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952 Rezensionen
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hilfreich: 80

nicht hilfreich: 4

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13

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50

17.06.2013

„Für Jane Austen Fans”

Endlich gibt es mal wieder einen hervorragenden Roman der Autorin Tracy Chevalier, die durch ihr Buch „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ bekannt geworden ist und damit einen großen Fan-Kreis gewonnen hat. Auch dieses Mal hat sie sich wieder wahre Persönlichkeiten aus der Geschichte ausgesucht, über deren Leben einiges, aber eben nicht zu viel bekannt ist. Dieses Mal entführt sie uns nach England in die Zeit von Jane Austen, d.h. an den Anfang des 19. Jahrhunderts. Ort der Handlung ist Lyme Regis, ein Küstenort in Dorset, der in der Zwischenzeit bekannt geworden ist durch seine Fossilienfunde. Die Hauptpersonen sind Elizabeth Philpot und Mary Anning.

Elizabeth Philpot stammt aus einer leidlich wohlhabenden Familie aus London. Da sie insgesamt vier Schwestern und ein Bruder sind, langen die finanziellen Mittel nur dazu, einer der Frauen eine Mitgift mitzugeben. Die drei anderen Frauen bleiben unverheiratet. Da das Leben in London zu teuer ist, suchen sie gemeinsam mit ihrem Bruder nach einem Ort, wo sie preisgünstig wohnen können und sie sich trotzdem wohlfühlen. Ihre Wahl fällt auf Lyme Regis. Dort angekommen, fällt Elizabeth auf, dass es an dem Strand und in den Klippen viele merkwürdige „Steine“ zu entdecken gibt. Da sie sehr an den neu aufgekommenen Naturwissenschaften interessiert ist, speziell an Fossilien, hat sie ihre zukünftige Aufgabe gefunden. Am Strand lernt sie die arme Mary Anning, Tochter des ortsansässigen Tischlers kennen, die schon früh das Interesse der Sommergäste an diesen merkwürdigen Steinen entdeckt hat und es für sich zu nutzen weiß. Als ihr Vater stirbt, verdient sie mit den Fossilienfunden den Lebensunterhalt für die Familie. Die beiden Frauen freunden sich trotz ihrer Standesunterschiede an und profitieren voneinander. Da Frauen in dieser Zeit alleine gar nichts galten - man durfte eigentlich nicht mal alleine unterwegs sein - fallen sie natürlich sehr auf, wie sie ohne Dienstboten oder Brüder alleine am Strand unterwegs sind und sich auch noch die Hände und die Kleidung schmutzig machen. Aber sie geben nichts auf ihren Ruf, sondern gehen ganz in der Fossiliensuche und der damit verbundenen Forschung auf.

Tracy Chevalier beschreibt das ungewöhnliche Leben dieser beiden Frauen sehr genau. Beide sind historisch belegt. Zu Mary Anning gibt es einiges an Informationen, zu Elizabeth Philpot etwas weniger. Die Lücken, die es in deren Leben gibt, füllt sie mit ihrer Phantasie, denn es ist natürlich ein Roman und keine wissenschaftliche Abhandlung. Zusätzlich bringt sie uns auch noch den Wandel im Denken der Menschen der damaligen Zeit nahe. Laut der Kirche existiert die Erde erst seit 6000 Jahren. Wie kann es da sein, dass versteinerte Kreaturen gefunden werden, die es anscheinend gar nicht mehr gibt. Hat Gott etwa von ihm geschaffene Kreaturen aussterben lassen oder ist die Welt etwa doch älter als die Kirche sagt? Hervorragend recherchiert und spannend geschrieben. Ein wunderbarer Roman über „Zwei bemerkenswerten Frauen“ in einer bemerkenswerten Zeit. Auch sehr zu empfehlen, wenn Sie planen den Ort Lyme Regis zu besuchen.

