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123456

50

18.05.2013

„Eine Reise auf Worten...”

Als sie einschliefen, ineinandergegossen, dachte Marietta: und trotzdem träumst du. Und Jakob: Und trotzdem träume ich. (S. 55)

Jakob ist ein erfoglreicher Tee- und Kaffeehändler, mit seiner Familie führt er ein beschauliches Leben. Seine Leidenschaft für Tee und Kaffee aus aller Welt erfüllt sein Dasein und er kann Menschen mit einer guten Tasse Tee und seinen Worten auf Reisen schicken.

Doch was er für andere schafft, fehlt ihm selbst immer mehr. Er fühlt sich leer und leerer, schließlich begibt Jakob sich auf eine Suche um seine Sehnsucht nach Wahrheit zu stillen.

Ewald Arenz beschreibt mit wunderschönen Worten die Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach sich selbst sich immer mehr verliert und dabei doch auf den Kern seines ureigensten Seins stößt.

Dabei gelingt es ihm surreale Szenen mit der Kraft von Bildern auszudrücken, sodass die LeserInnen bald meinen selbst mitten in der von Jakob erschaffenen Welt zu stecken.

Mit dem Protagonisten verschmelzen die LeserInnen direkt zu Beginn des Buches und so ist es nicht verwunderlich, dass der Ausstieg aus demselben wiederum schwer fällt und man noch gerne weiter mit Jakob auf Worten reisen und mehr über die Geschichte des Tees erfahren möchte.

buch

Verflucht

Victoria Schwab

EUR 12,99 *
auf Merkliste

30

02.05.2013

„Kurzweiliges Jugendbuch”

„Was machst du denn da?“

„Ich hacke Holz.“ Mein Tonfall bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen sachlich und frech. (Verflucht, S. 47)

Die Mutter beim Ausliefern von Brot unterstützen, der kleinen Schwester Einschlafgeschichten erzählen, dem Onkel nicht unangenehm auffallen. Lexi könnte sich durchaus eine spannendere Welt erträumen.

Als ein Fremder eines Nachts um das Dorf schleicht, ist ihr Entdeckerinnengeist geweckt und Lexi weiß auch wo sie mit ihrer Suche nach dem Unbekannten beginnen wird. Beim Cottage der alten Schwestern Magda und Dreska.

Die Schwestern waren schon alt und knorrig als Lexi ein kleines Mädchen war. Es scheint, dass sie seit Anbeginn der Zeitrechnung des Dorfes Near hier waren. Immerdar, mystisch und voller Geheimnisse.

Als Kinder im Dorf verschwinden und nicht wieder zu finden sind, gerät Lexi plötzlich zwischen die Fronten. Während sich die Verdachtsmomente um den geheimnisvollen Fremden häufen, beginnt sie auf eigene Faust nach den Kindern zu suchen.

Aber das Moor teilt seine Geheimnisse nicht gerne…

Victoria Schwab entführt die LeserInnen in ein fiktives Dorf, vielleicht in England im ausklingenden 19. Jahrhundert. Harte körperliche Arbeit schickt sich für Frauen nicht.

Lexi wurde von ihrem Vater untypisch für die Dorfverhältnisse zur Selbstständigkeit erzogen. Sie ist es gewohnt sich schmutzig zu machen und auch harte Arbeiten zu verrichten. Anstatt sich Männern unterzuordnen setzt sie ihren schlauen Kopf ein um sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

Ihr forsches und gleichermaßen abschätzendes, nachdenkliches Wesen machen sie zu einer sympathischen Protagonistin.

„Noch nicht“, bremse ich ihn. „Wir können nicht einfach aufs Moor rauslaufen. Wir brauchen einen Plan…(Verflucht, S.196)

Die mystische Komponente, die der Geschichte den Touch von Gruselgeschichten aus Kindertagen verleiht, trägt die LeserInnen rasch mit sich fort, denn der Wind um Near ist ein einsamer Wind.

Victoria Schwab schreibt leichtfüßig, führt die ProtagonistInnen und die LeserInnen durch ihre melancholische Welt voll mit althergebrachten, vergangenen Klischees, gibt ihnen blumige Beschreibungen an die Hand um der Geschichte Leben einzuhauchen.

Für mich persönlich waren die Charaktere zuwenig greifbar und erläuterte Hintergründe zu blass um mich richtig darin zu verlieren. Beim Lesen passierte es mir immer wieder, dass meine Gedanken abschweiften. Manchmal musste ich mich regelrecht in die Geschichte hineinzwingen.

