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Die Drachenwelt-Saga

Die Drachenwelt-Saga

Der Speer des Kriegers; Der Dolch des Drachen; Die Rückkehr des Drachenjägers. Drei Romane in einem Band!

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Artikeldetails zu Die Drachenwelt-Saga

AutorR. A. Salvatore

Untertitel Der Speer des Kriegers; Der Dolch des Drachen; Die Rückkehr des Drachenjägers. Drei Romane in einem Band!

Abbildungsvermerk 379, 349, 18,5 cm

  • ISBN-103-442-24314-9
  • ISBN-139783442243143
  • Verlag Blanvalet
  • ReiheBlanvalet Taschenbücher
  • ÜbersetzerFrank Böhmert
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten1056
  • Veröffentlicht01.02.2005
  • Gewicht656g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelThe Woods Out Back / The Dragon's Dagger / Dragonslayer's Return

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Leseprobe aus Die Drachenwelt-Saga

IM JAHR DES HERRN 74


VIERUNDSIEBZIG JAHRE NACH DEM TOD DES HEILIGEN ABELLE


Harkin ließ seine Peitsche aus einem Gefühl dringend gebotener Eile, gepaart mit blankem Entsetzen, knallen. Soeben war Orrin neben ihm in sich zusammengesunken. Ein Speer hatte sich tief in seine Seite gebohrt, helles Blut sprudelte hervor und färbte sein braunes Wollhemd in einem hässlichen, dunklen Schwarzrot.
»Macht schon, lauft!«, feuerte Harkin sein Gespann an und ließ die Peitsche abermals scharf knallen. Die fürchterliche Ironie der Situation ging ihm nicht aus dem Sinn. Erst war er in einem Krieg, der bereits tobte, seit er ein junger Mann war, von der vordersten Front auf den vermeintlich sicheren Posten versetzt worden, Prinz Yeslnik durch die Ländereien von Delaval und Umgebung zu kutschieren, und nun das! Jetzt würde es ihn eben auf der Straße erwischen.
Die Pferde legten sich mächtig ins Zeug und zogen nach Leibeskräften, doch irgendein Hemmnis bremste unbestreitbar die Fahrt der Kutsche. »Halt bloß durch, Orrin!«, rief Harkin seinem verletzten Freund zu und bewegte seine Hände gerade weit genug zur Seite, um den in sich zusammengesackten Mann zurückzureißen, der jeden Moment vom Bock zu kippen drohte.
Harkin blickte hektisch um sich. Er hörte Prinz Yeslnik etwas brüllen, doch bei dem Getöse waren seine Worte kaum zu verstehen. Dann hörte er Olym, Prinz Yeslniks Gemahlin, einen angsterfüllten Schrei ausstoßen. Als die Kutsche ein gerades, ebenes Stück der von Bäumen gesäumten Straße durch den Südosten des Fürstentums Pryd erreichte, wagte Harkin, sich kurz aufzurichten und nach hinten zu sehen. Die Kutsche schleifte ein Gewirr aus Baumstämmen hinter sich her. »Oh, diese gerissenen Bestien«, jammerte er. Die blutkappenbewehrten Pauris hatte die Kutsche offenbar mit einer Art Schleppanker getroffen, der über ein Tau mit den Stämmen verbunden war.
Panisch ging Harkin seine Möglichkeiten durch. Fest stand, dass er etwas unternehmen musste. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die springenden und tanzenden Stämme sich an einem Baum oder irgendeinem anderen Hindernis am Straßenrand verhaken und die Kutsche entweder zum Stehen bringen oder, was wahrscheinlicher war, in Stücke reißen würden. Und solange sie in diesem Tempo dahinschossen, konnte er unmöglich nach hinten klettern, um den Schleppanker zu lösen. Anhalten kam im Moment ebenfalls nicht in Frage. Er wusste, wie es um sie stand; er hatte die leuchtend roten Kappen gesehen, die heiseren Stimmen und die kehligen Rufe gehört. Das waren Paurizwerge, und Pauris kannten kein Erbarmen.
»Kommt schon«, spornte er sein Gespann an, das bereits das Letzte gab, und ließ seine Peitsche erneut knallen.