50

17.06.2013

„Eine große Liebe mit einer schweren Vergangenheit”

„Was geschehen ist, ist geschehen, ausgeübt von einem Kulturvolk. Und dass es geschehen ist, bedeutet, dass es wieder geschehen kann. Menschen, und zwar kultivierte, kluge Menschen, sind zu Taten fähig, die wir ihnen nicht zugetraut haben. Und wo es irgendein Anzeichen, einen Hauch davon wieder geben könnte, müssen wir eingreifen. Unsere gottverdammte Pflicht nach Auschwitz ist, das niemals zu vergessen. Es bleibt ein ewiges Thema. Ich glaube nicht, dass wir aufhören sollten, uns damit zu beschäftigen.“ Dies ist der letzte Satz aus dem Nachwort zu dem Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held, den Margarete Mitscherlich im Mai 2012 geschrieben hat. Und ich finde, damit hat sie vollkommen Recht, und deshalb möchte ich Ihnen dieses in seinem Grauen doch so wunderschöne Buch an Herz legen.

Monika Held ist eine 1943 geborene Autorin und Journalistin, die sehr engagierte Sachbücher und Romane verfasst. Ihr aktueller Roman verbindet eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit einer Reise in die Vergangenheit.

Monika Held erzählt von den drei Leben des Heiner und von seiner schwierigen Liebe zu Lena. Das erste Leben von Heiner dauerte 22 Jahre. Er wurde in Wien geboren und wuchs behütet auf. Sein Vater war ein radikaler Sozialdemokrat und Staatsbeamter im „Roten Wien“ und hat ihn schon früh auf die politischen Umstände aufmerksam gemacht und damit dafür gesorgt, dass Heiner sich den Sozialisten in Wien angeschlossen hat. Mit 22 Jahren verhaften die Nationalsozialisten ihn und stecken ihn in das KZ Auschwitz. Hier beginnt sein zweites Leben, das immer noch anhält. Sein drittes Leben begann nach Ausschwitz. Doch diese Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern es werden immer mal wieder einzelne Facetten davon in die eigentliche Geschichte von Heiner und Lena eingebunden. Lena lernt Heiner 1965 in Frankfurt bei dem Auschwitz-Prozess kennen. Sie ist eine junge Dolmetscherin, die aus dem polnischen übersetzt und Heiner ein Zeuge. Als Heiner fast zusammenklappt, hilft sie ihm. Daraus entwickelt sich dann nach und nach erst ein Gespräch, dann eine Freundschaft und schließlich Liebe, die in einer Heirat mündet.

Die Geschichte wechselt zwischen Erinnerungen von Heiner aus seinem ersten und zweiten Leben in die Gegenwart. Es wird sehr sensibel in kurzen, prägnanten Sätzen die Schwierigkeit dieser Liebe erzählt. Wie geht eine Frau, die zehn Jahre jünger als ihr Mann ist und die schwierige Zeit des Nationalsozialismus unbeschwert in der Schweiz überlebt hat, mit den Erinnerungen ihres Mannes um. Sollte Heiner die Vergangenheit endlich ruhen lassen, oder muss Lena lernen, damit zu leben, auch wenn sie es nie wirklich nachempfinden kann. Als Heiner und Lena 1981 nach Polen aufbrechen, um den Menschen, die sich gegen das Kriegsrecht des Staates auflehnen und für die Rechte der Gewerkschaft Solidarnosc kämpfen, lernt sie ehemalige Mithäftlinge von ihm kennen. Dadurch versteht sie ihn langsam immer besser.

Ein unglaublicher Roman, der mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird – wunderschön und zugleich schockierend!

40

17.06.2013

„Liebe in den Zeiten des spanischen Bürgerkrieges”

In Spanien ist Antonio Munoz Molina bereits ein sehr anerkannter Autor. Bei uns muss er erst noch entdeckt werden. Wenn Sie diesen Roman von ihm gelesen haben, werden Sie wissen, warum er in Spanien so beliebt ist!

Antonio Munoz Molina erzählt die Geschichte des spanischen Architekten Ignacio Abel in der Zeit zwischen 1935 und 1936. Der Großteil der Handlung spielt eigentlich nur in einer einzigen Nacht 1936 in den USA. Aber in dieser Nacht lässt der Autor das ganze bisherige Leben Ignacio Abels Revue passieren.