Insgesamt aber ein spannendes Jugendbuch, das die Zielgruppe mit großer Wahrscheinlichkeit begeistern kann.

40

26.04.2013

„Die Diplomatische Ehe...”

„Tu felix Austria nube“, schon Maria Theresia verheiratete ihre zahlreichen Kinder nach politischen und diplomatischen Dünkel, dass nicht alle HabsburgerInnen mit den arrangierten Ehen glücklich waren oder glücklich wurden liegt auf der Hand.

Einige fügten sich in ihr Schicksal und suchten ihr Glück abseits der angetrauten PartnerInnen. Allerdings gab es auch unter den HabsburgerInnen RebellInnen. Menschen die bereit waren für ihre Liebe einzustehen und entgegen allen Konventionen daran festzuhalten.

Politisches Kalkül, strenge Erziehung und starre Hofzeremonielle taten ihr übriges um junge Menschen in der Habsburger-Dynastie zu zerbrechen. Diesen tragischen Figuren nähert sich die Autorin ebenso empathisch wie warheitsgetreu.

Hanne Egghardt schreibt in ihren Portraits in denen auch HabsburgerInnen dargestellt werden, die es nicht zu großem Weltruhm gebracht haben umso interessanter lesen sich diese Lebensläufe erfrischend abseits von übergroßen Figuren wie Kaiserin Elisabeth, Franz Joseph oder Maria Theresia.

Die Autorin hat die dargestellten Lebensläufe gut recherchiert und bildhaft in Szene gesetzt, so lesen sie sich eher wie kurze historische Geschichten, denn trockene Geschichtsaufarbeitung.

Als Österreicherin war mir natürlich so mancher Name ein Begriff, aber Hanne Egghardt hat auch abseits der bekannten Geschichten Details beschrieben, sodass auch eine noch so bekannte Geschichte den Touch des Neuen erhält. Ich bin in der Steiermark im südlichen Österreich beheimatet und somit war vor allem das Kapitel von Erzherzog Johann und seiner großen Liebe Anna Plochl für mich interessant und ich konnte einiges Neues lernen.

Der Schreibstil hätte an manchen Stellen ein wenig flüssiger sein dürfen, aber insgesamt ein interessantes Werk für alle LeserInnen, die sich kurzweilig mit dem Leben der HabsburgerInnen durch die Jahrhunderte beschäftigen möchten.

50

18.04.2013

„Ein "schöner" Roman”

Luise hat einen großen Traum – sie will fliegen. Fliegen um jeden Preis, davon erhofft sie sich die große Freiheit. Ohne zunächst zu begreifen, was hinter ihrem Wunsch steht will sie der Enge ihres Städtchens entfliehen, frei sein von Zwängen, Kleinbürgertum und starrem Gehorsam.

Gemeinsam mit einem Freund aus Jugendtagen kommt sie auf die Idee, sich kurzerhand selbst ein Flugzeug zu bauen. Viele Stunden und all ihr Erspartes setzen Luise und Georg ein um sich ihren Traum zu erfüllen, um die Welt endlich von oben zu sehen.

Doch das Leben spielt oft anders und das Deutschland der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts steuert unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu.

Mit „Ein Lied über der Stadt“ nimmt uns Ewald Arenz mit in eine Vergangenheit, die noch gar nicht so lange zurückliegt und uns dennoch bereits fremd und unwirklich scheint. Wie kein anderer vermag es der Autor, das Lebensgefühl der damaligen Zeit zu transportieren, sodass sich die LeserInnen von der ersten Seite an richtig heimelig in dem Roman fühlen können.

Die Geschichte wird gleichermaßen von den ProtagonistInnen als auch den Nebencharakteren getragen und zu den meisten von ihnen lässt sich ganz schnell eine Beziehung aufbauen. Dadurch werden ihre Handlungen schnell nachvollziehbar und eingehend.

Ewald Arenz sagte im Rahmen der lovelybooks-Leserunde der Arbeitstitel für „Ein Lied über der Stadt“ lautete „Schöner Roman“, nun ein schöner Roman ist dieses Buch wirklich, aber nebenbei noch einer der ganz sacht etwas in den Menschen zum Klingen bringen kann.