Mit viel Glück brachten sie das gerade Straßenstück hinter sich, ohne ernsthaft in Schwierigkeiten zu geraten, aber Harkin kannte die Strecke; von nun an wand sich die gepflasterte Fahrbahn um zahlreiche Felsen und Bäume herum und führte durch enge Täler und in engen Spitzkehren über Hügelkuppen. Er riss mit einem verzweifelten Schnauben hart an den Zügeln. Die Räder waren noch nicht vollends zum Stillstand gekommen, da hatte Harkin bereits die Zügel um den Kutschbock geschlungen und sprang ab. »Bleibt in der Kutsche, mein Prinz!«, rief er Yeslnik zu, als er am offenen Fenster des Schlags vorbei zum hinteren Ende der Kutsche hastete.
Er folgte dem Tau bis zum Schleppanker und sah, dass er sich am Kutschenboden verhakt hatte. Diese Pauris waren wirklich gerissen! Nicht etwa mit einem Speer oder etwas Ähnlichem hatten sie die Kutsche angegriffen, sondern sie hatten mitten auf der Straße eine Falle gelegt, um sie von unten an den Haken zu nehmen.
Harkin wollte sich bereits bücken, hatte sich sogar schon auf ein Knie fallen lassen und damit begonnen, sich unter das Fahrgestell der Kutsche zu schieben, als ihm die Vorstellung, so leicht angreifbar auf dem Boden herumzukriechen, während die Pauris immer näher kamen, fast die Luft abschnürte. Also zog er stattdessen sein kurzes Bronzeschwert und begann, aus Leibeskräften auf das Tau einzuhacken.
»Du Narr! Was treibst du da!«, schrie der Prinz, der sich, den Oberkörper weit aus dem Fenster gelehnt, an dem jetzt offenen Schlag festhielt. »Wieso hast du angehalten? Ich bin der Neffe von Fürst Delaval!«
»Wir können nicht weiterfahren, mein Lehnsherr«, versuchte der bedauernswerte Harkin zu erklären. Wieder schlug er mit voller Wucht zu, und endlich riss das Tau. Als Yeslnik dies sah, stieß er einen entsetzten Schrei aus, dann sah er einen Speer heranfliegen und sich neben Harkin in die Kutsche bohren.
»Steigt wieder ein, ich flehe Euch an, mein Prinz!«, brüllte Harkin, und diesmal verzichtete Yeslnik darauf zu widersprechen.
Harkin lief um die Kutsche herum und kletterte zurück auf den Bock. Er musste so schnell wie möglich von hier verschwinden ...
Die Zügel waren nicht mehr da.
Harkins suchender Blick wanderte nach vorne zu dem nervösen Gespann, und da, mitten zwischen den Tieren, sah er sein Verderben. Denn dort, ein Lächeln auf dem ledrigen und faltigen Gesicht, die weißen Zähne hinter den langen Haaren seines wuchernden roten Schnauzers deutlich zu erkennen, stand ein Pauri.
»Sucht Ihr vielleicht das hier, mein Herr?«, fragte der Zwerg und hielt die Zügel schüttelnd in die Höhe. »Sind Eure Pferde von Eurer sinnlosen Flucht nicht längst erschöpft?«
Als er schließlich auch noch weitere Zwerge um die Seiten der Kutsche herumschleichen hörte, schnürte es Harkin die Kehle zu, denn Pauris eilte der Ruf voraus, nicht auf Beute, sondern auf Menschenblut aus zu sein.
Der Zwerg vorne ließ die Zügel fallen und zückte ein langes, krummes Messer mit einer hässlich gezackten Klinge. »Wenn Ihr Euch nicht wehrt, ist der Schmerz nicht ganz so groß.«
Harkins Gedanken rasten. Er wollte noch nicht sterben, und schon gar nicht auf diese Art. »Moment!«, schrie er, als er die Kutsche hinter sich knarren hörte. Er wusste, dass einer der Zwerge im Begriff war, daran emporzuklettern. »Ich hab was für euch; etwas, das euch alles Blut und Geld einbringen wird, das ihr euch wünscht!«
Der Zwerg vorne hob die Hand, worauf sein sich an Harkin heranschleichender Kumpan innehielt.
In diesem Moment hörte der beklagenswerte Harkin, wie der Kutschenschlag geöffnet wurde. Einen Augenblick später hörte er Prinz Yeslniks Gemahlin schreien, worauf wütender Protest des Prinzen folgte.
»Ganz recht, den meine ich«, improvisierte Harkin. »Er stammt aus einer adligen Familie, und sein Fürst wird jeden Preis zahlen, den du verlangst, um ihn zurückzubekommen. Menschen oder Bares - Fürst Delaval ist das einerlei, solange man im Gegenzug seinen teuren Neffen sicher heimkehren lässt.«
Der Zwerg vor ihm ließ ein nachdenkliches Brummen hören.
Hinter sich hörte Harkin jetzt weitere Bewegungen und ein paar Rufe, aber noch immer deutete keines der Geräusche auf einen Kampf hin. Offenbar warteten die Zwerge noch ab - glaubte er und hoffte er zumindest inständig.
