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Eine glatte Million

Oder die Demontage des Lemuel Pitkin. Roman

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Artikeldetails zu Eine glatte Million

AutorNathanael West

Untertitel Oder die Demontage des Lemuel Pitkin. Roman

  • ISBN-103-7175-2232-9
  • ISBN-139783717522324
  • Verlag Manesse Verlag
  • ÜbersetzerDieter E. Zimmer
  • Einbandartgebunden
  • Seiten221
  • Veröffentlicht21.03.2011
  • GenreRoman
  • Gewicht339g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelA Cool Million

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Rezensionen der Redaktion zu Eine glatte Million

"So kann man Nathanael Wests Hellsichtigkeit bewundern, seinen ätzenden Witz oder auch die Raffinesse, mit der er immer wieder das stilistische Register wechselt, um seine sich hehren Zielen entgegenreckenden Figuren auf den Hintern plumpsen zu lassen. Wenn man aber bedenkt, dass West erst 37-jährig bei einem Autounfall ums Leben kam, beschleicht einen das bittere Gefühl, dass die Welt tatsächlich so absurd und ungerecht ist, wie es in 'Eine glatte Million' den Anschein hat." DIE ZEIT

Kurzbeschreibung zu Eine glatte Million

Woody Allen meets Quentin Tarantino - ein zynisches Feuerwerk


Nathanael Wests bitterböse Satire auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist eines der abgründigsten Bücher der US-Literatur - von markerschütternder Tragik und zugleich zum Schreien komisch. Nie wurde der amerikanische Traum genüsslicher konterkariert als in dieser temporeichen Wildwestfarce.


Die Welt gehört den Braven und den Tüchtigen! Das jedenfalls glaubt Lemuel Pitkin, der in seiner jungenhaften Einfalt fortwährend an die Falschen gerät: an Revolverkapitalisten, Rattenfänger, Rowdys. Doch so sehr man ihn auch schröpft und schindet, hartnäckig hält unser Yankee von der traurigen Gestalt an seinen Idealen fest. Lemuel opfert nacheinander Auge, Daumen, Gebiss, Bein, Skalp, zuletzt gar sein Leben, um - Ironie des Schicksals - posthum doch noch zu höchstem Ansehen zu gelangen: als Märtyrer einer Sache, die nie die seine war.


Dieser Roman entlarvt den Aberwitz einer Welt, in der alles den Gesetzen von Show und Big Business unterworfen ist. Die heiter-beschwingte Art, in der der Erzähler die größten Ungeheuerlichkeiten Revue passieren lässt, macht das Buch zur aufwühlenden Provokation. Mit formvollendeter Perfidie strapaziert Nathanael West die amerikanische Glücksrhetorik, bis diese in puren Zynismus umschlägt.


Autorenportrait zu Eine glatte Million

Nathanael West (1904–1940), Sohn litauischer Juden, wurde als Nathan Weinstein in New York geboren. In den 1930er-Jahren Drehbuchschreiber in Hollywood, war er mit so namhaften Schriftstellerkollegen wie F. Scott Fitzgerald oder Dashiell Hammett befreundet. Sein schmales, aber hochkarätiges Erzählwerk weist ihn als gewitzten Kritiker neuzeitlicher Glücksideologien aus.

Portrait

Dieter E. Zimmer:
Dieter Eduard Zimmer, geboren 1934, ist Schriftsteller, Übersetzer und Publizist. Er studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Berlin, Genf und den USA. Ab 1959 lebte er in Hamburg und war dort lange Redakteur der Wochenzeitung 'Die Zeit', von 1973 bis 1977 Feuilletonchef. Seit 2000 ist Zimmer als freier Schriftsteller, Literaturkritiker, Übersetzer und Publizist in Berlin tätig. Der umfassend gebildete Autor veröffentlichte Bücher und Zeitschriftenartikel zu Fragen der Psychologie, Biologie, Anthropologie, Medizin, Linguistik, Kommunikationswissenschaft und des Bibliothekswesens. Seit 1989 ist Zimmer Herausgeber der deutschen Gesamtausgabe von Vladimir Nabokov. 2008 erhielt Dieter Zimmmer den Übersetzerpreis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung.
Nathanael West:
Nathanael West (1904-40), Sohn litauischer Juden, wurde als Nathan Weinstein in New York geboren. In den 1930er-Jahren Drehbuchschreiber in Hollywood, war er mit so namhaften Schriftstellerkollegen wie F. Scott Fitzgerald oder Dashiell Hammett befreundet. Sein schmales, aber hochkarätiges Erzählwerk weist ihn als gewitzten Kritiker neuzeitlicher Glücksideologien aus.