30

04.04.2013

„Kurzweilige Unterhaltung”

Julia Lovat ist Mitte 30 und in ihrem Leben hat sich wenig so entwickelt, wie sie es sich ursprünglich gewünscht hat. Sie lebt seit Jahren in einem Verhältnis mit dem Mann einer engen Freundin, der nicht die Absicht hat seine Frau für Julia zu verlassen. Im Gegenteil, eines Abends schenkt er ihr ein antiquarisches Buch und eröffnet ihr zugleich, dass er seiner Ehe noch eine Chance geben will.

„Der Stolz der Stickerin“, ein Buch mit Stickvorlagen entpuppt sich bald als das geheime Tagebuch von Catherine Anne, einer Kammerzofe im Cornwall des 17. Jahrhunderts und bevor Julia es sich versieht ist sie selbst gefangen in der Geschichte einer längst verstorbenen Frau.

Jane Johnson beleuchtet in ihrem Roman ein wenig bekanntes Kapitel der englischen Geschichte und verknüpft dabei die Schicksalsstränge zweier Frauen, die in zwei völlig unterschiedlichen zeitlichen Epochen leben. Trotz der offensichtlichen Unvereinbarkeit der Lebenswege von Julia und Catherine, webt sie geschickt über verschiedene Eigenschaften und Vorlieben, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten und transportiert dadurch eine Verbundenheit, die Julia Lovat für Anne Catherine zu hegen beginnt.

Insgesamt wirkt der 2010 erschienene Roman ein wenig wie in den 90ern stecken geblieben. Einige Wendungen, die sehr stark an die New Age Bewegung erinnern, sind schwer nach zu empfinden und die vermehrt dargestellte Übermacht des Schicksals birgt die Gefahr der Unglaubwürdigkeit der Geschichte.

Das Buch lebt von der liebevollen Ausgestaltung der Charaktere, die den LeserInnen auf fast 500 Seiten ans Herz wachsen.

Eine kurzweilige Unterhaltung für ein paar entspannte Stunden.

40

26.03.2013

„Epische Fortsetzung ”

Svenya hat ihren Platz gefunden. Inmitten von Elben behauptet sie sich als die Hüterin Midgards und schützt Elbenthal mit ihrem Leben vor Gefahr. Viel hat sich verändert seit Hagen, ein heimatloses Waisenkind in die Elbenstadt unter Dresden gebracht hat, aber manche Dinge bleiben unverändert. Laurin und Lau’Ley trachten nach ihrer Niederlage und einer weiteren vertanen Chance auf ein Tor zurück nach Alfheim auf Rache.

Auch abseits der Front gegen die Dunkelelben ziehen dunkle Wolken auf, drei der fünf Schicksalsklingen sind verschwunden. Wer die Klingen vereint, kann ein zusätzliches Tor in die anderen Welten erschaffen und das wollen die Elben um jeden Preis verhindern.

Der zweite Teil der Elbenthal-Saga beschert den LeserInnen ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Charakteren allen voran Svenya, die sich inzwischen zu einer starken Führungspersönlichkeit entwickelt hat und ihrer Aufgabe zwar unkonventionell aber dennoch mehr als nur gerecht wird. Die Charaktere sind wie schon in Teil eins liebevoll ausgestaltet, mit Ecken und Kanten und verhelfen den LeserInnen, durch ihre Authentizität, einen sanften Eintritt in die reich ausgeschmückte Fantasywelt.

Ivo Pala legt die Elbenthal-Saga groß an, es wird bald deutlich, dass er mit ProtagonistInnen und Plot hoch hinaus will und dabei auch die LeserInnen fordert. So ist eine umfassende Beschäftigung mit der nordischen Mythologie sehr angebracht, will man die komplexe Geschichte als Ganzes erfassen.

Wer von dem Autor schon andere Werke gelesen hat, weiß um dessen Vorliebe für detailreiche Kampfszenen und Schilderung von Waffen und deren Funktionsweisen. Neben den sehr gut ausgearbeiteten ProtagonistInnen werden Pala-Fans auch bei „Der schwarze Prinz“ hier voll auf ihre Kosten kommen.

Im Gleichklang der fantastischen Jugendliteratur sticht die Elbenthal-Saga erfrischend anders und ungewöhnlich hervor und hat dabei auch alles was junge und junggebliebene LeserInnen sich wünschen, Fantasy, Romantik, epische Hintergründe, starke ProtagonistInnen die auch Fehler machen dürfen und ganz menschlich an ihrem Schicksal zu zerbrechen drohen, es aber dann fest in die Hand nehmen.

