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Meine Rezensionen

Rudi Grande

 Dem Ruhri sein Revier jetzt bei bol.de kaufen

Dem Ruhri sein Revier

50

„Erzeugt eine kaum mehr zu stillende Sehnsucht nach dem Revier”

„Fangen wir zunächst mit Klischeevorstellungen und Vorurteilen an: Kohlenstaub fliegt durch die Luft, bloß keine weiße Wäsche nach draußen hängen oder Fenster öffnen, tief durchatmen ist teerhaltig wie eine Zigarette, der Himmel grau oder schwarz mit dunkler Patina überzogene Häuser, kein Baum weit und breit, Tristesse überall.“ (S. 34) Besser als die Autoren Rainer Rettinger und Rudi Grande die Vorurteile vom Revier hier auf dieser Seite darstellen, kann man es kaum noch treffen. Wer wirklich wissen will, wie das Ruhrgebiet denn nun ist, der sollte sich dieses Buch ansehen, durchlesen, staunen und auf Entdeckungsreise gehen. Wunderschöne Fotos mit herrlichen Texten und tollen Schlagzeilen entführen Zugereiste, Einheimische und Touristen in die wunderbare Welt des Reviers.

Das Revier ist grün: Es hat 17,5 Prozent Waldanteil, 55 Naturschutzgebiete, 60 meist renaturierte Berghalden, Ruhrauen, die dem Ruhrgebiet Mangrovenflair bescheren (dem Ruhri seine Everglades), sechs Ruhrstauseen, die Ruhr, die bei Duisburg in den Rhein mündet (dem Ruhri sein Mississippi), viele Beachbars (dem Ruhri sein Café del Mar) - und Deutschlands größte Binnensee-Regatta, die Essener Woche finden hier statt. Eine ehemals von Kohle und Stahl geprägte Region verändert sich zur Kreativwirtschaft. Strukturwandel nennt man dies. Und die Veränderung wird sogar bis über die Grenzen hinaus bemerkt: Der Le Monde berichtete 2003 anläßlich der legendären Ruhrtriennale, dass „im Ruhrgebiet die Zeiten nun endgültig vorbei seien, wo Ruß-Monster ihren übel riechenden Mundgeruch über ganz Europa verbreitet haben. Stahlwerke, Kraftwerke, Kokereien und Hochöfen seien durch die Ruhrtriennale wieder zu Orten für Engel geworden.“ (S. 38). Halden erhalten spannende Orientierungs- und Aussichtspunkte, wie z.B. der Bottroper Tetraeder (dem Ruhri sein Gizeh), Maya-Kultur-Skulpturen in Gelsenkirchen-Ückendorf (dem Ruhri sein Yucatán), eine riesige beleuchtete Leuchtskulptur in Form einer Öllampe auf der Halde Rheinpreußen in Moers (dem Ruhri sein Leuchtturm) oder das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward (dem Ruhri sein Stairway to Heaven).

Man kommt aus dem Staunen und Entdecken nicht mehr heraus, wenn man dieses Buch durchliest und anhand der Fotos wird einem eines schon ganz deutlich: Besonders Nachts ist das Ruhrgebiet wunderschön aufgrund der ganzen Lichtinstallationen. Beim Durchlesen des Szenarios auf Seite 18 zum Thema „Dem Ruhri seine Hafencity“ kamen wir ziemlich ins Lachen. Der Kommentar eines Ruhris nach heftigen Lachkrämpfen hierzu war: „Die haben doch was geraucht, als sie diesen Text geschrieben haben.“ Mein Kommentar hierzu war: „Wenn ihr dieses Szenario tatsächlich schafft, dann bleibe ich für immer hier.“

Wer noch nie hier war, der wird eine kaum mehr zu stillende Sehnsucht nach dem Revier bekommen – spätestens zur Kulturhauptstadt 2010 gilt es, das Revier zu entdecken. Dieses Buch ist somit für echte Ruhris und Zugezogene gleichermaßen geeignet. Eine kleine Anmerkung gibt es allerdings: Als der gebürtige Oberhausener Rainer Schwier den Text auf Seite 23 las, sprang ihm als „Kind des Stahls“ sofort ein Fehler ins Auge: Der Gasometer hat nichts mit dem Stahlwerk selber zu tun, sondern hier wurde Gichtgas zwischen gespeichert, das in den Eisenhütten der Gutehoffnungshütte (GHH) erzeugt wurde. Eine Seite weiter wurde dieser Vorgang in Bezug auf den Gasometer in Duisburg-Meiderich wiederum richtig dargestellt.

