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137 Rezensionen
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nicht hilfreich: 5

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250

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40

26.04.2011

„Eine andere Seite von Zamonien”

Mit "Rumo" hat Walter Moers ein weitere ausführliche und sehr temporeiche Geschichte aus Zamonien vorgelegt. Über den Inhalt wurde ja schon vieles geschrieben - eine Art "coming of age"-Roman über den jungen Wolpertingers Rumo, der in die Untenwelt reist, um sein Volk und vor allem seine heimliche Geliebte Rala aus der Höllenstadt Hel zu befreien. Spannend, phantasiereich und voller skurriler Ideen ist das Buch ohnehin, das ist bei Moers fast überflüssig zu sagen. Im Vergleich zur "Stadt der Träumenden Bücher" und zu "Käptn Blaubär" ist die Geschichte aber viel weniger humorvoll. Hier wird eine weitaus ernstere und brutalere Welt beschrieben, auch als Rumo sich noch in der Obenwelt befindet. Zu seinen frühesten prägenden Erfahrungen gehören Entführung, Gewalt und Tod, da ist es wenig verwunderlich, dass der Kampf für ihn später zum Leben gehört.

Moers hat in dem Roman eine interessante Erzähltechnik entwickelt: Von jedem namentlich genannten Charakter, auch wenn er nach einer Szene schon wieder tot ist, wird die Vorgeschichte erzählt. Diese kann eine Seite oder auch zwanzig Seiten lang sein; sozusagen eine neue Form der Moers'schen Fußnoten, die man von anderen Werken her schon kennt. Auch wenn es sich um "böse" Charaktere handelt, wertet der Erzähler in diesen Vorgeschichten nichts auf oder ab, und so erhält man interessante Einblicke in Figuren, die sonst oft nur als "Gegner" abgestempelt werden. Es fällt auch auf, wie viel Detailreichtum in der Beschreibung der Untenwelt und ihrer Hauptstadt Hel steckt. Mir fällt kein anderes Buch ein, in dem eine von Grund auf böse, kranke und verkehrte Welt so ausführlich und aber auch so schlüssig beschrieben wird - würden wir dort leben, würde uns das alles wahrscheinlich ganz normal vorkommen.

Für Kinder würde ich das Buch im Gegensatz zu anderen Büchern von Moers nicht empfehlen, da es doch einige recht blutige Szenen enthält. Moers-Fans und Freunde schräger Fantasy sind damit ohnehin an der richtigen Adresse, eventuell auch Leser, die etwas Außergewöhnliches suchen und sich mit der klassischen Fantasy schwertun.

50

20.04.2011

„Ungewöhnliche Sprichtwort-Sammlung”

Manche alten Sprichwörter und Redensarten sind in die Alltagssprache eingegangen, andere wiederum sind fast oder ganz in Vergessenheit geraten. Eigentlich schade, denn sie machen Spaß und eröffnen oft überraschend neue Perspektiven. Wer sie wiederentdecken möchte, dem sei die Sprichwörter-Sammlung von Karl Simrock empfohlen. Sie erschien erstmals 1846 und wurde nun mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach neu herausgegeben. Auch Fans dieses Zeichners werden mit diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen, denn sein bizarr-lakonischer Stil passt perfekt zu der oftmals altertümlichen Ausdrucksweise. Und wie ein darin aufgenommenes Sprichwort sagt: "In schönen Büchern blättert man gern."

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

30

16.04.2011

„Elfenpunks”

Inzwischen gibt es ja einige Autoren, die mit dem gängigen Bild von Elfen als mystisch-ätherische Waldbewohner brechen (u.a. Eoin Colfer), aber Martin Millar war sicher einer der ersten, der damit bekannt wurde.
Seine Elfen finden Gefallen am Leben in der Großstadt, nehmen gern Alkohol und andere Rauschmittel zu sich und vergnügen sich auf vielerlei andere Weise. Daneben greifen sie in guter alter Elfentradition in das Leben der Menschen ein und versuchen, ein scheinbar äußerst gegensätzliches Paar zu verkuppeln. Manches erinnert an „Fool on the Hill“, denn auch dort finden sich die Elfen bestens in der modernen Umgebung zurecht.

Kein absolutes Muss, aber eine spannende, schräge und lustige Lektüre für zwischendurch.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

50

15.04.2011

„Traumhafte Geschichte in Wort und Bild”

Ein ungewöhnlich gestaltetes Buch für Kinder ab 12 und für erwachsene Fans von Kino und Träumen. Rund ein Drittel des Buches ist in Bildern erzählt, vor allem die Handlungsteile, in denen sich viel bewegt, und dies passt sehr gut zur Geschichte, geht es doch um die Anfänge des Kinos in Frankreich. Der Waisenjunge Hugo lebt allein im Pariser Bahnhof und hält dort im Geheimen die Uhren am Laufen. Sein einziger wertvoller Besitz ist ein Automat, ein mechanischer Mensch, der zwar nicht funktioniert, für ihn aber einerseits Erinnerung an seinen Vater, andererseits Verheißung auf eine bessere Zukunft bedeutet. Das Mädchen Isabelle hilft ihm, das Geheimnis des Automaten zu entschlüsseln, und dabei gelangen die beiden auf die Spur des totgeglaubten Regisseurs George Méliès und entdecken sein Werk.

