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Die Charité

Ein Krankenhaus in Berlin - 1710 bis heute

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Artikeldetails zu Die Charité

AutorErnst Peter Fischer

Untertitel Ein Krankenhaus in Berlin - 1710 bis heute

Abbildungsvermerk Abbildungen 22 cm

  • ISBN-103-88680-880-7
  • ISBN-139783886808809
  • Verlag Siedler Verlag
  • Einbandartgebunden
  • Seiten287
  • Veröffentlicht17.08.2009
  • Gewicht502g
  • SpracheDeutsch

Leseprobe aus Die Charité

"Aus christlicher Liebe denen armen Kranken beizuspringen" - diese aus den Charite-Annalen stammenden Worte beschreiben eine dringende Aufgabe zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Sie sollte in dem sich bald als Großstadt präsentierenden Berlin mithilfe einer Anstalt erfüllt werden, die deswegen den schönen französischen Namen der Barmherzigkeit bekam. Die Anweisung dazu stammt aus dem Jahr 1727; zu verdanken ist sie dem preußischen König Friedrich Wilhelm I., der damit die eher schlichte Anlage adelte, die sein Vorgänger, Friedrich I., 1710 vor den damaligen Toren Berlins hatte errichten lassen, um gegen eine Pestepidemie gewappnet zu sein.


Das Charite-Haus
Aus einer Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und alle daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten von Friedrich Nicolai (1779): "König Friedrich I. ließ im Jahr 1710, da die Pest in seinen Landen wütete und er besorgt war, dass dieses Übel, das schon bis Prenzlau gekommen war, sich auch nach Berlin verbreiten möchte, den Grund dazu [d. i. zum Charite-Haus] legen und bestimmte das damals errichtete Gebäude zu einem Lazareth für arme hiesige Einwohner, im Fall sie sollten von der Pest angesteckt werden; da aber solches nicht geschah, sollte es zu einem Hospitale und Arbeitshaus angewandt werden."
Tatsächlich rückte im frühen 18. Jahrhundert der gefürchtete Schwarze Tod von Norden und Osten her bedrohlich auf die bevölkerungsreiche preußische Hauptstadt heran; allein in Schweden und Polen waren schon Zehntausende von Toten zu beklagen gewesen. Gezielte Gegenmaßnahmen, mit denen einer Seuche dieser Art Einhalt zu bieten war, standen den Medizinern damals kaum zur Verfügung, aber die Verantwortlichen wollten trotzdem nicht tatenlos zusehen, wie Menschen unversorgt blieben und starben.
Um zumindest ein wenig gewappnet zu sein, begannen im Frühjahr 1710 die Bauarbeiten für ein nordwestlich hinter dem "Spandowschen Tor" gelegenes "Lazareth", das Pestkranke aufnehmen und als Quarantänehaus dienen sollte.
An der Außenseite wurde das Gebäude von Kanälen umsäumt, damit "den Armen und Dürftigen geholfen und die Angesteckten von den Gesunden abgesondert werden möchten". Und an der Innenseite legte eine königliche Anweisung über "Lazareth-Häuser" fest: "Zwischen den Bett-Stätten von beiden Seiten muß genugsamer Raum bleiben, damit den Kranken notwendige Handreichung geschehen könne, auch wenn etwa ein- oder anderer derselben gestorben, dass er ungehindert möge weggebracht werden."
Berlin hatte Glück. Der Schwarze Tod kam nur bis Prenzlau, und das provisorische Pesthaus konnte kurzfristig anderen Zwecken dienen - zum langfristigen Vorteil erst für die Bedürftigen und dann für alle Menschen. Im Lauf der kommenden Jahrhunderte stieg es von einem armseligen Arbeitshaus für Wohnungslose und einem elenden Aufenthaltsort für so genannte Krätzekranke - sie litten zum Teil unter einem fürchterlich juckenden Milbenbefall der Haut - zur größten Universitätsklinik in Europa auf. Die Institution, die sich heute "Charite - Universitätsmedizin Berlin" nennt, hat ihren Hauptsitz nicht mehr außerhalb der Stadt, sie liegt vielmehr längst in ihrer Mitte und hat insgesamt riesige Ausmaße angenommen.
So zählte zum Beispiel die Charité im Jahr 2007 3240 Betten, in denen stationär etwa 128 000 Patienten von gut 14 500 Mitarbeitern versorgt wurden, die sich zusätzlich um knapp eine Millionen Menschen zu kümmern hatten, die ambulant um medizinische Hilfe nachsuchten.
Mit der neuen, stärker der Forschung zugewandten Charité ist aus dem früheren Pesthaus am alten Ort ein sich verzweigendes Netzwerk wissenschaftlicher Tätigkeit entstanden, in dem mutige und ehrgeizige Pläne für eine evolutionäre Zukunft der Medizin entworfen werden. Dies geschieht in der Hoffnung, das große Versprechen von Gesundheit immer besser einlösen zu können, das mit dem Aufkommen des modernen wissenschaftlichen Denkens im Europa des frühen 17. Jahrhunderts zwar vorsichtig, aber klar vorgegeben worden ist und an dessen Umsetzung wir letzten Endes von der Geschichte gemessen werden.