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Ursula Sternberg

 Insolvenzgeld. assokrimi jetzt bei bol.de kaufen

Insolvenzgeld. assokrimi

40

„Wirtschaftskriminalität zwischen Essen und Oberhausen ”

Beim Lesen dieses Buches kam sie wieder hoch die Erinnerung an den heißen Sommer 2006, den Sommer der Fußball WM, denn die Protagonistin Toni Blauvogel in diesem Buch noch einmal hautnah, oder sollte ich sagen schweißnah, erlebt. Die Protagonistin Toni Blauvogel arbeitet eigentlich in der IT-Branche und ist nun arbeitslos. Die Zeit vertreibt sie sich damit, dass sie ihre detektivischen Ermittlungskünste offiziell anbietet. Und diese werden auch schon ziemlich schnell nachgefragt, denn die Freundin ihres Kumpels Bertold sitzt nicht nur in der Patsche, sondern in U-Haft, da der Insolvenzverwalter ihrer früheren Firma tot aufgefunden wurde.

Nun ist es also an der Reihe von Toni, in diesem Fall zu ermitteln. Ihre Ermittlungen führen sie von Essen nach Oberhausen, allerdings nur in die Nähe des Centro bzw. in den Norden von Oberhausen und schon bald bekommt sie eine heiße Spur. Schön fand ich den Anfang des Buches, in welchem Toni in einer echten Patsche sitzt, weil sie nachts zu Ermittlungszwecken in eine Firma einsteigen wollte. In Rückblenden wird die Vorgeschichte beschrieben und wie es dazu kam, dass sie sich nun dort befindet. Das war geschickt und spannend gemacht. Zunächst fand ich dennoch manche Passagen etwas langatmig, was aber vielleicht auch zur Hitze des Sommers passte. Toni hat in einigen Dingen eher männliche Verhaltensmuster und ist nicht gerade sehr gesellig, aber ihr Wortwitz ist unschlagbar.

Und dann ist da auch noch die Liebesgeschichte mit Max, die auch immer wieder eingebaut wird. Nach der Hälfte des Buches zog die Spannung dann aber mehr und mehr an und ich ertappte mich dabei, dass ich das Buch unbedingt durchlesen wollte, weil ich endlich zur Aufklärung kommen wollte und die Spannung nicht mehr aushalten konnte. Das Ende war dann doch überraschend und ganz anders als ich es erwartet hatte. Ein Wirtschaftskrimi ist es deswegen, weil die Vorgänge, insbesondere die Abwicklung einer Insolvenz, die dort sehr ausführlich beschrieben werden, Dinge sind, die immer wieder in einigen Firmen so passieren können. Es wirkt alles sehr realistisch und nah am Leben und das gefiel mir sehr. Auch hab ich nach dem Lesen Lust bekommen, einige Ecken von Essen kennen zu lernen.

Alles in allem ein spannendes Buch und einfach ein gut gemachter Wirtschaftskrimi aus dem Ruhrpott ohne viel Blut und extremer Gewalt, einfach aus dem Leben gegriffen, stellenweise auch sehr witzig und in jedem Fall lesenswert.

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Michael Koglin

 Der du bist dem Vater gleich. Krimi bei Pendragon jetzt bei bol.de kaufen

Der du bist dem Vater gleich. Krimi bei Pendragon

40

„Herrlicher Krimi, der mitten im Hamburger Leben spielt”

In einer Buchhandlung in Poppenbüttel bin ich auf diesen Hamburger Krimi gestoßen, besser gesagt, auf einen Krimi, der auf der Horner Rennbahn im Osten Hamburgs spielt. In Scharen strömen jeden Juli die Reichen, Schönen und Promis in diesen sonst eher unspektakulären Stadtteil von Hamburg. Mir hat dieses Buch beim Lesen so viel Spaß gemacht, weil ich selber dort direkt an der Horner Rennbahn wohne, den Ort des Geschehens also bestens kenne und ich den Stil, in dem das Buch geschrieben ist, absolut klasse fand.

