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I_love_books
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I_love_bookss Rezensionen

buch

Eifler Zorn

Elke Pistor

EUR 9,90 *
auf Merkliste

50

10.10.2012

„Erfrischender Mix aus historischen Roman und Eifel-Krimi”

Elke Pistor erzählt uns einen Eifel-Krimi aus zwei Perspektiven: Gemünd um 1900 und Gemünd im Hier und Jetzt.

Die Zeitspanne von über einem Jahrhundert erscheint groß, gar fast unüberbrückbar und dennoch ist es der Autorin gelungen die zwei Zeitstränge spannend und logisch miteinander zu verknüpfen. Schnell wird dem Leser bewusst, dass die Vergangenheit und die Gegenwart eines gemeinsam haben: In beiden Jahrhunderten wurde ein brutaler Mord vollübt und beiden Opfern fehlen die Hände!

Zum Inhalt

Einerseits erfährt man die Geschehnisse aus dem schicksalhaften Leben des Jungen Paul Weber. Er kommt aus sehr einfachen, armen Verhältnissen. Und er trägt eine große Bürde auf seinen Schultern – muss er doch seine Eltern und Geschwister mit dem Hungerlohn aus einer Fabrikarbeit ernähren. Paul ist clever und geschickt. Er hat Ideen, welche die Unfälle der Fabrikarbeiter minimieren könnte. Doch ein Aufwiegler und Besserwisser kommt weder beim Vorarbeiter noch beim Fabrikbesitzer gut an. Er wird kurzer Hand vor die Tür gesetzt. Doch das sollte nicht das Schlimmste sein, was Paul erleben muss. Seine Schwester stirbt an Diphtherie und er wird seiner Familie entrissen. Von nun ab wird er im Gemünder “Bildungsheim für Handwerker” untergebracht. Mit heutigen Ausbildungsstätten kann man das nicht vergleichen, es entsprach eher einer Erziehungsanstalt. Damals herrschte “Zucht und Ordnung” und wer nicht gehorsam und fleißig war, dem drohte Prügel und vieles mehr…

Andererseits spielt die Handlung in Gemünd in der heutigen Zeit. Auf der Baustelle eines Abrisshauses taucht die Leiche eines Jungen in einer Holzkiste auf, dem die Hände fehlen. Auf den ersten Blick schaut die Leiche noch recht “frisch” aus – jedoch stellt sich heraus, dass es sich um eine sogenannte Fettwachsleiche handelt. Das Opfer kann also mindestens seit acht Wochen oder sogar bis zu mehreren Jahrzehnten in der Kiste gelegen haben. Nur dem Ausschluss von Sauerstoff und stehendes Gewässer ist es zu verdanken, dass die Leiche nicht verweste.

Judith Bleuler und Kommissar Sauerbier werden auf den Mordfall angesetzt. Auch die allseits bekannte Ina Weinz ist in die Ermittlungen involviert, obwohl sie längst nicht mehr in der Mordkommision tätig ist. Das Verhältnis zwischen Sauerbier und Weinz ist mehr als unterkühlt und Sauerbier wird seinem Namen mehr als gerecht: er ist engstirnig und mürrisch, das macht die Zusammenarbeit für Judith nicht gerade einfach.

Noch tappen die Ermittler im Dunkeln, als plötzlich der Ehemann von Ina’s Kollegin Sandra Kobler ebenfalls tot aufgefunden wird. Auch ihm wurden die Hände entfernt.

Was geht in Gemünd vor sich? Hat das irgendetwas mit den okkulten Dingen im Wald zu tun, weswegen Ina schon länger ermittelt? Als auch noch Ina’s Stieftochter Henrike verschwindet, wird ihr Angst und Bange – ist Henrike in Lebensgefahr?

