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Die Abrechnung

Thriller. Deutsche Erstausgabe

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Artikeldetails zu Die Abrechnung

AutorAndy McNab

Untertitel Thriller. Deutsche Erstausgabe

Abbildungsvermerk 18,5 cm

  • ISBN-103-442-37028-0
  • ISBN-139783442370283
  • Verlag Blanvalet
  • ReiheBlanvalet Taschenbücher
  • ÜbersetzerAndreas Brandhorst
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten442
  • Veröffentlicht13.05.2008
  • GenreThriller
  • Gewicht346g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelRecoil

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Leseprobe aus Die Abrechnung

Zaire, Zentralafrika 2. Oktober 1985 14:27 Uhr


Davy hatte seine 175er Yamaha abgeladen und war vorausgefahren, um das Tal zu erkunden. Er würde bald zurück sein - es sei denn, die Rebellen hatten ihn erwischt. Wir hatten Mobutus Soldaten für den Kampf gegen diese Typen ausgebildet und wussten daher: Das Stricken von Babyschuhen und das Sammeln von Porzellanfingerhüten zählten nicht unbedingt zu ihren Hobbys.
Wenn man es mit Leuten zu tun hat, die üblicherweise den Einwohnern eines ganzes Dorfes die Lippen abschneiden, weil man einen von ihnen dabei belauscht hat, wie er schlecht über den Präsidenten sprach ... dann sollte man sich besser vergewissern, dass die eigene Waffe geladen ist.
Unsere vier alten, halb verrosteten Renault-Laster standen verteilt hinter der Kuppe des höher gelegenen Geländes. Die Fahrer hatten die Motoren in dem Moment abgestellt, als wir diesen Ort erreichten. Bei so alten Wagen machte man das normalerweise nicht, weil man nie sicher sein konnte, dass sie wieder ansprangen, aber die Umstände ließen uns kaum eine Wahl. Die Zairer hatten uns so kurzfristig nur zwei Dutzend Benzinkanister beschaffen können, und die Motoren schluckten wie ein Schwede an seinem Junggesellenabend.
Die Sonne des frühen Nachmittags brannte gnadenlos vom Himmel. Hinzu kamen die Fliegen. Die verdammten Viecher fanden uns schon nach wenigen Minuten, und
ich musste ständig nach ihnen schlagen, um sie vom Gesicht fernzuhalten. Mit dem Zipfel eines Gingham-Tischtuchs wischte ich mir Schweiß aus den Augen - ich hatte es in zwei Hälften gerissen und mir die eine über Kopf und Schultern geschlungen. Die andere erfüllte ebenfalls einen guten Zweck und bedeckte den Verschluss meiner GPMG.
Ich öffnete das obere Gehäuse und zog den Gurt mit den Patronen vom Kaliber 7,62 mm heraus. Dann hob ich die Zuführung, blickte ins Patronenlager und strich mit dem Finger einige Sandkörner beiseite. Den ganzen Weg von Kinshasa waren wir über unbefestigte Straßen gerumpelt, und selbst die Tischdecke des Hochkommissars konnte nicht verhindern, dass Sand und Staub in jeden Winkel gerieten. Es spielte keine Rolle, dass ich das elende Zeug in Nase und Augen hatte. Ganz anders sah die Sache aus, wenn es den Verschluss blockierte und ich genau in dem Moment eine Ladehemmung hatte, wenn es »Bamm!« machen sollte.
Ich vergewisserte mich, dass Zuführung und Patronenlager in Ordnung waren, hielt den Patronengurt in der linken Hand und setzte ihn in den Schlitten. Dann schloss ich die Gehäuseklappe und schlug zusätzlich mit der Faust darauf - der Patronengurt saß fest. Ich zog am hölzernen Tragegriff der uralten Waffe, um sicher zu sein, dass das Zweibein gut zwischen den beiden Sandsäcken eingekeilt war, die wir auf die Kühlerhaube gebunden hatten. Wir wussten nicht, wie viele Rebellen sich in dem Tal vor uns befanden oder wie gut sie bewaffnet waren, aber wenn's Blei hagelte, wollte ich mindestens ebenso gut austeilen wie einstecken.
Ich schnitt eine Grimasse, als ich mich setzte. Der Sitzbezug war glühend heiß, wie die Karosserie, das Steuerrad und alles andere. Die ganze Front des Fahrzeugs lag in der prallen Sonne. Wir hatten nur eine Stunde Zeit gehabt, unsere Sachen zu packen, aber es war uns gelungen, die Renaults halb zu demontieren, damit sie ein möglichst geringes Profil boten. Wir hatten die Dächer der Führungshäuser abgenommen und hinten Gerüst und Bespannung entfernt. Sandsäcke ersetzten die Windschutzscheibe, schufen einen Schießstand und die Illusion von Schutz vor kleinen Waffen.
»Tollwütige Hunde und Engländer ...«, brummte der am Steuer sitzende Sam. Sein Glasgow-Knurren ließ selbst »Guten Morgen« wie eine Todesdrohung klingen.