Ignacio Abel ist ein Architekt, der aus einfachen Verhältnissen stammt, aber den Aufstieg in die bessere Gesellschaft auch dank einer sehr vorteilhaften Heirat geschafft hat. Politisch steht er hinter der Republik und ist den Sozialisten nahe, bzw. Parteimitglied, auch wenn er nicht wirklich politisch aktiv ist. Bei einem Vortrag, den er an der Universität Madrids hält, lernt er die amerikanische Studentin Judith Biely kennen und verliebt sich in sie. Es beginnt ein knappes Jahr der großen Leidenschaft und der heimlichen Liebe. Doch nicht nur diese Amour Fou ist das Thema dieses Buches. Der Autor erzählt zeitgleich die Geschichte des Falls der Republik und der Stadt Madrid bzw. des Ausbruchs des spanischen Bürgerkrieges. Und diese ganzen Informationen erhalten wir aus den Erinnerungen einer Nacht, in der Ignacio Abel von New York nach Rhinesberg fährt, denn er musste Spanien, seine Geliebte und seine Familie verlassen.

Antonio Munoz Molina ist ein großartiger Erzähler, der die Sprache liebt. Er formuliert sehr gerne und bringt so die Handlung nur langsam voran. Immer wieder wechseln die Erinnerungen von Ignacio Abel in der Zeit. Auch wiederholt der Autor sehr gerne einige Aspekte der Handlung immer wieder, um damit eine gewisse Dringlichkeit zu schaffen. Es ist ein sprachlich sehr anspruchsvoller Roman, der zwei sehr unterschiedliche Geschichten miteinander verbindet. Für Leser die gerne ein Buch schnell lesen ist dieser Roman nicht geeignet. Man benötigt für ihn viel Zeit und Ruhe!

Wer sich für die politischen Hintergründe des spanischen Bürgerkrieges interessiert, wird in diesem Roman eine sehr schonungslose Schilderung vorfinden, die keiner Seite wirklich den Vorzug gibt. Ich habe bisher noch kein Buch über den spanischen Bürgerkrieg gelesen, welches nicht nur mit den Francisten abrechnet, sondern auch sehr deutlich aufzeigt, wie grausam auch die Seite der verschiedenen republikanischen Parteien gewesen ist.

Auch Freunde der Architekturtheorie werden an diesem Buch viel Freude haben, denn die Hauptperson ist Anfang der zwanziger Jahre als Stipendiat in Weimar im Bauhaus gewesen und hat da sehr viele Anregungen mitgebracht.

50

17.06.2013

„Klein, aber sehr fein”

Nach „Im Land der Männer“ ist dies der zweite, deutsche Roman des libyschen Autors Hisham Matar. Wenn man den Klappentext zu diesem Buch liest, vermutet man einen politischen Roman. Doch die Politik kommt nur am Rande vor. Eigentlich ist es ein Roman über das Erwachsenwerden und die erste Liebe eines jungen Mannes unter schwierigen Umständen.

Als Nuri el-Alfi zwölf Jahre alt ist, verliert er seine Mutter. Er lebt mit seinem Vater Kamal zusammen weiter in Kairo. Während sie ihren Sommerurlaub in Alexandria verbringen, lernt Nuri Mona kennen. Mona ist Mitte Zwanzig und kommt aus London. Nuri verliebt sich in sie, und Mona verbringt viel Zeit zusammen mit dem Vater und dem Sohn. Für Nuri völlig überraschend heiraten sein Vater und Mona. 1972 verschwindet Nuris Vater plötzlich in der Schweiz. Er soll entführt worden sein. Und so erfahren wir langsam die Geschichte und Herkunft von Kamal. Mona und Nuri versuchen alles, um Kamal wiederzufinden, doch er bleibt verschollen. Über die Jahre verändert sich das Verhältnis von Nuri und Mona. Nuri wird erwachsen und versteht immer mehr, was in seinem Vater vorgegangen ist.

