung, sondern lebt von Gesprächen und Beschreibungen der Gefühle der Charaktere, was der Autorin sehr gut gelingt. In diesem Urlaub sind alle auf der Suche nach irgendetwas, vielleicht auch ohne es zu wissen. Einige fliehen vor ihrer Vergangenheit oder vor ihrer Zukunft, geben sich ihren Illusionen vom unkomplizierten Leben hin oder müssen feststellen, dass alles, was für sie immer selbstverständlich war, plötzlich zerbricht. Über allem hängt ein Geheimnis, das sich nicht richtig in Worte fassen lässt und erst am Ende wird langsam klar, wie stark die Geschichten der Figuren wirklich miteinander verknüpft sind.
Louise Candlish ist eine wunderbare Beobachterin menschlicher Emotionen und Verhaltensweisen, sie lässt einen teilhaben an den komplizierten Entscheidungen, die die Figuren treffen, so dass man am Ende fast ein bisschen traurig ist, sich wieder von Ihnen trennen zu müssen, nachdem man einen entscheidenden Abschnitt ihres Leben so nah miterlebt hat.

30

16.04.2012

„Satire auf die Politik”

Eine Regierungschefin wird im Urlaub von einem herunterfallenden Bahnhofsschild getroffen und kann sich an die letzten 20 Jahre ihres Lebens nicht mehr erinnern. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, vergiss sie über Nacht alles, was sie tagsüber gelernt und erfahren hat. Jeden Morgen muss ihr Mann ihr wieder beibringen, dass sie keineswegs in ihren Wahlkreis muss, weil sie nämlich längst Regierungschefin ist. Diese Ausgangssituation führt zu zahlreichen amüsanten Erlebnissen der Politikerin mit ihren Mitarbeitern, die langsam beginnen, an ihrem Stuhl zu sägen.

Dass mit der „Regierungschefin einer westlichen Industrienation“ durchaus Angela Merkel gemeint sein könnte, wird an einigen Episoden schnell deutlich, stört beim Lesen jedoch nicht. Die Autorin zeichnet ein herrlich überspitztes Bild des Politikbetriebs und zeigt, dass Umfragewerte offensichtlich nicht von politischen Entscheidungen abhängen. Je unkonventioneller sich die Protagonistin in der Öffentlichkeit bewegt, desto beliebter wird sie beim Volk und desto suspekter wird sie ihrem Mitarbeiterstab, da sie sich nicht an die intern offensichtlich bestehenden Regeln hält.
Das Buch ist gute Unterhaltungsliteratur, plätschert jedoch manchmal etwas langatmig dahin. Ich hätte mir für die Geschichte stellenweise allerdings eine extremere Entwicklung gewünscht, um wirklich herausragend zu sein.

10

16.04.2012

„Nicht zu empfehlen”

Max ist Anfang vierzig und steckt in einer Krise. In seinem Job wird er beurlaubt, weil er angeblich zu viele Witze mit sexuellen Anspielungen seiner Kollegin gegenüber macht und seine Frau findet ihn längst nicht mehr so toll wie früher. Eigentlich leben die beiden nur noch nebeneinander her. Max steckt voll in einer Midlife Crisis und meldet sich in einem Fitnessstudio an, stemmt Gewichte und beobachtet die hübsche Frau am Empfang, die er zu gerne einmal tanzen sehen würde.
Ich hatte viel Gutes von dem Buch gehört, es sei witzig, intelligent, sehr unterhaltsam. Leider kann ich dem aus meiner Sicht nicht zustimmen, ich habe mich bei der Lektüre schlicht und einfach gelangweilt und mich am Ende geärgert, die Zeit mit dem Lesen dieses Buches verschwendet zu haben. Die Geschichte hat sich für mich überhaupt nicht entwickelt, hatte keinen Schwung und plätscherte ohne jegliche Dynamik dahin. An vielen Stellen hab ich mich über die zahlreichen Klischees geärgert, die von dem Autor verbraten werden, was dazu führte, dass der Protagonist eher nervt als unterhaltsam wirkt.
Ich war wirklich enttäuscht von dem Buch und hatte mehr erwartet. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kolumnen des Autors sehr unterhaltsam sind, aber ausgebreitet auf 250 Seiten war es einfach anstrengend.