Der Ermittler in diesem Krimi ist nämlich kein Detektiv oder Polizist, sondern ein Obdachloser von der Straße namens Omen. Dieser findet plötzlich mitten auf der Horner Rennbahn und mitten an den Derbytagen eine junge Pferdepflegerin tot im Stall, mit der er sich zuvor noch länger unterhalten hatte. Nun geht es darum den Fall zu lösen. Dies gelingt mit Hilfe der Journalistin Juli und des Ex-Standesbeamten Harley. Die Ermittlungen führen Omen von der Horner Rennbahn nach St. Pauli auf die Reeperbahn und in die Herbertstraße, ins Schanzenviertel und sogar nach Husum. Wobei ich als Hamburgerin sagen muss, dass manche der Szenen auch überall hätten spielen können, da mir manche Anlaufpunkte oder besondere Merkmale in den Vierteln fehlten. Das besondere an dem Ganzen ist natürlich, dass ein Obdachloser die Ermittlungen leitet – was natürlich für den Mörder wiederum einen unschätzbaren Vorteil hat: Ein Penner auf der Straße lebt sowieso am Rande der Gesellschaft und sollte ihm etwas passieren, so würde sein Tod nicht detailliert untersucht werden. Deshalb schwebt Omen auch schon nach kurzer Zeit in Lebensgefahr, während er weiterhin auf der Suche nach dem Mörder ist.

Was mir aber sehr gut gefiel, war die Art, wie Omen über Hamburg, St. Pauli und das Leben sinniert und deshalb würde ich gerne einige Passagen zitieren: „Es war kurz nach Mitternacht. St. Pauli hatte die Arme weit, weit ausgebreitet. Kommt alle, die ihr in euren Ehebetten und Etagenwohnungen und Satellitenstädten ermüdet und ermattet seid...und ihr dürft am Zipfel eines anderen Lebens ziehen. Gegen Cash, versteht sich.“ (S. 45) Oder über die Herbertstraße: „Liebe verkauften sie nicht, das Angebot bot Handreichungen und Körperöffnungen.“ (S. 134) Sehr tiefsinnig und poetisch fand ich auch das hier: „Gehen die Bewohner, verändern Häuser ihre Ausstrahlung, so als zöge sich ihre Seele zurück in einen Raum in Innern, den niemand betreten konnte (...) Vielleicht sollte man Wohnungen und Häuser ebenfalls beerdigen, wenn ihre Bewohner gestorben waren. Aber wie um Himmelswillen würden die Städte aussehen, wenn überall Lücken klafften.“ (s. 160/161)

Dieser Krimi ist gut geschrieben, unblutig und witzig und für Hamburg bzw. Horner Rennbahn Fans ein Muss.

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Peter Kersken

 Tod an der Ruhr jetzt bei bol.de kaufen

Tod an der Ruhr

40

„Völlig unblutiger Krimi”

Der Autor dieses Romans, Peter Kerksen, ist geborener Oberhausener und entführt den Leser in das Jahr 1866 nach Sterkrade, welches heutzutage ein Stadtbezirk von Oberhausen ist, damals aber ein eigenständige Gemeinde war und später sogar Stadtrechte verliehen bekam. Da es sich um einen historischen Krimi handelt, dienten einige Persönlichkeiten aus der damaligen Zeit als Vorlage für dieses Buch, wenngleich die Handlungen und Dialoge frei erfunden wurden. Sehr fasziniert an diesem Buch hat mich eigentlich nicht so sehr die eigentliche Kriminalgeschichte, sondern das, was ich beim Lesen über die Anfänge der Montanindustrie und die Lebensumstände der Menschen damals erfahren habe, während der Polizeisergeant Martin Grottkamp nach dem Mörder des Hammerschmied Julius Terfurth sucht.

Die Geschichte spielt in der Zeit, als die Cholera von Indien kommend über Preußen sich im Land ausgebreitet hat und wo man im Gegensatz zu heute, noch nicht wußte, wie man der Krankheit Herr werden kann. Pillen gab es damals noch nicht, nur Kräuter oder der berühmte Aderlass und so war der Kampf gegen die Seuche fast aussichtslos, bis der „Cholera-Kaplan“ Sebastian Kneipp eine Heilung gegen die Krankheit fand und gegen ihn der Vorwurf der Kurpfuscherei erhoben wurde. Spannend war auch, welche Gesetze es damals gab und was Moral damals bedeutete und welche Macht und Autorität ein Polizeisergeant noch hatte. Auch die Rolle der Frauen war aus meiner weiblichen und gut situierten Sicht heraus sehr fremd und neu. Super spannend war alles, was mit dem heutigen Ruhrgebiet und der Montanindustrie zu tun hatte, denn die Suche nach dem Mörder lässt Grottkamp auch seinen Fuß in die Gutehoffnungshütte von Sterkrade setzen, wo während seines Besuchs gerade ein Stahlträger für eine Rheinbrücke mit dem Dampfhammer bearbeitet wird und man als Leser in den Arbeitsablauf eingeführt wird. Spannend wird es auch gerade dann, als der vermeintliche englische Industriespion Edward Banfield seine wahre Identität preis gibt. Das waren Passagen, die sehr gut geschrieben waren und die ich wirklich sehr spannend und lehrreich fand.