40

23.03.2013

„Überraschend gelungene Fortsetzung”

Eva und Gideon genießen ihr Zusammensein. Sie zeigen einander wie viel sie sich bedeuten und das sehr oft körperlich. Doch beide haben ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen können. Als Gideons’ Ex-Verlobte auftaucht, brennen bei Eva die Sicherungen durch. Getrieben von dem Drang sich gegenseitig zu verletzen, befinden sich Eva und Gideon schon bald wieder am Abgrund ihrer Beziehung.

Sylvia Day schließt Teil 2 „Offenbarung“ nahtlos an die Ereignisse von „Versuchung“ an. Sie spinnt die Charaktere konsequent weiter und gibt der Geschichte abseits der prickelnen Erotik eine überraschende Tiefe indem sie eine gut durchdachte Handlung anbietet.

Erfrischend wirken die Schlagabtäusche zwischen Eva und Gideon, sind doch beide sehr von ihren Standpunkten überzeugt und schenken sich bei einer Meinungsverschiedenheit nichts.

Die Autorin schildert recht detailverliebt einzelne Begebenheiten und verliert sich mitunter in Beschreibungen von Kleidern oder Interieur. Der Aufbau der Geschichte aber erlaubt dies und somit wirken sowohl die Beschreibungen, Dialoge aber auch Akte als Teil eines stimmigen Ganzen.

Ein wenig Tiefe mögen die LeserInnen bei den auftauchenden Nebencharakteren vermissen, die durchwegs gute Unterhaltung leidet deswegen aber kaum.

„Offenbarung“ ist ebenso wie „Versuchung“ in sich abgeschlossen, macht aber Freude auf den finalen Band.

20

12.03.2013

„Schwacher dritter Teil”

Kelsey und Kishan haben die zweite Aufgabe gemeistert um den Fluch, der auf den Prinzenbrüdern liegt zu brechen und schließlich auch Ren aus Lokeshs’ Gefangenschaft befreit. Doch alles hat sich verändert. Ren kann sich an seine Beziehung zu Kelsey nicht erinnern, mehr noch er empfindet körperliche Schmerzen wenn er ihr zu nahe kommt.

Kelsey leidet schrecklich unter seiner Abweisung, dennoch ist sie fest entschlossen auch die dritte Aufgabe, die Durga ihnen stellt zu lösen um die Brüder von dem Fluch zu befreien.

Doch auch Kishan hat sich in Kelsey verliebt und bald findet sich das junge Mädchen in einem tragischen Liebesdreieck wieder, das den Erfolg ihres Abenteuers zu gefährden droht.

Der dritte Teil der Tiger-Reihe beginnt relativ gedrückt. Die ProtagonistInnen Ren und Kelsey sind in ihren eigenen Traumata gefangen und auch Kishan maskiert seine Gefühle für Kelsey nicht mehr und macht ihr offensichtliche Avancen.

Colleen Houck schreibt stabil und beständig an der Reihe, ihre Recherche ist wie auch schon in den vorangegangen Bänden bewundernswert und die Abenteuerelemente der fantastischen Reise der Tiger und Kelsey sind gewohnt fantasievoll und mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestaltet.

So wunderschön sich diese Passagen lesen umso anstrengender gerät das Liebesdreieck um Kelsey und die indischen Prinzen. Houck hat leider die Charaktere kaum weiterentwickelt, es sieht eher danach aus, als das die einst forsche Kelsey unter dem Druck sich für einen der Prinzen entscheiden zu müssen sich zu einem phlegmatischen Weibchen entwickelt.

Die „unsterbliche Liebe“ büßt durch das unglückliche Dreieck, vor allem aber Kelseys’ Verhalten, einiges an ihrem romantischen Charme ein.

Insgesamt hätte es der Geschichte gut getan, wenn Houck mehr Disziplin bei den Charakteren und deren Ausgestaltung an den Tag gelegt hätte. Zum anderen blasen sehr viele Details und sich wiederholende Dialoge die Geschichte unnötig auf ohne dieselbe wirklich voranzutreiben.

Für mich leider der aktuelle Tiefpunkt der Reihe, dennoch habe ich die Hoffnung, dass die Autorin mit Teil 4 das Ruder noch herumreißen kann.

buch

Glits

Robert Wolfe

EUR 13,95 *
auf Merkliste

40

10.03.2013

„Surreal und ausdrucksstark”

Jay ist ein Einzelgänger, nicht besonders beliebt hält er sich von seinen SchulkollegInnen fern und verbringt seine freie Zeit mit Liedtexten und dem Mischen von Songs. Seine Mutter ist ihm fremd und er spürt sich meist nur wenn er an physische oder psychische Grenzen geht.