Hisham Matar hat einen sprachlich sehr feinen Roman über eine schwierige Geschichte geschrieben. Wie wird ein Mensch damit fertig, wenn jemand aus der Familie entführt wird. Und wie viel schwieriger ist es erst dann, wenn man weiß, dass der verschwundene Mensch aus politischen Gründen vom politischen Gegner entführt wurde. Hisham Matar hat diese Geschichte allerdings mehr aus der psychologischen als aus der politischen und geschichtlichen Sicht beschrieben. Falls sie Hintergründe zu der gerade politisch sehr aktuellen Lage in Libyen erwarten, werden sie leider enttäuscht sein. Ansonsten ist es ein sehr lesenswerter Roman in einer zum Teil durchaus lyrischen Sprache, wie sie für die arabischen Länder typisch ist.

50

17.06.2013

„Bitte mehr von diesem Detective”

Oliver Harris ist ein neuer britischer Krimi-Autor, von dem wir hoffentlich noch weitere Bücher mit seinem Detective lesen werden können.

Seine Hauptperson ist der Detective Nick Belsey. Nick Belsey ist geschieden (mehrfach), hat Schulden ohne Ende, keine eigene Wohnung mehr und sicherlich auch ein Problem mit Alkohol und Glückspiel. Gleich am Anfang des Buches erwacht er nach einer durchzechten Nacht in einem öffentlichen Park im Hampstead Heath, einem noblen Stadtbezirk von London. Offensichtlich hat er auch noch einen Einsatzwagen von einem anderen Revier entwendet und zu Schrott gefahren. Richtig erinnern kann er sich an diese Nacht nicht mehr. Da kommt ihm sehr gelegen, dass er im Fall einer reichen, vermissten Person ermitteln soll – Alexis Devereux. Alexis Devereux wohnt in einer sündhaft teuren Villa in Hampstead Heath. Richtig viele Informationen gibt es allerdings nicht über ihn, kaum jemand hat ihn je persönlich zu Gesicht bekommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entdeckt Nick in einem versteckten Schutzraum eine Leiche und einen Abschiedsbrief. Eine Angestellte von Alexis Devereux bestätigt, dass der Tote der Vermisste ist. Und da beginnt in Nick ein Plan zu reifen, wie er aus seinem eigenen Schlamassel entkommen kann. Er versucht die Identität von Alexis anzunehmen, um an dessen Geld zu kommen. Doch was Nick nicht bedacht hat, ist, dass Alexis in einem riesigen Netz aus Intrigen, Korruption feststeckte. Und so beginnt für Nick ein aufregende und gefährliche Zeit, denn um seinen mächtigen Gegnern, die er noch gar nicht kennt, zuvorkommen zu können, muss er in diesem Fall ermitteln. Es tut sich ein Moloch auf, in den auch hochrangige Persönlichkeiten der Regierung und der Polizei verstrickt sind.

Oliver Harris beschreibt einen unglaublichen Typ von Detective – gerissen, kaltschnäuzig, aber auch sehr sympathisch. Solche Polizisten wie er hier beschreibt, kenne ich bisher nur aus der amerikanischen Literatur. Der Krimi ist rasant, actionreich und ausgesprochen spannend. Immer wieder tun sich neue Wendungen auf. Wer steckt hinter den weiteren Morden, die passieren? Ein toller Krimi, an dem besonders Männer ihre Freude haben werden – Action, teures Männerspielzeug, heiße Frauen und Verschwörung! Aber auch ich als Frau habe an diesem Krimi meinen Spaß gehabt. Ich hoffe, ich darf noch weitere Fälle dieses kaltschnäuzigen, durchaus korrupten aber charismatischen Bullen lesen!

50

17.06.2013

„Für Jane Austen Fans”

Endlich gibt es mal wieder einen hervorragenden Roman der Autorin Tracy Chevalier, die durch ihr Buch „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ bekannt geworden ist und damit einen großen Fan-Kreis gewonnen hat. Auch dieses Mal hat sie sich wieder wahre Persönlichkeiten aus der Geschichte ausgesucht, über deren Leben einiges, aber eben nicht zu viel bekannt ist. Dieses Mal entführt sie uns nach England in die Zeit von Jane Austen, d.h. an den Anfang des 19. Jahrhunderts. Ort der Handlung ist Lyme Regis, ein Küstenort in Dorset, der in der Zwischenzeit bekannt geworden ist durch seine Fossilienfunde. Die Hauptpersonen sind Elizabeth Philpot und Mary Anning.