»Wohl eher irre Schotten«, erwiderte ich.
Sam und ich trugen billige Sonnenbrillen und alte Wollhandschuhe, die unsere Hände vor der UV-Strahlung schützten. Bei dem Burschen neben mir kam der für ihn typische Buschhut hinzu, mit breiter Krempe und reichlich Schweißflecken. Wenn ich ein bleicher, Rock tragender Haferflockenwilder gewesen wäre, hätte ich ebenfalls ein solches Ding getragen. Sam war so hellhäutig, dass er vom Kühlschranklicht einen Sonnenbrand bekam.
Er sah auf die Uhr, die an einer Fallschirmschnur an seinem Hals hing. »Er ist schon eine Stunde unterwegs.« Sam behielt die Uhr im Hemd, damit sie nicht in der Sonne glänzte und unsere Position verriet. Das gehörte zu den elementaren Dingen beim Einsatz: Wenn man im Gelände unterwegs war, mussten Glanz und Form verborgen bleiben. Deshalb warteten wir unter der Kuppe der Anhöhe und nicht darauf.
Ich hoffte, dass Davy keine Panne hatte. Die Yamaha war nicht unbedingt im Verkaufsraum-Zustand. Wir hatten sie bei einer Bar am Stadtrand von Kinshasa geklaut. Mit ein wenig Glück musste sich der arme Kerl, dem die
Maschine gehörte, damit nicht seinen Lebensunterhalt verdienen.
In der Ferne zeigten sich einige Wolken am Himmel. Ich fragte mich, ob sie sich vielleicht für einen Schauer zusammentun würden. Ein Regenguss, der den Hitzeschleier vom Buschland genommen hätte, wäre sehr willkommen gewesen.
Irgendwo in der Senke vor uns gab es eine alte Plantage, die aufgegeben worden war, als sich die belgischen Kolonialherren in den sechziger Jahren aus dem Staub gemacht hatten. Hinter ihren Mauern befand sich eine Mercedes-Kolonne: Sie war nach Westen unterwegs gewesen, um sich irgendwo an der sechsunddreißig Kilometer langen Südatlantikküste Zaires mit einem Schnellboot der amerikanischen Dritten Flotte zu treffen. Bis hierher waren sie gekommen, aber jetzt saßen sie fest. Rebellen - niemand wusste wie viele - blockierten die einzige Straße.
Die Geheimdienstinformationen, die wir bekommen hatten, waren lückenhaft. Wir wussten nur, dass die Limousinen Zeugs im Kofferraum hatten, von dem uns niemand viel erzählte, und dass drei Beamte des britischen Hochkommissariats zusammen mit den Mercedes-Wagen feststeckten. Ihre Aufgabe hatte darin bestanden, Kontakt mit den Zairern zu halten und die Übergabe an die Amerikaner zu beaufsichtigen.
»Politisch brisantes Material«, sagte Captain Standish, der Chef der Truppe. Mehr verriet er uns nicht. »Wichtig für die Beziehungen des Westens mit Mobutu.«
In der Gruppe witzelte man: Das brisanteste Material von allem war das über Annabels Möpse - sie war eine der drei Beamten des Hochkommissariats, und Standish vögelte sie seit dem Tag unserer Ankunft. Er war dumm genug zu glauben, dass wir das nicht wüssten.
Seit einem Monat waren wir in Zaire und bildeten Mobutus Soldaten aus, damit sie Waffen und Munition verwendeten, ohne sich selbst umzubringen - oder uns. All das hatten wir für ein oder zwei Tage auf Eis gelegt, als es in der Hauptstadt zu Unruhen kam. Unsere Schüler wurden gebraucht, um die Opposition auf den Straßen zu unterdrücken.
Seit fast zwei Jahrzehnten hatte Mobutu das Sagen und kontrollierte ein Land so groß wie Westeuropa. Der Westen unterstützte ihn, weil er in ihm ein Gegengewicht zu dem sowjetischen Einfluss in der Region sah, aber das machte ihn nicht zu einem Burschen, von dem man sich wünschte, dass er die eigene Schwester heiratete.
Zu Anfang konsolidierte er seine Macht, indem er alle hinrichten ließ, die auch nur den Anschein erweckten, zu politischen Rivalen werden zu können. Ein Amnestieversprechen lockte den Rebellenführer Pierre Mulele zurück, doch Mobutus Jungs folterten ihn und brachten ihn um. Man stach ihm bei lebendigem Leib die Augen aus und amputierte nacheinander seine Gliedmaßen. Es war klar, woher unsere Macheten schwingenden Kumpel ihre Ideen bekamen.
Mobutu hatte ausländische Firmen verstaatlicht und europäische Investoren aus dem Land gejagt. Sein Lieblingstrick bestand darin, die Geschäftsführung Verwandten oder engen Mitarbeitern zu übergeben, was die Betreffenden dazu nutzten, die ihnen anvertrauten Unternehmen nach Herzenslust auszuplündern. Dadurch kam es zu einer so verheerenden Wirtschaftskrise, dass Mobutu versuchen musste, den Vorgang umzukehren.