Das Ende und die Aufklärung des Mords haben mich persönlich sehr überrascht. Vor meinem geistigen Auge ist beim Lesen des Buches eine völlig andere Welt entstanden, die mir heutzutage 143 Jahre später unglaublich fremd vorkommt. Aber es war schön, einen Krimi zu lesen, bei dem es nicht nur um grausame blutige Morde, verrückte Täterprofile oder absolute Hochspannung ging. Dieser Krimi kommt lautlos daher und ist deshalb eigentlich für alle sehr gut zu lesen, die sich für vergangene Zeiten und insbesondere für das Ruhrgebiet bzw. Oberhausen interessieren. Ich danke Rainer Schwier, dass er mir das Buch zur Verfügung gestellt hat und mir dadurch meine neue Heimat etwas näher gebracht hat.

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Greg Iles

 Infernal jetzt bei bol.de kaufen

Infernal

50

„Dieser Autor kennt das Leben”

Die Protagonistin Jordan Glass erschien mir zunächst unheimlich männlich, eigentlich wie ein Mann in einem weiblichen Körper, aber genau das passte – wie ich erst später feststellte – zu der Figur, die hier konstruiert wurde. Jordan hat nämlich einen sehr ungewöhnlichen Beruf: Sie ist Fotografin und fotografiert Kriegsschauplätze, genau wie ihr Vater, der nie mehr aus dem Krieg zurück kam. Jordan hat noch eine eineiige Zwillingsschwester Jane, die vermutlich das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist und auch nie wieder nach Hause zu ihren Kindern und ihrem Mann zurück kehrte. In einer Galerie mit einer Ausstellung von „Schlafenden Frauen“ in China bemerkt Jordan plötzlich, dass alle Menschen sie anstarren, aber sie weiß nicht wieso, bis sie das Bild bemerkt, auf dem sie ihr eigenes Gesicht wahrnimmt und welches (da sie sich nicht porträtieren hat lassen) von ihrer Schwester stammen muss. Nachdem sich Jordan mit dem Kunsthändler der Bilder trifft, um mehr über den Maler dieser Bilder zu erfahren, überlebt sie nur knapp einen Anschlag, der die ganze Galerie in Brand setzt. Ab diesem Zeitpunkt ist das FBI eingeschaltet und Jordan ist mitten drin, in der Suche nach ihrer verstorbenen Schwester, als Lockvogel umgeben von potentiellen Mördern und in einer sich anbahnenden Liebesgeschichte mit einem FBI Agenten.

Mir gefiel der Schreibstil von Greg Iles. Die Figuren sind sehr sauber ausgearbeitet und arbeiten sich langsam ins eigene Bewußtsein vor. Wie auch bei einem richtigen Menschen erfährt man erst nach und nach, was sich alles in den Tiefen von Jordan oder den anderen Mitstreitern abgespielt und somit zu bestimmten Verhaltensweisen geführt hat. Greg Iles hat teilweise eine sehr weibliche Sicht und kann sich gut in Frauen hinein versetzen, besonders in schwierige oder schlimme Sitationen, wie z.B. Vergewaltigung. Aber auch die Offenbarung des Mörders und dessen was er erlebt hat, ließ in gewisser Weise eine Art von Verständnis für die Taten aufkommen. Eine sehr männliche Sichtweise erlebte ich bei den sexuell stimulierten Szenen. Die Denkweise von Jordan nach dem ersten Akt war da doch eher sehr unweiblich, aber es sollte ja anscheinend zur Figur passen. In jedem Fall habe ich bisher noch keine so poetische Darbietung eines Aktes gelesen, leidenschaftlich, aber dennoch unverdorben. Bis zum Schluß weiß man außerdem nicht, wer eigentlich nun der Mörder ist. Deshalb gefiel mir auch der Ich-Erzählstil von Jordan. Der Leser ist Jordan somit in keinster Weise voraus und somit steigt die Spannung immer weiter. Zum Schluß kommen noch ein paar unangenehmere Szenen, aber dennoch ist dieses Buch auch für zartbesaitete Gemüter noch lesbar und außerordentlich spannend. Zudem erfährt man eine Menge über Malerei. Der Schluß war für meine Begriffe im Nachhinein zu sehr konstruiert und zu unrealistisch. Aber während ich das Buch las, schienen diese Erklärungen in erster Linie logisch und nachvollziehbar zu sein.