Mein Fazit

Der Mix aus historischen Roman und Eifel-Krimi ist erfrischend, auch wenn man anfänglich erst mal den Überblick über die Handlungszeiträume und die vielen Personen gewinnen muss. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und ich persönlich könnte mir vorstellen, das Elke Pistor gut ein zweites Autoren-Standbein neben dem Eifel-Krimi aufbauen könnte: Der historische Roman.

50

07.10.2012

„Ein literarisches Meisterwerk”

Zum Inhalt
Sinuhe ist ein hervorragender Arzt im alten Ägypten, der fast sein ganzes Leben lang durch die fernen Länder des Orients gereist ist. Er wurde schließlich für immer aus Theben verbannt. Vor lauter Einsamkeit und Heimweh beginnt er als alter Mann seine Lebensgeschichte auf Papyri niederzuschreiben:
Die Odyssee des kleinen Sinuhe beginnt mit seiner Aussetzung im Schilf kurz nach seiner Geburt – das Leben als möglicher zukünftiger Pharao wird ihm somit verbaut. Mit viel Glück wird er von dem Armenarzt Senmut und seiner Frau Kipa gefunden und als ihr eigenes Kind aufgezogen. Keiner ahnt zu der Zeit seine wahre Herkunft.
Erst wollte Sinuhe Krieger werden, doch er wurde eines besseren belehrt. Nun sollte er in die Fußstapfen seines Vaters im Haus des Lebens treten und den Beruf des Arztes zu lernen.
Bevor man im alten Ägypten jedoch Arzt werden konnte, musste man als Priester geweiht werden. Von da ab begann eine verwirrende Zeit für Sinuhe, in der er lernte erwachsen zu werden.
Als angehender Priester / Arzt fühlte er sich missverstanden, da er sehr wissbegierig war und vieles hinterfragte – das war jedoch nicht erwünscht. Seine ersten beruflichen Erfolge machte er an der Seite des königlichen Schädelbohrers. Zu dem Zeitpunkt lernte er den späteren Pharao als Jungen kennen – dieser sollte in die Geschichte unter dem Namen Echnaton eingehen.
Als Sinuhe endlich als Arzt tätig werden konnte, kaufte er sich einen Sklaven namens Kaptah. Kaptah war ein kleines Schlitzohr, eine Quasselstrippe würde man heute sagen. Aber er war ein herzensguter Mensch, der Sinuhe treu und ergeben diente und der ihm in der Zukunft ein wahrer oder gar der einzige wahrer Freund werden sollte.
Trotz das Sinuhe so ein cleverer Arzt war, fehlte es ihm an Lebenserfahrung und Menschenkenntnis. Er fällt auf eine wunderschöne ältere Frau namens Nefernefernefer herein, die in um den Verstand und sein ganzes Hab und Gut sowie das seiner Eltern bringt. Aufgrund dessen nehmen sich seine Eltern das Leben. (Der Hörbuch-Abschnitt um Nefernefernefer war übrigens der einzige, der mich etwas genervt hat.)
Voller Schmach und völlig mittellos begibt sich Sinuhe in das Haus der Toten, um dort so lange zu arbeiten, bis er die Schulden für die Einbalsamierung seiner Eltern beglichen hat.
Mit Kaptah macht sich Sinuhe anschließend auf Reisen nach Babylon, Kreta und zu vielen anderen Ländern. Die Könige, Städtenamen und zeitlichen Geschehnisse usw. entsprechen der Realität. Alles ist gut recherchiert – Waltari schildert Sinuhe’s Reiseziele sehr lebendig und detailliert. Es fühlt sich so an, als wäre der Zuhörer mitten im 14. Jahrhundert vor Christus mit dabei.
Mehr möchte ich inhaltlich nicht verraten, außer dass viele Dialoge zwischen Kaptah und Sinuhe sehr amüsant sind und dass man eine Menge Wissenswertes über das altertümliche Ägypten und die anderen Länder im Orient erfährt.