Autorenportrait

Nathanael West (1904–1940), Sohn litauischer Juden, wurde als Nathan Weinstein in New York geboren. In den 1930er-Jahren Drehbuchschreiber in Hollywood, war er mit so namhaften Schriftstellerkollegen wie F. Scott Fitzgerald oder Dashiell Hammett befreundet. Sein schmales, aber hochkarätiges Erzählwerk weist ihn als gewitzten Kritiker neuzeitlicher Glücksideologien aus.

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50

28.07.2012

„Ein glatter Volltreffer”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
In "Eine glatte Million" werfen wir einen Blick auf den jungen, gutgläubigen Lemuel Pitkin, der voller Elan und Optimismus von der Provinz in die große Welt auszieht, um sein finanzielles Glück zu machen und damit den Verkauf des Hauses seiner Mutter zu verhindern. Was anfangs wie ein Ausflug im Stile alter Märchen klingt, würgt dem Leser schon recht bald das Lachen ab, denn Nathanael West zertrümmert die zarte Vase Hoffnung mit Schwung und übergroßem Vorschlaghammer. Bevor man sich auch nur annähernd auf die Situation eingestellt hat, ist der vermeintliche Held nicht nur bereits mehrmals gestolpert, sondern brutal zu Boden geschickt worden. Bereits im Zug Richtung New York wird er Opfer eines Trickdiebes, um anschließend als Diebstahl-Verdächtiger selbst in den Knast zu gehen, wo man ihn aus hygienischen Gründen prophylaktisch gleich mal sämtliche Zähne zieht. Was man bis hierhin nicht ahnen kann – es sollen nicht die einzigen Körperteile bleiben, die Pitkin im Verlauf der Geschichte verlieren wird.

Wo Charles Dickens und Mark Twain ihre zynische Ader letztlich zügelten, das Gute am Ende ihrer Geschichten (z.B, in „Oliver Twist“) zumindest in Zügen triumphieren ließen, da macht West keinen Halt. Schonungslos und (selbst noch für heutige Verhältnisse) erschreckend drastisch reißt er die Luftschlösser nieder (besonders die vom Erzähler beiläufig geschilderte Vergewaltigung von Lemuels Freundin geht unter die Haut), unterstreicht mit teils immer absurderen Slapstick-Einlagen, die gnadenlose Realität, in der Ellbogen geschwungen werden und sich jeder selbst der Nächste ist. Der Stil ist unheimlich temporeich, mitreißend und kompromisslos, die oftmals beiläufige Brutalität berührender und zielsicherer, als manch blutiger Splatter-Thriller der Neuzeit. Garniert wird das ganze von einem Helden, der keiner ist. Ein dumpfer, gutmütiger Naivling, der Butter in der Händen aller ist, die ihn für ihre Zwecke formen wollen und welcher letztlich als Märtyrer einer Sache, deren Hintergrund und Ausmaß er nie verstanden hat, den Tod findet. Lemuel Pitkin ist es auch, der dieses Buch so einzigartig und nachhaltig beeindruckend macht. Ein ideenloser, tumber und schon aufreizend wohlmeinender Verlierertyp, der einem letztlich nicht leidtun kann und will, und der symbolisch für das folgsame, unkritische Selbstverständnis der Amerikaner steht.

Bei all der bissigen Kritik bleibt „Eine glatte Million“ aber stets unterhaltend und kurzweilig, und, so widersprüchlich das angesichts der ernsten Thematik ist – unheimlich witzig. West hat die Balance bewahrt, so dass seine Ausflüge in die Entstehung und Motive des Faschismus (eine Parabel auf die Geschehnisse im Dritten Reich zur selben Zeit), den roten Faden der Geschichte nicht zerpflücken, sondern nur ein in Gänze stimmiges Gesamtbild abrunden. Dies wird in der neuen Manesse-Ausgabe durch ein aufschlussreiches Nachwort vom bearbeitenden Übersetzer Dieter E. Zimmer erweitert, welches dem Werk noch zusätzliche Tiefe verleiht und auch den deutschen Leser die ein oder andere Anspielung besser verstehen lässt.

Insgesamt ist „Eine glatte Million“ für mich eine der gelungensten und intelligentesten Abrechnungen mit dem „American Dream“. Ein zeitloser, sprachgewaltiger und nachdenklich stimmender Klassiker – und für mich bisher einer der Entdeckungen des Jahres. Unbedingt kaufen, noch unbedingter lesen!

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