Als das frühere Pesthaus 1727 den Namen Charité erhielt und zunächst als Hospiz für Altersschwache, Bettler, "uneheliche Schwangere und Prostituierte" diente und auch die Fürsorge einer zunehmenden Zahl von Armen übernahm, feierte die moderne Idee der Wissenschaft gerade ihren hundertsten Geburtstag. Der nicht zuletzt für die Medizin relevante Grundgedanke stammt aus den Tagen vor dem Dreißigjährigen Krieg und kann am besten in den Worten ausgedrückt werden, die Bertolt Brecht im Leben des Galilei dem italienischen Astronomen und Mathematiker in den Mund legt: "Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern."
Galilei hält also Brecht zufolge keinen anderen Grund für das Forschen für erwähnenswert. Diese wissenschaftliche Vision eines besseren Lebens bestimmt unsere Gegenwart mehr als alle Kriege, die geführt wurden, auch wenn viele Historiker dies gern übergehen oder ganz anders sehen. Allerdings brauchte diese grandiose Vorgabe Zeit, um umgesetzt zu werden und sich in der Alltagswirklichkeit niederzuschlagen. Immerhin war die wesentliche Aufgabe der menschlichen Vernunft jetzt formuliert, und damit konnte ein neuer Gedanke die Welt bewegen und beeinflussen. Diese Idee besagte, dass Fortschritt im Lauf eines irdischen Lebens möglich ist und von den Menschen bewerkstelligt werden kann. Tatsächlich nahmen sie schlechte Ernten oder verheerende Epidemien nicht mehr als unvermeidliche Schicksalsschläge oder als göttliche Bestrafungen hin. Die Menschen der aufgeklärten Neuzeit fingen an, sich gegen zufällige Schicksalsschläge und nachhaltige Naturkatastrophen zur Wehr zu setzen. Sie taten dies mit den Mitteln des Verstands und der Vernunft, für deren systematischen Gebrauch es spätestens seit den Tagen von René Descartes - also seit der Mitte des 17. Jahrhunderts - eine methodische Anleitung gab.
Die aufkommende Rationalität wollte bald mehr als nur "aus christlicher Liebe denen armen Kranken beispringen", wie man damals zu sagen pflegte. Sie wollte darüber hinaus mit empirischwissenschaftlicher Hilfe den Kranken den Weg zur Gesundheit ermöglichen - und zwar aus Sorge um die Menschen und Liebe zu ihnen. Beide tragen unabhängig vom Stand der Wissenschaften mit zum humanen Versprechen von Gesundheit bei, die als Grundlage für ein Leben in Würde gilt.

Kurzbeschreibung zu Die Charité

»Forschen, Lehren, Heilen, Helfen« - 300 Jahre Berliner Charité


Die Charité in Berlin ist eines der bekanntesten Krankenhäuser der Welt und die größte Universitätsklinik Europas. Nun erzählt Erfolgsautor Ernst Peter Fischer die 300-jährige Geschichte dieser Institution - von den Anfängen als schlichtes Pesthaus, über die Zeiten als politisches Prestigeprojekt unterschiedlichster Herrscher, bis zum heutigen hochmodernen Zentrum der medizinischen Forschung. Die Geschichte der Charité ist damit zugleich auch eine Geschichte der modernen Medizin.