»Was meinst du, Turgol?«, fragte der Zwerg vor der Kutsche. »Lösegeld? Haben wir es darauf abgesehen?«
»Ach was«, sagte der zweite Zwerg seitlich hinter Harkin, dem beinahe die Sinne schwanden, als er merkte, wie nah der Bursche bereits war. »Das macht nur einen Haufen Arbeit, und überhaupt, sollen wir etwa einen Fürsten gegen uns aufbringen? Nein, ich sage, wir töten sie gleich hier. Dreimal frisches Blut; das wird der Farbe meiner Kappe gut tun.«
Der Zwerg vor der Kutsche begann zu nicken, während sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete, und öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen.
»Nun, das war die falsche Antwort«, kam ein Stimme von oben - eine menschliche Stimme, nicht der merkwürdige Singsang eines Pauri. Harkin und die Zwerge fuhren herum, ihre Blicke zuckten nach oben, in die Krone einer weit verzweigten Eiche.
Und tatsächlich, dort oben auf einem Ast hockte er; ein eher klein gewachsener Mann, von Kopf bis Fuß in schwarze Kleidung aus irgendeinem ungewöhnlichen Material gehüllt. Er trug eine nachtschwarze Maske mit ausgeschnittenen Löchern für die Augen, die über die Hälfte seines Gesichts bedeckte.
»Wäre dies eine ehrbare geschäftliche Angelegenheit, hätte ich vielleicht einfach, ohne mich einzumischen, weiter meines Weges ziehen können«, erklärte der geheimnisvolle Fremde. »Aber da ihr es nicht anders wollt ...«
Kaum hatte er geendet, stieß er sich vom Ast ab und segelte hinunter in Richtung Kutsche.
»Bei den Göttern!«, entfuhr es Harkin, der erschrocken zurückwich und die Arme vor dem Körper in die Höhe riss, so als erwartete er, der Fremde werde durch das Kutschendach krachen.
Der Pauri hinter Harkins Rücken kreischte, wich aber nicht etwa zurück, sondern hob stattdessen eine schwere Streitaxt.
Mit einem wütenden Aufschrei holte der Zwerg aus und versuchte, den Mann in Schwarz noch in der Luft zu treffen. Erstaunlicherweise sirrte die Axt jedoch unter dem Fallenden hinweg, so als hätte dieser seinen Sturz irgendwie abgebremst. Und er brach auch nicht durch das Kutschendach - wie er es nach einem Sturz aus dieser Höhe hätte tun sollen -, sondern landete stattdessen sicher hinter der schwingenden Axt. Unmittelbar nach der Landung ließ er sich fallen, fing den Aufprall mit einer dem Schwung der Axt folgenden Vorwärtsrolle ab und kam, mit dem Zwerg in ein Handgemenge verwickelt, wieder hoch. Einen Augenblick später landete der Pauri unsanft auf dem Boden und blieb, alle viere von sich gestreckt, reglos liegen, während seine Axt fortgeschleudert wurde.
»Eleganz ist nicht gerade seine Stärke, was?«, wandte sich der Fremde an zwei weitere Pauris, die ihn mit offenem Mund angafften. Noch beim Sprechen stieß er den Ellenbogen nach hinten, denn geschickterweise war er unmittelbar neben dem offenen Kutschenschlag gelandet, so dass er ihn jetzt mit einem kurzen Ellenbogenstoß schließen konnte. »Ich bitte um Vergebung, Prinz Yeslnik, aber würdet Ihr bitte im Inneren der Kutsche ausharren, bis ich meine Geschäfte hier draußen erledigt habe?«
Unterdessen hatten sich die beiden Zwerge von ihrem Schock erholt. Sie brüllten und griffen an, worauf der Fremde in die Luft sprang und mit einem Überschlag elegant über sie hinwegsetzte. Er landete, lief ein paar Schritte, drehte sich noch in der Bewegung um und zog ein so prachtvolles Schwert hinter seiner Schulter hervor, wie es noch keiner von ihnen - weder Mensch noch Zwerg - jemals zu Gesicht bekommen hatte. Die silbern glänzende Klinge schimmerte im Morgenlicht und war der Länge nach mit einem feinen Rebenmuster überzogen. Das Bemerkenswerteste aber war das aus Silber und Elfenbein gefertigte Heft, dessen Knauf einem breiten, flachen Schlangenkopf nachempfunden war.
Die Pauris drehten sich um und stürmten auf ihn zu, wobei der eine mit einem Speer zustieß, während der andere ihn mit seinem Schwert, einer Bronzewaffe, zu durchbohren versuchte.