Elizabeth Philpot stammt aus einer leidlich wohlhabenden Familie aus London. Da sie insgesamt vier Schwestern und ein Bruder sind, langen die finanziellen Mittel nur dazu, einer der Frauen eine Mitgift mitzugeben. Die drei anderen Frauen bleiben unverheiratet. Da das Leben in London zu teuer ist, suchen sie gemeinsam mit ihrem Bruder nach einem Ort, wo sie preisgünstig wohnen können und sie sich trotzdem wohlfühlen. Ihre Wahl fällt auf Lyme Regis. Dort angekommen, fällt Elizabeth auf, dass es an dem Strand und in den Klippen viele merkwürdige „Steine“ zu entdecken gibt. Da sie sehr an den neu aufgekommenen Naturwissenschaften interessiert ist, speziell an Fossilien, hat sie ihre zukünftige Aufgabe gefunden. Am Strand lernt sie die arme Mary Anning, Tochter des ortsansässigen Tischlers kennen, die schon früh das Interesse der Sommergäste an diesen merkwürdigen Steinen entdeckt hat und es für sich zu nutzen weiß. Als ihr Vater stirbt, verdient sie mit den Fossilienfunden den Lebensunterhalt für die Familie. Die beiden Frauen freunden sich trotz ihrer Standesunterschiede an und profitieren voneinander. Da Frauen in dieser Zeit alleine gar nichts galten - man durfte eigentlich nicht mal alleine unterwegs sein - fallen sie natürlich sehr auf, wie sie ohne Dienstboten oder Brüder alleine am Strand unterwegs sind und sich auch noch die Hände und die Kleidung schmutzig machen. Aber sie geben nichts auf ihren Ruf, sondern gehen ganz in der Fossiliensuche und der damit verbundenen Forschung auf.

Tracy Chevalier beschreibt das ungewöhnliche Leben dieser beiden Frauen sehr genau. Beide sind historisch belegt. Zu Mary Anning gibt es einiges an Informationen, zu Elizabeth Philpot etwas weniger. Die Lücken, die es in deren Leben gibt, füllt sie mit ihrer Phantasie, denn es ist natürlich ein Roman und keine wissenschaftliche Abhandlung. Zusätzlich bringt sie uns auch noch den Wandel im Denken der Menschen der damaligen Zeit nahe. Laut der Kirche existiert die Erde erst seit 6000 Jahren. Wie kann es da sein, dass versteinerte Kreaturen gefunden werden, die es anscheinend gar nicht mehr gibt. Hat Gott etwa von ihm geschaffene Kreaturen aussterben lassen oder ist die Welt etwa doch älter als die Kirche sagt? Hervorragend recherchiert und spannend geschrieben. Ein wunderbarer Roman über „Zwei bemerkenswerten Frauen“ in einer bemerkenswerten Zeit. Auch sehr zu empfehlen, wenn Sie planen den Ort Lyme Regis zu besuchen.

50

16.06.2013

„Eine große Liebe mit einer schweren Vergangenheit”

„Was geschehen ist, ist geschehen, ausgeübt von einem Kulturvolk. Und dass es geschehen ist, bedeutet, dass es wieder geschehen kann. Menschen, und zwar kultivierte, kluge Menschen, sind zu Taten fähig, die wir ihnen nicht zugetraut haben. Und wo es irgendein Anzeichen, einen Hauch davon wieder geben könnte, müssen wir eingreifen. Unsere gottverdammte Pflicht nach Auschwitz ist, das niemals zu vergessen. Es bleibt ein ewiges Thema. Ich glaube nicht, dass wir aufhören sollten, uns damit zu beschäftigen.“ Dies ist der letzte Satz aus dem Nachwort zu dem Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held, den Margarete Mitscherlich im Mai 2012 geschrieben hat. Und ich finde, damit hat sie vollkommen Recht, und deshalb möchte ich Ihnen dieses in seinem Grauen doch so wunderschöne Buch an Herz legen.

Monika Held ist eine 1943 geborene Autorin und Journalistin, die sehr engagierte Sachbücher und Romane verfasst. Ihr aktueller Roman verbindet eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit einer Reise in die Vergangenheit.