George Méliès hat tatsächlich gelebt, und es ist unschwer zu erkennen, dass seine magischen Filme den Illustrator und Autor Selznick zu seiner Geschichte inspiriert haben. Einige Entwurfzeichnungen und Standbilder aus seinen Filmen sind zwischen Selznicks Bilder montiert und harmonieren sehr gut mit dessen weichem, traumhaften Stil. Auch die Erinnerung an die Automaten als Motiv der romantischen Literatur wird wach, bei „Hugo Cabret“ erscheinen diese aber nicht als gruseliges, sondern als positives Element.

Ein Geheimtipp innerhalb der vielen phantastischen und mystischen Bücher, die zur Zeit für diese Altersgruppe auf dem Markt sind – unbedingt lesen und anschauen!

buch

Der Golem

Gustav Meyrink

EUR 6,95 *
auf Merkliste

50

11.04.2011

„Unheimlicher Roman aus dem alten Prag”

Die Geschichte vom Golem ist wohl die bekannteste Geschichte aus der Kabbalah. Dass das Konzept bis heute in der Populärkultur immer wieder aufgegriffen wird, liegt wahrscheinlich vor allem an dem Schriftsteller Gustav Meyrink, der um 1920 seinen schaurig-romantischen Golem-Roman veröffentlichte. Zwischen Traum und Realität verschwimmt hier die Geschichte des Golems, eines negativ gezeichneten Unwesens, das alle 33 Jahre im Prager Judenviertel auftaucht.
Sowohl die Psychoanalyse als auch die jüdische Mystik haben den Autor beeinflusst, und das düstere Prag als Schauplatz ist großartig beschrieben. Diese Atmosphäre wird durch die Illustrationen von Hugo Steiner-Prag noch verstärkt, die in der vorliegenden Ausgabe enthalten sind.

Ein wichtige Lektüre für Fans von Schauerromanen, auch weil dieses Werk, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht aus dem englischen Kulturkreis stammt.

50

01.04.2011

„Zauberhaftes Bilderbuch”

Auf den ersten Blick wirkt dieses Bilderbuch vielleicht wie eine Variante von „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe“. Darin verbirgt sich jedoch eine eigenständige Geschichte und in zauberhaftem Stil gezeichnete Bilder. Ein kleiner Hase ärgert sich über die Pflichten, die er zuhause erledigen soll, und probiert aus, wie es so ist, bei seinen Freunden zu leben. Aber natürlich merkt er schnell, dass ihm Mama und Geschwister ganz schrecklich fehlen. Die Illustrationen dazu sind in zarten Farben und so liebevoll ausgeführt, wie man es nur mehr selten findet; sie erinnern ein wenig an Beatrix Potter.
Für mich das schönste Bilderbuch des Frühlings!

50

23.03.2011

„Märchen-Erzähler”

Ein ungewöhnliches Hörbuch, allein schon, wenn man Wolf-Dietrich Storl mit anderen Hörbuch-Interpreten vergleicht: Man merkt, dass er kein Skript vor sich liegen und auch nichts auswendig gelernt hat; dafür handelt es sich hier auch um viel mehr als um eine Märchenlesung. Storl erzählt auf jeder CD drei bis vier bekannte Märchen, in die seiner Meinung nach altes Pflanzenwissen und Volksglauben eingewoben ist. Gleichzeitig flicht er, sobald ihm etwas Passendes einfällt, Details über Heilkunde, Mythen anderer Völker, Brauchtum, Popkultur sowie Alltags-Anekdoten und kleine Geschichten ein. So entsteht nicht der Eindruck eines durchgeplanten Vortrags, sondern einer lockeren, freien Erzählung, und das macht Storls Märchen-Hörbücher sehr kurzweilig.

Natürlich sind auch die Märchen-Interpretationen selbst sehr interessant; man wird auf Details hingewiesen, die man vorher so nie bemerkt hat, lernt weniger bekannte Grimm-Märchen kennen und sieht die bekannten mit anderen Augen.

Ich empfehle, mit „Frau Holle“ zu beginnen, da er hier seine Intentionen anfangs etwas ausführlicher darlegt als bei den anderen CDs und auch von seinen Quellen und Inspirationen berichtet.