Zwei schnelle, harte Schläge lenkten beide Waffen zur Seite ab. Der Fremde zog seine Klinge an die rechte Körperseite zurück, und im nächsten Moment war sie hinter seinem Rücken verschwunden.
Die törichten Zwerge griffen dennoch an.
Doch jetzt stieß das silbrige Schwert plötzlich von links vor, lenkte das Zwergenschwert mit einem kurzen, harten Schlag zur Seite, dem ein brutaler Stoß folgte, der den Pauri mitten in der Brust traf. Der Fremde drehte sich im letzten Augenblick zur Seite, so dass ihn der Speerstoß knapp verfehlte. Dann bekam er den Schaft der Waffe mit der rechten Hand zu fassen und riss, während er näher an den Zwerg herantrat, sein Schwert aus dessen zu Boden sinkendem Kameraden. Viel zu nah, um die Waffe wirkungsvoll einzusetzen, schleuderte er sein Schwert in die Höhe, worauf der Pauri diesem, wie vorherzusehen, mit den Augen folgte.
Er versetzte dem Pauri rasch drei Schläge ins Gesicht, die von erheblicher Wucht waren. Benommen torkelte der Zwerg einen Schritt nach hinten.
Der Fremde fing das fallende Schwert wieder auf, seine Hand schnellte vor und rammte dem Zwerg den Schlangenkopfknauf mitten ins Gesicht. Dann musste er sich drehen, denn ein weiterer Zwerg stürzte auf ihn zu. Noch in der Drehung stieß er das Schwert nach hinten und versenkte die prachtvolle Klinge mit solcher Wucht in der Brust des verblüfften Zwergs, dass die Spitze am Rücken des Geschöpfes wieder hervortrat.
Der Fremde ließ das Heft los und bewegte seine Hände blitzschnell vor dem Körper hin und her, um den nächsten Angreifer zu verwirren. Irgendwie gelang es diesen flinken Händen, den Stoß des Paurischwerts abzuwehren. Mit der Innenfläche seiner Rechten schlug er die Klinge des Zwergs beiseite, brachte seine Linke blitzschnell unter den Arm des Zwergs und drückte ihn nach außen. Dann packte er den Unterarm und zog ihn vor seinen Körper. Mit der Rechten verdrehte er dem Zwerg das Handgelenk und überdehnte dabei die Bänder, was ein schmerzliches Aufheulen zur Folge hatte. Ein abrupter, brutaler Ruck raubte den Zwergenfingern alle Kraft. Der Fremde ließ seine Hand hinuntergleiten und entwand dem Pauri sein Schwert.
»Du hattest deine Chance«, stieß er hervor, drückte den Arm des Pauri weit zur Seite und schlug ihm mit der Linken ins Gesicht, ehe er den Pauri bei den Haaren packte und ihn gewaltsam wieder zu sich heranzog.
Unter wütendem Knurren begann der Zwerg, um sich zu schlagen, doch das einzige Ergebnis seines Befreiungsversuchs bestand darin, dass er dem Fremden seine ungeschützte Kehle darbot.
Das Schwert glitt hinein, das wütende Knurren ging in ein Gurgeln über. Jetzt schlug der Zwerg nicht mehr um sich, sondern stand wie angewurzelt da, den Blick starr in den Morgenhimmel gerichtet, die Arme zuckend an den Seiten. Der Fremde hatte das Paurischwert stecken lassen.
Sofort setzte ihm ein weiterer Zwerg nach, während mehrere andere ausschwärmten, so als wollten sie ihm den Weg abschneiden, denn offenkundig war ihr Gegner jetzt unbewaffnet.
Diesem Missstand half er ab, als er bei dem Zwerg anlangte, den er mit seinem Schwert durchbohrt hatte. Mit einem Seitwärtsüberschlag setzte er über ihn hinweg und bekam dabei das Heft des Schwertes zu fassen. Als er auf der anderen Seite auf den Füßen landete und sich zwei Pauris von vorne auf ihn stürzten, hielt er seine Waffe bereits wieder sicher in der Hand. Sofort setzte er sie mit vernichtender Wirkung ein und teilte mehrere Hiebe aus, die in rascher Folge gegen die Waffen der Zwerge prallten. Irgendwann inmitten dieses kaum nachvollziehbaren Wirbels stieß er zweimal zu, und schon taumelte einer der Pauris nach hinten. Aus seiner Schulter und Brust spritzte hellrotes Blut.
Jetzt umwirbelte das Schwert des Fremden die Waffe des noch verbliebenen Zwergs in einer engen Kreisbewegung, was die Kreatur dazu verleitete, das verwirrende Schauspiel wie gebannt zu verfolgen.