Monika Held erzählt von den drei Leben des Heiner und von seiner schwierigen Liebe zu Lena. Das erste Leben von Heiner dauerte 22 Jahre. Er wurde in Wien geboren und wuchs behütet auf. Sein Vater war ein radikaler Sozialdemokrat und Staatsbeamter im „Roten Wien“ und hat ihn schon früh auf die politischen Umstände aufmerksam gemacht und damit dafür gesorgt, dass Heiner sich den Sozialisten in Wien angeschlossen hat. Mit 22 Jahren verhaften die Nationalsozialisten ihn und stecken ihn in das KZ Auschwitz. Hier beginnt sein zweites Leben, das immer noch anhält. Sein drittes Leben begann nach Ausschwitz. Doch diese Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern es werden immer mal wieder einzelne Facetten davon in die eigentliche Geschichte von Heiner und Lena eingebunden. Lena lernt Heiner 1965 in Frankfurt bei dem Auschwitz-Prozess kennen. Sie ist eine junge Dolmetscherin, die aus dem polnischen übersetzt und Heiner ein Zeuge. Als Heiner fast zusammenklappt, hilft sie ihm. Daraus entwickelt sich dann nach und nach erst ein Gespräch, dann eine Freundschaft und schließlich Liebe, die in einer Heirat mündet.

Die Geschichte wechselt zwischen Erinnerungen von Heiner aus seinem ersten und zweiten Leben in die Gegenwart. Es wird sehr sensibel in kurzen, prägnanten Sätzen die Schwierigkeit dieser Liebe erzählt. Wie geht eine Frau, die zehn Jahre jünger als ihr Mann ist und die schwierige Zeit des Nationalsozialismus unbeschwert in der Schweiz überlebt hat, mit den Erinnerungen ihres Mannes um. Sollte Heiner die Vergangenheit endlich ruhen lassen, oder muss Lena lernen, damit zu leben, auch wenn sie es nie wirklich nachempfinden kann. Als Heiner und Lena 1981 nach Polen aufbrechen, um den Menschen, die sich gegen das Kriegsrecht des Staates auflehnen und für die Rechte der Gewerkschaft Solidarnosc kämpfen, lernt sie ehemalige Mithäftlinge von ihm kennen. Dadurch versteht sie ihn langsam immer besser.

Ein unglaublicher Roman, der mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird – wunderschön und zugleich schockierend!

50

12.06.2013

„Wer war der unbekannte Mann”

Eigentlich brauche ich Ihnen die australische Autorin Kate Morton gar nicht mehr vorstellen. Mit ihren inzwischen vier Büchern hat sie längst die Herzen der Leserinnen mit ihren spannenden Schmökern erobert. Meine Besprechung kommt dieses Mal etwas später – ich habe mir ihr aktuelles Buch tatsächlich als Urlaubslektüre aufgespart und wurde nicht enttäuscht.

Dieses Mal erzählt Kate Morton die Geschichte der Familie Nicolson. Die Hauptpersonen der Familie sind die Mutter Dorothy, die gerade ihren neunzigsten Geburtstag feiert und ihre älteste Tochter Laurel. Laurel hat an ihrem sechzehnten Geburtstag eine Beobachtung gemacht, die sie Zeit ihres Lebens verfolgt hat. Doch als sie jetzt ein Bild ihrer Mutter als junger Frau Arm in Arm mit einer Freundin sieht, versucht sie die Geschichte ihrer Mutter während der Kriegsjahre zu recherchieren. Dabei trifft sie auf die Freundin Vivian und ihren Mann, sowie auf Jimmy, einen Mann, den ihre Mutter wohl sehr geliebt hat. Was ist aus diesen Menschen geworden, und was haben sie mit dem unheimlichen Fremden zu tun, der plötzlich an Laurels Geburtstag aufgetaucht ist. Kate Morton schafft es wieder die Geschichte ausgesprochen lebendig zu erzählen. Sie beginnt mit der Episode an Laurels sechzehnten Geburtstag. Dann sind wir in der Gegenwart und Laurel und ihre Schwestern bereiten die Geburtstagsfeier für ihre Mutter vor. Und dann springt die Geschichte in die Zeit zwischen 1929 bis zum Mai 1941. Immer wieder wechselt die Autorin zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her. Wir lernen Dorothy genannt Dolly als junges Mädchen kennen. Wir erfahren, wie sie sich verliebt und nach London geht und versucht ihre Träume zu verwirklichen. Ein großes Vorbild ist für sie Vivien. Doch sie kennt die wahre Vivien gar nicht wirklich. Und so tauchen wir ein in eine große Liebesgeschichte, in eine tragische Verwechslungsgeschichte und erkennen nach und nach die Wahrheit, die die Protagonisten gut zu verbergen wissen. denn Dorothy und Vivien haben beide ihre Geheimnisse.