Mein Fazit
Sinuhe der Ägypter – ein literarisches Meisterwerk: Historische Fakten treffen auf eine spannend erzählte alt-äqyptische Geschichte zu Zeiten Echnatons.

buch

Der Cop

Ryan David Jahn

EUR 19,99 *
auf Merkliste

50

07.10.2012

„... Gar nicht so leicht zu verdauen”

Im fiktiven Örtchen namens Bulls Mouth, Texas geschieht der Alptraum jeder Eltern: Ian Hunt & seine Frau gönnen sich einen Abend zu zweit, während der große Sohn auf seine kleine Schwester Maggie aufpassen soll. Sie wird klammheimlich aus ihrem Kinderbett entführt. Keiner hat etwas bemerkt, nur das zerschnittene Fliegengitter zeugt vom Eindringling. Maggie ist spurlos verschwunden. 7 Jahre später ist Hunts Leben so gut wie zerstört. Trotz dass Maggie’s Leichnam nie gefunden wurde, hat seine inzwischen geschiedene Frau auf eine Beisetzung bestanden. Der Kontakt zu seinem Sohn ist in die Brüche gegangen, da die Schuldfrage von Maggie’s Verschwinden unausgesprochen wie ein Damoklesschwert zwischen Ihnen beiden hing. Ian wurde zum Dispatcher (“Dispatcher” – so heißt übrigens der Originaltitel) des Polizeinotrufes degradiert und auch persönlich lässt er sich sehr gehen. Nur die Hoffnung, dass Maggie irgendwo da draußen ist, hält ihn am Leben. An einem stinknormalen Arbeitstag in der Notrufzentrale – zwischen Solitär-Spielen und Langerweile – wird ein einziger Anruf Ian völlig wachrütteln: Am anderen Ende der Leitung ruft ein Mädchen um Hilfe. Sie heiße Maggie, Maggie Hunt und sie versucht vor ihrem Entführer zu fliehen. SEINE Maggie lebt und Ian wird plötzlich bewusst, dass er zu allem fähig ist, um seine geliebte Tochter kein zweites Mal zu verlieren.

Mein Fazit
“Der Cop” ist gar nicht so leicht zu verdauen – geht es neben Kindesentführung auch um Jahre lange Folter der kleinen Maggie. Schnell wird dem Leser bewusst, wie geisteskrank und brutal ihre Entführer sind: Maggie ist nicht das erste Opfer, aber das einzige das bisher überlebt hat!

50

07.10.2012

„Eine lesenswerte Autobiographie über eine starke Frau, die sich aber nicht zu fein ist, Schwäche zu zeigen.”

Auch wenn TV-Shows wie CSI & Co allseits beliebt sind, so ist die Realität im Umgang mit dem Tod eher ein Tabu-Thema. Doch irgendwer muss sich doch auch hierzulande um die "Hinterlassenschaften" von Suiziden, Morden oder Unfällen am Tatort kümmern, dachte sich Antje Schendel und beschäftigte sich sehr lange gedanklich damit, bevor sie die erste Tatortreinigung Deutschlands gründete.

Zum Inhalt

Im Buch geht es keineswegs um eine detailierte blutige Beschreibungen der unvorstellbarsten Tatorte von Frau Schendel’s Laufbahn. Auch werden keine Betriebsgeheimnisse verraten, wie man z. B. Blutflecke entfernt. Wer das erwartet, sollte lieber weiter CSI & Co. anschauen: Antje Schendel beschreibt meiner Meinung nach eher autobiographisch, wie sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf kam – der für sie eine Berufung ist. Denn sie arbeitet nicht nur als bloße Tatortreinigerin nach dem Motto "Hauptsache clean" - sie versteht sich auch auf den respektvollen und gefühlvollen Umgang mit den Hinterbliebenen.

Mein Fazit

Eine lesenswerte Autobiographie über eine starke Frau, die sich aber nicht zu fein ist, Schwäche zu zeigen. Danke für die Einblicke in das Leben DER Tatortreinigerin: Mich hat es sehr berührt, wie offen die Autorin über Ihre eigenen Schicksalsschläge berichtet. Das sie dem Modeldasein den Rücken kehrte und letztendlich an ihrer Idee der Tatortreinigung festhielt - obwohl es ein Sprung ins Ungewisse war - macht Mut.