Ich möchte mich nochmal bei der netten Verkäuferin in der Buchhandlung in der Marktstraße in Oberhausen bedanken. Der Tipp war super und ich kann das Buch in jedem Fall weiter empfehlen.

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A. J. Jacobs

 Die Bibel und ich jetzt bei bol.de kaufen

Die Bibel und ich

50

„Lehrreich und äußerst amüsant”

Die Intention des Autors ist es, die Bibel zu lesen und sich ein Jahr lang an die Gesetze der Bibel zu halten, egal wie absurd sie erscheinen. Dazu muss man eines wissen: Der Autor ist, obwohl er und seine Familie Juden sind, dennoch nicht mit Religion aufgewachsen und hat sich zudem zum bekennenden Agnostiker entwickelt.

Während andere religiöse Bücher immer diese unterschwellige Botschaft enthalten, dass jeder sofort zur Religion überlaufen sollte, kann man dieses Buch mit Freude lesen und sich seine eigenen Gedanken zum Thema Religion machen, was ich sehr begrüße. Allein schon 2. Mose 20,3 (Du sollst keine anderen Götter neben mir haben) wird zum ersten Diskussionspunkt, da die Bibel jedem befiehlt, an Gott zu glauben und ihn zu lieben und der Autor damit seine Schwierigkeiten hat. Reine Kleidung ohne Mischgewebe zu tragen, sich die Haare nicht mehr zu stutzen, andere Frauen oder in bestimmten Situationen (Menstruation) sogar die eigene Frau nicht zu begehren oder zu berühren, Quasten an die Kleidung zu nähen, nur noch weiß zu tragen, am Monatsanfang in die Posaune zu blasen usw; all dies sind die Gebote, die der Autor befolgt und die dem Leser unbändiges Vergnügen bereiten.

Der Autor reist umher, trifft sich mit vielen verschiedenen Gläubigen und man erfährt so viel über die Bibel und Religion, wie man sonst wohl nie erfahren würde. Ich hatte zum Beispiel bis dato noch nie etwas von dem Kreationismus gehört und fand die Vorstellungen dieser Anhänger doch sehr eigenwillig. Einzig und allein der Teil mit dem neuen Testament ist für meine Begriffe etwas zu kurz geraten und bezieht nur Amerika in die Betrachtung mit ein und da kamen wir wieder an den Punkt, wo ich mit der Religion und dem Aspekt des Bußetuns nichts anfangen konnte. Gefallen hat mir der Bereich mit dem Alten Testament. Erstaunlicherweise habe ich festgestellt, dass wir in der Bibel ziemlich genau die gleichen Verbote haben, wie es sie im Koran gibt. Das unsere Religion somit doch gar nicht so weit entfernt ist von der moslemischen Religion fand ich äußerst interessant. Das Verbot von Schweinefleisch und vielen anderen Speisen (Schalentiere, Hasen, bestimmte Vögel, kein Blut) gibt es nämlich auch in der Bibel. Nur warum werden diese heute nicht mehr von Christen befolgt? Weil die Speisegesetze angeblich mit dem Opfertod Jesu hinfällig geworden sind. Des weiteren gibt es im Alten Testament die Aufforderung zu Tieropfern. Auch hat Mann die Möglichkeit eine Zweitfrau (oder mehr) zu haben. Immer wieder erklärte der Autor, dass bestimmte Textstellen nicht wörtlich zu sehen sind, sondern es bei einigen Passagen zu Fehlübersetzungen gekommen ist. All das hat mich mit dem Buch der Bücher versöhnt und es lebendig werden lassen. Insbesondere die Ausführungen des Autors zum Gebot „Du sollst nicht lügen“ haben bei mir zu heftigen Lachkrämpfen geführt.