Kate Morton schafft es auch dieses Mal wieder eine ausgesprochen spannende Geschichte mit einem dunklen Geheimnis in der Vergangenheit zu erzählen. Sie ist ein wahre Könnerin darin, einen immer wieder aufs Neue zu überraschen. Immer, wenn die Leserin gerade meint, sie hat des Rätsels Lösung gefunden, nimmt die Geschichte doch noch einmal eine ungewöhnliche Wendung. Damit hält Kate Morton wie schon gewohnt die Spannung bis zuletzt. Auch innerhalb der Geschichte erhält sie die Spannung auf einer hohen Ebene, denn immer wenn gerade sich eine Auflösung anbahnt, endet das Kapitel und die Geschichte geht aus einer anderen Perspektive weiter.

Eine ausgesprochen spannende Familiengeschichte für Freunde guter Unterhaltungsliteratur.

50

12.06.2013

„Antigone und Alexandra”

Sofka Zinovieff ist eine englische Autorin, die aber russische Wurzeln hat und mit einem Griechen verheiratet ist .Auf Deutsch gibt es von ihr schon eine Biografie über ihre Großmutter „Die rote Prinzessin“ (Zsolnay Verlag).

Athen, Paradiesstraße ist die Adresse, wo die Familie Perifanis bis heute lebt. Die Autorin erzählt eine tragische Familiengeschichte aus der Zeit von 1922 bis in die Gegenwart. Sie erzählt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Da ist zum einen Maud. Maud ist eine Engländerin Anfang Vierzig, die mit dem zwanzig Jahre älteren Nikitas Perifanis verheiratet ist. Sie haben eine gemeinsame Tochter namens Tig. Die Geschichte von Maud erzählt, wie sie in Griechenland angekommen ist, wie sie und ihr späterer Ehemann sich kennengelernt haben und wie schwierig es für sie als kühle Britin in Griechenland ist. Ihre Geschichte beginnt damit, dass ihr Mann tödlich verunglückt ist. In ihrer Trauer sichtet sie auch die Papiere im Büro ihres Mannes, der ein anerkannter Journalist war. Und dabei stößt sie auf Briefe von einem Engländer an die Mutter ihres Mannes. Sie beginnt weiter zu recherchieren und ihr eigener Mann erscheint ihr plötzlich fremd zu werden. Der zweite Erzählstrang wird von Antigone erzählt. Antigone ist die Mutter von Nikitas, hat ihn aber als dreijährigen bei ihrer Mutter und ihrer Schwester Alexandra zurückgelassen, um als Kommunistin in die Sowjetunion zu gehen. Von ihr erfahren wir viel über die Familie Perifanis während der Zeit der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg als auch des Bürgerkriegs, der sich fast unmittelbar danach anschloss. Und sie erzählt, warum sie und ihre ältere Schwester sich bis heute hassen.