Hörbuch

Das Geständnis

John Grisham

EUR 19,99 *
auf Merkliste

40

07.10.2012

„Einblicke in die “Maschinerie Todesstrafe"”

Reverend Keith Schroeder hat in seiner Gemeinde wenig Sorgenkinder, bis eines Tages Travis Boyette bei ihm auftaucht und beichten möchte. Der rechtskräftig verurteilte Sexualstraftäter ist sterbenskrank und er berichtet dem Reverend, dass er einen Mord begangen hat, für den ein junger Mann in vier Tagen hingerichtet werden soll. Reverend Schroeder sieht sich berufen, den unschuldigen Donté Drumm aus der Todeszelle zu retten.

Er macht sich gemeinsam mit dem Schwerverbrecher an seiner Seite auf die lange Reise nach Huntsville, Texas.

Mein Fazit

Grisham zeigt, dass Rassenhass Justizia nicht nicht immer unparteiisch lässt, dass die Unschuldsvermutung nicht für jeden gilt und dass die “Maschinerie Todesstrafe” kaum einen Rückwärtsgang hat. John Grisham ist bekannt für seine Justizthriller. Aber dieses mal hat er mich echt gepackt – Das Geständnis ist ein Hörbuch a la “Achterbahn der Gefühle”. Ich hätte mir nur gern ein Happy End gewünscht.

buch

Oberwasser

Jörg Maurer

EUR 9,99 *
auf Merkliste

40

29.03.2012

„Ein Mix aus Bayrischen Humor und einem Krimi”

Oberwasser ist bereits der vierte Fall von Kommissar Jennerwein und doch hatte ich bisher keine Ahnung von dessen literarischer Existenz. Ich bin also ein absoluter Alpenkrimi-Frischling.
Normaler Weise bin ich kein großer Fan von kabarettistischen Texten und deshalb war ich anfangs recht skeptisch, ob das Buch von Jörg Maurer wohl zuviel Wortwitz für meinen Geschmack beinhaltet. Aber Grundlegend ist es ja ein Krimi, also muss es ja auch etwas für mich sein.
Zum Inhalt:
Im tiefen Bayern gibt es mehr als nur Weißwurschteln, Brezen und Leberkäs’… Die Kurort-Idylle trügt, denn die Mafia treibt dort seit langem ihr Unwesen und während das BKA vor Ort ermittelt, verschwindet einer ihrer Beamten spurlos. Kommissar Jennerwein und sein Team werden mit der Suche beauftragt – jedoch müssen sie undercover agieren und ihre Anwesenheit durch ein fiktives Verbrechen begründen. Die Ermittler saugen sich eine irrwitzige Story über einen Wilderer und einen Mord aus den Fingern und los geht’s mit dem Alpenkrimi.
Mein Fazit:
“Oberwasser” ist ein witziger Krimi, der durchaus Lust macht, noch mehr bayrischen Ermittlern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu lunzen. Die Handlung besteht aus mehreren Handlungssträngen und noch mehr Personen. Die Namenvielfalt hat mich irgendwie ein bisschen erdrückt. Gern hätte ich noch mehr Details über die tatsächlichen Geschehnisse in der Höllentalklamm (Folter & Halluzinationen) gehabt.
Zum Schluss muss ich gestehen, dass mich der kleine Bayrische Exkurs – mit den vielen bayrischen Wörtern und Redewendungen, wie z. B. “I muass aufs Heisl” – sehr amüsiert hat. Während des Lesens ist mir außerdem bewusst geworden, dass der Autor einen gewissen Faible dafür hat, eigene Wörter & Redewendungen zu kreieren. Die Passage “Ein homöopathisches Nicken der Nickstärke D20" ist mir z. B. sehr in Erinnerung geblieben.