Ein verhängnisvoller Fehler.
Denn in diesem Moment veränderte der Fremde den Winkel seines Schwertes und schleuderte die Zwergenwaffe mit einer schwungvollen Bewegung und einem Aufschrei, der tief aus seinem Innern kam, weit zur Seite, streckte die Finger seiner freien Hand, sprang vor und stieß sie nach vorn, bis sich seine Finger in die Luftröhre seines Gegners bohrten.
Ein Schauer durchlief den Körper des Zwergs. Er torkelte nach hinten, während er von heftigen Zuckungen erfasst wurde.
»Wer möchte der Nächste sein?«, fragte der Fremde, drehte sich um die eigene Achse und ließ sein Schwert kreisen.
Doch von den noch verbliebenen Zwergen wollte keiner etwas mit ihm zu schaffen haben. Sie waren längst verschwunden, hatten die Flucht ergriffen und sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut.
Der Fremde lachte und sah zur Kutsche hinüber, wo der Prinz von Delaval soeben mit einem vorsichtigen Blick nach draußen den Schlag öffnete. Der verängstigte Fahrer starrte von oben auf ihn herab. »Sie ergreifen stets die Flucht, sobald die Hälfte von ihnen gefallen ist«, erklärte der Fremde ruhig. »Hielten sie bis zum Ende durch, würden sie vielleicht irgendwann feststellen, dass auch ich müde werde.«
Kaum hatte er geendet, setzte er zu einer Serie von Sprüngen an, wobei er sich fortwährend um die eigene Achse drehte und einen Schwerthieb nach dem anderen führte. Die schier unüberwindbare Schlagfolge hätte vermutlich die zehn erstbesten Feinde, die ihm zu nahe kamen, niedergestreckt.
»Oder vielleicht auch nicht«, schloss der Fremde und entbot einen Gruß.
»Wer seid Ihr?«, wollte Prinz Yeslnik wissen.
»Ist mir mein Ruf etwa nicht vorausgeeilt? Ich fühle mich gekränkt.«
»Der Straßenräuber«, stieß Harkin hervor.
»Ich danke Euch dafür«, erwiderte der Mann in Schwarz. »Die Vorstellung, all die harte Arbeit der letzten Monate sei umsonst gewesen, wäre mir wirklich zuwider.«
Prinz Yeslnik ließ sich aus der Kutsche gleiten. »Euer Ruf wird Euch nicht ganz gerecht, mein Freund.«
»Oh, ich danke Euch.«
»Ich werde Euch eine Belohnung zahlen.« In diesem Moment erblickte der Straßenräuber hinter dem Rücken des Prinzen dessen weibliche Begleitung, die ihn aus der Kutsche heraus anstarrte und sich ihm neugierig entgegenlehnte - eine bei diesen bezaubernden Hofdamen beinahe schon übliche Reaktion.
»Sowie Euch sämtliche Strafen erlassen«, fuhr der erregte Prinz fort, »für alle Verbrechen, deren man Euch bezichtigt hat. Ihr werdet das Leben eines wohlhabenden und freien Mannes führen, und zwar in ganz Honce.«
»Als stünde es in Eurer Macht, darüber zu bestimmen«, erwiderte der Fremde. »Das Reich ist ziemlich groß.«
»Dann zumindest auf dem Gebiet des Fürstentums Delaval«, erwiderte Yeslnik. »Ihr könnt Euch in Delaval frei bewegen.«
»Ich habe nicht die Absicht, nach Delaval zu reisen.«
»Nun ...«
»Aber eine Belohnung klingt in der Tat gut, deshalb nehme ich sie gerne an ... jetzt gleich.«
Auf einmal wirkte Yeslnik besorgt, fasste sich jedoch rasch wieder und wandte sich zu den Gepäckstücken um, die hinten auf der Kutsche festgezurrt waren.
»Einhundert Silbermünzen«, bot Yeslnik an.
»Ich nehme lieber Gold.«
Der Prinz starrte ihn an, wobei eine flüchtige Zornesröte seine wahren Gefühle verriet. »Also gut, dann eben Gold, einhundert Stücke.«
»Ihr besitzt ganz sicher mehr als das. Schließlich seid Ihr hergekommen, um die in Pryd von Eurem Onkel erhobenen Steuern einzutreiben. Ihr wisst ebenso gut wie ich, welche Steuerlast Delaval den Menschen in Pryd als Ausgleich für den Schutz vor Fürst Ethelberts Übergriffen aufbürdet.«
Prinz Yeslnik nahm eine überaus steife Haltung an. »Also nennt schon Euren Preis.«
»Nun, alles natürlich«, entgegnete der Straßenräuber.
Der Prinz wirkte schockiert.
»Ihr müsst wissen, es war gelogen, als ich dem Pauri erklärte, er habe die falsche Antwort gegeben. Ich bin ganz seiner Meinung.