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Christoph Wagner

 Österreichische Lieblingsspeisen jetzt bei bol.de kaufen

Österreichische Lieblingsspeisen

50

„Die Küchenbibel Österreichs”

Was braucht man noch mehr, als dieses Buch, welches 560 Seiten umfaßt, eine Rezeptesammlung des Autorenteams Renate und Christoph Wagner aus 30 Jahren Kochleidenschaft ist und welches sogar Rezepte aus „privaten Kuchlkastl“ von Landwirten oder Gastronomen aus Österreich enthält. Ganz nebenbei erfährt man auch wieder viele interessante Informationen über Käse, Wein, Jaus’n, Pfannkuchen, Fisch und kleine Küchenanekdoten. Zum Beispiel wußte ich nicht, dass man die Linzer früher „Karpfentränker“ nannte und es in Linz früher sogar einen Fischmarkt gab

Die Rezepte sind unterteilt nach Vorspeise und Jause, Suppen, Beilagen und Zwischengerichte, Süßwasserfische, Geflügel, Innereien, Fleisch/Wild, Warme Mehlspeisen, Kalte Desserts. Fotos von den Gerichten gibt es leider keine (das hätte aber auch das Format des Buches gesprengt), dafür ist es mit liebevollen Illustrationen verziert.

Das Wasser im Munde lief mir bereits bei den Rezepten für Salzburger Bierbrezel und Obatzta zusammen. Was muss das lecker schmecken, wenn man das selber macht. Dies Rezept muss ich ganz dringend bald ausprobieren. Viele Rezepte kannte ich gar nicht, weil sie wirklich doch sehr speziell sind, aber das gefällt mir auch an dem Buch. Übrigens ist ganz hinten, für die Nichtösterreicher unter uns, ein sehr ausführliches Glossar enthalten, welches spezielle Begriffe wie Wurzelwerk, Umurken, Ribisel usw. erklärt.

Nahezu andächtig habe ich mich durch das Buch hindurch geblättert: Rezepte aus dem Linzer Kochbuch des Jahres 1827, wie die Alt-Linzer Bratwurstsuppe sind hier z.B. enthalten. Eigentümliche Namen kommen einem entgegen, wie z.B. der Türkenpudding, Türkentommerl, Kärntner Nudelkuddelmuddel mit Sauerkraut oder Türkenriebel. Berühmte Gerichte, wie Tschalamade, Spargel in Bozner Sauce, Kärntner Nudel, Tiroler Maultaschen, Gröstl in allen Variationen (auch Blunz’ngröstl), Wiener Schnitzel (welches übrigens nicht aus Wien stammt und aus Kalbsfleisch besteht – sonst ist es ein Schweinsschnitzel), Tafelspitz, Hunknidei dürfen natürlich nicht fehlen. Allein die Anzahl an Suppengerichten ist beeindruckend. Auch sind viele Most-, Wein- und Biersuppen dabei. Für das Verarbeiten von Enten, sowie Fasanen und Wachteln, wird man auch viele Rezepte finden.

Lecker sind natürlich, wie immer, die Nachspeisen zum Beispiel Apfelknödel mit Mostsauce, Äpfel im Schlafrock, Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster, Palatschinken, Dampfnudeln, Buchteln, Powidltascherl, Salzburger Nockerl, Sachertorte, Malakofftorte, Linzer Torte, Esterházytorte und Kapuzinertorte, um nur einige zu nennen.

Alles in allem ein tolles Kochbuch des Autorenteam Renate und Christoph Wagner.

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 Österreichische Bäuerinnen kochen Knödel jetzt bei bol.de kaufen

Österreichische Bäuerinnen kochen Knödel

50

„Wer einmal selber Knödel gemacht hat, wird es immer wieder tun”

Es soll doch wirklich noch Menschen geben, die Knödel aus Tüten zaubern. Nichts da, hier wird selber ein Knödelteig hergestellt, gerollt und gefüllt, was das Zeug hält und dieser schmeckt dann hundertmal besser und all das funktioniert sogar in der Umsetzung hervorragend. Und damit es auch mit der Knödelherstellung keine Probleme gibt, wird man zunächst einmal in die „10 Geheimnisse für perfekte Knödel“ eingeweiht und dann geht’s auch schon los: 10 Bäuerinnen stellen sich und ihre Lieblingsrezepte vor. Erst vor Kurzem sprach ich mit Arbeitskollegen darüber, wie gut doch manchmal die gute alte Hausmannskost schmeckt und davon haben wir hier in diesem Buch einiges zu bieten.

