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Name:
Apicula Top 100 Rezensent
Ort:
Apiculis
Rezensionen:
582 Rezensionen
Bewertung:

hilfreich: 699

nicht hilfreich: 512

Rang:
36
Über mich:

hab neuerdings ein eigenes virtuelles Zuhause: Apiculis ! Das Ganze nennt sich BLOG tut freilich genau so dringend wenig Not - - - wie Sie sich das denken können.

Apiculas Rezensionen

30

22.11.2009

„Verschwörungs-Stoff aus dem man auch einen Bestseller hätte machen können. --- Hätte...”

Wir haben da eine übersinnlich begabte FBI-Profilerin, die Visionen über Morde miterlebt - und zwar selbst am eigenen Körper. Was ihr gegen Ende der Handlung beinah ... Oups, das darf ich ja nicht verraten. Also da ist diese Maria Parks und die kommt an einen Tatort (verlassene Kapelle im Wald. Mächtig mystisch das alles) wo vier junge Frauen ermordet wurden. Bestialisch, versteht sich. Dort ist übrigens auch noch der Mörder präsent, eine Art Untoter, ein dunkler fieser Kamerad ... so ein Seelenloser. Man merkt schon, der Kerl wird uns noch länger Spaß bereiten im Verlauf der Handlung.
Und dann haben wir da noch einen Ermittler, Pater Carzo, der sich im Auftrag des Vatikan für dieselben Morde interessiert, wie Maria Parks. Die beiden ermitteln dann irgendwann gemeinsam - und das nicht nur in der Gegenwart, sondern auch gleich noch in der Vergangenheit mit!

Doch ich erzähle wirr... Das Buch beginnt ja gar nicht mit der Handlung um die erwähnte Profilerin, und den Pater aus dem Vatikan, sondern im Jahr 1348 in einem Kloster in den Dolomiten. Dort versucht die letzte Überlebende eines grandiosen Massakers ein Ding, gehüllt in ein Tuch, zu verstecken, das niemand auf der Welt je in die Hände bekommen darf. Vor allem nicht dieser gesichtslose Kamerad, der das Massaker - auf der Suche nach dem geheimnisvollen in ein Tuch eingehülltes Ding, vermutlich - verursacht hat.

Inwiefern die Handlung nun auf verschiedenste Vorkommnisse und Geheimbünde in der Geschichte eingeht bekomm ich mit viel gutem Willen nicht mehr auf die Reihe. Dem ganzen Dilemma in dem die katholische Kirche steckt kommt man auch erst allmählich auf die Spur. Aber - ohne zu viel zu verraten - geht es (Wer hätt's gedacht!) um ein Skript, das man "Das Evangelium nach Satan" bezeichnet. Und das hat kein anderer verfasst als ... - Nein, ich verrate nix. Das ist schon ein Hammer.
Der Aufbau erinnert in gewisser Art Schnitzeljagd á la Dan Brown (Illuminati, Sakrileg) und das Beste ist ja noch: Es gibt auch eine akut aktuelle Verschwörung innerhalb des Vatikan. Mit Todesfolgen. Und dann noch einen showdown im Petersdom, der wahrlich Filmreif ist.

Ich war aber doch sehr erleichtert, als es zu Ende war, obwohl man ja nicht von Ende sprechen kann, bei dem Ende?

50

22.11.2009

„Rezitations-Referenz. DAS Vermächtnis für Oskar Werner-Fans.”

Diese CD-Box ist einer der am besten gehüteten Schätze in meiner Hörbuch-Sammlung. Zudem eines der ersten Zugänge, weil angefangen hat meine Hörbuch-Sammlungs-Sucht nicht mit vorgelesenen Romanen, Thrillern oder Hörspielen - sondern mit Gedichten. Vorzugsweise vorgelesen von Oskar Werner. Sein "Cornett" von Rilke (es gibt zwei Aufnahmen von ihm, man findet sie hie unterr: OSKAR WERNER SPRICHT RILKE) sind dabei unerreicht.
Doch ich will ja nicht von diesen beiden berichten, auch wenn auf der vorliegenden Sammlung reichlich Rilke vorhanden ist.

Heute schoss mir spontan wieder die LEGENDE (J.W. Goethe) durch den Sinn. Speziell die "Moral" die Goethe Jesus in den Mund legt. Man darf schmunzeln - sich gar an die Nase fassen.

"Tätst Du zur rechten Zeit dich regen,
Hättst dus bequemer haben mögen.
Wer geringre Dinge wenig acht',
Sich um geringre Mühe macht."