40

16.04.2012

„Einmal durch die Hölle und zurück”

Pietro Brwna, ein ehemaliger Mafiakiller, arbeitet und einem Decknamen als Arzt an Bord eines Kreuzfahrtschiffs- so gut es eben geht mit einem sehr fragwürdigen Universitätsabschluss und einer Weiterbildung in Zahnheilkunde per Youtoube-Videos. Doch mit diesen halbwegs entspannten Leben ist es vorbei, als er für einen amerikanischen Milliardär gemeinsam mit der Paläontologin Violet Hurst auf die Jagd nach einem Seeungeheuer geschickt wird. Als sie herausfinden, dass dort in letzter Zeit bereits vier Menschen zu Tode gekommen sind, machen sie sich auf die Suche nach den vermeintlichen Mördern- denn an ein Seeungeheuer glauben sie beide nicht.
„Einmal durch die Hölle und zurück“ ist zweite Roman von Josh Bazell, sein Debüt „Schneller als der Tod“ stand lange auf den Bestsellerlisten und ist der inhaltliche Vorläufer zu diesem Krimi. Doch auch ohne Kenntnis des ersten Romans kann man der Handlung problemlos folgen. Der Stil des Autors ist äußerst unterhaltsam und hebt sich positiv von den meisten bekannten Krimiautoren ab, er ist sehr direkt, teilweise fast brutal und gleichzeitig unterlegt mit einer Menge bitterbösem schwarzem Humor. So wird die anfänglich etwas alberne Jagd nach einem Seeungeheuer gemäß Nessie in Schottland schnell zu einem spannenden Krimi mit höchst eigenartigen Charakteren, wie beispielsweise den Organisator dieser Abenteuertour Reggie Trager, dessen Motive ziemlich fragwürdig scheinen. Pure wissenschaftliche Neugier scheint es nicht zu sein, die ihn zu dieser Reise an den See treibt. Und auch der ein oder andere Prominente begibt sich mit auf die Suche nach dem Urzeitmonster, was beim Leser für einige Lacher sorgen dürfte.
„Einmal durch die Hölle und zurück“ ist ein gutes Buch für jeden, der keinen klassischen Krimi mit klarer Rollenverteilung sucht, sondern der von einem Buch neben Spannung auch Witz und eine gewisse Einzigartigkeit erwartet. Das ist Josh Bazell definitiv gelungen.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Lucy

Laurence Gonzales

EUR 14,90 *
auf Merkliste

50

16.04.2012

„Was macht einen Menschen aus?”

Lucy wurde im Dschungel der Demokratischen Republik Kongo geboren und ist fünfzehn, als sie nach Amerika kommt. Ihr Vater ist Forscher und wird während der Unruhen des Bürgerkriegs erschossen, Lucy wird von der Primatenforscherin Jenny gerettet, die ihr Lager zwei Tagesmärsche entfernt aufgeschlagen hat und mit ihr gemeinsam flieht. Sie nimmt das Mädchen mit nach Amerika und will ihre Familie ausfindig machen. Doch schnell muss sie erkennen, dass Lucy kein normales Mädchen ist. Sie ist das Ergebnis eines Experiments ihres Vaters, der beweisen wollte, dass man durch die Kreuzung von Bonobos und Menschen eine neue, bessere Art des Menschen schaffen könnte.
Der Roman von Laurence Gonzales unterscheidet sich von allem, was ich bisher gelesen habe, er ist wahnsinnig spannend und gleichzeitig irritierend. Es werden grundlegende bioethische Fragen aufgeworfen: Was darf der Mensch überhaupt im Rahmen der Forschung tun? Und wie geht man mit dem Ergebnis um, das nun einmal vorhanden ist, ohne selbst schuld daran zu sein? Über allem schwebt die Suche danach, wozu der Mensch letztendlich fähig ist in seinem Wunsch, die Natur endgültig zu beherrschen und die gleichzeitige Angst davor, wie man mit dem Ergebnis dieser Forschung umgehen soll. Politik und Medien veranstalten eine Hetzjagd auf Lucy, religiöse Eiferer wollen sie tot sehen, Forscher sehen in ihr eine einzigartige Möglichkeit der Erforschung von Primaten. Doch bei allem ist Lucy einfach ein amerikanischer Teenager geworden, der auf den Abschlussball geht und mit ihrer besten Freundin auf Facebook und YouTube aktiv ist.
„Lucy“ ist ein faszinierender Roman, der Autor scheut sich nicht, zentrale Fragen des Menschen aufzuwerfen und sich ihnen in der fiktiven Geschichte zu stellen. Was macht einen Menschen eigentlich aus? Seine DNA? Seine Fähigkeit zu sprechen, mit anderen Menschen zu fühlen, aufrecht zu gehen? Eine abschließende Antwort gibt er dem Leser jedoch nicht, jeder muss sich selbst mit Lucy auseinandersetzen. Ein außergewöhnlicher Roman, den man gelesen haben muss!