Im Herzen von Berlin, zwischen Hauptbahnhof und Friedrichstraße, liegt eines der ältesten und bekanntesten Krankenhäuser der Welt. 1710 ließ der preußische König Friedrich I. aus Angst vor einer Pestepidemie ein »Lazarett«, ein Quarantänehaus, vor den Toren der Stadt erbauen. Wenige Jahre später erklärte der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. per Kabinettsorder die Einrichtung zu einem Bürgerhospital und dekretierte: »Es soll das Haus die Charité heißen.«


In ihrer 300-jährigen Geschichte hat die Berliner Charité einen weiten Weg zurückgelegt: Zunächst ein reines Armenkrankenhaus, in dem vor allem Mittellose, Prostituierte und Soldaten behandelt wurden, hat sich das Hospital heute zu einer der renommiertesten Universitätskliniken und einem der fortschrittlichsten medizinischen Forschungszentren der Welt entwickelt. In der Charité wirkten so bekannte Ärzte wie Rudolf Virchow und Ferdinand Sauerbruch, die das Heilen Kranker und die Bekämpfung von Krankheiten revolutionierten. Nicht zuletzt spiegeln sich in der Geschichte der Berliner Charité auch die bahnbrechenden Entwicklungen und Entdeckungen, die die moderne Medizin erst möglich gemacht haben.


Beschreibung der Redaktion zu Die Charité

1710 bis heute"Forschen, Lehren, Heilen, Helfen"- 300 Jahre Berliner Charite

Die Charite in Berlin ist eines der bekanntesten Krankenhäuser der Welt und die größte Universitätsklinik Europas. Nun erzählt Erfolgsautor Ernst Peter Fischer die 300-jährige Geschichte dieser Institution- von den Anfängen als schlichtes Pesthaus, über die Zeiten als politisches Prestigeprojekt unterschiedlichster Herrscher, bis zum heutigen hochmodernen Zentrum der medizinischen Forschung. Die Geschichte der Charite ist damit zugleich auch eine Geschichte der modernen Medizin.

Im Herzen von Berlin, zwischen Hauptbahnhof und Friedrichstraße, liegt eines der ältesten und bekanntesten Krankenhäuser der Welt. 1710 ließ der preußische König Friedrich I. aus Angst vor einer Pestepidemie ein "Lazarett", ein Quarantänehaus, vor den Toren der Stadt erbauen. Wenige Jahre später erklärte der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. per Kabinettsorder die Einrichtung zu einem Bürgerhospital und dekretierte: "Es soll das Haus die Charite heißen."In ihrer 300-jährigen Geschichte hat die Berliner Charite einen weiten Weg zurückgelegt: Zunächst ein reines Armenkrankenhaus, in dem vor allem Mittellose, Prostituierte und Soldaten behandelt wurden, hat sich das Hospital heute zu einer der renommiertesten Universitätskliniken und einem der fortschrittlichsten medizinischen Forschungszentren der Welt entwickelt. In der Charite wirkten so bekannte Ärzte wie Rudolf Virchow und Ferdinand Sauerbruch, die das Heilen Kranker und die Bekämpfung von Krankheiten revolutionierten. Nicht zuletzt spiegeln sich in der Geschichte der Berliner Charite auch die bahnbrechenden Entwicklungen und Entdeckungen, die die moderne Medizin erst möglich gemacht haben.

Portrait

Ernst Peter Fischer:
Ernst Peter Fischer, geboren 1947 in Wuppertal, studierte Mathematik, Physik und Biologie, promovierte 1977 am California Institute of Technology. Er habilitierte sich 1987 für Wissenschaftsgeschichte. Dieses Fach lehrt er als apl. Professor an der Universität Konstanz. Als Wissenschaftspublizist schreibt er für "GEO", "Bild der Wissenschaft", "Die Weltwoche" und die "FAZ". Fischer war bis 1999 Herausgeber des "Mannheimer Forum", er ist Autor zahlreicher Bücher und lebt in Konstanz.

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40

21.09.2009

„Nicht nur ein Krankenhaus”

von einer Kundin oder einem Kunden
Fast 300 Jahre Charite (1710 gegründet) sind gleichbedeutend mit 300 Jahren Medizingeschichte. Bahnbrechende Entwicklungen und Entdeckungen, die die moderen Medizin erst möglich gemacht haben, sind eng mit der Charite verbunden.
Rudolf Virchow und Ferdinand Sauerbruch gehören zu den bekanntesten Medizinern dieser heute größten Universitätsklinik Europas.
Die Geschichte dieser Institution von den Anfängen als schlichtes Pesthaus über die Zeiten als politisches Prestigeobjekt unterschiedlichster Herrscher, bis zum heutigen hochmodernen Zentrum der medizinischen Forschung schildert Ernst P.Fischer in seiner "Biografie eines Krankenhauses".
Noch heute spürt man beim Spaziergang über das weitläufuge Gelände der Charite diese besondere Mischung zwischen Moderne und Tradition.
Ich habe dieses Buch nicht nur als medizingeschichtliche Abhandlung, sondern auch als ein Stück deutscher Sozialgeschichte empfunden.

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