Doch das ist ja nicht dies einzige Gedicht, das einem durch Oskar Werners Rezitations-Genie vergegenwärtigt. Das Gehörte bleibt eingebrannt.
Da wären - um gleich die Klassiker beim Namen zu nennen: DER ZAUBERLEHRLING (Goethe) und DIE BÜRGSCHAFT (Schiller)...

Um eine unerreichte Liebe auszudrücken, besser, mitzufühlen eignet sich herrlich Josef Weinhebers DU SIEHST MICH MANCHMAL AN... Ein Gedicht, das durch die seltsame Abwesenheit Werners beim Vortrag eine Tiefe gewinnt, dass es mir stets den Atem raubt.

Nicht nur Tiefsinn, Melancholie, Leid und Klage spricht Werner hier aufs Band, sogar Wiener Schmäh läßt beim Zuhören die Mundwinkel sich zum Breiten Lachen dehnen. Da wären zum einen DIE PENSIONISTEN, die einem bildlich vor Augen erscheinen, wenn sie angemessenen Schritts, Tauben fütternd durch Schönbrunn schlendern, von alten, bess'ren Zeiten schwadronierend - und da wäre dann noch das SELBSTGESPRÄCH EINES BIERTIPPLERS (WAAST? NET? VERSTEHST?) das die grantelnde Seele des Wiener besser umschreibt, als 1000 Worte.

Diese Beispiele sind nur kleine Auszüge des breiten Spektrums an Lyrik und Drama (LEONCE UND LENA, von Büchner - CD3), die auf diesen drei flachen Silberscheiben gebrannt wurden.

Der Einstieg ist DIE REDE ÜBER DEN SCHAUSPIELER (1930) von Max Reinhard, die eine meiner Auffassung nach für Oskar Werners "Wahrheit" steht; vermutlich darum auch als Einführung diese Rede. Als Schauspieler war er Perfektionist, der sich mit vielen Kollegen bis aufs Blut angelegt hat. (Viel von seiner Berufsauffassung und ein kleines aber doch sehr deutliches Bild zeichnet auch das " Letztes Interview)
Als "Vermächtnis" möchte ich das gesamte Werk bezeichnen, das er hinterlassen hat. Man mag es sich aus unterschiedlichen Gründen zu Gemüte führen. Seine Kollegen (Schauspieler, Theaterdirektoren, etc .pp.) vielleicht als Referenzen für das eigene Schaffen.
Als Normalbürger ist es für mich eine Art Seelennahrung - in dem Fall über das Ohr aufgenommen. Schöne Gedanken, schöne Gedichte, schöne Worte - besonders, ja einzigartig (!) vorgetragen.

Bemerkenswert auch das ansehnliche Booklet, das hier beiliegt. Enthalten nicht nur die Texte zu den Gedichten, auch eine kleine Biografie und ein Vorwort, das Eindrücke über Werners Leben und Schaffen bietet. - Den Herausgebern sei an der Stelle gedankt für die liebevolle Zusammenstellung und Aufmachung.

buch

Kuba, ganz nah!

Friedrich Synold

EUR 16,80 *
auf Merkliste

10

22.11.2009

„Banales, oberflächliches Reisetagebuch.”

Geärgert hab mit dem Buch nicht nur mich --- leider auch meine Schwester. Der hab ich das Buch (erstanden übrigens in einer Buchhandlung) nämlich VOR ihrer Kuba-Reise vermacht.

Als ich dann gelesen habe, was hier als Reisebericht herausgegeben wurde, verstand ich ihre Kritik. Sie hat das Buch nach einigen Seiten weggelegt, weil es sie nicht interessiert hat, welches Frühstück der Herausgeber an welchem Reisetag zu sich nahm, und auch die Befindlichkeiten der Reisenden nicht ihrem Interesse entsprachen.

Ich habe mir immerhin die Mühe gemacht zu sondieren, und fand heraus, dass durchaus einige Reisetipps und auch Fakten über die bereisten Ziele enthalten sind. Und Bilder. Die sind aber ungefähr so prickelnd wie eine Diashow bei Bernd und Hannelore, wenn sie stolz im Rahmen einer Familienfeier über ihre schöne Fernreise in die Karibik berichten. So auch die Ansichten Themen, denen sich das Buch widmet: Meist eine Art Hotel und Restaurant-Kritik.
Am unwichtigsten übrigens die Einleitung, die auf das "Beinahe-Nichtzustandekommen" der Kuba-Rundreise eingeht; vielmehr der Groll des Autors auf den Reiseveranstalter. (Das kann man hier übrigens mit der "search inside"-Funktion nachlesen.