Sofka Zinovieff erzählt eine spannende und tragische Familiengeschichte, die sie eng mit der griechischen Geschichte der jüngeren Vergangenheit verknüpft hat und die bis in die Gegenwart der Unruhen um den Tod des 15-jährigen Schülers Alexandros Grigoropoulos reicht. Durch ihren eigenen Ehemann und dessen Familie und Freunde hat sie viel von der griechischen Mentalität mitbekommen, die noch heute deutlich in der aktuellen Situation Griechenlands zu erkennen ist. Durch dieses Buch lernt man die griechische Seele ein wenig besser zu verstehen. Es ist aber auch eine ungemein fesselnde Geschichte, die mal wieder geschichtliche Zusammenhänge aufzeigt, die mir persönlich in dieser Form noch nicht bekannt waren. So wusste ich, dass die Deutschen Griechenland während des 2. Weltkrieges besetzt hatten und viele Griechen mit ihnen zusammengearbeitet hatten, aber die unrühmliche Rolle der Briten während des griechischen Bürgerkriegs war mir neu. Ich liebe solche gut geschriebenen, spannenden Familiengeschichten, die einem auch noch viel Wissenswertes über die Geschichte eines Landes vermitteln.

Tolle, gut recherchierte Unterhaltung für Fans von Judith Lennox und Victoria Hislop!

50

12.06.2013

„Wer war der unbekannte Mann”

Eigentlich brauche ich Ihnen die australische Autorin Kate Morton gar nicht mehr vorstellen. Mit ihren inzwischen vier Büchern hat sie längst die Herzen der Leserinnen mit ihren spannenden Schmökern erobert. Meine Besprechung kommt dieses Mal etwas später – ich habe mir ihr aktuelles Buch tatsächlich als Urlaubslektüre aufgespart und wurde nicht enttäuscht.

Dieses Mal erzählt Kate Morton die Geschichte der Familie Nicolson. Die Hauptpersonen der Familie sind die Mutter Dorothy, die gerade ihren neunzigsten Geburtstag feiert und ihre älteste Tochter Laurel. Laurel hat an ihrem sechzehnten Geburtstag eine Beobachtung gemacht, die sie Zeit ihres Lebens verfolgt hat. Doch als sie jetzt ein Bild ihrer Mutter als junger Frau Arm in Arm mit einer Freundin sieht, versucht sie die Geschichte ihrer Mutter während der Kriegsjahre zu recherchieren. Dabei trifft sie auf die Freundin Vivian und ihren Mann, sowie auf Jimmy, einen Mann, den ihre Mutter wohl sehr geliebt hat. Was ist aus diesen Menschen geworden, und was haben sie mit dem unheimlichen Fremden zu tun, der plötzlich an Laurels Geburtstag aufgetaucht ist. Kate Morton schafft es wieder die Geschichte ausgesprochen lebendig zu erzählen. Sie beginnt mit der Episode an Laurels sechzehnten Geburtstag. Dann sind wir in der Gegenwart und Laurel und ihre Schwestern bereiten die Geburtstagsfeier für ihre Mutter vor. Und dann springt die Geschichte in die Zeit zwischen 1929 bis zum Mai 1941. Immer wieder wechselt die Autorin zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her. Wir lernen Dorothy genannt Dolly als junges Mädchen kennen. Wir erfahren, wie sie sich verliebt und nach London geht und versucht ihre Träume zu verwirklichen. Ein großes Vorbild ist für sie Vivien. Doch sie kennt die wahre Vivien gar nicht wirklich. Und so tauchen wir ein in eine große Liebesgeschichte, in eine tragische Verwechslungsgeschichte und erkennen nach und nach die Wahrheit, die die Protagonisten gut zu verbergen wissen. denn Dorothy und Vivien haben beide ihre Geheimnisse.

Kate Morton schafft es auch dieses Mal wieder eine ausgesprochen spannende Geschichte mit einem dunklen Geheimnis in der Vergangenheit zu erzählen. Sie ist ein wahre Könnerin darin, einen immer wieder aufs Neue zu überraschen. Immer, wenn die Leserin gerade meint, sie hat des Rätsels Lösung gefunden, nimmt die Geschichte doch noch einmal eine ungewöhnliche Wendung. Damit hält Kate Morton wie schon gewohnt die Spannung bis zuletzt. Auch innerhalb der Geschichte erhält sie die Spannung auf einer hohen Ebene, denn immer wenn gerade sich eine Auflösung anbahnt, endet das Kapitel und die Geschichte geht aus einer anderen Perspektive weiter.

Eine ausgesprochen spannende Familiengeschichte für Freunde guter Unterhaltungsliteratur.