Der Buchtitel kann allerdings schon etwas verräterisch sein. Als ich das erste Kapitel aufschlug (Voralberg) hab ich die Knödel nämlich vergeblich gesucht. Da gab es erst einmal ganz viele Gnocci (auch lecker), bis wir zu den Knödeln kamen. Und so ist dieses Buch eben auch ein Nockerl oder Gnocci Buch.

Meinen ersten Knödel aus diesem Buch habe ich in der Erdbeerenzeit erstellt, nämlich „Erdbeerknödel auf Joghurtspiegel“. Das Ganze war einfacher herzurichten, als ich dachte und wirklich ein Gedicht. Ich lief nur noch grinsend durch die Gegend so verflucht (pardon) lecker waren die Knödel. Ich empfehle aber noch einen kleinen Schwups Schoko zur Verzierung. Herrlich für einen Nachtisch klingen auch diese Rezepte: Brombeerknödel, Tiramisu Pralinen, Topfen-Apfel-Küchle mit Birnenragout, Topfnockerl auf Holundermus mit Äpfeln, Mozartknödel an Schokoladesinfonie, Topfenknödel mit Kürbiskrokant an Holunder-Zwetchken-Ragout, Apfel-Mohn-Knödel, Marillenknödel (die dürfen natürlich nicht fehlen), flambierte Eisknödel auf marinierten Früchten, Amarettoknödel mit Walnusseis.

Und, ist Ihnen jetzt schon das Wasser im Munde zusammen gelaufen? Und man kann wirklich alles einfach herstellen. Aber natürlich gibt es nicht nur süße Knödel, sondern Knödel für die Suppe, als Beilage, als Hauptgericht und und und. Spannend fand ich zum Beispiel den Wildbraten mit Kastanienknöderln im Erdäpfelmantel, die Knödellasagne, die Schwarzbrotknödel und die Jägerknödel (weil ich Letztere gerne im Urlaub esse).

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ich koche bevorzugt aus der Reihe „Österreichische Bäuerinnen kochen“, denn die Rezepte sind recht leicht nachzukochen, schmecken super und gelingen immer. Und die Gerichte kommen immer sehr gut an und sind in jedem Fall Familientauglich. Also gebe ich auch für dieses Buch wieder eine klare Kaufempfehlung.

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Gerald Steinacher

 Nazis auf der Flucht. Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte,  Band 26 jetzt bei bol.de kaufen

Nazis auf der Flucht. Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Band 26

50

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar”

Dieses Buch ist die gekürzte Fassung der Habilitationsschrift des Autors Dr. Gerald Steinacher zum Thema, wie Nazis über die sogenannten Rattenlinien ins Ausland flüchten konnten.

Der erste Teil des Buches führt in das Chaos der Nachkriegsjahre in Italien ein und erst beim Lesen wurde mir so richtig bewußt, was dies hieß: Kriegsverbrecher waren gemeinsam mit Vertriebenen, Kollaborateuren, Antikommunisten, Deserteuren, Kriegsgefangenen, Soldaten und Verschleppten auf der Flucht. Ein totales Chaos in dem sich Millionen Flüchtlinge befanden und das den Nazi-Flüchtlingen Tor und Tür öffnete. So wurden Genua und Rom zur Drehscheibe für die Auswanderung von Deutschen und Österreichern nach Argentinien. Italien war möglichst bestrebt, den Auswanderwilligen keine Steine in den Weg zu legen, um das Chaos im Land zu verringern. Und das Schlepper- und Schmugglerwesen blühte, denn die Fluchthilfe wurde vom Herbst 1945 bis Sommer 1946 quasi zu einem Nebenerwerb der Alpengrenzregion Südtirol.

Äußerst interessant ist in dem Zusammenhang auch der Status des Grenzlandes Südtirol, der in dem Buch näher erläutert wird. Mit Kriegsende war weiterhin ungewiß, wohin Südtirol gehörte und die Optanten für Deutschland galten als staatenlose Volksdeutsche und hatten somit ein Anrecht auf einen Reisepass des Roten Kreuzes. Da niemand die wahren Identitäten nachhalten konnte, kam es zu vielen Falschbeurkundungen. Und weiterhin gab es keine direkte Kontrolle einer allierten Militärregierung in Südtirol, was eben die Fluchtmöglichkeiten erleichterte.