Fazit: Ein Reisebericht wie ich ihn erwartet hätte ist das definitiv nicht.
Voll der Fehlgriff!
Es sei denn sie waren bei dieser Reise einer der Teilnehmer oder sind im familiären oder Bekanntenkreis des Herausgebers angesiedelt.
Warum ich vor dem Kauf nicht wenigstens ein paar Seiten gelesen habe, frag ich mich noch heute. Hätte ich nur den Text auf der Rückseite wenigstens gelesen. Der Deppenapostroph bei "Kuba's" hätte als Ausschlusskriterium doch schon gereicht...

40

22.11.2009

„Eigentlich wieder ein "Echo der Schuld". Und wieder die schöne Stimme von Gudrun Landgrebe die mir das vorliest.”

Wenn man von einigen Macken absieht ist dieses Hörbuch (Lesung von Gudrun Landgrebe, Gesamtlänge 630 Minuten, 8 CDs) ein optimales Krimi-Hörbuch.

Wenn man sich an das Gewusel an Charakteren und die insgesamt drei Zeitebenen, in denen der Krimi handelt, gewöhnt hat - findet man sich sehr bald in ein kleines Küstenstädtchen im Norden Englands versetzt. Da wird, auf ihrem Nachhauseweg nachts in einem Park, eine junge Studentin erschlagen und eine längere Weile später kommt eine ältere Dame unter ähnlichen Umständen zu Tode. Eine Kommissarin, deren Name ich mir nicht gemerkt habe, die zudem als Ermittlerin übrigens völlig unglaubwürdig daherkommt, versucht einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden herzustellen.

Die Schnittstelle bildet in erster Linie Dave Tanner, ein dubioser Sprachlehrer, der die langweilig-unerotisch-unselbstbewußte Gwen heiraten will. Während der Verlobungsfeier der beiden wirft Fiona, eine spröde aber herzhaft direkte alte Dame - die nicht in direktem verwandtschaftlichen Verhältnis zu Gwen steht - diesem Dave eine Menge unschöner Dinge an den Kopf. Ein unschöner Abend, der ein noch unschöneres Ende zur Folge hat...
Nach diesem unschönen Abend taucht dann auch noch die Lebensbeichte von Fiona auf, die unter dem Titel "Das Andere Kind" Stück für Stück in den Kriminalroman eingeflochten wird. Eine Rückblende auf die Kindheit von Fiona - und Chad. Letztgenannter ist der Vater von Gwen. Während des Zweiten Weltkriegs wird Fiona aufs Land "verschickt" - auf einen Bauernhof nach Scarborough; dort lernt sie Chad kennen. In der Hektik dieser Kinderlandverschickung kommt Fiona aber nicht alleine dort an --- an ihrer Hand "klebt" Brian. Ein im wahrsten Sinne des Wortes zurückgebliebene Junge; ein Waise.
Wie das nun alles zusammenhängt, müssen Sie schon selbst heraus-hören. ;-)

Die eigentlich überschaubare Liste der handelnden Personen wirkte auf mich seltsam lange unübersichtlich. Man hat es - vermutlich ist das bei Charlotte Links Konstrukten immer so - mit Menschen zu tun, die ganz schön an ihrer Vergangenheit zu knabbern haben. Gescheiterte Ehen. Die nie zustande gekommene große Liebe. Totgeschwiegene Vorkommnisse. Kurz und gut: In der Vergangenheit begründete Geheimnisse, deren Aufklärung / Aufarbeitung nur mühevoll vonstatten geht, weil sich die Beteiligten beharrlich ausschweigen. Man darf vermuten warum.
Die Aufklärung der Mordfälle eher unspektakulär und in der Schluss-Szene als der Mörder seine Motive offenbart zuweilen sogar unerträglich, weil sich vor meinen Augen eine Szene abspielt wie man sie aus zig Krimi-Filmen oder Büchern schon zur Genüge kennt.
Die Abrechnung mit der Vergangenheit, speziell die Sache mit den "anderen Kind", ist dann doch derjenige Handlungsfaden der mich mit dem Roman versöhnlich stimmt. Na was heißt versöhnlich. DAS ANDERE KIND hinterlässt einen betroffen und verstört. Und ein bißchen auch enttäuscht. Enttäuscht in der Hinsicht, weil jemand ein Versprechen nicht eingehalten hat. Ja, es sogar über Jahre hinweg beharrlich verdrängt hat und nicht eingelöst hat.

Zu Gudrun Landgrebes Vortrag noch: Ihre charakteristische Stimme die ich für mich als distinguiert-wohlklingend bezeichne ist eine Wohltat fürs Ohr. Allerdings! Wenn ich gut hinhöre bemerke ich eine ordentliche Menge an fehlerhaften Betonungen. So was muss doch nicht sein..?