Kurzbeschreibung zu Die Abrechnung

Explosive Spannung aus dem Schattenreich der internationalen Geheimdienste!Nick Stone, ehemaliger Agent für verdeckte Operationen im Auftrag der CIA, hat sich nach Australien abgesetzt, um dort ein neues Leben zu beginnen. Da erfährt er von einem brutalen terroristischen Anschlag auf Frauen und Kinder auf dem Balkan, und mit einem Schlag kehren die verdrängten Erinnerungen zurück. Nick begreift, dass er erst zur Ruhe kommen wird, wenn er eine alte Schuld beglichen hat. Über Istanbul und abgelegene Ortschaften in Georgien kehrt er in die düstere Welt der namenlosen Feinde und erbarmungslosen Geheimagenten zurück Genau die Mischung, die von den Fans des Genres geliebt wird!

Autorenportrait zu Die Abrechnung

Andy McNab war als SAS-Agent weltweit an militärischen Operationen beteiligt - bis hin zum Golfkrieg. Für die englische Presse ist er der 'Gulf war hero' schlechthin. Von seinen Erfahrungen handeln zwei Sachbücher, die sensationelle Bestseller wurden. 'Fe

Portrait

Andreas Brandhorst:
Andreas Brandhorst, 1956 im norddeutschen Sielhorst geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Es folgten zahlreiche Heftromane - unter anderem für die legendäre Terranauten-Serie - sowie Fantasy- und Science-Fiction-Taschenbücher. Im Kantaki-Zyklus, zu dem "Feuerstürme" gehört, sind bereits die Romane "Diamant", "Der Metamorph" sowie "Der Zeitkrieg" erschienen. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor und Übersetzer in Norditalien.
Andy McNab:
Andy McNab war als SAS-Agent weltweit an militärischen Operationen beteiligt bis hin zum Golfkrieg. Für die englische Presse ist er der 'Gulf war hero' schlechthin. Von seinen Erfahrungen handeln zwei Sachbücher, die sensationelle Bestseller wurden. 'Ferngesteuert' war sein erster Roman, der in McNabs englischer Heimat auf Anhieb zum Nr.-1-Bestseller aufstieg.

Autorenportrait

Andy McNab war als SAS-Agent weltweit an militärischen Operationen beteiligt - bis hin zum Golfkrieg. Für die englische Presse ist er der 'Gulf war hero' schlechthin. Von seinen Erfahrungen handeln zwei Sachbücher, die sensationelle Bestseller wurden. 'Fe

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14.01.2009

„Unter Söldnern”

von Polar aus Aachen Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Andy MacNab kennt sich aus. Er entwirft nicht irgendwo einen hochdramatischen Krieg auf der Welt, um unser aller Untergang zu beschreiben. Er zeigt das Sterben im Schatten, dort wo niemand hinsehen will. Der Tod versteckt sich in Afrika. Als Stellvertreterkrieg. Wenn MacNab davon erzählt, wie er um Rohstoffe geführt wird, damit die Zulieferindustrie für Handys andere Luxusprodukte weiterhin billige Produkte auf den Markt werfen kann, wird der Bogen überall dorthin gespannt, wo man sich am liebsten hinter Soaps versteckt und gleichzeitig mit dem besten Freund, der besten Freundin zum Flatrat-Tarif telefoniert. Gleichzeitig bekriegen sich in Afrika unterschiedliche Machthaber, teilen ein Land in Süden und Norden auf, kontrollieren es mit Hilfe von unter Drogen gesetzten Kindersoldaten und Minenarbeitern, die ihr Leben fristen. Es gilt, den Einfluss zu sichern. Wird ein Machthaber gestürzt, muss man den nächsten installieren. MacNabs Geschichte verlässt sich dabei auf den Abenteurer Nick Stone, der angewidert von einer misslungen Militäraktion sich ins Privatleben zurückgezogen hat. Wäre da nicht Silke, die sich berufen fühlt, in einem der härtesten Krisengebiete in einem Flüchtlingslager zu helfen, und Stone so in den Konflikt um eine Miene zieht, die Rebellen in die Hand zu fallen droht. Als ehemaliger SAS Agent kennt sich MacNab mit Waffen, mit Militäraktionen und dem Chaos gegenseitigen Abschlachtens aus. An manchen Stellen wuchert das Militärische allzu sehr, auch gehorcht das Ende dem Diktat des Genres, dass die Bösen gerichtet werden müssen, doch verliert der Autor sein Anliegen nicht aus dem Blick, die Not und das Elend von Kindern zu beschreiben, die Hass erfüllt, bewaffnet, blind Schrecken verbreiten und in den eigenen Tod rennen.

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