40

16.04.2012

„Hochspannung”

Als in Västerås der 16 Jahre alte Roger Eriksson verschwindet, ist die örtliche Polizei schnell überfodert. Erst nach drei Tagen beginnt die Suche nach dem Jungen und als seine Leiche gefunden wird, wird die Reichsmordkommission eingeschaltet. Die Suche nach dem Mörder im Umfeld des Jungen führt die Ermittler und es Psychologen Sebastian Bergmann immer wieder an das Elitegymnasium Palmlövska, auf das auch Roger ging. Doch was haben der perfekte Direktor oder die Lehrerin von Roger wirklich mit dem Mord zu tun? Und warum hat der Junge, nachdem er an seiner alten Schule gemobbt wurde, auch an dieser Schule scheinbar keine Freunde gefunden? Die Suche nach dem Mörder von Roger gestaltet sich schwierig, scheint es über den Schüler doch kaum Informationen zu geben.
Unterlegt wird die Kriminalgeschichte mit zahlreichen persönlichen Geschichten des Ermittlerteams rund um den Kommissar Torkel. Sebastian Bergmann ist ein alter Bekannter von ihm und als Torkel ihn bittet, bei dem Fall zu helfen, bringt er sein ganzes Team gegen sich auf, denn Sebastian ist alles andere als eine sympathische umgängliche Person. Seit er seine Frau und seine Tochter verloren hat, ist er ständig auf der Suche nach unverbindlichem Sex und macht auch vor in den Fall verwickelten Frauen nicht halt. Er wirkt arrogant, behandelt die anderen Ermittler herablassen und besserwisserisch. Kaum einer hält es mit ihm aus, dennoch kann er den Fall entscheidend vorantreiben.
Der Krimi lebt von all diesen zwischenmenschlichen Beziehungen, die das schwedische Autorenduo so detailliert darlegt, dass einem die Personen schnell ans Herz wachsen. Je mehr man sie kennt, desto eher versteht man ihre Art, an den Mord heranzugehen und die Ermittlungen zu führen. Das unterscheidet diesen Krimi auch deutlich von den zahlreichen anderen skandinavischen Krimis, die in den letzten Jahren den Buchmarkt geflutet haben, er ist weitaus persönlicher und menschlicher ausgerichtet als es es bei einer reinen Täterjagd möglich wäre. Dadurch ist Hjorth und Rosenfeldt ein sehr gutes Buch gelungen, desssen Tempo zum Ende hin immer weiter steigt, so dass man es bei den letzten 100 Seiten wirklich nicht mehr aus der Hand legen kann.
Das schwedische Fernsehen verfilmt den Roman in Kooperation mit dem ZDF, man darf also gespannt darauf sein, Torkel, Vanja und Sebastian bald über den Bildschirm flimmern zu sehen. Eine sehr gute Vorlage haben Hjorth und Rosenfeldt auf jeden Fall geliefert!

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