Kurzbeschreibung zu Die Drachenwelt-Saga

Als Gary Leger eines Abends vom Pfeil eines winzigen Bogenschützen getroffen wird, findet er sich in Faerie wieder - einem wundersamen Land, in dem es Elfen, Zwerge, Drachen und Magier gibt. Für Gary beginnen Abenteuer, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hatte vorstellen können ...




Autorenportrait zu Die Drachenwelt-Saga

R. A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren, wo er auch heute noch lebt. Bereits sein erster Roman "Der gesprungene Kristall" machte ihn bekannt und legte den Grundstein zu seiner weltweit beliebten Reihe von Romanen um den Dunkelelf Drizzt Do´Urd

Portrait

Frank Böhmert:
Frank Böhmert, 1962 in Berlin geboren, hat einen Sommer lang auch mal Schmuck auf Märkten und Rummelplätzen verkauft. Seit 1994 ist er ausschließlich als Literaturübersetzer und Autor tätig. Zu seinen eigenen Veröffentlichungen gehören Hörspiele und Kurzgeschichten.
R. A. Salvatore:
Robert A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren, wo er noch heute mit seiner Frau Diane, drei Kindern, einer Katze und einem Hund lebt. Sein erster Roman "Der gesprungene Kristall" machte ihn bekannt und legte den Grundstein für seine weltweit beliebten Zyklen um den Dunkelelfen Drizzt Do Urden. Neben seinen zahlreichen Fantasy-Büchern verfasste er zuletzt auch den ersten Roman der neuen spektakulären Star-Wars-Serie "Das Erbe der Jedi-Ritter". Im November 2000 erschien: "Die Abtrünnigen".

Autorenportrait

R. A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren, wo er auch heute noch lebt. Bereits sein erster Roman "Der gesprungene Kristall" machte ihn bekannt und legte den Grundstein zu seiner weltweit beliebten Reihe von Romanen um den Dunkelelf Drizzt Do´Urd

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40

27.04.2005

von Bücherwurm
Ein genial geschriebenes Buch

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