Und auch der Vatikan war in die Fluchthilfe von Nazis verstrickt. „1948 arbeiteten z.B. das State Department und die CIA mit dem Vatikan und der NCWC Hand in Hand, um einen Wahlsieg der italienischen Kommunisten bei den Parlamentswahlen zu verhindern.“ (S. 126) Und eine Eintrittskarte für einen sicheren Fluchtweg nach Italien war eine christliche Taufe der Nazi Verbrecher, denn nur Getauften wurde zur Ausreise verholfen wurde. Hochinteressant sind auch die weiteren Kapitel über die Rattenlinien, das Unternehmen Bernhard (eine großangelegte Operation der SS zur Fälschung englischer Pfundnoten) und das Auswanderziel Argentinien.

Ein absolut bestechend gut recherchiertes und ungemein spannendes Buch. Wer wirklich etwas hinzu lernen will, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Dem Autoren möchte ich für die Mühe und Akribie danken, die er hierfür aufgewandt hat.

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Vincent Delecroix

 Der Schuh auf dem Dach jetzt bei bol.de kaufen

Der Schuh auf dem Dach

0

„Jede Seite war eine Qual”

Ich mag Bücher, die unterschiedliche Sichtweisen vermitteln – besonders, wenn es um ein und den selben Sachverhalt ging. Deshalb sprach mich dieses Buch ja auch an: Jeder Mensch würde zu dem verlassenen Schuh auf dem Dach seine eigene Geschichte erzählen. Was ich nicht wußte war, dass es eine absolute Qual werden würde, diese Geschichten zu lesen. Wenigstens der Schuh sollte doch einer Person zuordnenbar sein, aber selbst das klappte dank der Geschichten nicht: Der eine hatte ihn verloren, als er sich vom Dach stürzen wollte, der nächste hatte ihn raus geworfen, als er in die Wohnung seiner Ex einbrach usw usw und jedesmal wurde der Schuh wieder anders beschrieben. Die Geschichte spielte in Paris? Nichts an diesen Geschichten war typisch für Paris, weil nur die Innenwelt der Figuren eine Bedeutung bekam und nichts, was irgendwie spezifisch mit Frankreich verbunden sein könnte.

Es ist sehr untypisch für mich, wenn ich sehr rasch das Gefühl habe, ich möchte ein Buch weg legen und ich lese alle Bücher immer bis zum Schluß durch, um jeden Buch auch eine Chance zu geben. So auch in diesem Fall, aber dabei habe ich mich wirklich gequält. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier jemand schreibt, der seinen Geschichten Philosophie einhauchen will, sondern dass hier jemand am Werk ist, der sich einfach gerne seitenlang schwülstig ergießt und zwar auf sehr langweilige Art und Weise: Der Einbruch in der eigenen Wohnung erzählt von einem „Dieb“, der sich gerne selber bemitleidet. Die Frau, die ihren Geliebten (einen Afrikaner) verlor, hätte eine schöne Geschichte sein können, wenn sie nicht so furchtbar schwülstig geschrieben worden wäre. Selbst ich als erprobte Leserin von herzzerreißenden Geschichten, fand das einfach zu viel. Aber die Krönung war Geschichte Nummer vier, ein TV-Moderator, der seinen Job aufgibt, sich vor der Welt versteckt und zum Philosophen werden wird. Und an dieser Figur läßt sich der Autor, der selber Philosophie studiert hat und dies auch lehrt, dann auch ausschweifend. In die Figuren dieses Buches konnte ich mich weder hinein denken, noch hinein fühlen und sie langweilten mich einfach nur furchtbar.

Es gab nur zwei Geschichten, die mir in guter Erinnerung geblieben sind: Die Omi, die dauernd die Feuerwehr anrief, um den Schuh entfernen zu lassen. Nicht weil die Geschichte so gut beschrieben war, nein, sie war auch langatmig und langweilig, aber das Ende hatte was. , Wirklich amüsiert hat mich Geschichte Nummer neun, weil sie für mich (hoffentlich war es so gemeint) eine schöne ironische Anspielung an das war, was in Kunstkreisen alles aus einer Banalität, wie einem Schuh auf einem Dach, gemacht werden kann. Ich habe Tränen dabei gelacht. Aber das war auch die einzige Geschichte, die wirklich gut war. Manchmal habe ich mich gefragt, ob die deutsche Übersetzung vielleicht nicht so richtig wiedergeben konnte, was der Autor sich vorgestellt hatte. Alles in allem muss ich leider sagen, dass ich dieses Buch auf keinen Fall weiter empfehlen würde, es sei denn, sie möchten sich furchtbar langweilen.

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