Als er einem Aufruf eine Textpassage zu übersetzen nachkommt, verstrickt sich Jays’ Schicksal untrennbar mit dem eines fremdartigen Wesens von dem anscheinend niemand weiß woher es kommt und was es will.

Mit “Glits” legt Robert Wolfe einen surrealen Jugendroman vor, der sich ein wenig im Sci-Fi-Sektor bewegt ohne tatsächlich dort eingeordnet werden zu können.

Das Wesen des Glits bleibt den ganzen Roman hinweg undurchschaubar. Doch viel wichtiger als seine Herkunft oder seine organische Zusammensetzung sind dem Autor die Zwischentöne und Stimmungen, die er durch den Glits übertragen zu sucht.

Über weite Strecken ist das Buch sehr abstrakt und bewegt sich im Reich zwischen den Zeilen, erklärt nichts und berührt dennoch immer und immer mehr, sodass die Gedanken der LeserInnen bald die wunderbarsten Blüten treiben können.

Die Charaktere sind lebensnah und oftmals sogar bedrückend authentisch beschrieben, sodass ein Hineindenken in Jay oder Rachel ganz leicht und schnell geschieht.

Ein Roman voller Stimmung der vieles sagt ohne es wirklich beschreiben zu müssen.

50

01.03.2013

„Klar strukturierte Behandlung des Themas”

Die Geschwister Hans und Sophie Scholl verfassen und verteilen gemeinsam mit StudienkollegInnen 6 Flugblätter, ein siebentes wird nie vollendet. Die Geschwister werden beim Verteilen des sechsten Flugblattes entdeckt, verhaftet und kurz darauf hingerichtet.

Peter Normann Waage rollt die Geschichte der Weißen Rose erneut auf. Anschaulich beschreibt er Kindheit und Jugend der wichtigsten Mitglieder des Studentenkreises und veranschaulicht auch Einflüsse des Nazi-Regimes auf die sehr jungen Menschen.

Waage wählt einen interessanten Blickwinkel auf die involvierten Personen. Er beschreibt nicht nur sie selbst sondern auch ihre WegbegleiterInnen und MentorInnen, die maßgeblich daran beteiligt sind, dass sich diese jungen Menschen individuell entwickeln können und schließlich das Nazi-Regime hinterfragen und beginnen es zu bekämpfen.

Besonderes Augenmerk legt der Autor hierbei auf Traute Lafrenz, die er mehrere Male persönlich traf und befragte. Ihre Aussagen gibt er wortgetreu wieder und ermöglicht den LeserInnen dadurch einen objektiven Blick auf die Erlebnisse, Wahrnehmungen und Erfahrungen von Traute Lafrenz.

Des Weiteren umreißt er auch die Literatur, mit der die Geschwister Scholl aber auch andere beteilgte Personen in Kontakt kamen und die auch zum Teil in den Flugblättern zitiert wurden. Vor allem russische Autoren standen hierbei im Vordergrund. All diese Einflüsse werden erläutert und helfen dabei ein klareres Bild des Freundeskreises rund um die Weiße Rose zu gewinnen.

Im Anhang sind die Flugblätter selbst nach zu lesen. Ein unverstellter Blick auf diese Schriftwerke ist möglich sind sie doch frei von Kommentaren und Erläuterungen.

Waage schönt nicht und zeigt auch die Schattenseiten der Vereinigung, wie zum Beispiel die Geschichte um Heinz Kucharski, der durch die Denunzierung seiner KollegInnen ein so undurchdringliches Netz spinnen konnte, dass er selbst der Hinrichtung entging, aber für die Verhaftung von vielen anderen Menschen verantwortlich war.

Traute Lafrenz lehnte dieses Vorgehen ab und auch ihre Wahrnehmung und ihr Umgang mit diesen schwierigen Situationen nähert sich der Autor mit sehr viel Taktgefühl aber auch mit dem Anspruch Klarheit zu verschaffen.

Eine gut recherchierte, klar strukturierte und gut aufgebaute Behandlung des Themas, die sich flüssig liest, vor allem durch die vielen Passagen von Gesprächen mit Traute Lafrenz.

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